Sicarius

Ein kurzes Gastspiel

Ein aufmerksamer Pichu

Wir hatten letzte Woche einen fremden Gast in unserem Garten. Tatsächlich der erste in den fast acht Jahren, in denen wir ihn schon katzensicher gemacht haben. Man könnte ja erwarten, dass das öfters passiert. Aber nein, scheinbar sind die meisten Vierbeiner intelligent genug zu sehen, dass sie bei uns nicht mehr von alleine rauskommen – auch, wenn unser Gast in seiner Panik überraschend weit kam.

Zwei Minuten Aufregung

Donnerstagmorgen sind wir wie gewohnt in die Küche, um den Katzen ihre Vorspeise zu machen. Nur waren die Vierbeiner nicht da. Äußerst ungewöhnlich. Stellte sich heraus, dass die alle auf der Terrasse saßen. Fanden wir erstmal komisch, also versuchten wir sie reinzulocken. Half aber bei Jules und Pichu nicht und Miro und Ayla waren zwar ins Haus gegangen, aber dort sehr nervös. Dann fiel mir auf, dass sie draußen alle nach oben starrten. Das war in der Vergangenheit immer das Zeichen, dass sich eine unserer Katze illegaler Weise auf der Terrassenüberdachung aufhielt – außerhalb des sicheren Gartens. Ich folgte also ihren Blicken und musste erstaunt feststellen: Auf einem Querbalken der Terrassenüberdachung lag eine extrem verängstige und uns nicht bekannte Katze.

Wir haben dann umgehend Sofortmaßnahmen eingeleitet: Unsere Maunzer alle reingeholt und die Katzenklappe gesperrt. Anschließend bin ich raus und habe das Gartentor geöffnet. Unser Gast machte aber keine Anstalten seinen erhöhten Platz zu verlassen. Lysanda meinte dann, dass wir ihm eine Leiter hinstellen sollten, damit er vielleicht einfacher runterkäme. Habe ich dann auch gemacht, aber als ich begann die Leiter auszuziehen, war es der fremden Katze scheinbar zu viel. Sie sprang runter ins Gras, raste quer durch den Garten zum Zaun auf der anderen Seite und kletterte in Panik daran hoch.

Jules hat den Eindringling ebenfalls entdeckt

Und ja, im Gegensatz zu unserem Pichu schaffte sie es am Ende mit Hilfe des Schwungs die 50cm Plexiglas zu überbrücken und auf einem der Zaunpfosten zu balancieren. Adrenalin gibt einem echt viel Kraft. Sie wollte von dort aus dann aufs Garagendach springen – woher sie vermutlich gekommen war -, rechnete aber nicht mit der Instabilität unserer dortigen Pichu-Sperre. Das ist eine quer liegende Plexiglasscheibe, die mit einer Art Klammer an der Wand befestigt ist. Durch das Gewicht brach der Schraubenkopf ab und sie fiel zusammen mit der Scheibe zurück in den Garten.

Daraufhin entdeckte sie endlich das offene Gartentor und schlüpfte mit rasendem Tempo hindurch. Wenn sie nicht irgendwann gestoppt hat, rennt sie vermutlich immer noch über die anliegenden Felder. Oder in kurz: Den Maunzer werden wir garantiert nie wieder in unserem Garten vorfinden :smile: .

Die Nachwehen

Ich hab‘ dann die Pichu-Sperre repariert, während unsere Katzen gründlich und sichtlich verunsichert jeden Winkel des Gartens inspiziert haben. Wo ein Eindringling ist, könnte schließlich noch einer sein. Es dauerte einige Zeit bis sie wieder ruhiger wurden. Lysanda hatte entsprechend Schwierigkeiten Jules seine morgendliche Medikamentendosis zu geben. Statt sich für sein Futterschälchen zu interessieren, blickte er immer wieder aus dem Fenster hinaus in den Garten.

Wie lange die fremde Katze im Garten war, konnten wir nicht nachvollziehen. Trotz unserer umfangreichen Kameraüberwachung, wurde dieser Zeitpunkt nicht festgehalten. Aber es waren definitiv ein paar Stunden, denn wir hatten einen Pichu, der frühmorgens plötzlich unterm Mandelbaum sitzt und nach oben starrt. Anderthalb Stunden später kommt dann auch Jules raus und stellte fest, dass da was ist, bevor wir dazu kamen.

Epilog

Die einzige Aufnahme

…und das war auch schon alles, was es zu diesem kleinen Abenteuer zu berichten gibt. Uns sind auf der Terrasse anschließend noch drei, vier Flecken aufgefallen, die den Anschein von Blut machten. Aber es waren zu wenig, sahen bereits zu trocken aus und hatten nicht wirklich die passende Farbe dafür. Insofern gehen wir mal davon aus, dass es dem Eindringling gut geht und nichts passiert ist. Zumal Pichu definitiv nicht der aggressive “Hau Drauf” ist und Jules ihn erst kurz vor Schluss bemerkt hat.

Überrascht hat mich hingegen zu sehen, dass es theoretisch doch möglich ist aus unserem Garten zu entkommen. 50cm hohes Plexiglas zu überspringen und obendrauf zu landen ist schon eine ganz schöne Meisterleistung. Aber warum auch immer wollte die Katze partout nicht in Nachbars Garten. Vermutlich, weil sie befürchtete da ebenfalls nicht mehr rauszukommen. Keine Ahnung, wie gut sie die Gegend schon kannte. Machte leider den Eindruck einer Bauernhofskatze und sah ähnlich aus wie die, die wir vor Jahren mal eingefangen hatten.

Schauen wir mal, ob es in den nächsten acht Jahren wieder jemanden unfreiwillig zu uns verschlägt :smile: .

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