Sicarius

Inländer im Ausland

Nachtzug fahren ist gar nicht so schlimm, wie man es sich gemeinhin vorstellen könnte. Klar, im Nachtzug in der Sitzabteilung zu sitzen ist nicht angenehm aber schon der Liegewagen ist vollkommen in Ordnung – zumindest wenn die bis zu fünf anderen im Abteil noch einigermaßen Anstand besitzen. Zumindest auf der Hinfahrt hatte ich in der Beziehung Glück und konnte einigermaßen gut pennen. Heute Nacht war das leider etwas anders. Ich hatte ein „Pärchen“ im Zimmer, wo der Herr schon mehr als nur leicht einen hinter der Binde hatte (Die Frage warum das Mädel gerade ihn als ihren Begleiter ausgesucht hat, gehört zu den letzten Mysterien der Menschheit). Dementsprechend war die Nacht eher durchdrungen von komischen Lauten und heftigem Geschnarche. Ich bemitleide aufrichtig jede Ehefrau, die das Ganzjährig mitmachen muss!

Warum ich überhaupt mit dem Nachtzug gefahren bin und wohin überhaupt? Das hatte ich zwar schon am 12.11.06 aber um den Eintrag hier ordentlich zu füllen, noch mal die Kurzfassung: Vorstellungsgespräch bei Blizzard Entertainment. Natürlich werde ich auch jetzt weiterhin meiner Philosophie treu bleiben und euch weder sagen auf welche Stelle ich mich überhaupt beworben hatte noch was ich dort vor Ort so erfahren habe. Was ich aber sicher verraten kann, ist das sie ihre Konferenzräume nach ihren Spielen benennen. Mein Interview fand z.B. in „The Lost Vikings“ statt. Dass diese Geheimnistuerei auch voll in Blizzards Interesse liegt, kann man vor allem daran sehen, dass man von außen keinerlei Hinweise auf Blizzard findet. Selbst wenn man sich zur schweren Sicherheitstür, die als Eingang fungiert, durchgekämpft hat, weiß man immer noch nicht ob man überhaupt richtig ist. Dies kann durchaus zu Verwirrung führen. Hier mal ne grobe Beschreibung:

Die Firma befindet sich in einem Gebäudekomplex. Geht man hinein, befindet man sich in einem Vorraum in dem nur Türen zu Aufzügen zu finden sind. Fährt man dann in das richtige Stockwerk, sieht man sich mit einem Raum konfrontiert in dem Links eine Hochsicherheitstür ist und Rechts eine Tür hoch zum Dach. Da mir solche Gänge auch von der Telekom bekannt sind, habe ich nach einmaligem probieren ob die Tür nicht auch so aufgeht, auch gleich die Klingel (mit eingebauter Kamera) entdeckt, die versteckt an der Seite hängt. Ein nachfolgender Bewerber scheint daran schon verzweifelt zu sein, hatte aber das Glück, dass gerade die Post kam. Dieses System zieht sich auch durch das ganze Gebäude. Schwarze Sicherheitstür folgt nach schwarzer Sicherheitstür. Total krank.

Der andere Bewerber war er ein netter Kerl. Da wir noch auf unsere Abholung warten mussten, haben wir uns ein bisschen unterhalten. Sogar zweisprachig. Er ist nämlich Niederländer gewesen und kann dadurch Englisch, Deutsch und Französisch. Da er aber sein Deutsch üben wollte (und ich viel zu wenig Französisch kann) und ein bisschen Praxis in Englisch mir auch immer gut tut, habe ich mit ihm eben Englisch geredet und er mit mir Deutsch. Vielleicht treff’ ich ihn ja wieder. In ~2 Wochen werd ich Bescheid gesagt bekommen obse mich wollen oder nicht. Aber selbst wennse mir einen Arbeitsvertrag anbieten, muss ich natürlich trotzdem den Schritt noch ausgiebig überlegen. Umso mehr, je näher die Möglichkeit rückt.

Klar, prinzipiell bin ich nicht dagegen abgeneigt, sonst hätte ich mich ja nicht beworben aber trotzdem muss dieser Schritt dennoch wohl überlegt sein. Erschwerend kommt ja noch dazu, dass ich ja schon ein Arbeitsverhältnis habe. Wäre ich Arbeitslos, würde mir die Entscheidung sicher einfacher fallen. Im Wartezimmer hing übrigens ein überlebensgroßes Bild der Dame aus StarCraft: Ghost. Saugeil. Aber ich glaub um das bei mir hier ins Zimmer zu hängen, müsste ich die Decke höher machen.

Gut, eigentlich wollte ich jetzt noch etwas auf Gothic 3 und die Sache mit den „Killerspielen“ eingehen aber da der Text bereits so lang ist, erzähl ich euch noch ein bisschen was über meine Eindrücke von Frankreich.

Dies war jetzt nicht mein erster Besuch in Paris aber beim ersten Mal war ich logischerweise noch von den vielen Sehenswürdigkeiten geblendet. Da ich diese aber damals alle abgeklappert hatte, konnte ich mich dieses Mal mehr auf die Stadt und die Vororte selbst konzentrieren. Dabei musste ich feststellen – es mag extrem klingen – das wir die Stadt im 2. Weltkrieg entweder nicht gut genug zugebombt haben oder beim Wiederaufbau einfach pfusch betrieben wurde. Eine Weltstadt stelle ich mir anders vor. Wer Frankfurt und seinen Hauptbahnhof (vor der Renovierung) kennt, weiß, dass solche Städte gerne abgesifft und eher weniger einladend daherkommen aber so schlimm wie Paris und Velizy-Villacoublay aussehen…

Allein der Gare de L’est ist so ein heruntergekommenes Loch, in dem es auch noch zieht wie Hechtsuppe (mehr noch als in jedem anderen Bahnhof). Absolut nicht geeignet für einen positiven Ersteindruck von Paris. Vielleicht wird das nächstes Jahr besser (Renovieren gerade) aber selbst außen rum ist es echt schlimm. Vor allem dem ganzen Metrosystem sieht man sein Alter an. Wer da mal in Offenbach mit der U-Bahn rumgedüst ist, kriegt fast klaustrophobische Zustände. Enge, ekelhaft weiß geflieste und lange Gänge. Züge, die ihre besten Jahre schon vor langer, langer Zeit gesehen haben und generell eine eher ausladende Ambiente. Apropos Ambiente. Da muss ich noch was zum Gare de L’est sagen: Wenn ich noch einmal diese komische Jingle höre, die vor jeder Ansage ertönt, DANN laufe ich mal Amok. Das ist schlimmer als Schnappi, Crazy Frog und wie sie alle heißen zusammen.

Velizy (~20min von Paris) ist auch nicht viel besser. Zwar ist die Stadt quasi schon als „Industrie-Stadt“ ausgeschildert aber dennoch wäre etwas weniger Beton und etwas mehr Glas sicher angebracht gewesen. Das einzige bunte, was ich dort finden konnte, war die McDonalds Filiale (direkt vor dem Blizzardgebäude :P ). Scheint auch sonst nicht viel los zu sein. Haben zwar massig Hotels, Pizzerien, Restaurants und ne Einkaufsmeile die zwei Straßenblöcke groß ist aber sonst ist da anscheinend ziemlich tote Hose. Aber für Firmen scheint der Standort wohl ideal zu sein. Alcatel, Sun Microsystems, die B. (ich kürze ab, weil ich den Namen vergessen habe :D ) Telecom uvm. haben dort riesige Grundstücke. Man könnte fast sagen, dass es dort quasi alles umgekehrt ist. Hier fahr ich ausm Dorf in die Stadt um zu arbeiten und dort fährt man aus der Stadt ins „Dorf“ um zu arbeiten.

Das schlägt sich auch entsprechend im Verkehr nieder. Sowohl die öffentlichen Verkehrsmittel als auch die Straßen an sich sind zu jeder Uhrzeit bis zum erbrechen voll. Die Franzosen scheinen hier aber auch wiederum keine Rücksicht zu kennen. Statt auf die nächste U-Bahn zu warten, die nur eine Minute später kommt, quetschen sich lieber alle in die rein, die gerade dasteht. Mit dem Bus ist es dasselbe. Da kann man nur noch den Vogel zeigen :).

Naja, soviel dazu. Jetzt muss ich mich hier erst einmal wieder auf den aktuellsten Stand bringen (einen Tag zu verpassen ist in der IT-Branche eine Ewigkeit!). Also bis denne.

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14 Kommentare

Jaja, die Franzosen… interessanter Bericht. Jetzt will ich noch weniger nach Frankreich als ich es vorher eh schon nicht wollte :) (stimmt der Satz? bin noch a wengele müd).
Auf jeden Fall drücksch dir die Daume men Jung!

Entscheidungshilfe wird hoffentlich das Einkommen werden…
Aber zu Frankreich und Paris:
OMG dass es dich überrascht das Paris so abgesifft ist, ist fast schon wieder peinlich, echt mal. Du hast doch Londonium gesehen und dir dort von jedem die Gewissheit geben lassen, dass es dort Millionen Mal sauberer als in Paris ist. *ersetzt“sauberer“mit“wenigerschmutzig“*

Frage:
Ist das StarCraftGhost Bild mit der Abbildung der Frau jenes, welches eine Diagonale von rechts unten nach links oben durch die Ausrichtung des Frauenkörpers und der Waffe, die sie trägt, bildet?

Nächste Frage:
Kommen die Worte „Schnappi“ und „CrazyFrog“ nur in dem Text vor um einen weiteren Platz in der Googlemania vor mir zu bekommen?

Es war der rechte Teil dieses Wallpapers:

http://videogamegallery.blogspot.de/2012/07/starcraft-ghost-wallpaper.html

stand noch StarCraft Ghost mittendrin.

Schnappi und CrazyFrog stehen drin, weil die genauso nervig sind wie diese komische Jingle.

Natürlich überrascht es mich wie extrem abgesifft Paris ist. Eine Stadt die quasi komplett nur eine Touristenattraktion ist. Eine Stadt die „Stadt der Liebe“ genannt wird. Und dann ist es doch nur so ein versifftes Loch. Da hilft es auch nichts wenn man mir vorher sagt „ja, Paris is total untere Schublade“. Wenn man es mit eigenen Augen zum ersten Mal realisiert, ist man überrascht. Außerdem wenn ich geschrieben hätte: „Jackie hat Recht gehabt.“, hätte erstmal sowieso keiner gewußt was ich meine und der Eintrag wäre wesentlich kürzer und uninteressanter geworden.

ist doch einfach, dann schreibst du eben:
Talliah aka […] hat Recht mit folgender Tatsache gehabt: Paris stinkt!
Stadt der Liebe? Für obsessive Frauen vllt, weil dort ja die „Mode“Branche ihre Geldbeutel aufhält, aber sonst…?!?

btw. url funzt nicht…

Aber Paris hat tolle Museen und son Krempel, ne Schokoladenmesse, ne Sacre-Coeur, ein Bois-de-Boulogne und so weiter. und is dreckig und hat gefährliche Vorstädte. aber sonst?

Ich bezweifle, dass wir der einzige Planet sind der Schokolade kennt. Ich bin mir sicher da draußen gibt es einen Planeten da gibts sogar NOCH bessere Schokolade!

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