Sicarius

Eine ewige Aufregung

Ein Ausschnitt des Verlaufs

Nein, die neue Hardware ist noch nicht im Haus. Sie wurde zwar am Dienstag von Mindfactory verschickt aber es war tatsächlich auch so geplant. Unter der Woche hätte ich sowieso keine Zeit gehabt und am Wochenende war ich nicht im Haus (Verwandtentreffen). Entsprechend hatte ich bereits am Dienstag den Wunschtag auf den heutigen Montag gesetzt. Eigentlich hätte man erwarten können, dass damit die Geschichte zu Ende ist. Aber DHL macht es spannend:

Am Mittwochmorgen um 6 Uhr kam eine Mail, dass mein Wunschtag abgelehnt wurde und das Paket weiterhin am Mittwoch kommen würde. Aber der nächste Schritt („Ins Zustellfahrzeug eingeladen“) folgte im Laufe des Vormittags nicht. Stattdessen kam irgendwann der Hinweis im Sendungsverlauf „Paket wird bis zum Wunschtag eingelagert“. *yay* – hat die Umstellung doch noch geklappt! Anscheinend hat der Postbote aber nicht richtig hingeschaut, denn am Samstagmorgen poppte erneut die Mail „Ihr Paket kommt heute“ in meinem Postfach hoch und es wurde tatsächlich ins Zustellfahrzeug geladen. Am Ende kam es trotzdem nicht (obwohl Lysanda daheim war…) und der Status wechselte zurück auf „Lieferung am Wunschtag“. Vermutlich hatte der Postbote dann irgendwann im Auto gesehen, dass der Aufkleber eben nicht Samstag, sondern Montag sagte. Es ist auch weiterhin bei ihm im Auto lt. Sendungsverfolgung. Er hat es also augenscheinlich nicht ausgeladen.

Kann natürlich die Denke des Lieferanten nachvollziehen, weil wir, wenn notwendig den Wunschtag oft auf Samstag ändern und er deshalb wahrscheinlich gar nicht weiter drüber nachgedacht hatte beim Einladen. Aber ein wenig amüsant ist es schon. Ich hoffe nun, dass es heute tatsächlich wie geplant eintrifft und – viel wichtiger – durch den Heckmeck nicht doch irgendwas abbekommen hat. Will euch ja schließlich wie angekündigt kommenden Montag darüber berichten was ich gekauft habe und wie es sich in der Praxis so macht. Und nicht davon berichten wie ich mich mit dem Support von Mindfactory rumschlagen musste. Drückt mir die Daumen!

Die Erde bebte!

RAGE 2 (Herstellerbild)

Nun aber genug von den Leiden des jungen Paketdienstnutzers. Kommen wir zum wirklich interessanten Thema des Wochenendes: Die QuakeCon 2018. Ja, zum mittlerweile 21. Mal luden id Software und ihr neuer Herrscher Bethesda zum Stelldichein in Dallas (Texas). Mit im Gepäck? Mehr Infos zu Fallout 76, das mich weiterhin nicht die Bohne interessiert und The Elder Scrolls Online (neuer DLC), dessen weitere Entwicklung ich auch höchstens am Rande verfolge. Ach und Quake Champions ist nun (wie ursprünglich angekündigt – das haben einige Magazine scheinbar vergessen) in den Free-to-Play-Modus gewechselt. Außerdem wurde der Death Knight (ein Gegner aus Quake) als neuer Champion vorgestellt und zum Kaufen freigeschaltet.

Als nächstes gab es am Freitag neues Gameplay von RAGE 2 zu sehen. Das Setting wurde vorgestellt und – viel wichtiger – eine (stark zusammengekürzte) Mission durchgespielt bei der zahlreiche Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger sichtbar wurden. Bei der E3 2018 war ich zwar optimistisch aber noch skeptisch, ob aus der Kooperation von id Software (Shooter-Experten) und Avalanche Studios (Open-World-Experten) was Anständiges entstehen wird. Aber nach den sieben Minuten muss ich ganz klar sagen: Immer her damit. Das sieht nicht nur nach einer abwechslungsreichen Menge Spaß aus – es kommt auch sehr viel näher an das heran, was viele schon von RAGE erwartet hatten. Avalanche Studios haben tatsächlich „einfach“ die Grundelemente (Autos mit Bewaffnung, offene Welt, Konvois, etc.) von Mad Max genommen, mehr Geld und Iteration draufgeworfen und gleichzeitig das wie immer geniale Shooter-Gameplay (Waffen, die sich nach etwas anfühlen – ja, es gibt immer noch keinen, der es besser macht) von id Software drüber gestülpt. Frühjahr 2019 soll es erscheinen. Ich freu mich drauf.

Der ewige Untergang

DOOM Eternal (Herstellerbild)

Das Highlight des Abends und das, auf was alle seit der E3 2018 gewartet hatten, war aber natürlich das Gameplay-Reveal von DOOM Eternal. Und was soll nach den 25 Minuten anders sagen als „Fuck, ist das geil!“. DOOM (2016) war ja schon der Hammer aber der Nachfolger setzt eindeutig noch einmal eine sehr, sehr große Schippe oben drauf. Wie erwartet, geht es wie damals bei DOOM II: Hell on Earth auf die Erde. Mit im Gepäck die doppelläufige Schrotflinte und neue Gegner wie der Pain Elemental (mit einer amüsanten Fluganimation) oder der Arch-vile (das Reveal am Ende des Trailers: absolute Gänsehaut). Also nur eine Wiederholung von damals mit schickerer Grafik? Quark. Wie kann man nur so einen Blödsinn behaupten, mein vergangenes Ich?!

Nein, DOOM Eternal dreht den Wahnsinn richtig auf. Aufgrund des geänderten Settings sind die Levels wesentlich offener und vertikaler gestaltet. Also fleißig mit Double Jump, Teleportern und Treppen sich durch die Gegend bewegen? LANGWEILIG! Das ist doch unter der Würde des DOOM Slayers! Nein, die doppelläufige hat einen eingebauten Hookshot. Und warum damit sich irgendwo an Geometrieobjekten hochziehen (geht natürlich ebenfalls), wenn man auch einfach Gegner als Empfangseinheit benutzen kann? Eben. Als das bei Minute 5:20 erstmals gezeigt wurde, ist nicht nur der Saal völlig ausgeflippt – ich fand (und finde) es gleichermaßen genial. Gut, dass auch der Gore-Level noch einmal massiv nach oben geschraubt wurde (gibt jetzt sogar verschiedene Verletzungsstufen), hätte ich jetzt nicht zwingend gebraucht. Aber irgendwie cool ist es natürlich schon, wenn er dem Mancubus das Auge herausreißt und in den Mund steckt. Bitte? Sowas hat Duke schon vor 22 Jahren gemacht? Mag ja sein, aber es verliert nie seinen Reiz :wink: . Oder als er dem Zombie mit der Faust den Kopf in den Brustkorb schlägt. Ähm…wir sind ja in Deutschland. Gewalt ist nicht cool. Gewalt ist nicht lustig. Gewalt ist doof.

DOOM Eternal (Herstellerbild)

Entsprechend gibt es nun neben der Kettensäge die Möglichkeit einen Faustschlag auszuführen (ich hoffe der Soundeffekt bleibt so im finalen Spiel) oder mit einem ausfahrbaren Messer zuzustechen (Altair ruft an, er will das Ding). Und die „Story“-Sequenz auf Phobos fand ich auch genial. Ja, der Slayer hat nicht nur unter Dämonen seinen Ruf weg. Ansonsten scheint alles beim Alten zu sein – und das ist das Beste, was id Software tun konnte. DOOM (2016) war und ist ein neuer Höhepunkt in der Geschichte meines Lieblingsentwicklerstudios und ich will mehr davon haben. Die Chancen für einen Day-One-Kauf von DOOM Eternal beim Release irgendwann in 2019 sind durch die Decke.

Epilog

Ja, die QuakeCon war dieses Jahr mal wieder einen Blick wert. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde: Der Aufkauf von id Software durch Bethesda hat dem Studio eindeutig neues Leben eingehaucht und war die völlig richtige Entscheidung. Und damit verabschiede ich mich bis Montag – dann hoffentlich mit einem ausführlichen Bericht auf die (nicht ganz so neuste) Hardware auf dem PC-Markt.

Sicarius

Der nächste Niemandshimmel

No Man’s Sky (Herstellerbild)

Ich vermute jede Spielergeneration hat ihren Hype-Titel, der am Ende die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllt oder nicht mehr erfüllen kann, weil der Hype zu groß geworden ist. Command & Conquer: Tiberian Sun (1999) oder Black & White (2001) sind zwei Beispiele aus der Jahrtausendwende. Anders als damals, gibt es dank „Internetverbindung erforderlich“ auf der Packung aber für die Entwickler nun die Möglichkeit den Karren noch aus dem Dreck zu ziehen. Die ursprüngliche Vision der Spieler wird zwar sicherlich nie erreicht aber man kann sein Image und damit ggf. auch die Verkaufszahlen noch retten. Und ja, wenn ihr den Spielenachrichten zumindest etwas folgt, wisst ihr selbstverständlich schon wovon ich rede: No Man’s Sky.

Die Entwicklung

Der Hype war extrem groß vor der ursprünglichen Veröffentlichung im August 2016. Gefühlt erwarteten die Spieler die ultimative Weltraumsimulation. Das Spiel aller Spiele, das alle anderen Spiele überflüssig machen sollte (leichte Übertreibung von mir). Eine zufällig generierte Galaxie voller unendlicher Möglichkeiten zu tun und zu lassen was man möchte. Das Ergebnis sah wohl hübsch aus und hatte viele Spore-Elemente aber war an echten Inhalte abseits von „Ich schau mir heute Planet Nr. 1.238 an“ relativ leicht. Je nachdem wen man dann gefragt hat, war das dann entweder der geilste Zen-Scheiß oder der größte Betrug aller Zeiten. Früher wäre die Sache damit erledigt gewesen. Ein paar Leute hätten sich ein paar Monate lang aufgeregt und dann wäre das Spiel als Geheimtipp unter den Teppich gekehrt worden. Dank des Internets konnte sich Entwickler Hello Games jedoch entscheiden weiter an seiner ursprünglichen Vision zu arbeiten – was sie auch getan haben und weiter tun. Am 24. Juli 2018 ist nun das mittlerweile vierte, sehr umfangreiche Updates namens No Man’s Sky NEXT veröffentlicht worden. Mit dem Spiel von 2016 hat No Man’s Sky anno 2018 wohl nur noch die Grundlagen gemeinsam.

Zeit also für mich endlich mal zuzuschlagen. Ich hatte zwar immer gehofft, dass die PC-Version doch noch ein Retail-Box bekommen würde (die PS4-Fassung hat eine). Aber nach zwei Jahren habe ich diese Hoffnung genauso begraben wie die auf dauerhafte Preisreduzierung (kostet weiterhin 55 Euro). Also habe ich beim aktuellen Angebot auf Steam (28 Euro) zugegriffen und schon ein paar Stunden darin versenkt.

No Man’s Sky (Herstellerbild)

Die Erfahrungen

Den Vergleich zum Original habe ich natürlich nicht, kann also nur für die aktuelle Version sprechen. Und in dieser handelt es sich bei No Man’s Sky um ein Überleben-, Erkundung- und Bauen-Titel aus der First- oder auf Wunsch aus der Third-Person-Perspektive wie sie vor allem im Mehrspielerbereich gerade den Markt überschwemmen. Anders als die Konkurrenz, steht aber nicht nur der Solospaß im Fokus: Ihr werdet auch einfach auf einen der Abermilliarden von zufallsgenerierten Planeten des Universums aussetzt ohne, dass ihr konkret gesagt bekommt, was ihr nun tun sollt. Es gibt natürlich ein Tutorial und auch eine Art Kampagne mit ca. 30 Stunden Spielzeit – beides ist aber vollkommen optional. Ich weiß, die Veteranen unter uns denken jetzt sicherlich ein Stück weit an die letzte Phase in Spore aber das ist nicht nur um Welten, sondern um Universen von einander entfernt, deswegen gehe ich da gar nicht weiter drauf ein. Stattdessen könnt ihr euch mit eurem Raumschiff völlig frei bewegen, auf jedem Planeten landen (oder auf Raumstationen), mit den Einheimischen schwätzen (jede der vier Rassen mit ihrer eigenen Sprache, die ihr erst noch lernen müsst!) oder die lokale Flora und Fauna bewundern bzw. ernten/töten.

Was nach den ewig langen Ladezeiten („Loading Shaders“ dauert bei jedem Spielstart gefühlte Stunden) zu allererst auffällt, ist natürlich die wunderschöne Grafik. Der Stil soll bewusst an die SciFi-Literatur der 70iger und 80iger Jahre erinnern und ist entsprechend poppig (bunt, runde Formen) und aus meiner Sicht richtig hübsch. Wettereffekte, echte Wolken, fließender Tag- und Nachtwechsel, fließender Wechsel zwischen Boden und Weltall – man kann dem Titel sicherlich einiges vorhalten, aber garantiert nicht, dass er selbst auf mittleren Details nicht noch extrem gut aussehen würde. Leider hält die Performance diese Detailtiefe und die dazugehörigen Effekte (z.B. in Echtzeit berechnete Sonnenstrahlen) nicht wirklich aus. Nicht nur je Planet schwanken die FPS von flüssig bis unspielbar, auch wenn es z.B. anfängt zu regnen oder man bestimmte seiner Werkzeuge (z.B. das Terraforming-Tool) benutzt, sackt mitunter alles ab. Und dann werden viele der Grafikeinstellungen erst nach einem Neustart des Spiels wirksam. Echt nervig. Übrigens tatsächlich mit ein Grund, warum ich mir jetzt ein Rechnerupgrade gönne (mehr dazu vermutlich in zwei Wochen).

Immerhin weiß man, wofür die Rechnerleistung gebraucht wird. Jeder Planet sieht wirklich einzigartig aus. Nirgends hat man das Gefühl nur wie damals bei Mass Effect über einen leeren und völlig leblosen Planeten zu spazieren. Und es gibt immer irgendetwas zu tun. Die Hauptstory (keine Ahnung wie die genau lautet) spielt da eine völlige Nebenrolle. Stattdessen ist man tatsächlich ähnlich wie in Minecraft sein eigener Herr und macht theoretisch einfach, wonach man Lust hat. Das besteht freilich am Anfang vor allem aus „Überleben“, „Erkunden“ und „Ausprobieren“ sowie sich über das viel zu kleine Inventar aufregen.

No Man’s Sky (Herstellerbild)

Das Doing

Ausgestattet mit einem schwachen Laser, beginnt ihr wie es sich für einen Zweibeiner gehört damit eure Umgebung zu zerstören. Von einer Pflanze erntet ihr dabei z.B. Sauerstoff, dass u.a. für euere Lebenserhaltungssysteme wichtig ist. Aus einem komischen Stein extrahiert ihr hingegen Eisenstaub, der als Energielieferrant für euren Laser dient und auch als erste Grundlage für komplexere Rezepte. Dann könnt ihr erste (portable) Objekte wie einen Signalbooster (scannt die Umgebung nach interessanten Lokalitäten) oder eine Raffinerie bauen (macht aus einer Ressourcen mit Hilfe von Treibstoff eine höherwertige Ressource). Aber Vorsicht: Verwüstet ihr zu viel, kommen die Sentinels vorbei und werden sauer. Es gibt ähnlich wie in der GTA-Serie ein fünf-Sterne-System. Je mehr und je länger ihr Radau schlagt, desto stärker werdet ihr angegriffen (zum Schluss dann sogar im Weltraum).

Lauft ihr neuen Arten von Flora oder Fauna über den Weg (sowohl über als auch unter der Erde!), könnt ihr sie scannen. Das gibt nicht nur ein paar Units (die Währung des Spiels), sondern erlaubt euch zudem direkt zu sehen welche Ressource sie beim Töten fallen lassen. Durchaus sinnvoll zu wissen. Nicht nur, um nicht dauernd vor den Sentinels fliehen zu müssen wegen zielloser Vernichtungsorgien, sondern auch weil sich Flora und Fauna zwar regenerieren, das aber sehr lange dauert. Außerdem ist wie gesagt am Anfang euer Inventar (am Mann und im Raumschiff) extrem begrenzt. Da kann man gar nicht alles mitschleppen, was man theoretisch finden könnte.

No Man’s Sky (Herstellerbild)

Repeat as necessary

Ist euer Rucksack voll und ihr habt grad nichts, was ihr daraus bauen wollt oder könnt (ohne Rezept, kein Objekt), dann ab zum nächsten Handelsposten. Da ist ein stetiges Kommen und Gehen von Kreaturen mit denen ihr nicht nur handeln (inkl. kompletten Raumschiffen), sondern euch auch unterhalten könnt, um z.B. neue Wörter der lokalen Sprache zu lernen oder von interessanten Punkten in der Umgebung zu lernen (z.B. abgestürzte Raumschiffe). Diese Interaktion mit den NPCs ist vom Ablauf her durchaus rudimentär. Aber ich gebe ehrlich zu, dass es schon verdammt cool ist zu sehen wie nach und nach der Kauderwelsch in den Textboxen durch verständliche Worte ersetzt wird.

Und so geht es immer weiter: Ressourcen aller Art Sammeln, neue Technologien entdecken (oder kaufen), daraus tolle Sachen bauen oder die Ausrüstung verbessern (inkl. größerem Inventar), Kohle scheffeln (ein neues Raumschiff kostet locker 2.000.000 Units und mehr), seine Basis weiter ausbauen, die Freundschaft zur lokalen Population verbessern, eine Weltraumhandelsflotte aufbauen (ja, ihr habt richtig gelesen!) oder alles hinter euch lassen, in die Weiten des Weltalls entfliehen und einen neuen Planeten entdecken/erkunden. Ihr könnt natürlich jederzeit wieder zurück zu eurem Kram, wenn ihr noch wisst wo er war – gibt sogar ein Teleporternetz, an das ihr euch anschließen könnt. Im Grundsatz ein simples Spielprinzip aber noch mehr als bei Minecraft mit einer großen Tiefe, in die ich bislang nicht einmal im Ansatz vorgedrungen bin (hab‘ erst eine Holzhütte). Und das Ganze jetzt sogar zusammen mit Freunden im Mehrspielermodus.

Fazit

Ja, man könnte durchaus sagen, dass ich von No Man’s Sky aktuell wirklich beeindruckt bin. Ob mich das allein bei der Stange halten wird, ist natürlich noch einmal ein anderes Thema. Theoretische Unendlichkeit heißt ja nicht unbedingt auch unendlich viel Spielspaß. Aber momentan ist die Motivation hoch (und das kleine Inventar nervig…) und die Möglichkeiten zahlreich. Wer auf ein etwas ruhigeres Spielerlebnis steht und lieber selbst der Mann/Frau ist statt an den Händen zum Ziel geführt zu werden, der dürfte hier nicht nur zahllose Stunden, sondern sogar monatelangen Spielspaß finden. Könnte mir sogar vorstellen, dass der Titel sich gut für Paare eignet.

Hätte ich tatsächlich nicht gedacht, dass ich so positiv über das Werk schreiben würde. Ich gehörte 2016 nämlich zu den Leuten, die selbst nach der Veröffentlichung nicht so recht wussten was No Man’s Sky überhaupt für ein Spiel sein soll. Aber das ist eben Fluch und Segen des Internets: Ein heute veröffentlichter Titel kann morgen schon wieder ganz anders aussehen.

Sicarius

Die fünfte im Bunde

Unsere Maya

Okay, bevor jetzt gleich die ersten in die Kommentare springen und schreiben „WAD?! Habt‘ ihr’n Knall?!“: Die Katze wurde nicht extra für uns gezüchtet und saß bereits seit über einem Jahr in einer Pflegestelle fest. Und wie ich schon bei Jules‘ Ankunft geschrieben hatte: Wir haben den Platz und die Ressourcen – also warum nicht einem lieben Tier ein schönes Zuhause geben?

Außerdem haben wir die kleine Dame erneut nicht ohne Grund in unser Heim aufgenommen: Lyssi hat totale Langeweile. Das liegt natürlich vor allem am Hausarrest, unter dem sie immer noch steht. Aber selbst, wenn wir ihn aufheben, wird sie weiterhin nur eine begrenzte Freiheit genießen. Wir bauen nämlich einen katzensicheren Zaun. Somit kann sie ihrer Langeweile durch lange Streifezüge oder Mäusemorden nicht mehr entkommen aber eben auch nicht überfahren, vergiftet, in einem Pool/Wassertank ersaufen oder sonst was werden (gilt natürlich auch für die anderen).

Durch den Hausarrest hat sich allerdings das typische Problem verdeutlicht, dass Katzenmädels anders spielen (Jagen) als die Jungs (Balgen). Jules hat zuviel Angst vor ihr, sie selbst zu viel Respekt vor Balu und Pichu keinen Bock mit ihr zu spielen – der rauft nämlich lieber mit Jules. Eine recht schwierige Situation somit als Mädel unter Jungs. Also haben wir uns auf die Suche nach einer Spielpartnerin für sie gemacht. Dazu sind wir wie schon bei Pichu auf die netten Leute vom Verein Katzenherzen zugegangen, haben ihnen unsere „Anforderungen“ beschrieben und sie haben aus ihrem spanischen Fundus ein paar Miezen rausgesucht, die ihrer Meinung nach in Frage kämen. Unser Entscheidungsergebnis wurde uns vergangenen Sonntag um 5 Uhr morgens auf einem Rettungsplatz neben der A3 übergeben: Maya (ursprünglich Mary Puri).

Die Katze

Maya und der Wedel

Maya ist im August 2016 geboren, also rund vier Monate jünger als Lyssi, und wie Pichu vermutlich ein Siam-Mix. Sie hat das typisch dreckig-weiße Fell und vor allem diese leuchtenden blauen Augen. Angekündigt wurde sie als zart, schüchtern und zurückhaltend Menschen gegenüber aber sehr sozial zu Katzen. Was ihren Körperbau angeht entspricht sie auch ganz gut unserer Lyssi. Die eine 3,7kg, die neue 3,5kg – also kein Grund für Lyssi vor ihr Angst zu haben. Die schüchtern und zurückhaltende Katze suchen wir nach einer Woche allerdings vergebens.

Stattdessen haben wir einen kleinen, neugierigen Wirbelwind bekommen. Hochheben mag sie zwar nicht aber sie ließ sich bereits am Sonntag streicheln und wollte schon ab Mittwoch unbedingt aus ihrem Quarantäne-Zimmer raus. Leider hatte sie sich vor kurzem trotz Impfung einen Katzenschnupfen zugezogen, der durch den Umzugsstress wieder zurückkam. Also mussten wir sie erst eine Weile separat halten und mit Breitband-Antibiotika behandeln (und anschließendem Darmaufbau mit effektiven Mikroorganismen). Das wurde uns direkt bei der Übergabe mitgegeben. Durch den Schnupfen hat sie bei uns erst einmal den Spitznamen „Rotzbacke“ bekommen, der aber später wahrscheinlich durch „Silberfuchs“ ersetzt wird (Lyssi ist der Rotfuchs).

Nun macht sie das Haus unsicher (und verschwindet gerne in der Couch), will dauernd spielen und geschmust werden. Wenn das unter „Zurückhaltung“ fällt, dann will ich gar nicht wissen wie eine „aufgeschlossene“ Katze aussieht. Aber es ist natürlich schön, dass sie sich so zügig hier bei uns wohlfühlt… der „Ultimate Ten-Fingers-Knuddeltechnik“ von Lysanda kann einfach keine Katze widerstehen.

Zu unserer großen Freude hat sie unser Nassfutter auch sofort angenommen. Keine komplizierte Umgewöhnung – nein, direkt „Ich habe Hunger! Gib’s mir!!!“. Im Gegenteil: Das Fressen von Leckerlis müssen wir ihr erst noch beibringen. Sowas scheint sie bislang nicht einmal zu kennen. Und typisch Katze – was man nicht kennt ist nicht essbar. Daher sind Futterumstellungen bei Katzen häufig nur mit viel Geduld und Tricks überhaupt zu realisieren.

Reaktionen

Maya auf dem Regal

Maya ist also gut angekommen und macht sich prächtig. Stellt sich die Frage, wie die Sicht unserer anderen vier Mitbewohner ist. Zumindest drei davon müssten ja theoretisch das Thema „Neuzugang“ bereits kennen. Die Antwort: Durchwachsen. Der schüchterne Jules traut ihr nicht über den Weg. Er reagiert so, als hätte er einen Geist gesehen. So schnell kann man gar nicht schauen, wie er durch die Katzenklappe nach draußen flitzt. Unser aller Freund Pichu ist da schon geselliger, ist ihr entsprechend bereits nachgelaufen und hat eine Runde genäselt. Aber aufgrund der Hitze ist er aktuell einfach nicht der munterste, entsprechend stört ihn Mayas Existenz nicht weiter. Balu hingegen hat lange gebraucht, bis er Maya überhaupt gesehen hat (streunt aktuell sehr viel rum) – wurde jedoch in diesem Moment von Jules umgerannt. Entsprechend war es nicht verwunderlich, dass er dann Jules‘ Beispiel folgte und hinter ihm her durch die Katzenklappe in die Freiheit entfloh. So kann man seinen Problemen auch aus dem Weg gehen…

Viel wichtiger ist aber natürlich, wie sich Maya und Lyssi verstehen. Hier sehen wir durchaus einige Parallelen zu Pichus Ankunft. Damals hat Lyssi erst einmal ein paar Tage lang Bohrmaschine gespielt, wovon sich Pichu aber überhaupt nicht beeindrucken ließ. Genauso ist es mit Maya. Sie nimmt das Gebrummel und Gefauche von Lyssi wenig ernst. Im Gegenteil versucht sie mit ihr in eine Verhandlung zu treten. Das äußert sich darin, dass man aus unterschiedlichen Ecken des Hauses öfters komische Maunzgeräusche vernimmt (und hin und wieder einen Todesschrei von Lyssi). Gleichzeitig ist Lyssi trotzdem extrem neugierig und behält Maya immer genau im Blick. Besserung ist aber schon in Sicht: Lyssis Schwanz bauscht sich nicht mehr auf.

Grundsätzlich sieht man hier, dass unsere Katzen sehr sozial sind. Keiner springt den anderen (außer im Spiel) an, es gibt weder Kämpfe noch Verletzte und nicht mal am Futternapf entsteht Streit. Wir sind daher davon überzeugt, dass Lyssi und Maya in den nächsten Wochen gute Freunde werden. Lyssi ist eben in erster Linie Angsthase und braucht daher etwas um über ihren Schatten zu springen. Die nächsten Tage/Wochen werden es zeigen.

Battlefield Hardline (Herstellerbild)

Egal ob Call of Duty oder Battlefield draufsteht: In den Einzelspielerkampagnen geht es vor allem um eins: Möglichst viel Spektakel mit einem hohen Bodycount. Entsprechend interessant und erfrischend fand ich die Kampagne von Battlefield Hardline. Das ist das im Großen und Ganzen nicht ganz so erfolgreich Spin-off von Visceral Games (trotzdem allein in der ersten Woche 1,4 Millionen Mal verkauft) aus dem Jahre 2015. Statt schon wieder Krieg zu spielen, wurde der Fokus auf etwas „weltlichere“ Dinge gelegt und böse gesagt ein Counter-Strike-Abklatsch geboten.

Im Mehrspielermodus bedeutet das, dass ihr als Kriminelle z.B. Banküberfälle durchführt und die Polizisten diese vereiteln müssen. Oder die Polizei muss Geiseln befreien und die Kriminellen das verhindern. Oder die Polizei muss einen Zeugen schützen und die Kriminellen ihn töten. Counter-Strike Beta 6.5 eben :smile: . Auch die Fahrzeuge spielen außerhalb bestimmter Spielmodi (CTF mit Autos!) nicht die ganz große Rolle, wodurch die Karten etwas übersichtlicher sind und der Kampf Mann gegen Mann (maximal 32vs32) wichtiger ist. Könnt ihr euch ungefähr so vorstellen wie damals Battlefield 2: Special Forces nur wesentlich heller und in amerikanischen Großstädten und Umgebungen angesiedelt. Und was soll ich sagen: Es macht Laune.

Das geerdetere Setting, die etwas kleineren Waffen und die Konzentration auf das Wesentliche (=Nahkampf) sind erfrischend anders als die bekannten „Ich schieß dir aus 3km-Entfernung die Augen aus“-Gefechte aus den Haupttiteln (Battlefield 1 hab‘ ich noch nicht gespielt). Und ja: Man kann den Mehrspielermodus weiterhin erleben. Zum Verfassungszeitpunkt kriege ich immerhin sechs Server mit insgesamt 241 Spielern angeboten. Nur die Karten- und Spielmodiauswahl ist mittlerweile stark auf die Lieblinge der Community reduziert. Viele bekommt man deshalb gar nicht mehr zu Gesicht.

Das eigentlich Interessante

Battlefield Hardline (Herstellerbild)

Doch ein Battlefield kauft man ja bekanntlich nicht wegen dem Mehrspielermodus, sondern wegen der Einzelspielerkampagne. Bitte? Ich hätte das falsch verstanden? Mmmh…ich weiß nicht. Ein Spiel nur wegen dem Mehrspielermodus kaufen? Klingt unplausibel. Egal: Ihr übernehmt die Rolle von Nick Mendoza, einem prototypischen „guten“ Polizisten. In Miami herrscht ein Dorgenkrieg und ihr sollt mit eurer neuen Partnerin Khai aufräumen. Schnell wird klar, dass in die Sache auch Polizisten verwickelt sind und als guter Polizist wollt ihr ihnen natürlich das Handwerk legen – was sich selbstverständlich einfacher anhört als es ist. Aufgemacht wie eine Polizeiserie (inkl. einer Vorschau, wenn ihr das Spiel zwischendurch beendet und einer Rückschau, wenn ihr es wieder startet), ist die Kampagne 10 Episoden lang und bietet durchaus ihre 8-10 Stunden Spielzeit je nachdem wie gründlich ihr unterwegs seid. Die Geschichte ist dabei zwar vollgestopft mit Klischees aber dank guter Dialoge und zahlreichen Zwischensequenzen sowie der ein oder anderen Überraschung spannend und unterhaltsam.

Spielerisch ist das Besondere dabei, dass ihr eben ein Polizist seid und die dürfen normalerweise nicht einfach alles über den Haufen ballern, was euch für die Flinte kommt (ihr könnt zwei Waffen sowie zwei Gadgets tragen). Das müsst ihr zwar auch oft genug (was schade ist), aber seine besten Moment hat das Spiel, wenn ihr es wie ein Puzzle angehen dürft: Wie kann ich den Bösewicht festnehmen ohne, dass es jemand anderes merkt? Da ihr erst „Halt! Polizei“ rufen müsst, um bis zu drei Verbrecher gleichzeitig zu stellen und ihnen dann einzeln Handschellen anlegen müsst, ist es mitunter gar nicht so einfach. Zum einen ist euer Ruf ein paar Meter zu hören, was andere Wachen auf euch aufmerksam macht. Zum anderen ziehen die Drecksäcke ihren Ersatzschießprügel, wenn ihr sie aus den Augen lasst (=mit der Waffe drauf zielen). Das kann nicht nur tödlich enden, sondern alarmiert alle anderen in der Nähe. Allerdings ist das Spiel durchaus etwas zu großzügig. Man kann beispielsweise Leute verhaften, die nur durch eine Reihe Drogenpflanzen von jemand anderes getrennt sind. In der Realität würde das der Gegenüber definitiv hören. Aber gut: Details :wink: .

Battlefield Hardline (Herstellerbild)

Zusätzlich gilt es in fast jeder Episode optional Hinweise zu finden und Haftbefehle zu vollstrecken. Insgesamt acht Fälle (71 Indizien) könnt ihr dadurch aufklären und 23 gesuchte Bösewichter festnehmen. Letzteres geht nur, wenn ihr sie anschreit und festnehmt. Sobald ein Schuss fällt, geht das große Geballere los und alle können nur noch Sterben. Für das Finden der Indizien steht euch hingegen ein Scanner bereit. Der brummelt nicht nur, wenn ihr in der Nähe seid – er zeigt auch aus größerer Entfernung an wie weit und in welcher Richtung sich das nächste Indiz ungefähr befindet (übrigens teilweise sogar am Körper von Feinden). Ist trotzdem nicht ganz einfach vor allem die kleineren Sachen wie Briefe oder Fotos zu finden und zu scannen oder wenn das Gebäude mehrere Stockwerke hat. Als Belohnung für die Mühen gibt es beim Lösen eines Falls eine schicke Zusammenfassung anhand einer Schautafel, Zugang zu neuen Waffen sowie Battlepacks (Lootboxen für den Mehrspielermodus). Übrigens: Rund ein Viertel des Waffenarsenals könnt ihr weder so noch durch Erfahrungspunkte (=Gegner festnehmen, Hinweise sammeln, usw.) und dem damit verbundenen Levelaufstieg freischalten. Stattdessen müsst ihr sie von getöteten Gegnern aufheben. Erst dann stehen sie euch für den Rest des Spiels zur Verfügung. Nettes Detail, wie ich finde.

Beim Christoph: Ich gebe Battlefield Hardline großzügige 4 von 5 Sics. Ich war wirklich überrascht, wie gut mich vor allem die Kampagne in ihren Bann gezogen hat (zum Leidwesen von Lysanda). Die Aufmachung als Serie, die Missionen, die Schleichherausforderungen – es ist einfach ein rundes Paket. Ja, es ist technisch gesehen nicht sonderlich anspruchsvoll. Weder die Komplexität der Levels noch die Intelligenz der Gegner hält den Vergleich mit einem Hitman stand. Aber auch das hat für mich ein Stück weit den Charme dieses klischee-behafteten Rachefeldzugs ausgemacht: Ein bisschen Denken aber nicht zu viel, um das Tempo nicht zu stark rauszunehmen. Insofern ist es schade, dass es wohl auf längere Zeit der einzige Ausflug dieser Art für die Battlefield-Reihe bleiben wird. Schließlich wollen ja alle lieber Battlefield: Bad Company 3. Wenn ihr also mal so wie ich für wenig Geld über Battlefield: Hardline stolpert, dann gebt ihm eine Chance. Ich habe es nicht bereut.

Sicarius

Das Crowdfunding-Jahr 2013

Eine aufklappbare Papphülle

Vergangene Woche ist endlich die mehr als enttäuschende „Box“ von Dreamfall Chapters eingetroffen und damit ein weiterer Kickstarter mehr oder weniger erfolgreich beendet worden. Ja, das Spiel ist für Fans der Serie (=ich) absolut zu empfehlen aber die physischen Goodies (eben nur die Box) entsprechen mal so absolut gar nicht dem wofür ich und viele andere durchaus ein paar schöne Euros in die Kasse geworfen hatten (u.a. physische Versionen einiger Kurzgeschichten). Naja, immerhin kam überhaupt noch was zum Anfassen. Wir hatten ja bereit bei meinem Rückblick auf das Crowdfunding-Jahr 2012 Mitte Januar festgestellt, dass das so einige leider vergessen (vermutlich, weil schon lange das Geld ausgegangen ist).

Und da die Kickstarter-Kampagne von Dreamfall Chapters im Jahr 2013 abgehalten wurde, ist das doch ein perfekter Zeitpunkt auch mal darauf zurückzublicken. Ein Jahr, was ich aus irgendeinem Grund mit vielen schlechten Kampagnen verbinde, aber ist es tatsächlich so?

Die nackten Zahlen

2013 habe ich 45 Kampagnen (darunter 37 Videospiele) unterstützt. Das waren schon 13 weniger als 2012 (58) und trotzdem waren erneut 22% (Stück – 2012 waren es 20%) davon gar nicht erst erfolgreich. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, denn zumindest zwei Stück haben es erneut versucht und es dann geschafft (zählen also – wenn ich sie erneut unterstützt habe – zu den restlichen 35). Und weitere zwei weitere haben auf andere Art und Weise ihre Entwicklung finanziert bekommen und sind mittlerweile auf dem Markt. Darunter Next Car Game von Bugbear, dass als Wreckfest zumindest für PC vor Kurzem endlich veröffentlicht wurde –

Von den 35 erfolgreichen Kampagnen sind fünf Jahre später 24 Stück bereits abgeschlossen (Produkt ist erschienen und ich habe alle versprochenen Goodies). Mit 68% erneut eine überraschend gute Quote. Und nur bei drei Kampagnen (Road Redemption und Shroud of the Avatar: Forsaken Virtues sowie eine Sketch-Serie) ist das digitale Produkt schon erschienen aber es fehlen noch die physischen Goodies. Bleiben nach Adam Riese (der eigentlich „Ries“ hieß) acht Stück übrig.

Spielbar

Lacuna Passage (Herstellerbild)

Bei allen acht Produkten handelt es sich um Videospiele und immerhin vier Stück kann ich bereits in einer Alpha-, Beta- oder Early-Access-Variante spielen. Das heißt natürlich nichts, schließlich ist Nekro am Ende nicht veröffentlicht worden. Aber immerhin drei davon zeigen auch weiterhin mehr oder weniger sichtbare Aktivität. Ja, mit dem Status-Updates für die Backer auf Kickstarter & Co. veröffentlichen haben es irgendwie viele Entwickler nicht. Stattdessen wird in Foren oder Kommentaren über den Status informiert was dann wieder kein Schwein mitbekommt. Wie gut das bei der Community ankommt, dürfte klar sein. Aber immerhin sieht man was, wenn man danach sucht und für die Mars-Überlebenssimulation Lacuna Passage erscheinen gefühlt sogar wöchentlich Updates mit Features und Bugfixes auf Steam.

Das kann man über das mit RPG Maker produzierte JRPG You Are Not The Hero leider nicht sagen. Seit über einem Jahr herrscht schon Totenstille (obwohl er weiter über Steam abkassiert durch neue Verkäufe) und angeblich hat er mit dem Kickstarter-Geld seiner Frau die Hochzeit ihrer Träume geschenkt statt es ins Spiel zu investieren. Ob das wirklich stimmt kann ich nicht nachvollziehen. Aber, dass ein RPG Maker-Spiel nach fünf Jahren Entwicklungszeit immer noch nicht auf dem Markt ist…nun, das spricht durchaus Bände. Ganz gebe ich die Hoffnung noch nicht auf, dass zumindest das Spiel noch erscheint. Aber die Goodies kann man wohl vergessen.

Nicht spielbar

Hero-U: Rogue to Redemption (Herstellerbild)

Und die restlichen vier? Nun, zwei Stück befinden sich tatsächlich immer noch in der Entwicklung und halten die Backer relativ regelmäßig auf dem Laufenden. Wie gesagt: Die meisten Leute hinter den Kickstartern aus der Anfangszeit haben vollkommen überschätzt wie viel Geld sie eigentlich am Ende tatsächlich auf dem Konto haben, was eine Spieleentwicklung kostet und wie lang sie dauert und wie viel die physischen Goodies verschlingen. Entsprechend ist es wenig verwunderlich, dass so einiges im „Slow-Burner“-Modus unterwegs ist (meist nur noch 1-2 Entwickler, die nach Feierabend arbeiten). Aber was lange währt, wird unter Umständen zumindest halbwegs okay :smile: . So ist letzte Woche auch endlich Hero-U: Rogue to Redemption (ein Kickstarter aus 2012) veröffentlicht worden, der geistige Nachfolger der Quest of Glory-Reihe aus den Sierra-Tagen. Und was man so liest, soll er gar nicht mal so schlecht sein.

Persönlich ist mir tatsächlich egal, wie lange es dauert (komme ja eh nicht zum Spielen oder Lesen). Da sind andere Backer etwas ungeduldiger. Für mich ist es viel wichtiger auf dem Laufenden gehalten zu werden. Und wenn es die 20. Ausrede ist – hauptsache regelmäßige Lebenszeichen und irgendeine Art von Fortschritt und nicht einfach plötzlich vom Erdboden verschwinden so wie Pelican13, die bis Ende 2015 sehr kommunikativ waren und echte Fortschritte zu ihrem Titel The 90’s Arcade Racer gezeigt hatten. Seitdem gab es aber kein einziges offizielles Wort mehr zum Thema. Stattdessen kam irgendwann durch Backer-Recherche heraus, dass die Entwickler das komplette Ding an den Publisher Nicalis verkauft haben. Aber auch die haben bis heute damit absolut gar nichts angefangen. Okay, auf der Ankündigungsseite wurde wohl letztes Jahr das Spiel in 90s Super GP umbenannt und die Nintendo Switch als Plattform ergänzt. Aber Veröffentlichungsdatum oder irgendeine Reaktion von Nicals gegenüber den Backern? Pustekuchen.

Das deutsche Desaster

Villagers (Herstellerbild)

Und dann wäre da noch Days of Dawn. Projekte, die zwei  Crowdfunding-Anläufe brauchen stehen selten in einem guten Licht. Das wird hier wieder bestätigt, denn die zweite Kampagne war zwar erfolgreich aber geholfen hat es trotzdem nicht. Das Spiel ist, soweit ich das verstehe, allerhöchstens noch in der persönlichen Freizeit des Studiobesitzers in Entwicklung, weil das Geld fehlt. Aber zu Bumblebees Ehrenrettung darf ich natürlich nicht verschweigen, dass sie in unregelmäßigen Abständen mal ein Update schreiben und allen Backer, die es wollten, ihre in der Zwischenzeit erschienen Titel Villagers (ein schlechter Siedler/Anno-Klon) und In Vitra (ein schlechtes JRPG) geschenkt haben. Ja, die Werke sind nicht der Brüller aber im Nachhinein betrachtet wäre das Days of Dawn vermutlich ebenso wenig geworden. Insofern immerhin nicht ganz ohne Gegenleistung Geld in den Sand gesetzt.

Aus der Sache habe ich übrigens gelernt nie mehr dem Hype um deutsche Crowdfunding-Projekte zu folgen, den vor allem bestimmte (haarige) Spielejournalisten der älteren Generation betreiben. Nur auf die Nase gefallen bislang. Dann lieber weiterhin auf meinen Bauch hören und nur Studios wie King Art unterstützen. Die wissen wenigstens was sie tun, liefern Gutes pünktlich ab und hatten übrigens mit Battle Worlds: Kronos tatsächlich 2013 auch ihre erste (von mittlerweile vier erfolgreichen) Crowdfunding-Kampagnen.

Fazit

Obduction (Herstellerbild)

Warum habe ich also mein Crowdfunding-Jahr 2013 so schlecht in Erinnerung? Keine Ahnung ehrlich gesagt. Vermutlich liegt es daran, dass viele hochkarätige Namen ihr Glück versuchten und massiv gescheitert sind (=die Kampagne war nicht erfolgreich). Dadurch hatte ich aber logischerweise kein Geld verloren. Freilich sind auch bei den 24 bereits abgeschlossenen Projekten wie schon 2012 einige dabei, bei denen das Ergebnis sein Geld nicht wert war aber im Vergleich waren es ungefähr genauso viel. Genauer gesagt waren es The Cyanide & Happiness Show (da habe ich mich von Rondrer reinreiten lassen – ist doch nur bedingt mein Humor), Monochroma (einfach kein gutes Spiel), Alice: Otherlands (als absoluter American McGee’s Alice-Fan hatte ich wesentlich mehr erwartet als zwei grottenschlechte Kurzfilme) sowie Mighty No. 9 (schon die Kommunikation nach dem Kickstarter war eine absolute Katastrophe).

Aber man soll einen Artikel ja nicht auf einer negativen Note enden lassen. Stattdessen möchte ich an das erinnern, was unter anderem mein (durchaus nicht gerade geringer) Einsatz anno 2013 für Erfolge gebracht hat. Darunter Titel wie Elite: Dangerous, Divinity: Original Sin, Obduction, Satellite Reign, Torment: Tides of Numenera und Jagged Alliance: Flashback, die einer altbekannten Spieleserie direkt oder zumindest im Geiste (weil die Lizenz fehlte) neues Leben einhauchten. Mit dem zusätzlichen Ergebnis, dass Studios wie Larian Studios, King Art, Obsidian Entertainment oder Frontier Development neue Lebenskraft erhalten haben und es ihnen vielleicht sogar mittlerweile besser geht als früher.

Insofern bleibt festzuhalten: Wenn es funktioniert, dann ist Crowdfunding eine wunderbare Sache. Blöd nur, dass die Ausfallrate so hoch ist :smile: .

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