Die Lugol’sche Lösung

Kennt ihr das noch? Ihr ward bei Oma als Kinder im Urlaub, seid beim Spielen hingefallen und hattet anschließend eine kleine Schürfwunde. Was hat Oma dann getan nachdem sie euch getröstet hat? Komisches braunes Zeug draufgepackt, das ganz schön gebrannt hat. Was das war? Jod (eigentlich Iod) – ein Spurenelement, bei dem sich eigentlich ausnahmsweise mal alle einig sind, dass es essentiell ist und quasi von jedem Organ im Körper benötigt wird.

Am bekanntesten ist sicherlich die Schilddrüse, die ohne Jod nicht die Hormone Tirjodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (T4) bilden kann. Gleichzeitig erfüllt es aber auch seine antibakterielle Wirkung im Körper, reinigt das Blut und hilft bei der Entgiftung von Halogenen und Schwermetallen. Zusätzlich ist Jod eines der vielen Antioxidantien und hilft bei der Regulation vieler Stoffwechselprozesse in den Zellen. Bei Oma wurde es hingegen vor allem in seiner Eigenschaft als Desinfektionsmittel eingesetzt.

Historie

Die Theorie ist, dass wir ubs im Laufe unserer Evolution sehr viel vom Meer ernährt haben (Seetang hat viel Jod) und erst dadurch zum Menschen wurden. Es gibt Nachweise durch Ausgrabungen, dass es schon vor 15.000 Jahren als Heilmittel genutzt wurde – damals als Bestandteil von Seetang.

Richtig entdeckt wurde es erst 1812 in Frankreich. Damals befand sich Napoleon im Krieg mit Russland. Dafür wurde viel Schießpulver gebraucht, was wiederum aus Salpeter und Kaliumcarbonat besteht. Letzteres wurde aus Holzasche gewonnen aber so langsam gingen dem Heer die Bäume aus. Stattdessen hat man angefangen getrocknete Algen zu verbrennen, schließlich gab es von denen an den Küsten Frankreichs mehr als genug. Als der Chemiker Bernard Courtois dann eines Tages nach dem Verbrennen von Algen seinen Kessel reinigte, fand er am Boden ein violettes Pulver: Jod (vom altgriechischen loeides = violett).

Mischform

Seinen Siegeszug trat Jod aber nicht als Feststoff an, sondern in Form einer Lösung. Die bekannteste ist die Lugol’sche Lösung (die es mittlerweile auch als Tablette gibt), die 1829 vom französischen Arzt Jean Lugol erfunden wurde. Sie besteht aus elementaren Jod und Kaliumjodid in einem Verhältnis von 1:1,5. Anschließend wurde sie nicht nur als Antiseptikum (Desinfektionsmittel), sondern im Prinzip gegen jedmöglich denkbare Krankheit eingesetzt. Sicherlich nicht immer mit Erfolg dennoch überraschend häufig.

Wie schon im Eintrag über das Speisesalz geschrieben, braucht unser Körper auch zwingend beide Formen von Jod, weil unsere Organe wählerisch sind. Während bspw. die Schilddrüse vorzugsweise Jodid haben möchte, stehen die Brüste mehr auf das elementare Jod. Deswegen wird beim Speisesalz auf Jodid gesetzt, weil es dabei um die Vermeidung von Struma (Kropf) geht – eine Schilddrüsenkrankheit. Lange Zeit bestand die Überzeugung, dass nur die Schilddrüse Jod benötige. Schuld daran war der Tod des deutschen Chemikers Eugen Baumann. Ein absoluter Experte auf dem Jod-Gebiet, der 1895 entdeckte, dass Jod in der Schilddrüse vorkommt. Leider konnte er aus oben genannten Grund seine Forschung nicht fortsetzen und so wurde seine Entdeckung lange Zeit völlig falsch interpretiert (Jod = Schilddrüse = sonst nirgends im Körper).

Das Ergebnis ist, dass die deutsche Gesellschaft für Ernährung zwar einen Tagesbedarf für Erwachsene von 200µg Jod angibt. Aber dabei handelt es sich nur um das, was die Schilddrüse verbraucht. Der Bedarf aller anderen Organe in unserem Körper ist hier nicht berücksichtigt. Der tatsächliche Tagesbedarf dürfte entsprechend eher zwischen 6,5-12mg liegen. Das hat noch niemand so richtig erforscht. Und doch: Selbst den DGE-Wert dürften die wenigsten unter uns tatsächlich erreichen. Wieso ist das so?

Woher?

Diese Sprotten haben bestimmt noch nie Jod gesehen

Jod bringt der normale Mensch vermutlich mit zwei Sachen in Verbindung: Speisesalz und Fisch. Und tatsächlich sind bspw. in 5g jodiertem Speisesalz ab Werk zwischen 75 bis 125 µg. Also einfach 10g Salz am Tag essen und alles ist gut? Da kommt sich die DGE selbst in die Quere, schließlich ist deren Empfehlung maximal 5g Salz am Tag. Außerdem ist Jod eine flüchtige Substanz. Sobald ihr die Salzpackung geöffnet habt, beginnt es daraus zu entfliehen und wenn ihr damit kocht, wird der Prozess sogar noch beschleunigt. Wie viel Jod damit tatsächlich im Salz enthalten ist, ist ungewiss. Bei tierischen Produkten ist es hingegen das Problem, dass diese Jod gegessen haben müssen, um es in sich zu tragen. Das wäre bei Fisch beispielsweise nur bei Wildfisch der Fall, weil er sich von Algen ernährt – aber der hat seine ganz eigenen Probleme (Stichwort Quecksilberbelastung und Mikroplastik). Ansonsten können noch 100g Feldsalat 35µg Jod enthalten, wenn er auf entsprechend jodreichem Boden gewachsen ist. Ansonsten kommen alle anderen Arten von Gemüse und Obst über magere 20µg nicht hinaus.

Bevor wir aber dazu kommen, wie man seinen Jod-Bedarf decken könnte, stellt sich erst einmal die Frage: Warum kannte Oma noch Jod als Hausmittel (und nicht nur als Notfallmedikament bei nuklearen Angriffen), die Generationen seitdem jedoch nicht mehr? Schlimmer noch: Man liest sogar von Zwangsjodierung und bekommt Angst vor dem essentiellen Spurenelement Jod gemacht.

Noch mehr Historie

Alles begann 1948 als ein gewisser Dr. Jan Wolff mit seinem Kollegen Lyon Chaikoff den Wolff-Chaikoff-Effekt entdeckte. Die hatten ein Experiment mit Ratten gemacht, denen sie eine hohe Dosis Jod verpassten. Sie kamen dabei zu dem Ergebnis, dass eine hohe Menge Jod die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen würde. Dieses wurde nie richtig belegt aber auch nicht hinterfragt. Frei nach dem Motto „Neue Erkenntnisse sind besser als alte“, erhielt Jod so den Stempel „Zu viel Jod ist schädlich für die Schilddrüse“ (Tolle Erkenntnis: Alles ist in zu hoher Dosierung schädlich – sogar Wasser). Zusammen mit der Einführung von alternativen Desinfektionsmitteln und anderen Medikamenten führte dies dazu, dass Jod aus der Schulmedizin praktisch bis 2005 vollständig verdrängt wurde. Auch Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis (eine Schilddrüsenkrankheit) wurde immer erzählt, dass sie Jod unter allen Umständen vermeiden müssen, weil es angeblich den Krankheitsverlauf beschleunigen würde.

2005 hat ein gewisser Dr. Guy Abraham dann endlich (wieder) nachgewiesen, dass die Furcht vor anorganischem, nicht radioaktivem Jod völlig unbegründet ist. Man ist also auf den Stand vor 1948 zurückgegangen, schließlich hat man es davor wie oben erwähnt für quasi alles eingesetzt. Seitdem muss Jod erst mühselig wieder seinen Weg zurück in den Medizinalltag finden (in Deutschland wie immer noch langsamer als anderswo). Der 1. Deutsche Jod-Kongress fand beispielsweise erst Anfang des Monats statt.

Aber auch außerhalb der Schulmedizin hat Jod einen schweren Stand. Schuld daran ist das Buch Die Jod-Lüge – Das Märchen vom gesunden Jod der Autorin Dagmar Braunschweig-Pauli, die damit die Verschwörungstheorie von der Zwangsjodierung geprägt hat. Kurz zusammengefasst, leidet die gute Frau an einem Schilddrüsentumor (autonomes Adenom) und hat in dem Zusammenhang mit Jod GANZ schlechte Erfahrungen gemacht. Statt jedoch anständig darüber zu recherchieren – den diese Art von Tumor verträgt sich tatsächlich nicht mit Jod – hat sie eine ganze Generation verrückt gemacht. Ein weiterer Grund, warum sich die Jod-Revival-Tour in Deutschland so schwer tut.

Gegenspieler

Neben Quicksilber und Blei, entsorgt Jod auch Bromid und Fluorid aus dem Körper. Moment?! Fluorid? Gibt es nicht Jodsalz mit Fluor?! werdet ihr jetzt vielleicht einwerfen. Und ja, das gibt es tatsächlich und ist absoluter vollkommener und totaler Schwachsinn, weil Jod und Fluor Gegenspieler sind. Das Fluor besetzt speziell die Jod-Rezeptoren in der Schilddrüse. Dadurch wird das Jod einfach wieder vom Körper ausgeschieden.

Jod-Pflichtlektüre

Brom hat den gleichen Effekt auf die Jod-Aufnahme, kann mit ausreichend Jod aber vertrieben werden. Problematisch ist, dass wir mit Brom wesentlich mehr unwissentlich in Kontakt kommen als mit Fluor was hauptsächlich in Zahnpasta und Salz enthalten (und ausgewiesen) ist. Brom eignet sich sehr gut als Flammschutzmittel bei Möbeln oder Wärmedämmung. Welche Varianten in der EU mittlerweile verboten sind, konnte ich ehrlich gesagt nicht richtig herausfinden. Aber die Richtlinie ist noch nicht so alt. Insofern ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ihr noch was in eurem Haus/Wohnung stehen habt, was fleißig Brom über die Luft an euch abgebt.

Eigenverantwortung

Mehr Mut zum Jod ist quasi das Fazit, womit wir wieder bei unserer Frage sind: Wie können wir unseren Jod-Bedarf eigentlich decken? Grundsätzlich ist es wichtig sich bei diesem Thema vernünftig zu informieren, denn Jod setzt bei zusätzlicher Einnahme unter anderem stillgelegte Entgiftungsprozesse wieder in Gang. Jod ist dementsprechend ein Thema, welches ein hohes Maß an Eigenverantwortung erfordert, weil die Reaktion des Körpers so unterschiedlich ist. Eine konkrete Empfehlung der Menge können wir daher nicht geben. Auch euer Arzt kann euch hier keine Therapie vorgeben, denn in Deutschland ist Jod in den Regulatorien noch immer als Gefahr definiert. Selbst wenn er das korrekte Wissen zu Jod besitzt, setzt er mit einer höheren Empfehlung als 200µg seinen Beruf aufs Spiel.

Das ist vermutlich der Hauptgrund warum es in Deutschland nur so wenige Bücher zu dem Thema gibt. Das umfangreichste und fundierteste Werk ist Die Jodkrise der Amerikanerin Lynne Farrow. Sie ist eine ehemalige College-Professorin und Journalistin, die selbst an Brustkrebs erkrankte und darüber Jod entdeckte. Heute ist sie die Direktorin von Breast Cancer Choices. Der zweite, nicht ganz so umfangreiche Titel ist Jod. Schlüssel zur Gesundheit von Kyra und Sascha Kauffmann, beide deutsche Heilpraktiker die sich schon länger mit dem Thema beschäftigen. Und wer nicht gleich Geld in die Hand nehmen will, findet bei Sott.net eine umfangreiche Zusammenfassung zum Thema Jod.

Wie viel Jod tatsächlich in eurem Körper ist, lässt sich übrigens nicht anhand eines Bluttests nachweisen. Man kann zwar den Jod-Wert bestimmen lassen, aber das ist wieder nur die halbe Wahrheit. Richtig aussagekräftig ist nur der Jodbelastungstest oder auch Jodsättigungstest genannt. Dafür nehmt ihr morgens 50mg Jod (Tabletten) und sammelt anschließend 24 Stunden lang euren Urin. Anschließend wird geschaut wie viel von den 50mg Jod drin sind, denn ihr wisst ja: Was der Körper nicht braucht, schmeißt er wieder raus. Man geht davon aus, dass bei einer Sättigung ca. 90% der 50mg wieder im Urin zu finden sind (der Rest nimmt der Darm auf). Sind es weniger, hat sich euer Körper total über das Jod gefreut und entsprechend einen mehr oder weniger starken Mangel.

Unser Vorgehen

Wir selbst nutzen Jod in Form der Lugol’schen Lösung (5%), haben uns aber auch gleichzeitig an die Regeln in den oben genannten Büchern gehalten und uns um die Unterstützung unserer Entgiftungsfunktionen gekümmert. Gut, das stimmt nicht ganz: Ich habe am Anfang etwas geschlampt und lag deswegen letztes Jahr zu Ostern ein paar Tage flach wegen besagter Entgiftungssymptome. Seit diesem Fehlstart kann ich Jod problemlos einnehmen. Gleichzeitig nutzen wir Jod auch hin und wieder in Diffusern, um damit die Luft im Haus und im Büro zu desinfizieren. Das hilft nicht nur bei meinem Asthma, sondern auch bei Erkältung (oder gegen Kollegen mit Erkältung, die trotzdem im Büro sitzen).

Das Kalorienzählen geht wieder los

Ja, ich gebe es offen zu: Ich bin wieder etwas dicker geworden. Und nein, es sind leider keine Muskeln. Im Gegenteil haben die seit der letzten Messung vergangenes Jahr tatsächlich abgenommen. Vermutlich, weil ich einige Monate lang hauptsächlich Kurse besucht und wenig „richtiges“ Krafttraining gemacht habe. Gleichzeitig habe ich mir offensichtlich wieder mehr Fett angefressen. Warum kann ich Schokolade auch überhaupt nicht widerstehen?! So komme ich logischerweise nicht endlich mal auf mein Normalgewicht.

Naja, die nächsten zwei Monate wird auf jeden Fall mal wieder intensiv dem Fett zu Leibe gerückt. Nein, wir haben keinen neuen Abnehm-Präventionskurs (Rückenschule steht im 1. Halbjahr an). Unser Fitnessstudio führt stattdessen eine „Transformation Challenge“ durch. Acht Wochen lang Intensivtraining mit 20 Personal-Trainer-Einheiten (à 20 Minuten) mit Elektro-Myo-Stimulationstraining (erkläre ich gleich), Ernährungsberatung (Stichwort „Kaloriendefizit“), alle zwei Wochen eine InBody-Analyse und die Chance 6 Monate beitragsfrei zu gewinnen, wenn man das Team mit der besten „Transformation“ am Ende ist. Ist nicht ganz billig die Angelegenheit mit 400€ pro Person (plus natürlich dem normalen Mitgliedsbeitrag) aber einzeln kostet die enthaltene Leistung wesentlich mehr. Außerdem sind Lysanda und ich durchaus frustriert damit, dass es bei mir nur maximal nach oben geht und bei ihr nur Stillstand herrscht. Also haben wir die Chance ergriffen mit zu machen – auch wegen der Möglichkeit mal EMS zu testen.

Training im Blaumann

Die Menschheit ist vermutlich schon immer auf der Suche nach der Wunderkur fürs Abnehmen. Am liebsten will man einfach auf der Couch liegen und dabei alle Chips-Kalorien gleich wieder verbrennen, die man dabei in sich reinstopft. Dass man hierfür auf Strom setzt, um die Muskeln zu stimulieren, ist nichts Neues und wird vor allem auf den unzähligen Shopping-Kanälen gerne als ultimatives Sportgerät verkauft (ohne echte Wirkung versteht sich). Strom zur Stimulation der Muskeln kommt aber tatsächlich beispielsweise bei Bewegungstherapien schon seit den 50igern zum Einsatz. Unser Gehirn macht technisch gesehen schließlich nichts anderes, wenn es Signale durch den Körper sendet insofern kann man sich das durchaus zu Nutzen machen.

„Mittlerweile“ (sind schon wieder ein paar Jahre) gibt es eine professionelle Sportvariante von EMS, die in die gleiche Kerbe schlägt und von immer mehr Fitnessstudios angeboten wird bzw. es gibt sogar Läden, die nur das machen. Bei uns kommt die Variante von EasyMotionSkin zum Einsatz. Dafür zieht man einen tollen, hautengen blauen Anzug an, der vollgestopft ist mit Elektroden. Über ein Tablet steuert euer Trainer diese aus der Ferne an und gibt auf die einzelnen Körperbereiche mehr oder weniger Strom während ihr euer normales Training durchführt. Das lastet die Muskeln vollständig aus und soll dadurch bis zu doppelt so viele Kalorien verbrauchen bzw. die 20 Minuten Training sollen so intensiv sein wie 1 1/2 Stunden ohne. Das Body Culture führt die Challenge wohl auch deswegen durch, um genau dazu mehr Erfahrungen zu sammeln.

EasyMotionSkin Promobild – Wir sehen (noch) nicht so fit aus :)

Kann natürlich nicht ganz ungefährlich sein, schließlich bekommt ihr technisch gesehen niederfrequente Stromschläge verpasst (vorher viel trinken und beim Warm machen ordentlich den Anzug vollschwitzen!). Außerdem wird bei EMS noch mehr als bei normalem Muskeltraining Creatin-Kinase im Körper produziert, was wiederrum zu einer Überlastung der Nieren führen kann, wenn man nicht gleichzeitig genug trinkt (=Entgiftung). Aber wir vertrauen erst einmal darauf, dass unser Trainer weiß was er tut und uns nicht zu Tode schockt. Damit schafft er schließlich kein Gewinnerteam :smile: . Für Gesunde und wenn man es nicht übertreibt (eben wie bei uns nur 2x pro Woche je 20 Minuten) soll es grundsätzlich aber nicht nur unbedenklich, sondern auch tatsächlich wirksam sein.

Das 1. Training

Vergangen Samstag hatten wir unsere erste EMS-Trainings-Einheit und ich muss sagen: Es war verdammt hart. Ich hab‘ ja schon meine Probleme mit dem funktionalen Training ohne noch zusätzlich Stromschläge zu bekommen. Das war aber definitiv noch einmal eine ganz andere Hausnummer obwohl bei mir die Elektroden „nur“ mit 25-30% Leistung arbeiteten während ich meine Kniebeugen, Liegestütze und dergleichen machen musste. Im ersten Moment fühlt es sich das Kribbeln so an, als würde einem der gesamte Körper einschlafen. Lysanda konnte sogar ihre Arme nicht mehr bewegen, weil sich bei ihr die Muskeln bei der Stimulation so angezogen haben. Die ist übrigens nicht dauerhaft, sondern kommt in Intervallen (bei uns waren es 6 Sekunden). Keine Ahnung, ob es das wirklich besser macht. Für mich fühlte sich genau dieser Moment wo der Strom kommt bzw. wieder verschwindet fast noch schlimmer an als die eigentliche Flussphase.

Die ganze Sache ist schon beim Stillstehen anstrengend, komisch und ja etwas unangenehm aber zumindest für mich nicht schmerzhaft. Nur als die Bauchelektrode bei einer Übung den Körperkontakt verlor, hab‘ ich einen kurzen Krampf bekommen. Ging danach gleich wieder aber sich dabei auch noch auf seine Übungen zu konzentrieren bzw. eigentlich eher zu zwingen diese durchzuführen ist entsprechend nochmal eine zusätzliche Herausforderung. Ich hoffe wirklich, dass das mit der Zeit etwas erträglicher wird :smile: . Während ich diese Zeilen schreibe habe ich auf jeden Fall einen mörderischen Muskelkater (vor allem in meiner Problemzone, der rechten Schulter) und heute haben wir schon die zweite Trainingseinheit. Aber wenn es am Ende tatsächlich was bringt, dann quäle ich mich selbstverständlich gerne. 17 Kilo Fett bauen sich leider nicht einfach so von selbst ab wie sie aufgebaut wurden. Und gewinnen wollen wir die Challenge selbstverständlich auch.

Mal schauen, ob wir das Schaffen. Drückt uns die Daumen und natürlich werde ich euch über das Ergebnis informieren!

Sicarius

Agenten des bunten Chaos

Da Lysanda letzte Woche überraschenderweise einen Eintrag (selbst) geschrieben hatte, kommen wir heute nun ohne viel Umschweife zum eigentlich angekündigten Thema:

Cover

Agents of Mayhem (2017; PC, XONE, PS4) – „Warum hat dieses Spiel keinen Koop-Modus?!“ dürfte wohl die häufigste Frage sein, die sowohl Kritiker als auch Spieler sich beim neusten Werk von Volition immer wieder gestellt haben. Und ja: Wenn nicht Agents of Mayhem, welches Spiel dann? Ähnlich wie im Puzzle-Titel Trine schlüpft ihr in drei Charaktere gleichzeitig zwischen denen ihr auf Knopfdruck wechselt und aus der Third-Person-Perspektive haufenweise L.E.G.I.O.N.-Soldaten (League of Evil Gentlemen Intent on Obliterating Nations) über den Haufen ballert. Euer Team stellt ihr aus insgesamt 15 Agenten (drei als DLC für je 5 Euro) zusammen, die jeweils völlig einzigartig sind beginnend von ihrem Aussehen und ihrer Hintergrundgeschichte bis hin zum Gameplay mit eigenen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen.

Hollywood, einer euer ersten Agenten, ist zum Beispiel ein alter Filmschauspieler und liebt es im Rampenlicht zu stehen (und hat entsprechende Bonus-Moves, die ihn „cool“ aussehen lassen). Er trägt ein Maschinengewehr bei sich, verschießt Granaten und seine „Mayhem“-Fähigkeit (eine Art „Ultimate“) versetzt ihn in seinen eigenen Michael-Bay-Film (passenderweise „Blockbuster“ genannt). Rama hingegen schwingt (Energie-)Pfeil und Bogen, ist auf der Suche nach einem Heilmittel für eine Seuche in ihrem Heimatland und macht eher wiederwillig bei M.A.Y.H.E.M. (Multinational Agency Hunting Evil Masterminds) mit. Außerdem lassen sich alle Agenten noch grob in drei Kategorien einteilen, um euch ein Stück weit dazu zu zwingen ein homogenes Team zusammenzustellen. So ist Hardtrack dank seiner Schrotflinte gut gegen gepanzerte Feinde während Fortune dank ihrer schnell schießenden Pistolen zügig feindliche Schilde herunter bekommt.

Agents of Mayhem (Herstellerbild)

Ja, Agents of Mayhem nimmt sich nicht ganz so ernst wie ihr anhand der Beschreibung von Hollywood vielleicht schon vermutet. Kein Wunder: Technisch gesehen ist es Teil des Saints Row-Universums. Ihr wisst schon: Dem GTA-Klon, der sich mit jedem Teil tiefer in die Absurdität stürzte und seine eigene Nische fand (und dem Webmaster unter anderem deswegen tausendmal besser gefällt als alle GTA zusammen). Vorsicht Spoiler! Am Ende von Saints Row IV sind die bösen Aliens zwar besiegt, die Erde aber zerstört. In Saints Row: Gat out of Hell werdet ihr im Finale dann vor die Wahl gestellt. Eine davon ist es die alte Erde wiederherzustellen. Damit werden zwar die Ereignisse der gesamten Saints Row-Reihe ausgelöscht aber sie und alle Menschen existieren wieder. Spoiler Ende Agents of Mayhem setzt auf diesem Ende auf. So gibt es zwar viele Andeutungen auf Saints Row (mit den DLC-Agenten Johnny Gat und Kinzie Kensington sogar zwei Charaktere) aber es ist eben nicht Saints Row V. Dennoch ist es zumindest spielerisch in gewisser Art und Weise die logische Fortsetzung nachdem im vierten Teil bereits Superkräfte ihren Einzug in das Universum gehalten haben – und im Prinzip sind die Fähigkeiten eurer Agenten nicht viel anders.

Die Spieltwelt

Die Handlung rund um Persephone Brimstone und ihr Kampf mit M.A.Y.H.E.M. gegen die bösen Welteroberer von L.E.G.I.O.N. spielt in einer Zukunftsversion von Seoul, in der ihr euch wie gewohnt frei bewegen dürft, um neben den zahlreichen Missionen auch noch anderen Tätigkeiten nachzugehen. Erfreulicherweise ist das Spiel in der Hinsicht nicht einmal ansatzweise so überladen wie manch ein anderer, aktueller Open-World-Titel. Zu sammeln gibt es sogar nur zwei Sachen: Kristalle mit denen ihr eure Agenten signifikant verbessern könnt sowie Kisten, in denen neben Baumaterial auch hin und wieder mal eine Autoblaupause versteckt ist. Ja, Fahren spielt anders als in Saints Row IV wieder eine größere Rolle. Statt euch aber zu zwingend die lahmen Zivilistenkarren zu benutzen, dürft ihr auf Knopfdruck euer sprechendes Agentenauto rufen und – wenn ihr an der richtigen Stelle steht – sogar stylisch einsteigen.

Agents of Mayhem (Herstellerbild)

Dass es nur so wenig zu sammeln gibt, ist allerdings gleichzeitig ein Negativpunkt, denn außerhalb der Missionen habt ihr relativ wenig zu tun. Es gibt ein paar Arten von Nebenevents wie z.B. das Erobern von feindlichen Stützpunkten oder das Befreien von Geiseln aber die macht man einmal und dann wiederholen sie sich immer und immer wieder – und zwar nicht nur im Inhalt, sondern sogar im Levelaufbau. Dragon Age II lässt grüßen. Das ist auf der einen Seite schade, auf der anderen könnt ihr euch so voll und ganz auf die Highlights des Titels konzentrieren (die Charaktere und ihre Geschichten) und seid trotzdem mindestens 20 Spielstunden voll beschäftigt (ich hab‘ aktuell circa sieben Stunden hinter mir und erst fünf Agenten freigeschaltet).

Neben den Storymissionen gibt es Episoden in denen ihr mehr über die Agenten erfahrt (vor allem, wie sie überhaupt bei Mayhem gelandet sind) und sie so überhaupt erst freischaltet. Vorangetrieben wird die Geschichte dabei vor allem mit schicken Zeichentrick-Filmchen, die zusammen mit dem Episodenaufbau, dem sehr bunten und übertrieben Look sowie dem bekannten Saints Row-Humor bewusst eine Art „Samstags-Morgen-Cartoon“-Feeling erzeugen. Leider geht das Erzählniveau mit seinen überzeichneten Klischeecharakteren gleichzeitig nicht über besagten Samstag-Morgen-Cartoon hinaus. Banausen werden zwar behaupten, dass die Saints Row-Spiele genauso wenig Tiefgang hatten aber diese Leute haben offensichtlich die Serie nie richtig gespielt und damit keine Ahnung. Es reicht zwar, um bei der Stange zu halten aber vor allem wenn man den Vergleich hat, dann schmerzt es doch sehr zu sehen wie wenig Volition mit seinem großen Kader an toll ausgearbeiteten Charakteren anfängt.

Das Gameplay

Neben der Hauptstadt Seoul gibt es noch eure Ark. Das ist die Schaltzentrale, in die ihr auf Knopfdruck zurückkehrt. Hier stellt ihr euer Team zusammen und verbessert es (neben den Kristallen, gibt es z.B. pro Levelaufstieg auch ganz normal Punkte zu verteilen), stellt Agenten für globale Missionen (nach x-Minuten gibt es eine Belohnung) ab, erforscht/kauft Gadgets wie riesige rollende Energiekugeln, konfiguriert euer Standardauto, ändert den Schwierigkeitsgrad in mehr als einem Dutzend Abstufungen (je höher, desto mehr Cash und Erfahrungspunkte gibt es für erfüllte Missionen – im Gegenzug sind die Gegner um einiges mächtiger) und so weiter und so fort.

Agents of Mayhem (Herstellerbild)

Die meiste Zeit verbringt ihr aber in Seoul und ballert was das Zeug hält. Die Kämpfe gehen wie von Saints Row gewohnt gut von der Hand, wenngleich die Masse an unterschiedlichen Fähigkeiten am Anfang etwas erschlägt und manche Agenten sogar erst mit einem höheren Level wirklich nützlich werden. Aber man gewöhnt sich dran, lernt in welcher Situation man zu welchem Charakter wechseln sollte und macht es schon bald ganz intuitiv und flüssig. Zwischendurch scannt ihr viel (ein Tastendruck), um die verstreuten Kisten mit Belohnungen sowie Nebenevents zu finden und betreibt einiges an Parkour, da der Titel ist sehr vertikal angelegt ist dank zahlreicher Hochhäuser, um besagte Kisten und Kristalle einzusammeln. Wie gut, dass jeder Agent von Haus aus einen Dreifachsprung hat.

Beim Christoph meint: Auch wenn ich den Koop-Modus sicherlich nie benutzt hätte, stimme ich doch zu, dass er Agents of Mayhem sehr gutgetan hätte. Könnte mir es absolut wie bei Trine vorstellen (alleine wechselt man zwischen den drei Charakteren – zusammen spielt jeder einen). Aber selbst ohne finde zumindest ich, dass Volition einen in vielfacher Hinsicht spaßigen Titel produziert hat. Ja, es ist kein Saints Row V und es wurde sehr viel Potential verschenkt. Es ist zudem definitiv nicht auf dem gleichen Niveau (vielleicht aufgrund von Zeit- und Budgetbegrenzungen?). Das gilt sowohl für die wenig mitreißende Geschichte (sie lebt einzig allein vom bunten Agentenkader), als auch beim Gameplay (der Großteil des Spiels besteht aus Kämpfen gegen austauschbare Feinde). Zusätzlich trübt die Liebe Technik das Bild, da doch so einige Bugs (inkl. Plotstoppern, die sich nur durch mehrmaliges Neustarten des Spiels umgehen lassen) selbst jetzt noch existieren und die PC-Performance trotz des eher durchschnittlichen Grafikniveau nicht wirklich gut ist.

Und doch: Dank der wirklich extrem unterschiedlichen Agenten und der vielfältigen Möglichkeiten wie selbst ein einziger Agent zusammengesetzt werden kann, sind die Kämpfe nie langweilig. Gleichzeitig ist die Verpackung trotz mangelndem Tiefgang bei der Geschichte stimmig und lädt zum Weiterspielen ein. Entsprechend habe ich den Kauf bislang nicht bereut. Als Budgettitel ganz klar einen Blick wert – nicht nur aber besonders für Fans des Saints Row-Universums. Wer allerdings immer noch nicht zumindest Saints Row III und Saints Row IV (da die Geschichte zusammenhängt, macht es keinen Sinn nur Teil 4 zu spielen) erlebt habt, sollte dies endlich mal nachholen und dann lieber erst einmal auf Agents of Mayhem verzichten.

So, da mein Mann aktuell wieder mehr spielt komme ich im Gegenzug dazu wieder mehr zu lesen neben dem anschauen von Onlinekongressen zu diversen Themen. Heute möchte ich euch einen Manga vorstellen, den ich zufällig schon vor längerem bei meiner jüngeren Schwester entdeckt habe. Er sprach mich tatsächlich so sehr an das ich ihn mir auf meine Wunschliste für Geschenke setzte und dann auch von meinem Mann bekommen habe (Yay, guter Sicarius).

Cover von Band 1

Momo – Little Devil von Mayu Sakai ist in Deutschland von 2010-2012 als Mangareihe mit 7 Bänden im Verlag Tokyopop erschienen. In Japan kamen die Bände bereits von 2009-2011 auf den Markt. Kosten pro Band waren mal 6,50€ – mittlerweile schwanken diese aber stark. Die Bände sind neu auch kaum zu bekommen. Dafür gibt es nun eine Neuauflage in drei Sammelbänden (2-3 Bände in einem), die euch pro Stück 9,95€ zurücksetzen. Ich bin allerdings kein Fan dieses Formats (anders als mein Mann…). Diese sind einfach zu dick und damit recht schwer um gut in der Hand zu liegen. Zudem hat man so nicht mal die Hälfte der farbigen Cover der Originalbände. Die Preise sind übrigens heutzutage relativ typisch für Mangas in Deutschland. Die Zeiten des früheren Einheitspreises von 9,95 DM pro Band sind vorbei. Und damit meine ich nicht nur die Umrechnung, sondern insgesamt werden die Preise mittlerweile durchaus unterschiedlich festgelegt.

Die Altersempfehlung für diese Serie liegt bei 13-16 Jahren aber auch mir als 30-Jährige hat das Lesen nach wie vor Spaß gemacht. Jeder Band hat knappe 200 Seiten und bietet neben der Hauptstory insgesamt zwei weitere Kurzgeschichten der Autorin, die überhaupt nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben sowie auf den letzten Seiten Fanarts und diverse Randbemerkungen. Typischerweise werden die Bände in japanischer Art von hinten nach vorne gelesen. Ich persönlich habe damit überhaupt keine Probleme und merke den Unterschied gar nicht mehr. Frei nach dem Motto: Wo ist das Cover und da wird losgelesen. Bei den ersten Mangas in Deutschland war das tatsächlich noch nicht so, die wurden beim Import rumgedreht. Mittlerweile macht sich aber kein Publisher mehr diese Arbeit.

Cover von Band 4

Der Inhalt

In Momo – Little Devil wird die Geschichte von der Highschool-Schülerin Yume Odagiri erzählt. Sie selbst hält sich für nichts Besonderes. Zudem ist ihre familiäre Situation eher schwierig, da ihre Mutter bereits vor Jahren abgehauen ist und ihr Vater sie nun ebenfalls (mal wieder) allein zurückgelassen hat, um den Schuldeneintreibern zu entgehen. Yume begegnet nun an ihrem 16. Geburtstag dem kleinen Mädchen Momo. Das verändert – wie sollte es auch anders sein – ihr Leben von Grund auf. Momo erwählt Yume nämlich zur Repräsentantin der Erde, die ihr sieben Gründe nenne soll, warum die Erde es wert ist nicht zerstört zu werden. Momo selbst bezeichnet sich nämlich als Teufel, der nur deshalb hier ist, weil er genau das vor hat. Einfach nur sieben Gründe runter zu rasseln ist aber nicht die Lösung. Yume soll Momo sieben Mal eine Freude bereiten. Und um die Sache noch ein wenig schwieriger zu gestalten, gibt es auch noch ein Zeitlimit von 2 Jahren – also bis zu Yumes 18. Geburtstags.

Die beiden Hauptcharaktere sind an erster Stelle Yume und dann natürlich Momo. Yume selbst ist ein einfaches Mädchen das sich in der Geschichte immer weiterentwickelt und durchaus zu neuen Erkenntnissen gelangt. Aber auch Momo entwickelt sich stetig weiter und wir erfahren immer mehr über ihre Vergangenheit als Satan. Zudem gibt es durchaus einige weitere Charaktere wie Kanaka (der Sandkastenfreund von Yume) sowie Nanagi und Sanari (Momos Begleiter) – um nur ein paar zu nennen. Auch sie erhalten ausreichend Raum und spielen durchaus entscheidende Rollen nicht nur aber besonders im Finale.

Der Stil

Ein Manga lebt aber nicht nur wie ein gutes Buch von seinen Charakteren, sondern vor allem auch von seinen Bildern, ausgeschriebenen Geräuschen und einer guten Übersetzung. Im Falle von Momo – Little Devil finde ich den Zeichenstil von Mayu Sakai insgesamt sehr gelungen. Ihre Bilder sind sehr fein, detailliert und, anders als bei manchen anderen Autoren, verändert sich der Stil auch bis zum letzten Band nicht. Ihre Werke erinnern an die Manga-Zeichnerin Arina Tanemura (u.a. Kamikaze Kaito Jeanne) was aber durchaus nicht schlecht ist und Vorbilder haben wir schließlich alle. Während ich mir aber bei Fr. Tanemura echt schwer tue noch zu wissen wer nun wer ist, ist bei Sakai die Wiedererkennung der Charaktere kein Problem.

Cover von Band 7

Insgesamt liest sich der Manga flüssig und auch an der Übersetzung gibt es nichts auszusetzen. Zudem wurden bestimmte Ausdrücke berücksichtigt wie das typische „Jawollja“ von Momo. Dafür gibt’s ein Lob an die Übersetzerin Rosa Vollmer.

Beim Christoph meint: Von mir erhält Momo – Little Devil 4 von 5 Sics. Die Zeichnungen und Charaktere sind insgesamt sehr stimmig und die Geschichte durchgehend spannend und es kommt auch zu unerwarteten Wendungen. Yume hat mal mehr mal weniger Mühe Momo eine Freude zu bereiten. Ebenfalls kommt Yumes Leben selbst nicht zu kurz. Besonders der Aspekt mit den Freuden als Gründe, dass die Erde weiter bestehen darf ist sehr interessant und gibt dem Leser viele nachdenklich machende Fragen für sein eigenes Leben mit. Wer von uns achtet z.B. überhaupt noch darauf was einem selbst wirklich Freude bereitet? Nehmen wir das noch wahr oder beschäftigen wir uns nur mit Problemen und den Dingen, die wir nicht haben? Wo liegen überhaupt unserer Prioritäten? Würden wir alles stehen und liegen lassen um die Welt zu retten? Könnten wir das überhaupt? Und dann noch die wohl schwierigste Frage: Wie macht man jemandem überhaupt eine Freude? Muss es immer ein Geschenk sein oder gibt es nicht auch viele andere Möglichkeiten?

Allerdings ist auch hier – wie so häufig in allen Medien – das Finale viel zu kurz. Ich habe die letzten paar Seiten mehrfach durchgesehen und finde das Ende nach wie vor zu sehr angedeutet. Da fiebert man sieben Bände lang mit den Charakteren mit und könnte durchaus einen weiteren Band lesen und dann ein so kurzes Ende. Die zwei Bonusstorys waren ebenfalls eher Mittelmaß. Da hätte mir eine Sidestory oder richtiger Epilog zur Hauptstory oder etwas in der Art doch besser gefallen als zwei aus der Luft gegriffene Kurzgeschichten.

Ein Stapel neuer alter Spiele

„Schon wieder ein Eintrag über Spiele?! Das ist ja DER Wahnsinn! Ich hatte schon befürchtet, der Webmaster sagt uns schon wieder warum wir alle sterben werden oder so…“

Ihr seid aber auch immer so nett zu mir, liebe Besucher. Aber ja, heute geht es tatsächlich schon wieder um Spiele. Sogar um etwas Aktuellere als beim letzten Mal, denn wie im Eintrag erwähnt übergab am Donnerstag der DHL-Bote mal wieder ein Paket Spiele an mich – verschickt von OkaySoft! Richtig erkannt: Die gibt es immer noch und der Service ist weiterhin so hervorragend wie ich ihn in Erinnerung hatte. Haben sogar Anfang des Jahres ihre Seite modernisiert (endlich Filter und eine Bestellübersicht!). Lohnt sich also vorbeizuschauen, nicht nur wenn es wie in meinem Fall um ältere Sachen geht, die mitunter die großen Shops gar nicht mehr haben (oder nur für Sündteuer).

Die Lieferungen

Aus der Packstation habe ich hingegen seit langem mal wieder neue harte Ware geholt. Allerdings nur ein Netzteil (CoolerMaster V650 in der vollmodularen Variante für ca. 115 Euro), weil mein CoolerMaster Real Power M700 nach zehn Jahren irgendwie einen Knacks bekommen hat (vermutlich durch 1-2mal zu viel rausgeflogene Sicherungen) und unter Last sehr, sehr laut geworden ist. Dachte zwar zuerst die Grafikkarte wäre der schuldige, aber bei genauerem Hinhören war es tatsächlich das Netzteil. Garantie gibt es bei CoolerMaster nur bis maximal fünf Jahre deswegen habe ich mir nun ein Neues geholt. Der Rechner ist jetzt nicht nur wieder schön leise: Das neue Netzteil dürfte auch wesentlich effizienter sein als das alte und damit der Stromverbrauch niedriger (vom etwas weiter reduzierten Kabelsalat im Gehäuse ganz zu schweigen). Eigentlich wird es mal wieder Zeit für ein komplettes Rechnerupdate aber die Grafikkartenpreise sind grad absolut unbezahlbar aufgrund der Mining-Problematik und als mittlerweile nur noch Wochenendspieler muss ich Lysanda zustimmen, dass es sowieso einfach keinen großen Sinn macht. Da können wir das Geld für andere Sachen wesentlich besser gebrauchen (z.B. aktuell mal wieder Heizöl, wenn die Preise hoffentlich erneut sinken).

Jetzt wollt ihr aber natürlich ganz dringend erfahren, was ich denn alles an PC-Spielen bei OkaySoft gekauft habe (obwohl ihr es rechts auf dem Bild sicherlich schon gesehen habt). Nun, wie gesagt Call of Duty: Black Ops III und Call of Duty: Infinite Warfare. Sogar beides noch in der Day One Edition (aber ohne Call of Duty 4: Modern Warfare Remastered). Immer ein gutes Zeichen dafür, wie „gut“ sich die Spiele verkauft haben, wenn man so viele Jahre nach Release noch die Erstauflage bekommt… Außerdem Act of Aggression (Reboot Edition, Plants vs. Zombies: Garden Warfare 2, Shadowrun Chronicles: Boston Lockdown (sollte mal ein MMORPG werden, aber der Kickstarter ist gescheitert, deswegen nun eine Art XCOM mit globaler Koop-Lobby), GTA V (auch wenn meine Hardware sicherlich nicht ausreicht), The Witcher 3: Wild Hunt (GOTY) (auch hier reicht meine Hardware nicht aus), Dishonored: Der Tod des Outsiders (obwohl ich Teil 2 erst angefangen habe), Resident Evil 7 (Gold Edition) (hab‘ weder Teil 5 noch Teil 6 bislang durch), Ghost Recon: Wildlands, Agents of Mayhem (als Saints Row-Fan musste ich es endlich haben – mehr dazu in einem anderen Eintrag) sowie den Titel, der unser heutiges Hauptthema ist:

Cover

Homefront: The Revolution (2016; PC, XONE, PS4) – Das erste Homefront hat mir damals sehr gut gefallen – besser als alle Call of Duty zu der Zeit (und auch danach). Ja, es hatte genauso seine Probleme (z.B. sehr kurz und linear) aber dafür versprühte es extrem viel Atmosphäre in allen Bereichen und ich kann es immer noch jedem ans Herz legen! Entsprechend gespannt war ich auf Teil 2, der anfangs auch von den Kaos Studios kommen sollte. Leider ging es mit dem Publisher THQ zu der Zeit relativ zügig bergab und die Entwickler wurden geschlossen. Die Marke ging anschließend an Crytek und die wollten kein lineares, storylastiges Homefront 2 wie Kaos Studios es geplant hatten, sondern wie gefühlt jeder heutzutage eine offene Welt. Damit stand die Grundidee von Homefront: The Revolution fest. Bis zum Release im Jahr 2016 vergingen allerdings noch einige Jahre, denn Crytek hatte bekanntlich genauso seine finanzielle Probleme. Am Ende landete es bei Deep Silver und ihrem Inhouse-Entwickler Dambuster Studios (ehemals Crytek UK und davor Free Radical Design – die Macher von TimeSplitters). Das Ergebnis kam weder bei den Kritikern noch den Spielern wirklich gut an – eine Meinung, die ich nach den ersten vier Spielstunden leider teilen muss. Fangen wir aber wie immer ganz am Anfang an:

Homefront: The Revolution (Herstellerbild)

Homefront: The Revolution ist, wie der Name schon impliziert, kein zweiter Teil. Stattdessen ist eine Art Reboot mit der gleichen Grundidee: In einer alternativen Geschichte haben die Nordkoreaner Amerika erobert. In der Version von Dambuster Studios haben sie dafür in den 70igern angefangen mittels ihrer APEX Corporation den amerikanischen Markt (inkl. Militär) mit ihren hochwertigen Elektronikprodukten zu überschwemmen. Da es aufgrund von mehreren Kriegen den Amis sowieso schon nicht gut geht, haben sie durch die Waffenkäufe bei APEX auch noch riesige Schulden angehäuft. Als sie diese nicht mehr bedienen können, fällt Nordkorea in Amerika ein, indem sie die geheime Backdoor in ihrer Elektronik aktivieren und alles lahmlegen. Anfangs gaben sich die Koreaner noch ganz lieb und nett, aber mittlerweile (2029) ist Amerika ein totalitärer Polizeistaat geworden. Und wie es mit unterdrückten Menschen immer so ist, wollen die das nicht mehr akzeptieren (unverantwortlich sowas!) und rebellieren. Ihr spielt Ethan Brady, einen der ganz neuen, aufstrebenden Revoluzzer in der Stadt Philadelphia.

Spielwelt hui, Gameplay pfui

Wie erwähnt war es die Atmosphäre, die mir damals am ersten Teil richtig gut gefallen hatte. Amerika und die Menschen darin waren sichtbar heruntergekommen und zwar nicht auf die künstliche Art und Weise, wie es Call of Duty macht wo selbst total zerstörte Städte unwirklich daherkommen, sondern eben so wie man es sich vorstellt. Homefront: The Revolution schlägt da tatsächlich in die gleiche Kerbe. Philadelphia sieht nicht nur wie eine reale, heruntergekommene Stadt aus – sie fühlt sich auch so an. Und die Charaktere wirken (vor allem dank der CryEngine) nicht weniger lebensecht und sind von der Okkupierung sichtbar gezeichnet. Die Menschen kämpfen spürbar ums Überleben und man ist nicht einfach nur Zuschauer in einer nachgeahmten Apokalypse, sondern bekommt „echte“ Gefühle und Emotionen zu sehen – zumindest die meiste Zeit. Leider machen die technischen Probleme selbst die stärksten Szenen mitunter kaputt. Beispielsweise wenn Charaktere versuchen euch anzuschauen aber euer Kopf anscheinend in der Decke steckt und entsprechend nur noch das weiße in den Augen zu sehen ist, Gegner stupide gegen die Wand laufen (und nach dem Ableben gerne mal drin stecken bleiben) oder Rebellen erst locker ihre Waffe an der Köperseite tragen und dann „wusch“ vor sich halten statt eine fließende Bewegung auszuführen.

Homefront: The Revolution (Herstellerbild)

Darüber könnte man freilich hinwegsehen, wenn der Rest des Spiels durchweg auf hohem Niveau wäre. Aber wie erwähnt, wollten die Entwickler UNBEDINGT eine offene Welt. Und dann nicht nur eine offene Welt, sondern auch noch eine, wo die Karte vor lauter Symbolen schon fast keine Straßenführung mehr zeigt. Man kann viel über lineare Spielerlebnisse schimpfen aber bislang gab es aus meiner Sicht nur sehr, sehr wenige Spiele mit einer offenen Spielwelt, die es geschafft haben trotzdem eine gute und intensive Geschichte zu erzählen (Assassin’s Creed II z.B.). Homefront: The Revolution gehört eindeutig nicht dazu. Ja, natürlich passen die meisten Gameplay-Elemente wie die KAP sabotieren, Stützpunkte einnehmen oder den Einwohnern helfen in die Idee eine Revolution anzuzetteln. Aber aufgrund der Masse an Tätigkeiten und der dadurch verbundenen ewigen Wiederholungen und langen Laufzeit zwischen den eigentlichen (intensiven und ganz gut gelungenen) Story-Missionen, geht jedes bisschen Spannung sofort flöten. Schlimmer noch: In den sogenannten gelben Zonen will das Spiel eigentlich, dass man sich versteckt, schleicht und heimlich seine Ziele erfüllt. Die Realität sieht so aus, dass ich mich waffenstrotzend ins Gefecht stürze, ganze Armeen auslösche und nur hin und wieder verstecke.

Nervig

Ich ballere nicht alles ab was ich sehe, weil ich es bevorzuge. Ich würde ja nach den Regeln der Entwickler spielen. Wenn man nur von A nach B will nerven die Straßenschlachten schon ein wenig, da in der gelben Zone ALLE Wachen in der Zone alarmiert werden. Aber es geht einfach nicht anders. Die Feinde sehen einen zu schnell und verbleiben viel zu lange in der Region während man sich versteckt. Sprich selbst wenn ich versuche einen auf Schleichen zu machen, verbringe ich entweder gefühlte Stunden damit sinnlos zu warten oder werde beim Verlassen meines Verstecks sofort wiedergesehen und es wird erneut Alarm ausgelöst. Das macht keinen Spaß. Dann lieber rücksichtslos ballern – zumal das eigene Ableben keine echten Konsequenzen hat. Entweder es wird innerhalb einer Story-Mission der letzte Checkpoint geladen oder man wacht im nächstgelegenen Safehouse auf und verliert nur ein paar geldbringende aber völlig austauschbare Gegenstände, die man gesammelt hat.

Immerhin sind die Schießereien insgesamt ganz spaßig. Die Waffen haben rums, es gibt eine große Auswahl (ihr könnte jede Hauptwaffe mehrfach umbauen sowie Sachen anbringen) und wenn die KI nicht gerade in eine Wand rennt, agiert sie tatsächlich halbwegs Intelligent mit Flankiermanövern und gemeinsamen Vorstößen. Außerdem ist wie gesagt die Stadt sehr schön gestaltet, bietet viel vertikalität und es gibt immer verschiedene Möglichkeiten an die Sache heranzugehen.

Homefront: The Revolution (Herstellerbild)

Beim Christoph meint: Ich hätte wirklich sehr gerne das Homefront 2 von Kaos Studios gehabt. Homefront: The Revolution zeigt zwar die Ansätze der Dinge, die den Vorgänger so gut gemacht haben vor allem was die Atmosphäre angeht. Aber sagen wir es wie es ist: Die offene Welt macht das komplette Konzept kaputt. Die technischen Unzulänglichkeiten sind da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Dem Titel hätte es so viel besser getan, wenn die Entwickler ausgemistet hätten. Es müsste ja nicht völlig linear sein. Das Konzept der Zonen beispielsweise hätte man sicherlich lassen können. Aber manchmal ist weniger definitiv mehr. Weniger Wiederholungen in den Sachen, die man für die nächste Hauptmission machen muss und mehr Konzentration auf das Wesentlich in Form von Story und den Charakteren und schon wäre es ein Hit.

In der veröffentlichten Form kann ich hingegen absolut nachvollziehen, warum ich noch eine Day One Edition bekommen habe. Auch von mir gibt es keine Kaufempfehlung. Ich werde es zwar weiterspielen, weil ich wissen will, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Aber wenn ihr diesen Titel selbst auf dem Ramschtisch links liegen lasst, bin ich euch absolut nicht böse drum. Dann doch lieber Homefront nachholen!

« Vorherige Seite - Nächste Seite »