Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #10

Das letzte Mal hatte ich so lapidar daher gesagt, dass im Wohnzimmer (und Schlafzimmer) „nur noch“ sauber gemacht und die Deckenleisten an die…ja, Decke halt…müssen. Wenn ich gewusst hätte, was uns da erwartet…hätte ich auch nichts dran ändern können. Merke: Nur weil es in den Erklärvideos im Internet so einfach aussieht (sollte man tatsächlich welche finden), ist es das nicht unbedingt in der Realität.

„Tolles“ Malerkrepp

Ränder nach dem Putzen

Ränder nach dem Putzen

Unser erstes Problem war das Thema „Abkleben“. Natürlich haben Anfangs vorbildlich wie wir sind (und wie ich es selbst Zuhause gelernt habe) die Türrahmen, Fensterrahmen, Bodenleisten und Übergänge zur Decke abgeklebt vor dem Streichen. Das Ergebnis? Nun, wir hatten drei Varianten (bzw. eine Kombination aus Allem):

  1. Man schafft es nicht es 100% Gerade aufzukleben, entsprechend gibt es einen unschönen Rand
  2. Wenn man das Malerkrepp abreißt, dann nimmt es am Rand unter Umständen die Farbe mit
  3. Die Farbe läuft unter das Malerkrepp

Alle drei Varianten führten dazu, dass wir zwar nicht den ganzen Türrahmen angestrichen hatten aber trotzdem nochmal nacharbeiten mussten und es dabei auch wieder nicht 100% hinbekommen haben den Rahmen frei von Farbe zu halten. So haben wir uns am Ende dafür entschieden zumindest an den Fenster- und Türrahmen das Abkleben sein zu lassen und stattdessen einfach nur zu putzen. Ja, das erfordert dann natürlich mehr Aufwand und man macht dabei unter Umständen auch nochmal die Farbe rund um den Rahmen etwas weg. Man muss aber nicht gefühlt 10mal dran. Stattdessen nochmal mit einem kleinen Pinsel hinterher und schon passt es.
Und nein, die Erfahrung haben wir sowohl mit teurem Malerkrepp zum Beispiel von tesa gemacht als auch mit billigem 08/15-Baumarktzeug. Der einzige Unterschied zwischen beidem: Letzteres fällt schon beim Anschauen wieder von der Decke.

„Einfache“ Zierleisten

Da wir als den Übergang zwischen Wand und Decke nicht perfekt hinbekommen haben (bzw. es teilweise auch vom Vorbesitzer schlecht gemacht worden war) – und weil es grundsätzlich besser aussieht, wenn der Übergang nicht so hart ist -, entschieden wir uns dazu in allen Räumen Zierleisten aus Styropor an die Decke zu machen. Sieht im ersten Moment je nachdem welche ihr nehmt aus wie in einem antiken Tempel. Aber sie bilden einen sauberen Übergang und je nach Breite lässt sich auch noch das ein oder andere darunter kaschieren (wir haben 65x65mm). Außerdem ist Styropor theoretisch einfacher zu verarbeiten als zum Beispiel Holz und verzeiht eher, wenn die Wand nicht 100% gerade ist. Ach und wenn man mal die Dinger an der Decke hat, dann sieht es auch ganz gut aus. Mit der Betonung auf „wenn“.

Wir haben uns 100 Meter davon geholt (50 Leisten mit je 2m für 80 Euro), um besten Falls damit nicht nur Wohnzimmer, sondern auch Arbeits- und Schlafzimmer sowie Bad, Flur und Küche machen zu können. Wird wohl nicht ganz für alles reichen (im Wohnzimmer haben wir rund 14 Stück gebraucht) aber ist schon einmal ein Anfang und mittlerweile haben wir auch endlich halbwegs raus, wie man die Dinger verarbeitet. Hier unsere Lehren in chronologischer Reihenfolge:

  1. Fertige Innenecke und Übergang

    Innenecke und Übergang zum Rollokasten

    Holt euch eine anständige Gehrungssäge, die auch halbwegs mit Styropor umgehen kann. Nachdem es anfangs so überhaupt nicht geklappt hat mit der Säge, die wir bei der Bodenleiste verwendet haben, haben wir uns von Decosa die offizielle Zierleisten-Gehrungslade geholt und dazu eine feinere Säge. Jetzt klappt das wesentlich besser, auch wenn es sicher trotzdem empfiehlt mit feinem Schmiergelpapier die Kanten dann nochmal nachzuschleifen.

  2. Die Gehrungslade hat auch den Vorteil, dass euch das Schneiden der Ecken besser gelingt. Nicht nur, weil die Markierungen und die dazugehörigen Videos euch ganz genau sagen wie die jeweilige Innen- oder Außenecke zu schneiden ist (das war anfangs ein großes Problem bei uns). Sie verhindert auch, dass ihr das Styropor zusammendrückt und ihr euch dadurch euren Schnitt versaut (damit hatten wir bei den ersten Tests zu kämpfen).
  3. Unbedingt auch offiziellen Styroporkleber holen, der für solche (aber nicht unbedingt genau die) Leisten gemacht ist. Hier definitiv nicht geizen. Sowohl was den Preis angeht, als auch die Menge, die ihr auf die Leiste packt. Wir haben uns im Baumarkt den von Decosa geholt und tragen ihn mit einer kleinen Spachtel auf. Mit der Kartusche (590g) geht es zwar etwas besser und auch schneller, aber da ihr durchaus eine Menge davon braucht, ist es kosteneffizienter sich für den doppelten Preis den 4kg Eimer zu kaufen (ihr braucht offiziell circa 250g/m²).
  4. Nochmal: Nicht zu wenig Kleber draufpacken. Den Fehler haben wir am Anfang gemacht und entsprechend blieb der Mist nicht oder nicht lange an der Decke hängen. Da der Kleber allein schon fünf Minuten braucht, bis er eine gewisse Grundfestigkeit erreicht hat, ist eine größere und dichtere Verteilung das A und O. Und nein, fünf Minuten das Ding an die Decke drücken bringt leider nichts. Wenn zu wenig drauf ist, ist zu wenig drauf.Man könnte es zwar mit Nägeln probieren, um das Hart werden zu unterstützen (in manchen Videos wird das auch so gezeigt), aber die Gefahr, dass das Styropor dabei beschädigt oder gar kaputt geht war uns einfach zu groß.
  5. Da unsere Rollladenkästen hervorstehen, hätten wir einen unschönen Übergang bekommen, wenn wir die Leisten unverändert drauf geklebt hätten. Deswegen einfach mit einem scharfen Messer den unteren Teil möglichst gerade soweit abschneiden, dass es zu der ankommenden Seite passt. Ist ja nur Styropor, da kann man ziemlich viel mit einem Messer dran rumschnibbeln.
  6. Ihr werdet auch hier nicht drum herum kommen zu putzen und ggf. auch die Wand an der Stelle noch einmal ein wenig zu streichen. Der Kleber quillt logischerweise auf beiden Seiten raus. Der muss weg. Und das besser im Nassen als im harten Zustand, da sich so auch noch ein wenig unter der Leiste verteilt. Außerdem lässt es sich nicht vermeiden doch mal mit einem Kleberfinger auf die Leiste zu langen und damit einen (helleren) weißen Fleck drauf zu produzieren, den ihr weg machen solltet.
  7. Test der möglichen Muster

    Test der möglichen Muster

    Wenn eure Wände nicht 100% gerade sind (oder der Kleber nicht an allen Stellen hervorquillte), dann kommt ihr um Acryl vermutlich nicht rum. Damit könnt ihr nochmal oben und an der Leiste einen sauberen Abschluss machen und eventuelle Löcher schließen. Besonders wichtig ist das bei den Übergängen sowohl auf der Gerade als auch in den Ecken (da könnt ihr so viel rumhantieren, es wird nie genau passen). Auch hier gilt: Nicht an der falschen Stelle sparen. Billiges Acryl vergilbt mit der Zeit und das sieht logischerweise suboptimal aus. Zwar könnt ihr, anders als bei Silikon, über das Acryl drüber streichen. Aber das ist wieder zusätzlicher Aufwand, den ihr euch sparen könnt wenn ihr ein paar Euro mehr ausgebt. Wir haben uns wie schon beim Putz für das von Knauf entschieden (5 Euro pro Kartusche).

  8. Styropor ist sehr empfindlich. Ihr werdet unter Garantie mit euren Fingernägeln kleinere Macken reinmachen. Wenn man nicht so genau hinschaut, dann sieht man sie im Normalfall zwar nicht. Aber man kann sie natürlich entweder überstreichen oder auf andere Art und Weise kaschieren. Wir machen letzteres indem Lysanda ein Zentangelmuster auf die Leisten zeichnen wird (vermutlich einfach mit Resten der Wandfarbe). Sieht dann sicherlich auch cooler aus.

Bis auf das Aufmalen des Musters sind wir im Wohnzimmer nun also soweit fertig mit den Leisten. Jetzt noch einmal über die ganzen Flecken an der Wand streichen sowie den Boden reinigen und wir können ENDLICH zum langerwarteten Schritt „Möbel einräumen“ kommen. Und dann ist auch der Schritt „Hauptrechner wieder aufbauen“ nicht mehr all zu fern.

Bis Montag!

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