Sicarius

Brumelum

Nach der kleinen Erholung, gibt es heute wieder viel Text, denn seit Samstag bin ich stolzer Besitzer des Logitech G25 Racing Wheels, das beste und wohl auch teuerste Lenkrad, das es momentan für Normalsterbliche zu kaufen gibt. Bevor wir uns also einem anderen Thema widmen, ein erster Erfahrungsbericht:

Das Lenkrad kommt zusammen mit drei Pedalen und einer separaten Gangschaltung. Am Lenkrad selbst befinden sich nur zwei Buttons und die bekannten Schaltwippen an der Rückseite. Die separate Gangschaltung simuliert ein 6-Gang-Getriebe und einen Opel-Rückwärtsgang (Schalthebel reindrücken und nach rechts unten führen). Zusätzlich befindet sich an dieser Einheit auch noch ein Pad mit 8 weiteren Buttons und einem digitalen Steuerkreuz. Hier liegt auch schon das erste Negative des ganzen Systems: das Pad ist sehr umständlich zu erreichen und der Schalthebel ist eigentlich immer im Weg. Außerdem muss man die rechte Hand vom Lenkrad lösen, was oft nicht gerade toll ist. Hier wäre es definitiv sinnvoller gewesen, zumindest die üblichen sechs Buttons auf das Lenkrad zu packen um wirklich alle wichtigen Kontrollen direkt greifbar zu haben.

Die generelle Verarbeitung der drei Einheiten ist hingegen sehr vorbildlich. Die Pedale selbst sind nicht aus Plastik sondern aus Edelstahl und die Pedalkonstruktion ist auch auf glattem Parkettboden absolut standfest. Den Widerstand des Bremspedals empfinde ich persönlich allerdings zu hoch. Speziell in älteren Titeln, die nur zwei Zustände kennen, ist es sehr anstrengend das Pedal soweit durchzudrücken, bis er es anerkennt. Sollte es zusätzlich nicht möglich sein den Rückwärtsgang irgendwo anders hinzulegen, verliert man sehr viel Zeit mit der ganzen Angelegenheit. Kupplung und Gas sind allerdings sehr angenehm zu Bedienen und bieten eine gute Mischung aus Benutzbarkeit und Gefühl.

Das Lenkrad ist mit handgenähtem Leder überzogen und dank seiner 28cm Durchmesser fühlt es sich viel realer an, als mein altes MS Sidewinder FF Wheel, dessen Durchmesser ich jetzt nicht genau weiß, der aber definitiv einige schöne Zentimeter darunter liegt. Das die Kabel unter das Lenkrad geführt werden mag der Optik gut tun aber ich persönlich fände es besser, wenn die Anschlüsse direkt an der Rückseite wären. Dies war aber beim Sidewinder auch nicht anders. Dafür ist die Zuführung vorbildlich gelöst mit genug Platz und passenden Einkerbungen, damit das Lenkrad auch wirklich glatt auf dem Tisch aufliegt. Befestigt wird die ganze Sache mit zwei relativ kleinen Halterungen an der unteren Vorderseite. Diese öffnet man mithilfe zweier Gewinde am oberen Teil der Konstruktion und schiebt dann die Tischplatte hinein und dreht es wieder fest. Überraschenderweise hält die Sache bombenfest, was ich ehrlich gesagt nicht erwartet hatte.

Mit derselben Methode, wird auch das Schalt-Modul am Tisch befestigt, hier gibt es allerdings zusätzlich auch noch einen Arretierstift in der Mitte, der auch noch festgedreht werden will. Danach kann aber auch die Welt untergehen und es löst sich trotzdem nicht mehr. Der Schalthebel ist, wie das Lenkrad, sehr hochwertig verarbeitet und auch mit Leder verkleidet. Er ist also nicht einfach nur ein langweiliger Stick wie bei billigeren Modellen. Zusammen mit dem sehr schönen, mechanischen Klick beim Einlegen eines Ganges, bietet es beinahe das Gefühl in einem richtigen Wagen zu sitzen. Ein zusätzlicher Drehschalter an der Konstruktion ermöglicht es einem auch noch die Gangschaltung von der normalen Schaltmethode in eine simple „Hoch und Runter“-Variante umzuschalten.

Die Installation des Geräts gestaltet sich, wie man es von Logitech gewöhnt ist, sehr einfach. Nach der Installation der beigelegten Software, stöpselt man das Lenkrad in einen freien USB-Anschluß und es kann direkt losgehen. Selbstverständlich kann man noch einige Einstellungen vornehmen, wie z.B. den Drehbereich ( bis zu 900° ) oder einfach mal die Force Feedback Effekte antesten (das simulierte Starten eines Motors lässt meinen gesamten Schreibtisch wackeln). Kommen wir also zum wichtigsten: das Fahren.

Ich habe das Lenkrad bislang mit drei Titeln länger getestet: Colin McRae DiRT, Need for Speed: Most Wanted und Test Drive Unlimited. Alle drei Titel habe ich vorher ausgiebig mit dem MS Sidewinder FF Wheel gespielt, weshalb es als Vergleich dient (auch wenn klar ist, dass es zwei verschiedene Welten sind). Da sich ein Drehbereich von 900° anfühlt als würden sich die Reifen dagegen wehren in die gewünschte Richtung gedrückt zu werden. Vielleicht bin ich es auch einfach nicht mehr gewohnt ohne den ganzen technischen Schnickschnack zu lenken :). Zum schnellen Reagieren taugt es aber in den drei genannten Titeln aber definitiv nicht, deswegen wurde der Drehbereich auf den Standardwert von 200° gesetzt.

Colin McRae DiRT: Die Erkennung lief ohne Probleme allerdings unterstützt das Spiel anscheinend die Gangschaltung nicht (das Pad funktioniert allerdings), weshalb ich entweder die normalen Schaltwippen oder die simple Schaltung benutzen muss. Da mir das Spiel allerdings auch mit Automatik schon schwer genug ist, habe ich mich ehrlich gesagt auch nicht genauer damit beschäftigt.
Im Spiel selbst hat sich die sehr gute Qualität des Gespanns dann auch sehr schnell bemerkbar gemacht. Durch die zwei Force Feedback-Motoren, fühlt sich die Raserei über die verschiedenen Straßenbeläge nicht nur besser an sondern man hat auch spürbar mehr Kontrolle über das Auto durch die realistischeren Widerstände die am Lenkrad herrschen. Auch die Übersetzung der eigenen Lenkbewegung ins Spiel läuft reibungslos und gibt einem, wenn man die entsprechende Framerate hat (Colin ist ein absolut nicht auf Performance getrimmtes Spiel…), tatsächlich ein wenig das Gefühl selbst im Wagen zu sitzen. Die Möglichkeit Gas und Bremse präzise zu dosieren führt nicht nur zu einem cooleren und realeren Erlebnis sondern – zumindest in meinem Falle – auch zu besseren Ergebnissen, da man nun wirklich punktgenau auf alles reagieren kann, was einem das Spiel in den Weg stellt. Ein professioneller Rallyfahrer werde ich dadurch zwar immer noch nicht aber der nächste Schritt in diese Richtung ist getan.

Need for Speed Most Wanted: Ich liebe EA-Spiele. Die Hardwareerkennung ist immer völliger Schwachsinn. Bis er das Lenkrad erkannt hat, musste ich erst meinen Joystick und meine Gampads im Gerätemanager deaktivieren, da er anscheinend immer nur ein Gerät erkennt. Es half auch nichts, das Lenkrad als Standardgerät auszuwählen. Als diese Hürde aber geschafft war, lief alles Weitere einwandfrei und ich konnte direkt ins Spiel einsteigen. Da Need for Speed Most Wanted logischerweise mehr auf Arcade ausgelegt ist, wird auch hier die Gangschaltung nicht korrekt erkannt aber dies war zu erwarten und ist zu verkraften.
Aber obwohl das Spiel keine Simulation ist, hatte ich auch hier sofort das Gefühl, eine genauere Kontrolle über meinen Porsche (Bin erst Blacklist #8 ) zu haben und auch das Force Feedback fühlt sich nun nach mehr als nur reinem Gerüttel an. Zu erwähnen ist allerdings, dass Need for Speed Most Wanted anscheinend eines dieser erwähnten Spiele ist, bei denen Bremse und Rückwärtsgang nicht getrennt belegbar sind (zumindest habe ich keine Option gefunden) und in denen es nur zwei Zustände gibt. Das ist wirklich ein purer Krampf wenn das Auto in eine Straßensperre rammt und es wichtig wird Rückwärts abzuhauen aber man erst gefühlte 20 Tonnen mit dem Fuß wegdrücken muss bevor er ihn endlich einlegt.

Test Drive Unlimited: Der einzige Titel der die Schalteinheit vollständig unterstützt und prinzipiell sogar noch mehr (man kann sieben normale Gänge benutzen). Zusammen mit seiner großen, frei befahrbaren und halbwegs realistischen Welt, war ich natürlich sehr darauf gespannt wie es sich nun unter solchen Bedingungen fährt. Hier ist die Begeisterung dann auch endgültig übergesprungen. Zwar ist es einem Ferrari nicht unbedingt empfehlenswert mit einem Schalthebel durch die Gegend zu rasen (speziell mit Gegenverkehr), weshalb ich hier wieder auf die Schaltwippen zurückgegriffen habe (was kein Problem ist, da die Belegung beider Eigenschaften getrennt erfolgt) aber in meinem Audi TT ist durch die Gangschaltung ein völlig neues virtuelles Fahrerlebnis eingetreten. Zusammen mit der bereits erwähnten hohen Genauigkeit von Lenkrad, Gas und Bremse, ist es hier tatsächlich möglich sich normal im Straßenverkehr zu bewegen. Selbstverständlich wird man das nicht oft tun aber solange der Wagen nicht erfordert, dass man andauernd beide Hände am Lenkrad hat, wie es beim Ferrari der Fall ist, ist die manuelle Schaltung über das Schaltmodul auch unter Zeitdruck absolut kein Problem und sehr cool. Ansonsten kann ich nur wiederholen was ich bereits bei den anderen erzählt habe: Bessere Kontrolle, realistischeres Fahrgefühl und einfach nur genial.

Wie bereits klar sein dürfte, bereue ich die Investition absolut nicht. Es gibt zwar ein, zwei Mängel, die man für den nächsten Release beheben sollte aber die Optik und das wirklich realitätsnahe Fahrgefühl lassen einen diese Mängel sofort vergessen, sobald man den Schalthebel mal ausprobiert und den herzerweichenden Klick hört. Wer bereit ist mindestens 200 Euro zu investieren und auch entsprechend Rennspiele Zuhause hat, wird diesen Kauf sicherlich nicht bereuen, da ich auch nicht glaube, dass das Lenkrad in naher Zukunft übertroffen wird – höchstens eben von einem überarbeiteten Re-release. Wenn ihr noch Fragen dazu habt, beantworte ich diese natürlich gerne.

Okay, das war jetzt doch wesentlich mehr zum G25 als geplant. Lassen wir also das andere Thema erst einmal untern Tisch fallen *plumps *. Bis demnächst!

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20 Kommentare

also ich will ja nix sagen, aber opel-rückwärtsgang? meiner ist vorne-links, und zwar mit hochziehen, net mit drücken..
dafür ist die vom punto genau so wie du schreibst. hm hm.

Ich glaube ja, dass die Autobauer drum würfeln wo sie den Rückwärtsgang einbauen… Ein System dahinter kann ich nicht erkennen. Und ne einheitliche Regelung schonmal gleich garnicht.

Ich vermute, dass Opel vielleicht mal gewechselt hat. Der Zafira hat auch das hochziehen und nach vorne-links aber der Corsa hatte definitiv nach unten-rechts.

In jedem Falle stimmt die Angabe aber trotzdem. Ich unterschlage nur eben die zweite Variante :D.

Das hängte früher irgendwie von dem Achsenabstand ab, da ist so eine Querstrebe für Bremsen oder so, ka, die brauch einen gewissen Spielraum, und die kleinen Autos, die stießen dann vorne links einen GANZEN centimeter in diesen Spielraum rein. Dadurch konnte es passieren, dass man beim Rückwärtsfahren nicht bremsen konnte.

Warum es heute so ist? Keine Ahnung…wiel sich die Constructeure seit damals nix Neues haben einfallen lassen *lol*

*pfeif* Also ich fands toll, wie die Birgit(FS Lehrerin) geschrien hat, als ich das auf der Autobahn versucht habe. ;)

Ich glaub arg viel Gewalt braucht man gar nicht anwenden um das Getriebe bei dem Vorgang über den Jordan zu schicken.

So, wieder im Lande. Bin das Wochenende noch mit Wohnung einrichten beschäftigen, aber ab dann sollte ich Zeit haben.

Sach mir einfach, wann du Zeit hast, Sic.

Aja heut Nacht LAN und Morgen Verwandtenfete…das meinte er damit.

Bist ja hoffentlich auch bald endlich mal wieder im ICQ online Azz, oder? Gibt schliesslich einige wichtige Sachen zu klären mittlerweile, die nicht allzulange aufgeschoben werden können/dürfen/sollen :).

Ich werd zur LAN übrigens auch einen Eintrag verfassen und Rondrer wird im Rahmen des morgigen Testbesuches auch Material abliefern :D.

MobyGames hat sich mittlerweile endlich gemeldet aber jetzt warte ich wieder auf eine Rückmeldung.

jaja, icq… hab zurzeit noch kein internet in meiner wohnung. (was auch sonst…ich bin scheinbar verflucht).

aber ich werd ab und an über den pc meiner mutter online komme

Kleines Update nach vier Jahren: Lenkrad ist immer noch in einwandfreiem Zustand (nur hier und da etwas verstaubt) und funktioniert weiterhin tadellos. Gibt auch immer noch so gut wie kein Rennspiel (außer so Funsachen wie Blur), die ich nicht damit spiele. Die hohe Investition von damals hat sich absolut gerechnet.

Allerdings empfehle ich heutzutage natürlich den Nachfolger, das G27 (für ~240 Eruo). Das hat auch wieder sechs Knöpfe mitten auf dem Lenkrad. Und, was ich saugeil finde, eine Drehzahl-/Schaltanzeige überm Lenkrad. Zwar hat man da nie im Leben die Zeit tatsächlich hinzuschauen, aber es hat schon einen gewissen Coolnessfaktor.

Einer der wenigen Refreshs, die tatsächlich besser sind als das alte Modell :smile: .

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