Vampire Survivors (Herstellerbild)

Vor ein paar Wochen hat die Indie-Sensation Vampire Survivors den Steam Early Access-Status hinter sich gelassen. Der Survival-Bullet-Hell-Mix hat von Anfang die Massen begeistert. Neben seinen spielerischen Qualitäten hat dazu vermutlich beigetragen, dass er anfangs für nur 2,39€ zu haben war. Wie so oft hat sein Erfolg aber (leider) auch gefühlte Millionen von Nachahmern inspiriert, die gerade den Steam Store fluten – und mit den ebenfalls Millionen Survival-Horror-Early-Access-Titel konkurrieren, deren Flut seit Monaten nicht abreißen möchte.

Ja, es hat definitiv auch seine Nachteile, dass Spieleentwicklung in der heutigen Zeit so einfach und zugänglich ist und Steam faktisch überhaupt keine Qualitätsansprüche stellt. Der Ramschgedanke, den wir bislang nur aus den Smartphone-Shops kannten, ist schon seit einiger Zeit ebenfalls auf dem PC angekommen. Andererseits: Die Nutzer haben offensichtlich ebenfalls keine Ansprüche. Viele dieser Survival-Horror- und/oder Escape-Room-Spiele haben einen Koop-Modus, weshalb ich sie verstärkt im Blick habe und dabei zeigt sich sehr stark, dass die Entwickler einfach nur den schnellen Cash-Grab wollen. “Early Access“ wird nur als Ausrede genutzt, um den Minimalstumfang zu rechtfertigen und 90% der Titel werden unter Garantie nie den finalen Release erreichen – geschweige denn überhaupt auch nur jemals ein Update bekommen. Und trotzdem haben sie häufig viele positive Bewertungen, weil die Kunden ebenfalls eine absolute Wegwerf-Mentalität haben. Jeden Tag was Neues. Egal ob es scheiße ist. Hauptsache irgendwas anders (im selben Genre) womit sie eine Stunde mit ihren Freunden totschlagen können. Und so lang sie dabei zumindest etwas Spaß hatten, gibt es gleich den “Daumen hoch”.

Künstlerisch wertvoll

UBERMOSH (Herstellerbild)

Aber ich wollte nicht über den Schund schreiben, der jeden Tag auf Steam (und allen anderen digitalen Marktplätzen) veröffentlicht wird. Es ist wie es ist und ich kann es nicht ändern. Und Vampire Survivors habe ich ebenfalls bis heute nicht selbst gespielt (Rondrer ist in diesem Fall unser Genreexperte). Dafür aber eine Reihe von Titeln aus den Jahren 2015-2019, die ich als eine Art “Prototyp“ für poncles Hit sehe: UBERMOSH von Walter Machado. Ein Spieleentwickler, der einen etwas… anderen Blick auf die Welt zu haben scheint. Seine Titel sind unabhängig des Genres allesamt spielerisch minimalistisch und optisch teilweise so weit vom Mainstream entfernt, dass sie in einer Kunstgalerie nicht auffallen würden. Außerdem sind sie preislich ebenfalls im unteren Segment angesiedelt (alle für jeweils 0,39€ gekauft; Normalpreis 3,99€) und alle irgendwie süchtig machend.

Aber heute geht es wie erwähnt nur um die Top-Down-Shooter-Reihe UBERMOSH bestehend aus den derzeit acht Titeln:

Ein interessantes Namensschema, das er da gewählt. Alle Titel haben gemein, dass ihr einen sogenannten “Saint“ spielt, der in einer Arena kämpft – dem UBERMOSH (vermutlich von “Moshpit“). Theoretisch ist eine kleine Hintergrundgeschichte vorhanden, die über die acht Teile hinweg fortgesetzt wird und in der es irgendwie um Erleuchtung geht. Aber es ist faktisch nur ein (aufgrund der lauten und harten Musik nur schwer verständlicher) Satz, den der Stadionsprecher am Anfang der Runde sagt. Entsprechend kann ich euch abseits von “euer Charakter wird von Spiel zu Spiel stärker“ nicht viel erklären. Dieses stärker werden spiegelt sich übrigens auch in den Achievements wieder. Braucht ihr in UBERMOSH nur 200 Kills, sind es in UBERMOSH:BLACK schon 300 und in UBERMOSH Vol. 3 400 usw.

UBERMOSH:BLACK (Herstellerbild)

Aber um eine tiefgründige Hintergrundgeschichte geht es nicht (oder sie ist so tiefgründig, dass ich sie nicht verstehe – ebenfalls möglich :smile: ). Wie gesagt: Machados Spiele sind minimalistisch und von der Sorte “Schnell zu spielen, schwer zu meistern“. Reden wir also lieber über das Spielprinzip, das in allen acht Titeln grundsätzlich unverändert ist: Überlebt 90 Sekunde in der Arena und tötet dabei so viele Feinde wie möglich. Während die Arena in den ersten beiden Teilen noch fest vorgeben und begrenzt ist und sogar ein paar einfache Erhöhungen wahlweise als Deckung oder nerviges Hindernis vorhanden sind, wechselt die Serie ab Teil 3 in einen Endlosmodus bestehend aus einem unendlichen Nichts. Nur ihr und eure Feinde. Also egal in welche Richtung ihr lauft, das Spielfeld wird einfach unendlich erweitert. Bevor mit Teil 7 dann wieder eine Begrenzung zurückkehrt aber ohne nervige Berge (man bleibt sehr gerne daran hängen).

Das Geschehen seht ihr dabei von schräg oben und in einem tristen aber übersichtlichen Pixellook, bei dem man selbst im schlimmsten Gewusel noch den Überblick behalten kann. Bunt wird es erst, wenn die Gegner kommen und haufenweisen Blutflecken auf dem Spielfeld hinterlassen.

Töten bis zum Umfallen

Um den endlosen Schwarm an Feinden zu überleben, stehen euch zwei Dinge zur Verfügung: Ein Schwert und die Waffen, die ihr den getöteten Monstern abnehmt. Das Schwert ist logischerweise nur im Nahkampf nützlich. Das ist insofern unpraktisch, da ALLE Gegner mit Schusswaffen ausgerüstet sind und sowohl sie als auch euer Charakter nur einen einzigen Treffer aushält. Allerdings kann es im richtigen Moment eingesetzt Projektile spalten und an seine(n) Empfänger zurückschleudern. Ja, ihr seid der Inbegriff eines (idealisierten) Ninjas nur in einem Cyberpunksetting. Aber am Ende des Tages kann selbst der beste Ninjas nicht alle Projektile einzeln abschmettern, auch wenn die UBERMOSH-Titel weit von echten Bullet-Hell-Spielen entfernt sind, weshalb ihr die meiste Zeit dann doch auf die Knarren zurückgreift.

UBERMOSH:OMEGA (Herstellerbild)

Diese sind einer kleinen Hierarchie unterlegen und ihr sammelt euch quasi bis zur besten Waffe einfach hoch und bleibt dann dort. Sprich am Anfang heißt es erst einmal durchhalten bis die gefährlichsten Gegner erscheinen, einen davon erledigen, dann seine Waffe schnappen und dann (hoffentlich) möglichst viele Kills machen. Denn ja, ich habe euch ein wenig angelogen: Die 90 Sekunden überleben ist eher zweitrangig und tatsächlich vor allem im Endlossetting ziemlich einfach, da ihr schlicht davonlaufen könnt. Euer viel wichtigeres Ziel ist es entsprechend in dieser Zeit möglichst viele Kills zu bekommen und so die Highscore nach oben zu treiben. Dauerfeuer gibt es allerdings nicht. Für jeden Schuss müsst ihr zum Leidwesen von Lysandas Ohren die linke Maustaste drücken (die rechte ist für das Schwert vorgesehen). Einzige Ausnahme ist die “Gunner“-Klasse. Sie hat tatsächlich Dauerfeuer im Programm aber im Gegenzug keinen Zugriff auf das Schwert. Der Kensai hingegen ist genau umgekehrt, er hat ein Schwert kann aber keine Waffen benutzen. Sind es in UBERMOSH nur drei Klassen plus eine ohne Modifikation, stehen euch in späteren Titel ein halbes Dutzend und mehr zur Verfügung. Alle mit ihren ganz eigenen Fähigkeiten und Herausforderungen. Auch die Anzahl an Respawns ist je nach Klasse unterschiedlich. Der Kensai hat beispielsweise in Teil 1 als Zugeständnis zu seinem Nahkampffokus sechs Respawns, der Gunner nur zwei.

“Respawns“ klingt jedoch komplizierter als es tatsächlich ist. Werdet ihr getroffen und habt noch eine Ladung im Respawnmodul übrig, geht es ohne auch nur eine Unterbrechung sofort weiter (mit ein paar Unverwundbarkeitsframes dazwischen). Es ist also faktisch einfach nur die Anzahl an Treffern, die ihr aushaltet. Sind alle Ladungen verbraucht (oder ihr habt die 90 Sekunden überlebt) geht es zurück ins Hauptmenü. Kein langes Herumgeplänkel, kein richtiger Score-Screen, keine wirklichen Ladezeiten. Man ist sofort wieder mitten drin in der Action mit der pumpenden Musik und den unerbittlich nahenden Gegnern.

Neben neuen Klassen, gibt es in jedem nachfolgenden Titel auch das ein oder andere neue Feature – meist zusätzliche Gegner mit neuen Fähigkeiten (z.B. Schilden) und Waffen. Oder es wird eins entfernt (Stichwort Hügel). Für Abwechslung ist also durchaus gesorgt.

UBERMOSH Vol.5 (Herstellerbild)

Beim Christoph meint: Es stellt sich durchaus die Frage, warum Walter Machado aus dem Spielprinzip acht einzelne Spiele gemacht hat. DLCs hätten es vermutlich auch getan. Aber gut. Bei dem Preis (ich habe 3,12€ für alle acht Titel bezahlt) ist es wurscht. Vor allem, weil es so fix geht. Der Vorteil von der nicht wirklich komplexen Grafik. Da braucht es nicht viel Power unter der Haube um das Spiel zu laden und es bei 60fps (capped) butterweich laufen zu lassen.

Dieser Minimalismus zusammen mit der Schnelligkeit ist es vermutlich auch, der mich immer und immer wieder eine Runde starten lässt. Ja, man ist mitunter schnell tot aber eben sehr schnell wieder mittendrin für einen weiteren Versuch. Dabei habe ich nie das Gefühl, dass das Spiel auf irgendeine Art und Weise unfair wäre. Die Gegnermassen erscheinen zwar mitunter groß und unschaffbar, wenn vor allem spät in einer Runde Dutzende von Feinden einen einkreisen. Aber der ewige Tanz aus Bewegung und Priorisierung (Gegner, Waffenart, Angriff) erlaubt theoretisch immer eine Lösung, hat man ihn erst einmal verinnerlicht. Das Ergebnis ist ein süchtig machender Flow, der für mich erst unterbrochen wird, wenn entweder Lysanda sich über das (aus ihrer Sicht) nervige Klicken beschwert. Oder sobald ich in einem Titel alle Achievements habe (~6 Stunden in UBERMOSH) und dann zum nächsten übersiedele, um mich dessen mehr oder weniger stark veränderter Herausforderung zu stellen.

Unterm Strich also ein einfacher und (im Sale) extrem billiger Spaß den ich allen an Herz legen kann, die auf kompromisslose und adrenalinfördernde Action stehen. Wer es hingegen etwas komplexer möchte, der ist vermutlich bei Vampire Survivors und seinen Klonen besser aufgehoben.

KONSUMIERT! Die Inflation ist hoch. Die Preise dementsprechend auch. Dem Euro geht es schlecht. Die Gehälter steigen nicht. Und warum? Na, weil ihr nicht KONSUMIERT! Wir brauchen MEHR WACHSTUM. MEHR GELD in den Kassen der Unternehmen und Finanzämter. MEHR ARBEITSZEIT für weniger Bezahlung. Also kramt endlich euer Sparbuch raus und tut etwas für euer Land: KONSUMIERT VIEL UND OHNE VERSTAND! Bitte? Was ihr konsumieren sollt? Mir doch egal. Vermutlich habt ihr schon genug im (anlogen wie digitalen) Regal stehen. Nehmt also einfach irgendwas davon. Ich hingegen hab‘ mich mit den folgenden Unterhaltungsmedien beschäftigt:

(Cover)

Das Vermächtnis der Spione* (A Legacy of Spies; 2017; 316 Seiten) – Ursprünglich sollte es der letzte Roman aus der Feder von John le Carré werden. Aber der Brexit und seine Angst davor, hatte ihn dann doch noch dazu getrieben mit Federball* 2019 einen weiteren Spionageroman zu veröffentlichen, bevor er Ende 2020 gestorben ist. Mit George Smiley hat der jedoch nichts zu tun. Das Vermächtnis der Spione ist stattdessen der neunte und letzte Band der George Smiley-Reihe. Wirklich zu Wort kommt er allerdings nur auf den letzten paar Seiten. Im Vordergrund steht stattdessen sein langjähriger Begleiter Peter Guillam.

2017 wird der britische Geheimdienst von Christoph Leamas, Karen Gold und Gustav Quinz verklagt. Wem die Namen irgendwie bekannt vorkommen hat Der Spion, der aus der Kälte kam* gelesen. Das Werk von 1963 dreht sich ganz um den britischen Spion Alex Leamas (und ein Buch, das ich extrem gut fand). Der Vorwurf der Kinder, vertreten durch eine NGO: Ohne Rücksicht auf Verluste hätte der Circus ihre Eltern in ihren Dienst gezwungen und im Rahmen der Operation Windfall sinnlos geopfert. Die namentlich Angeklagten? George Smiley und Peter Guillam.

Da Smiley warum auch immer nicht greifbar ist, schnappt sich der Circus Peter und zieht ihm die Daumenschrauben an. Erst wird er verhört und als er schließlich ein Versteck mit altem Beweismaterial verrät, gezwungen die Akten zu wälzen und daraus zu berichten. Immer in der Hoffnung etwas zu finden, was den Circus (und natürlich nur die Firma) aus dem Schneider hilft. Eingebettet in diese Rahmenhandlung erzählt entsprechend entweder Peter was damals vorgeblich geschah (und dem Leser, was ggf. wirklich passierte) oder es werden die damaligen Einsatzberichte und Korrespondenzen 1:1 abgedruckt. Dazwischen gibt es immer mal wieder eine Pause in der Gegenwart in denen Peter rastlos durch London und die Umgebung streift, auf der Suche nach seinen ganz eigenen Antworten.

Es ist also sowohl die Vorgeschichte zu Der Spion, der aus der Kälte kam als auch eine Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der Handlungen, die damals im Namen des Königreichs durchgeführt wurden. Und ja: Es empfiehlt sich dringend zumindest den dritten Band vorher gelesen zu haben. Eigentlich sogar im Minimum Band 3, Band 5 (Dame, König, As, Spion*) und Band 7 (Agent in eigener Sache*). Zum einen werden die Ereignisse aus Band 3 nur rudimentär wiederholt, zum anderen fehlt einem einiges an Bindung zu den Hauptpersonen sowohl aus Band 3 als auch Peter und George selbst. Auf sich alleine gestellt funktioniert Das Vermächtnis der Spione aus meiner Sicht überhaupt nicht.

Beim Christoph meint: 4 von 5 Sics. Nachdem ich mich durch Der heimliche Gefährte* ziemlich durchquälen musste, hatte ich bei Das Vermächtnis der Spione wieder mehr Spaß. Das lag weniger an der belanglosen Rahmenhandlung (deswegen keine fünf Sics), sondern mehr am Kern des Buchs: Spionagemissionen gegen die Sowjetunion in den 60igern. John le Carré quasi zurück in seinem Element und dann auch noch als sinnvolle Ergänzung zu einem seiner besten Bücher.

Obwohl ich den grundsätzlichen Ausgang der finalen Mission bereits kannte, trotzdem ein extrem spannendes Leseerlebnis mit einigen überraschenden Wendungen. Und natürlich ist es schön einen letzten, kleinen Einblick ins Leben der noch übrig gebliebenen Protagonisten der Karla-Jahre zu bekommen. Das Ende ist nicht so befriedigend wie ich es mir erhofft hätte (der Prozess ist plötzlich kein Thema mehr). Aber es ist ein würdiger und passender Abschied für zwei Personen, deren Leben ich über so viele Bücher hinweg begleitet habe. Für George Smiley-Fans eine Pflichtlektüre.

 

Spielen statt Lesen

Und wenn wir schon beim Stichwort „Alter Kram neu aufgewärmt” sind: 2007 hatte ich einen kleinen Test zur allerersten Version des Klomanagers (1995, Atari ST) veröffentlicht. Verdammt lange her. Das Remake dazu kam dann anno 2000 auf dem Markt (letztes Update 2006), zu dem ich aber tatsächlich nie was hier auf Beim Christoph geschrieben habe. Stattdessen hatte ich mich nur einer Handvoll von Fans angeschlossen, die auf Der Klomanager 2 gewartet haben. Dahingehend war ich sogar einige Zeit im offiziellen Forum (es existiert noch – inkl. den uralten Beiträgen) aktiv. Ja, die waren damals noch total hip.

Der zweite Teil des Klomanagers ist in der ursprünglich geplanten Version offensichtlich nie erschienen. Auch die deutsche Entwickler-Firma, Anvil-Soft, existiert nur noch auf dem Papier. Die Wege von Matthias Hofmann und Roland Wendt scheinen sich schon vor längerer Zeit getrennt zu haben. Roland hat stattdessen mit PHOBETOR ein neues (quasi Ein-Mann)Studio gegründet – und die Rechte am Klomanager mitgenommen. Nach zwei rundenbasierten Strategiespielen hat er sich anschließend tatsächlich wieder dem Klomanager gewidmet, wie ich vor kurzem überraschend festgestellt habe. Und da das Werk zu dem Zeitpunkt nur 0,99€ kostete (aktuell wieder 4,99€), habe ich natürlich sofort zugeschlagen und mich seit langem mal wieder in die Scheiße gestürzt.

(Cover)

Klomanager – Hochgewürgt (2021; PC, Mac) – Der Titel ist passender als es vermutlich beabsichtigt war, denn das Erste was einem auffällt ist die extrem schlechte Optik. Zugegeben: Die 2006er Version war jetzt auch nicht das hübscheste auf dem Markt, aber doch irgendwie zeitloser als diese hässlichen Mobiltelefon-Menüs und Gesichter, die scheinbar selbst zu tief ins Klo geschaut haben. Aber gut: Inhalt vor Schönheit. Also, worum geht’s? Nun für Veteranen nichts Neues: Bis zu vier Spieler (oder KI) bekämpfen sich rundenbasiert auf einer Handvoll unterschiedlicher Karten im Klogeschäft. Das Spielziel kann zu Beginn ausgewählt werden und enthält 08/15-Sachen wie „habe nach x Zügen das meiste Geld” oder „Erreiche im Forschungsbereich x die höchste Stufe”. Mit eurem mickrigen Startgehalt kauft ihr euch dann eure erste Parzelle, die je nach Lage ein paar Besonderheiten aufweist. Im Nobelviertel gibt es beispielsweise für verdreckte Toiletten besonders hohe Mali aber dafür sind sie für top-ausgestattete eher bereit mehr zu bezahlen. Im hippen Künstlerviertel finden sie hingegen Graffiti richtig geil und malen euch sogar die Wand kunstvoll an, wenn ihr es nicht wegmacht (=spart Reinigungskosten).

Jede Parzelle besteht aus bis zu sechs Ställen, die ihr abhängig von eurem Geldbeutel nach und nach freischaltet und dann entsprechend mit Toiletten ausstattet. Diese bestehen aus vier Bausteinen: Die Schüssel, der Sitz, die Spülung und das Klopapier. Fangt ihr mit einer billigen Keramikschüssel und einem unbequemen Plastiksitz an, könnt ihr im Laufe des Spiels durch Geldeinsatz bessere Bauteile erforschen bis ihr am Ende einen königlichen Diamantthron mit Ledersitz (inkl. Bierhalter) und Mink-Toilettenpapier dort stehen habt. Anschließend noch den Preis festlegen für jeden Stall und schon heißt es auf die Kundschaft warten, denn nur so kommt Geld in die Kassen. Problem: Kundschaft macht die Toiletten dreckig. Also heißt es zu Beginn der nächsten Runde erst einmal sauber machen – was ebenfalls Geld kostet.

Klomanager – Hochgewürgt (Herstellerbild)

Doch die Konkurrenz schläft logischerweise nicht und will ebenfalls ein Stück vom Scheißhaufen abhaben. Dabei geht es nicht immer gesittet zu. Zwar kann sie genauso wie ihr fleißig verschiedene Arten von Werbung schalten (ihr habt sogar eine Webseite!) und so die Leute anlocken. Aber manchmal reicht das nicht aus. Da ist es dann doch mal an der Zeit die Kollegen vom Gesundheitsamt zu bestechen, um einen unangekündigten Besuch zu veranlassen oder gleich Sabotageakte durchführen, die bestenfalls nur Dreck verursachen, schlimmstenfalls die Ausstattung zerstören (=muss neu gekauft werden). Das wird im späteren Spielverlauf ein ganz schönes Geldgrab. Nicht nur, weil die Bauteile und die Amtsstrafen teurer werden. Auch die KI scheint sich gefühlt komplett gegen euch zu verbünden, sobald ihr aus ihrer Sicht zu viel Erfolg habt. Dazu noch die Einflüsse der Jahreszeiten (gefrorene Toiletten im Winter, Überschwemmungen im Sommer)… ja, man kann sagen: Selbst auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad ist der Titel gegen die KI sauschwer und ich habe in meinen bisher zwei Stunden Spielzeit noch kein Match erfolgreich beenden können.

Und ja, das war’s: Parzellen säubern, forschen, Toiletten ersetzen/verbessern, werben, sich mit dem Gesundheitsamt gut stellen (zu viele Strafen führen zur Schließung der Parzelle) und Sabotageakte durchführen. Man hat schnell alles gesehen, wiederholt dann ständig nur noch die gleichen Schritte und hofft einfach darauf, dass das Geld für die nächste Forschung oder den nächsten Stall/Parzellenkauf reicht. Mehr ist es nicht – und dabei hat man nicht einmal was Schönes zum Anschauen, weil das Spiel schlicht und einfach potthässlich ist.

Beim Christoph meint: Es ist hart aber von mir gibt es für Klomanager – Hochgewürgt nur 1 von 5 Sics. Als ich diesen Absatz angefangen habe, waren es noch zwei Sics aber bei genauerer Überlegung wäre das nicht verdient. Ja, es ist im Kern immer noch der Klomanager mit nur wenigen (aber meist sinnvollen) Neuerungen und für ein paar Runden (vor allem mit menschlichen Spielern) macht es durchaus wieder Laune (hab‘ mir sogar alle Achievements geholt). Aber damals wie heute ist es nichts was langfristig Spaß bringt. Es geht über einen netten Gag nicht wirklich hinaus und hat mit einer richtigen Wirtschaftssimulation nur wenig zu tun.

Im Klomanager Deluxe könnt ihr sogar die Tür zumachen!

Leider hält die neue Version noch weniger bei der Stange. Weil sowohl die 3D-Objekte als auch die Menüs echt scheiße aussehen und sie zudem noch so einige Bugs hat, die teilweise sogar das Weiterspielen verhindern. Außerdem der Schwierigkeitsgrad gegen die KI, der gefühlt abartig hoch ist. In meinem letzten Spiel hatte ich mit meiner Parzelle zwar viel Erfolg (und fast alles erforscht), aber dann begann die KI mir jede Runde haufenweise Saboteure zu schicken und das Gesundheitsamt zu rufen. Die Folgen waren immens hohe Instandhaltungskosten, die ich schlicht nicht mehr reinholen konnte und mich in den Ruin trieben. Spätestens dann geht der letzte Rest von Spielspaß den Abfluss hinunter.

Da es auch nicht so aussieht als würden Roland und seine Kollegen noch weiter an dem Produkt arbeiten, kann ich vom Kauf also nur abraten. Selbst, wenn Klomanager – Hochgewürgt mal wieder auf 0,99€ runtergesetzt wird, solltet ihr stattdessen zum ebenfalls auf Steam verfügbaren Klomanager Deluxe (die 2006er Fassung) greifen. Inhaltlich erwartet euch das fast identische Spiel aber dafür ein schlicht und einfach runderes Spielerlebnis. Und euer Geld landet ebenfalls bei Roland – nur wahrscheinlich etwas weniger, weil sie für diese Fassung damals einen Deal mit einem externen Publisher gemacht hatten.

Vor mehr als drei Jahren hatte ich euch an dieser Stelle das Buch 500 Years Later: An Oral History of Final Fantasy VII* vorgestellt. Zur Erinnerung: Ich fand das Buch inhaltlich top aber die Aufmachung ließ zu wünschen übrig. Speziell die vielen Abschnitte, in denen der Text in übergroßer Schrift gedruckt wurde, gingen mir auf den Zeiger.

Mittlerweile ist das neuste Werk des britischen Verlags Read-Only Memory namens Like a Hurricane: An Unofficial Oral History of Street Fighter II* an die Kickstarter-Backer verschickt worden und ich kann nur sagen: Was soll der Mist?!

Das komplette Buch nutzt eine riesige Schriftgröße und die Texte des Autors selbst sind sogar NOCH einmal größer abgedruckt! Was für eine absolute Ressourcenverschwendung (480 Seiten; Hardcover; 195x255mm). Ich verstehe ja, dass sich das Werk vor allem an Retro-Fans richtet und die sind bekanntlich nicht mehr die Jüngsten. Aber trotzdem ist es der völlige Overkill und erschwert aus meiner Sicht sogar das Lesen. Nicht nur, weil die einzelnen Sätze entsprechend über mehrere Zeilen verteilt sind sondern auch, weil es dadurch ein dicker und schwerer Brecher (1,6kg) geworden ist. Hier mal zwei Beispiele aus dem Buch (links aus dem Mittelteil und rechts aus dem Vorwort):

Immer diese gelangweilten Designer, die sich unbedingt austoben müssen. Der Inhalt ist doch bei einem Fachbuch (“Coffe Table Book” sind aber auch eine blöde Erfindung) das Wichtigste und der hätte höchstwahrscheinlich bei normaler Schriftart auch auf 300 Seiten gepasst…

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