Sicarius

Fünf für die Ohren, Teil 6

Wie? Es ist schon fast wieder ein Jahr her, dass ich euch fünf hörenswerte Spiele-Soundtracks vorgestellt habe?! Das kann ja nicht angehen! Dabei habe ich doch so viele Lieder auf der Festplatte, dass ich damit auf einer einsamen Insel stranden und trotzdem bis ans Ende meiner Tage durchgängig einen anderen Track hören könnte. Und genau deswegen stelle ich euch heute  vier Alben vor, die nicht unbedingt direkt unter den Begriff „Spielesoundtracks“ fallen aber trotzdem für „echte Gamer“ (unechte müssen wie gewohnt draußen bleiben) hörenswert sind sowie  einen top-aktuellen Soundtrack. Wie immer gilt: Ich kann nur über die Version des Albums reden, die ich besitze und nicht über diverse Abwandlungen mit ggf. mehr oder weniger Tracks.

Spectra (Cover)

Spectra (Cover)

Spectra (2013)

Komponist: Niamh „chipzel“ Houston (Super Hexagon)
Umfang: 00:48:32 (13 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (7 Britische Pfund)

Die Chiptune-Musikern (sie nutzt einen Nintendo Gameboy) Niamh „chipzel“ Houston habe ich durch ihren Soundtrack zu Super Hexagon kennengelernt, der durch seinen heftigen und pumpenden Beat nicht nur während des Spielens das Blut in Wallung brachte, sondern auch außerhalb perfekt Adrenalinfördernd wirkte. Darauf baut sie ganz klar in diesem Album auf, dass ansonsten kein Spiel als Grundlage hat. Das Gameboy-Gepiepse wird gekonnt mit elektronischen Elementen aufgebohrt und ergibt am Ende einen Mix, der mich ganz klar an Soundtracks wie Scott Pilgrim vs. The World: The Game oder Reset Generation erinnert – nur irgendwie noch härter und schneller. Ist natürlich nur etwas für jemanden, der grundsätzlich was mit dieser Art von Musik etwas anfangen kann :smile: .

Persönliches Lieblingslied: Track 08 – Beyond The Cosmos [03:33] (Anhören)

Das vermutlich „sanfteste“ und damit vermutlich auch klassischste Chiptune-Lied auf dem gesamten Album. Aber gerade deswegen finde ich es zum einen angenehm erholsam aber zum anderen auch einfach „nett“. Es hat etwas Leichtes und Befreiendes an sich, was in mir ein schönes Gefühl der Zufriedenheit erzeugt. Und geht es nicht am Ende um das, was Musik beim Anhören mit einem macht?

 

VGL: Volume One Cover

VGL: Volume One
(Cover)

Volume One (2008)

Komponist: Diverse (eingespielt von Video Games Live)
Umfang: 01:04:08 (15 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Video Games Live (15 US-Dollar)

Wer Video Games Live nicht kennt: Das ist eine Erfindung von Spielekomponist Tommy Tallarico, die durch die ganze Welt zieht (aber ohne festes Orchester – es werden immer Leute vor Ort genommen!) und als erste überhaupt Spielemusik mit klassischem Orchester auf die große Bühne gebracht haben (anno 2005) und auch immer noch tun. Mittlerweile gibt es schon die fünfte CD, die alle zu empfehlen sind. Doch die für mich Beste ist immer noch die erste. Das hat zwei Gründe:

Die Auswahl der Spiele ist (für mich) fast 100% perfekt (Kingdom Hearts, WarCraft, Halo, uvm.) und es sind auch noch Stücke, die man so vermutlich noch nicht gehört hat sowohl was das Arrangement als auch den Orchestereinsatz betrifft. Die neueren CDs leiden etwas darunter, dass mittlerweile jedes Studio sich ein großes Orchester mietet. Entsprechend klingen die Lieder teilweise genauso wie im offiziellen Soundtrack und dafür brauche ich logischerweise Video Games Live nicht – so gut die Medleys von Tallarico & Co. auch arrangiert sind. Live aber unabhängig davon definitiv einen Besuch wert!

Persönliches Lieblingslied: Track 02 – WarCraft Suite [05:05] (Anhören)

Wie das Spiel ist auch die Musik der WarCraft-Spiele stark überzeichnet und kommt am besten zur Geltung, wenn sie mit einer entsprechenden Größe präsentiert wird (siehe auch das nächste Album) und in diesem Medley ist das eindeutig der Fall. Es wird die ganze Bandbreite abgedeckt (schwere Trommeln, durchdringende Blechbläser, mystischer Chor, sanfte Geigen, etc.) und damit ein episches Gesamtwerk geschaffen, das mir an so einigen Stellen echte Gänsehaut bereitet (vor allem im Chorfinale) und einfach nur geil ist. Klingt dämlich, aber ich weiß nicht wie man es anders beschreiben soll.

 

Echoes Of War (Cover)

Echoes Of War
(Cover)

Echoes of War (2008)

Komponist: Diverse (eingespielt vom Eminence Symphony Orchestra)
Umfang: 01:30:10 (15 Lieder auf 2 CDs)
Mögliche Bezugsquelle: Amazon US (für viel zu viel Geld)

Es gibt Dinge, die kommen erst so richtig zur Geltung, wenn sie in die richtigen Hände gelangen. Und im Fall der Musik von Blizzard Entertainment ist es das Eminence Sympohoy Orchestra. Das hat sich hingesetzt und bekannte Stücke bzw. teilweise sogar nur Motive aus der Hauptspielehistorie der Kalifornier genommen (leider kein Stück aus The Lost Vikings mit dabei) und zu richtigen Orchesterwerken aufgebohrt. Das Ergebnis ist buchstäblich einzigartig. So hat man selbst auf den Soundtrack-CDs von Blizzard ihre Musik noch nicht gehört. Wenn beispielsweise auf CD 1 (enthält ausschließlich WarCraft-Stücke – CD 2 StarCraft und Diablo) in Track 6 (The Visions Of The Lich King Overture) Arthas Motiv herausklingt und in seinen dunklen Gegenpart mutiert, dann ist das ein intensiver Gänsehautmoment (siehe auch das vorherige Album), der schwächere Menschen (mich natürlich nicht) buchstäblich zu Tränen rührt.

Das große Orchester mit seinem Chor gibt den Liedern die epische Breite, die sie im Original haben sollten aber entweder mitunter vermissen ließen oder im Vergleich dann doch nicht so intensiv hatten. Ich mag zum Beispiel die meisten Lieder der Blizzard-Spiele gar nicht so wirklich bzw. oft nur in Kombination mit der genialen CGI-Sequenz für die sie geschrieben wurden. Aber auf diesen zwei CDs werden schon allein durch die klar herausdefinierten, bekannten Motive die richtigen Emotionen und Gefühle transportiert – und das mit einer gewaltigen Wucht, die einfach nur gut tut. Warum klingen die World of WarCraft-Soundtracks nicht auch durchgängig so gut?

Persönliches Lieblingslied: CD 1 – Track 01 – Journey To Kalimdor [04:08] (Anhören)

Schon die ersten Takte geben ganz klar die Richtung des gesamten Albums vor: Episch, schwer und doch abwechslungsreich. Schließlich würde man völlig erschlagen werden von 1 1/2 Stunden durchgehend Trommeln und Blechbläsern. Stattdessen gibt es auch die ruhigen Momente, die einen etwas Zeit zum Durchatmen lassen bevor es wieder so richtig kracht und rumst. Somit steht der Einstiegstrack symbolisch für das ganze Album und gefällt mir wegen seiner Dramaturgie auch am Besten.

 

Reformation: Last Ninja 2 (Cover)

Reformation
Last Ninja 2 (Cover)

Reformation Last Ninja 2 (2016)

Komponist: Matt Gray (Dominator 2)
Umfang: 01:24:08 (13 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: C64Audio (15 Britische Pfund)

Ich gebe offen zu: Dieses Album ist der Hauptgrund für den heutigen Eintrag. Ich bin absoluter Fan des Soundtracks zu The Last Ninja 2 (C64), mag aber eigentlich eher selten irgendwelche Remixes, da sie oftmals nicht das Original respektieren (mitunter sogar, wenn der Remix vom selben Komponist kommt!) und stattdessen einfach nur irgendwelchen Technomist drüberrotzen. Matt Gray hat das bei seinem Werk nicht getan. Mal abgesehen davon, dass er sich sehr viel Zeit gelassen hat (der Kickstarter war 2014), hat er sich nicht einfach hingesetzt und gesagt „Okay, ich muss das jetzt alles neu machen und mich dabei total neu erfinden“, sondern hat stattdessen auf seinen Originalen aufgebaut. Sprich das wichtigste und auch charakterisierenste „Gepiepse“ da gelassen, wo es nicht nur hingehört, sondern wo es auch weiterhin völlig passend ist.

Das Ergebnis ist ein Album, das nicht nur dem Originalsoundtrack gerecht wird, sondern ihn tatsächlich sogar übertrifft weil Gray seine Songs behutsam und mit Augenmaß verändert, erweitert und verstärkt hat. Die Lieder klingen quasi nun auch tatsächlich so, wie sich das Original für einen Kenner mit rosarotem Hörgerät im Kopf anhörte.

Persönliches Lieblingslied: Track 02 – Central Park Main Theme [07:50]

In diesem Fall bin ich eindeutig vorgeschädigt, denn der Track ist auch mein absoluter Liebling im Original. Der Remix hat im Vergleich nun eindeutig mehr „rums“ bekommen und klingt stellenweise auch asiatischer (was sicherlich schon damals die eigentliche Absicht war – Ninjas halt). Gleichzeitig ist trotzdem noch so viel von damals enthalten, dass meine Füße sofort wieder mitwippen. Das Stück hat einfach alles. Es klingt auf der einen Seite locker und leicht und ist doch voller Spannung und Tempo. Perfekt.

 

Battlefield 1 (Cover)

Battlefield 1
(Cover)

Battlefield 1 (2016)

Komponist: Johan Söderqvist & Patrik Andrén
Umfang: 01:08:27 (25 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Amazon (9,99 Euro)

Die letzten Soundtracks der Battlefield-Reihe haben mir nicht wirklich gefallen. Zu viel irgendwie unharmonische Elektronikklänge für meinen Geschmack. Doch da sich die Serie dieses Mal wieder auf die Vergangenheit zurückbesinnt, durften auch die Komponisten zurück zum klassischen Klang. Bislang ausschließlich für Film und Fernsehen aktiv, bringen die beiden das Orchester und damit auch die Epik zurück in den Battlefield-Klang – zumindest zu einem Teil, denn der erste Weltkrieg war bekanntermaßen kein Zuckerschlecken und diese Dramatik ist auch im Soundtrack zu hören (vor allem durch die eingestreuten, sehr melancholischen Choreinlagen).

Vermutlich auch deshalb verzichten sie – geschickter Weise, muss man sagen – darauf bereits im Hauptthema das bekannte Motiv zu bringen. Doch das macht den Einstieg keineswegs schlechter und führt im Gegenteil dazu, dass man umso mehr vom Stuhl hochspringt, wenn es dann nach 10 Sekunden im 15. Lied plötzlich in all seiner Stärke und Wucht aus den Boxen dröhnt. „Endlich wieder Zuhause“ schießt es da einem durch den Kopf.

Persönliches Lieblingslied: Track 17 – Flight School [03:07] (Anhören)

Ich mag viele Dinge an Musik (Geigen, Dramatik, Härte, etc.) aber vor allem mag ich clevere Komponisten, die es schaffen ein bekanntes Motiv geschickt neu zu formieren. Nachdem sie also kurz zuvor endlich das Originalmotiv wieder hervorgeholt haben, nehmen sie es in diesem Track und machen daraus ein äußert erhabenes und antreibendes Werk, das zwar nie seinen Höhepunkt erreicht aber doch ein wollig kribbeliges Gefühl erzeugt.

 

Und damit seid ihr schon wieder gut 5-6 Stunden beschäftigt. Anschließend erwarte ich nicht nur eure Meinung zu den ausgewählten Alben in den Kommentaren, sondern gerne auch weitere Empfehlungen. Müssen auch nicht zwingend in diese Richtung gehen. Ihr wisst ja: Ich bin prinzipiell offen für alles. Ob es mir am Ende gefällt ist natürlich ein anderes Thema :smile: .

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Ein Kommentar

Verdammt, Last Ninja. Hab direkt Level 3 geordert. Danke für den Hinweis, ich hätte es wohl nicht mitbekommen….

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