Das Filme-Regal ist grad etwas unordentlich.

Lang, lang ist es her, da habe ich euch die Top 10 meiner absoluten Lieblingsfilme “aller Zeiten” vorgestellt – mit Stand Januar 2013. Seitdem bin ich nicht nur in den Genuss vieler weiterer Werke gekommen. Auch ich und mein Geschmack haben sich einfach verändert. Es wird also mal höchste Zeit die damalige Liste zu aktualisieren.

Das fiel mir übrigens leichter, als ich anfangs dachte. Selbstverständlich ist die Liste der möglichen Kandidaten größer als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Aber am Ende des Tages gibt es dann doch irgendwie nur eine Handvoll von Werken, die einem wirklich im Gedächtnis bleiben. Und umgekehrt fiel es mir auch irgendwie nicht sonderlich schwer den notwendigen Platz auf der alten Liste zu schaffen.

Diese sah 2013 übrigens so aus:

1. Gesprengte Ketten*
2. Rain Man*
3. Das Boot*
4. Armee der Finsternis*
5. M*
6. Blues Brothers*
7. Jackie Brown*
8. TRON: Legacy*
9. Vernetzt*
10. The Crow – Die Krähe*

Und hier zum Vergleich direkt und ohne weitere Umschweife die neue Top 10 meiner absoluten Lieblingsfilme (Stand 2026). Wobei sich tatsächlich weniger geändert hat, als ihr vielleicht erwartet hättet:

1. Die 12 Geschworenen* (12 Angry Men, 1957, Sidney Lumet)

Das ursprüngliche Fernsehspiel von 1954, damals live übertragen, kann man sich übrigens bei YouTube anschauen. Die Qualität der Aufnahme ist gelinde gesagt beschissen, aber das Gezeigte ist immer noch extrem spannend und liefert einen faszinierenden Einblick in das menschliche Verhalten. Das gilt auch uneingeschränkt für die erste Verfilmung aus dem Jahr 1957 mit Henry Fonda. Es gibt nur ein Set, das Geschworenenzimmer, und doch wird es in den 96 Minuten nie langweilig. Dabei zuzusehen wie der Geschworene Nr. 8 nach und nach die anderen davon überzeugt, dass vielleicht doch nicht so alles eindeutig und klar ist, wie sie glauben, ist ein fantastisches Schauspiel.

Am allerwichtigsten ist dabei, dass Nr. 8 nicht irgendwie seinen Charme spielen lässt, oder als der große Macker auftritt. Die anderen also nur auf irgendeine Art überredet. Nein, er hinterfragt einfach nur die Dinge und zeigt so nicht nur die Lücken im Fall auf, sondern auch die Vorurteile, die jeden von uns tagtäglich begleiten und was sie mit uns machen. Einfach der helle Wahnsinn. An diesem Film kann ich mich absolut nicht satt sehen.

Rain Man (MGM-Promobild)

2. Rain Man* (1988, Barry Levinson)

“Nein, Sicarius. Nicht schon wieder den Soundtrack anmachen! Du hast ihn doch wahrlich schon oft genug gehört. *Hans Zimmers Leaving Wallbrook/On The Road ertönt durch die Boxen* Ähm, ja was soll ich sagen? Nimmt mich immer noch jedes Mal emotional sehr mit, dieses Machwerk.

3. Das Boot* (1981, Wolfgang Petersen)

Muss ich wieder die nervenaufreibende Fahrt durch die Meerenge von Gibraltar erwähnen? Nein? Gut. Immer noch einer, wenn nicht sogar der beste Kriegsfilm(miniserie) aller Zeiten. Und wenn ihr ihn immer noch nicht gesehen habt, dann ist euch auch nicht mehr zu helfen. *hmpf*

4. Der große Crash – Margin Call* (Margin Call, 2011, J. C. Chandor)

Es wurden mittlerweile so einige Filme über die Finanzkrise von 2008 gedreht. Keinen davon habe ich so oft gesehen, wie diesen hier. Möglicherweise habe ich sogar überhaupt noch keinen Film so oft gesehen. Schon allein das Meeting der Senior Partner versetzt mich jedes Mal wieder in Ehrfurcht. Diese an Perfektion grenzende Inszenierung, bei der die Machtverteilung im Raum allein durch Präsenz und Worte transportiert wird. Eine fantastische Meisterleistung sowohl des Regisseurs, aber auch von Jeremy Irons als Firmenchef. Ich empfehle dazu übrigens dieses Video von Bezel Media, wenn ihr genauer erfahren wollt, was hier alles passiert. Und das zieht sich durch den gesamten Film hindurch. Ein wirklich beeindruckendes Drama mit einer perfekten Besetzung. Sobald mir auf YouTube ein Clip eingespielt wird, kann ich der Versuchung faktisch nie widerstehen und am Ende ist es 1 Uhr und ich habe schon wieder einen Großteil des Films verschlungen :smile: .

5. John Wick* (2014, Chad Stahelski & David Leitch)

Noch so ein Werk, das ich bereits öfters gesehen habe, als ich öffentlich zugeben wollen würde. Dabei ist es oberflächlich betrachtet so ein simpler Film. Ein paar böse Jungs erschießen bei einem Hauseinbruch einen Hund und der Besitzer, ein ehemaliger Auftragskiller, begibt sich anschließend auf einen brutalen Rachefeldzug. Aber John Wick nimmt sich gleichzeitig so bierernst und ist dabei doch so völlig überdreht, dass am Ende eine geniale Achterbahn entsteht, vollgestopft mit richtig cooler Action und vielen zeitlosen Szenen. Und ja, der erste ist irgendwie immer noch der beste der Reihe.

Blues Brothers (Universal Pictures-Promobild)

6. Blues Brothers* (The Blues Brothers, 1980, John Landis)

Der Markt an unterhaltsamer Action ist groß (siehe auch Platz 5 dieser Liste). Aber Actionfilme die alles gelungen kombinieren? Also unterhaltsame Action, die richtige Prise Humor, einen richtig guten Soundtrack und vor allem sehr viel Herz? Kenne ich nur wenige und davon kommt einfach weiterhin keiner an Jake und Elwood Blues göttlicher Mission heran.

7. Jackie Brown* (1997, Quentin Tarantino)

Ja, es steht immer noch Tarantinos 3. Werk an dieser Stelle. Sind objektiv betrachtet seine anderen Filme besser (mit Ausnahme von Death Proof – Todsicher vielleicht)? Garantiert. Aber der Vibe des Films, wie man heutzutage so schön sagt, ist für mich einfach weiterhin ungeschlagen. Das Gesamtpaket ist schlicht perfekt.

8. TRON: Legacy* (2010, Joseph Kosinski)

Warum ist dieses Franchise so verflucht? Alles was Disney hätte tun müssen wäre eine direkte Fortsetzung hinterher zu schieben. Aber nein, für mehr als die (wirklich gelungene!) Animationsserie TRON: Der Aufstand reichte es am Ende nicht. Stattdessen jetzt 15 Jahre danach TRON: Ares… Wie gut, dass TRON: Legacy auch heute noch ein wirklich gelungener Film mit einem fantastischen Soundtrack ist. Da kann Disney tun und lassen, was sie wollen: Das können sie uns (noch?) nicht wegnehmen.

9. Der Staatsfeind Nr. 1* (Enemy of the State, 1998, Tony Scott)

Ich hab’ tatsächlich länger überlegt, ob ich nicht lieber Franzis Ford Coppolas‘ Der Dialog* (The Conversation, 1974) an diese Position stecke. Zur Erinnerung: Das ist im Prinzip der Vorgänger im Geiste zu Scotts Überwachungsthriller – ebenfalls mit Gene Hackman. Aber auch, wenn ich meine gemächlichen Filme genauso mag wie ein gutes Actiongewitter, muss ich doch eingestehen, dass in diesem Fall genau diese frenetischere Inszenierung das Pendel zugunsten Der Staatsfeind Nr. 1 ausschlagen lässt. Noch erschreckender ist, dass die heutigen Überwachungsmöglichkeiten das im Film Gezeigte bei weitem übertrifft. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen fesselt er mich jedes Mal wieder an meinen Stuhl, wenn ich ihn einlege.

The Crow (Miramax Film-Promobild)

10. The Crow – Die Krähe* (The Crow, 1994, Alex Proyas)

2013. Was für ein Jahr. Es war der Beginn von Phase 2 des Marvel-Kinouniversums mit Iron Man 3 und Thor – The Dark Kingdom. Was waren wir damals alle noch so voller Hoffnung. Mittlerweile werden wir regelrecht überschwemmt von Superheldenfilmen ohne Inhalt und Seele, stattdessen vollgepackt mit schlechten CGI-Effekten. Entsprechend kommt für mich in Sachen Comicbuchverfilmungen einfach weiterhin nichts an The Crow ran. Ein immer noch optisch wie inhaltlich beeindruckendes und mitreißendes Werk. Bitte? Nein, es gab nie eine Fortsetzung. Wer behauptet denn sowas?

Die Änderungen

So viel also zur neuen Top 10. Aufmerksame Leser werden festgestellt haben, dass ich die vier Filme Gesprengte Ketten, Armee der Finsternis, M und Vernetzt rausgeworfen habe, um für die Neuzugänge Platz zu machen. Für sich betrachtet selbstverständlich immer noch sehr gute Filme, die ihr unbedingt gesehen haben müsst. Aber es fühlte sich einfach nicht mehr richtig an, sie noch in so einer hochkarätig besetzten Liste zu belassen.

Und ja, ich bin mir bewusst, dass mit Gesprengte Ketten auch meine ehemalige Nr. 1 geflogen ist. Das liegt interessanterweise an dem, was ich früher so unterhaltsam am Film fand: Die lockere Art und Weise, wie speziell Steve McQueens Charakter inszeniert ist und so das bierernste Thema auflockerte. Aber heutzutage wirkt diese Lockerheit auf mich stellenweise fast schon unpassend gegenüber dem eigentlichen Thema. So richtig erklären kann ich es nicht. Es ist jedoch der Grund, warum er rausgeflogen ist. Stalag 17* ist objektiv vermutlich der weniger perfekte Film, subjektiv greife ich heute aber lieber zu ihm.

PS: Nein, aus der zweitägigen Watchparty, über die damals in den Kommentaren diskutiert wurde, ist dann doch nichts geworden :sad: .

Es ist noch eher selten, dass ich derjenige bin, der Animes oder gar Mangas aussucht. Die Gefahr etwas zu kaufen, das meiner geliebten Lysanda nicht gefällt, ist trotz zehn Jahren Ehe immer noch ziemlich hoch. Aber manchmal lasse ich mich dann doch dazu hinreißen ohne Rücksprache mit ihr etwas mehr bei Anime Planet in den Warenkorb zu packen, als geplant.

Achtung, nutzloses Wissen voraus: Anime Planet ist quasi der Fabrikverkauf von KSM Anime, einem Label von PLAION PICTURES. Das wiederum ist, genauso wie Deep Silver, ein Tochterunternehmen von PLAION. Und wer jetzt denkt: “Deep Silver? Gehörten die nicht zu Koch Media?!” – Bingo! Die haben sich 2022 umbenannt. War scheinbar nach 28 Jahren nicht mehr “in”. Und um den Videospiele-Kreis endgültig zu schließen: Koch Media wurde schon 2018 von THQ Nordic gekauft – heutzutage bekannt als Embracer Group. Die Welt ist klein, ich weiß. Aber immerhin taugt die Anime-Abteilung was.

Doch zurück zu meinem Warenkorb bei Anime Planet: Die heruntergesetzten Komplettboxen von Der Graf von Monte Christo – Gankutsuô* und NANA* fanden beim letzten Einkauf ihren Platz darin. Sie klangen interessant und die Bewertungen auf den einschlägigen Portalen (aniSearch) sind sehr gut. Aber waren sie das auch? Nun, darum sind wir heute hier :wink: :

(Cover)

NANA* (2006-2007; 47 Episoden, DV) – Fangen wir gleich mit der Schattenseite der Serie an: Sie ist unvollständig. Zwar haben die Macher versucht in der letzten Folge zumindest ein bisschen Abschluss reinzubringen. Aber wie leider bei vielen Anime, hört auch diese Geschichte trotzdem einfach mittendrin auf und lässt den Zuschauer unbefriedigt zurück.

In diesem Fall muss ich das Produktionsunternehmen Madhouse allerdings ausnahmsweise ein wenig in Schutz nehmen: Der Manga ist mit seinen 21 Sammelbänden ebenfalls nicht abgeschlossen. Und im Gegensatz zum Anime, gibt es dort einen verdammt großen Cliffhanger, der seit 2009 nicht aufgelöst wurde. Die Mangaka Ai Yazawa erkrankte damals und ist seitdem wohl nicht mehr wirklich in der Lage zu zeichnen. Zwar beteuert sie hin und wieder, dass sie den Manga irgendwann abschließen möchte. Aber es scheint ihr leider nicht möglich zu sein und jemand anderes ihre Gedanken auf die Seiten bringen lassen, ist ebenfalls nicht drin. Das ist extrem schade.

Eine schicksalshafte Begegnung

NANA ist ein Slice-of-Life-Anime/-Manga. Die Hauptfiguren sind Nana “Hachi” Komatsu und Nana Osaki. Ja, sie haben zufällig den gleichen Vornamen. Es ist ebenfalls nur purer Zufall, dass sie sich im Zug nach Tokyo treffen. Beide wollen dort ein neues Leben anfangen. Hachi will nach einem Jahr Fernbeziehung endlich wieder bei ihrem Freund Shoji sein. Nana hingegen… nun, sie ist Sängerin bei der Band Blast. Ihr ehemaliger Freund und Bandkollege Ren wurde von der viel erfolgreicheren Truppe namens Trapnest abgeworben, von der Hachi ein Fan ist. Dazu musste er nach Tokyo ziehen und sie entschied in ihrem Provinznest zurückzubleiben. Reist sie also jetzt nach Tokyo, um ihm nun doch zu folgen, weil sie ihn weiterhin liebt? Oder macht sie sich auf den Weg in der Hoffnung endlich selbst groß rauszukommen und sich so an ihm zu rächen? Spoiler: Ein bisschen was von beidem.

NANA (Madhouse-Promobild)

Auf jeden Fall treffen sich die beiden grundverschiedenen Nanas erstmals in besagtem Zug. Das naive Provinzmädel Hachi, welches gefühlt überall nur das Positive sieht und an die große Liebe glaubt, aber gleichzeitig einer Affäre mit einem älteren Mann nachtrauert und sowieso immer irgendwelche Probleme mit ihrem Liebesleben hat. Nana, die nach außen beinharte Punkrockerin, die im Inneren aber ziemlich einsam und verloren ist. Und natürlich kommt es, wie es kommen muss – sonst gäbe es die Geschichte ja nicht: Obwohl sie sich am Bahnsteig in Tokyo erstmal verlieren, bringt sie das Schicksal zügig dazu gemeinsam eine WG zu gründen.

Fortan lernen sich beide besser kennen, haben Anteil an ihrem jeweiligen Leben und spannen so ein Band zwischen sich, das weit über eine simple Freundschaft hinaus geht. Wir sehen wie Nanas Band Blast sich wiederfindet, wie ihre Beziehung mit Ren weitergeht und erleben zumindest den Anfang der “Battle of the Bands”. Hachi hingegen lässt ihr Elternhaus hinter sich, wird erwachsener, selbstständiger und muss so einige Höhen und Tiefen in der Liebe durchleben – inkl. einer Sache, die ihren weiteren Pfad von jetzt auf gleich komplett verändert.

Nah an der Tränendrüse

Trotz der ein oder anderen witzigen Situation, schwebt über der ganzen Erzählung immer eine leicht… melancholische Stimmung würde ich es nennen. Das liegt zum einen daran, dass wir hier zwei Frauen und ihre Freunde ein Stück weit begleiten, die nicht perfekt, sondern einfach nur normal sind. Wir bekommen die glücklichen Momente zu sehen, die Erfolgsgeschichten und das alltägliche Leben. Wir werden aber auch Zeuge von totalen Abstürzen. Der Blick hinter die Maske quasi, die wir alle tagtäglich aufsetzen.

Die Serie erzeugt zum anderen dadurch ein besonderes Gefühl, wie die Geschichte erzählt wird. Damit meine ich speziell die emotionalen Monologe von Nana und Hachi aus dem Off, vor allem aber nicht nur zu Beginn einer Folge. Diese klingen wie Briefe an die jeweils andere Nana, die zu einem Zeitpunkt geschrieben werden, wo man sich schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Es sind Texte voller Rechtfertigungen, Entschuldigungen, Reue und Selbstgeißelung über verpasste Chancen und Erinnerungen an schöne Momente und gemeinsame Erfahrungen, die sie verändert haben und die sie immer noch im Herzen tragen. Sie geben ein wenig Kontext und liefern einen Blick ins Innere der beiden. Sie werfen aber auch viele Fragen auf und machen so neugierig darauf, wie es weitergeht. Umso schlimmer ist es, dass die Serie einfach aufhört und genau dieser Aspekt niemals aufgeklärt wird.

NANA (Madhouse-Promobild)

Beim Christoph meint: NANA bekommt von mir die vollen 5 von 5 Sics und konkurriert mit Death Parade um den Titel für den besten Anime, den ich bislang gesehen habe. Die Begründung dafür ist das erwähnte Gefühl, das er beim Anschauen erzeugt hat. Die Geschichte der beiden Nanas und vor allem die Art und Weise, wie sie erzählt wird, hat mich überraschend stark berührt.

Mit einer Prise Witz und Charme lässt er mich glaubwürdig am Leben zweier völlig unterschiedlicher Frauen teilhaben, die trotz oder gerade wegen ihrer Unterschiede eine besondere Beziehung zueinander aufbauen. Ihr Schicksal interessiert mich und nimmt mich mit. Dass der Punkrock-Soundtrack grundsätzlich meinen Geschmack trifft, trotz des unverständlichen Faibles von Japanern, englische Begriffe in ihre Songtexte einzubauen, ist da nur das Tüpfelchen auf dem “i”. Zum Reinhören findet ihr hier das reale Musikvideo des (ersten) Titelsongs.

Epilog

So viel zum NANA-Anime. Es ist echt unendlich schade, dass ich jetzt nicht einmal zum Manga greifen kann, um zu erfahren wie es weitergeht. Von Der Graf von Monte Christo – Gankutsuô berichte ich euch heute allerdings nicht mehr. Dazu dann in einem kommenden Eintrag mehr. Nur so viel vorab: Ja, er basiert grundsätzlich auf dem gleichnamigen Abenteuerroman aus dem 19. Jahrhundert, verlagert die Geschichte aber in eine Art umgedrehte Steampunk-Zukunft. Sprich auf der einen Seite nutzt man ultramoderne Raumschiffe aber kommuniziert trotzdem mit handgeschriebenen Briefen. Passend zu diesem Widerspruch hat er einen äußerst ungewöhnlichen visuellen Stil.

(Cover)

Dann kommen wir endlich mal zu Star Trek: Lower Decks und damit dem vorerst letzten Star-Trek-Eintrag.

Nachdem es während der Produktion der 1. Staffel von Star Trek: Discovery hinter den Kulissen ziemlich rund gegangen war, übernahm der nicht unumstrittene (um es freundlich auszudrücken) Alex Kurtzman die Rolle des Showrunners für den Rest der Serie. Mitserienerfinder Bryan Fuller hatte das Schiff wegen “kreativen Differenzen” schon früh verlassen. Und seine Nachfolger, Gretchen J. Berg und Aaron Harberts, waren wegen schlechtem Verhalten entlassen worden. Mitte 2018 unterschrieb Kurtzman dann einen Fünf-Jahres-Vertrag mit CBS, um das Star-Trek-Universum breiter aufzustellen. Egal ob Live-Action-Serien (Star Trek: Picard, Star Trek: Strange New Worlds, Star Trek: Starfleet Academy), Miniserien (Star Trek: Short Treks, Star Trek: Very Short Treks, Star Trek: Scouts) oder animierte Serien (Star Trek: Prodigy) – alles war nun für seine Produktionsfirma Secret Hideout möglich. Darunter auch die erste humorvolle Zeichentrickserie in der Geschichte des Franchises: Star Trek: Lower Decks.

Angeheuert für diesen Job wurde Mike McMahan. Seines Zeichens einer der ersten Schreiberlinge von Rick and Morty. Für die vierte Staffel wurde er sogar zum Showrunner befördert – und kündigte noch während der Produktion. So kanns gehen :smile: . Den Job bei Star Trek verdankte er aber vermutlich nur zum Teil seiner bisherigen Arbeit. Es dürfte auch so einiges an Vitamin B mit reingespielt haben. Aaron Baiers, seit 2021 Vizepräsident von Secret Hideout, und er kannten sich nämlich bereits. Sie hatten früher den Twitter-Account @TNG_S8 gemeinsam betrieben. Wie der Name schon andeutet, veröffentlichten sie dort mögliche Geschichten für eine fiktive 8. Staffel von Picards Abenteuer.

McMahan wurde angeblich gefragt, was sein absoluter Traum wäre. Und als Antwort pitchte er eine Serie über “die Leute, die die gelben Patronen in den Replikatoren installieren, damit am Ende eine Banane rauskommt”. Star Trek: Lower Decks ward geboren und flimmerte am Ende von 2020 bis 2024 für fünf Staffeln und 50 Episoden je 25 Minuten über den Fernsehbildschirm. Ja, anders als Star Trek: Prodigy mit 20 Episoden pro Staffel, musste sich die Zeichentrickserie der neuen 10er-Konvention unterwerfen.

Die Serie

Star Trek: Lower Decks (CBS-Promobild)

Wir befinden uns im Jahr 2380 der “richtigen” Zeitlinie – quasi direkt nach den Ereignissen von Star Trek: Nemesis (2379). Und obwohl es formal fünf Staffeln sind, endet Star Trek: Lower Decks bereits 2382. Das ist wiederum ein Jahr vor Star Trek: Prodigy. Wirklich relevant ist das allerdings alles nicht. Der einzig wirklich direkte Bezug zu aktuellen Sachen ist die Tatsache, dass ein gewisser William T. Riker auf der USS Titan seinen Dienst als Captain tut (inkl. Cameo). Alles andere liegt schon mehr oder weniger lange in der Vergangenheit, bevor die Crew der USS Cerritos damit zu tun hat.

Der Grund dafür liegt in der Prämisse der Serie. Nicht nur sehen wir das Leben von (anfangs) Fähnrichen auf den unteren Decks. Auch das Schiff selbst ist weit von den Frontlinien der Galaxie entfernt. Es kommt zum Einsatz, wenn Picard & Co. den Erstkontakt beendet haben und schon lange wieder abgereist sind. Sie kümmern sich quasi um den langweiligen Papierkram und die undankbaren/wenig prestigeträchtigen Missionen, die sonst keiner machen möchte. Was freilich nicht heißt, dass die Serie langweilig wäre. Selbstverständlich schlittern unsere Charaktere mehr oder weniger unfreiwillig in allerlei Abenteuer hinein.

Dass dabei extrem häufig die Live-Action-Serien referenziert werden oder sogar ganze Handlungsstränge darauf aufbauen, liegt in der Natur der Sache. Inklusive SEHR vieler Gastauftritte. Sogar T‘Pol (Jolene Blalock) konnten sie für sich gewinnen! Aber obwohl Lysanda und ich ja jetzt wirklich (fast) alles gesehen haben: Teilweise sind die Rückbezüge schon extrem nischig und nur für absolute Insider erkennbar. Ich muss allerdings zugeben, dass selbst die offensichtlichen Sachen mitunter an uns vorbei gegangen sind. An Gary Mitchell (ein Charakter aus der Pilotfolge von Raumschiff Enterprise) konnte ich mich beispielsweise echt nicht mehr erinnern. Dabei ist es noch keine drei Jahre her, seit wir die Folge gesehen haben! Die Autoren haben also definitiv ihre Hausaufgaben gemacht.

Der Inhalt

Star Trek: Lower Decks (CBS-Promobild)

Trotz nur einer Handvoll Episoden pro Staffel, folgt Star Trek: Lower Decks tatsächlich mehr dem klassischen Star-Trek-Format. Es gibt zwar die eine übergeordnete Geschichte und eine gewisse Kontinuität, aber die meiste Zeit hat man es doch mit in sich abgeschlossenen Einzel- oder maximal Doppelepisoden zu tun. Allein schon dieser Umstand war ehrlich gesagt eine sehr erfrischende Sache.

Aber auch sonst fühlt sich die Serie traditioneller an als der Rest von NuTrek. Kein Wunder: Das gesamte Team hat sich während der Produktion wohl sehr intensiv mit Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert beschäftigt. Das Setting (noch unveränderte Zeitlinie), die Optik (klar von der Berman-Ära inspiriert), die Charaktere (Ensemble-Cast statt Einzelhelden), die Abenteuer (keine Galaxie-Rettungsmaßnahmen), die Gastauftritte (bekannte und liebgewonnene Charaktere) – man fühlt sich schon irgendwie als wäre man endlich wieder zu Hause angekommen. Das macht die Serie angenehm unterhaltsam.

Nicht lustig?

Allerdings steht auf der Packung von Star Trek: Lower Decks noch das Wort “Komödie”. Und in dieser Hinsicht ist sie in unserem Haushalt vollumfänglich gescheitert. Lysanda fand sie überhaupt nicht lustig. Und ich habe zwar an der ein oder anderen Stelle tatsächlich mal laut gelacht, aber das kann ich an einer Hand abzählen. Für mich dürfte der Hauptgrund der grundsätzliche Stil der Serie sein, der nicht nur optisch bewusst an Die Simpsons, Futurama und Rick & Morty erinnert, sondern auch in Sachen Humor. Also Maschinengewehrdialoge, absurde Situationskomik und eine starke Abhängigkeit von/übermäßige Verwendung der Metaebene. Mit letzterem will man gefühlt intelligent wirken, am Ende erstickt der Witz jedoch gerne unter seinen ganzen Ebenen.

Um das allerdings kurz in den richtigen Kontext zu setzen: Ich bin da vermutlich zu sehr Monty Python, Badesalz & Co. verseucht (danke, Don Quichotte!). Ich fand die anderen genannten Serien sowie ihre vielfach ausgezeichneten Konkurrenten entsprechend ebenfalls nur bedingt amüsant. Unterhaltsam, ja. Zum Schreien? Nein. Zum Glück ist Humor eine subjektive Sache.

Allerdings muss ich (und Lysanda) auch ganz klar sagen, dass die Hauptcharaktere einem häufig wenig Grund zum Lachen gaben:

  • Star Trek: Lower Decks (CBS-Promobild)

    Beckett Mariner, Tochter des Captains, hat gefühlt schon alles erlebt und tritt trotzdem auf der Stelle. In einer Selbstvernichtungsspirale gefangen spielt sie die Rebellin und Regelbrecherin, nur um nicht aufzusteigen. Das war am Anfang noch eine nette Idee, um die Erwartungen zu unterwandern. Aber es fast die ganze Serie hinweg durchzuziehen war irgendwann nur noch anstrengend mit anzusehen.

  • Brad Boimler, der Gegenpol zu Mariner, der im Gegenzug von ihr ständig gemobbt wird. Keine Ahnung, warum wir das im Jahr 2026 noch lustig finden sollen. Uns tat er einfach nur leid. Motiviert, die Werte der Sternenflotte hochzuhalten, alles richtig zu machen und so irgendwann zum Captain aufzusteigen, werden ihm ständig Steine in den Weg gelegt.
  • D’Vana Tendi, die Undercover-Orionerin, hat schon ein bisschen was von Persönlichkeitsstörung. Auf der einen Seite die naive, angehende Wissenschaftlerin und auf der anderen die harte Piratenbraut. Es fühlte sich häufig so an, als hätten sich die Autoren in eine Sackgasse geschrieben und mussten dann Tendis “dunkle” Vergangenheit hervorholen, um den Tag zu retten. Unter dieser Dichotomie litt ihre Glaubwürdigkeit. Aber von den vieren tatsächlich noch der sympathischste Charakter.
  • Der intelligente, aber total naive Ingenieur. Und ja, weder Lysanda noch ich wussten noch seinen Namen: Sam Rutherford. Noch so ein Charakter, der einem die meiste Zeit einfach leid tat und ansonsten gefühlt wenig Profil hat.

Ja, es ist eine lustige Zeichentrickserie. Da dürfen und müssen vielleicht sogar die Charaktere überzeichnet sein. Keine Frage. Aber so dämlich z.B. der fitnessbessene 1. Offizier Jack Ransom auch ist: Er erfüllt seinen Zweck und hatte, wenn nötig, seine normalen Momente. Bei drei von unseren vier Hauptcharakteren hatten wir aber die meiste Zeit eher das Gefühl immer und immer wieder den gleichen Blödsinn auf dem Bildschirm zu sehen. Und Witze werden nicht besser nur, weil man sie wiederholt.

Beim Christoph meint: Star Trek: Lower Decks war definitiv die zweitbeste NuTrek-Serie, die wir konsumiert haben. Platz 1 belegt weiterhin Star Trek: Prodigy. Obwohl wir mit dem Humor nicht ganz so viel anfangen konnten und auch die Charaktere bei uns nicht so gezündet haben, wie es die Autoren es sich vielleicht erhofft hatten: Die Serie war nah an dem dran, was ich persönlich (scheinbar) von Star Trek erwarte. Es war entsprechend (zusammen mit der kurzen Laufzeit) nicht schwer für uns eine Episode an die nächste zu hängen. Trotz der Defizite haben wir gerne die kurzweiligen Abenteuer der USS Cerritos miterlebt.

Für Star-Trek-Fans definitiv ein Muss. Wer allerdings bislang nichts mit Star Trek am Hut hat, wird hier nicht glücklich werden. Es geht aus meiner Sicht zu viel verloren, wenn man nicht das entsprechende Vorwissen hat.

Star Trek: Picard (CBS-Promobild)

Da hat man einen der ikonischsten Charaktere des gesamten Franchises, Jean-Luc Picard, und entschließt sich dazu, ihm nochmal eine eigene Serie zu widmen. Man versucht es auf dem Papier richtig zu machen. Beispielsweise die (vielleicht nicht so zielführenden?) Wünsche von Sir Patrick Stewart zu berücksichtigen, damit er überhaupt an Bord kommt. Also keine Reunion-Show oder sowas. Stattdessen baut man auf sein Alter (sowohl in der Fiktion, als auch der Realität) als zentrales Element. Der müde Admiral, der schon alles gesehen und erlebt hat, immer noch mit dem Tod seines besten Freundes hadert und als altes Relikt irgendwo im Nirgendwo vor sich hinvegetiert, bis plötzlich wieder das Abenteuer ruft. Eine ruhigere und vor allem persönlichere Geschichte also. Zumindest so der Ersteindruck von Star Trek: Picard. Leider geht dann doch irgendwie wieder alles den Bach runter und die ganze Galaxie ist in Gefahr. Und zwar in jeder gottverdammten Staffel. Können die nuTrek-Autoren echt NICHTS anderes?! Reicht es nicht mal einfach nur einen Planeten zu retten?!

Immerhin eine Emotion

Gott, ich bin so wütend. Das kann ich gar nicht richtig in Worte fassen. In der Rick Berman-Ära wurde viel Mist gebaut. Keine Frage. Aber was Kurtzman und seine Crew im Live-Action-Bereich jedes Mal für einen absoluten Schwachsinn auf den Fernseher werfen, ist so unfassbar und offensichtlich am Thema vorbei… das kann nur noch Vorsatz sein.

Verstehen echt nur die Zeichentrick-/Animationsserienmacher, was Gene Roddenberry mit seinem “Western im Weltall” eigentlich bezweckt hat? Uns einen positiven Blick in die Zukunft zu geben. Eine erstrebenswerte Utopie zu zeigen, die sicherlich nicht perfekt ist, aber in der der Grundtenor dennoch ein hoffnungsvoller ist. Und bevor ihr jetzt in die Kommentare springt: Ja, auch ich habe durchaus auf Roddenberrys Vision geschimpft, weil sie künstliche, erzählerische Limits erzeugt hat. Aber die Autoren haben es trotzdem geschafft sowohl seine Vision einer besseren Zukunft als auch die Realität miteinander zu verbinden ohne gleich alles nur noch tiefschwarz darzustellen.

Live-Action-nuTrek zeigt uns hingegen was? Welche “Message” verbreitet es? Aus meiner Sicht keine. Es hat nichts zu sagen. Es ist ein belangloses Abenteuer. Was okay wäre, wenn kein “Star Trek” draufstehen würde. Deswegen muss die Gefahr so existentiell sein. Einfach, um das zu überdecken. Dabei will es möglichst “edgy” sein. Dazu haut es mit hohem Tempo ein paar uninspirierte Actionszenen, vermischt mit pseudo-emotionalen Momenten raus, damit der Zuschauer denkt es wäre eine kohärente Erzählung mit Tiefgang. Und nutzt dabei eine Sprache, die eher nach “so glauben Teenager, dass Erwachsene reden” klingt. Roddenberry- und Berman-Trek war hingegen anspruchsvoller (und in Stil und Sprache von Shakespeare inspiriert). Es hat den Charakteren Raum gegeben. Sie vor moralische Dilemmata gestellt. Ihnen überschaubarere Hindernisse in den Weg gestellt – so bescheuert sie manchmal auch waren. Und vor allem hatte es den Mut für Pausen. Einfach mal Besprechungen gezeigt, die nicht mit Maschinengewehr-Schnitten und ständigen Kamerafahrten “aufgelockert” werden mussten. Außerdem glaubhafte, normale Gespräche zwischen zwei Menschen außerhalb von ständigen Extremsituationen. Das findet man in nuTrek (und vielleicht auch einem Großteil der aktuellen Medienlandschaft?) nur vereinzelt.

Zurück zum Thema

(Cover)

Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal zu diesem “alter Mann schreit die Wolken an”-Klischee werden würde. Möglicherweise ist genau das das Problem. Dass ich zu alt geworden bin für Star Trek. Vielleicht bringt nuTrek ja tatsächlich einer neuen Generation gute Werte bei oder bringt sie zumindest dazu den “alten Kram” mal anzuschauen. Ändert aber nichts daran, dass ich als alter Sack trotzdem nur mit dem Kopf schütteln kann und der verschwendeten Lebenszeit hinterher trauere.

*tief ein- und ausatmen* Komm wieder runter, Sicarius… es ist nur eine Fernsehserie. Im Gegensatz zu manchem Trekkie/Trekker/Star-Wars-Fan definiert sie nicht dein Leben und deine Persönlichkeit. Schauen wir uns also Star Trek: Picard mal genauer an:

Rückkehr einer Ikone

Staffel 1 – Data lebt irgendwie und doch nicht

Star Trek: Picard (CBS-Promobild)

Im Jahr 2385 – der Cliffhanger der 2. Staffel von Star Trek: Prodigy – gab es einen schweren Zwischenfall auf den Utopia-Planitia-Flottenwerften auf dem Mars. Die dort arbeitenden Androiden (nicht auf dem Niveau von Data) erhoben sich gegen ihre Auftraggeber, töteten 10.000 Bewohner und zerstörten alle Raumschiffe vor Ort. Parallel leitete Admiral Picard die Rettungsmission der Romulaner, deren Planet Romulus 2087 von einer Supernova vernichtet wird (siehe Stark Trek (2009)). Als Konsequenz auf den Angriff verbietet die Föderation jedwede Art von künstlichen Lebensformen und bricht die – scheinbar ziemlich unbeliebte – Rettungsaktion unter Protest von Picard ab. Wie beides zusammenhängt? Gar nicht. Purer Zufall.

Auf jeden Fall sind wir jetzt im Jahr 2399 und Picard hat sich auf seinen Landsitz in Frankreich zurückgezogen. Geplagt von Data-Träumen und unterstützt von einem Romulanerpärchen, “genießt” er seinen Ruhestand. Eines Tages taucht jedoch ein Mädchen, Dahj, bei ihm auf. Stellt sich heraus, dass sie ohne ihr Wissen ein Android ist. Und zwar nicht nur ein Android, sondern einer basierend auf Data. Wir lernen anschließend, dass so ein Android nicht allein existiert und die Jagd nach ihrem Zwilling beginnt. Der ist auf einem Borgkubus in der neutralen Zone, der unter der Leitung von Romulanern erforscht und ausgeschlachtet wird. Picard holt sich dazu sowohl bislang unbekannte als auch bekannte Unterstützung (Riker, Troi, 7of9). Zum Abschluss geht es auf einen Planeten voller (weiblicher) Data-Abkömmlinge, die einer mysteriösen Maschinenrasse den Zugang zu unserer Galaxie verschaffen möchte. Die Romulaner wissen schon länger davon und haben deshalb den Angriff auf den Mars inszeniert und machen seitdem Jagd auf jedwedes künstliche Leben. Neben einem Soong (wie viele von denen gibt es, die Robotikforschung betreiben?!), ist auch ein Teil des echten Data auf dem Data-Klonplaneten, der bei der Explosion des remanischen Raumschiffs Scimitar nicht zerstört wurde.

Am Ende kann sich Picard also “richtig” von Data verabschieden und so seinen Frieden finden. Die Gefahr von der Maschinenrasse wird gleichzeitig in buchstäblich einer Minute gebannt und die Romulaner in ihre Schranken verwiesen. Daraufhin wird der Bann auf künstliche Lebensformen zurückgenommen. Ende gut, alles gut.

Beim Christoph meint: Die Staffel fängt halbwegs gut an – wenn man vom Intro absieht, das ähnlich wie bei Star Trek: Discovery, minimalistischer Mist ist. Wir alle waren schließlich mit Datas Tod ziemlich unglücklich. Durch Picard also zu versuchen es “wieder gut” zu machen, ist als Prämisse nicht verkehrt. Selbst, dass abseits von B4 Teile von Data überlebt haben und es jemand geschafft hat daraus neue Androiden zu basteln ist okay. Und die Sache mit dem Borgkubus ist eine gute Gelegenheit 7of9 sowohl in Szene zu setzen, als auch ihr Hadern mit ihren zwei Ichs zu thematisieren. Picard und sie sind aber leider die einzigen wirklich guten Charaktere der Serie. Das ist jedoch nicht den Autoren von Star Trek: Picard zu verdanken. Es liegt stattdessen einzig und allein daran, dass wir als altgediente Zuschauer die beiden schon so gut kennen und sie darauf aufbauen. Die Neulinge (und das dazugehörige Raumschiff) sind hingegen ziemlich vergessenswert.

Je weiter die Staffel allerdings voranschreitet, desto schlimmer wird’s. Der ganze Kram mit einer Galaxieuntergangsvision, die töten kann, wenn man sie erlebt (nur nicht eine unserer Protagonistinnen?). Der Romulaner, der mit dem Inhalt seiner Hose denkt. Riker und Troi mit nervigem Kind und einer tragischen Geschichte, die ziemlich unerklärt bleibt. Und dann dieses bescheuerte Finale inkl. dem üblichen Zurückschrecken davor tatsächlich etwas undenkbares zu tun. Ja, da wurde jedwedes Potential, das die Serie zeigte, mit voller Wucht wieder zerstört.

Staffel 2 – COVID-19 schlägt zu

Star Trek: Picard (CBS-Promobild)

“Star Trek” klingt irgendwie nach Weltraum und so. Warum also nicht eine ganze Staffel auf der Erde im 21. Jahrhundert verbringen? Okay, 2-3 Folgen spielen im 24. Jahrhundert bzw. in einer alternativen Zeitlinie, in der das terranische Imperium die ganze Galaxie versklavt hat (inkl. der Borg). Es handelt sich allerdings explizit NICHT um das Spiegeluniversum! Nur, damit das klar ist. Aber die meiste Zeit sind wir im Jahr 2024. Und wer ist schuld? Q natürlich. Angeblich im Sterben liegend, will er Picard nochmal so richtig auf den Prüfstand stellen. Das hat zwar mit dem Jahr 2024 wenig zu tun, sondern es geht um das Schicksal seiner Mutter und den dazugehörigen Vorwürfen, die Picard sich macht. Aber wenn das Budget fehlt und man zusätzlich pandemiebedingten Einschränkungen unterliegt, macht man halt das Beste draus. Dazu gehört auch eine Borgkönigin mitzuschleppen, die logischerweise nichts Gutes im Schilde führt. Aber durch eine Verschmelzung mit Dr. Jurati (eine der Neuen) entsteht schlussendlich eine gute Variante der Borg. Yippie!

Picard hingegen lernt was Neues über sich selbst, besteht dadurch Qs Prüfung und er und seine Crew kehren zurück in ihre richtige Zeit. Dort treffen sie auf die gutmütige Borgkönigin und arbeiten gemeinsam daran einen Weltraumfurz davon abzuhalten die Galaxie zu zerstören. Wobei das “gemeinsam” daraus besteht ein halbes Dutzend Sternenflottenschiffe mit einem monströses Borgschiff zu verbinden, um ein Schild aufzubauen. Das war sowas von unbeschreiblich enttäuschend…

Beim Christoph meint: Was für eine lahme und absolut langweilige Staffel. Die Prämisse ist total doof. Das Setting zum Einschlafen. Der Charakter Q wird total verschwendet und hat nicht einmal Ansatzweise den Biss und Charme aus der Serie. Picards Erforschung seiner Vergangenheit wird unnötig in die Länge gezogen. Und die “Rahmenhandlung” mit dem Borgschiff, das plötzlich auftaucht, ist so dermaßen künstlich, da ist im Vergleich ein Tamagotchi ein echtes Haustier. Ach und es kommt auch noch ein Soong plus künstlich erschaffene Lebensform drin vor. Was für eine Verschwendung von Zeit und Geld.

Staffel 3 – Die volle Nostalgiebreitseite

Star Trek: Picard (CBS-Promobild)

Dr. Beverly Crusher, seit 20 Jahren verschollen, sendet einen Notruf an Picard. Er macht sich zusammen mit Riker auf die Suche. Dazu stehlen sie indirekt die U.S.S Titan auf der 7of9 als 1. Offizier dient. Sie finden Beverly mit ihrem Sohn (=Picards Sohn) sowie eine ziemlich verrückte Kopfgeldjägerin mit einem Superschiff. Im Laufe der Staffel kommt heraus, dass eine auf Rache sinnende Fraktion der Wechselbälger die Föderation unterwandert hat und sie zerstören will. Wobei am Ende die alte Borgkönigin (von der neuen ist keine Rede mehr) die eigentlichen Fäden in der Hand hat. Die hat es auf Picards Sohn abgesehen, der warum auch immer Borg-DNA in sich trägt und dadurch andere Personen übernehmen kann (was?!).

Naja, Picard sammelt nach und nach die alte Crew ein (inkl. dem echten Data). Stiehlt mit ihr die alte Enterprise-D (technisch gesehen nur die Hälfte) und zerstört abermals die Borg, um den Tag zu retten. Ach und am Ende bekommt 7of9 ihr eigenes Kommando. Nämlich über die Enterprise-J. Eine selten dämliche Entscheidung. Also nicht, dass sie Captain wird. Nein, dass die Autoren die U.S.S Titan umbenennen. Welchen Sinn und Zweck hatte das?! :roll:

Beim Christoph meint: Nun also doch. Obwohl es Sir Patrick Stewart nicht wollte, entschied man sich für die 3. Staffel die alte TNG-Mannschaft aus der Versenkung zu holen. Und ja, diese Staffel fühlt sich sofort ganz anders an. Viele Weltraumszenen, viel Zeit auf echten Sternenflottenschiffen, klassischere Kämpfe, bessere Musik (=weil aus den Filmen “geklaut”) und Charaktere, die wir kennen und von Leuten verkörpert werden, die es draufhaben. Es ist auch ohne Nostalgiebrille das Star Trek, was ich eigentlich erwartet habe.

Blöd nur, dass die Geschichte an sich wieder nicht funktioniert. Zum Teil, weil zu viel Kontext fehlt (was ist bei den Wechselbälgern passiert? Warum arbeiten sie mit den Borg zusammen?). Zum Teil, weil sie echt an den Haaren herbeigezogen ist (die ganze Sache mit Picards Sohn und seinen Fähigkeiten). Und zum Teil die Kopfgeldjägerin als Hauptantagonistin, die in jeder Hinsicht einfach nur bekloppt ist. Es gilt wie beim Rest von nuTrek: Etwas mehr Zurückhaltung hätte der ansonsten wirklich überraschend guten Staffel gut getan.

Gesamtfazit

Was bleibt also am Ende von Star Trek: Picard? Nun, tatsächlich erstmal ein kleiner Wermutstropfen. Die 3. Staffel war trotz all ihrer vielen großen Probleme ein echter Lichtblick am ansonsten düsteren nuTrek-Himmel. Ein Schritt in die richtige Richtung quasi. Ich bin aber dennoch nicht traurig, dass sie zu Ende ist. Zu schlecht waren die vorherigen Staffeln, zu alt und müde ist Sir Patrick Stewart mittlerweile und zu sehr war auch in der 3. Staffel sichtbar, dass die Macher nur wenig Ahnung von Star Trek haben. Insofern: Als TNG-Fan sollte man die letzte Staffel durchaus gesehen haben – weitere Vorkenntnisse sind keine erforderlich. Aber der Rest der Serie ist unterm Strich in Teilen vielleicht sogar schlechter als Star Trek: Discovery. Mein bislang ziemlich vernichtendes Urteil über Live-Action-nuTrek hat sich entsprechend nicht verändert.

Und damit bleibt nur noch der Eintrag zu Star Trek: Lower Decks übrig.

Es ist geschafft: Wir haben unseren Star-Trek-Marathon erfolgreich abgeschlossen. Fast drei Jahre haben wir gebraucht, um zehn Serien (888 Episoden) und 13 Filme zu konsumieren. Nicht nur, weil das viel Holz ist – grob überschlagen 640 Stunden. Sondern auch, weil wir ein paar (Anime-)Pausen dazwischen gemacht haben und nicht jeden Tag Zeit hatten. Damit bin ich (und Lysanda) jedoch endlich mal wieder auf dem aktuellen Stand – mit einem kleinen Sternchen dran. Was technisch gesehen noch fehlt, ist Star Trek: Sektion 31 sowie Star Trek: Strange New Worlds. Bei ersterem warte ich darauf, dass die Blu-ray für unter 5€ verramscht wird. Bei letzterem warte ich noch auf die zwei weiteren Staffeln, bevor wir uns damit beschäftigen. Außerdem haben wir noch ein paar Episoden von Star Trek: Short Treks und Star Trek: Very Short Treks nicht gesehen, weil man irgendwie echt schwer rankommt. Außerdem fehlt natürlich die ganz neue Serie, Star Trek: Starfleet Academy. Aber ehrlich gesagt alles nichts, worauf ich mich begierig stürze.

Das ist in dem Sinne auch der Hauptgrund, warum erst jetzt der nächste Star-Trek-Eintrag kommt, obwohl wir seit dem Letzten ganze drei Serien geschaut haben. Mein Gesamtfazit zu NuTrek ist nämlich – mit Ausnahme von Star Trek: Prodigy -, dass das alles maximal Mittelmaß ist. Und wenn ihr einen Journalisten fragt, worüber es am schwierigsten zu schreiben ist, dann über sowas. Was Schlechtes lässt sich genüsslich zerreißen. Was Gutes in den Himmel loben. Aber ein Werk, das einen einfach nur gleichgültig zurücklässt und man fünf Minuten später schon wieder vergessen hat? Was soll man darüber großartig berichten?

Doch es hilft nichts: Ich möchte diese Eintragsserie selbstverständlich halbwegs anständig zu Ende bringen. Beschäftigen wir uns also heute endlich mal mit Star Trek: Discovery. Anno 2017 die erste neue Serie nach zwölf Jahren Pause.

Der Schauplatz

(Cover)

Wir befinden uns zu Beginn zehn Jahre vor den Ereignissen in Raumschiff Enterprise an Bord der USS Discovery. Ja, man hat sich einfach in die bekannte Zeitlinie reingepflanzt, ohne anschließend sonderlich viel Rücksicht darauf zu nehmen. Das Raumschiff wirkt gleichzeitig futuristisch (Hochglanz innen wie außen, große Räume/Gänge, ziemlich flaches Design) und doch irgendwie altbacken (kantige Dreiecks-Rumpfsektion). Die Technik hat es allerdings voll in sich und ist in Teilen sogar der Kirk-Enterprise überlegen. Ihr wisst schon, dem eigentlichen Flaggschiff der Flotte. Und damit meine ich nicht nur den Sporen-Antrieb, der es ihr nach kurzen Startschwierigkeiten erlaubt in Sekunden Millionen von Lichtjahren zu überbrücken und am Ende sogar Dimensionen zu wechseln. Auch Bewaffnung und die restliche technische Ausstattung (Holokommunikation) geht gefühlt weit über das hinaus, was man bei Kirk gesehen hat.

Aber okay, ich will ja nicht auf so unwichtigen Details rumreiten. Man sagt am Ende einfach “alles Geheimsache” und jede Abweichung vom etablierten Kanon ist buchstäblich Geschichte. Wenn es nur im echten Leben so einfach wäre… Immerhin haben sie sich das bisschen Mühe gemacht. Außerdem spielt das Schiff sowieso in der gesamten Serie keine wirklich wichtige Rolle. Trotz aller modernen Computereffekte fehlt ihm irgendwie die Präsenz einer Enterprise (egal welcher Buchstabe) oder sogar einer ebenfalls computer-generierten Voyager. Und ja, neben dem sehr flachen Design und den generischen Korridoren/Räumen, gebe ich dem Sporen-Antrieb einen Teil der Schuld daran. Sie springt faktisch die meiste Zeit nur direkt von A nach B und ist sonst ziemlich stationär – selbst in den paar J.J.-Abrams-Pew-Pew-Schiffskämpfen. Sie fühlt sich nicht wie ein Zuhause für unsere Crew an und entsprechend kann auch gar keine Bindung bei mir als Zuschauer aufkommen.

Die Charaktere

Star Trek: Discovery (CBS-Promobild)

Leider hört die fehlende Bindung nicht bei der USS Discovery auf. Ich kann ja nachvollziehen, dass man keine richtige Ensemble-Show wie Star Trek: Deep Space Nine machen wollte. Die erste Staffel hat nur noch 15 Folgen von den in den 90ern üblichen 26. Die fünfte sogar die heute üblichen zehn. Da haben die Macher Bryan Fuller und Alex Kurtzman es vorgezogen eine durchgängige und vor allem sehr persönliche Geschichte zu erzählen statt dem alten Episodenformat zu folgen. Und zwar die Geschichte von Michael Burnham. Meuterin auf der Suche nach… keine Ahnung? Freisprechung? Erlösung? Dem Sinn des Lebens? Egal. Da hat man auf jeden Fall keine Zeit, jeden Charakter der Crew mal ins Rampenlicht zu stellen und eine eigene Folge zu spendieren. Und das meine ich jetzt nur bedingt sarkastisch. Selbst bei Raumschiff Enterprise lag der Fokus ja faktisch auch nur auf Kirk und Spock. McCoy war schon nur wenig beteiligt, vom Rest ganz zu schweigen. Insofern ist es zwar schade, wenn die anderen nicht wirklich zur Geltung kommen. Überraschend ist es aber bei diesem Aufbau nicht.

Star Trek: Discovery hat allerdings zwei Probleme: Zum einen kann ich mit Burnham überhaupt nichts anfangen. Ihr Verhalten ist in so vielen Situationen einfach nur konstruiert und dient nur dazu, die Geschichte in die vom Autor gewünschte Richtung zu bringen. Gleichzeitig wird jedwede Art von Charakterentwicklung dadurch torpediert, dass sie am Ende dann doch einfach so das bekommt, was sie will. Lerneffekt null. Dass sie im Serienfinale faktisch gottähnliche Möglichkeiten erhält, ist für sich betrachtet nichts Ungewöhnliches im Star-Trek-Universum. Aber es ist der unrühmliche Höhepunkt von 65 Episoden vollgestopft mit Szenen einer uneinsichtigen und unverbesserlichen Frau, die nur durch viel Glück (=sie ist der Hauptcharakter) und die (fehlgeleitete) Unterstützung ihrer Kamerad*innen überhaupt so weit gekommen ist.

Die Michael-Burnham-Show

Passend dazu dreht sich halt wirklich ALLES um sie – das andere Problem der Serie. Selbst in den paar Folgen, in denen einer der anderen im Mittelpunkt steht, drängt sie sich rein und ist nicht selten am Ende das Zünglein an der Waage. Als Vorzeigebeispiel wird da gerne Vergiss mich nicht aus der 3. Staffel genannt. Eine entscheidende Folge für den ersten Mensch mit einem Trill-Symbionten namens Adira Tal. Burnham hat in der gesamten Serie mit Adira nur wenige Berührungspunkte. Aber statt die Trill das Problem selbst in die Hand nehmen zu lassen – sie werden nämlich durch Burnhams Verhalten als ziemlich dämlich dargestellt -, muss natürlich sie den Tag retten. Selbst Paul Stamets oder seinen Freund Hugh Culber (ja, ein Schwulen-Pärchen) als Helfer herzunehmen wäre die bessere Wahl gewesen. Schließlich sind sie ja Adiras Bezugspersonen auf der Discovery. Aber nein: Das Universum von Star Trek: Discovery dreht sich ausschließlich um Burnham und ihre “Beziehungen”.

Wie es richtig gehen könnte, zeigt übrigens Saru. Als erster Kelpianer in der Sternenflotte ist er faktisch der einzige klassische Star-Trek-Charakter der Serie. Er macht in den fünf Staffeln eine echte Entwicklung durch und wird mit glaubwürdigen, moralischen Konflikten konfrontiert. Ganz im Gegensatz zu Burnham, deren Konflikte nur aufgesetzt sind, um die Geschichte voran zu treiben. Oder besser gesagt: Ich hätte mir noch mehr von ihm gewünscht statt von Michael.

Star Trek: Discovery (CBS-Promobild)

Die anderen Charaktere hingegen bleiben im besten Fall hinter ihrem Potential zurück. Schlimmstenfalls vergisst man, dass sie überhaupt Teil der Crew sind. Stamets und Hugh definieren sich hauptsächlich durch ihre Beziehung. Sylvia Tilly, Burnhams anfängliche Zimmergenossin, entwächst glücklicherweise ihrem “Comic-Relief”-Status, das geschieht jedoch eher so nebenbei. Owosekun und Detmar haben weniger zu tun als damals Mayweather und Sato bei Star Trek: Enterprise – und waren in der fünften Staffel sogar gar nicht mehr dabei. Am unrühmlichsten ist aber definitiv Wissenschaftsoffizierin Airiam. Man sieht zwei Staffeln so gut wie nichts von ihr. Dann fällt den Autoren plötzlich ein, dass es sie gibt, und zeigen 2-3 persönliche Sachen. Alles in der Hoffnung, dass ihr am Ende der Folge irgendwas spürt und nicht nur gleichgültig die Dutzenden von Logiklücken analysiert, die allein in dieser Episode enthalten sind. Und auf die ganze Sache mit Philippa Georgiou/der terranischen Imperatorin aus dem Spiegeluniversum will ich gar nicht erst eingehen. Warum musste die unbedingt nach Staffel 2 noch mit dabei sein?!

Der Inhalt

Wir haben also ein uninteressantes Schiff, das einfach nur da ist. Eine Crew mit einem buchstäblichen Hauptcharakter, um den sich das ganze Universum dreht, und ansonsten hauptsächlich Statisten. Taugt dann wenigstens der Inhalt was? Sind die Geschichten, die die Autoren erzählen mitreißend, tiefgründig und so richtig Trekkie? Nun, sie sind zumindest von einer stetigen Eskalation geprägt. Ich weiß zwar nicht, warum man unbedingt eine doppelte (oder dreifache) Eskalation braucht – es sind ja schon nur so wenige Folgen pro Staffel. Aber das Universum einmal retten reicht halt nicht. Es muss immer noch schlimmer kommen, bevor Michael den Tag endgültig retten kann.

Bevor wir jedoch einen Blick auf die einzelnen Staffeln werfen, muss ich noch eine Sache loswerden: Alle haben über das Intro von Star Trek: Enterprise geschimpft, aber das hat wenigstens die richtige Stimmung verbreitet. Das Intro von Star Trek: Discovery hingegen ist einfach nur minimalistischer Mist. Das Titellied ist total lahm und nichtssagend. Und diese komischen, animierten Konzeptzeichnungen mit wenig nachvollziehbarem Zusammenhang zur Serie machen es nicht besser. Keine Ahnung, welcher neumodische Designer sich hier ausgetobt hat. Das einzig interessante am ganzen Intro war, wie viele ausführende Produzenten an der Serie mitgewirkt haben. So viele Namen. Gilt übrigens für alle NuTrek-Serien. Gefühlt mehr “Executive Producer” in der Auflistung als Schauspieler…

Doch nun zu den einzelnen Staffeln:

  • Staffel 1: Game of Thrones im Weltraum. So lässt sich diese Staffel zusammenfassen. Wem Star Trek: Deep Space Nine schon zu düster war, der wird an den ganzen Gewaltorgien hier noch weniger Gefallen haben. Zuerst der Krieg gegen die Klingonen, dann als 2. Eskalationsstufe der Ausflug ins Spiegeluniversum. Ja, es ist definitiv was los in den 15 Episoden und vor allem Michelle Yeoh (Captain Philippa Georgiou/Terranische Imperatorin) als auch Jason Isaacs (Captain Gabriel Lorca) tragen viel zum Unterhaltungsfaktor bei. Insgesamt nicht viel klassisches Star Trek, aber trotz bekloppt aussehenden Klingonen ein unterm Strich unterhaltsames und ansehnliches (wenn mal jemand das Licht anmacht) Action-Spektakel. Es hätte jedoch etwas kürzer sein dürfen.
  • Star Trek: Discovery (CBS-Promobild)

    Staffel 2: Die längste Pilotfolge für eine andere Serie (Star Trek: Strange New Worlds), die es je gab? Captain Christopher Pike übernimmt die Kontrolle über die USS Discovery auf der Suche nach Spock. Stellt sich heraus, dass Burnham seine Quasi-Schwester ist. Sarek und seine Frau nahmen sie nämlich bei sich auf nachdem ihre Eltern von Klingonen (vermeintlich) getötet wurden. Ach, und nebenbei gerät eine KI von Sektion 31 außer Kontrolle. Eine fulminante Weltraumschlacht im Finale und ein wirklich guter Kapitän (doch etwas Hoffnung für Star Trek: Strange New Worlds?). Die übertriebene Verbindung zu Burnham inkl. Zeitreisen (was sonst?), das unlogische Verhalten von Spock plus die erneut unnötige weitere Eskalation der Gefahr überstrapaziert das Ganze aber massiv.

  • Staffel 3: Wir befinden uns 900 Jahre in der Zukunft. Man lässt den ganzen alten Ballast also hinter sich und schreibt eine neue Geschichte. Nach einem Ereignis namens “The Burn” ist die Sternenflotte und die Föderation nur noch ein Gedanke in den Köpfen weniger. Tatsächlich habe ich weder mit dem Ereignis (für Star-Trek-Verhältnisse nicht das unglaubwürdigste) noch mit der Staffel grundsätzlich ein Problem. Was ist schließlich Trekkiger als daran zu arbeiten die alten Ideale wieder zu finden und die Welten zu vereinen? Wäre da nicht unser lieber Hauptcharakter und sein neuestes Liebesspielzeug namens Book, die einem die Suppe versauen. Ja, ich klinge wie eine kaputte Schallplatte. Deswegen höre ich an dieser Stelle einfach auf.
  • Staffel 4: Ich musste tatsächlich gerade nachschauen, worum es hier überhaupt ging. Die Antwort: Eine riesige Bergwerksmaschine, gesteuert aus einer anderen Galaxie, frisst sich durch das Universum – und zerstört selbstverständlich ausgerechnet Books Heimatplanet. Und dann ist da noch so ein anderer Typ aus einer anderen Dimension… Der Übertritt von der einen in die andere Galaxie hatte das gleiche Niveau wie das “Achtung, wir fallen gleich über den Rand der Erde!” in den alten Sagen. Ne, da fällt mir echt nichts mehr zu ein. Vergesslich und über weite Strecken dämlicher als Star Trek V: Am Rande des Universums.
  • Staffel 5: Eine Schatzsuche nach einer uralten Technologie. Okay, mit der grundsätzlichen Prämisse kann man was anfangen. Hat durchaus was Trekkiges. Die Umsetzung mit den Rätseln und der Jagd nach dem nächsten Artefakt war auch tatsächlich ganz gut gelungen. Dass man mehr über die Breen erfährt, ist zwar ein zweischneidiges Schwert (nimmt viel von ihrer bedrohlichen Mystik), aber das ungleiche Liebespaar hat für mich funktioniert. Einzig der weiterhin große Fokus auf Burnham und der dazugehörige Twist im Finale trübten den ansonsten überraschend positiven Eindruck von dieser Staffel.

Irgendwo auf Reddit (finde den Thread nicht mehr), hat jemand mal geschrieben, dass man an jeder Staffel gut erkennen kann, was zu der Zeit “in” war. Sprich Star Trek: Discovery hat keine eigene Identität, sondern hat nur kopiert was “angesagt” war. Und ja, ich kann dem Autor da durchaus ein Stück weit zustimmen.

Star Trek: Discovery (CBS-Promobild)

Beim Christoph meint: Sagen wir, wie es ist: Wenn nicht “Star Trek” draufgestanden hätte, wäre die Serie komplett an mir vorbei gegangen und ich hätte nichts verpasst. Der Fokus des modernen Fernsehens auf Binge-Watching mit kleinen Staffeln und zusammenhängenden Folgen schadet der Erzählung hier mehr als es ihr nützt. Es bleibt dem Zuschauer keine Luft zum Atmen und dem Kennenlernen der Charaktere. Dass die Verarbeitung von Emotionen bzw. die Aufarbeitung von Beziehungen häufig gerade mitten in den Actionsequenzen abgehandelt wird, hilft da auch nicht wirklich weiter.

Stattdessen wird ohne Rücksicht auf Verluste die Geschichte vorangetrieben und das – möglicherweise aus der Not heraus – indem man Michael Burnham vorschickt und alles auf sie bezieht. Das funktioniert noch halbwegs in der 1. Staffel, aber danach wird es einfach nur noch unglaubwürdig und ermüdend. Die ständigen und vorhersehbaren Eskalationen zur Mitte der Staffeln tragen ihr Übriges dazu bei, dass ich mit einem Gefühl von “hat eh alles keine Relevanz” weiter zur nächsten Folge zappe und mich mehr mit Logiklücken beschäftige, als mit den Charakteren und ihren Abenteuern mitzufiebern. Und ich habe in diesem Eintrag wahrlich nur die Spitze des Eisbergs besprochen. Auf Punkte wie Kommandodisziplin oder die ganzen Gefühlsduseleien bin ich gar nicht erst eingegangen. Insofern ist mein persönliches Gesamtfazit zu Star Trek: Discovery: Ich hatte all die Jahre nichts verpasst.

Damit waren es nur noch zwei Star-Trek-Einträge, die ich euch “schuldig” bin :wink: .

PS: Die Serie ist optisch übrigens extrem unruhig. Das liegt weniger am Effektgewitter, sondern daran, dass die Kamera gefühlt immer in Bewegung sein muss. Selbst in einer Besprechungsszene muss man um den Tisch herumfahren und so Kram. Echt eine fragwürdige Entscheidung.

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