Joa, diesen Plot Twist haben wir definitiv nicht kommen sehen. Da schreib ich frohen Mutes am Sonntagnachmittag den Montagseintrag während Balu auf unserer Kratztonne liegt – und dann stehen wir um ca. 22 Uhr erneut mit ihm beim tierärztlichen Notdienst vor der Tür. So hatten wir uns den Abend nicht vorgestellt…
Von jetzt auf gleich
Wir werden vermutlich nie erfahren, was genau passiert ist. Aber wir saßen im Wohnzimmer während Balu im Arbeitszimmer auf der Kratztonne lag. Als Lysanda mal nach ihm schaute, hob er den Kopf und schaute zurück. Soweit so normal also. Ungefähr eine Stunde später haben wir uns fürs Bett fertig gemacht – dazu gehört allen Parteien noch etwas Futter hinzustellen (den Mädels oben, Jungs im Wohnzimmer und Balu wie geplant im Arbeitszimmer). Lysanda brachte also unsere Mädels nach oben in ihr Schlafgemach und ich ging zu Balu mit seinem Futter. Ich fand ihn in einem niedrigen Karton stehend vor. Es sah so aus, als würde er sein Geschäft machen. Also bin ich hin und wollte ihn aus dem Karton holen. Bei dieser Berührung ist er dann zusammengebrochen. Er konnte seine Vorderbeine nicht mehr bewegen und ist panisch mit den Hinterbeinen und in Bauchlage durch den Raum gerobbt. Ich hab‘ Lysanda gerufen, sie hat ihn eingefangen und zu sich auf den Schoß genommen, um ihn zu beruhigen. Derweil habe ich den Notdienst angerufen.
Nachdem wir wussten, wo wir hinfahren müssen, haben wir Balu eingepackt. Dort angekommen hat die Tierärztin ihn nach Strich und Faden untersucht, konnte aber akut mit den ihr zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln nichts feststellen, was die Probleme verursacht. Zu diesem Zeitpunkt konnte er sich schon gar nicht mehr bewegen. Also nächste Station Tierklinik. In unserem Fall AniCura Frankfurt. Das waren die einzigen in der Umgebung, die ans Telefon gingen. Es erfolgte eine erneute allgemeine Untersuchung sowie ein Röntgenbild, aber es konnte wieder keine Ursache auf die Schnelle gefunden werden. Wir ließen ihn für weitere Untersuchungen vor Ort und waren irgendwann kurz nach Mitternacht wieder Zuhause – mit den Nerven am Ende und ohne Balu.
Was ist los?!
Viel geschlafen haben wir in der Nacht nicht. Unsere Sorge galt Balu. Inklusive auch der Frage, an welchem Zeitpunkt wir “den Stecker ziehen”. Eine Frage sowie die dazugehörigen Folgen, die uns so einige tränenreiche Stunden bescherte im Verlauf der Woche.
Montagsvormittags kamen uns Zweifel, ob Balu in der Tierklinik in Frankfurt wirklich gut aufgehoben ist. Der erste Anruf bei der Empfangsdame am Morgen war inhaltlich dürftig und erfüllte uns nicht gerade mit Zuversicht. Anschließend hab‘ ich dann den Fehler gemacht die Bewertungen der Klinik bei Google zu überfliegen, was meine Begeisterung ebenfalls nicht gerade steigerte. Wo hatten wir unseren Balu nur hingebracht?! Jetzt muss man allerdings berücksichtigen, dass die Menschen häufiger Bewertungen schreiben, wenn sie unzufrieden sind. Eine Freundin empfahl parallel die Klinik für Kleintiere an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Die haben auch eine neurologische Abteilung. Und, dass es was Neurologisches ist, war für mich als Laie zumindest naheliegend. Schließlich konnte er seine Gliedmaßen und seinen Kopf nicht mehr bewegen, es war von jetzt auf gleich passiert und drei Ärzte hatten bisher keine körperliche Ursache gefunden.
Wir entschieden uns also gegen Mittag mal in Gießen anzurufen und den Fall zu schildern. Nach Rücksprache mit der dortigen Oberärztin kam die Ansage, dass wir ihn vorbeibringen sollen und zwar möglichst zeitnah. Also gleich in Frankfurt angerufen und angekündigt, dass wir jetzt losfahren und Balu abholen. Die Dame am Telefon war logischerweise etwas überrascht, hat unseren Wunsch aber trotzdem berücksichtigt.
Auf zur 2. Klinik
In Frankfurt angekommen, haben wir dann noch ein Gespräch mit der diensthabenden Ärztin geführt und sind mit einem wesentlich besseren Gefühl aus der Klinik rausgegangen. Und das nicht nur, weil sie uns zustimmte, dass er in Gießen besser aufgehoben sein würde. Sie hatten nämlich so einige Untersuchungen schon gemacht und waren mittlerweile an dem Punkt angelangt, dass jetzt bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen sollten. Sprich ein CT oder besser noch ein MRT. Aufgrund eines Vertippers in meiner Telefonnummer, konnten sie mich allerdings nicht erreichen, um das abzustimmen. Wobei ein MRT in Frankfurt eh nicht möglich gewesen wäre.
In Gießen angekommen, folgte wieder eine allgemeine Untersuchung und anschließend die Entscheidung ihn stationär aufzunehmen – nach Unterzeichnung der Kostenübernahme versteht sich. Dienstags durfte dann erstmal die innere Medizin ran. Also Blutwerte, Organfunktionen, Ultraschall und dergleichen. Von der Bauspeicheldrüsenentzündung sprach danach trotz unserer Rückfragen tatsächlich keiner mehr. Stattdessen war sein Befund alles zusammen genommen unauffällig und nichts dahingehend erklärte seinen Zustand. Stattdessen futterte er ihnen nach eigenen Aussagen die Haare vom Kopf, war aufmerksam und umgänglich – er konnte sich halt nur nicht bewegen.
Endlich eine Ursache!
Wir wurden teils mehrfach pro Tag vom Arzt aus Gießen angerufen, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Und das hieß am Mittwoch: In Narkose legen und ein MRT anfertigen (rund 1.200€; Tag 1 seines Aufenthalts hat ca. 1.000€ verschlungen). Eine Narkose ist ja immer ein Risiko. Für eine Katze in Balus Alter (fast 14 Jahre) aber noch mehr. Allerdings stellten wir uns zu diesem Zeitpunkt schon darauf ein, dass wir ihn einschläfern lassen müssen. Ob er also jetzt aus der Narkose nicht mehr aufwacht, oder dann bei uns friedlich einschläft, wäre auch egal.
Doch erstmal zurück zum MRT: Damit gab es endlich eine neue Erkenntnis. Auf der Höhe des 2. Halswirbels ist auf den Bildern klar eine starke Verengung zu erkennen. Da war sie endlich, die Ursache für seine Probleme. Zwei Möglichkeiten kamen nun in Frage: Ein Tumor oder ein Rückenmarksinfarkt. Ohne eine Biopsie lässt sich das nicht feststellen, was jedoch eine erneute Narkose und eine kleine Operation bedeuten würde. Außerdem sprachen ein paar Punkte wie z.B. das plötzliche Auftreten eher für einen Infarkt. Entsprechend kam von der Klinik der Vorschlag ihn nach Hause zu holen und 1-2 Wochen zu beobachten. Abholen wollten wir ihn mittlerweile sowieso. Wir rechneten schließlich fest damit, dass der nächste Schritt die Einschläferung ist und das hätten wir bei seinem Zustand lieber zu Hause gemacht.
Wir sind also Donnerstagnachmittag wieder nach Gießen und haben ihn eingesackt (nach der Zahlung von fast genau 3.000€). Vor Ort zeigte er schon ein im Vergleich zu Sonntag besseres Bild. Und als wir ihn dann Zuhause aus der Box geholt haben, war er sichtlich erfreut und bewegte sich dabei ebenfalls schon ein wenig. Das Thema Einschläfern war zu diesem Zeitpunkt also erstmal verschoben. Stattdessen ging es jetzt um die Frage, wie kümmern wir uns am besten um ihn. Wie oft und mit was füttern? Urin und Kot ablassen machte er selbstständig, ging aber logischerweise nicht auf dem Katzenklo, sondern nur an Ort und Stelle. Wie gehen wir damit um? Was brauchen wir noch dafür? Dann sollten ihn regelmäßig wenden und ihn zum Bewegen animieren. Dazu auch schnellstmöglich mit einer Physiotherapie anfangen.
Die Casa Lysanda, ein Pflegeheim
Zeit also unseren Alltag erneut umzustellen und voll in den Pflegebetriebsmodus zu wechseln. Ein paar Einkäufe hatten wir dahingehend bereits mittwochs erledigt. Wir wollten ihn auf jeden Fall nach Hause holen, wenn möglich und ihm noch ein paar schöne Tage in vertrauter Umgebung schenken. Im Einkaufskorb landeten deshalb unter anderem eine kleine, faltbare Transportbox*. Wir hatten schon lange eine größere, die unter anderem nach Balus Zähne ziehen und Lyssis Unfall zum Einsatz kam. Hatten wirklich gute Erfahrung damit gemacht, aber die passt nicht in unser Auto und war jetzt auch ein wenig zu groß für eine Katze, die nur auf der Seite liegen kann. Außerdem wollten wir ihn auch im Haus mitnehmen können. Deswegen die kleinere Variante.
Der nächste Punkt waren Inkontinenzunterlagen. Da griffen wir zu einem 50iger-Pack saugfähiger Einmalunterlagen* aus der Hundeecke. Die Saugfähigkeit und der Umgang damit erschienen uns erstmal als ausreichend. Mit dem Füttern gab und gibt es hingegen keinerlei Probleme. Er ist immer sofort begeistert bei der Sache und robbt sich mittlerweile auch schon in Richtung Teller. Dann ein bisschen Unterstützung, also Futter mit einem Löffel in Richtung Mund schieben, und der Rest passiert von alleine.
Der 2. Einkauf
Die Nacht von Donnerstag auf Freitag klappte auch soweit. Er hatte wie erwartet irgendwann in die Box gekackt und gepinkelt. Also Katze raus und sauber gemacht, Unterlage gewechselt, Katze wieder rein, alles super. Wir haben dann ein paar Tierphysiotherapeuten in der Umgebung angeschrieben und tatsächlich noch mittags einen Termin bei einer bekommen. Hatten wir echt Glück. Die Stunde dort zeigte erneut, dass die Uhr für Balu offensichtlich noch nicht abgelaufen ist. Er reagiert, will mitmachen und konnte in Sachen Bewegung schon wieder mehr als tags zuvor.
Anschließend sind wir (ohne Balu) noch zu JYSK gefahren, um am Ende sieben (mehr hatten sie nicht) waschbare Nässeschutzauflagen zu kaufen. Hätte nicht gedacht, dass es sowas in einem Möbelhaus gibt. Aber wenn man drüber nachdenkt, ist es doch naheliegend. Gibt schließlich viele Kinder und ältere Menschen, die Probleme haben. Wir hatten zwar in dem Sinne noch keinen vollen Tag mit Balu hinter uns. Es war aber bereits absehbar, dass wir mit den Einmalunterlagen auf Dauer nur haufenweise Müll produzieren würden und zusätzlich hat er Krallen gegen die die dünnen Matten keine Chance haben. Deswegen wollten wir was Nachhaltigeres. Außerdem haben wir noch ein paar Wolldecken eingepackt, die gerade im Angebot waren. Die wickeln wir in die Nässeschutzauflagen ein und legen das Paket in die Faltbox. Und die vergleichsweise große Menge, damit wir anständig rotieren können. Die Waschmaschine läuft jetzt zwar täglich, aber das Zeug braucht trotzdem Zeit zum Trocknen. Nein, wir schaffen uns jetzt nur für Balu keinen Trockner an. Entsprechend braucht es in der Zwischenzeit Ersatzmaterial. Und die Unterlagen liegen z.B. auch auf dem Spielteppich im Arbeitszimmer oder auf der Couch im Wohnzimmer vorm Fernseher. Dann muss Balu nicht den ganzen Tag nur allein in der Box liegen.
Soweit so gut am Freitagabend. Wir hatten alles, was wir Zuhause brauchten.
Ein sehr dreckiger Balu
Als ich Samstagmorgen zu Balus Faltbox gegangen bin, erwartete mich ein unschöner Anblick. Er hatte, was zu erwarten war, wieder gekotet. Soweit, so normal. Dadurch, dass er allerdings mittlerweile so bewegungsfreudig geworden ist – wir müssen ihn nicht einmal mehr wenden, das macht er von selbst -, hat er sich jedoch buchstäblich in seiner Scheiße gesuhlt gehabt. Da half auch kein Waschlappen mehr das sauber zu machen. Ich musste ihn ins Waschbecken legen und gründlich säubern.
Der Gedanke, dass mich dieser Anblick jetzt jeden Tag erwarten würde, stimmte mich nicht gerade fröhlich. Ja, den ganzen Kram kann man waschen. Aber, dass sich Balu die halbe Nacht darin wälzt ist jetzt nicht unbedingt schön. Außerdem muffte jetzt auch die Transportbox. Nach etwas Recherche folgte also eine weitere Einkaufstour. Zum einen nochmal eine Faltbox. Damit wir hier ebenfalls einen Ersatz haben während die andere gewaschen wird. Im Onlineshop* von Fressnapf ist es zwar nicht zu finden, aber vor Ort gab es dort außerdem ein neutrales von Trixie*. Balu soll schließlich jetzt nicht nach Zitrone stinken oder sowas. Da er sich so massiv eingesaut hatte und er sich ja nicht selbst putzen kann, wollte ich sicherstellen, dass er tatsächlich sauber ist. Da war mir Wasser einfach nicht genug. Wir haben ihn entsprechend dann Zuhause erstmal gebadet. War sicherlich nicht darüber begeistert, aber wir haben es versucht ihm so angenehm wie möglich zu machen und es trotzdem zügig hinter uns zu bringen.
Und das dritte Produkt, was in unserem Einkaufwagen landete, waren waschbare Windeln*. Auch wieder für Hunde gedacht, war die Idee damit eben die Nacht bzw. längere Abwesenheiten von uns zu überbrücken. Immer in der Hoffnung, dass er sich so weniger dreckig macht als ohne. Die Windeln haben einen Klettverschluss und ein Loch für den Schwanz, sind also relativ einfach zu bedienen. Funktioniert hat es ehrlicherweise bislang nicht. Er hat sie jedes Mal erfolgreich ausgezogen und dann doch einfach in die Box gemacht. Immerhin in der Nacht Samstag auf Sonntag sich nicht darin gewälzt.
Der aktuelle Status
Morgen hat er seine 2. Physiotherapiestunde und am Donnerstag sprechen wir wieder mit der Tierklinik in Gießen. Dafür sollen wir ihnen ein paar Videos zuschicken, damit sie sehen wie er sich macht. Aktuell sind wir tatsächlich äußerst optimistisch, dass es zum einen kein Tumor ist. Und zum anderen, dass es wieder halbwegs was mit ihm wird. Zwar machen wir uns keine Illusionen, dass er jemals wieder komplett der Alte sein wird. Aber von alleine durch die Gegend laufen, Leckerlis fangen, aufs Klo gehen und so? Absolut realistisch angesichts der Fortschritte, die er bereits in dieser kurzen Zeit gemacht hat.
Er ist munter, geistig voll anwesend, dreht sich fleißig und liegt sogar mitunter mal kurzzeitig auf dem Bauch. Man sieht Bewegung in seinen Pfötchen und ab und zu sogar im ganzen Bein und robbt sogar ein bisschen durch die Gegend. Während ich diese Zeilen geschrieben habe hat er sich beispielsweise in mehreren Etappen vom Spielteppich zu mir an den Bürostuhl geschoben – rückwärts! Wir unterstützen ihn dabei wo es geht inklusive Massageeinheiten, Bewegung der Gelenke und ärgern seine Nerven mit Massagebällen, Bürsten & Co., wie von der Physiotherapeutin empfohlen.
Drückt ihm also die Daumen und ich halte euch auf dem Laufenden.
“Ach, die Casa Lysanda ist abbezahlt?! Na dann passt das ja perfekt!” dachte sich vermutlich das Universum und hat uns gleich den nächsten Geldabfluss beschert: Neue gesundheitliche Probleme für Balu. In der letzten Woche allein schon um die 850€ (Tierarzt, Spezialfutter, anderes Katzenstreu) verschlungen. Aber was tut man nicht alles für seine Tiere? Bitte? Alles? Ja, fast
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Dabei sah es abseits seiner Arthrose im Oktober noch ganz super aus. Da hatten wir nämlich ein Blutbild machen lassen, weil uns seine langsame aber stetige Gewichtsabnahme uns anfing Sorgen zu bereiten. Aber das Blutbild war zu diesem Zeitpunkt normal und er gab sich soweit topfit. Das galt damals bei Kessy allerdings auch. Im Herbst noch beim Checkup alles im grünen Bereich und dann im Februar mit Tumor im Bauch eingeschläfert… Ganz so schlimm ist es bei Balu zum Glück noch nicht, wobei die eigentliche Ursache noch nicht bekannt ist.
Was ist los?
Losgegangen ist es – wie immer bei sowas – am Wochenende. Sonntagsmorgens stellten wir fest, dass Balu einfach nur extrem apathisch auf dem Walking Pad im Wohnzimmer saß. Er reagierte nicht auf uns, wollte kein Futter und machte auch sonst keinen guten Eindruck. Hatte er einfach nur wieder starke Arthrose-Schmerzen? Sah eigentlich nicht so aus. Da hat er sich sonst einfach irgendwo hingelegt, was er hier aber überhaupt nicht wollte, denn er hatte Mühe den Kopf oben zu halten. Er konnte also eigentlich nicht mehr Sitzen, wollte sich aber nicht hinlegen. Scheinbar war Sitzen doch noch am angenehmsten.
Also was tun? Erster Gedanke: Tierklinik, auch wenn die etwas weiter weg ist und wir dann vermutlich den ganzen Sonntag da verbringen würden. Dann fiel uns aber wieder ein, dass wir bei uns einen mobilen Tiernotdienst haben. Leider konnte der frühestens am Abend vorbeikommen. Solange wollten wir dann doch nicht warten. Wir haben dann bei einer nahegelegenen Tierärztin im Ruhestand angerufen, die noch inoffiziell Notdienste macht und sind dort vorbeigefahren. Sie war von seinem Zustand ebenfalls nicht begeistert und legte uns nahe am Montag direkt zu unserem regulären Tierarzt zu fahren. Bis dahin gab sie Balu ein Schmerzmittel, was auch für ein bisschen Besserung sorgte. Wir konnten ihn dann mit Hilfe einer Spritze Flüssigkeit und etwas Essen verabreichen und später hat er sogar von alleine ein bisschen gefuttert.
2. Tierarztbesuch
Am nächsten Morgen war Balu wieder schlechter drauf. Zwar nicht ganz so schlecht, wie am Sonntagmorgen. Aber er hatte erneut merklich abgebaut. Also ihn eingepackt und pünktlich zur Praxisöffnung vor der Tür gestanden. Ein Blick auf die Waage offenbarte, dass er weiter abgenommen hatte. Anfang Dezember lag er noch bei 5,5kg – jetzt waren es nur noch 4,9kg. Gar nicht gut. Die Tierärztin kam relativ zügig zum Thema Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und Leber sowie möglicherweise Schilddrüse. Also Blut abgenommen und auf das Ergebnis gewartet – und sie sollte Recht behalten. Er hatte eine Bauchspeicheldrüsenentzündung und auch die Leberwerte waren nicht gut. Wobei es hier tatsächlich einen erklärbaren Zusammenhang gibt:
Bei Katzen gibt es die anatomische Besonderheit, dass sich die Ausgänge des Pankreas und der Leber (bzw. Gallenblase) an exakt der gleichen Stelle am vorderen Dünndarm treffen. Dadurch können sich die drei Organe relativ einfach gegenseitig entzünden (“Triaditis”). Sprich, wenn beispielsweise das Pankreas erkrankt ist, können die krankhaften Zellen ohne Umwege auch in die Leber oder den Dünndarm gelangen und dort Probleme verursachen. Wobei der “traditionelle” Weg zu einer Pankreatitis eher umgekehrt ist. Also das Tier hat ursächlich eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (“Inflammatory Bowel Disease” kurz IBD). Die hat als ein Symptom, dass die Katze erbrechen muss. Und bei diesem Vorgang gelangen dann Darmsekrete in das Pankreas und das Gallensystem, was wiederrum zu einer Entzündung beider führen kann. Hat die Natur echt dämlich gemacht.
Die Behandlung
Ob Balu eine Triaditis hat oder es doch etwas mit der Schilddrüse ist (weil er so viel abgenommen hat), wissen wir zum aktuellen Zeitpunkt allerdings noch nicht. Stattdessen heißt es jetzt erstmal die Bauchspeicheldrüse in den Griff bekommen und die Leberwerte zu stabilisieren. Dazu bekam er direkt in der Praxis vier Spritzen verabreicht: Kortison gegen die Entzündung, Novalgin gegen die Schmerzen (der Wirkstoff in Onsior würde das Problem eher verstärken), einen wohl unangenehm brennenden Vitamin-B-Cocktail zur Unterstützung der Leber und ein weiterer Mix für den Pankreas.
Allerdings war das Thema damit logischerweise nicht beendet. Zuhause geht die Therapie seitdem weiter:
- Die ersten drei Tage gab es alle 6-8 Stunden oral Novaminsulfon-ratiopharm gegen seine Schmerzen. Wir haben es am Donnerstagabend dann sofort abgesetzt, als er mit Übelkeit und Erbrechen anfing. Eine der schwerwiegenden Nebenwirkungen des Medikaments. Aber er hat es zu dem Zeitpunkt scheinbar auch nicht mehr gebraucht, da er seitdem keinerlei Schmerzsymptome mehr zeigt. Übrigens gibt es eine App namens Feline Grimace Scale, die dabei helfen kann zu erkennen, ob eine Katze Schmerzen hat oder nicht. Katzen sind nämlich sehr gut darin ihre Schmerzen zu verstecken.
- Als nächstes auf dem “Giftcocktail”-Programm steht Hepar compositium N PlantaVet. Das ist anscheinend ein homöopathisches mittel zur Unterstützung der Leber. Obs wirklich was bringt? Keine Ahnung. Schaden tut es ihm aber nicht, weswegen wir es ihm die nächsten 40 Tage lang (0,5ml pro Tag) unters Futter mischen.
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Auch für die Leber wurde uns ein Vitamin-B-Komplex-Pulver namens B-Vitase-HK Pulver mitgegeben. Davon sollte er pro Tag 6g bekommen. Keine Ahnung, was sich der Hersteller dabei gedacht hat. Mal abgesehen davon, dass nur ein Messbecher für 5g mit in der Packung ist, ist das eine ganz schön große Menge. Vor allem, weil Balu das Pulver als faktisch nicht essbar deklariert hat. Entsprechend haben wir es so gut wie gar nicht in ihn reinbekommen und dabei unsere Bestechungsmöglichkeiten verbrannt. Wir hatten ihm z.B. extra hochwertiges Topping* gekauft, um ihn zum Essen zu animieren. Jetzt assoziiert er das mit dem ekligen Pulver und rümpft die Nase, obwohl er das Pulver gar nicht mehr bekommt. Wird etwas dauern, bis wir das wieder aus ihm raus haben.Freilich muss er seine B-Vitamine trotzdem irgendwie kriegen. Entsprechend hat sich Lysanda die Zusammensetzung angeschaut und nach Alternativen gesucht. Dabei ist sie beim B-Vit complex von cp pharma gelandet. Und auch, wenn die Zusammensetzung etwas anders ist, sind dafür die enthaltenen B-Vitamine wesentlich höher dosiert. Es ist außerdem günstiger. Und das Wichtigste natürlich: Es geht in die Katze rein. Die geviertelte Tablette isst Balu sogar pur! Vermutlich, weil Geflügelleber enthalten ist.
- Dann haben wir noch Pankreas von nuVet mitbekommen. Das sind Tabletten bzw. Pulver, die es nur vom Tierarzt gibt. Sie enthalten Verdauungsenzyme, die normalerweise die Bauchspeicheldrüse produziert. Dank des Präparats muss sie das entsprechend weniger und wird somit entlastet. Je nachdem wie sich die Sache entwickelt, muss er die Tabletten möglicherweise den Rest seines Lebens (er ist ca. 14 Jahre alt) nehmen. Aktuell soll er zwei Tabletten pro Tag futtern und zwar verteilt auf alle Mahlzeiten. Und nein, pur nimmt er die derzeit nicht. Die hat er ebenfalls aufgrund des Vitamin-B-Pulver-Malheurs als ungenießbar eingestuft. Anfangs hat er die nämlich auch einfach so genommen.
Was lernen wir aus der Vitamin-B-Sache? Demnächst erst alles einzeln ausprobieren, um gleich zu sehen, wo es möglicherweise Akzeptanzschwierigkeiten geben könnte. So sollte sich dieses Assoziationsdilemma, was wir jetzt haben, vermeiden lassen.
Ernährungsumstellung
Die Bauchspeicheldrüse muss mehr arbeiten, je fetthaltiger die Nahrung ist. Entsprechend mehr vom Pankreas-Mittel muss man verfüttern. Um aber erstmal wieder auf normale Werte runter zu kommen, gilt auch hier: Pankreas entlasten. Sprich wir haben als letzten Punkt noch Spezialfutter ans Herz gelegt bekommen. Genauer gesagt Futter mit einem Fettanteil unter 4%. Zum Vergleich: Unser reguläres Futter im Haus bewegt sich bei 5-6%. Und es ist auch nicht so, dass Katzen kein Fett essen sollen. Im Gegenteil: Katzen brauchen Fett für den Energiehaushalt. Aber Balu muss jetzt erstmal wieder soweit gesund werden, damit wir an die eigentliche Ursache des Problems rangehen können. Entsprechend heißt es erst einmal fettarme Ernährung.
Gar nicht so einfach da anständiges Alleinfutter zu finden – von preiswert brauchen wir gar nicht zu reden. Wir sind deshalb tatsächlich mal in den örtlichen Fressnapf*. Dort sind wir auf die Diät-/Diabetesfutter von MjAMjAM* (Fettgehalt 3,8%) und SELECT GOLD* (2% Rohfett) gestoßen. Außerdem das sündhaft teure MOMENTS* (Fettgehalt 2,7%). Alles leider nur in kleinen Döschen und zu Preisen, wo einem die Ohren schlackern. Das MOMENTS schießt mit fast 14€ pro Kilo den Vogel ab. Wir liegen sonst so mit unserem hochwertigem Katzenfutter (dank Rabattaktionen) eher bei 4-5€ pro Kilo. Dreimal dürft ihr übrigens raten, welches von den Dreien ihm am besten schmeckt. Selbstverständlich das teuerste
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Online ist Lysanda dann noch bei zooplus fündig geworden. Dort gibt es Diätfutter von Concept for Life* (Rohfett 2,4%). Ebenfalls nicht wirklich billig und erneut nur in kleinen Dosen verfügbar. Aber was tut man nicht alles für seine Vierbeiner.
Eine ganze Rasselbande
Jetzt hatten wir also alles da, was Balu kriegen sollte. Die tägliche Gabe der Medikamente an sich ist kein Thema. Das kennen unsere mittlerweile schon seit Jahren. Also nicht, weil alle immer Medikamente bekommen. Wir haben nur für alle ein morgendliches Ritual eingeführt mit quasi einem Vorabhäppchen vor dem eigentlichen Bereitstellen des Futternapfs. Da mischen wir dann bei Bedarf z.B. das Blutdruckmedikament für Jules drunter und bei Balu jetzt eben das, was er kriegen soll.
Allerdings haben wir ja sonst ein All-You-Can-Eat-Buffett. Sprich es steht den ganzen Tag ein Tablett rum, das ich morgens (und ggf. abends) mit Futter fülle und an dem sich jeder bedienen kann. Da Balu derzeit dieses Futter nicht essen soll und umgekehrt die anderen sich nicht bei Balu bedienen sollen, ist das ein kleines Problem. Die Lösung tagsüber: Kein AYCE mehr, sondern wieder “traditionell” Mahlzeiten über den Tag verteilt. Wesentlich mehr Aufwand für uns. Doch auch auf die Gefahr mich zu wiederholen: Was macht man nicht alles aus Tierliebe?
Im Keller kacken
Nachts ist hingegen nochmal ein anderes Thema. Die Mädels schlafen schon seit vier Jahren getrennt von den Jungs. Aber damit unsere Jungs jetzt nicht mehrere Stunden komplett ohne Essen dastehen, mussten wir Balu nun auch ausquartieren. Blöd nur, dass es bei ihm mit der Katzenklonutzung ein Problem gibt. Oder auf Hochdeutsch: Er benutzt es nicht. Im Wohnzimmer kein Problem, da er von dort in den Garten kann. Aber im Rest des Hauses besteht dieser Zugang nicht. Dabei war es bei seinem Einzug vor fast zehn Jahren kein Problem. Lysanda vermutete entsprechend, dass es mit unserem aktuellen Streu von Cat’s Best* zusammenhängt.
Entsprechend haben wir im Fressnapf gleich noch unser altes Streu* mit eingepackt. Mit Kratzturm, Klo und Futter durfte Balu dann nachts in den Waschraum einziehen. Das hat ihm überhaupt nicht gefallen. Der Keller an sich ist ihm schon suspekt aber dann auch noch allein in einem Raum dort unten eingesperrt? Nachts um 2 Uhr haben wir dann entschieden, dass wir ihn einfach im Keller frei herumlaufen lassen. Er hat es sich dann bei mir in meinem Bett gemütlich gemacht. Immerhin: Er hat das Katzenklo benutzt. Lysanda hatte mit ihrer Theorie also recht.
Und das war dann das Arrangement für den Rest der Woche. Er übernachtete bei mir und ging mir dabei mal mehr oder weniger massiv auf den Geist. Mich zu Unzeiten anmaunzen, mir mit der Schnauze im Gesicht hängen, über mich drübersteigen, usw. Meine Schlafqualität war entsprechend nicht so hoch. Wenn ihr diese Zeilen lest, haben wir entsprechend mal einen Versuch hinter uns ihn im Arbeitszimmer einzuquartieren. Solange wir nicht wussten, ob er klofest ist, wollten wir ihn nicht auf Laminatfußboden alleine lassen. Wenn da draufgepinkelt wird, ists nämlich vorbei. Aber da das offensichtlich jetzt keine Gefahr mehr ist, ist das hoffentlich eine Option mit der alle Leben können (Balu und ich).
Epilog
Übernächste Woche geht es dann wieder zum Tierarzt zur nächsten Kontrolle. Die Hoffnung ist, dass die Blutwerte sich für Leber und Bauchspeicheldrüse normalisiert haben und sich klar zeigt, ob eine Schilddrüsenüberfunktion vorhanden ist. Ob am Ende klar ist, dass das die Ursache für die Entzündung war, wird sich zeigen.
Ich geb’s zu: Ich bin nicht ganz zufällig wieder auf das Transkript des Briefs meiner Tante aus dem Jahr 1934 gestoßen. Nein, ich habe ihn gezielt gesucht, um ihn nochmal zu lesen. Als Vorbereitung auf diesen Neujahrsgruß. Wir leben nämlich aktuell leider wieder in einer Zeit, in der es mit der Welt gefühlt massiv bergab geht. Und da kam mir Elisabeths Satz „Nach der gegenwärtigen politischen Lage wird es über kurz oder lang zum Kriege kommen.” wieder in den Sinn. Als ich ihn zum ersten Mal gelesen hatte, war ich über diese Aussage überrascht. War es 1934 wirklich schon klar, dass es zu einem Krieg kommen würde?
Jetzt zu Beginn des Jahres 2026 kann ich jedoch ihre Worte voll und ganz verstehen. Die aktuelle politische Lage erweckt bei mir ebenfalls den Eindruck, dass über kurz oder lang der Krieg auch wieder vor unserer Haustür stehen wird. Ich hoffe inständig, dass ich dahingehend zu pessimistisch denke. Doch nichts, was aktuell in Deutschland, Europa und der ganzen Welt passiert, lässt mich freudig in die Zukunft blicken. Dabei sah es jahrelang so gut aus…
Nichtsdestotrotz – oder gerade deswegen:
Beim Christoph wünscht euch ein frohes und erfolgreiches Jahr 2026!
Wir mögen die Spielbälle irgendwelcher machtgieriger Milliardäre sein. Doch es gibt trotzdem immer noch vieles in unserem Leben, was wir selbst beeinflussen können. Beispielsweise hat das fleißige Essen von Sauerkraut vor einem Jahr offensichtlich geholfen. Uns ging das Geld nicht aus und wir konnten die Casa Lysanda abbezahlen. Also lasst uns bei all den negativen Nachrichten wieder mehr auf die positiven Seiten des Lebens blicken und aktiv daran arbeiten, dass es zumindest uns, unserer Familie, unseren Freunden und allen anderen mit denen wir zu tun haben, gut geht.












