Eine der Zeichnungen aus dem Entwässerungsgesuch

Vergangenen Freitag fand wie geplant die Aufzeichnung des GamersGlobal Jubiläumspodcasts statt. Wir waren zu sechst (mit Jörg) und haben rund 1 1/2 Stunden aufs Band gebracht. Unter anderem erwarten euch von mir folgende Themen: Warum ich 2011 Dark Souls nicht getestet habe, meine 8,5/10 für Duke Nukem Forever und die zwei Wertungen, mit denen ich im Nachhinein nicht ganz so glücklich war. Dürfte für fleißige Leser dieser Webseite alles nichts Neues sein aber reinhören solltet ihr natürlich trotzdem :smile: . Die Veröffentlichung erfolgt morgen um 8 Uhr an dieser Stelle.

Und damit ist das Thema „10 Jahre GamersGlobal“ für mich soweit ich weiß auch schon wieder abgeschlossen. Ich konnte zwar die Finger nicht davonlassen und habe tatsächlich ein bisschen mitgearbeitet (einen News-Vorschlag, ein paar Steckbriefe, News redigiert, etc.) – scheinbar zur Freude des aktuellen Oberarchivars :wink: . Das ist aber nur eine temporäre Sache, weil ich grad einfach wieder relativ häufig auf der Seite bin, um die Kommentare unter den Grußworten zu lesen. Das legt sich dann ganz schnell wieder.

Unterm Strich war (und ist) es ganz nett mal wieder etwas im Rampenlicht zu stehen (ich hoffe ein paar Leser bleiben dadurch auch hier auf der Seite hängen – hallo!) aber die Entscheidung GamersGlobal den Rücken zu kehren war und ist weiterhin die Richtige gewesen.

Zurück in den Alltag

Der Lese-/Ruhe-/Schlafbereich

Kommen wir nun zu den eigentlichen Themen des heutigen Eintrags: Was gibt es Neues zu berichten im Hause Lysanda? Nun, das Entwässerungsgesuch wurde schneller als erwartet genehmigt. Und auch die Anzahl der Korrekturen durch die Bearbeiterin bei den Stadtwerken war signifikant niedriger als erwartet. Soll uns recht sein, denn dadurch wird die Maßnahme für uns etwas billiger (so ein Revisionsschacht wird schon verdammt teuer je größer man ihn machen muss). Jetzt heißt es auf den Tiefbauer warten bis er uns endlich einen Termin nennt an dem es losgehen kann. Gas braucht sechs Wochen Vorlaufzeit, Zuwasser (die sind zuerst dran) zwei Wochen und Abwasser macht der Tiefbauer selbst. Muss nur anschließend bei offenem Graben von den Stadtwerken abgenommen werden. Unser Ziel ist es das alles noch dieses Jahr über die Bühne zu bekommen, damit wir dann nächstes Jahr bis Mai (nächste Öltankprüfung) die Innenarbeiten abschließen können.

Der Freizeitraum im Keller ist hingegen soweit fertig. Ja, wir haben in die Regale und Schränke immer noch nichts eingeräumt (hier und da muss noch etwas Rauchgeruch raus) und die ein oder andere Dekoration fehlt noch sowie ein kleiner Vorhang. Aber ich kann euch nun endlich mit einem zusammenfassenden Abschlussbericht beglücken. Also lasst uns mal zusammenfassen, was Lysanda und ich da unten getrieben haben und was es am Ende gekostet hat.

Der Anfang

Unsere Ausgangsbasis war ein Kellerraum mit ca. 40m² Grundfläche, der durch zwei in den Raum ragende Ecken grob in der Mitte geteilt ist. Es gab ein Fenster mit Holzrahmen, das sich nicht mehr richtig öffnen und schließen ließ. An einem Teilstück der östlichen Wand hing eine uralte Tapete, am anderen klebten in der Vergangenheit mal Bierdeckel. Die südlichen und nördlichen Wände waren hingegen rot gestrichen und die eine Hälfte der westlichen Wand ist mit einer Holzvertäfelung versehen. Der Rest war und ist wie auch die Decke weiß angemalt. Der Boden hatte hingegen irgendwann mal eine Versiegelung erhalten, die hat sich aber offensichtlich schon vor längerer Zeit angefangen in ihre Einzelteile zu zerlegen. Aufgrund des Wasserschadens unserer Vorbesitzer, war zudem der Putz an mehreren Wänden bis auf teilweise 30cm Höhe völlig unbrauchbar. Diesen Raum wollten wir nun in unser persönliches Fitnesstudio und eine Art Ruhe-/Leseraum/Sommerschlafplatz umwandeln.

So sah der Keller bei der Besichtigung vor dem Hauskauf aus

Der erste Schritt war das Aufräumen. Wie es sich für einen Keller gehört, stand natürlich alles kreuz und quer in der Gegend rum und es war auch in den anderen Räumen nicht genug Platz, um alles unterzubringen. Also haben wir erst alles von der einen Hälfte des Raumes in die andere geräumt, um Anfangen zu können. Dann habe ich die Tapeten und die Bierdeckelreste entfernt. Ging so weit ganz gut im Gegensatz zum Kellerflur, der leider immer noch auf mich wartet. Der nächste Schritt war der Austausch des alten Kellerfensters durch etwas Moderneres in Sachen Energieeffizienz und Einbruchschutz. Damit haben wir eine Firma beauftragt, da uns das bei aller DIY-Mentalität dann doch etwas zu heikel war. Auch die zum Fenster passenden Gardinen haben wir uns nähen lassen, da es irgendwie in den Geschäften für diese Größe nichts vorkonfektioniertes gab. Dafür haben wir eine Fensterbank aus einem Reststück weißem Deckenpanel  gebastelt (=zurechtgeschnitten und mit Montagekleber befestigt). Das sieht genauso gut aus wie ein Stück Metall oder Stein und war wesentlich billiger – und für die Katzen zum draufsitzen reicht es allemal.

Grobgestaltung

Anschließend konnten wir den alten, bröckligen Putz runterholen. Eine große Sauerei aber nicht das große Problem. Im Raum waren bereits vier Steckdosen vorhanden. Leider passte die Verteilung überhaupt nicht. An der westlichen Wand waren gleich vier Stück, auf der anderen Seite gar keine. Entsprechend wollten wir neue Steckdosen verlegen und da der Putz am Sockel eh ab war, war natürlich die Idee es Unterputz zu tun. Ich musste jedoch feststellen, dass ich vermutlich noch die nächsten Jahrzehnte damit beschäftigt gewesen wäre in die Steine der Außenmauer einen Schlitz reinzuklopfen. Entsprechend haben wir die Idee dann verworfen. Also einfach nur Knauf-Rotband an die Wand geklatscht und versucht einen guten Abschluss zwischen Wand, Boden und restlichem Putz hin zu bekommen. Keine einfache Sache und wir haben es auch definitiv nicht 100% gerade und gleichmäßig hinbekommen, da wir frei Hand gearbeitet haben. Wahrscheinlich hätten wir die Holzleistenmethode (gleichgroße Leisten setzen, dazwischen mit Putz auffüllen und dann mit dem Schieber drüberziehen) nutzen müssen. Aber Nägel habe ich in die Außenmauer partout nicht reinbekommen. Wenn man es allerdings nicht weiß, fällt es jetzt im fertigen Zustand nicht mehr auf. Davon abgesehen ist der Rest der Wand schon schief und krumm gewesen, von einheitlich verputzt gar nicht zu reden.

Die Löcher sind geflickt und die Farbe ist drauf.

Nach dem Verputzen kam logischerweise das Bemalen der Wände. Für die roten Wände haben wir uns entschieden sie weiß zu streichen. Die gleiche Farbe hätten wir eh nirgends gefunden und es hat auch den Raum ziemlich dunkel gemacht. Ich musste dadurch zwar 1 1/2mal Streichen aber dank der gut deckenden Farbe von Südwest hat es sehr gut funktioniert. Man sieht keine Flecken oder irgendetwas durchschimmern. Da wir beide aber kein Fan von komplett weißen Räumen sind, haben wir die östliche Wand komplett lachsfarben eingepinselt (vorher mit weiß die kritischen Stellen vorgestrichen). Das hatten wir noch vom Schlafzimmer übrig, es passt gut zu weiß und ist selbst nicht so dunkel, dass es stören würde. Die Beleuchtung des Raums erfolgt schließlich nur durch zwei Lampen und einem Kellerfenster. Da muss man schon etwas drauf achten wie man ihn gestaltet. Ursprünglich hatte der Raum sogar nur eine Röhrenlampe an der nördlichen Wand. Die haben wir dann entfernt und stattdessen die beiden Deckenlampen in jeder Raumhälfte in der Mitte montiert – plus einer teuren Doppelschaltersteckdose neben der Tür, um sie getrennt voneinander an- und ausschalten zu können.

Der Boden

Nach den Wänden folgte der größte Kostenpunkt: Der Bodenbelag. Wir hätten ihn zwar einfach neu versiegeln können, aber da es ja ein „Freizeitraum“ werden sollte, wollten wir schon auch gerne mal Strümpfig/Barfüßig drin herumlaufen können. Das ist auf einem Beton/Estrichboden natürlich nicht besonders angenehm. Und da wir im Schlafzimmer so gute Erfahrungen mit Kork gemacht haben, entschieden wir uns dafür hier ebenfalls welchen zu verlegen. Statt jedoch Korklaminat zu verwenden, griffen wir zu Klebekork. Der Hauptgrund dafür ist die wesentlich einfachere Verarbeitung (und vermutlich sogar ein günstigerer Preis). Klebekork lässt sich ganz einfach mit dem Messer schneiden. Das geht nicht nur schneller, man hat auch wesentlich weniger Verschnitt. Das Verlegen geht ganz einfach (Kleber auf den Boden und die Platte, warten, draufdrücken, fertig) und man kann sich besser an der Wand ausrichten. Außerdem muss man bei einer Beschädigung nicht gleich das halbe Zimmer wieder auseinanderbauen. Einfach die beschädigte und alle die bei dem Unterfangen mit kaputt gehen rausnehmen, neue einstreichen, rein und fertig. Nachteil ist aber, dass ihr Fugen kriegen könnt. Das ist uns in der zweiten Raumhälfte passiert. Da haben wir uns scheinbar in der Ecke irgendwie vermessen.

Beim Klebekork gibt es wie üblich preisliche Unterschiede. Wir haben uns im Keller für die nackte Variante entschieden, also ohne Versiegelung. Das ist die billigste, die man im Baumarkt findet (rund 10 Euro pro m²), gleichzeitig aber auch die empfindlichste. Aufgrund des Preisunterschieds zwischen mit und ohne Versiegelung und der Tatsache, dass wir eben nicht jeden Tag dort unten sind, haben wir mit eingerechnet, dass dadurch öfters mal eine Platte getauscht werden muss und sind zum Ergebnis gelangt, dass es trotzdem noch günstiger ist. Einziger, signifikanter Nachteil bisher: Die Oberfläche der unversiegelten Platten ist scheinbar so rau, dass ich mit einem normalen Putzlappen nicht zurande komme. Ohne viel Kraftaufwand komme ich da keinen Millimeter voran.

Vor dem Acryl sahen die Bodenleisten so aus

Zu guter Letzt mussten wir noch die Steckdosen befestigen, den Strom verlegen und die Bodenleisten montieren. Das haben wir dann einfach miteinander kombiniert. Sprich wir haben einen weißen Kabelkanal am Boden mit dem Kontaktkleber vom Kork festgeklebt und dort das Stromkabel durchgezogen. An der Wand mit der Holzverkleidung kam eine klassische Bodenleiste zum Einsatz (mit Nägeln). Für den Übergang an den restlichen Wänden haben wir uns hingegen für eine simple, weiße L-Plastikleiste entschieden. Da die Wände so dermaßen krumm und schief sind, dass wir das mit Nägeln sowieso nicht gescheit hinbekommen hätten, haben wir die dann auch auf den Boden geklebt und die Abstände (wie beim Kabelkanal) einfach mit weißem Acryl ausgespritzt. Sieht super aus und fällt absolut nicht auf – zumindest solange bis das Acryl vergilbt. Was wir aber nicht hoffen, schließlich haben wir extra zu Knauf gegriffen was ja angeblich hochwertig sein soll.

Der Inhalt

Da aufgrund des Korks ein paar Millimeter mehr Platz unter der Tür benötigt wurde, mussten wir die entsprechend etwas abschneiden. Da es sich aber glücklicherweise um eine alte Holztür handelte, war das absolut kein Problem. Angezeichnet, Stichsäge ausgepackt, fertig. Nun konnten wir also damit beginnen sauber zu machen, die Möbel aufzustellen und fleißig auszusortieren. Ja, wir hatten mehr Möbel im Keller stehen als wir gebrauchen konnten/wollten. Sowieso haben wir für den Raum nur zwei Sachen zusätzlich angeschafft: Einen Crosstrainer und ein Trampolin. Alles andere hatten wir entweder schon (z.B. mein altes Schlafsofa) oder haben es auf die eine (Nachbarn, Verwandtschaft, Kollegen) oder andere Weise (Free Your Stuff-Gruppen auf Facebook) geschenkt bekommen. Darunter einen Stepper, eine Rüttelplatte, zwei Nachttischchen, mehrere Regale und Schränke, einen Sekretär, einen Fernseher und einen Fernsehtisch. Von Don Quichotte haben wir sogar ein paar Spiegelfliesen bekommen. Die haben wir an der Holzvertäfelung befestigt (mit Spiegelklebestreifen), um stilecht eine kleine Spiegelwand zu haben. Sehr praktisch, um beim Training die eigene Stellung zu korrigieren. Billiger geht es nicht. Und bevor der Kram auf dem Sperrmüll landet, warum ihm nicht ein zweites Leben schenken? Wir hatten wie gesagt sogar noch einiges übrig, dass wir bis auf die Vitrine bereits weiterverschenkt haben.

Zwei Nachteile hat diese Methode natürlich: Die Möbel passen farblich mitunter nicht ganz zusammen (siehe z.B. Fernsehtisch und Schränke), was uns aber relativ egal ist, und die Nachbarschaft war eine Raucherfamilie. Entsprechend mussten wir diesen Geruch irgendwie aus den Möbeln rausbekommen. Sonst wären wir da unten bestimmt nicht glücklich geworden. Die Lösung: Effektive Mikroorganismen. Die funktionieren nicht nur bei Katzen und Menschen, sondern fressen eben auch die stinkenden Mikroben in den Möbeln auf. Dauert halt hier und da etwas länger (standen ja Jahrelang im Mief), weshalb wir bei zwei abschließbaren Schränken noch nicht ganz fertig sind. Aber selbst bei denen ist schon ein himmelweiter Unterschied seit den Behandlungen riechbar.

Der Aufwand

Der Fitnessbereich

Kommen wir zum Abschluss noch zum eigentlich interessanten Teil: Den Kosten. Ein Ziel mit dem Freizeitraum war, dass wir uns die Gebühr für das Fitnessstudio in Zukunft sparen können. Anfang September ist unsere Mitgliedschaft entsprechend ausgelaufen und der Fitnessbereich des Zimmers war auch tatsächlich pünktlich fertig. Gekostet hat die Zugehörigkeit für jede Person rund 45 Euro pro Monat. Macht 1.080 Euro im Jahr. Also nicht unbedingt wenig. Für das Herrichten und Ausstatten des Raumes haben wir hingegen am Ende rund 3.500 Euro ausgegeben. Etwas mehr als wir den Handwerkern für den Doppelstabmattenzaun in die Hand gedrückt haben. Davon entfallen aber allein gut 2.000 Euro auf den Crosstrainer, das Trampolin und kleinere Sportgeräte wie Hanteln und Therabänder. Das Fenster hat hingegen mit Gardinen rund 800 Euro gekostet und der Kork um die 450 Euro. Bleibt nicht mehr viel übrig für das restliche Material (250 Euro, um genau zu sein). Und die Möbel haben uns wie gesagt überhaupt nichts gekostet, weil sie entweder sowieso schon rumstanden oder wir sie geschenkt bekamen.

Durch den Verzicht auf das Fitnessstudio macht sich der Raum quasi schon nach drei Jahren bezahlt – und wir haben logischerweise noch mehr Vorteile davon. Ja, wir müssen dafür jetzt wieder Zuhause Duschen aber wie schon mehrfach erwähnt ist Wasser in Deutschland eh viel zu billig. Dafür haben wir keine Fahrtkosten und haben einen nun ausgebauten Wohnraum, der nur zur Hälfte ein Fitnessbereich ist. In die andere Hälfte kommen Bücher, da unsere Regale im ersten Stock schon aus allen Nähten platzen und er kann als Gästeschlafzimmer und als „Chillzone“ dienen. Ach und es ist natürlich grundsätzlich eine Wertsteigerung für das Haus, auch wenn wir weiterhin nicht planen hier auf lange Sicht auszuziehen.

Ausgelassen habe ich bei dieser Rechnung freilich unsere Arbeitszeit. Wir haben schließlich so einige Wochenenden und Abende im Keller verbracht. Aber das ist ja bekanntlich immer Abwägungssache und uns war es das logischerweise Wert diese Zeit zu investieren.

Epilog

Und damit habe ich hoffentlich alle Fragen beantwortet, die ihr nicht hattet. Wir haben unser Haus wieder ein Stück mehr an unsere Vorstellung angepasst und es noch wohnlicher gemacht. Ja, es hat wieder Geld und Zeit gekostet aber ich vergleiche es mal mit Dark Souls: Die Bosskämpfe sind anstrengend, liegt er aber erst einmal mit der Nase im Dreck ist das Glücksgefühl es geschafft zu haben sehr groß. Und für die Katzen ist es aktuell ein Wunderland.

Jetzt entschuldigt mich aber: Ich muss runter und Sport treiben. Mein Bauch ist immer noch viel zu fett. Und ja: Wir haben uns dafür trotzdem wieder Termine eingestellt (drei Mal die Woche). Ihr wisst ja wie das sonst laufen würde :wink: .

Die Startseite von GamersGlobal

Der eine oder andere hat es sicherlich schon gesehen: GamersGlobal feiert aktuell seinen 10. Geburtstag (offizieller Start war am 15.09.2009). Und wie könnte es anders sein als das bei solchen Jubiläen auch diejenigen zu Wort kommen, die zwar nicht mehr dabei sind aber mal dabei waren. Wenig verwunderlich also, dass am Freitag mein Grußwort bzw. technisch gesehen meine Antworten auf die vier Fragen von Jörg live geschaltet wurde. Das ist aber nicht mein einziger Beitrag zum Event. Ihr werdet mich vermutlich auch noch zu hören bekommen, da im Rahmen der GamersGlobal-Gulden-Rückrufaktion ein Jubiläumspodcast mit der alten Mannschaft freigeschaltet wurde. Der Termin für die Aufzeichnung steht und ich erwarte die Veröffentlichung  dann im Laufe der kommenden Woche.

Dass in den Kommentaren zu meinem Grußwort ein Streit über die mittlerweile nicht mehr ganz so neue Rechtschreibreform entbrennen würde war von mir übrigens nicht beabsichtigt. Ebenso wollte ich mit meinem lustig gemeinten Seitenhieb auf den Test von Mass Effect 3 den Verantwortlichen nicht in irgendeinen Rechtfertigungszwang bringen. Jeder darf eine andere Meinung haben und seine entsprechende Wertungen vergeben. Die eine Wahrheit gibt es nicht. Stattdessen gilt  im Falle von GamersGlobal am Ende für alle Redakteure: Die Zahl muss ich zuerst gegenüber mir selbst, dann Jörg und abschließend dem Leser verteidigen.

Das Dilemma

In einem seiner Kommentare hat Benjamin allerdings etwas erwähnt auf das ich etwas näher eingehen möchte: Die Altlasten, die mit dem Test eines Nachfolgers verbunden sind. Er schreibt:

[…]dass ich Mass Effect 3 ohne die vorherige Wertung zu Mass Effect 2 deutlich weniger gegeben hätte, aber der Ansicht war, dass es ein falsches Signal wäre, unter die 9.5 des Vorgängers zu gehen.

Das war weder der erste noch der letzte Fall bei dem ein Redakteur mit so einer Bredouille zu kämpfen hat. Auch ich, obwohl ich ja „nur“ drei Jahre dabei war, kann mich zumindest an einen Test erinnern bei dem es mir genauso erging. Der Vorgänger war ebenfalls von einem Kollegen begutachtet worden und sein Ergebnis entsprach absolut nicht meiner Meinung. Details werde ich an dieser Stelle selbstverständlich keine nennen. Belassen wir es einfach dabei zu sagen, dass Jörg und ich eine Lösung gefunden haben im Wertungskasten zum Nachfolger sowohl meine echten Gefühlen zur Qualität des Spiels auszudrücken und trotzdem zu zeigen, dass es besser als der Vorgänger ist.

Wertungen sind komisch

Mass Effect 3 (Herstellerbild)

Im Nachhinein betrachtet zeigt sich hier ein grundsätzliches Problem bei der Wertungsfindung. Was ich meine? Nun, rein von der Logik her bewerte ich das Produkt an sich. Gut, das stimmt schon nicht ganz. Ich lasse dabei natürlich nicht das Drumherum (Konkurrenz, eigene Erfahrung, etc.) außen vor. Ich ordne es immer bewusst oder unbewusst ein, was wiederrum meine Wertung beeinflusst. Ein vereinfachtes Beispiel wäre die Aussage „Für ein Spiel aus dem Jahr 2019 erwarte ich eine wesentlich bessere Grafik“. Die Wertung ist also erst einmal wie das Produkt selbst ein Ergebnis ihrer Zeit und ihrer Umwelt.

Das bedeutet aber nicht, dass es unwichtig ist zu schauen was sich im Vergleich zum Vorgänger geändert hat. Im Gegenteil hilft es dem Konsumenten sehr zu wissen was besser oder schlechter funktioniert, um das Produkt für sich selbst besser einordnen zu können. Wenn Staubsauger X mehr Dreck pro Sekunde einsaugen kann als sein Vorgänger Y, dann ist das eine wichtige Information. Und ja, er ist dadurch klar besser. Aber daraus ergibt sich nicht automatisch der Zwang sich unter die Knute der vorherigen Bewertung zu begeben, die zu einer anderen Zeit und unter anderen Voraussetzungen entstanden ist. Nur weil Staubsauger Y damals die Krone der Schöpfung war und Staubsauger X grundsätzlich besser ist muss er auch eine gleichwertige/höhere Wertung bekommen? Nein. Die Welt hat sich weitergedreht. Staubsauger X ist zwar besser als sein Vorgänger aber Staubsauger Z ist mittlerweile auf den Markt gekommen und ist das neue Nonplusultra.

Oder um es konkret zu sagen: Mass Effect 2 war für mich (Betonung!) 2010 der heiße Scheiß auf dem Computerrollenspielmarkt – genauso wie Mass Effect zwei Jahre zuvor (wobei es aufgrund der Mako-Fahr-Sektionen selbst damals keine 9,5/10 von mir bekommen hätte). Zwischen Teil 2 und Mass Effect 3 sind zwar „nur“ zwei Jahren vergangen, doch in der Zeit stand die Spieleindustrie logischerweise nicht still. Es hat sich einiges getan und auch einige andere hochkarätige Rollenspiele wie z.B. The Witcher 2: Assassins of Kings kamen auf den Markt und verschoben die Messlatte. Es wäre also völlig legitim gewesen zu sagen: Ja, Mass Effect 3 ist besser als Teil 2. Aber es bekommt trotzdem eine niedrigere Wertung, weil 2012 eben mehr/anderes erwartet wird als noch 2010. Schwierig wird es hingegen, wenn mir rein persönlich der Vorgänger nicht so gefallen hat wie dem anderen Autor und es keine „objektiven“ Argumente gibt. Das ist dann einfach doof.

Die Konsequenz

Final Fantasy VI (Android-Herstellerbild)

Also einfach die Note vergeben die zum Produkt passt unabhängig von allem? In einer idealen Welt auf jeden Fall. Leider funktioniert die Wahrnehmung der Leser so nicht. Da wird stattdessen die Zahl direkt verglichen und das Geschrei in den Kommentaren geht los von wegen „Wie? Schlechter als der Vorgänger?!!!!111“. Entsprechend kann ich nachvollziehen, warum es anders gehandhabt wird. Mir ist auch nur die GameStar bekannt, die zumindest in früheren Zeiten (lese sie ja nicht mehr) alle paar Jahre ihre alten Wertungen in den Toplisten nach unten korrigiert hat, um der allgemeinen Entwicklung auf dem Spielemarkt Rechnung zu tragen (und die Wertungsinflation etwas zu stoppen). So wurde dem Leser versucht zu verdeutlichen, dass eine 9/10 für Final Fantasy VI eben nicht 1:1 mit einer 9/10 für Final Fantasy XV vergleichbar ist. Stattdessen wäre unter heutigen Umständen Final Fantasy VI eben nur eine 2/10. Und ja, das war jetzt nur eine Übertreibung und ein Beispiel. Also bitte die Steine wieder einpacken. Die GameStar hat nie Final Fantasy VI getestet und für Final Fantasy XV gab es 84%.

Was außerdem helfen könnte: Den gleichen Redakteur beide Titel testen lassen. Funktioniert nicht immer, ich weiß. Fluktuationen gibt es in der Branche ja leider sehr viele. Aber da eine Wertung am Ende des Tages eben völlig subjektiv ist (egal was wir uns alle vorgaukeln), würde zumindest der Maßstab auf der gleichen Grundlage angesetzt werden und der Tester müsste sich nur mit sich selbst einig werden. Denn ja: Ich hätte Mass Effect 3 auch keine 9,5/10 gegeben (nein, nicht wegen dem Ende – das hat mich nicht so gestört). Ich hätte es aber ganz anders begründen können als es dem armen Benjamin aufgrund meiner Vorleistung und der oben beschriebenen Problematik möglich war.

Epilog

Was lernen wir aus der Sache? Nichts Neues, würde ich sagen. Es ist immer noch alles nur Lug und Trug und ich deshalb weiterhin kein Fan von Zahlen unter Produkttests. Ja, ich mache es hier auf der Webseite nach anfänglicher Verweigerung auch. Aber ich behaupte nicht, dass sie in irgendeiner Form objektiv ist. Sie spiegelt ausschließlich mein eigenes Bauchgefühl zu diesem Zeitpunkt wider. Ich sehe sie somit mehr als eine Hilfe besser den dazugehörigen Text einordnen zu können oder eine schnelle Einschätzung zum Produkt zu haben. Lesen  sollte ich ihn dann besagten Text trotzdem, um wirklich zu verstehen was die Zahl bedeutet.

Interessanterweise finde ich mittlerweile gar keine Zusammenfassung wie es z.B. Kotaku tatsächlich etwas doof. Da gefällt mit die Variante von Eurogamer mit ihren Labels (Finger weg!, Empfehlung, Herausragend) besser. Das ist wie ich finde ein guter Kompromiss, um diesen sinnlosen Zahlenvergleichszwang rauszunehmen und trotzdem dem Leser einen Anhaltspunkt zu geben. Sieht nicht jeder so aber auch hier gilt: Das Internet bietet für jeden Geschmack das Richtge :smile: .

PS: Nach 128 Stunden habe ich mit The Division jetzt abgeschlossen und es deinstalliert. Ich hätte vermutlich noch doppelt so viel Zeit investieren müssen, um die letzten Schilde freizuschalten. Das ist mir bei meinem Backlog dann doch zu viel des Guten. Next up? Vermutlich Might & Magic X Legacy oder Rise of the Tomb Raider

The Divison (Herstellerbild)

118 Stunden zeigt der Spielzeitzähler mittlerweile für The Division und ich muss sagen: Ich bin kurz davor das mit den letzten vier Schilden einfach sein zu lassen. So fehlen mir noch vier exotische Waffen, die einfach nicht droppen wollen und von den drei notwendigen High-End-Sets habe ich sogar noch kein einziges vollständig. Und obwohl es im Spiel theoretisch 5.335 Commedations-Punkte (Mini-Achievements) zu verdienen gibt, fehlen mir immer noch 600 bis zum Ziel von 3.000 für das Schild. Das einzige Schild, welches tatsächlich in Reichweite ist, ist das wofür ich den Survival-Modus mindestens fünf Stunden lang spielen muss.

Es macht sich halt doch sehr stark bemerkbar, dass ich zum einen keine richtige Gruppe zum Zocken habe, um z.B. die Missionsherausforderungen zu meistern („Schaffe Mission X in einer Gruppe auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad ohne zu sterben“). Und zum anderen die Spielerzahl grundsätzlich nicht mehr ganz so hoch ist, um es zumindest mit „Randoms“ zu versuchen. So bleibt mir nur das Farmen der stupiden Sachen wie „töte 10.000 Gegner vom Typ X“ oder „schaffe X Missionen“ und das hört sich nicht nur langwierig an, es ist es logischerweise auch. Luxusprobleme – ich weiß :smile: .

Und sonst?

Immerhin ist Mr. Subwoofer vergangenen Mittwoch erfolgreich und funktionsfähig aus Berlin zurückgekehrt. Trotz der guten Qualität des Teufel CAGE ist es definitiv sehr angenehm endlich mal wieder ohne Kopfhörer vorm Rechner sitzen und Musik hören zu können (aktuell das Album Simple Forms von The Naked and Famous). Den Karton mit dem Teufel den Subwoofer zurückgeschickt hat, werde ich mir dieses Mal logischerweise aufheben. Allerdings sichert sich Teufel erneut ab: Es liegt ein Zettel darin, der darauf hinweist, dass zwar der Außenkarton für mehrfachen Versand geeignet ist. Für die gespritzten (Styropor?)Ecken geben sie aber keinerlei Garantie. Sprich: Schick ich Subbi mit genau der Verpackung nochmal nach Berlin und er kommt wieder beschädigt an, wird DHL erneut behaupten, dass es nicht richtig verpackt wurde. Hoffen wir einfach, dass er dieses Mal wieder länger durchhält und es dann adäquaten und bezahlbaren Ersatz gibt.

Und wenn wir schon am munteren Labern sind: Der Freizeitraum im Keller ist prinzipiell fertig. Alle Renovierungsarbeiten sind abgeschlossen und die Möbel und Fitnessgeräte stehen dort, wo sie hinsollen. Am Freitag haben wir auch das erste Mal dort unten trainiert (Fitnessstudio lief am 5.9. aus). Doch Details und Fotos gibt es erst in einem der kommenden Einträge. Aktuell sieht es noch etwas aus wie auf einem Schlachtfeld (überall Werkzeug), die Dekoration fehlt und eingeräumt ist ebenfalls noch nichts in die Schränke und Regale. Lysanda muss erst noch den Rauchgeruch endgültig aus den Möbeln der Nachbarn rausbekommen.

Und sonst noch?

Der alte Feuerungsmanager unserer Ölheizung.

In Sachen Tiefbau sind wir hingegen mittlerweile soweit, dass das Entwässerungsgesuch bei den Stadtwerken eingereicht werden konnte. Hat doch etwas länger gedauert vom Ingenieur die Unterlagen erstellen zu lassen (und dadurch ca. 400 Euro mehr gekostet) als erwartet aber dafür sollte es keine großen Probleme geben und wir in 2-3 Wochen die Freigabe haben. Danach kann es dann endlich losgehen – mit der zeitlichen Planung der Maßnahme. Ja, bis der Bagger kommt wird noch ein paar Wochen dauern. Muss ja alles koordiniert werden (Zuwasser darf anfangen) :smile: .

Netterweise hat uns jetzt die Ölheizung auch nochmal kurz vor ihrem Lebensende gut 120 Euro an ungeplanten Kosten verursacht. Keine Ahnung warum aber irgendwie scheinen Sachen, die man plant abzulösen, immer plötzlich kaputt zu gehen. Hatte ich in Bezug auf meine PC-Hardware schon häufiger beobachtet. Egal: Der Feuerungsmangager hatte den Geist aufgegeben. Er empfing zwar noch das Signal, dass er loslegen soll aber die Zündung kam nicht. Somit blieb der Brenner aus und die Heizung kalt. Vermutlich ist er schon länger hinüber aber dank der Solarheizung merken wir sowas logischerweise erst, wenn draußen nicht mehr genug Sonne ist, um das Wasser im Puffer warm zu machen. Das war nun quasi der Fall. Aber das Ersatzteil war zügig da und der Einbau kein großer Akt (drei Schrauben). Jetzt wird’s wieder warm.

Lesestoff

Nachdem nun die erste DINA4-Seite in Word voll mit Text ist, kommen wir nun zum eigentlichen Thema des heutigen Eintrags: Ich lese weiter fleißig Bücher. Ja, der Fernseher bleibt im Hause Lysanda aktuell sehr häufig aus (noch 42 Folgen Sailor Moon und 1 Film). Stattdessen lesen wir viel. Zum einen, um unseren Snackkonsum am Abend zu reduzieren. Zum anderen aber auch einfach, weil unsere Regale voll sind. Und da ich sonst nichts zu erzählen habe (spiele ja nur The Division), belästige ich euch eben mit einem weiteren Bericht zu einem Buch von meinem Nachtschrank:

(Cover)

Hints & Tips for Videogame Pioneers (2016, Englisch) – Andrew Hewson ist einer der Pioniere auf dem britischen Spielemarkts und sogar Mitbegründer der ELSPA – quasi von 1989 bis 2003 die britische Version der USK. 1984 hat er mehr zufällig als tatsächlich geplant mit Hewson Consultants einen Spielepublisher eröffnet – mit großem Erfolg. Hewson schaffte es sich einen sehr guten Ruf zu erarbeiten und so die besten britischen Programmierer anzulocken, die über ihn ihre Spiele veröffentlicht haben wollten. Darunter Titel von denen ich bisher nie gehört hatte wie Uridium, Pilot, Technician Ted oder Exolon. Ja, irgendwie weiß ich über die Spieleindustrie der 80iger echt wenig…

Hewson Consultants existierte bis 1991 ihm eine große deutsche Ladenkette plötzlich einen Abnahmevertrag kündigte. Der dadurch entstandene Einnahmeneinbruch zwang ihn zur Insolvenz. Anschließend gründete er mit 21st Century Entertainment einen weiteren Spielepublisher, der sich neben der Neuvermarktung der Hewson-Consultants-Bibliothek voll und ganz auf Pinball-Spiele konzentrierte (Pinball Dreams, Pinball Illussions, etc.) und damit zumindest bis 1998 erfolgreich war, dann aber in finanzielle Schwierigkeiten gerit und anno 2000 endgültig geschlossen wurde. Nach einer längeren Pause hat er mittlerweile mit seinem Sohn Rob Huey Games gegründet und hilft erneut Indie-Titeln auf den Markt.

Der Inhalt

Der Titel des Buchs ist eine Anlehnung an Hints and Tips for the ZX Spectrum, Hewsons erstem Buch und der Entstehungsgrund für Hewson Consultants. Nach der Veröffentlichung schickten ihm Hobbyprogrammierer einfach ungefragt ihre Spiele und er sah das Potential darin. Im Buch selbst erwarten euch jedoch weniger Hinweise und Tipps für Videospielepioniere als vielmehr eine Autobiographie über Andrew Hewson und seine beiden Firmen. Beginnend mit einer umfangreichen Historie zu seinem Familienstammbaum berichtet er auf den knapp 250 Seiten über seine Anfänge, den damaligen Zustand der britischen Spieleindustrie und reflektiert über die Entscheidungen, die er getroffen hat. Dazu gibt es viele Hintergrundinformationen über die Entstehung der zahlreichen Spiele, die seine Firmen über die Jahre veröffentlicht hat. Dazwischen kommen immer mal wieder die Entwickler selbst zu Wort und dürfen ihre Sicht der Dinge darlegen. Das hilft den logischerweise etwas einseitigen Blickwinkel etwas zu vergrößern. Zumal – und das rechne ich Andrew Hewson stark an – darüber auch kritische Aussagen über ihn und seine Arbeit ins Buch kommen.

Leider flacht der Detailgrad mit zunehmender Seitenzahl stark ab. So wird die Zeit von 1991 bis 2000 auf nur 40 Seiten abgehandelt – sehr viele davon gefüllt mit O-Tönen von DICE (ja, das Battelfield-Studio), den Machern von Pinball Dreams. Und selbst davor merkt man Hewson an, dass er entweder nichts mehr zu erzählen hat oder will. Vermutlich eher letzteres, da man im Intro erfährt, dass ihn sein Sohn faktisch dazu zwingen musste das Buch zu schreiben. Er gibt offen zu, dass er eigentlich keine Lust dazu hatte und sich mehr gequält hat als mit Freude seine Lebensgeschichte nieder zu schreiben. Das ist äußerst schade und natürlich leidet die Qualität des Werks darunter merklich. Ich bin mir sicher, dass noch mindestens 50, wenn nicht sogar 100 Seiten mit interessanten Fakten hätten gefüllt werden können. So fliegt man über die Jahre und die Spiele nur so drüber und die nicht weniger spannende Zeit Ende der 80iger (u.a. Nintendos Einschlag auf dem britischen Markt) kommt nicht richtig zur Geltung.

Beim Christoph meint: Von mir gibt es magere 2 von 5 Sics. Trotz des irreführenden Titels ist das Buch prinzipiell sehr interessant und man erfährt theoretisch einiges über die Entstehung des britischen Spielemarkts und den ersten Blockbustern. Es leidet aber einfach zu stark darunter, dass der Autor keinen Bock hatte wirklich seine Geschichte zu erzählen. Das führt nicht nur dazu, dass ich selbst als Leser schon nach dem Vorwort keinen Bock mehr habe. Warum soll ich schließlich einem Autor meine wertvolle Zeit schenken, der selbst zugibt einfach nur was hingeklatscht zu haben? Viel schlimmer ist aber wie gesagt, dass dadurch nach den ersten Kapiteln die Jahre nur so verfliegen und viele spannende Details, die so jemand liefern könnte, der tatsächlich live dabei war gefühlt nicht zur Sprache kommen. Und so super es auch ist die Entwicklersicht zu erfahren: Sehr böse ausgedrückt sind diese Textboxen nur dazu da den Umfang des Buchs zu erweitern. Und dann hätte ich mir zudem den ein oder anderen Screenshot zu den besprochenen Titeln gewünscht. Nach dem Lesen blieb ich entsprechend enttäuscht zurück. Zumal das Werk definitiv sehr viel Potential gezeigt hat. Es ist grundsätzlich gut strukturiert, Hewson hat eine gute Schreibe und es gibt die Lichtblicke hier und da, wo er viel und leidenschaftlich erzählt. Es bringt aber nichts, wenn am Ende des Tages dann doch die Hälfte des Inhalts fehlt. Somit bleibt mir als Empfehlung nur: Wenn man es für wenig Geld in der Ramschkiste findet, kann man es mitnehmen. Eine absolute Leseempfehlung ist es aber nicht. Wer sich hingegen ernsthaft für die Thematik interessiert ist mit Werken wie Britsoft: An Oral History oder A Gremlin in the Works wesentlich besser bedient.

Eine der kaputten Ecken

Mein Subwoofer ist immer noch auf Urlaub in Berlin (seit fünf Wochen). Das liegt zum einen daran, dass Teufel fast drei Wochen von Wareneingang bis zur ersten Begutachtung gebraucht hat. Zum anderen aber erneut an DHL. Ja, sie haben es wieder geschafft den Subwoofer beim Transport äußerlich zu beschädigen. Dabei habe ich ihn aus meiner Sicht dieses Mal so viel ausgepolstert wie möglich. Das Ergebnis der Nachforschungen von DHL, die auch fast zwei Wochen verschlungen haben, war vorhersehbar: Ja, der Karton ist auf dem Weg beschädigt worden. DHL ist aber nicht schuld. Ich bin schuld, weil der Subwoofer aus ihrer Sicht nicht „so verpackt wurde, dass eine
Beschädigung beim Transport ausgeschlossen ist“. Die haben doch einen absoluten Knall. Teufel kann hier logischerweise nichts machen und verweist erneut auf ihre Anleitung wie der Subwoofer zu verpacken wäre. Vielleicht sollten sie ein Geschäftsmodell daraus machen und diese Verpackungen verkaufen, die sie da als Voraussetzung verlangen. Ich hab‘ so eine auf jeden Fall nicht griffbereit. Merke: Manchmal macht es doch Sinn den leeren Originalkarton im Speicher/Keller zu lagern.

Naja, es ist wie es ist. Beim letzten Mal hatte es schon ein paar Ecken erwischt, jetzt halt noch ein paar mehr. Das nächste Mal dürften keine Ecken mehr übrig sein, welche DHL beschädigen kann. Die Funktion des Subwoofers ist dadurch zum Glück nicht beeinträchtig und jetzt hängt er in der Reparaturwarteschlange fest. Kaputt sind sowohl die Vorstufen- als auch die Endstufenplatine. Materialkosten: 6 Euro (netto); Arbeitszeit 2,5 Stunden; Kostenvoranschlag: 139 Euro (brutto). Ja, mehr als erwartet (der Transistortausch waren nur 80 Euro) aber wie erwähnt ist ein neues 5.1-System ebenfalls nicht gerade billig und angeblich die Qualität nicht so gut wie die des Concept E Magnum. Also habe ich den Kostenvoranschlag unterschrieben und warte nun auf die Rückkehr des kleinen silbernen Kastens. Und da mir mein altes Corsair-Headset dann doch aufgrund der häufigen Nutzung extrem auf den Sack gegangen ist, habe ich es am 22.08.2019 nach etwas Recherche durch etwas Neues ersetzt.

Der Nachfolger

Das Teufel CAGE

Meine Wahl fiel am Ende auf das Teufel CAGE. Das erste Gaming-Headset, das von den Berlinern entwickelt wurde. Und da die Jungs grundsätzlich Ahnung von Sound haben sowie das Headset heruntergesetzt und gerade die Rabattaktion zum Jubiläum war, habe ich für 127,49 Euro zugeschlagen. Zum Verfassungszeitpunkt kostet es zwar auch nur 129,99 Euro aber so ist es halt mit PC-Hardware: Es gibt einfach keinen richtigen Kaufzeitpunkt.

Im Karton enthalten ist logischerweise das Headset, ein Mikrofon, ein 3m (!) langes USB-Kabel und ein 1,3m langes Kabel mit 3,5mm Klingensteckern. Ja, das Headset hat eine integrierte 7.1-Soundkarte (was mir wichtig war, weil ich nicht dauernd unter den Tisch kriechen wollte), kann aber auch direkt an die integrierte Soundkarte von PC oder Konsole angeschlossen werden. Sehr cool. Noch cooler ist, dass ihr es in einem Parallelbetrieb mit einem Smartphone laufen lassen könnt. Sprich ihr steckt das Headset über das USB-Kabel an euer Entertainmentgerät und steckt gleichzeitig die Klinge in euer Handy. So könnt ihr „gamen“ und seid trotzdem telefonisch erreichbar oder nutzt das Smartphone als MP3-Player. Das Mikrofon ist hingegen abnehmbar und kann sowohl rechts als auch links angesteckt werden. Braucht einem also nicht ständig vor dem Gesicht rumzuhängen, wenn man es nicht benötigt. Kann dafür aber nicht hochgeklappt werden. Entweder dran oder nicht dran ist die Devise und absolut okay für mich.

Look and Feel

Ich bin freilich nicht der absolute Gaming-Headset-Experte. Aber im Vergleich zum Corsair Vengeance 1500 v2, ist das Teufel CAGE wesentlich kompakter gestaltet und wirkt…ich würde es industriell nennen. Es ist grundsätzlich hochwertig verarbeitet und fühlt sich angenehm an Kopf und Ohren an. Die Polster der Ohrmuscheln lassen sich aber nicht abnehmen und auswechseln. Die im Betrieb rot leuchtenden „T“ an den Seiten dominieren ganz klar das Gesamtbild (und sind leider nicht abschaltbar). Die Ohrmuscheln sind an Scharnieren befestigt, die es erlauben diese komplett in die Kopfhalterung einzuklappen. Dadurch reduziert sich nicht nur der Platzverbrauch bei der Lagerung, sondern macht zudem das Headset für wesentlich mehr Kopftypen angenehm tragbar. Für Lysanda sind die Hörer zwar viel zu groß aber der Tragekomfort ist definitiv um Welten besser als beim Corsair. Der Druck des Kopfbands ist auch bei längeren Sessions zwar spürbar aber nicht unangenehm (das Headset wiegt 320g). Und die Ohrmuscheln machen ebenfalls zwar etwas die Ohren warm, es lässt sich jedoch absolut aushalten und somit absolut kein Vergleich zum Corsair.

Aufgrund der Möglichkeit das Headset mit zwei verschiedenen Kabeln anzuschließen, sind die Bedienelemente logischerweise am Headset selbst und nicht am Kabel befestigt. Alle Knöpfe haben eine vorbildliche Haptik und man kann sie tatsächlich nicht verwechseln. Der Stummschalter am Mikrofon wird z.B. reingedrückt, während der Knopf zum Auswählen der Verbindung (USB oder Klinke) ist hingegen zum Schieben und Einrasten. Daneben gibt es noch einen (Gummi-)Knopf zum Annehmen von Anrufen und eine Lautstärkerolle (sehr rau und mit angenehm viel Widerstand). Je nach Modus können die Knöpfe andere Funktionen haben (z.B. zweimal den Headset-Knopf drücken, um die Musik zu starten), frei konfigurierbar sind sie aber leider nicht.

Die Software

Sogar die Abtastrate lässt sich verändern.

Grundsätzlich funktioniert das Teufel CAGE einfach, wenn ihr es ansteckt. Aber wie immer könnt ihr damit nicht das volle Potential entfalten. Dafür braucht ihr die offizielle Software und ich muss erneut sagen: Da liegen nicht nur Welten, sondern ganze Universen zwischen dem Angebot von Teufel und dem von Corsair. Konnte ich bei Corsair gerade noch ein bisschen mit dem Equalizer rummachen und zwischen simulierten 5.1- und 7.1-Sound wechseln, bietet Teufel eine Fülle von Optionen. Darunter Details wie für jedes Ohr unterschiedliche Lautstärken und Zusatzfunktionen wie der simulierte Surroundsound oder den dynamischen Bass an die eigenen Wünsche anzupassen – und zwar sowohl für die Ausgabe als auch die Aufnahme. Gut, es gibt Funktionen, die sind so nutzlos wie ein Kropf. Zum Beispiel die „Xear Magic Voice“, welches eure Stimme auf Wunsch verändert. Aber gut: Irgendeiner wird sich freuen.

Richtig genial finde ich, da mein Computer bekanntlich rechts unter dem Tisch steht, dass sich die Stereokanäle vertauschen lassen. Somit muss das Kabel nicht über meinen Schoss laufen. Die Funktion hängt mit dem Mikrofon zusammen, da alle Buttons und Anschlüsse nur an einer Ohrmuschel vorhanden sind. Das Mikrofon lässt sich somit nur vorne oder hinten an dieser Muschel befestigen. In der Software habt ihr nun die Möglichkeit zu sagen, ob das Mikrofon rechts oder links ist und entsprechend tauscht er dann die Kanäle von links nach rechts und umgekehrt. Und nein: Dazu müsst ihr nicht zwingend das Mikrofon gesteckt haben. Das ist einfach nur ein Button in der Software.

Fazit

Jetzt aber genug vom Drumherum. Ja, es ist angenehm zu tragen. Ja, es hat viele sinnvolle (und ein paar für mich nutzlose) Features. Aber das Wichtigste ist natürlich der Klang. Blöd nur, dass ich absolut kein Audiophile bin. So kann ich mit Angaben wie „40-mm-Mylar-Töner“ und „Nennimpedanz 32 Ohm“ absolut nichts anfangen. Fakt ist: Die integrierte Soundkarte ist 7.1-fähig und ich kann mich absolut nicht beschweren. Im ersten Moment hörten sich z.B. die Waffen in The Division zwar im Vergleich zum Corsair-Headset etwas anders an. Aber das ist jetzt erst einmal nichts Schlechtes. Die Punkte aus diversen Tests, dass der Bass etwas schwach auf der Brust wäre und der Sound „linear“ klingen würde kann ich aufgrund meiner mangelnden Erfahrung weder bestätigen noch belegen. Der Sound bei meinem Standardtest, Iron Maidens „Ghost Of The Navigator“ (vom Album Brave New World), war wie erwartet und in den bisher gezockten Titeln habe ich keine signifikanten Unterschiede (sowohl positiv als auch negativ) bemerkt. Das heißt entweder, dass ich stocktaub bin oder Teufel grundsätzlich zumindest für Laien wie mich etwas Anständiges abgeliefert hat.

Insofern ist mein abschließendes Fazit: Anders als beim Corsair habe ich den Kauf des Teufel CAGE absolut nicht bereut. Es handelt sich hier um ein hochwertig verarbeitetes Headset mit einem angenehmen Tragekomfort, einem großen Funktionsumfang (den ich nur im Ansatz nutze) und einen für meine Ohren guten Klang. Mir fällt nach zwei Wochen intensiver Nutzung auch sonst weiter nichts Negatives ein. Ich dachte zwar, ich hätte einen Punkt aber der hatte sich nach etwas Recherche erledigt (war ein Fall von PEBCAK). Von mir gibt es somit eine klare Kaufempfehlung.

Sicarius

Die lange Division

95 Stunden zeigt aktuell der Spielzeitzähler in UPlay an – und ein Ende ist zwar geplant aber noch nicht in Sicht. Ich will unbedingt noch die letzten vier von zwölf Abzeichen (Phoenix [Spiele intensiv den Survival-Modus), Talon [Sammele tonnenweise Achievements], Prime [Sammle sehr schwer zu bekommende Klamottensets] und Marshal [Sammle alle exotischen Gegenstände]) bekommen, bevor ich mal in The Division 2 reinschaue (gibt ein paar optische Boni dafür). Und ja, das habe ich mir tatsächlich mittlerweile geholt nachdem ich so unerwartet viel Zeit mit dem Vorgänger verbracht habe und noch verbringen werde.

Es wird aber trotzdem so langsam mal Zeit, dass ich euch detaillierter über The Division berichte. Angerissen hatte ich es zwar an dieser Stelle schon einmal aber ich denke nach mehr als der dreifachen Spielzeit wird es definitiv mal Zeit genauer auf die positiven wie negativen Qualitäten des doch nicht mehr ganz so taufrischen Loot-Shooters von Ubisoft einzugehen.

Gleich vorweg: Die folgenden Aussagen gelten für die Version 1.8.3 (die vermutlich finale Version des Spiels, da der schon am 23.8.2018 veröffentlicht wurde) zusammen mit dem Season Pass. Ohne die im Season Pass enthaltenen DLCs fehlt euch speziell der Zugriff auf die Spielmodi „Untergrund“, „Survival“ und „Last Stand“.

(Cover)

The Division (2016; PC, PS4, XONE) – Das schwedische Studio Massive Entertainment ist schon 22 Jahre am Start, hat in der Zeit aber tatsächlich „nur“ vier Spiele entwickelt: Die beiden gelungen Ground Control-Titel, der geistige Nachfolger dazu namens World in Conflict (der mit der Atombombe) – alles Echtzeitstrategiespiele – und jetzt eben die Third-Person-Mehrspieler-Loot-Cover-Shooter The Division 1 & 2. Ein harter Schnitt für die Entwickler könnte man sagen, der sich aber für Ubisoft massiv (haha, Wortspiel!) ausgezahlt hat: The Division wurde in den ersten 24 Stunden mehr verkauft als jeder andere Ubisoft-Titel zuvor. Am Ende standen allein in der ersten Woche 330 Millionen US-Dollar auf der Habenseite. Aber bekanntlich ist nicht alles, was sich wie geschnitten Brot verkauft auch wirklich gut. Wie schaut es also mit The Division aus? Spoiler: Sehr gut. Aber fangen wir wie immer von vorne an:

Eine Epidemie

Wir schreiben Black Friday anno 2015. Wie immer sind alle in einem totalen Kaufrausch und stürmen überall in den USA die Läden, um ihre hart verdienten Dollar loszuwerden. Doch auch wenn es wohl nur ein Gerücht ist, dass auf jeder Dollar-Note Drogenspuren zu finden sind: In diesem Fall waren tatsächlich einige Noten zwar nicht mit Drogen aber dafür mit den Pocken „infiziert“. Ihr wisst schon: Die Krankheit, die seit 1980 als ausgerottet gilt und von der es nur noch in ein paar Hochsicherheitslaboren Proben gibt. Aber nur die Pocken wäre natürlich langweilig. Die haben wir einmal besiegt, die würden wir nochmal besiegen. Nein, der Schuldige (über den ihr im Laufe des Spiels mehr erfahrt) hat sie vorher genetisch verändert und mit den Eigenschaften der schlimmsten Krankheiten der Menschheit versehen – das Grüne Gift war geboren.

The Division (Herstellerbild)

Eine Epidemie bricht aus und Manhattan wird unter Quarantäne gestellt. Die Regierung schmeißt alles drauf, was sie hat inkl. geheimen Schläfern aus der Zivilpopulation. Das sind speziell ausgebildete Personen, die normalerweise ihr 08/15-Leben leben und nur in absoluten Notfällen aktiviert werden. Leider stellt sich heraus, dass unter der ersten Agentenwelle Personen sind die…nun, nicht so sehr an die Fähigkeiten des oberen Managements glauben und die Sache lieber in ihre eigenen Hände nimmt. Die Lage gerät entsprechend vollendens außer Kontrolle während mehrere Gruppen um die Vorherrschaft in Manhattan kämpfen (mit jeweils anderen Ansichten wie man die Lage in den Griff bekommt). Dazwischen die noch in der Stadt verbliebene Zivilpopulation, die nicht gerade pfleglich behandelt wird sowie die Regierungstruppen, die nur hilflos dabei zusehen können. Das geht sogar soweit, dass das Zentrum der Insel zur sogenannten „Dark Zone“ deklariert wurde. Der Wilde Westen quasi in dem jeder auf sich alleine gestellt ist (und damit die PVP-Zone des Spiels) aber auch die größten Belohnungen warten. Die letzte Hoffnung sind die Agenten der zweiten Welle. Und ihr seid einer dieser Agenten, die nun versuchen nicht nur Ordnung in die Stadt zu bringen, sondern außerdem dabei helfen sollen ein Gegenmittel für den Virus zu finden. Eine absolute Mammutaufgabe, die ihr wie es sich für einen Mehrspielertitel gehört mit bis zu drei Mitspielern meistern könnt.

Der Erzähltrick

Erzählt wird die Geschichte zum einen durch die gut inszenierten Hauptmissionen in denen ihr gegen die verschiedenen Gruppierungen in der Stadt antretet und z.B. die Cleaner daran hindert einen Öltank über einem Haufen Zivilisten in Brand zu setzen (ja, von allen Gruppen verabscheue ich die Cleaner definitiv am meisten) oder auf Time Square den Strom wiederherstellt. Durch die Dialoge sowie den dazugehörigen Zwischensequenzen am Ende erfahrt ihr immer ein bisschen mehr über das, was hier passiert ist. Zusätzlich helfen die zahlreichen Collectibles (allein 168 Telefon mit Sprachnachrichten) darunter speziell die sogenannten Echos. Das sind Momentaufnahmen aus diversen Quellen wie z.B. Überwachungskameras, die ihr in der Stadt verteilt findet und kurze Szenen aus der ersten Zeit nach dem Ausbruch der Epidemie zeigen. Sehr coole Sache, muss ich sagen.

The Division (Herstellerbild)

Um euch trotz einer technisch gesehen persistenten Welt doch das Gefühl zu geben tatsächlich voran zu kommen, greifen die Entwickler auf ein zentrales Mittel zurück: Die „Base of Operations“. Nachdem ihr Manhattan erreicht und das Tutorial hinter euch gebracht habt, schlagt ihr im alten Postzentrum der Stadt auf. Es ist stark mitgenommen, überall liegt Müll rum, auf der Krankenstation siechen die Kranken vor sich hin und selbst einfache Annehmlichkeiten fehlen. Sprich die Situation ist angespannt und verzweifelt. Der Trick ist nun, dass ihr Verlauf des Spiels diese Basis wiederherrichtet. Dazu teilen sich bis zum Erreichen des Endgames sowohl die abwechslungsreichen Haupt- als auch die sich sehr schnell wiederholenden Nebenmissionen in drei thematische Bereiche auf: Medizin, Sicherheit und Technik. Das hat nicht nur inhaltliche Auswirkungen (bei Technik geht es z.B. darum die Stromzufuhr für die Basis wiederherzustellen): Je mehr Missionen ihr erledigt, desto mehr „Bauteile“ sammelt ihr für den jeweiligen Bereiche und desto mehr Sachen könnt ihr dort freischalten. Im Ergebnis wird die Basis immer lebendiger und gibt dem Spieler das Gefühl, dass sich durch seine Taten tatsächlich etwas ändert. Außerdem schaltet ihr zusätzliche Skills und Talente für euren Agenten frei – eine Win-Win-Situation quasi.

Übrigens: Die Spielwelt ist vollständig instanziert. Abseits der Schutzräume (wie z.B. der Base of Operations) und der Dark Zone, seid ihr ganz allein in eurer Gruppe in der Spielwelt unterwegs. Ihr werdet hier auf keinen einzigen anderen Spieler treffen. Mag auf den ersten Blick komisch sein, verstärkt aber das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und des Alleinseins noch weiter, das die winterliche und mit Müll und Wracks übersäte Landschaft sowieso schon erzeugt.

Das Gameplay

The Division ist wie oben erwähnt im Kern ein 08/15-Third-Person-Cover-Shooter. Euer Agent kann drei Waffen gleichzeitig tragen (zwei Hauptwaffen sowie eine Faustfeuerwaffe), kann zahlreiche Arten von Granaten werfen und hat Zugriff auf drei Skills. Zur Verfügung stehen diverse Waffengattungen von Pistolen über SMGs bis hin zu leichten Maschinengewehren alle mit ihren Vor- und Nachteilen. Skills umfassen hingegen solche hübschen Sachen wie ein automatisches Geschütz oder die Fähigkeit sich und andere zu heilen. Ihr könnt euch quasi euren Charakter so zusammenbauen, wie ihr gerne spielt. Wobei es natürlich wie in jedem Rollenspiel immer optimale Builds für bestimmte Situationen gibt. Vor allem seit der Einführung der Rüstungsset, die durch die entsprechenden Boni ganz genau beschreiben für welche Art von Spieler sie gedacht sind. So macht es wenig Sinn als Heiler mit einem Jägerset rumzulaufen, dass Boni auf Kopftreffer gibt.

The Division (Herstellerbild)

Zusätzlich hat jeder Gegenstand unterschiedliche Werte, wie es sich für einen Looter gehört (egal ob Rollenspiel oder Shooter). Sprich eure Haupttätigkeit ist es Sachen zu sammeln und zu vergleichen, ob sie für euch besser oder schlechter sind als das, was ihr schon anhabt. Das macht sich tatsächlich auch im Spielverlauf stark bemerkbar. Jedes substantielle Upgrade und/oder jede Änderung des Fokus (z.B. vom Tank zum Heiler) führt dazu, dass ihr bestimmte Situationen leichter oder schwerer auflösen könnt. Und mit „Situationen“ ist in 99% der Fälle gemeint, dass ihr alle Feinde abschießen müsst. Es ist schließlich immer noch ein Shooter. Hier wird nicht geredet, sondern aus der Deckung geschossen bis das Magazin leer ist. Dabei agiert die KI überraschend intelligent (inkl. fiesen Flankierungsmanövern) und bildet eine gute Herausforderung – auch, weil ihr selbst voll ausgestattet nur sehr wenig aushaltet.

Natürlich gehört zu dem ganzen Looten ein umfangreiches Crafting-System dazu mit der Möglichkeit sich selbst Sachen zu basteln, Boni von Gegenständen zu verändern oder sie grundsätzlich zu verbessern. Hier hat Massive jedoch ziemlich geschlampt, denn Blueprints gibt es im End game so gut wie gar keine mehr. Entsprechend fällt das „Selbst ist der Mann“ komplett weg und man ist nur noch damit beschäftigt Bosse zu farmen, um von ihnen die gesuchten exotischen Waffen und geheimen Rüstungssets zu sammeln. Ja, die Auswahl ist im Endgame definitiv wesentlich beschränkter als auf dem Weg auf Level 30.

Das Endgame

Spätestens wenn ihr die Geschichte abgeschlossen habt, geht es in die Dark Zone. Hier ist auf Knopfdruck jeder Freiwild und auch die KI-Gegner sind ein gutes Stück stärker als draußen. Der Witz: Alle Gegenstände, die ihr in der Dark Zone findet, sind erst einmal konterminiert. Ihr könnt sie also nicht einfach durch den nächsten Checkpoint nach draußen tragen. Stattdessen müsst ihr an speziell definierten Plätzen einen Hubschrauber rufen und eure Sachen dranhängen. Das Problem an der Sache: Das Abtransportieren dauert 2 1/2 Minuten und in der Zeit kommt nicht nur die KI angestürmt – andere Spieler sehen, dass hier jemand was macht und könnten auf die Idee kommen das Seil durchzuschneiden. Spannung pur quasi.

The Division (Herstellerbild)

Neben der Dark Zone gibt es für Nicht-DLC-Besitzer in Sachen PVE noch eine Handvoll anspruchsvoller Raids (z.B. einen von den Cleaner umgebauten Feuerwehrwagen zerstören), die Solo faktisch nicht zu schaffen sind sowie einen Horde-Modus in dem ihr gegen immer stärker werdende Gegnerwellen bestehen müsst. Für PVP muss ein Skirmish-Modus herhalten – Team-Deathmatch quasi. Mit dem DLC „Untergrund“ wird hingegen die (stillgelegte) U-Bahn geöffnet. Allein oder in der Gruppe arbeitet ihr euch hier durch teils mehrphasige Operationen mit dem Ziel…nun Erfahrungspunkte und Gegenstände zu sammeln. Ganz nett aber wenig Geschichte dahinter und sehr dunkel (weil unter der Erde).

Der DLC „Survival“ ist hingegen definitiv was anderes. Und zwar stürzt ihr hier auf dem Weg in die Dark Zone während eines Schneesturms ab und infiziert euch. Nun habt ihr eine Stunde Zeit, um in die Dark Zone vorzudringen und von dort evakuiert zu werden. Doch um dahin zu kommen müsst ihr einen Virusfilter und eine Signalpistole bauen und das Antidode einsammeln. Dazu müsst ihr wiederrum Crafting-Gegenstände sammeln, die in der Spielwelt verteilt sind. Dank des Schneesturms ist es allerdings saumässig kalt und ihr erfriert, wenn ihr zu lange draußen bleibt. Und dann nehmen euch die Entwickler auch noch so Sachen wie die Minimap oder den Navigationspfeil weg. Pfui! Aber ja: Der Survival-Modus macht aus The Division ein komplett neues Spiel. Ein Wunder, dass es Ubisoft nicht als solches verkauft hat. Vom letzten DLC „Last Stand“ kann man das hingegen nicht behaupten. Dabei handelt es sich wieder um einen PVP-Modus in dem ihr als Team Checkpoints einnehmen und halten müsst, um Punkte zu sammeln. Battlefield & Co. lassen grüßen.

Soziales Engagement?

Bis Level 30 habe ich das Spiel fast vollständig alleine gezockt. Das Matchmaking ist zwar extrem simpel und es können sogar Leute zu euch stoßen, während ihr bereits mitten in der Mission seid. Aber da das Spiel eben schon drei Jahre alt ist und sogar schon der Nachfolger am Laufen ist, sind in den unteren Levelregionen nicht mehr wirklich viele Leute unterwegs. Es ist aber tatsächlich theoretisch alles alleine schaffbar mit Ausnahme der Raids, in denen ihr aufgrund der Missionsziele gezwungen werdet mindestens zu zweit zu sein. Dank unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade sowohl für die Spielwelt an sich (levelbasierte Zonierung bzw. im Endgame Tier 1 bis 5) als auch die Missionen (von Normal bis Heroisch) und nur wenigen Konsequenzen für den eigenen Tod – meist wird man einfach am letzten Checkpoint wiederbelebt -, könnt ihr euch eure Herausforderung gut selbst zusammenstellen.

Natürlich belohnt euch das Spiel dafür, wenn ihr den höchsten Schwierigkeitsgrad wählt. Nur da gibt es die besten Gegenstände, die meisten Erfahrungspunkte, etc. Entsprechend kommt man im Endgame bei vielen Sachen dann doch nicht darum sich mit Fremden (oder Freunden?) zusammen zu schließen. Aber das funktioniert immer noch ganz gut. Je nachdem dauert es zwar etwas länger bis man Anschluss findet (die Server sind halt nicht mehr ganz so voll) aber abseits von den reinen PVP-Modi könnt ihr mehrere Matchmaking-Prozesse starten und einfach weiterspielen bis sich jemand findet. Ein Problem ist höchstens, dass gefühlt nur noch Russen unterwegs sind, die kein Wort Englisch verstehen. Aber selbst mit Händen und Füßen hat es bislang immer noch ganz gut geklappt.

The Division (Herstellerbild)

Beim Christoph meint: Von mir gibt es 4 von 5 Sics. Den fünften Sic gibt es nicht, weil The Division im Kern halt doch einfach nur ein simpler Third-Person-Shooter ist in dem ihr ab der ersten Stunde an immer das Gleiche tut. Was den Titel von Massive Entertainment für mich so interessant machte und mich bei der Stange hielt ist wirklich die Geschichte und die dazugehörige Spielwelt. Die Entwickler haben ein echt bedrückendes Stadtbild erbaut und schaffen es durch zahlreiche Tricks euch vorzutäuschen, dass ihr mit euren Taten irgendwas daran verändert.

Nach dem Abschluss der Hauptgeschichte halten mich hingegen die zahlreichen Auszeichnungen bei der Stange mit der dazugehörigen Lootspirale. Zwar werde ich unter Garantie sofort den Hammer fallen lassen, sobald ich alle 12 Schilde habe. Aber auch wenn der Endgamegrind voll reinschlägt und damit der Spielspaß langsam aber stetig abnimmt: Selbst wenn ich nach der letzten Mission aufgehört hätte, hätte ich für mein Geld wesentlich mehr bekommen als ich erwartet hatte und kann The Division anders als Destiny definitiv empfehlen – auch jetzt noch. Viele Veteranen sind wohl sogar von The Division 2 wieder zurückgewechselt, weil ihnen die Änderungen nicht gefallen haben. Für Koop-Freunde noch ein bisschen mehr als für Einzelspieler aber wie geschrieben, kommen auch die voll auf ihre Kosten.