Von Säulen und Toren

Da Bagdadsoftware ja eine multimediale Seite ist, hab ich mir gedacht ich behandel etwas, was bisher ziemlich kurz kam: Bücher. Um das ganze allerdings noch radikaler zu gestalten, haben die Bücher nicht im geringsten etwas mit Spielen zu tun. Und sie passen auch nicht mal in meinen normales Beuteschema was Bücher angeht, wobei ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich die letzten Jahre eh kein einziges nicht-Fachbuch gelesen hab. Und um dem ganzen noch eine Krone aufzusetzen handelt es sich um 2 Romane, die mir meine Mutter zum lesen gegeben hat. Denkbar schlechte Vorraussetzungen um mir gefallen zu können ;).

Die Säulen der ErdeEs handelt sich übrigens um den historien Roman die Säulen der Erde (Pillars of the Earth) und seinen Nachfolger die Tore der Welt (World Without End) von Ken Follett.

Handlung

Über die Handlung der beiden Bücher möchte ich nicht allzuviel schreiben, da selbst der Klappentext und auch die meisten Kurzzusammenfassungen, die man so liest, schon jeweils die ersten Kapitel der Bücher spoilern. Nur soviel: “Die Säulen der Erde” spielt im England des 12. Jahrhunderts größtenteil in einem Kloster names Kingsbridge, dem sich anschließenden Ort mit gleichem Namen und der Gegend außenrum. Die Handlung wird aus der Sicht einer Hand voll Hauptcharakteren beschrieben, die im Laufe des Buches von ihrer Jugend bis ins hohe Alter begleitet werden. Diese bestehen aus einem frommen Mönch, mehreren Steinmetzen und Baumeistern, deren Familien und den beiden Kindern eines Grafen. Zusätzlich gibt es noch die Antagonisten als Hauptpersonen, die jeweils auch das Leben der Hauptcharaktere begleiten, aus deren Sicht wird die Geschichte aber nur selten erzählt.

Die Tore der WeltDie Handlung von “die Tore der Welt” spielt 200 Jahre später am gleichen Ort. Auch sind einige der Hauptcharaktere Nachkommen der Leute aus dem ersten Buch, ansonsten ist die Handlung aber, abgesehen von gelegentlichen Erwähnungen der Vergangenheit, eigenständig.

Die Handlung beider Bücher umfasst eine Menge verschiedener Themen. Es geht um das Leben einfacher Handwerker und Bauern, das Leben innerhalb der Klostermauern aber auch, wie es auf Burgen des niederen und mittleren Adels sowie am Hofe des Königs zu geht. Es geht um die Lebensträume der Menschen, um Armut und Hunger, die Schrecken des Krieges, um rachsüchtige Herrscher, um die Pest, um Handwerkskunst, um den Glauben der Menschen und noch vieles, vieles mehr.

Historischer Hintergrund

Obwohl die meisten Personen und Orte der Geschichte erfunden sind, so entsprechen doch die “größeren” Rahmenhandlungen der Realität. “Die Säulen der Erde” spielt zur Zeit des Erbfolgekrieges um den englischen Königsthron, nachdem der legitime Thronfolger beim Schiffsunglück des White Ships umgekommen ist. Ken Follett schafft es in meinen Augen sehr gut, diese geschichtlichen Details mit der persönlichen Geschichte der Charaktere zu verweben. Die Auseinandersetzungen um die Krone bleiben nicht ohne Folge für die Geschichte und vorallem als dann der offene Krieg ausbricht befinden sich manche Hauptpersonen mitten drin.
“Die Tore der Welt” spielt auch wieder zur Zeit eines Krieges, diesmal dem hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich, bei dem es, wie könnte es anders sein, auch wieder um die Erbfolge ging, diesmal aber die des französischen Königs. Besonders die Schlacht von Crécy wird im Detail geschildert.

Einschätzung

Wie oben schon geschildert, war ich doch sehr skeptisch was die Bücher angeht, doch hab ich die jeweils über 1200 Seiten letztendlich in relativ kurzer Zeit durchgeackert. Dass ich sehr viel in Bus und Bahn unterwegs bin, kam dem selbstverständlich sehr entgegen, doch auch daheim hab ich viel gelesen. Zum einen kommt doch des öfteren Spannung auf, die einen ermutigt weiterzulesen und zum anderen gefällt mir Ken Folletts Stil irgendwie ziemlich gut. Er beschreibt die Dinge mit sehr vielen Details und einem anscheinend sehr großen geschichtlichen Wissen, was nicht nur die Großereignisse angeht, sondern auch was das Leben in der damaligen Zeit betrifft. Klar, ich kann nicht einschätzen inwiefern die Dinge der Wirklichkeit entsprechen aber zumindest wirkt es sehr realistisch ;). Man hätte sich bestimmt auch ein bisschen kürzer fassen können, aber ein großes Problem sehe ich darin nicht.

Auf jedenfall hab ich das lesen nicht bereut, doch nach den zwei dicken Wälzern werden die nächsten Bücher bestimmt was völlig anderes werden. Zumindest wurde bei mir die Wunsch nach nem Kindle entfacht, diese fetten Bücher aus totem Baum find ich mitlerweile echt unpraktisch und archaisch. Ein Tablet mit herkömmlichen LCD (oder auch OLED) Display käme mir für diesen Zweck aber nicht in Frage, da könnte ich nicht sehr lange am Stück lesen.

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10 Kommentare

Klingt definitiv interessant und werde ich sicherlich mal im Hinterkopf behalten.

Bin die nächste Zeit aber noch viel zu viel mit Das Spiel der Götter, den zwei neuen Wüstenplanet-Büchern und was weiß ich noch alles beschäftigt. Und die Wheel of Time-Serie wollte ich auch endlich mal anfangen. Das Lesen aber auch immer so viel Zeit verschlingt. Nein, Audiobücher bringen auch nix. Dafür bin ich viel zu wenig länger unterwegs.

Boah, 2400 Seiten sind natürlich ne Hausnummer :) Das schreckt mich ja doch eher ab. Aber auf der andren Seite hört sichs wirklich intressant an. Und ich such schon länger nach einer intressanten, nicht allzu schweren "Kost" (im Sinne von soziologischen Texten ^^), für abends im Bett… aber 2400 Seiten. puh. dafür brauch ich en halbes Jahr glaub ich ^^

Man muss ja nicht gleich beide lesen… Sind wirklich komplett unabhängig, es gibt keine Cliffhanger und es werden auch keine losen Enden aufgeklärt.
Dazu passt auch, dass zwischen dem Erscheinen der Bücher 18 Jahre lagen, was man irgendwie auch am Stil der Covers erkennt ^^

Achja, und ich würd auch sagen, dass es definitiv "leichte Kost" ist, nicht nur im Vergleich zu soziologischen Texten ;)

mir fiel erst ganz zum schluss aufm dass der text nicht von Sic stammt. Auch wenn ich es merkwürdig fand, dass Mutter ihm so Bücher schenken würde…

lesen sich elektronische bücher wirklich gut, auch über längere Zeit? bin so skeptisch, wo ich doch so für Altes bin

Also ich kann mer des ach net vorstelle. Des wird noch sehr lang dauern, bis ich des üwwerhaupt ma ausprobier. So ein klassisches Buch hat einfach viel mehr Stil. Allein der Geruch ist unersetzlich!

"mir fiel erst ganz zum schluss aufm dass der text nicht von Sic stammt."
Ist das jetzt ein Kompliment? :D

Ich hab das mit so nem Ebook-Leser auch noch nicht ausprobiert. Stehe dem aber sehr offen gegenüber :wink: In U- und S-Bahnen trifft man die aber immer öfter an ;)

Ich kann beide Bücher nur empfehlen. Habe sie zwar vor Jahren gelesen, allerdings eine gute Erinnerung daran behalten.

Und dicke Bücher sind zwar unpraktisch, aber praktischerweise hat man immer nur eines davon dabei. Tablets&Kindles machen das Lesen so austauschbar… ob ich Krieg und Frieden auch mal an langweiligeren Stellen weiter lesen würde, wenn ich noch 30 andere Bücher dabei hätte? Ich finde es gut, bewusst entscheiden zu müssen, was ich mit auf Reisen nehme (und dann auch dabei zu bleiben). Ich würde auch nie ein Kindle mit in die Badewanne nehmen (was les' ich denn dann, wenn ich baden gehe und das Buch nur elektronisch habe…).

Aber … ich habe wohl auch einfach zu viele schöne Erinnerungen an das Lesen von Büchern und die Ruhe, die damit einher geht. Da habe ich einfach eine Abneigung dagegen, auch dieses alterwürdige Medium an ein (möglichst noch per UMTS ans Netz angebundenes) Gerät zu verraten.

Und ob Akkus und Elektroschrott aus diesen Geräten nicht das Problem des Papierkonsums relativieren werden sei auch dahin gestellt. Aber das kann uns ja wurscht sein, landet ja eh in Afrika (absichtlicher Zynismus). ;-)

Also, dass ein Kindle/sonstwas aus Ressourcen/Umwelt Gründen besser wär, wollt ich natürlich nicht andeuten ;) Wollte mit dem toten Baum nur das "primitive" herausstellen.
Da müsste man wahrscheinlich für jeden Kindle tausende von Büchern lesen um das zu relativieren ;)

Meine Mutter steht unheimlich auf die Erzählungen von Ken Follet. Verschlungen hat sie zwar bislang nur Sturz der Titanen, das aber schon länger her. Sie wartet aber sehnsüchtig auf den Nachfolger. Was ich bislang hinein geschnuppert habe, war es auch so wie von Ron beschrieben: Eindrückliches Verweben von Historie und Erzählung, jedoch mit semi-fiktiven Charakteren hierbei. Sobald mich wieder Bücher packen, werde ich da mal ansetzen.

Apropos E-Reader … auch wenn viele Leute, wie ein lästernder Herr Langer von dem Kindle sehr überzeugt sind und den Apple-Produkten die Fähigkeit zum sinnvollen E-Reader absprechen, so bin ich doch eigentlich sehr angetan, von den Geräten. Nun gut, das Spiegeln der Displays mag ein Problem sein, aber ich finde die Handhabung vom iPod touch, einfach was auch noch andere Formate angeht, soviel angenehmer. Zuletzt las ich die Guttenberg-Biographie, dort bin ich bei der Hälfte, die doch schon mit sehr viel Sarkasmus geschrieben ist. Gefallen hat mir als Reader aber auch der Oyo, wobei der Preis mich dann doch lieber wieder zu einem richtigen Tablet greifen lassen würde. Die Nostalgie und der Stilgehalt eines Buches hin oder her, denn in meiner kleinen Wohnung merke ich gerade, wie viel Platz ich durch das Entsorgen von 9/10 meiner Buchbestände bekommen habe. Unser Haus in Gunzenbach war zwar im Wohnzimmer mit einer kleinen Bibliothek gesegnet (Bestehend aus den Buchstaben M und K für Konsalik und Moore^^), doch irgendwie finde ich, dass es Zeit wird für E-Reader. Von mir aus auch zum Aufklappen. Nur bitte, liebe Leute: Einigt euch endlich auf vernünftige Formate oder zumindest Konventionen, damit ich endlich mal komplett umsteigen kann.

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