Sicarius

Rückkehr in die Welt von WarCraft

Ultima Online (Herstellerbilld)

Ultima Online (Herstellerbilld)

Ion Hazzikostas, Lead Game Designer von World of WarCraft bei Blizzard Entertainment, meinte diese Woche im Interview mit CNET (die Seite gibt’s noch?!), dass das revolutionäre MMORPG mindestens 10 weitere Jahre aktiv sein wird (US-Start war am 23. November 2004). Und was soll ich sagen? Ich stimme dem Mann voll zu!

Am 30. September hat Ultima Online seinen 17 (!) Geburtstag gefeiert. Everquest ist hingegen auch schon 15 Jahre am Start und es sieht nicht einmal ansatzweise so aus als würden EA und Sony Online Entertainment demnächst den Stecker ziehen – und das bei einem Bruchteil der Spieler, die World of WarCraft hat! Wir reden hier schließlich immer noch von knapp 7 Millionen und mit dem Release von Warlords of Draenor werden die Zahlen nächste Woche (13. November 2014) sicherlich auch wieder ein Stück ansteigen nachdem sie in den letzten Monaten gesunken waren. Von daher müsste schon etwas extrem einschneidendes (Weltuntergang, Angriff von Aliens, neue Eiszeit, etc.) passieren, dass World of WarCraft seinen 20. Geburtstag nicht mehr erlebt.

Auch mich darf Blizzard aktuell nach satten 5 1/2 Jahren Abstinenz wieder auf den Servern begrüßen. Allerdings nicht als zahlender Abonnent, sondern da sie mal wieder 7 Tage Spielzeit an die Langzeitabwesenden vergeben haben. Da habe ich mir dieses Mal gedacht: Komm, schau doch mal rein, wie es denn nach all den Jahren (und zwei Addons) so aussieht.

Das Ergebnis

Ich glaube nicht, dass mich Blizzard nochmal als zahlender Kunde zurückgewinnen wird. Zwar werde ich mir weiterhin die Spezialeditionen der Addons holen (wegen der Extras – Spielzeit ist da ja leider nicht dabei) aber nach vier Tagen zurück in der Welt von Azeroth muss ich ganz klar sagen, dass die (aus meiner Sicht) negativen Veränderungen die positiven Seiten überwiegen und das, obwohl ich inhaltlich hauptsächlich den (extrem generften) Wrath of the Lich King-Content zu Ende gebracht (soweit ich nicht in Dungeons musste) und erst mit dem Cataclysm-Zeugs angefangen habe (zu Mists of Pandaria werde ich garantiert nicht kommen). Damals habe ich ja bekanntlich noch gespielt (mein Account lief im März 2009 aus). Aber werden wir doch mal konkret: Wo liegen die Probleme begraben?

Mists of Pandaria (Herstellerbild)

Mists of Pandaria (Herstellerbild)

Nun das ganze Thema lässt sich unter dem Begriff „Vereinfachung“ zusammenfassen. Natürlich will ich damit jetzt nicht behaupten, dass früher alles besser war nur weil man mehr „Klicks“ machen musste. Wie gesagt habe ich auch so einige positive Veränderungen bemerkt, die das Leben komfortabler machen. Zum Beispiel, dass man mehrere getötete Gegner gleichzeitig looten kann. Oder, dass man jetzt (fast) in der gesamten Spielwelt herumfliegen darf. Oder das automatische Sortieren eures Inventars. Oder die getrennte Banktasche für Reagenzien (Sachen, die man für Crafting braucht). Oder das erweiterte Tracking (früher war das eine „Entweder oder“-Situation, heute darf alles gleichzeitig getrackt werden). Oder die wesentlich komfortablen Möglichkeiten eine Dungeon/Raidgruppe zu finden. Und auch ein paar der neuen Features wie die Pokémon-artigen Pet Battles rangieren von ganz nett bis richtig cool (und zeitintensiv). Von der immer noch beeindruckenden und interessanten Spielwelt vollgepackt mit WarCraft-Geschichte brauchen wir da gar nicht erst zu reden (wenngleich im Bereich der Animationen dringend mal nachgebessert werden müsste).

Das „Aber“, Teil 1

Das Problem ist, dass Blizzard nicht nur die Bedienung komfortabler gemacht hat, sondern das komplette Spiel. Es fängt schon an mit den Klassen. Früher waren die wirklich extrem unterschiedlich und bis The Burning Legion teilweise sogar Fraktions-exklusive (Schamane und Paladin). Zudem gab es für jeden drei umfangreiche Skilltrees in denen man sich austoben konnte. Natürlich gab es für jeden Archetype eine Optimalkonfiguration wenn es um Raids ging. Aber trotzdem hattet ihr einige Freiheiten was die Zusammenstellung eures Charakters anging. Heute? Wähle einen aus drei Typen und dann wähle alle 15 Level eins von drei Talenten. Mehr ist es nicht mehr. Außerdem können gefühlt nun alle Klassen alle Rollen übernehmen. Waren früher Nachtelfenpriester sehr begehrt, da sie die beste Heilungsfähigkeit haben, kann wohl heutzutage im Zweifel auch ein Paladin durchheilen.

Diablo III (Herstellerblid)

Diablo III (Herstellerblid)

Das macht nicht nur die Klassen wesentlich homogener, es verdirbt einem auch irgendwie den Spaß am Aufleveln. Früher war es ein geniales Gefühl wenn das „Ding“ durch die Boxen drang und man endlich einen neues Talent bekam oder zumindest spürbar besser wurde. Heutzutage macht es „Ding“ und es poppt stattdessen in der Mitte des Bildschirms nur ein Hinweis auf von wegen „Raid-Dungeon so und so freigeschaltet“ und alle paar Jahrtausende mal ein neuer Zauber/Fähigkeit. Nur die sechs Glyphen schaffen ein klein wenig Individualisierungsspielraum. Aber die müsst ihr erst einmal finden/verdienen/kaufen. Nicht einmal eure Attribute werden erhöht, da es diese nicht mehr gibt. Natürlich habt ihr immer noch so Sachen wie Lebensenergie/Mana, Critchance, Angriffsgeschwindigkeit und so weiter. Diese werden aber anscheinend nur noch durch Gegenstände beeinflusst. Somit ist World of WarCraft nun auch schon auf den unteren Levels eine reine Lootorgie ähnlich Diablo nur mit weniger Drops und mehr Quests.

Das „Aber“, Teil 2

Doch nicht nur bei den Klassen hat Blizzard in den letzten Jahren massiv zusammengestaucht und quasi alles für jedermann zugänglich gemacht. Auch wenn ihr Solo unterwegs seid fällt einem auf, dass die Entwickler absolut vermeiden wollen auch nur eine einzige eurer Gehirnzellen anzustrengen. Zwar waren 2004 die Quests weder sonderlich anspruchsvoll (geh dahin, töte 20 von denen und bring 5 Sachen mit) noch der Bedarf den Questtext zu lesen sehr hoch. Doch mittlerweile könnt ihr quasi komplett auf Durchzug stellen dank riesigen Wegweisern auf der Minimap und der Weltkarte. Die Gegner, die ihr töten müsst befinden sich hier in diesem Gebiet. Also exakt in diesem Gebiet. Wenn ihr den Rand der blauen Fläche verlasst, dann sind sie da nicht mehr. Ach und falls mal mehrere Typen von Feinden da sind, dann einfach mit dem Mauszeiger drübergehen und ihr seht sofort ob er den Gegenstand fallen lässt, den ihr für den Quest braucht (Droprate natürlich mittlerweile fast 100%). Bitte? Ihr müsst ein einzelnes Ziel aufsuchen? Da steht GENAU aber auch GENAU hier auf diesem Punkt.

Das einzige was euch entsprechend nur noch verwirrt ist, wenn das Questziel in einer Höhle oder einem anderen Innenraum ist. Dann müsst ihr den Eingang suchen — was dank des Fliegens tatsächlich nicht ganz so einfach ist. Ist das Ziel jetzt oben oder unten? Das war es aber auch schon. Zusammen mit den zahlreichen Möglichkeiten seinen Charakter NOCH schneller auf das Maximallevel zu heben, habe ich massiv das Gefühl, dass Blizzard gar nicht mehr möchte, dass ihr Inhalte abseits von Dungeons wirklich erlebt. Und das ist, wie so gerne sage, äußerst schade. Denn die Spielwelt ist wie erwähnt immer noch vollgepackt mit guten und interessanten Geschichten. Und auch viele Quests, selbst wenn sie am Ende nur auf ein „Töte dies“ hinauslaufen, sind sehr gut gemacht.

Fazit

Divinity: Original Sin (Herstellerbild)

Divinity: Original Sin (Herstellerbild)

Somit war es jetzt zwar ganz nett mal wieder reinzuschauen und ich habe, gebe ich offen zu, auch schon wieder viel zu viel Zeit darin versenkt trotz der angesprochen Probleme (dem „Ein Quest noch“-Phänomen kann ich mich nicht entziehen). Aber meine Hoffnung, dass World of WarCraft wieder meine Lust an MMOs wecken würde, hat sich definitiv nicht erfüllt. Irgendwie ist mir weiterhin einfach die Zeit für diese aus meiner Sicht begrenzten (in mehrerer Hinsicht) Erfahrungen zu schade. Dann doch lieber ein anständiges Soloerlebnis wie Divinity: Original. Da habe ich wenigstens nach 70 Stunden auch was erreicht und kann es beruhigt zur Seite legen.

Wobei ich eine Sache dann doch noch machen möchte, bevor World of WarCraft dann in 500 Jahren den Bach runtergeht: Einen Winterspring Saber reiten. Was habe ich damals Tage und Nächte damit verbracht für dieses Drecksvieh Reputation zu farmen und trotzdem war ich noch sehr weit vom Ziel entfernt. Gestern musste ich dann feststellen, dass die Sache mittlerweile massiv überarbeitet und vereinfacht wurde. Nun müsst ihr „nur“ noch 20 Daily Quests (können nur einmal am Tag erledigt werden) erfüllen. 19 to go. Also Blizzard, ihr müsst mir noch dreimal eine Woche Spielzeit schenken, okay? Okay.

PS: Noch vier Tage bis zur Bereitstellung!

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Ein Kommentar

Ja, WoW war mir damals schon zu simpel im Sinne von „was mach ich eigentlich hier?“. Aber gut, da bin ich als jemand mit Familie natürlich auch freizeitmäßig ganz anders aufgestellt und gegenüber manchen Mechanismen deshalb mehr oder minder immun.

Ich hör aber immer gerne bei den Ninjalootern alles über die neuesten MMOs, da bin ich quasi up-to-date ohne selber spielen zu müssen. Und ich habe ständig diesen „nee, das brauchst du wirklich nicht“-Moment, verursacht durch fremde Berichte :wink:

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