Ports of Call XXL

 

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Diskussion

 

Vor allem Amiga-Spielern bekommen Tränen in die Augen, wenn sie den Namen „Ports of Call“ hören. Steht er doch für eine der besten Wirtschaftssimulationen auf dem Amiga. Zwar gab es auch für den PC eine Umsetzung, diese stand allerdings vor allem technisch weit hinter dem Amiga-Original zurück. Nichtsdestotrotz hat auch diese Version viele Fans und Käufer gefunden. Nach eigenen Angaben, haben die Entwickler selbst allerdings nicht viel von diesem Geld gesehen. Aber wir wollen heute nicht in der Vergangenheit schwelgen, denn seit einiger Zeit arbeitet Rolf-Dieter Klein, einer der Autoren des Originals bereits an einer umfangreichen Neuauflage namens „Ports of Call XXL“. Aber was hat sich im Gegensatz zu „Ports of Call Classic“ (wie es mittlerweile offiziell genannt wird) verändert und übt es weiterhin die Faszination des Originals aus? Werfen wir dazu einen Blick auf die aktuellste Beta-Version 0.99.56.

Reedersorgen

Man übernimmt in Ports of Call den Job eines Reeders. Ihre Aufgabe ist es ihre Schiffe gewinnbringend und kosteneffizient über die Weltmeere zu schicken und in den Häfen Waren oder Passagiere zu laden um diese dann mit Gewinn in einem anderen Hafen zu verkaufen. Klingt simpler als es ist, da ein Schiff auch noch andere Kosten verursacht. Darunter fallen z.B. der Verschleiß auf der Fahrt oder der Treibstoffverbrauch.

Zu Beginn des Spiels besitzt man allerdings noch kein Schiff, sondern hat nur ein knappes Budget zur Verfügung. Die Auswahlmöglichkeit der Schiffe richtet sich nach gewähltem Startjahr, aber zu Beginn kann man sich sowieso nur eine gebrauchte Rostlaube leisten, die sich gerade noch so über Wasser halten kann. Genügend Geld vorausgesetzt erweitert sich das Angebot auf riesige Containerschiffe oder Spezialisierungen, wie Kühlschiffe oder Passagierschiffe.  Nach der Unterschrift und Benennung des Schiffs dauert es einige Tage und es kommt am Heimathafen der Transportfirma an, wo es beladen werden kann.

Die Qual der Wahl

An jedem Hafen stehen je nach Ausstattung mehrere Aktionen zur Verfügung. Neben dem Auftanken und Beladen des Schiffes lässt es sich in vielen Häfen auch vor Ort reparieren oder, wenn gerade keine ansprechende Ladung ansteht, vor Anker legen. In der Beladungsübersicht werden alle zur Verfügung stehenden Transportaufträge, die von diesem Hafen aus starten angezeigt Zusammen mit den wichtigsten Daten, wie Termin und Bezahlung Es ist auch möglich Teilmengen mehrer Ladungen einzupacken und damit verschiedene Häfen hintereinander anfahren. Ist das eigene Schiff beladen, muss nur noch die Route zum Zielhafen berechnet werden und der Auftrag ist in ihren Händen.

Nach einer entsprechenden Wartezeit meldet sich vor der Abfahrt das Schiff noch ein weiteres Mal. Zuerst steht für den Reeder die Entscheidung an, ob er das Schiff von Hand oder mithilfe eines Schleppers aus dem Hafen manövrieren möchte. Hat man sich zu Beginn des Spiels für ein reines Wirtschaftsspiel entschieden, wird trotz Abfrage immer die Schlepperhilfe in Anspruch genommen.

Bei einer manuellen Steuerung, wechselt das Spiel nun entweder in die 2D-Schiffssimulation oder, falls man Besitzer von Sim3D ist, in die 3D-Simulation. Die Aufgabe ist in beiden Fällen gleich: Das Schiff muss vom Liegeplatz aus, zum grünen Pfeil auf der Karte gebracht werden. Je nach Größe des Hafens, stellt dies unterschiedliche Anforderungen an das eigene Können. Das Gleiche gilt natürlich auch für die Einfahrt in einen Hafen. Gesteuert werden kann das Schiff in der 2D-Simulation mittels der Pfeiltasten oder der Maus. Man bestimmt jeweils die Geschwindigkeit und die Ausrichtung des Ruders (links oder rechts) und beobachtet das Ergebnis. Natürlich muss die Trägheit beachtet werden. Wenn ich einem Schiff den Befehl gebe von 20 auf 0 Knoten abzubremsen, dann geschieht dies natürlich nicht gleich, sondern das Schiff verliert langsam sein Momentum.

Wurde diese Übung erfolgreich überwunden, muss noch die Reisegeschwindigkeit bestimmt werden und das Schiff macht sich auf seinen mitunter sehr langen Weg über die Ozeane.

Auf hoher See

Aber auch dieser Weg ist nicht ohne Tücken. So gibt es z.B. Stürme. Trifft ein Schiff auf einen solchen, muss sich der Spieler entscheiden, ob er es hindurch fahren lässt (und damit im schlimmsten Fall den Verlust riskiert) oder ihn umfährt. Dann muss allerdings beachtet werden, dass dadurch keine Termine flöten gehen und natürlich muss das Schiff noch genug Treibstoff übrig haben. Wie viel Treibstoff noch im Tank ist, sieht man in der aktuellen Betaversion allerdings nicht, was vor allem bei vielen Schiffen durchaus dazu führt, dass man eine Millionen an die Konkurrenz abdrücken muss, als Dank für das Abschleppen.

Während das Schiffen langsam (oder schnell, nach Zeitbeschleunigungstufe) über die Weltkarte schippert, hat der Reeder Zugriff auf verschiedene Dinge. Neben dem Schiffsverkäufer kann man z.B. in sein Büro gehen und dort schon Waren für die nächste Route im Zielhafen reservieren oder sich Statistiken über die Wirtschaftlichkeit der eigenen Schiffe anzeigen lassen. Hier gibt es  die Möglichkeit Werbung für das eigene Unternehmen zu schalten. Da die Qualität der Aufträge mit dem eigenen Status zusammenhängt, ist dies besonders wichtig. Der eigene Status erhöht sich auf verschiedene Arten: So wird er schon durch den Kauf eines weiteren Schiffes erhöht oder aber auch durch das Retten von Schiffbrüchigen auf hoher See.

Schneller Geld verlieren

Im Gegensatz zum Original hat der gestandene Reeder nun  auch die Möglichkeit außerhalb des Handels mit Waren sein Geld zu verdienen, denn ein Aktienmarkt hat Einzug in das Spiel gehalten. Dort kann man sein Geld auch entsprechend in die Firmen investieren, in der Hoffnung, dass der Kurs steigtund die Firma nicht Bankrott geht. Beeinflussen lässt sich der Kurs mit dem eigenen Handeln leider eher wenig.

Ein Spielziel gibt es in Ports of Call in diesem Sinne nicht. Man hat nur die Möglichkeit zu Beginn die Spielzeit auf bis zu 4 Stunden zu begrenzen oder gegen bis zu 8 Mitspieler, sowohl am eigenen Rechner, als auch im LAN, anzutreten.

Techtelmechtel

Grafisch gibt sich Ports of Call XXL zwar besser, als das Original, aber immer noch sehr trist. Dafür wurden die meisten Häfen realitätsgenau mithilfe von Satellitenfotos ins Spiel eingebunden. Auch soundtechnisch fährt die Betaversion noch auf Sparkurs. Einige Häfen haben bereits ortsspezifische Hintergrundmusik eingebaut, aber den Grossteil der Zeit kommt Stille aus den Boxen, was nur durch kurze Effekteinblendungen, wie einem Sturmgeräusch oder dem Tuckern des Schiffsmotors unterbrochen wird. Die Bedienung ist hingegen gelungen. Das gesamte Spiel lässt sich bequem mit der Maus steuern und ist, wie bei solchen Spielen gewohnt, vollkommen unkompliziert. Da das Spiel mit Flash programmiert wurde, sind die Anforderungen an den eigenen Rechner auch sehr gering.

Featuremässig ist laut Aussage der Entwickler in der aktuellen Version schon alles enthalten (nur die Computergegner sind noch deaktiviert) und es würde jetzt nur noch Feintuning betrieben. Da aber auch bislang die Community rege an der Entwicklung beteiligt war, kann sich dies bei einem guten Vorschlag natürlich auch noch ändern.

Wad wollese?

Das Spiel ist in mehreren Sprachen verfügbar, da die Entwickler allerdings Deutsch sind, ist dies natürlich die Originalversion. Erhältlich ist Ports of Call XXL, sowie Ports of Call Classic momentan nur über die offizielle Webseite. Dort kann man drei verschiedene Lizenzen erwerben. Mit der Silber-Lizenz (4€) erhält man nur Ports of Call Classic, mit der Gold-Lizenz für 10€ erwirbt man den Zugriff auf Classic, XXL und Sim3D allerdings mit Einschränkungen, wie der Limitierung auf die 2D-Schiffssimulation in XXL und dem Fehlen einiger Schiffe wie der Queen Elizabeth 2. Das Komplettpaket namens Platinum-Lizenz (40€) erlaubt hingegen die uneingeschränkte Nutzung aller Programme und Vorzüge, wie eine spezielle Kennzeichnung im Forum oder die Möglichkeit sich in der Hall of Fame zu verewigen.

Fazit

Ports of Call XXL ist ein würdiger Nachfolger, der schon jetzt in der bereits sehr runden Beta-Version sehr viel Spaß macht. Durch die kleinen aber feinen Veränderungen und neuen Features gegenüber dem Original, sowie der Möglichkeit endlich auch im LAN zu spielen, wird das Spielerlebnis auf ein neues Level gehoben. Aber auch alleine macht es immer mal wieder Spaß ein paar Stunden die Schiffchen über die Welt zu bewegen, wenngleich natürlich der einzelne Ablauf immer derselbe ist. Für Kenner und Fans des Originals ist zumindest das Geld in die Gold-Lizenz eine sehr gute Investition. Alle anderen sollten zumindest einen Blick auf die Demo werfen, die als einzige Einschränkung auf eine Stunde Spielzeit limitiert ist.

Warnung

Die Firma Astragon vertreibt seit 27.10.06 eine Packungs-Version von Ports of Call Classic und Ports of Call XXL genannt „Ports of Call Classic Edition“. Diese Version von PoC XXL unterscheidet sich allerdings erheblich von der, auf der Webseite erhältlichen. Für den Preis von 9,95€ erhält man hier nur eine abgespeckte Version (u.a. nur Cargo- und Containerschiffe) mit einem vereinfachten Spielablauf. Zudem ist es nicht möglich diese Version auf die normale Version von PoC XXL zu upgraden d.h. das zukünftige Updates von Astragons Support abhängen. Meine Empfehlung: Finger weg! [CH]

(Veröffentlicht am 28.12.2006)