Bald sieben Jahre ist es her, dass ich mein Konsumverhalten in Bezug auf Videospiele komplett umgekrempelt habe und vom Hype-Zug abgestiegen bin. Und ich kann weiterhin sagen: Es war definitiv die richtige (und viel zu späte) Entscheidung die Welt der Day-1-Käufe hinter sich zu lassen. Man hat einfach nichts davon. Für den Backlog reicht mittlerweile vermutlich nicht einmal mehr ewiges Leben aus, man bezahlt einen viel höheren Preis und es gibt gefühlt sowieso nur noch sehr wenige Spiele die am ersten Tag tatsächlich fertig sind. Damit meine ich nicht nur Bugs und technische Problem, sondern auch DLCs und “Enhanced Editions”, die nicht gerade meine Motivation fördern direkt loszulegen. Ja, Ausnahmen wie DOOM Eternal bestätigen die Regel. Da sind die DLCs aber wenigstens komplett separat und nach Ende des Hauptspiels angesiedelt. No Man’s Sky hingegen? Jeder Zeitpunkt damit anzufangen scheint der Falsche zu sein… Und selbst Psychonauts 2: Kaum hatte ich es mit 100% Achievements abgeschlossen kam ein Quality-of-Life-Patch, der die Suche nach den Collectibles extrem vereinfacht hat. Nett von den Entwicklern, verschenkte Lebenszeit für mich, der so einige Stunden mit Hilfe von Listen und Videos herumhantiert hat, um auch das letzte Figment zu finden. Doch über das ganze Thema hatte ich ja schon 2018 philosophiert.

Was ich eigentlich einfach nochmal sagen wollte: Mir geht es ehrlich gesagt ganz gut damit einfach nur zu spielen worauf ich Bock habe, unabhängig von der Welt um mich herum. Ich weiß, eine wahnsinnig tiefgründige Erkenntnis. Aber hey: Das war mal anders! Mittlerweile ist mir die Welt viel zu Schnelllebig geworden. Jeden Tag wird mittlerweile eine andere Spielesau durchs Dorf getrieben. Und meinen “Sammel-Fix” hole ich mir halt, indem ich (fast) jedes digitale Bundle kaufe, was mir unter die Finger kommt. Was aber natürlich nicht heißt, dass ich aktuelle Titel komplett ignoriere. Ein bisschen Interesse ist grundsätzlich schon noch da und für Co-Optimus (ja, spiele dort weiterhin den fleißigen Database Manager) muss ich freilich auch Up-to-Date sein. Lasst uns also heute mal wieder einen kleinen Blick in die Zukunft werfen. Genauer gesagt in das vollgepackte 1. Quartal des Jahres 2022. Die meisten Links führen zu Amazon, denn es gibt tatsächlich größtenteils eine physische Box – zumindest für die Konsolenfassungen. PC wird mittlerweile größtenteils ignoriert in der Hinsicht (ein Grund mehr, warum für mich Day-1-Käufe uninteressant geworden sind) :sad: .

Weird West (Herstellerbild)

Weird West (11.01.2022; PC, XONE, PS4) – Das Erstlingswerk von WolfEye Studios. Von Interesse nicht nur aber vor allem, weil die Gründerväter von Arkane Studios stammen. Darunter Raphaël Colantonio, der das französische Studio anno 1999 gegründet hatte und 2017 nach dem Release von Prey hinter sich ließ. Ich könnte ja jetzt böse sein und sagen, dass man das Fehlen dieses kreativen Kopfes durchaus in der Qualität von Deathloop merkt und stattdessen klar die Fingerabdrücke vom neuen Eigentümer ZeniMax sieht. Aber den Titel habe ich bislang noch nicht gespielt. Insofern steht mir noch keine Meinung zu :smile: .

Mit Weird West wird hingegen zwar die Ego-Perspektive verlassen, dennoch soll es erneut eine “Immersive Sim” werden mit einem guten Mix aus Action und RPG. Das Setting: Eine alternative Version des Wilden Westen mit Charakteren, die sich in Monster verwandeln können. Besonders interessant klingt wie die Geschichte erzählt werden soll. Zum einen versprechen die Entwickler, dass jeder Durchgang komplett einzigartig sein soll, da sich das Spiel automatisch an eure Aktionen anpasst mit dem Ziel die perfekte Dramaturgie aufzubauen. Also keine Langweile im zweiten Akt, weil ihr beispielsweise im ersten schon alles erledigt habt und sowas. Außerdem schlüpft ihr abwechselnd in die Rolle von mehreren Charakteren mit einer Zusammenführung erst ganz am Ende. Dieses Vorhaben könnte massiv in die Hose gehen aber auch ein absoluter Knaller werden. Aber aufgrund der Reputation der Beteiligten bin ich in diesem Fall tatsächlich ziemlich optimistisch.

Rainbow Six Extraction (20.01.2022; PC, XONE, XSX, PS4, PS5) – Mir gehen Trends sowas auf den Geist. Ja, Ubisoft kann nichts dafür, dass jetzt plötzlich der Markt mit Koop-Shootern überschwemmt wird (Back 4 Blood und Aliens: Fireteam Elite sind nur die prominentesten Vertreter derzeit). Das erste Outbreak-Event fand schließlich bereits 2018 in Rainbow Six Siege statt, auf dem Rainbow Six Extraction basiert. Aber irgendwie schaffen sie es doch jedes Mal wieder zu spät auf den Zug aufzuspringen. Vielleicht finden die Franzosen trotzdem ihre Nische. Die Idee das äußerst taktische und methodische Spielprinzip eines Rainbow Six Siege mit Left 4 Dead zu verbinden klingt auf jeden Fall interessanter als sich zum xten Mal durch Horden von Zombies/Aliens/was auch immer zu ballern, um zum nächsten Checkpoint zu gelangen.

Zur Erinnerung: Ihr seid als Dreierteam von Operatoren in von Aliens versuchten Umgebungen unterwegs. Eine Mission ist aufgeteilt in drei Levels, in denen ihr jeweils ein Ziel erreichen müsst wie z.B. einen Computer hacken oder eine Probe sammeln. Habt ihr das Ziel auf einer Karte erfüllt, dürft ihr entscheiden ob ihr ins nächste, schwierigere Level wechselt mit der Chance auf eine noch bessere Belohnung oder doch lieber mit eurer bisherigen Beute zurückkehrt in die Basis. Interessant klingt auch die Idee, dass euer Charakter für ein paar Einsätze ausfällt, wenn er tödlich verwundet wird. So wollen euch die Entwickler quasi zwingen den gesamten Pool der 18 Operatoren (die meisten aus Rainbow Six Siege bekannt) und ihre unterschiedlichen Fähigkeiten zu nutzen. Hoffen wir also mal, dass es Ubisoft nicht am Ende doch noch in den Sand setzt.

ELDEN RING (Herstellerbild)

ELDEN RING (25.02.2022; PC, PS4, PS5, XONE, XS) – Es sieht aus wie Dark Souls nur schicker. Ernsthaft. Ich weiß, dass ist alles, was die Fansvon From Software wollen und es wird garantiert wieder großartig und erfolgreich werden (der Network Test am Wochenende wurde ja schon überrannt). Und obwohl es auf der Oberfläche vielleicht so aussieht, stagniert die Serie noch nicht. Es gibt auch spielerisch wieder einige interessante Neuerungen wie z.B. eine komplett offene Welt und den Kampf zu Pferd. Aber wir brauchen uns alle keine Illusionen machen, dass Elden Ring großartig irgendwas anderes wäre als die konsequente Fortsetzung von Hidetaka Miyazakis bisherigem Lebenslauf. Finden wie gesagt Millionen von Spielern toll und kann ich komplett nachvollziehen. Aber mich lockt es nicht so wirklich hinter dem Ofen hervor.

Saints Row (25.02.2022; PC, PS4, PS5, XONE, XS) – Nein, es wird nach aktuellem Stand kein Day-1-Kauf für mich. Ich war und bin auch immer noch ein extrem großer Fan der Serie (speziell Teil 3 und 4). Aber wie so viele Fans bin ich trotz der riesigen Informationsflut von Deep Silver und Volition noch nicht so wirklich überzeugt. Ja, Teil 4 war völlig abgedreht und es wäre sicherlich schwer gewesen daran anzusetzen. Aber entsprechend schwer hat es ein Reboot bei mir einen Fuß in die Tür zu bekommen. Und dann ist es eine “Origin-Story”. Als hätten wir davon nicht schon genug in unseren Unterhaltungsmedien. Ja, ne da bin ich definitiv äußerst skeptisch ob das wirklich so viel Laune bereitet wie Teil 4. Immerhin scheint es grundsätzlich spielerisch nicht von den gewohnten Pfaden abzuweichen, wenn ich mir so die Gameplay-Videos anschaue. Es wird also höchstwahrscheinlich “nur” die Frage sein, wie sehr mich am Ende des Tages die Charaktere und die Geschichte mitreißen. Insofern: Kaufen und spielen auf jeden Fall aber vermutlich erst einige Zeit nach Release.

ELEX II (Herstellerbild)

ELEX II (01.03.2022; PC, PS4, PS5, XONE, XS) – Es sind schon wieder vier Jahre seit Teil 1 vergangen? Wird wohl doch mal Zeit, dass ich mich ernsthaft damit beschäftige. Ich hatte nach dem Ende Risen 3: Titan Lords mal kurz reingeschaut aber zu viel Piranha Bytes hintereinander ist nicht gut – zumindest, wenn es nicht die Kombination aus Gothic und Gothic II – Die Nacht des Raben ist. ELEX II also. Erwartungshaltung? Nun, ein Piranha Bytes-Spiel halt. Habe nicht das Gefühl, dass die Essener in der Lage sind jemals etwas anderes zu produzieren :smile: . Sprich eine gut gemacht und detaillierte Welt vollgepackt mit halbwegs normalen Leuten aufgeteilt in drei Fraktionen die jeweils einen anderen Kampfstil benutzen. Und natürlich müsst ihr Aufgaben erfüllen, euch einer dieser Fraktionen anschließen und am Ende die Welt retten. Nochmal: Ich erwarte einen Piranha Bytes-Titel. Nicht weniger aber auch nicht mehr. Ein solides Euro-RPG mit vielen Ecken und Kanten und nur sanften Innovationen im Vergleich zum Vorgänger aber grundsätzlich nichts großartig anderes als alles, was sie seit 2001 rausbringen. “Comfort-Food” würde man im Englischen sagen. Und ja, sie sollten ihre Formel endlich mal grundsätzlich überdenken. Irgendwann haben bestimmt selbst die absoluten Hardcore-Fans mal genug…

Gran Turismo 7 (04.03.2022; PS4, PS5) – Ich kann mit reinen Hochglanz-Racern nichts anfangen. Das ist grundsätzlich nichts Neues und wird sich mit dem langerwarteten siebten Teil der Serie ganz sicher nicht ändern. Ja, Teil 6 kam 2013 noch für die PlayStation 3 auf dem Markt. PlayStation 4-Nutzer konnten sich nur über das “Spin-off” Gran Turismo Sport anno 2017 freuen. Aber geile Grafik weiß ich selbstverständlich zu schätzen und, auch wenn ich das Gameplay absolut langweilig finde im Vergleich zu einem Forza Horizon oder GRID – was die Optik anging hat Polyphony Digital in der Vergangenheit einen immer aus den Socken gehauen. Mit der Betonung auf “in der Vergangenheit”, denn die Trailer zu Teil 7 hauen mich absolut nicht vom Hocker. Okay, das mag etwas hart klingen. Natürlich ist es viel detaillierter als der Vorgänger und simuliert haufenweise Licht-, Schatten- und Spiegel-Effekte, die es früher so nicht gab und so weiter und so fort. Aber trotzdem war meine “Next Gen”-Erwartung irgendwie eine andere. Quasi ein weiterer Schritt Richtung ultimativen Foto-Realismus. Die Spielszenen sehen hingegen für mich genau so aus: Wie Szenen aus einem Spiel. Nur der Fotomodus kommt an das heran, was ich mir vorgestellt hatte. Naja, vielleicht dann Teil 8 :smile: .

Stranger of Paradise: Final Fantasy Origin (Herstellerbild)

Stranger of Paradise Final Fantasy Origin (18.03.2022; PC, PS4, PS5, XONE, XS) – “Äh, wat?” war meine erste Reaktion auf die Ankündigung dieses Titels. Und dann nochmal als diese Zwischensequenz an die Öffentlichkeit kam, in der der Held Limp Bizkit auf seinem Smartphone abspielt… Aber weder Final Fantasy im Speziellen noch Entwickler Team Ninja im Allgemeinen sind bekanntlich Verrücktheiten gegenüber abgeneigt. Insofern einfach mit der Schulter zucken und akzeptieren :smile: . Zumal das grundlegende Konzept für dieses Action-Rollenspiel schon grundsätzlich relativ schräg ist. Und zwar handelt es sich um eine Reinterpretation des allerersten Final Fantasy.

Statt wie im Original die Rolle von vier Kriegern des Lichts zu übernehmen und die Welt zu retten, schlüpft ihr in die Schuhe von Jack Garland. Einem eiswürfel-pinkelnden Typen aus einer anderen Dimension, der sich der Jagd nach dem Chaos (ein ultramächtiger Krieger) verschrieben hat. An seiner Seite sind Ash und Jed. Wer das Original von 1987 kennt, wird jetzt sicherlich ein wenig verwirrt sein, denn Garland hieß der böse Ritter, der zum Erzdämonen namens Chaos wurde. Aber wie gesagt: Es handelt sich nicht um ein Remake. Cool wäre es aber natürlich trotzdem, wenn hier am Ende doch eine Art von Twist passiert in Bezug auf die Namensgleichheit und so. Zeitreisen/Dimensionssprünge und sowas waren ja schon damals ein Teil des Spiels. Inhaltlich beschränken sich die Entwickler aber wohl nicht nur auf Teil 1, sondern ziehen Inspiration aus allen bisherigen Spielen der Serie. Klingt also wie (fast) alles mit Final Fantasy im Namen grundsätzlich total interessant. Und mit Action kennt sich Team Ninja auch ganz gut aus. Bin entsprechend echt gespannt, was uns da am Ende erwartet.

 

So viel nun zu zumindest sieben der Titel, die uns im 1. Quartal 2022 erwarten. Es kommen natürlich noch viel, viel mehr nicht nur im AAA-Bereich. Früher habe ich in diesen Einträgen deshalb immer gleich zwölf abgehandelt. Ich hatte mir auch entsprechend noch Dying Light 2: Stay Human (04.02.2022), Tiny Tina’s Wonderland (25.03.2022), Horizon Forbidden West (18.02.2022), Total War: Warhammer III (17.02.2022) und Dynasty Warriors 9 Empires (15.02.2022) aufgeschrieben. Aber ich muss einfach ehrlich zugeben: Zu denen habe ich irgendwie nicht so wirklich was zu sagen. Sind halt alles Fortsetzungen, welche die grundlegende Formel nicht großartig verändern, sondern hauptsächlich verfeinern, vergrößern und verschönern wollen. Macht sie nicht schlechter und ich gehe davon aus, dass es gute bis sehr gute Spiele werden. Es macht es aber für mich aktuell schwer irgendeine kluge Meinung dazu zu haben :smile: . Lasst mich also lieber den Eintrag an dieser Stelle beenden und weiter Ghost Recon: Wildlands spielen. Noch zwei DLCs, dann habe ich es endlich durch (schon über 68 Stunden darin versenkt…).

Unsere Vierbeiner nutzen auch Videochat

Der heutige Eintrag wird vermutlich nur für einen kleinen Teil von euch (und Google) von Interesse sein. Aber Lysanda lag es am Herzen diese Informationen mal irgendwo verständlich festzuhalten, denn Facebook ist echt nicht zu gebrauchen in Sachen Transparenz (“Wie funktioniert das?”), Standards (“Wieso funktioniert das in der Smartphone-App aber nicht am Desktop?!”) und Beständigkeit (“Vorgestern funktionierte das noch so?!”). Speziell letzteres ist ein ständiger Nervfaktor. Jedes Tutorial, das man im Internet findet, ist im Prinzip schon am Tag der Veröffentlichung veraltet. Wir versuchen es heute trotzdem. Dementsprechend schon einmal der Disclaimer: Alles was hier steht ist Stand 8. November 2021.

Ich persönlich habe weiterhin keinen Facebook-Account auch, wenn Meta (was für ein bescheuerter Name) vermutlich trotzdem haufenweise Informationen über mich besitzt und auf irgendeinem Server lagert. Immer in der vagen Hoffnung, dass ich mich doch irgendwann mal anmelde. Aber, wenn man wie Lysanda Dienstleistungen online anbietet kommt man scheinbar nicht darum herum dort eine Präsenz zu haben und zu pflegen. Vom eigenen Profil über die Unternehmensseite bis hin zu spezialisierten Gruppen – der Aufwand ist enorm will man gesehen werden (und was verkaufen). Aber bei angeblich weltweit 2,91 Milliarden monatlich aktiven Nutzern (32 Millionen davon in Deutschland) ist natürlich auch das Potential entsprechend groß.

Facebook-Live-Events

Eine Sache, die der Facebook-Algorithmus zum Verfassungszeitpunkt besonders liebt sind Live-Events. Wie der Name schon sagt: Egal ob am Smartphone oder Rechner, man drückt auf den roten Knopf und schon strahlt man sein Wohnzimmer hinaus in die weite Welt. An dieser Stelle allerdings gleich ein wichtiger Hinweis: Für Facebook-Live-Events gelten die gleichen rechtlichen Bedingungen gemäß Medienstaatsvertrag (MStV) wie, wenn ihr auf YouTube oder Twitch live senden würdet. Und damit ist nicht zwingend nur die sogenannte Rundfunklizenz gemeint.

Die greift erst, wenn ihr innerhalb von sechs Monaten durchschnittlich mehr als 20.000 gleichzeitige Nutzer habt. Eine Marke, die wohl selbst die größten deutschen Streamer (noch) nicht erreichen. Es gibt da aber auch noch ein “oder” mit drin: “eine hohe Bedeutung für die individuelle und öffentliche Meinungsbildung”. In dem Fall braucht man selbst unter 20.000 Nutzern eine Rundfunklizenz. Aber selbst im zulassungsfreien Rundfunk gelten gewisse Regelungen u.a. in Bezug auf die Kennzeichnung/Länge von Werbung. Der entscheidende Faktor ob man als Rundfunk zählt ist vermutlich, ob das eigene Angebot “journalistisch-redaktionell” gestaltet ist. Das einzuschätzen finde ich etwas schwierig, da die Regelung aus meiner Sicht schwammig ist. Relativ eindeutig sind “Let’s Plays” (jemand spielt ein Spiel und kommentiert es live), die als Rundfunk zählen oder Katzen-Webcams, die wiederrum nicht als Rundfunk gelten. Ein guter Einstieg in das Thema ist diese Übersicht der Landesmedienanstalt NRW.

Solo-Streamen

Den Live-Button findet ihr im Grunde überall dort auf Facebook, wo ihr auch einen Beitrag erzeugen könnt. Alleine live zu gehen ist entsprechend einfach. Button gedrückt, festgelegt wo ihr live sein wollt (auf eurer Seite oder in irgendeiner Gruppe, in der ihr Mitglied seid) und schon kann es losgehen. Nachteil ist, dass ihr anders als beispielsweise bei einem spezialisierten Angebot wie Zoom so gut wie keine Einstellungsmöglichkeiten habt. Kamerawechsel z.B. sind während der Live-Übertragung nicht möglich. Und auch die Qualität des Streams lässt sich nur rudimentär regeln. Wenn ihr also etwas mehr Kontrolle wollt, kommt ihr um ein externes Programm wie OBS nicht herum. Da wir beispielsweise Logitech-Webcams nutzen, haben wir Logitech Capture installiert. Nimmt man das als Quelle in Facebook, kann man alles weitere (wie z.B. Kameraeinstellungen) im Programm regeln. Ihr könnt aber auch über Zoom in Facebook (oder YouTube) live gehen. Die Anleitung dazu findet ihr hier. Einzige Einschränkung: Das geht nur auf eurer Seite sowie in Gruppen, in denen ihr Administrator seid.

Der Vorteil “live” zu gehen ist, dass alle eure Freunde bzw. alle Mitglieder einer Gruppe direkt darüber informiert werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es jemand sieht, ist also höher als bei einem normalen Beitrag/einer Story. Außerdem habt ihr die Möglichkeit am Ende eine Aufzeichnung als Story oder Beitrag zu posten und so auch allen zugänglich zu machen, die nicht dabei sein konnten. Die Interaktion mit euren Zuschauern erfolgt in Form von Kommentaren unter dem Beitrag in dem das Live-Event angezeigt wird. Die Kommentare werden euch auch im “Live Producer” (so heißt das Ding auf Facebook) direkt dargestellt – was allerdings nicht immer zuverlässig funktioniert. Ein zweites Browser-Fenster oder ein Smartphone daneben können dabei Abhilfe schaffen. Die zeitliche Verzögerung bis die Inhalte eures Streams dem Zuschauer angezeigt werden ist irgendwo zwischen “fast zeitgleich” bis hin zu “Facebook hat heute einen schlechten Tag” und lässt sich meines Wissens nicht wirklich beeinflussen.

Gruppen-Events

Die Live Producer Ansicht mit den entscheidenden Feldern.

Wollt ihr in einer Gruppe arbeiten, bietet Facebook tatsächlich mehrere Möglichkeiten – je nachdem was ihr vorhabt. Wollt ihr beispielsweise einfach nur einen Videochat mit ein paar Leuten machen, dann stehen dafür die sogenannten “Messenger Rooms” zur Verfügung. Zu so einem Raum könnt ihr entweder eure Freunde einladen oder einen Link generieren. Jeder, der diesen Link hat kann dann reinkommen (je nach Einstellung mit oder ohne zusätzliche Genehmigung durch den Inhaber) – sogar, wenn er/sie kein Facebook nutzt. Mit einem “Messenger Room” kann man jedoch nicht auf einer Seite/in einer Gruppe öffentlich live gehen und es gibt keine Aufzeichnung. Ist also mehr was für den privaten Austausch/die geschlossene Gruppenarbeit.

Wollt ihr hingegen mit mehreren Personen live gehen, dann geht das wieder über den normalen “Live”-Button. Im Live Producer findet ihr dann die Auswahl “Personen einladen”. Drückt ihr auf die drauf, wird ein Messenger Room geöffnet. “Hä?” wird jetzt der ein oder andere verwundert fragen. “Ich dachte, man kann mit einem Raum nicht live gehen?”. Ja, da sind wir wieder bei dem Thema “Standards”… Facebook ist nicht sehr konsequent an vielen Stellen. Aber egal: Ihr landet also in einem Messenger Room und habt die bekannten Möglichkeiten sprich Personen direkt einzuladen oder einen Link zu verschicken.

Der Unterschied zwischen den beiden Räumen ist, dass ihr hier einen “Live gehen”-Button zur Verfügung habt und euch nun erstmal in einem Wartezimmer befindet. Dieses funktioniert ansonsten wie ein normaler Messenger Room. Ihr könnt also warten bis alle Personen da sind und dann gemeinsam in die Öffentlichkeit treten. Kommt jemand zu spät, ist das aber auch technisch kein Problem. Facebook lässt zu, dass nachträglich noch Leute mit in das Gruppen-Live hinzukommen (oder rausgehen). Abhängig von der Einstellung erst nach Bestätigung durch den Rauminhaber oder direkt. Eure Mitstreiter müssen übrigens nicht Mitglied in der Gruppe sein, in der ihr live gehen wollt. Es reicht, wenn der Rauminhaber die Erlaubnis hat dort etwas zu posten.

Zustimmung

“Bestätigung” ist ein gutes Stichwort: Bevor der “Live gehen”-Button aktiv wird, müssen erst alle Teilnehmer der Übertragung zustimmen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass damit auch die Zustimmung zu einer Aufzeichnung erteilt wurde. Um hier rechtlich sicher zu sein, solltet ihr das im Warteraum entsprechend absprechen und direkt nach dem Live gehen noch einmal deutlich sagen, dass alle der Aufzeichnung und Veröffentlichung an Ort X und Y zugestimmt haben bzw. die Gelegenheit geben diese Zustimmung durch Verlassen des Streams noch zurückzuziehen.

Facebook-Einwilligung

Wenn jemand später dazu kommt, dann müsst ihr das auch nochmal klar kommunizieren und ihm die Gelegenheit geben sofort wieder zu gehen. Aber Vorsicht: Die Person ist dann ggf. schon Teil der Aufzeichnung (z.B. weil ihr Video angeschaltet war). Lehnt sie also ab, dürft ihr die Aufzeichnung ohne vorheriges Rausschneiden des Abschnitts nicht veröffentlichen. Praktischerweise könnt ihr es direkt von Facebook herunterladen (die Qualität ist allerdings dürftig…). Da die Aufzeichnung aber automatisch veröffentlicht wird, könnt ihr den dazugehörigen Beitrag nur löschen (und verliert damit alle Kommentare) und dann das saubere Video neu posten. Stellt also am besten sicher, dass einfach alle rechtzeitig für euer Live da sind oder zumindest keiner nachkommt, der dann doch nicht mit Bild/Ton dabei sein möchte. Hier nochmal zum verdeutlichen:

  1. Die Teilnehmer über das Live-Event und die dazugehörige Aufzeichnung informieren
  2. Live erstellen
  3. Link teilen/Personen einladen (ggf. nochmal auf die Aufzeichnungseinwilligung hinweisen)
  4. Im Warteraum erneut das Thema Aufzeichnung ansprechen und die Zustimmung klären
  5. Live gehen
  6. Zu Beginn des Live-Events erwähnen, dass alle der Aufzeichnung zugestimmt haben

Beachtet außerdem: Die Einwilligungserklärung kann gemäß DSGVO jederzeit von jedem einzelnen zurückgezogen werden – mit der Konsequenz, dass ihr das Video löschen/den Teilnehmer anonymisieren müsst. Habt ihr allerdings einen Vertrag mit jemandem geschlossen und dort steht z.B., dass die Aufzeichnung drei Monate in der Gruppe zur Verfügung steht, dann kann er nicht innerhalb dieser drei Monate die Zustimmung zurückziehen – er hat den Vertrag ja unterschrieben und ihr benötigt seine Informationen (in dem Fall sein Part in der Aufzeichnung) zur Vertragserfüllung. Denkt aber daran, dass ihr nach den drei Monaten (= Erfüllung des Vertrages) verpflichtet seid die Aufzeichnung zu löschen. Es sei denn, es liegt von allen in der jeweiligen Aufzeichnung sicht- und hörbaren Teilnehmern eine Einwilligungserklärung vor, die über den Zeitraum hinaus geht. Die kann aber wieder jederzeit zurückgezogen werden – womit wir wieder am Anfang des Absatzes sind :smile: .

Epilog

Und damit ist erst einmal alles zum Thema “Facebook Live” gesagt, was Lysanda auf dem Herzen lag. Ich hoffe es hilft dem einen oder anderen weiter. Die Welt ist schon kompliziert genug, da muss sich nicht jeder alleine durchwuseln.

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