Resident Evil 4

 

Review

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Version 1.1.0

Seit Jahren ist die Resident Evil-Reihe ein Kassenschlager auf den Konsolen, doch schwappte dieser Erfolg nie auf den PC über. Dies liegt wohl vor allem an den eher mäßigen Portierungen. Als nun Resident Evil 4 für den PC kam, sah es zuerst auch danach aus, dass selbst dieser Meilenstein der Serie nur für Konsolenspieler wäre. Doch Capcom reagierte und veröffentlichte einen Patch. Nun ist der Titel auch für PCler interessant geworden.

Das ist Resident Evil?

Sechs Jahre nach der Viren-Katastrophe in Racoon City (Resident Evil 2) ist die Umbrella Corporation nur noch ein winziger Schatten und der damalige Cop Leon S. Kennedy hat sich die Karriereleiter hochgearbeitet. Als US-Agent, erhält er nun den Auftrag nach Spanien zu reisen und dort die von Fanatikern entführte Tochter des Präsidenten zu befreien.

Gleich zu Beginn wird deutlich, dass Resident Evil 4 ein starker Bruch mit den bekannten Elementen der Serie ist. So wurde die Kamera schräg hinter dem Helden positioniert. Dies sorgt nicht nur für mehr Übersicht, sondern verhindert auch größtenteils die aus den Vorgängern bekannten toten Winkel. Mit dem rechten Analogstick gibt es aber auch noch die Möglichkeit sich umzuschauen.

Apropos Stick: Ohne GamePad ist Resident Evil 4 unspielbar, da Capcom auf das implementieren einer Maussteuerung verzichtet hat. Nach ein bis zwei Stunden Spielzeit, kommt man damit aber zurecht und  wünscht sich nur in den teils hektischen, aber brillanten Bosskämpfen die Maus zurück. Ansonsten ist das Spiel sehr träge, womit selbst Anfänger genug Zeit zum Umdrehen und Zielen haben. Wer schnelle Shooter gewöhnt ist, wird hier nicht glücklich. Die Gegner sind dieses Mal mit „Los Plagas“ infizierte Dorfbewohner, Armeeangehörige und andere Gesellen, die von Osmund Saddler (auch Träger eines  dieser Parasiten) dazu benutzt werden, um die Welt an sich zu reißen. Dementsprechend besteht ihre KI hauptsächlich aus dem Befehl: „Laufe direkt auf den Spieler zu.“. Natürlich besteht man gegen alle diese Feinde nicht alleine mit Leons Messer. Weshalb er zu verschiedenen Schießeisen von der einfachen Pistole bis zum Scharfschützengewehr greift.

Noch mehr Neuerungen

Waffen und Items gibt es bei den vereinzelt anzutreffenden Händlern zu kaufen. Diese rüsten, gegen ein gewisses Entgelt natürlich, die Waffen auch in verschiedenen Stufen auf. Da das Inventar zwar erweitert werden kann, aber trotzdem immer noch viel zu klein ist, muss man sich ganz genau überlegen, welche Waffen man mit sich herumträgt. Munition ist, wie in den Vorgängertiteln sehr rar gesät. Das nötige Geld lassen getötete Gegner fallen oder es liegt mehr oder weniger offensichtlich im Level herum.

Obwohl diese sehr linear und die einzelnen Abschnitte zwischen den (kurzen) Ladevorgängen im Vergleich zu den Arealen in Half-Life 2 natürlich lächerlich klein sind, kommt man sich doch nie eingeengt vor. Aufgelockert durch kleinere, aber nicht sonderlich anspruchsvolle Rätsel, kämpft sich Leon durch die sehr atmosphärischen Umgebungen. Auf dem Weg trifft man auch auf altbekannte Gesichter, wie die schöne Ada Wong, die aber eigene Ziele zu verfolgen scheint.

Ihre Geschichte bekommt der Spieler in „Seperate Ways“ erzählt, ein Spielmodus, der nach dem erstmaligen durchspielen freigeschaltet wird. Dort übernimmt man Ada und sieht nun die Geschichte des Hauptspiels aus einer anderen Perspektive. Zusätzlich werden aber auch noch die Minispiele „Assignment Ada“ und „The Mercenaries“ verfügbar. Bei „The Mercenaries“ ist es das Ziel unter Zeitdruck soviele Gegner wie möglich zu erledigen, um neue Charaktere und Level für diesen Modus freizuschalten. Bei „Assignment Ada“ übernimmt man hingegen noch einmal die Kontrolle von Ada und muss fünf Proben der „Los Plagas“ sammeln, um eine Superwaffe im Hauptspiel freizuschalten.

Immer noch sehr „konsolig“

Trotz des Patches, der die, in der Releaseversion vollständig fehlenden Licht- und Schatteneffekten einfügt, sieht man dem Spiel immer noch deutlich an, dass es ein PS2-Port ist. Da auch die Zwischensequenzen 1:1 übernommen wurden, leiden diese ansonsten sehr gut gemachten Filmchen unter einer sehr niedrigen Auflösung, was zu Verpixelung und Unschärfe führt und so ganz und gar nicht zum Rest des Spiels passt. Beim Sound ist hingegen, dank 5.1-Unterstützung, nichts zu meckern und er unterstützt die bedrückende Gruselatmosphäre des Titels hervorragend.

Gespeichert wird an Schreibmaschinen, die meist in der Nähe von Händlern stehen. Zwischendrin gibt es aber auch noch Checkpoints, an denen das Spiel temporär sichert. Geht man aus dem Spiel heraus, sind diese aber wieder verschwunden und der Held muss wieder vom letzten manuellen Speicherpunkt los.

Fazit

Die Releaseversion von Resident Evil 4 war ein regelrechtes Desaster. Da alles hell erleuchtet war, kam trotz der guten Geschichte keine wirkliche Horrorstimmung auf. Dank des Patches kann man aber nun durchaus nachvollziehen, warum dieses Spiel von den Konsolenmagazinen mit Höchstwertungen überhäuft wurde. Zwar hat es einige Defizite, bei denen die meisten speziell PC-Spieler ärgern, wie die fehlende Maussteuerung oder der träge Spielablauf, dennoch ist es schon allein wegen der Atmosphäre und der erzählten Geschichte mehr als nur einen Blick wert. Mit einer Spielzeit von 15 Stunden mit Leon und gut fünf Stunden mit Ada, bekommt der Käufer für sein Geld auch ordentlich was geboten.[CH]

4/5 Punkte

(Als Probeartikel für die Bewerbung beim GameStar verwendet und am 30.05.2007 veröffentlicht)