Sicarius

Nackte Haut und japanische Höflichkeit

Letzten Mittwoch ist endlich der langerwartete Abschluss der The Binding of Isaac: Rebirth-Saga erschienen: Der DLC zum DLC zum DLC namens The Binding of Isaac: Repentance. Er hat noch mehr Gegenstände, noch mehr Gegner, noch mehr Räume, noch mehr Charaktere und was weiß ich noch alles eingefügt. Angeblich über 500 Stunden zusätzliches Gameplay. Am gleichen Tag ist das nächste große (kostenlose!) Inhaltsupdate namens Expeditions für No Man’s Sky veröffentlicht worden, welches den mittlerweile sowieso schon gut gefüllten Titel noch einmal signifikant erweitert – ohne, dass es den Anschein hat, dass Hello Games demnächst aufhören würde das Spiel weiter zu entwickeln. Scheint fast so als wollten sie die anfängliche Leere des Titels überkompensieren :wink: . Und ich sitze hier und frage mich jedes Mal: An wen richten sich solche Updates?

Es sieht mittlerweile nach einer Lebensaufgabe aus diese Titel zu zocken und auch nur an der Oberfläche der verfügbaren Inhalte zu knabbern. So habe ich mir selbstverständlich als Fan der Serie The Binding of Isaac: Repentance sofort geholt aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich damit verbundene Inhalte jemals zu Gesicht kriege? Eher gering. Hab‘ ja schon mit The Binding of Isaac: Afterbirth nicht so viel Zeit verbracht. Hat natürlich genau diesen Vorteil, dass man sich faktisch nie wieder einem anderen Spiel widmen muss. Aber gleichzeitig undurchdringbar für Leute wie mich, die nicht nur vielleicht irgendwann auch mal fertig mit einem Spiel sein wollen (heutzutage eine völlig utopische Vorstellung), sondern sich gleichzeitig die Frage stellen, wann sie überhaupt damit anfangen sollen es zu spielen. Luxusprobleme, ich weiß. Wir leben einfach in einer Welt des Überflusses. Die Folge ist es zu lernen seine Aktivitäten zu priorisieren und die Angst „etwas verpasst zu haben“ einfach hinter sich zu lassen. Bringt ja nichts. In diesem Sinne gibt es heute mal wieder ein paar Kurzeindrücke zu Titeln mit denen ich mehr oder weniger viel Zeit verbracht habe:

Subverse (Herstellerbild)

Subverse (2021 Early Access; PC) – Auf der Crowdfunding-Unterseite beschreibe ich den Titel als „Pirates unter den Spielen“ ohne aber genauer darauf einzugehen. Dieser Erwachsenen-Film ist übrigens mittlerweile 16 Jahre alt. Wie doch die Zeit vergeht. Aber reden wir nicht um den heißen Brei herum: Subverse ist eine Mass Effect-Pr0n-Parodie, die aber anders als die meisten Titel aus diesem besonderen Genre versucht auch ein gutes Spiel und eine Geschichte um die gewissen und äußerst expliziten Szenen herum zu bieten.

Während die Geschichte im Stil eines Visual Novel erzählt wird und gespickt ist mit Humor der absolut untersten Schublade, besteht der Gameplay-Anteil aus durchaus spaßigen Top-Down-Shoot’em-Up-Sektionen und taktisch bislang wenig anspruchsvollen Rundentaktikgefechten inspiriert von XCOM & Co. Für die unanständigen Szenen steht hingegen ein System namens „Pandora“ bereit. Dort schaltet ihr für jeden weiblichen Charakter (müsst ihr erst über die Missionen rekrutieren) an Bord Szenen frei, die ihr dann beliebig miteinander kombinieren und rudimentär beeinflussen könnt (bislang nur ein Geschwindigkeitsregler). Aus Lysandas und meiner Sicht derzeit noch der schwächste Teil des Spiels obwohl es ja der Hauptseller sein sollte. Die Szenen, die wir bereits freigeschaltet haben, sind langweilig und öde. Ihr versteht aber hoffentlich, dass ich an dieser Stelle nicht genauer darauf eingehen kann :wink: . Aber Subverse ist ja noch ein Early-Access-Titel und die Entwickler haben bereits gegenüber den Unterstützern versprochen, dass das jetzt wirklich erst der Anfang ist und noch sehr viel mehr kommen wird bis Release. Nicht nur was das Pandora-System angeht, sondern auch in Bezug auf das restliche Spiel. Insofern: Das Potential für ein gutes Spiel ist spürbar vorhanden aber derzeit empfehle ich trotzdem ihn erstmal nur weiter zu beobachten statt direkt zuzuschlagen.

Das Spiel ist übrigens wie HuniePop 2 nicht im deutschen Steam-Store erhältlich. Da Valve weiterhin warum auch immer absolut nicht gewillt ist ein anständiges Altersverifikationssystem einzuführen und gleichzeitig Medienanstalten in Deutschland ein höheres Augenmerk auf „Pr0n im Netz“ gelegt haben, ist seit ungefähr Dezember 2020 auf der Plattform sehr viel gesperrt worden in der Hinsicht für uns. Ich hatte mit Subverse nur das Glück, dass wir als Backer die Keys schon Monate vor Release bekamen. Entsprechend hatte ich es bereits vor der Sperre auf meinem Account aktiviert. Eine Ländersperre beim Starten gibt es (noch) nicht.

KUUKIYOMI: Consider It (Herstellerbild)

KUUKIYOMI: Consider It (2018; PC, PS4, NSWI) und KUUKIYOMI 2: Consider It More! – New Era (2019; PC, PS4, NSWI) – Vom Sexspiel hin zum kompletten Kontrastprogramm. In diesen beiden minimalistischen und äußerst japanischen Titeln erwarten euch jeweils 100 sehr kurze „Alltags“-Situationen. In jeder Szene gibt es etwas Rotes bzw. im Koop-Modus etwas Rotes und Blaues. Das kann eine Person sein oder auch ein Gegenstand. Nur dieses rote/blaue Objekt könnt ihr beeinflussen. Eure Aufgabe ist nun in kürzester Zeit die rücksichtsvollste Lösung („consider it“) für diese Situation umzusetzen.

Beispielsweise lauft ihr als Person automatisch von links ins Bild während eine Gruppe Menschen in der Mitte kniet und sich für ein Foto bereit macht. Ihr könntet nun bspw. Photobombing betreiben oder schnell vorbeilaufen. In einer anderen Situation steuert ihr ein Monster auf einer von The Legend of Zelda-inspirierten Überweltkarte. Eine stark angeschlagene Heldentruppe kommt auf euch zu. Geht ihr ihr aus dem Weg oder bleibt ihr stehen und nutzt ihren geschwächten Zustand aus? Oder der Weihnachtsmann kommt und ihr seid ein Kind im Bett. Bleibt ihr wach und schaut ihm zu oder legt ihr euch schlafen und lasst ihn seine Arbeit machen?

Am Ende der 100 Situationen wird eure Persönlichkeit auf Basis eurer Aktionen in verschiedenen Kategorien eingeschätzt. Und nein, es ist logischerweise nicht immer richtig euer eigenes Wohl hintenanzustellen. Es ist also durchaus nicht so einfach zu entscheiden, was gerade das „Richtige“ ist. Erschwerend kommt noch hinzu, dass es ein durch und durch japanisches Spiel ist und damit die Situationen nach deren gesellschaftlichen Sichtweise bewertet werden. Dennoch: Eine absolut faszinierende, absolut ungewöhnliche und doch ganz klar empfehlenswerte Trilogie (Teil 3 aktuell nur auf NSWI verfügbar) bei der man tatsächlich so einiges über sich selbst lernt – oder über seine Freunde/Partner/etc., wenn ihr im Koop-Modus unterwegs seid. Ach und wenn ihr mal keine Lust darauf habt Rücksicht auf andere zu nehmen: Nach dem erstmaligen Durchspielen wird der Negativ-Modus freischaltet. Da müsst ihr die gleichen 100 Situationen dann so lösen, dass ihr der größtmögliche Arsch seid :smile: . Außerdem ist in jeder Szene noch ein Geheimnis versteckt. Gibt also für alles quasi drei mögliche Lösungen, was den Wiederspielwert (ein Durchgang dauert ca. 30min) etwas hebt.

Blue Estate

Viktor Kalvachev’s Blue Estate: The Game (2014; PC, XONE, PS4) – Ein Lightgun-Rail-Shooter (euer Charakter bewegt sich automatisch) auf Basis der gleichnamigen Graphic-Novel-Reihe. Die kenne ich zwar nicht (und ist wohl auch nicht so gut) aber Rail-Shooter finde ich grundsätzlich eine coole Sache für Zwischendurch und es gibt für Zuhause immer noch viel zu wenig gute Umsetzungen. Wer erinnert sich nicht bspw. noch angenehm an SEGAs Virtua Cop-Reihe. Bitte? Nur ich? Schade… Naja, zielen, abdrücken und ab und zu nachladen heißt die Devise. Der Rest läuft automatisch ab. Okay, nicht ganz: Tatsächlich benötigt ihr auch noch ab und zu die Pfeiltasten, um z.B. Munition aufzusammeln oder Hindernissen auszuweichen. Hat sogar einen lokalen Koop-Modus der Titel für zwei Personen. Inhaltlich bietet Blue Estate sieben Level (inkl. drei Bosskämpfe) durch die ihr euch mit zwei verschiedenen Charakteren arbeitet. Dauert beim ersten Durchlauf ca. drei Stunden. Klingt also kürzer als es tatsächlich ist. Tony Luciano der Sohn eines italienischen Mafiabosses in Los Angeles sowie Clarence, ein Ex-Navy SEAL angestellt bei der Familie. Im Story-Modus fangt ihr in den Schuhen von Tony zuerst einen Krieg mit der chinesischen Bande „Sik Brothers“ an und versucht dann als Clarence die Sache wieder zu beenden.

Während Tony mehr der stürmische, pseudo-coole Haudrauf ist, ist Clarence durch seine Ausbildung mehr methodisch und aus dem Hinterhalt unterwegs. Für euch als Spieler macht es aber keinen großen Unterschied: Ihr tragt eine Pistole mit unendlich Munition bei euch und findet im Laufe einer Mission noch eine zweite Waffe wie z.B. eine Schrotflinte. Eure Aufgabe: Alles abschießen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, Zwischendurch immer mal wieder nachladen und dabei die Highscore nach oben treiben. Kopftreffer geben mehr Punkte als Körpertreffer, der kreative Einsatz der Umgebung nochmal mehr und so. Kombo hochhalten, versteckte Gegenstände finden und so weiter und so fort. Blue Estate bietet grundsätzlich nichts Neues was Rail-Shooter angeht. Aber es sieht richtig gut aus, die Levels sind vollgestopft mit vielen Details, es spielt sich flüssig und der (nicht gerade hochtrabende) Humor kommt ebenfalls nicht zu kurz. Beide Charaktere sind unmissverständlich Arschlöcher (speziell Tony zudem Sexistisch und Rassistisch) und die Geschichte wird als Rückblende eines nutzlosen Privatdetektivs erzählt, der es mit den Details manchmal nicht ganz so genau nimmt. Unterm Strich eine runde und unterhaltsame Sache, die ich Shooter-Fans nur ans Herz legen kann.

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