FlatOut 2

 

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Schon als kleines Kind hat man gerne Sachen kaputt gemacht. Egal ob es die Sandburg des Bruders war (wenn man einen hatte) oder das Lieblingswerkzeug des Vaters. Da man heutzutage aber schlauer ist, macht man das natürlich nicht mehr und muss sich daher andere Mittel suchen, um seine Zerstörungswut zu befriedigen. FlatOut 2 ist so ein Mittel.

Brumm Brumm

Wie sein  Vorgänger, ist FlatOut 2 eine pure Zerstörungsorgie. Nicht nur die Fahrzeuge können fast komplett zerlegt werden, auch die Strecken sind mit hunderten Objekten gespickt, die nur darauf warten umgefahren zu werden. Schon nach einer Runde sieht die Strecke aus als hätte seit Jahren keiner mehr sauber gemacht. Natürlich macht das alleine keinen Spaß, weswegen man im Singleplayer in drei verschiedenen Rennserien gegen sieben andere Fahrer antritt. Dies sind allerdings keine anonymen Fahrer, sondern, zumindest in der englischen Version, echte Menschen mit einer kleinen Hintergrundgeschichte.

Warum nur in der englischen Version? Weil in der deutschen, wie schon im Vorgänger, Crash-Dummies hinter dem Lenkrad sitzen. Dadurch geht schon, vor allem in den 12 Minispielen, etwas Atmosphäre verloren aber Bugbear hat damit die ‚ab 18’-Einstufung umgangen. Wobei fraglich ist, ob die USK FlatOut 2 nicht sowieso die ‚ab 16’-Wertung gegeben hätte. Wir werden es wohl nie rausfinden und egal ob echter Mensch oder Dummy, das Spiel bietet genug um davon abzulenken, darum zurück zu den Fahrern.

Der Fahrstil der einzelnen KI-Gegner unterscheidet sich zwar stark, ist aber dennoch insgesamt sehr aggressiv. Schon ab der zweiten Wagenklasse (Rennwagen), muss man sehr gut aufpassen nicht von der Strecke gerammt zu werden.

Natürlich sollte man selbst auch gut das eigene Wagengewicht als Rammbock ausnutzen.  Durch das Überfahren von Gegenständen am Streckenrand,weite Sprünge und durch das Rammen anderer Fahrzeuge bekommt man , lebenswichtiges Nitro gutgeschrieben. Zusätzlich gibt es am Ende jedes Rennens eine Auswertung in 4 Kategorien: Bester Schrotter, Blast-Meister, Schnellste Runde und Bulldozer. Die Auszeichnung ‚Bester Schrotter’ bekommt z.B. derjenige, der den meisten Schaden an anderen Fahrzeugen verursacht hat. Diese Attacken werden auch noch mal gesondert in 6 Kategorien aufgelistet. Vom harmlosen Unfall (Slam) bis hin zur vollständigen Zerstörung des gegnerischen Wagens, ist hier die volle Bandbreite vorhanden. Da jede Auszeichnung mit Dollars belohnt wird, sollte man schon zusehen zumindest ein paar Slams zu machen. Erster zu werden, ist somit nicht zwingend notwendig, bessert aber natürlich den Geldbeutel wesentlich schneller auf. Zum weiterkommen muss man aber dann doch am Ende einer Pokal-Serie (besteht aus mehreren Rennen, die hintereinander gefahren werden) mindestens der 3. Platz erreicht sein.

Luxuskarossen

Jede Rennserie besteht aus 3 Level und jedes Level umfasst mindestens 2 Pokal-Serien und pro Pokal-Serie ein optionales Event. Seine Sporen verdient man mit absoluten Klapperkisten in der Derby-Serie. Dort wird über Stock und Stein durch Dörfer und Bauernhöfe gefahren. Die Rennserie kommt danach und findet mehr auf Straßenkursen durch Großstädte und Einkaufsparadiese statt. Durch die enorme Geschwindigkeit und dem schlechten Handling der Luxuskarossen findet die Serie der Straßenwagen nur auf Teer statt, ist aber auch hier eine absolute Herausforderung, nicht nur wegen der KI. Diese wird schon innerhalb einer Serie immer besser und nur durch einen klugen Einkauf beim Autohändler und beim Tuningteile-Anbieter kann man da noch gut mithalten. Zugang zu den höheren Klassen erhält man sowieso nur durch den Kauf eines entsprechend dort zugelassenen Wagens. Es stehen viele verschiedene Autos zur Verfügung, die alle individuelle Eigenschaften in Sachen Geschwindigkeit und Handling oder Robustheit und Maximalmenge Nitro besitzen. Je mehr Pokale man gewinnt, desto mehr Wagen werden freigeschaltet. Wer sich am Ende nicht entscheiden kann, hat die Möglichkeit jedes Auto vorher Probe zu fahren.

Selbstverständlich reicht die Grundleistung für die späteren Rennen nicht aus, weshalb einzelne Teile des Wagens tunebar sind. Dies fängt bei einem besseren Motor an und hört bei einer Lachgaseinspritzung auf. Allerdings muss man beachten, dass jedes Teil nicht nur Vorteile sondern auch Nachteile mit sich bringt. Ein Überrollkäfig verbessert z.B. zwar die Robustheit des Fahrzeugs, schlägt sich aber auch im Gewicht nieder. Man hat aber innerhalb der einzelnen Kategorien, sofern freigeschaltet, mehrere verschiedene Modelle des Tuningteils zur Auswahl und kann sich so für das entscheiden, das einem am besten passt. Da man natürlich nicht mit einem Ferrari auf einer Schotterpiste fahren kann, hat die Garage Platz für mehrere Fahrzeuge. Nach dem erfolgreichen Bestehen einer Rennserie werden Bonusserien und -strecken freigeschaltet z.B. das aus Amerika bekannte 8er Rennen.

Aaaaaaaaaaaaaah *flatsch*

Die optionalen Events umfassen neben dem normalen Destruction Derby, in denen das Ziel ist so viel Schaden wie möglich anzurichten und trotzdem zu überleben, auch die erwähnten Minispiele. In diesen geht es im Prinzip darum seinen Fahrer im richtigen Winkel aus dem Sitz auf ein Ziel zu schleudern und die größtmögliche Punktzahl zu erreichen. Hierfür stehen 6 spezielle Fahrzeuge zur Verfügung, die zwei Turbinen als Antrieb besitzen. Gemeinsam haben alle die Location: zwei riesengroße Arenen, in denen je 6 der 12 Spiele aufgebaut sind. Ansonsten ist die Bandbreite der Ziele breit gefächert. Im allerersten Minispiel muss man z.B. mit seinem Dummy ein Tor schießen. Stilecht wollen dies natürlich eine überdimensionale Mauer und ein Torwart, der sich auch bewegt und auf den Dummy reagiert, verhindern. Es werden alle Sportarten von Basketball über Dart bis Curling abgedeckt und eine Runde Poker ist auch möglich. Für jedes Spiel gibt es ein Tutorial, das man sich vorher anschauen kann. Aber auf die Werte, die man dort sieht kann man sich nicht verlassen, da die Tutorialspieler zur besseren Anschaulichkeit cheaten. Die erreichten Längen, Höhen etc. sind aber durchaus möglich und müssen auch, um gegen die fast perfekte KI Platz 1 zu erreichen, geschafft werden.

Am meisten Spaß machen diese Stunts natürlich mit bis zu 8 Spielern im Hotseatmodus an einem Rechner. Aber natürlich kann man sich auch im LAN oder Online in diesen Minispielen messen. Dort stehen auch die normalen Rennen und Desctruction Derby zur Verfügung. Im Handbuch ist zusätzlich noch ein Splitscreen-Modus beschrieben, über den zwei Leute an einem Rechner gegeneinander Rennen fahren können, aber dieser ist in der PC-Version des Spiels nicht enthalten - nur in der PS2-Fassung. Hoffentlicht liefert ihn Bugbear für die PC-Spieler noch nach.

Augen, Ohren, Hände

Natürlich würde das ganze Spiel keinen Spaß machen ohne die technischen Grundlagen und hier präsentiert sich FlatOut 2 in allen Punkten in den vorderen Reihen. Die Grafik beherrscht alle Effekte von normalen Blureffekten beim Einschalten des Nitro bis hin zu handfestem HDRR und setzt sie auch passend um. Wer einmal eine Zapfsäule mitnimmt und sich dann nach der Explosion umschaut, wird dies bestätigen. Auch die Strecken an sich sind sehr liebevoll gestaltet, obwohl ab und zu doch etwas die Abwechslung fehlt. Nach der Derby-Serie kann man eigentlich die Dreckbahnen nicht mehr sehen. Wichtig sind natürlich die zerstörbaren Randobjekte und Wagenteile, die dank der Havok-Physikengine absolut korrekt durch die Gegend fliegen. So wie auch der Dummy in den Minispielen. Dort bemerkt man auch am meisten den Unterschied zur deutschen Version. In der englischen Version hört man immer, wenn der Fahrer durch die Luft geschleudert wird (egal ob im Rennen, Crash-Derby oder Stuntevent), einen lang gezogenen Schrei und sollte er den Boden treffen, entsprechende Knackgeräusche. In der deutschen Version sind hier nur einige wenige Knackgeräusche zu vernehmen. Ein Schrei würde ja auch logischerweise nicht zu einem Dummy passen. Obwohl dies sadistisch und zynisch ist, ist dies auch nach dem 100. Mal noch für ein Grinsen gut. Auch wurden für die dt. Version einfach nur die Texturen geändert. Daraus resultieren einige unschöne Grafikfehler durch das Ragdollsystem.  Für alle Ü18 ist hier dringend der Griff zur englischen Version geraten, um das volle Spielerlebnis zu erhalten.

Hier kommt auch der gute Sound zu Tage. Im Hintergrund hämmern rockige Stücke von Nickelback und Co. durch die Boxen, während man im Vordergrund dominant das Kreischen der Motoren vernimmt. Vor allem in der Cockpitperspektive kommt dies sehr gut zur Geltung. Die Steuerung ist im Gegensatz zum Vorgänger voll auf Arcade ausgerichtet. Zwar wird auch wieder ein Lenkrad unterstützt. Der Griff zum Gamepad ist hier jedoch die beste Wahl. Wegen der Empfindlichkeit der Wagen ist die Tastatur nur bedingt zu gebrauchen. In den Minispielen, in denen man sehr präzise steuern muss, kommt man damit meist nicht mehr zurecht. Damit man auch jeden Rumms genau verspürt, ist eine solide Force Feedback-Unterstützung vorhanden.

Fazit

Wem kann man FlatOut 2 nun empfehlen? Ganz klar erst einmal allen, die den Vorgänger mochten. Bugbear macht eigentlich alles besser. Es gibt mehr von den spaßigen Minispielen und die Karriere ist interessanter gestaltet. Die Grafik machte einen Sprung nach vorne und die Strecken sind abwechslungsreicher. Auch die nun arcadige Steuerung passt viel besser zum Spiel, als die realistische aus Teil 1. Fans von Destruction Derby haben hier auch definitiv viel Spaß. Ansonsten sollte man keine Abscheu gegenüber sinnloser Gewalt haben. sonst wird man spätestens bei den Minispielen auf die Toilette rennen. Als Partygame ist es natürlich auch prädestiniert aber natürlich sollte man schon Interesse am Rest haben, denn nur für die 12 Minispiele braucht man sich dann FlatOut 2 doch nicht zu kaufen. Zerstörungsfanatiker und solche die es werden wollen, müssen auch unbedingt zugreifen, schon allein weil es keine wirklichen Alternativen in dieser Richtung gibt. [CH]

5/5 Punkte

(Veröffentlicht am 23.07.2006)