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Tief im Gebirge der Marschen von Dustwallow war einst eine Höhle, die nicht von Menschen erschaffen ward. Der Eingang sah aus wie der geöffnete Schlund eines Drachen. In Stein gemeißelt rief dieser eine Warnung aus: „Hier willst du nicht rein!“. Um aber auch den letzten übermütigen von der Höhle fern zu halten, wurde der Eingang von unzähligen drachenähnlichen Kreaturen bewacht. Onyxias Kinder wurden sie genannt und waren gefürchtet selbst bei den stärksten Krieger im Land aber doch waren sie nur kleine Staubkörnchen im Vergleich zu dem, was einem in der Höhle selbst erwartete.

Jedoch war der Zugang ins Innere versperrt. Meterhohe Zähne ragten vom Boden bis in die Höhe und öffneten sich nur für Helden, die würdig dazu waren. Nur den Trägern eines Amuletts, das schon vor Jahrtausenden zerstört worden war, war der Eintritt erlaubt. Es war ein sehr langer Weg gewesen, den unsere Helden zurückgelegt hatten, aber am nun waren sie am Ziel, denn das Amulett war wieder vollständig und der Schlund öffnete sich für sie. Nur das sanfte Leuchten von Lava drang zu den neunzehn Abenteurern heraus, die sich dort versammelt hatten.  Neunzehn Angehörige der Allianz die nur ihrem König dienen wollten. Sie wussten genau was sie erwartet. Weit unten, tief unter der Erde lag das Grauen. In einer Höhle so groß wie Stormwind lag es und bewachte seine Kinder. Sein Schnaufen drang bis hoch zu den Abenteurern und lies sie erschauern.

Onyxia lag dort unten und schlief. Schwester von Nefarian. Tochter von Neltharion besser bekannt als Deathwing. Einer der letzten großen Drachen, die noch die Welt bevölkerten und eine Bedrohung für alle Völker darstellten. Ihre Liebe zu Nefarian war so groß, dass sie verkleidet als die liebreizende Lady Katrana Prestor seit Jahren den Geist des Königs von Stormwind benebelte um Nefarian, der tief im Pechschwingenhort seine Rückkehr vorbereitete, den Rücken zu stärken. Jeder, der hinter ihr Geheimnis kam, wurde in den Kerker geschickt und getötet, aber bei ihrem letzten Opfer machte sie einen Fehler. Marshal Windsor wurde von unseren Freunden rechtzeitig im Kerker der Blackrocktiefen gefunden und Onyxia somit enttarnt. Vollkommen schutzlos floh sie in die Höhlen von Dragonmurk. Dort bereitete sie seitdem in Ruhe ihre Rückkehr vor. Hochlord Bolvar Fordragon wusste dies und gab unseren Abenteurern die Aufgabe, Onyxia aufzusuchen und zu vernichten.

Nun standen sie hier, nur noch wenige Meter und es gäbe kein Zurück mehr. Die Bewacher des Eingangs waren genauso verstummt wie die Gespräche der Gefolgsleute. Sie wussten genau, dass dies wahrscheinlich eher ihr Ende als ihr Aufstieg in die Geschichtsbücher sein würde. Es waren tapfere Menschen, Zwerge, Gnome und Elfen, unter ihnen gefeierte Helden wie Parallax, Boran, Oriza, Sonaya, Sicarius, Maven, Gablü, Lalu, Nimbala, Mim oder Enkàno. Sie alle hatten schon viele Abenteuer bestritten und waren reich an Erfahrung. Ihr Anführer nannte sich Erol, der Krieger. Viele Narben überzogen sein Gesicht. Stille Zeugen von unzähligen, harten Kämpfen mit den schlimmsten Geschöpfen die auf Azeroth weilten. Wer in seine Augen blickte, sah aber nicht nur Weisheit. Sie waren gebeugt vom ewigen Kampf und vom vielen Blutvergießen, das sie mit ansehen mussten. Nichtsdestotrotz war er fest entschlossen diese Truppe zum Sieg zu führen und sein restliches Leben entweder als Held zu verbringen oder hier und heute einen elendigen Tod zu sterben.

Die Anspannung war groß und jeder hochkonzentriert als Erol endlich seine Waffe hob, in die Höhle zeigte und rief: „Lasst die Schlacht beginnen!“. Dann rannte er mit dem Schwert voran in die Dunkelheit hinein und bohrte es in einen weiteren Wächter von Onyxia, der dort stand. Seine Mitstreiter folgten ihm mit Geschrei und gemeinsam schlugen sie sich durch die dunklen Gänge. Der Weg war lang und beschwerlich, nur erleuchtet durch Lava, die durch kleine Ritzen schimmerte. Aber die Gruppe war so in Rage und metzelte alles nieder, was ihr entgegen kam, dass sie nicht mehr sahen als nur den Weg nach unten - in das Herz des Baus. Unzählige Wächter versuchten sie aufzuhalten aber jeder einzelne wurde in wenigen Sekunden in Stücke gerissen ohne auch nur die Chance zu haben einen Laut von sich zu geben. Es war ein wahrlich schrecklicher Anblick, wie ihn selbst die Brennende Legion nicht hätte hinterlassen können.

Die Meute kam erst zum Stillstand, als sie vor sich den Eingang zur letzten Höhle erblickte. Der Boden war voller Risse und überall konnte man die Lava aus den Ritzen fließen sehen. Tief im Inneren konnte man im schalen Licht die Umrisse von Onyxia erkennen. Schwarz wie die Nacht lag sie dort mitten in der Höhle. Ihre Augen waren geschlossen, ihr Atem ging langsam, ihre riesigen, schwarzen Flügel lagen dicht am Körper und ihr mit riesigen Stacheln bewährter Schwanz ruhte neben ihr. Man konnte fast von einer Schönheit sprechen, wie sie dort friedlich lag und das Licht auf ihren Schuppen glänzte. Für einen Moment verharrten die Helden und betrachteten sie. Nun gab es kein Zurück mehr. Gleich würde sich ihr Schicksal entscheiden.

Erol drehte sich zu seinen Leuten um und blickte jedem von ihnen ein letztes Mal in die Augen. Es war völlig still hier unten und nur Onyxias Atem war zu hören. Er sah viel Angst aber auch die Entschlossenheit den Weg zu Ende zu gehen, egal wie es ausgehen würde. Er wusste er konnte sich auf jeden einzelnen von ihnen verlassen. Sie alle würden seinen Rücken stärken und ihm notfalls in den Tod folgen. Er nickte ihnen voller Verständnis zu und drehte sich wieder in Richtung Onyxia. Sie hatte sich in der ganzen Zeit nicht bewegt und nur ihr Bauch bewegte sich im Rhythmus ihrer Atemfrequenz. Es war ein stiller Anblick. Die Ruhe vor dem Sturm, wie sie so viele Generäle in unzähligen Schlachten erlebt hatten. Aber Erol war kein General. Er war nur ein Soldat, der für das Gute kämpfte, wie jeder andere hier auch. Tief luftholend hob er ein letztes Mal sein Schwert, hielt es einen Moment in der Luft und rannte dann hinab in die Höhle – gefolgt von seinen 18 Gefährten.

Onyxia rührte sich nicht. Ihre Augen blieben geschlossen und erst als unsere Helden schon sehr nah an sie rangekommen waren, entließ sie aus ihren Nasenlöchern ein Schwall aus Feuer in Richtung der Angreifer. Aber sie waren darauf vorbereitet gewesen und zauberten ihre Schutzauren oder hielten ihre Schilder schützend vor sich. Derweil erhob sich Onyxia. Nun mit geöffneten Augen, die unsere Helden voller Hass anstarrten, hob sie den Kopf und zog die riesigen Klauen an den Körper. Als hätte sie alle Zeit der Welt, verlagerte sie ihr Gewicht auf die Beine und drückte sich vom Boden ab. Nun wurde ihre wahre Größe sichtbar und sie überragte unsere Helden um mehrere Stockwerke. In einigen kamen Zweifel auf, wie sie diese Bestie besiegen sollten, wenn sie ihr noch nicht einmal bis zur Kniescheibe reichten. Genau das wollte Onyxia erreichen, als sie zum krönenden Abschluss noch ihre gewaltigen Flügel ausbreitete, die von einer Seite der Höhle bis zur anderen reichten.

Sie senkte ihren Kopf und blickte Erol direkt in die Augen. „Ihr wagt es meinen Hort zu betreten?“, donnerte sie ihm entgegen, während sich ihre Flügel langsam wieder an ihren Körper schmiegten. „Ihr, die meine Tarnung auffliegen ließet, glaubt mich besiegen zu können? Seid ihr euch den nicht im Klaren darüber, dass es einen Unterschied zwischen der Aufgabe gibt, einen lächerlichen Marschal aus den Händen unfähiger Zwerge zu entreißen und dem Ziel mich, Tochter von Deathwing, zu besiegen? Nefarian mag es leid sein gegen euresgleichen zu kämpfen, aber ich werde eine tiefe Genugtuung dabei empfinden euch das Leben zu entreißen und euch meinen Kindern zum Fraß vorzuwerfen!“. Erol erwiderte nur stumm den Blick und fuhr ihr überraschend mit dem  Schwert quer über das Gesicht. Onyxia zuckte zurück und fasste sich mit ihrer Klaue an die Schnauze. „Euch werde ich am längsten Quälen!“, entfuhr es ihr dann und sie ließ einen weiteren Feuerschwall über die Helden ergehen, die sich mittlerweile um sie verteilt hatten. Erol gab das Signal und sie begannen auf die Beine einzuschlagen. Es war ein mühsames Unterfangen sich durch die magischen Schuppen zum Fleisch durchzuarbeiten und Onyxia stand auch nicht regungslos da. Sie ließ immer wieder ihren riesigen Schwanz durch die Menge streifen und übergoss die Abenteurer mit heißem Feuer. Aber diese ließen sich von ein paar Kratzern nicht entmutigen und standen immer wieder auf bis sie endlich auf Fleisch trafen und Onyixa ein markerschütternder Schrei entfuhr. Sie breitete die Flügel aus und flog hinauf an die Decke der Höhle. Durch den Druck wurden einige der Helden auf den Boden geschleudert aber sie kamen schnell auf die Beine.

„Nun seid ihr fällig! Greift ein meine Kinder! Beschützt eure Mutter!“, rief sie von oben herab, während Feuerbälle auf die Abenteurer herab rasten. Aus zwei Nischen kamen nun plötzlich Unmengen von kleinen Drachen herausgeströmt.  Mit dieser Gefahr hatte Erol zwar nicht gerechnet,   geistesgegenwärtig teilte er aber schnell die Krieger ein, gegen diese Plage anzukämpfen und wies die Magier an, die nun verwundbare Stelle von Onyxia anzugreifen und sie so wieder auf den Boden zu zwingen. Es war ein harter Kampf und einige fielen den Drachenwelpen zum Opfer, aber schließlich waren alle tot und Onyxia so geschwächt, dass sie wieder landen musste. Nun begann der gefährlichste Teil, denn ein verwundetes Tier ist wesentlich gefährlicher als alles andere und von den 19 waren auch nur noch wenige übrig. Allen voran stand aber immer noch Erol der nun den Bauch der Bestie attackieren konnte, da Onyxia nicht mehr aufrecht stehen konnte. Zusammen mit den Heilzaubern der letzten verbliebenen Priester, darunter vor allem Maven, schafften die wenigen Helden es endlich Onyxia so tiefe Wunden zuzuführen, dass ihr Blut sich immer schneller über den Boden ausbreitete. Aber noch immer stand sie mehr oder weniger und verteidigte sich mit allen Kräften. Ihr Schwanz schlug heftiger denn je umher und begrub einige Leiber unter sich. Aus ihrem Mund und aus der Nase schoss ein Feuerschwall nach dem anderen auf unsere Helden nieder und alle glaubten, es wäre nun das Ende, als auch Maven sein Leben ließ und auf den Boden sackte.  Doch Onyxia war schon so geschwächt, dass ihr Kopf nach unten sank und Erol die Möglichkeit bekam ihren verwundbaren Hals anzugreifen. Mit letzter Kraft hob er sein Schwert und versenkte es tief in das warme Fleisch. Blut schoss in Strömen aus der klaffenden Wunde. Nun hieben auch die restlichen Verbliebenen mit auf die Stelle ein bis endlich der Kopf auf den harten Boden fiel und der riesige Körper leblos in sich zusammensackte. Onyxia war besiegt. Sie hatten es tatsächlich geschafft.

Erol ließ sich auf den blutverschmierten Boden sinken und betrachtete sein – nein, IHR Werk. Er konnte sich nicht richtig freuen, denn so viele waren in diesem Kampf gestorben, aber er würde dafür sorgen, dass ihr Andenken bis in alle Zeit bewahrt werden würde. Er würde nach Stormwind zurückkehren und dem Hochlord den Kopf zum Dank darbieten und ihn als Warnung für Nefarian an den Toren aushängen lassen! Aber zuerst mussten sie sich um ihre gefallenen Kameraden kümmern. Erol wollte sie nicht hier unten versauern lassen.

„Ihr denkt, ihr habt mich besiegt?“, ertönte es plötzlich dem abgetrennten Kopf. „Ihr glaubt, ihr könntet eine Tochter eines so mächtigen Drachens wie Deathwing einfach so besiegen? Ich werde wiederkehren und meine Rache wird fürchterlicher sein als alles was ihr bislang erlebt habt! Ich werde euch, eure Familien und Freunde vernichten! Ich werde euch aus…“. Erol ließ sie nicht zu Ende reden. Er war aufgestanden, hatte sein Schwert genommen und ihr in den Schädel gerammt. Plötzlich drang ein grelles Licht aus der Wunde hervor und der leblose Körper hinter dem Kopf begann zu beben. Erol und seine verbliebenen Kameraden nahmen Abstand und betrachteten das Schauspiel. Kleine Risse bildeten sich und ließen Licht in die Höhle herein. Langsam wurden sie immer größer bis die Schuppen vollkommen verschwunden waren und die Umstehenden nur noch vom Licht geblendet wurden. Dann gab es einen Knall und alles war vorbei. Onyxias Körper war verschwunden. Nur noch ihr Kopf lag dort.

„Was ist passiert?“, sagte darauf eine Stimme neben ihm und da erblickte Erol Sicarius, die schon beim Angriff der Welpen ihr Leben ließ. „Du lebst?“, rief er voller Freude, kniete sich neben sie und umarmte sie. Da erhoben sich rings um alle anderen Totgeglaubten. Onyxias Lebensgeister waren in die Körper der Gefallenen eingekehrt und hatten ihnen wieder Leben geschenkt. Niemand wusste warum aber es fragte auch niemand danach. Die 19 Helden waren froh, am Leben zu sein und ihre Aufgabe erfüllt zu haben. So reisten sie mit dem Kopf nach Stormwind, wo ihn der Hochlord in Empfang nahm und die Helden feiern ließ.

Aber obwohl ein Sieg gefeiert wurde, lag ein dunkler Schatten über der Veranstaltung. Auch wenn keiner wagte, die Frage laut auszusprechen, fragten sich doch viele ob sich die totgeglaubten Helden verändert hatten. War dies vielleicht Onyxias angekündigtes Vermächtnis? Hatte sie sie verdorben und würden sie eines Tages im Dienste von Nefarian stehen? Niemand hatte eine Antwort darauf und nur die Zeit wird zeigen, ob sich in den Körpern der Helden noch eine Soldatenseele oder nur noch eine Drachenseele befindet.[CH]