PC-Spiele Top 10

Diskussion

Da das Ganze schon so sehr schwer ist, werde ich auf eine Nummerierung verzichten (Auflistung ist alphabethisch) und den Begriff "Top 10" nur insofern eingrenzen, als das ich nur ein Spiel pro Genre auswähle. Das diese Liste logischerweise 100% subjektiv ist, bedarf denke ich keiner weiteren Erwähnung. Und auch wenn es vielleicht hier und da herausklingen mag, spricht hier keineswegs (nur) der Nostalgiker. Alle genannten Spiele hole ich auch heute noch öfters hervor. Ich erinnere mich hier also nicht nur an die gute alte Zeit und wie es vielleicht damals war, sondern greife auf frische Erlebnisse gewürzt mit alten Erinnerungen zurück. Aber kommen wir nun zur Liste:

American McGee’s Alice (Action-Adventure)

Wer hier ein Spiel wie Tomb Raider erwartet hat, ist über meine Wahl wohl sehr überrascht. Für mich war es allerdings relativ klar, soweit eben beim Begriff "Action-Adventure" Klarheit herrschen kann. Für mich ist American McGees Vision vom "wundervollen" Märchenland als bizarres Horrorszenario schon fast eine Versinnbildlichung vom Kunstpotenzial das Computerspiele erreichen können. Klar erscheint es, wenn man sich wie die GameStar nur die rohen Fakten anschaut, erst einmal nicht als etwas sehr besonderes. Sobald sich der Spieler aber einmal hinab in die Tiefen des Hasenlochs begeben hat und beginnt diese traumatische Phantasie der "kleinen" Alice zu durchleben, wird einem klar das hier definitiv Meister am Werk waren. Schon das bizarre Level- und Gegnerdesign, welches den perfekten Grad zwischen Bekanntheit aus der Originalgeschichte und horrifizierte Entstellung geht ist unbeschreiblich beeindruckend. Zusammen mit der detaillierten Story, die durch die weiteren Erzählungen einer Schwester der Nervenheilanstalt, in die Alice nach dem tragischen Erlebnis im Intro verfrachtet wurde, im Handbuch zusätzlich um eine weitere Sichtweise erweitert wird, ergibt sich ein wahnsinnig bedrückendes und gleichermaßen fesselndes Spielerlebnis. Chris Vrennas verdorbene Klänge einer Spieluhr, landläufig auch als Soundtrack bekannt, setzen dem Ganzen dann noch die Krone auf. Ich freue mich deswegen auch extrem auf American McGee’s Grimm, auch wenn dies leider ein Episodentitel wird.

Die Siedler II: Veni, Vidi, Vici (Aufbaustrategie)

Im  Prinzip könnte hier auch Die Siedler II: Die nächste Generation stehen aber ich habe mich dann doch, trotz der sehr guten Qualität des Remakes, dazu entschieden hier das Original zu listen. Es sei vorab vielleicht noch erwähnt, dass ich mehr der Sandbox-User bin. Ich baue also am liebsten ungestört vor mich hin. Das mag nun auf den ersten Blick langweilig erscheinen ohne Gegner seine Stadt aufzubauen, vor allem da die gesamte Produktion im Spiel ja eigentlich auf Krieg ausgelegt ist. Es hat jedoch seinen eigenen Reiz, der daraus besteht den perfekten Warenkreislauf und das perfekte Wegesystem für seine Siedlung aufzubauen. Vor allem letzteres ist für mich der wichtigste Bestandteil von Siedler, den ich in den Teilen drei und vier (fünf hat mit Siedler nix zu tun...) schmerzlich vermisst habe. Das putzig animierte Gewusel der kleinen Siedler gibt dem Ganzen dann noch den schönen "Zurücklehnen und Genießen"-Effekt. Die Siedler 2 bot dabei gegenüber dem ersten Teil so wahnsinnig viele sinnvolle Neuerungen inkl. einer viel schöneren Grafik, dass sich eigentlich niemand mehr richtig an Die Siedler erinnert (auch wenn es zwei, drei gute Sachen nicht geschafft haben, wie z.B. die Möglichkeit des freien Burgenbaus).

Have a N.I.C.E. Day (Rennspiel)

"Du wählst ein Rennspiel mit Waffen?" - Natürlich, denn damit ist auch schon der Grund genannt warum das Spiel so cool ist, denn was macht den noch mehr Spaß als Zerstörungsorgien wie Destruction Derby? Genau, dem Gegner eine Rakete ins Hecke zu feuern und ihn dann als qualmendes Wrack zurückzulassen während man auf den nächsten Looping zusteuert. Da fühlt man sich doch viel besser als wenn man den Gegner nur einfach so überholen würde. Have a N.I.C.E. Day bietet dabei eine schön Mischung aus Fahrspaß mit alten Kisten, mehr oder minder verrückten Strecken und eben eine große Auswahl an Tuningmöglichkeiten und Waffen. Den Platz hat sich Have a N.I.C.E. Day also dadurch verdient, dass es von der Sorte nur sehr wenige Spiele gibt und es mit diesem System einfach mehr Spaß macht als nur langweilig normale Rennen mit gelegentlichen Blechkontakt zu fahren. Wenn es in FlatOut 3 die Möglichkeit gibt Waffen einzukaufen, ist es DAS perfekte Rennspiel, weil dann alles von sinnloser Gewalt über Zerstörungsorgien und eine Prise realistisches Fahrverhalten in einem Paket enthalten wäre. Bis dahin muss eben Have a N.I.C.E. Day herhalten, obwohl auch Crashday sehr viel Spaß macht und den besseren Multiplayermodus (ja, Have a N.I.C.E. Day hatte schon anno 1997 einen rudimentären Multiplayermodus) bietet.

Lands of Lore: The Throne of Chaos (Rollenspiel)

Ihr habt alle darauf getippt, dass hier Gothic II stehen würde. Gebt es ruhig zu! Aber obwohl es Gothic 2 natürlich verdient hätte hier zu erscheinen, hat mich Lands of Lore: The Throne of Chaos wesentlich mehr geprägt. Noch überraschender ist diese Wahl auch noch, da das Spiel mehr zu den "leichten" Rollenspielen gehört und weniger zu den Schwergewichten wie Baldur’s Gate oder Ultima. Neben der spielerischen Qualitäten wie drei grundverschiedene Charaktere aus denen man zu Beginn wählen kann oder den interessanten Schauplätzen, hat dieses Spiel vor allem wegen seines Drumherum einen ewigen Platz in meinem Herzen gefunden. Dies fängt bei der gottesgleichen Stimme von Patrick Stewart an und geht über die gut erzählte Geschichte weiter zum unvergesslichen Soundtrack von Frank Klepacki. Mein persönlich stärkster Moment im Spiel ist, wenn die Party die Stadt Yvel betritt und zum ersten Mal diese beklemmende Melodie ertönt (Kenner vom "The Naked Parade 2"-Teaser hören diese auch zu Beginn). Allein dieses Lied höre ich bis heute immer mal wieder (gerade läuft es wieder).

Mad TV (Manager)

Hier war die Auswahl leicht, da ich sehr selten Manager spiele, war es nur ein Rennen zwischen Theme Hospital, Klomanager und eben Mad TV. Der Sieg von Mad TV war allerdings dann doch relativ eindeutig, denn es gibt wirklich kein anderes Spiel von dem ich so lange ein Savegame von Festplatte zu Festplatte mitgezogen habe. Das Savegame hab ich unregelmäßig immer mal wieder hervorgeholt und hatte darin dementsprechend schon weit über 1000 Spieltage hinter mir. Leider ist es dann doch mal verloren gegangen, weshalb ich mittlerweile (ja, das Spiel befindet sich wieder auf der Festplatte) neu angefangen habe. Im Prinzip ist es natürlich jeden Spieltag das gleiche und doch ein sehr monotoner Spielablauf aber wie bei Die Siedler 2, geht es mir nicht um das gewinnen, denn die KI hat man eh schon nach wenigen Tagen besiegt und Bettys Herz zu erobern ist keine wirkliche Kunst. Vielmehr geht es mir darum das letzte Quäntchen aus dem Sender herauszuquetschen. Es macht mir eben auch beim tausendsten Mal noch Spaß zwischendurch mal wieder ein paar Produktionen in Auftrag zu geben, ein paar News einzusetzen und mal wieder ein paar Filme im Archiv auszumisten. Eine komische Faszination, die sich wohl gar nicht richtig erklären lässt.

One Must Fall 2097 (Beat’em up)

Wohl das einzigste Außenseiterspiel in der gesamten Liste. Wer es nicht kennt: Es bekämpfen sich dort Roboter in Zweikämpfen wie man sie aus Street Fighter & Co. kennt. Am Ende eines Kampfes gibt es Geld, welches entweder in einen neuen Roboter oder in die Aufrüstung des alten Gefährts gesteckt wird. Neben der Tatsache, dass es schon immer viel zu wenig Beat’em ups für den PC gab, liegt hier vor allem die Faszination im Tunen und natürlich auch Beherrschen des eigenen Roboters. Wenn ich micht recht erinnere, haben zwei Joysticks unter diesem Spiel schon ihren Tod gefunden und ich kann trotzdem bis heute noch nicht alle Spezialfähigkeiten jedes Roboters auslösen. Man kann also nicht behaupten, dass es hier nur steht, weil ich für alles andere zu blöd bin, obwohl ich One Must Fall 2097 tatsächlich als relativ Einsteigerfreundlich empfinde. Kenny Chou hat auch eine gute Arbeit mit dem Soundtrack abgeliefert.

Quake III Arena (Ego-Shooter)

Die wohl schwerste Entscheidung der Liste. "Welches Spiel von id nehme ich?". Die Entscheidung fiel dann auf Quake III Arena weil ich diesesvon allen am exzessivsten gespielt habe - sogar mehr als DOOM. Außerdem ist diese Wahl auch bewusst ein Schlag ins Gesicht all dieser Unreal Tournament-Liebhaber. Unreal Tournament mag ja ein gutes Spiel sein aber Leute mit echtem Skill spielen einfach Quake III Arena. Das Spiel steht für ein schnelles und kompromissloses Fragfest mit sehr guten Bots die auf Nightmare fähiger sind als es die von Unreal Tournament je auf Godlike waren. Xaero, die alte Railgunsau, habe ich allerdings bis heute nicht auf Nightmare besiegt *geht in die Ecke und schämt sich*.

Sam & Max Hit the Road (Point & Click-Adventure)

Ich höre schon wieder die unzähligen Schreie. "Wie kann er nur dieses Adventure nennen statt Monkey Island?". Die Antwort ist ganz einfach: Ich habe keinen der vier Teile je richtig gespielt. Ich besitze sogar nur Teil 1 (dafür aber in der original Amiga-Fassung!). "Aber da ist doch auch noch Day of the Tentacle!". Stimmt, dennoch fällt meine Wahl weiterhin auf Sam & Max Hit the Road. Es mag zwar eines der kürzeren und vielleicht auch anspruchsloseren LucasArts-Adventures sein aber es bietet meiner Meinung nach den besten Humor - Außerdem kann man einem flauschigen und gewalttätigen Hasen doch nicht widerstehen. Die abgedrehten und Amerika-parodierenden Charaktere, die Story mit ihren abstrusen Dialogen und generell Steve Purcells Stil ergeben einfach ein Gemisch, dass man mag oder nicht. Es gibt keinen wirklichen Mittelweg. Ich freue mich zur ersten Kategorie zu gehören!

Wing Commander: Privateer (Weltraumflugsimulation)

Der Fanboy in mir hätte ja lieber Star Wars TIE Fighter hier gesehen aber obwohl ich nie ein richtiger Wing Commander-Fan war, überzeugt Wing Commander: Privateer dann doch einfach spielerisch etwas mehr. Ich bin übrigens auch heute noch kein wirklicher Wing Commander-Fan, auch wenn ich natürlich alle Teile besitze und (fast alle) durchgespielt habe. Privateer hingegen hat mich von der ersten Minute an einfach gefesselt. Das liegt vor allem an den unzähligen Möglichkeiten, die das Spiel bietet und auch wirklich hat. Vor allem die Piratenlaufbahn zieht einen natürlich magisch an. Die Story an sich ist zwar vernachlässigbar aber durch den riesigen Weltraum zu streifen und nach Lust und Laune zu tun und lassen was man will ist verbunden mit der üblichen Sucht nach dem besseren Raumschiff, bildet die perfekte Ergänzung zum grundlegenden und sehr guten Wing Commder- bzw. einfach generell Kampfflugsimulationsspielprinzip. Die Hauptwelten wie New Detroit oder Oxford Library, die coolen Schiffe und das kleine Gastspiel der Kilrathi tun ihr übriges. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Entscheidung dem ermüdenden Missionskorsett von Wing Commander zu entfliehen und mehr in Richtung der Freiheit von Elite zu gehen, die vollkommen richtige war. Wie so oft ist natürlich auch die Musik, vom Origin-Dreiergespann Barrett, Schäfgen und Vugrinec, hervorragend. Zwar übt Wing Commander Privateer 2 seine eigene Faszination aus und ist auch ein gutes Spiel mit der klar besseren Story aber dennoch hat es, zusammen mit unzähligen anderen Versuchen wie die X-Serie, leider nicht geschafft das Original wirklich zu erreichen.

X-Com: Terror from the Deep (Rundentaktik)

Auch hier stellen sich viele wieder die Frage warum ich gerade Teil 2 der Serie nenne und nicht den Klassiker. Über die grundsätzlichen Qualitäten des Spiels bedarf es allerdings keiner Diskussion. Das mehrfach geteilte Gameplay inkl. der rundentaktischen Elemente, die nicht ganz so kompliziert sind wie bei Jagged Alliance, stehen ganz klar für eine bis heute unerreichte Mischung aus Komplexität, Langzeitmotivation und Spielspaß. Teil 2 fügt dem nun nicht nur einen knackigen Schwierigkeitsgrad, sondern auch durch die Unterwassereinsätze, ein neues taktisches Element hinzu, indem nun jederzeit auf mehreren Ebenen gekämpft wird (ihr wisst schon: Wasser, da kann man hoch und runter tauchen). Außerdem sind die Schusseffekte unter Wasser cooler :).[CH]

(Veröffentlicht am 02.07.2007)