Dann kommen wir endlich mal zu Star Trek: Lower Decks und damit dem vorerst letzten Star-Trek-Eintrag.
Nachdem es während der Produktion der 1. Staffel von Star Trek: Discovery hinter den Kulissen ziemlich rund gegangen war, übernahm der nicht unumstrittene (um es freundlich auszudrücken) Alex Kurtzman die Rolle des Showrunners für den Rest der Serie. Mitserienerfinder Bryan Fuller hatte das Schiff wegen “kreativen Differenzen” schon früh verlassen. Und seine Nachfolger, Gretchen J. Berg und Aaron Harberts, waren wegen schlechtem Verhalten entlassen worden. Mitte 2018 unterschrieb Kurtzman dann einen Fünf-Jahres-Vertrag mit CBS, um das Star-Trek-Universum breiter aufzustellen. Egal ob Live-Action-Serien (Star Trek: Picard, Star Trek: Strange New Worlds, Star Trek: Starfleet Academy), Miniserien (Star Trek: Short Treks, Star Trek: Very Short Treks, Star Trek: Scouts) oder animierte Serien (Star Trek: Prodigy) – alles war nun für seine Produktionsfirma Secret Hideout möglich. Darunter auch die erste humorvolle Zeichentrickserie in der Geschichte des Franchises: Star Trek: Lower Decks.
Angeheuert für diesen Job wurde Mike McMahan. Seines Zeichens einer der ersten Schreiberlinge von Rick and Morty. Für die vierte Staffel wurde er sogar zum Showrunner befördert – und kündigte noch während der Produktion. So kanns gehen
. Den Job bei Star Trek verdankte er aber vermutlich nur zum Teil seiner bisherigen Arbeit. Es dürfte auch so einiges an Vitamin B mit reingespielt haben. Aaron Baiers, seit 2021 Vizepräsident von Secret Hideout, und er kannten sich nämlich bereits. Sie hatten früher den Twitter-Account @TNG_S8 gemeinsam betrieben. Wie der Name schon andeutet, veröffentlichten sie dort mögliche Geschichten für eine fiktive 8. Staffel von Picards Abenteuer.
McMahan wurde angeblich gefragt, was sein absoluter Traum wäre. Und als Antwort pitchte er eine Serie über “die Leute, die die gelben Patronen in den Replikatoren installieren, damit am Ende eine Banane rauskommt”. Star Trek: Lower Decks ward geboren und flimmerte am Ende von 2020 bis 2024 für fünf Staffeln und 50 Episoden je 25 Minuten über den Fernsehbildschirm. Ja, anders als Star Trek: Prodigy mit 20 Episoden pro Staffel musste sich die Zeichentrickserie der neuen 10er-Konvention unterwerfen.
Die Serie
Wir befinden uns im Jahr 2380 der “richtigen” Zeitlinie – quasi direkt nach den Ereignissen von Star Trek: Nemesis (2379). Und obwohl es formal fünf Staffeln sind, endet Star Trek: Lower Decks bereits 2382. Das ist wiederum ein Jahr vor Star Trek: Prodigy. Wirklich relevant ist das allerdings alles nicht. Der einzig wirklich direkte Bezug zu aktuellen Sachen ist die Tatsache, dass ein gewisser William T. Riker auf der USS Titan seinen Dienst als Captain tut (inkl. Cameo). Alles andere liegt schon mehr oder weniger lange in der Vergangenheit, bevor die Crew der USS Cerritos damit zu tun hat.
Der Grund dafür liegt in der Prämisse der Serie. Nicht nur sehen wir das Leben von (anfangs) Fähnrichen auf den unteren Decks. Auch das Schiff selbst ist weit von den Frontlinien der Galaxie entfernt. Es kommt zum Einsatz, wenn Picard & Co. den Erstkontakt beendet haben und schon lange wieder abgereist sind. Sie kümmern sich quasi um den langweiligen Papierkram und die undankbaren/wenig prestigeträchtigen Missionen, die sonst keiner machen möchte. Was freilich nicht heißt, dass die Serie langweilig wäre. Selbstverständlich schlittern unsere Charaktere mehr oder weniger unfreiwillig in allerlei Abenteuer hinein.
Dass dabei extrem häufig die Live-Action-Serien referenziert werden oder sogar ganze Handlungsstränge darauf aufbauen, liegt in der Natur der Sache. Inklusive SEHR vieler Gastauftritte. Sogar T‘Pol (Jolene Blalock) konnten sie für sich gewinnen! Aber obwohl Lysanda und ich ja jetzt wirklich (fast) alles gesehen haben: Teilweise sind die Rückbezüge schon extrem nischig und nur für absolute Insider erkennbar. Ich muss allerdings zugeben, dass selbst die offensichtlichen Sachen mitunter an uns vorbei gegangen sind. An Gary Mitchell (ein Charakter aus der Pilotfolge von Raumschiff Enterprise) konnte ich mich beispielsweise echt nicht mehr erinnern. Dabei ist es noch keine drei Jahre her, seit wir die Folge gesehen haben! Die Autoren haben also definitiv ihre Hausaufgaben gemacht.
Der Inhalt
Trotz nur einer Handvoll Episoden pro Staffel, folgt Star Trek: Lower Decks tatsächlich mehr dem klassischen Star-Trek-Format. Es gibt zwar die eine übergeordnete Geschichte und eine gewisse Kontinuität, aber die meiste Zeit hat man es doch mit in sich abgeschlossenen Einzel- oder maximal Doppelepisoden zu tun. Allein schon dieser Umstand war ehrlich gesagt eine sehr erfrischende Sache.
Aber auch sonst fühlt sich die Serie traditioneller an als der Rest von NuTrek. Kein Wunder: Das gesamte Team hat sich während der Produktion wohl sehr intensiv mit Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert beschäftigt. Das Setting (noch unveränderte Zeitlinie), die Optik (klar von der Berman-Ära inspiriert), die Charaktere (Ensemble-Cast statt Einzelhelden), die Abenteuer (keine Galaxie-Rettungsmaßnahmen), die Gastauftritte (bekannte und liebgewonnene Charaktere) – man fühlt sich schon irgendwie als wäre man endlich wieder zu Hause angekommen. Das macht die Serie angenehm unterhaltsam.
Nicht lustig?
Allerdings steht auf der Packung von Star Trek: Lower Decks noch das Wort “Komödie”. Und in dieser Hinsicht ist sie in unserem Haushalt vollumfänglich gescheitert. Lysanda fand sie überhaupt nicht lustig. Und ich habe zwar an der ein oder anderen Stelle tatsächlich mal laut gelacht, aber das kann ich an einer Hand abzählen. Für mich dürfte der Hauptgrund der grundsätzliche Stil der Serie sein, der nicht nur optisch bewusst an Die Simpsons, Futurama und Rick & Morty erinnert, sondern auch in Sachen Humor. Also Maschinengewehrdialoge, absurde Situationskomik und eine starke Abhängigkeit von/übermäßige Verwendung der Metaebene. Mit letzterem will man gefühlt intelligent wirken, am Ende erstickt der Witz jedoch gerne unter seinen ganzen Ebenen.
Um das allerdings kurz in den richtigen Kontext zu setzen: Ich bin da vermutlich zu sehr Monty Python, Badesalz & Co. verseucht (danke, Don Quichotte!). Ich fand die anderen genannten Serien sowie ihre vielfach ausgezeichneten Konkurrenten entsprechend ebenfalls nur bedingt amüsant. Unterhaltsam, ja. Zum Schreien? Nein. Zum Glück ist Humor eine subjektive Sache.
Allerdings muss ich (und Lysanda) auch ganz klar sagen, dass die Hauptcharaktere einem häufig wenig Grund zum Lachen gaben:
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Beckett Mariner, Tochter des Captains, hat gefühlt schon alles erlebt und tritt trotzdem auf der Stelle. In einer Selbstvernichtungsspirale gefangen spielt sich die Rebellin und Regelbrecherin, nur um nicht aufzusteigen. Das war am Anfang noch eine nette Idee, um die Erwartungen zu unterwandern. Aber es fast die ganze Serie hinweg durchzuziehen war irgendwann nur noch anstrengend mit anzusehen.
- Brad Boimler, der Gegenpol zu Mariner, der im Gegenzug von ihr ständig gemobbt wird. Keine Ahnung, warum wir das im Jahr 2026 noch lustig finden sollen. Uns tat er einfach nur leid. Motiviert, die Werte der Sternenflotte hochzuhalten, alles richtig zu machen und so irgendwann zum Captain aufzusteigen, werden ihm ständig Steine in den Weg gelegt.
- D’Vana Tendi, die Undercover-Orionerin, hat schon ein bisschen was von Persönlichkeitsstörung. Auf der einen Seite die naive, angehende Wissenschaftlerin und auf der anderen die harte Piratenbraut. Es fühlte sich häufig so an, als hätten sich die Autoren in eine Sackgasse geschrieben und mussten dann Tendis “dunkle” Vergangenheit hervorholen, um den Tag zu retten. Unter dieser Dichotomie litt ihre Glaubwürdigkeit. Aber von den vieren tatsächlich noch der sympathischste Charakter.
- Der intelligente, aber total naive Ingenieur. Und ja, weder Lysanda noch ich wussten noch seinen Namen: Sam Rutherford. Noch so ein Charakter, der einem die meiste Zeit einfach leid tat und ansonsten gefühlt wenig Profil hat.
Ja, es ist eine lustige Zeichentrickserie. Da dürfen und müssen vielleicht sogar die Charaktere überzeichnet sein. Keine Frage. Aber so dämlich z.B. der fitnessbessene 1. Offizier Jack Ransom auch ist: Er erfüllt seinen Zweck und hatte, wenn nötig seine normalen Momente. Bei drei von unseren vier Hauptcharakteren hatten wir aber die meiste Zeit eher das Gefühl immer und immer wieder den gleichen Blödsinn auf dem Bildschirm zu sehen. Und Witze werden nicht besser nur, weil man sie wiederholt.
Beim Christoph meint: Star Trek: Lower Decks war definitiv die zweitbeste NuTrek-Serie, die wir konsumiert haben. Platz 1 belegt weiterhin Star Trek: Prodigy. Obwohl wir mit dem Humor nicht ganz so viel anfangen konnten und auch die Charaktere bei uns nicht so gezündet haben, wie es die Autoren es sich vielleicht erhofft hatten: Die Serie war nah an dem dran, was ich persönlich (scheinbar) von Star Trek erwarte. Es war entsprechend (zusammen mit der kurzen Laufzeit) nicht schwer für uns eine Episode an die nächste zu hängen. Trotz der Defizite haben wir gerne die kurzweiligen Abenteuer der USS Cerritos miterlebt.
Für Star-Trek-Fans definitiv ein Muss. Wer allerdings bislang nichts mit Star Trek am Hut hat, wird hier nicht glücklich werden. Es geht aus meiner Sicht zu viel verloren, wenn man nicht das entsprechende Vorwissen hat.













