Sicarius

Das Crowdfunding-Jahr 2019

Eine handvoll Crowdfunding-Dokus

Meine Motivation noch Crowdfunding-Kampagnen zu unterstützen ist mittlerweile nicht mehr ganz so hoch. Liegt vermutlich an einer Mischung aus “nichts mehr interessantes dabei”, “hab’ dazu gelernt die Finger von dieser oder jener Art von Inhalt zu lassen” (z.B. Indie-Dokumentation zu Retro-Themen) und “die Versandkosten aus den USA sind sowas von abartig hoch”. Trotzdem elf Kampagnen in 2022 Geld gegeben – so ist es nicht :smile: . Aber auch diejenigen, die mit Kickstarter & Co. ihre Erfolge hatten lassen nach und nach die Plattform hinter sich. Sie gehen entweder zurück zu traditionelleren Veröffentlichungswegen – jetzt, wo sie am Markt etabliert sind – oder machen irgendwelche FOMO (Fear of Missing Out)-Aktionen auf ihren eigenen Seiten.

Der ganze FOMO-Kram geht mir persönlich massiv auf den Geist. Alles wird gefühlt nur noch künstlich verknappt und als potentielle Wertanlage verkauft. Was für eine absolute Ressourcenverschwendung. Dass viele aber dem Crowdfunding den Rücken zukehren, finde ich super. Schließlich ist es – wie der Name “Kickstarter” schon sagt – ja eigentlich nur als Sprungbrett gedacht. Und jedes Jahr mehrere Crowdfundingprojekte aufzusetzen ist aus meiner Sicht gelinde gesagt eher ein Zeichen für schlechtes Management und/oder Abzocke als wirklich ein Vertrauen in den Erfolg des eigenen Geschäftsmodells. Ja, ich schaue in deine Richtung Wyrmwood Gaming, die wegen einer erfolglosen Kampagne zu Weihnachten gerade fast zwei Dutzend Mitarbeiter entlassen mussten. Immerhin sind sie sehr transparent. Kann ihren YouTube-Kanal nur wärmstens empfehlen.

Das Jahr 2019

Doch genug geschimpft. Werfen wir stattdessen mal wieder einen Blick zurück und zwar auf das Jahr 2019. 32 Projekte habe ich damals unterstützt – drei mehr als noch 2018. Und nur eins, die Dokumentation Heart of Neon über das Kultentwicklerstudios LLAMASOFT, konnte sein Ziel nicht erreichen. Keine Ahnung, ob sie tatsächlich was geworden wäre. Deswegen bin ich ganz froh, dass die Finanzierung nicht geklappt hat. Meine bisherige Erfahrung mit solchen Indie-Dokumentation ist nämlich leider nicht so gut. Viele Retro-Fans scheinen sich sehr daran aufzugeilen möglichst viel Laufzeit zu bekommen statt guter Qualität. Entsprechend dürftig ist das Ergebnis.

Aber das wusste ich zu der Zeit noch nicht. Stattdessen habe ich ein paar Monate später Memoirs of a Spectrum Addict: Director’s Cut unterstützt. Die war dann auch erfolgreich und die Blu-ray steht schon einige Zeit hier im Regal. Gesehen habe ich sie zwar noch nicht aber die (vereinzelten) Reviews sind immerhin positiv. Ich werde berichten, wenn ich dann irgendwann mal dazu komme :smile: .

Was gab’s zum Zocken?

Filme unterstütze ich sowieso irgendwie ungern. Da ist mir die Gefahr zu groß, dass am Ende nur Mist rauskommt. Gilt natürlich auch für Spiele, weshalb ich in dem Bereich ebenfalls nur noch in absoluten Ausnahmefällen Geld in den Ring werfe. Dass es meist gar keine physischen Version mehr als Extra gibt, macht es noch einfacher davon Abstand zu nehmen. Technisch gesehen habe ich 2019 aber tatsächlich noch 18 Titel unterstützt. Technisch gesehen, weil drei der Crowdfunding-Kampagnen sich nur um besagte physische Extras drehten.

Und zwar bringt der britische Publisher Huey Games (noch so ein Urgestein der Videospieleindustrie) seit einigen Jahren Indie-Titel auf einem USB-Stick auf den Markt. Und zwar DRM-frei, in Form einer C64-Kassette und finanziert über Kickstarter. Mit Droid Assault nahm es damals seinen Anfang. Gefolgt von Ultratron und The Mystery of Woolley Mountain. Insgesamt zehn Kassetten habe ich bislang unterstützt. Leider hat die Qualität abgenommen. Die neunte Kassette musste ich einmal umtauschen, bei der zehnten war selbst beim zweiten Umtausch der USB-Stick im Eimer. Zwar gibt es die Inhalte auch zum digitalen Download – war also kein Totalschaden. Aber unter den Bedingungen habe ich dann doch entschieden, dass es mir das nicht mehr wert ist. Scheinen auch andere so zu sehen, denn sie tun sich immer schwerer überhaupt noch ihr Initialziel zu erreichen. Irgendwelche Stretch Goals sind da reine Utopie geworden.

Prodeus (Herstellerbild)

Von den restlichen 15 Videospielen sind in der Zwischenzeit tatsächlich schon acht Stück erschienen:

  • Prodeus – Ein sogenannter Boom-Shooter (ein blöder Name) mit einem (auf Wunsch) sehr eigenartigen Look. Macht aber definitiv Laune und ist zu empfehlen.
  • Alwa’s Legacy – Ein Metroidvania mit einem SNES-Grafikstil. Selbst noch nicht gespielt, hat aber gute Bewertungen.
  • Justin Wack and the Big Time Hack – Sagen wir, wie es ist: Dieses Point & Click-Adventure habe ich nur unterstützt, weil es sehr viel Inspiration von Day of the Tentacle nimmt. Das Ergebnis scheint aber gelungen zu sein.
  • Solasta: Crown of the Magister – Das andere CRPG-Schwergewicht neben Pathfinder: Wrath of the Righteous aber mit offizieller Dungeons & Dragons-Lizenz und einem größeren Fokus auf die rundenbasierten Kämpfe.
  • Nox Archaist – Das Hardcore-Rollenspiel inspiriert und entwickelt für den Apple II. Ich hab’ es ehrlich gesagt nach fünf Minuten wieder abschalten müssen. Mir taten tatsächlich von diesem leicht verschwommenen Text die Augen weh. Keine Ahnung, wie das in den 80igern jemand ausgehalten hat. Aber irgendwann werde ich es mal wieder probieren.
  • Radio Commander – Ein Echtzeitstrategiespiel bei dem ihr nicht direkt eure Truppen kontrolliert, sondern am Fernsprecher Befehle erteilt – mit entsprechender Verzögerung bei der Ausführung. Eine richtig coole Idee und die Umsetzung ist ebenfalls größtenteils gelungen und überraschend emotional eben, weil ihr so weit vom Schlachtfeld entfernt seid.
  • 112 Operator – Ihr seid an der Notfallhotline. Eure Aufgabe? Die Anrufe entgegennehmen und die Einsatzfahrzeuge (Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen, etc.) entsprechend zuweisen. Absolut nervenaufreibend, weil irgendwie nie genug Ressourcen da sind, um allen zu helfen.
  • Chernobylite – Die Polen von The Farm 51 haben einen Großteil der Zone gescannt und waren mehrfach vor Ort um Tonaufnahmen und Fotos anzufertigen. Dürfte somit vermutlich die bislang realistischste Darstellung vom Kernkraftwerk und seiner Umgebung sein. Spielerisch würde ich es als Hardcore-S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl bezeichnen. Zwar fehlt die offene Welt aber dafür sind die Survival-Elemente auf Stufe 10 hochgedreht und ein stärkerer Fokus auf die Geschichte gelegt. Definitiv nicht für jeden Spielertyp geeignet.

Homeworld 3 (Herstellerbild)

Und die folgenden vier Stück werden es 2023 auf jeden Fall über die Ziellinie schaffen:

  • Summer Daze: Tilly’s Tale – Die Familie Cole hat es echt nicht leicht. Damals bei Sierra verantwortlich für so einige Hits, schaffen sie es seitdem irgendwie nicht mehr an die Glanzzeiten anzuknüpfen. Wird sich mit diesem eher seichten Adventure/Visual Novel-Verschnitt (ein Spin-off zu Hero-U: Rogue to Redemption) leider auch nicht ändern. Ich wollte sie einfach unterstützen.
  • Homeworld 3 – Grafisch eine absolute Augenweide. Das Design der Schiffe ist wie schon bei den Vorgängern der absolute Wahnsinn. Hoffentlich kann es auch spielerisch mithalten.
  • 3 Minutes to Midnight – Irgendwie scheine ich ein Faible dafür zu haben Point & Click-Adventure zu unterstützen, die auch nur ein bisschen an die glorreichen Titel von LucasArts erinnern :smile. .
  • EVERSPACE 2 – Ich bin bei Titeln aus deutschen Landen mittlerweile ja eher skeptisch aber Teil 1 (eine rogue-like Weltraumsimulation) war überraschend gut und Teil 2 legt da echt nochmal eine Schippe drauf. Unbedingt im Auge behalten!

Die restlichen drei Titel sind Stray Gods: The Roleplaying Musical (hieß mal Chorus), Firmament (der neue Titel der Myst-Macher) und Subverse (das Mass Effect-Pornospielchen). Alle noch ohne Termin aber keiner dabei, wo ich die Befürchtung habe, dass da nichts mehr kommt. Subverse kann ich sogar schon seit bald zwei Jahren die Early-Access-Version spielen. Vergesse nur immer wieder, dass ich es besitze. Steam blockiert mittlerweile ja ausnahmslos alle anstößigen Inhalte in Deutschland. Entsprechend kriege ich nicht einmal die Developer-Updates dafür angezeigt. Echt ein absoluter Mist dieses Verhalten von Seiten Valve. Man kann sich dadurch nicht mal DLCs für die Spiele holen, die man besitzt. Und viele Uncut-Patches für solche Spiele werden nun einmal als (kostenlose) DLCs bereitgestellt. Aber gut: Thema für einen anderen Eintrag.

Viel zu lesen

Kein Video- aber ein Brettspiel: Divinity Original Sin the Board Game. Ja, dafür habe ich ebenfalls Geld ausgegeben. Und das, obwohl der eigentliche Hersteller des Brettspiel nicht gerade den besten Ruf hat und ich faktisch niemanden habe mit dem ich es spielen könnte. Aber dem Larian-Studios-Hype konnte ich nicht wiederstehen und zumindest auf dem Papier klingt es durchaus nach einem coolen Titel. Mal schauen. Dieses Jahr soll es angeblich endlich was werden mit der Fertigstellung, nachdem sie gefühlt das komplette Konzept einmal über den Haufen geworfen hatten.

Das Regalfach ist fast voll mit Numenéra-Zeug.

Und auch Numenéra: Liminal Shores habe ich unterstützt, obwohl ich mit hoher Wahrscheinlichkeit nie eine Rollenspielgruppe dafür finden werde. Aber wie ich schon vor zwei Jahren geschrieben hatte: Mir gefällt die Spielwelt und ich finde es super mehr darüber zu erfahren. Insofern passt das schon :smile: . Müsste nur endlich mal Zeit dafür finden. So viel zu lesen aber man kommt irgendwie nie dazu. Dabei handelte es sich bei den restlichen zehn Projekten des Jahres 2019 ebenfalls um Sachen zum Lesen!

Schlimmer noch: Beim Kickstarter für Boss Fight Books Werk* zum Spieleklassiker Breakout habe ich mir (wegen den Versandkosten) sogar den gesamten Katalog des Verlags gegönnt. Das waren damals 23 Bücher. Sie hatten mich nämlich vergessen, deshalb bekam ich auch noch die zwei in der Zwischenzeit erschienen Titel dazu. Daneben landeten in meinem “Unterstützungskorb” You Died: The Dark Souls Companion*, The Sierra Adventure: The Story of Sierra On-Line*, Through the Moongate, Part II* sowie die englischen Ausgaben von Third Editions The Rise of the Witcher und The Legend of Kingdom Hears Volume 1: Creation. Trotzdem, dass ich von ihrem Werk zu Dead Cells sehr enttäuscht war, unterstütze ich die Franzosen immer noch blind. So hoch ist die grundsätzliche Qualität ihrer Werke.

Der Rest

Was bleibt noch? Nun City Builder: A Guide to Designing Communities war der einzige Fehlkauf des Jahres 2019 würde ich sagen. Es klang auf dem Papier interessanter als das Ergebnis ist und man merkt zudem einfach, dass dahinter ein Indie-Verlag ohne viel Personal und Geld steckt. Dann habe ich mir noch die zweite Ausgabe des Spielemagazins A Profound Waste of Time gegönnt. Bin ja nicht mehr wirklich der Magazine-Leser aber das Werk hat echt was zu bieten und kommt eher einem Buch gleich als einem überteuerten Heftchen, das man nach einmaligem Lesen in den Müll wirft. Gleichzeitig hat es nicht diese ekligen Pseudo-Eliten-Stil, den man von deutschen Machwerken dieser Art kennt. Sprich es besteht nicht einfach nur aus beklopptem philosophischem Gelabber, sondern hat tatsächlich Inhalt und Mehrwert.

Die gesammelten Werke von Third Editions

Die letzten zwei Titel hingegen waren die Webcomicsammlungen He is a Good Boy: The Collected Crange und Junior Scientist Power Hour: Volume 2. Keine Ahung was mich bei ersterem zur Unterstützung geritten hat. Die Geschichte dreht sich um eine Eichel mit einem extrem versauten Mundwerk, das von seinem Mutterbaum abgestoßen wird und nun gezwungenermaßen hinaus in die Welt reist. Gewöhnungsbedürftig aber insgesamt überraschend gut muss ich sagen. Junior Scientist Power Hour ist hingegen eine Art autobiographisches Werk der Künstlerin Abby Howard in dem sie ihre teils abstrusen Gedanken humorvoll aufs Papier bringt. Nett aber nicht überragend.

Epilog

So viel also zu meinem Crowdfunding-Jahr 2019. Ich habe damals wieder ein relativ breites Spektrum an Sachen unterstützt und von den 31 erfolgreichen Projekten sind tatsächlich mittlerweile bereits 23 abgeschlossen und der Rest auf einem guten Weg. Kein schlechter Schnitt. Allerdings dauert es bei Büchern eh meist nicht so lange. Sind eher die Filme und Videospiele auf die man ewig wartet. Wirklich bereut habe ich kein einziges Projekt. So viel kann ich schon jetzt sagen, obwohl ich mir noch nicht alles im Detail angeschaut habe. Und wie immer bin ich ein wenig stolz darauf zu sehen, was für coole Sachen dank meinem Geld (und X weiterer Unterstützter) ihren Weg auf den Markt gefunden haben. Vor allem bei den Spielen war die Ausbeute denke ich überraschend hochwertig. Und wehe, es widerspricht mir wieder jemand in den Kommentaren! :tongue:

(Cover)

Es ist erstmal nicht ungewöhnlich, dass in unserem Haus unerwartet Lieferungen eintreffen. Nicht jede Crowdfunding-Kampagne ist leider so kommunikativ und kündigt an, wenn etwas verschickt wurde. Und selbst wenn: Lieferungen z.B. aus den USA verschwinden gefühlt kurz nach dem Versand in einem schwarzen Loch und kommen dann (meistens) irgendwann wieder in Deutschland vor meiner Haustür zum Vorschein – wo Deutsche Post oder DHL dann die Zollgebühren mit einem saftigen 6€-Zuschlag kassieren möchte. Und zwar auf den Cent genau, weil der Bote nicht wechseln kann. Leute, lasst mich verdammt nochmal selbst entscheiden, ob ich zum Zollamt fahren möchte oder nicht! Das ist doch für alle Beteiligten scheiße!!!1111elf

Naja, egal. Heute kam auf jeden Fall mal wieder so eine unerwartete Lieferung. Allerdings nicht zu einer Crowdfunding-Kampagne, sondern ein kleines Andenken an meinen Bildungsurlaub 2022. Zur Erinnerung: Wir waren dort künstlerisch sehr aktiv und haben zu verschiedenen Themen und unterschiedlichstem Material einige Bilder produziert. Die Kursleiterin hat im Anschluss (soweit wir als Teilnehmer ihr das erlaubt haben) ein paar dieser Fotos hergenommen, sie auf verschiedene Arten und Weisen bearbeitet und daraus ein kleines Fotobuch gebastelt. Und genau dieses Fotobuch lag heute im Briefkasten.

Bei 17 Teilnehmern und mehr als ein Dutzend Fotos pro Person konnte sie zwar nicht alle verwenden, aber sie hat sich Mühe gegeben. Entsprechend haben auch von mir ein paar ihren Weg ins Buch gefunden und ich muss ehrlich zugeben: Das ist eine richtig coole Sache und tolle Idee. Passt natürlich nicht zu jeder Art von Bildungsurlaub aber, wenn dann ist es nicht nur eine schönere Erinnerung daran. Es verleiht dem eigenen Tun auch irgendwie etwas mehr „Gewicht”.

Ja, das ist selbstverständlich eine Illusion. Meine Hautabdrücke werden jetzt nicht morgen im Louvre ausgestellt nur, weil sie in einem selbstgemachten Fotobuch drin sind. Aber das Gefühl ist schon irgendwie da, dass meine Werke was Besonderes sind :smile: . Abgedruckt auf hochwertigem Papier und in einem einzigartigen Buch (gibt es ja nur 18 Mal) wirkt das definitiv nochmal ganz anders als in Form eines digitalen Fotos auf unserem NAS (und bei deviantART). Also an alle Kursleiter dort draußen: Gerne ein Beispiel daran nehmen!

Mass Effect: The Complete Comics (Cover)

Elf Jahre ist es mittlerweile her, seit ich das letzte Mal einen Mass Effect-Titel gestartet habe (damals kam der Extended Cut zu Mass Effect 3 raus). Ja, Mass Effect Andromeda* sowie die Mass Effect Legendary Edition* stehen zwar im (digitalen) Regal aber angefasst habe ich beide bislang noch nicht. “Traue” mich vermutlich aktuell nicht sowas episches anzufangen :smile: . Was ich aber gemacht habe, ist endlich mal die Comic-Ableger von Dark Horse Comics zur Serie zu lesen. Die gibt es seit einiger Zeit gesammelt als Mass Effect: The Complete Comics* in Taschenbuchform.

Letzteres ist etwas… ungünstig, denn es sind insgesamt 800 Seiten. Und ein Taschenbuch im Format 260x170mm mit so viel Umfang ist absolut unhandlich. Da fallen einem die Arme ab, wenn man versucht das z.B. im Bett zu lesen. Aber gut: Irgendwie habe ich es ohne dauerhafte Schäden hinbekommen. Inhaltlich erwarten euch hauptsächlich Geschichten, die vor Mass Effect 2 angesiedelt sind. Ihr wisst schon: Die Suche nach Shephards Leiche und was so eure späteren, potentiellen Crewmitglieder in ihrem vergangenen Leben getrieben haben. Der Shadowbroker, Cerberus und Omega-Station sind die am häufigsten wiederkehrenden Akteure. Das letzte Heft beschäftigt sich hingegen mit der Vorgeschichte von Mass Effect Andromeda.

Der Inhalt

Der Stil der Comics ist typisch Amerikanisch. Wer also schon einmal einen moderneren Superheldencomic von Marvel oder DC gelesen hat, weiß was ihn erwartet. Ich persönlich bin nicht der ganz große Fan davon (mir ist der Stil zu hart und grimmig) aber objektiv betrachtet sind die Zeichnungen detailliert, sprich die Charaktere und ihre Emotionen kommen gut zur Geltung und auch die Action ist ansprechend in Szene gesetzt. Nur selten musste ich genauer hinschauen, um zu verstehen, was eigentlich gerade passiert ist.

Mein größtes Problem mit dem Mammutwerk ist deshalb ein anderes: Es erwartet faktisch, dass ihr im Minimum Mass Effect 2 gespielt habt. Das macht insofern Sinn, dass es sich ja technisch gesehen um Begleitmaterial für Fans handelt. Da mein Durchlauf aber mittlerweile 13 Jahre her ist, fehlen mir dann doch so einige Zusammenhänge. Natürlich ist mir bei den wichtigsten Charakteren wie Miranda, Cerberus oder Liara T’Soni noch ein bisschen was im Kopf. Aber eben nicht so ganz die tiefen Details. Und bei allem anderen wird es noch schwammiger von wegen “sollte ich den kennen”? Und auch dazugehörige Situationen, auf denen die Geschichten aufbauen, sind mir nicht mehr ganz so präsent. Sprich, die Erzählungen haben durchaus das Problem auf eigenen Beinen zu stehen. Zwar braucht es für Blasto: Eternity is Forever nur die Grundkenntnis darüber, was ein Hanar ist, um es lustig zu finden einen als Pseudo-James-Bond zu erleben. Aber, wenn es beispielsweise in Foundation um die Hintergrundgeschichten der Begleiter geht, fehlte mir nach all der Zeit durchaus einiges an Zusammenhang, um wirklich reinzukommen.

Insofern: Für Fans, deren Erinnerung an die Serie noch frisch ist, sicherlich eine geile Sache, um noch tiefer in das Universum einzutauchen. Ich hingegen muss wohl erstmal wieder die Spiele spielen, bevor ich ein abschließendes Urteil über die Comics fällen kann. Ein schlimmes Los, ich weiß…

Jets ‘n’ Guns Gold (Herstellerbild)

35,5 Stunden zeigt mittlerweile mein Spielzeitzähler für Jets’n’Guns Gold auf Steam an und ich habe immer noch nicht alle Achievements (16/22) gesammelt. Aktuell an Durchgang 7 von 10 und erst rund die Hälfte der nötigen Kills für die dazugehörigen Erfolge. Und dass, obwohl der Titel 43 Level hat! Selbst das Achievement für 10.000 Punkte im Tetris-Klon Tetrix habe ich noch nicht erreicht, weil es so bock schwer ist. Motivation weiter zu machen? Schon seit einigen Monaten praktisch nicht mehr vorhanden. Lasst es euch das eine Lehre sein: Macht euch euer Lieblingsspiel nicht dadurch kaputt, dass ihr auf Biegen und Brechen 100% erreichen wollt. Es lohnt sich nicht!

Da passt es ganz gut, dass ich mir während des Winter Sales (an Heiligabend!) endlich mal den Nachfolger, Jets ‘n’ Guns 2, gegönnt habe. Da bin ich nach 12,5 Spielstunden schon mitten im 8. Durchgang und habe 37/40 Achievements freigeschaltet. Ja, es gibt wieder einen “Erreiche Stufe 10”-Erfolg. Und dieses Mal werde ich ihn (legal) freischalten!

Klingt, als würde das Side-Scrolling-Shoot’em up von Rake in Grass mächtig Laune bereiten? Grundsätzlich ja, aber vor allem für Veteranen ist die Antwort etwas komplizierter.

Die Technik

Ich weiß grad gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll. Schließlich will ich den Titel ja nicht absichtlich in total negatives Licht stellen. Aber Rake in Grass macht es mir absolut nicht einfach. Fangen wir vielleicht mit dem offensichtlichsten an: Der Grafik. Jets ‘n’ Guns 2 sieht fantastisch aus. Die Texturen sind scharf und detailliert, die Levels thematisch abwechslungsreich und das Effektgewitter macht richtig was her. Fast schon zu viel in den späteren Levels/Schwierigkeitsstufen, wo so viel auf dem Bildschirm los ist, dass ihr gar nichts mehr seht. Und Gott bewahre, ihr nehmt einen Kumpel dazu. Wenn gleich zwei Flugzeuge aus allen Rohren schießen ist es bei entsprechender Ausrüstung mit der Übersicht komplett dahin. Ja, das Spiel hat (erfreulicherweise) einen lokalen Koop-Modus, der gut funktioniert und definitiv Laune macht.

Jets ‘n’ Guns 2 (Herstellerbild)

Auch was aus den Boxen ertönt passt perfekt zum Bildschirmgeschehen und unterstützt das Effektgewitter gekonnt – mit einem ganz dicken Minuspunkt: Die Musik. Obwohl sie erneut aus der Feder der schwedischen SID-Metalband Machinae Supremacy stammt, ist sie faktisch während des normalen Spielgeschehens nicht zu hören. Es sei denn, man dreht die Lautstärke der Soundeffekte komplett runter oder lässt den Feuerknopf mal los. Da ist beim Soundmixing definitiv irgendetwas in die Hose gegangen. Dabei hat der Soundtrack im ersten Teil sehr viel zum Spielerlebnis beigetragen. Schade.

Aber als Fan der Band habe ich mir natürlich das Album sofort bei Bandcamp geholt – und wurde sehr, sehr enttäuscht. Die meisten Tracks klingen langweilig und 08/15-“Ich schrubb auf der Gitarre” rum. Die bezeichnenden SID-Elemente fehlen häufig. Und die wenigen Highlights wie das Title Theme sind Remixes/verwenden Motive aus dem Soundtrack von Teil 1. Da hatte ich definitiv wesentlich mehr erwartet. Stattdessen habe ich beim Hören des Albums mehr das Gefühl als würde ich entweder Ausschuss- oder “Ich werde nicht gut genug dafür bezahlt”-Liedern lauschen. Absolut kein Vergleich zum phänomenalen Soundtrack von Jets ‘n’ Guns, der nur so vor Kreativität sprühte und den ich heute noch hoch- und runterhöre *klickt auf Megascorcher in seiner Playlist und rockt eine Runde ab*.

Resteverwertung?

“Ausschuss” ist leider ein Punkt, der nicht nur beim Soundtrack zu spüren ist. Auch das restliche Spiel leidet unter dem Problem, dass ich als Fan alles gefühlt schon in besser/kreativer erlebt habe. Sicherlich nicht in so einem schicken Gewandt aber die neuen Ideen halten sich definitiv in Grenzen. Stattdessen erwartet euch in den gerade Mal 13 Leveln (plus 3 geheime Level) im Prinzip ein Best-of aus Teil 1. Ein Flug durch eine SciFi-Stadt, ein Abstecher ins Bierimperium, ein Besuch bei den Insekten, ein Lavaplanet mit obligatorischem Star-Wars-Easter-Egg und sogar ein nerviges Rennen ist wieder dabei. Viele der Gegner sind darüber hinaus alte Bekannte, die zwar in neuem Glanz erstrahlen aber trotzdem nicht wirklich was Neues zu bieten haben. Da ist es fast schon positiv, dass ein Durchgang so schnell vorüber ist. Denn ja, es sind nicht nur weniger Levels – sie sind auch definitiv kürzer. Ich würde schätzen, dass ihr mit dem ersten Durchgang maximal 3-4 Stunden beschäftigt seid.

Wenn wenigstens die Geschichte ansprechend wäre. Aber nein, diese ist faktisch nicht vorhanden. Erwarteten euch in Teil 1 noch kleine Comic-Seiten mit viel Witz und Charme und einer zusammenhängenden Geschichte rund um einen zeitreisenden Bösewicht, gibt es hier nur ein paar Zeilen Text unten am Bildschirm beim Anklicken eines Levels. Entsprechend habe ich ehrlich gesagt keinen Schimmer was ich warum überhaupt getan habe und wer der Typ war, dessen Schiff ich in einem mehrstufigen Bosskampf zerstört habe. Das verstärkt den Eindruck ungemein, dass hier einfach nur ein paar aus Teil 1 übrig gebliebene Ideen umgesetzt und als eigenständiges Spiel verkauft wurden.

Das Upgrade-System

Jets ‘n’ Guns 2 (Herstellerbild)

Was ebenfalls gestrichen wurde sind mehrere unterschiedliche Schiffe. Stattdessen fliegt ihr von Anfang bis Ende immer die gleiche Mühle und habt nur ein paar Möglichkeiten sie im Design euren Vorstellungen anzupassen. Mich persönlich stört dieser Punkt zwar nicht sonderlich, aber es gefällt nicht jedem. Immerhin habt ihr immer noch sehr viele Möglichkeiten eure Mühle auszustatten. Dazu schaltet ihr im Verlauf des Spiels dutzende verschiedene Ausrüstungsgegenstände frei. Von Waffen aller Art über Waffenmodifikationen und Spezialfähigkeiten hin zu Schiffssystemen ist die Auswahl echt riesig. Und obwohl es natürlich empfehlenswerte Konfigurationen gibt, vor allem auf den höheren Schwierigkeitsgraden, habt ihr doch so einige Freiheiten und es lohnt sich zudem hin und wieder mal zu wechseln.

Blöd nur, dass genau hier die Freiheit eingeschränkt ist. Während ihr zwar wieder die komplette Kohle zurückbekommt, wenn ihr einen Ausrüstungsgegenstand verkauft, sind die Bauteile nicht unendlich oft im Shop verfügbar. Möchtet ihr also für eure drei Frontgeschütze drei automatische Zielhilfen kaufen, dann geht das nicht. Ihr bekommt nämlich nur eine auf einmal. Stattdessen heißt es die nächste Mission spielen, das Bauteil nochmal kaufen und dann noch eine dritte Mission schaffen, bevor ihr endlich eure Wunschkonfiguration habt. Das ist echt doof gelöst. Und macht euch mitunter auch das Leben unnötig schwer. Meist wollt ihr schließlich wechseln, wenn ihr euch an einem Level die Zähne ausbeißt. Also müsst ihr nochmal alte wiederholen, bevor ihr überhaupt die Chance habt es mit einer neuen Konfiguration nochmal zu probieren. Keine Ahnung, warum es diese Einschränkung gibt.

Der Schwierigkeitsgrad

Apropos Zähne ausbeißen: Die ersten zwei Level des Spiels sind die härtesten im gesamten Spiel. In Star City 17 liegt es vermutlich daran, dass ihr in vergleichsweisen engen Korridoren unterwegs seid. In Skyway Alpha kommt zu diesen Korridoren dann noch ein stark beschleunigtes Scroll-Tempo dazu. Hat man diese beiden Level mal überstanden, ist der Rest des Durchgangs fast schon ein Spaziergang.

Erfreulicherweise anders als noch in Teil 1, wird das Spiel auch tatsächlich bei jedem Durchgang anspruchsvoller. So bekommen Feinde beispielsweise Schilde, es sind zusätzliche Hindernisse im Level vorhanden oder Gegner lassen eine Bombe beim Tod fallen. Je weiter ihr kommt, desto stärker verkommt der Titel aber leider zu einem Bullet-Hell-Shooter (überall sind Geschosse auf dem Bildschirm), bei dem weniger die eigentlichen Feinde als das Drumherum die Gefahr ist. Kombiniert mit den vielen Effekten, die eure aufgemotzten Schießprügel machen, wisst ihr mitunter gar nicht was euch gerade in die Luft gejagt hat. Da lernt man die kurzen Levels und die Möglichkeit vier davon auszulassen dann tatsächlich sehr schnell zu schätzen. Und ja, die Bosse sind im Vergleich ein Witz und meist innerhalb von Sekunden tot, wenn sie nicht in mehrere Phasen aufgeteilt sind. Aber die ersten 2-3 Durchgänge sind völlig okay und machen Laune.

Jets ‘n’ Guns 2 (Herstellerbild)

Beim Christoph meint: Von mir gibt es 3 von 5 Sics. Als Fan von Teil 1 bin ich definitiv enttäuscht von Teil 2. Ja, es sieht geil aus und das Grundprinzip macht definitiv immer noch Spaß. Aber es ist mir unterm Strich schlicht und einfach zu wenig. So sehr mich die 43 Levels in Teil 1 für das Achievement mittlerweile ankotzen: Es wurde einem echt was geboten. Die Levels in Teil 2 sind zwar ebenfalls im Grundsatz gut gemacht. Es fehlt mir jedoch der Charme, der Witz und vor allem die coolen neuen Ideen. Stattdessen erwartet mich das Gleiche wie vor 16 Jahren – nur irgendwie abseits der Grafik schlechter und langweiliger. Insofern ist mein Fazit leider, dass ihr euch lieber Teil 1 kaufen solltet. Da mögen die Texturen nicht so gestochen scharf sein aber in allen anderen Aspekten ist er dem Nachfolger immer noch überlegen. Lasst euch nur nicht von den Achievements verführen!

PS: Tetrix feiert in Teil 2 ebenfalls seine Rückkehr – allerdings in Form von Mortal Tetrix. Statt einem leeren Spielfeld begrüßt euch ein Bild, das ihr nach den üblichen Tetris-Regeln zerstören müsst um ins nächste Level zu gelangen. Gleichzeitig haben eure Tetrominos “Special Moves” drauf – daher das “Mortal” im Name. Beim Ausführen der am Bildschirmrand angezeigten Tastenkombination stürzt sich beispielsweise der Viererblock in die Tiefe und löscht alle Steine aus. Das T führt hingegen einen Luftangriff durch, der alle Blöcke in der ersten Reihe entfernt. Eine sehr coole Umsetzung mit der ich mehr Spaß hatte als ich zugeben möchte :smile: .

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