Unter Autoren heißt es immer man solle über Sachen schreiben, die man kennt. Sicherlich gibt es auch den einen oder anderen Klassiker, der ohne Vorkenntnisse entstanden ist – ein gewisser George R. R. Martin wusste beispielsweise angeblich laut diverser (Satire-)Webseiten zu Beginn von A Game of Thrones nicht wie Pferde aussehen – aber ein Erotikroman wird sicherlich nicht ganz so gut sein, wenn er von einer 30jährigen Jungfrau stammt. Also nicht, dass ich jetzt mit diesem speziellen Genre Erfahrung hätte. Das war nur ein zufälliges Beispiel. Ihr solltet nun definitiv nicht beim gutsortierten Buchhändler vorbeischauen und euch das Buch “Ey! Figge?! – Stürmische Liebe im Hutzelgrund” vom griechischen Jungautoren Nnamfoh Hpotsirhc kaufen. Auch wenn es angeblich total toll ist und die realistischsten Darstellung von sexuellen Handlungen im gesamten Genre bietet. Darunter so extrem anmachende Passagen wie
[…] Unsicher und mit zittrigen Händen nahm er die Klobürste in die Hand und schaute fragend seine Begleiterin an.
“Wos mach ichn domit jetz, Modder?!”
Nur mit einem Bademantel bekleidet antwortet seine Mutter in einem schroffen Befehlston:
“De Klo saubä, du Drecksau! Des is sowos von eklich.”
“Äwä ich hob sowos no nie gemocht!”
“Donn wird’s verdommt noch a mol Zeid! Du bischt zwoundväzich Joar un Elekdroingenieur. Du kunnst doi Scheißä gefällichst selbst wegmoche.”
Häbbert gibt sich geschlagen und kniet langsam und vorsichtig vor der nicht mehr ganz so glänzend weißen Kloschüssel nieder. […]
Ich hab’s selbstverständlich nicht gelesen. Aber der Freund eines Freundes dessen Freundin als Putzfrau des Verlagsmanagers arbeitet hat gemeint, dass die Frau des Manns mit dem die Ehefrau des Verlagsmanagers fremd geht irgendwo in einem Sexshop mal im Augenwinkel eine Werbung dafür gesehen hätte.
Das eigentliche Thema
Jetzt aber mal Spaß beiseite. Natürlich habe ich (noch) keinen Erotikroman verfasst (Verlage wenden sich bitte an die Adresse im Impressum). Viel mehr wollte ich auch heute wieder meinen Unmut über bestimmte “Journalisten” loswerden. Sicherlich gibt es Situationen, in denen ist es nicht verkehrt mal jemanden an ein Spiel heranzulassen, der vielleicht mit dem jeweiligen Genre nicht ganz so vertraut ist oder gar Berührungsängste hat. Das kann mitunter positive Folgen haben. Und manchmal geht es auch tatsächlich nicht anders. SHIFT 2 Unleashed gehörte jetzt auch nicht unbedingt zu meiner Kernexpertise. Aber ich war nun einmal der einzige vor Ort, der zumindest halbwegs etwas mit Rennspielen anfangen konnte also habe ich das Beste draus gemacht.
Doch so eine Herangehensweise sollte wohl überlegt sein. Ich lasse jemanden, der sein Leben lang nur Shooter gespielt hat (egal ob Call of Duty oder DOOM) nicht einfach an ein Rollenspielmonster wie Divinity: Original Sin ran. Eher an eine Einstiegsdroge wie Diablo III. Und schon gar nicht mache ich ihn zum Haupttester. Dass bei dieser Praxis am Ende nur ein Mist rauskommt, der nicht nur dem Spiel nicht gerecht wird, sondern auch eine Verarschung der Leser ist, sollte klar sein. Denkt nur an die Kontroverse um die Spike Video Game Awards, die in den vergangen Jahren vor allem mit Moderatoren glänzten, die vermutlich nicht einmal wissen wie man “Videospiel” schreibt.
Leider ist das eine Praxis, die national und international anscheinend gerne zum Einsatz kommt. Vermutlich teilweise auch um bewusst Kontroversen heraufzubeschwören. Wie oft hat Swen Vincke von Larian Studios schon über Preview-Veranstaltungen gejammert zu denen Journalisten kamen, die nicht nur noch nie von der Divinity-Serie gehört haben (vertretbar), sondern ein Ultima nur vom Namen kennen und grundsätzlich überhaupt nichts mit Rollenspielen am Hut haben. Das wäre, als würde ich FIFA 15 testen. Das wäre dann auch ein Einseiter, in dem sinngemäß steht “Da sind 22 Leute auf einem grünen Rasen von denen 20 Stück versuchen einen Ball zu treten. Dieses Jahr glänzt der Ball etwas mehr als im Vorgänger”. Sehr hilfreich und schade um die investierte Zeit und das Geld.
Alter Schwede!
Ganz aktuell hat in der Hinsicht der Modeblog RockPaperShotgun den Vogel abgeschossen, auch wenn sie glücklicherweise am Ende keinen Blogeintrag dazu veröffentlicht haben soweit ich das sehen kann. Sie hatten wohl die Mühe auf sich genommen und einen Reporter auf die QuakeCon geschickt. Um was zu machen? Natürlich live dabei zu sein wie DOOM den Anwesenden vorgestellt wird, also vor allem den Hardcore-Fans. Und wen schicken sie hin? Jemanden, der noch nie im Leben DOOM gespielt hat (sowas gibt es?!) und auch sonst mit Shootern wenig anfangen kann. Glorreich. Wie gesagt ist am Ende dann doch kein Artikel dazu veröffentlicht worden. Es blieb wohl bei den paar völlig idiotischen und haarsträubenden Zitaten während den Zuschauer-Interviews auf dem offiziellen QuakeCon-Stream (und ein paar äußerst genervten Besuchern).
Trotzdem muss ich mir bei sowas echt die Frage stellen, was sich der Verantwortliche dabei gedacht hat. Welche Agenda hat der Chefredakteur damit verfolgt? War wirklich absolut niemand anderes – nicht einmal irgendein schlecht bezahlter freier Mitarbeiter – bereit dahin zu gehen? Oder war es tatsächlich der Versuch mal wieder total “edgy” und “hip” zu sein. Wollte man mit so einem Ansatz wieder einmal die Grenzen des “alltäglichen” Journalismus sprengen? Ungefähr so wie es täglich tausende andere selbsternannte “Elite”-Blogger mit ihren geschwollen geschriebenen Amateurtexten voller “Emotionen” und “Gefühlen” aus der Ich-Perspektive versuchen?
Selbstverständlich gibt es wie erwähnt Situationen, da funktioniert das Ganze. Aber es ist eine extrem hohe Kunst es richtig zu machen und vor allem ein Unterhaltungsmedium wirklich in dieser Art und Weise kritisch zu behandeln. Da muss nicht nur die Vorlage stimmen (deswegen passiert es vor allem bei pseudo-künstlerischen Indie-Titeln, weil es da wohl für viele einfacher erscheint), sondern auch der jeweilige Autor echtes Können besitzen. Jemanden, der keine Ahnung hat von Tuten und Blasen zu einem Event hinzuschicken reicht da nicht einmal im Ansatz aus.
Bis Montag!












