Sicarius

Die Ländersperre

Ich bin ja in Sachen Kopierschutz sehr stark leidensfähig. Egal ob Starforce, Onlineaktivierung oder Dauerverbindungs-Zwang — ich habe bislang alles ertragen, was man mir entgegen geworfen hat. Natürlich rege auch ich mich auf, wenn ein Spiel mal nicht auf Anhieb funktioniert, weil die DVD nicht erkannt wurde oder solche Sperenzien. Aber in den Laden zurückzutragen oder gar den Hersteller in Zukunft boykottieren? Tut mir leid, den Wunsch kann ich den Kopierschutzgegnern nicht erfüllen. Ich warte einfach geduldig und spiele derweil was anders. Bislang hat es dann doch irgendwann geklappt.

Leider geht der Trend gerade in eine Richtung, da bringt auch das Warten nichts mehr: Ländersperren. Eine Unart, die wir schon seit der Einführung der DVD kennen, aber dort nur begrenzt stört. Warum? Weil die Bereiche großzügig gewählt sind. Ganz Europa ist Teil von Region 2 und somit der Zugang zum Hauptimportland England kein echtes Problem für den Großteil der Nutzer. Online (sprich YouTube, Hulu & Co.) sind die Ländersperren zwar auch im Filmbereich ein großes Thema, aber mir geht es heute um die Videospiele.

Das Problem

Die Publisher gehen einen Schritt weiter als die Filmemacher: DLCs zu Spielen wie Gears of War 2 oder Mortal Kombat, von denen keine deutsche Version existiert? Gibt es nur mit einem nicht legalen Account aus Österreich oder einem anderen europäischen Land. Selbst die Codes in der Retail-Packung lassen sich in diesem Fall nicht einlösen. Die ungeschnittenen PC-Versionen von Saints Row 2 oder Call of Duty: Black Ops zocken? Die sind ohne VPN-Tunnel nicht einmal aktivierbar!

Das hat mich erstmals bei Dead Island tatsächlich dazu gebracht den Retourevorgang zu starten. Zum Glück von Deep Silver und OkaySoft, kam in letzter Sekunde aber doch noch die Rettung in Form der allgemeinen Freischaltung aller Keys für die Aktivierung von Seiten des Herstellers. Der Protest wurde den Verantwortlichen wohl doch zu groß. Aber ich befürchte, dass wird die Ausnahme bleiben. Einem Konzern wie Ubisoft ist es ziemlich egal, ob ein paar tausend Spieler verärgert sind. Sieht man ja aktuell sehr gut an ihrer Strategie die Verschiebung von PC-Versionen einen Monat vor dem eigentlichen Release bekanntzugeben. Doch das ist ein anderes Thema.

Gründe?

Dass wir Spieler diesen Trend nicht gut heißen, steht wohl außer Frage. Da befinden wir uns schon in einer angeblich globalisierten Gesellschaft und trotzdem versuchen die Unterhaltungsfirmen alles, um uns die immer ungeschnittene und meist sogar günstigere Importversion zu verbieten. Und in diesem Satz versteckt sich auch schon der wohl wichtigste Grund, warum die Firmen überhaupt auf diese Ländersperren setzen: Ihr sollt im jeweiligen Land zum regulären Preis kaufen und nicht aus dem Ausland importieren, was vermutlich die Statistik verfälscht oder den Gewinn nicht in die „richtigen“ Kassen fließen lässt. Ja, das Thema „globale Wirtschaft“ hört selbst innerhalb einer Firma direkt an der Landesgrenze auf. Ich kenne das aus eigener Erfahrung.

Offen gibt das natürlich kein Publisher zu. Im Gegenteil werden die Ländersperren so gut wie nie begründet. Es gibt sie einfach und damit hört das Thema auch schon wieder auf für die Verantwortlichen. Meldet sich dann doch einmal jemand zu Wort, hört sich das so an (Quelle: VG247):

Nintendo hat dabei verschiedene Versionen des 3DS entwickelt, um die verschiedenen Sprachen und Bestimmungen bei der Altersfreigabe und unterschiedlichen Kindersicherungen zu berücksichtigen sowie eine Übereinstimmung mit den jeweiligen Gesetzen in einer Region zu gewährleisten. Außerdem wollen wir sicherstellen, dass jeder User die bestmögliche Spielerfahrung hat und es gibt die Möglichkeit, dass 3DS-Software aus einer anderen Region nicht korrekt mit dem jeweiligen Gerät funktionieren würde.

Oder so (Quelle: Der Westen):

„Nicht verfügbar – aufgrund der hiesigen Bestimmungen und Gesetze erlaubt Activision diese Version von Modern Warfare 2 nicht in Deutschland. Sie können diese Version außerhalb von Deutschland aktivieren“.

Um es kurz zu fassen: Die Technik und der Jugendschutz sind schuld, dass die Hersteller auf Ländersperren setzen. Ein Stück weit nachvollziehbar. NTSC-Blurays/DVDs können durchaus Probleme machen auf PAL-Geräten. Da hört meine Zustimmung aber auch schon wieder auf. Warum? Weil wir zum einen im Bereich von Videospielen über global stark standardisierte Hardware sprechen. Da kann mir Nintendo erzählen was sie wollen: Außer der Sprache ist da garantiert nichts großartig anders — weder an der Software noch der Hardware. Da kann uns aber sicher JakillSlavik als erfahrener Mann vom Fach in den Kommentaren genauer aufklären.

Zum anderen weiß derjenige, der überhaupt erst zu einer Importversion greift größtenteils was er da eigentlich tut. Ein Fehlkauf im Laden? Unwahrscheinlich. Händler wie Media Markt oder Saturn führen solche Versionen erst gar nicht und zum kleinen Shop an der Ecke? Da gehen Oma und Opa doch sowieso nicht hin und die meisten dieser Läden haben sowieso zugemacht. Und das Thema „Support“ ist auch kein Grund, schließlich heißt es ja schon jetzt „Sind wir nicht für zuständig!“.

Blick in die Zukunft

Das, meine liebe Damen und Herren, ist das große Problem und die Gefährlichkeit an geschlossenen Systemen wie Steam oder Konsolen. Die Hersteller können hier mit uns einfach machen, was sie wollen und wir als Käufer können nichts dagegen tun. Entsprechend sehe ich wenig Hoffnung am Horizont, dass sich in Sachen Ländersperren jemals etwas ändern wird. Im Gegenteil wird es über die nächsten Jahre vor allem für PC-Spieler noch wesentlich schlimmer werden. Es würde mich nicht wundern, wenn Activision oder Ubisoft hergehen würden und generell alle Importe mit einer zweistufigen Sperre (DNS und Account) versehen. Egal ob es sich nun um Barbie auf dem Ponyhof oder Mördersimulator 2043 handelt. Und spätestens dann, wird unter Garantie auch gegen die Verwendung von Proxy-Servern vorgegangen.

Da kann selbst ich nur sagen: Holla, die Waldfee!

PS: Nein, Raubkopieren ist trotzdem keine Lösung!

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5 Kommentare

Ja die IP-Sperren sind schon irgendwie ein Witz… Ich kanns ja irgendwie verstehen, wenn man verhindern will, dass Versionen aus ehemaligen Ostblock-Ländern oder aus Südostasien importiert werden, wo die Spiele evtl. nur ne Bruchteil kosten (keine Ahnung wie das wirklich ist, sowas wird aber gerne immer mal erwähnt ;) ). Aber wenn man nichtmal innerhalb der EU aus England oder Österreich importieren kann, is das ne ganz andere Hausnummer. Freier Warenverkehr und Freizügigkeit und dann darf ich ein Spiel was ich beim Urlaub in der Alpenrepublik gekauft hab nicht aktivieren? Da läuft doch was verkehrt.

Zur Zeit trifft das aber ja nur Spiele, die schon indiziert sind, oder bei denen das nur ne Frage der Zeit ist (oder die aufgrund verfassungsfeindlicher Symbole eh verboten sind) und da kann man das zumindest mit einer gewissen Rechtsunsicherheit erklären (auch wenn das, wie wir alle wissen, Bullshit ist und der Import vollkommen ok is).
Mal abwarten wann es die ersten "harmlosen" Spiele trifft ;)

Oh lol! Wegen des Feiertags dachte ich, dass erst heute Montag sei und habe mich gewundert, wie Ron es geschafft hat um 22:53 Uhr etwas zu posten, wenn der Eintrag erst um 00:00 Uhr online ging.

Solange meine Uncut Spiele in Steam nicht plötzlich auf Cut umspringen…

Für meinen Teil müssten überhaupt erst Mal wieder Spiele erscheinen, die mich interessieren und es wert sind, importiert zu werden. Momentan habe ich nicht das Gefühl, irgendetwas zu verpassen.

"Solange meine Uncut Spiele in Steam nicht plötzlich auf Cut umspringen…"
Hab ich bei jedem Spiel auf Source Engine <_<"

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