Wer braucht da noch die E3 (Spoiler: die Leute, die nur persönlich Geschäfte machen können)? War selbst ohne einiges los letzte Woche. Erst der Router…äh PlayStation-5-Showcase am Donnerstag mit vielen Überraschungen (z.B., dass Oddworld: Soulstorm nach fünf Jahren immer noch in Entwicklung ist ohne irgendein Veröffentlichungsdatum in Sicht), dann der fünf Stunden lange Stream-Marathon am Samstag mit dem Guerilla Collective Live, der PC Gaming Show und der Future Games Show mit so vielen Spielen, dass ich ohne das dazugehörige Press Kit und die vielen Zusammenfassungen diverser Publikationen keinen Überblick hätte.
Der Webmaster und sein Fetish
Diese Pressekits sind auch ganz praktisch für mein neues Betätigungsfeld. Ich arbeite nämlich seit kurzem wieder für eine Spielewebseite: Co-Optimus. Das ist – wie der Name schon andeutet – eine amerikanische Webseite, die voll und ganz auf Koop-Spiele ausgerichtet ist und die (zumindest soweit mir bekannt) größte Spieledatenbank dazu hat. Und genau hier komme ich ins Spiel. Ich bin nämlich nicht zum Schreiben oder gar Videos machen da (dafür fehlen mir sowieso die Mitspieler
), sondern lt. Team-Seite der “Database Master”. Sprich meine Aufgabe ist die Pflege besagter Koop-Spiele-Datenbank. Ja, irgendwie rutsche ich immer wieder in die Archivar-Schiene zurück. Ich kann halt nicht anders. Mir macht es warum auch immer Spaß Tabellen mit sinnlosen aber exakten Informationen zu befüllen…
Angefangen hat es mit einem Aufruf bei Twitter. Die Betreiber hatten eine Google-Tabelle mit Spielen ohne Veröffentlichungsdatum zusammengestellt und um Hilfe aus der Community gebeten, um diesen Schiefstand zu bereinigen. Waren ursprünglich sechs- oder siebenhundert Zeilen. Mittlerweile sind es dank mir nur noch ca. 180 (nur vereinzelt hat jemand anderes was gemacht). Es war entsprechend schon fast absehbar, dass die Frage kommen würde “Hey, dir gefällt das scheinbar. Willst du vielleicht bei uns mitmachen?”. Die Antwort darauf war und ist nicht einfach. Ich habe lange überlegt, da ich bekanntlich die Tendenz dazu habe in sowas zu sehr aufzugehen und zu viel Zeit reinzustecken. Am Ende haben wir uns entsprechend erstmal auf eine Testphase geeinigt, um zu schauen, ob ich mich da zurückhalten kann. Sprich immer nur eine maximale Anzahl an Stunden pro Tag und Woche in die Seite investieren. Und ja, dafür habe ich mir natürlich ebenfalls eine Tabelle gemacht
.
Mittelmäßige Ausgangsbasis
Zu tun gibt es auf jeden Fall einiges. Obwohl die Datenbank das Herz der Seite ist, hatten sie wohl noch nie eine dedizierte Person, die sich darum kümmerte und eine Community-Beteiligung gibt es ebenfalls nicht. So ist sie zwar seit der Gründung 2008 stetig gewachsen und enthält mittlerweile mehr als 5.000 Einträge (jede Plattform wird einzeln gezählt) mit den wichtigsten Koop-Informationen (wie viele Spieler, welche Plattformen, Koop-Kampagne oder nur separate Modi, etc.), aber eine echte Pflege fand nicht statt (siehe fehlende Veröffentlichungsdaten) und neue Titel wurden eher bei Notwendigkeit als der Vollständigkeit halber hinzugefügt. Selbst Titel aus diesem Jahr fehlen sehr viele. Kann ich aber verstehen. Zum einen wird die Seite wohl von allen Beteiligten nur nebenbei betrieben. Zum anderen sind die Editoren mit denen die Steckbriefe erzeugt und geändert werden echt anstrengend. Plus natürlich der Herausforderung die ganzen Koop-Informationen überhaupt erst zu recherchieren. Man würde meinen, dass das jeder Entwickler fröhlich hinausposaunen würde. Aber leider nein. Da muss man teilweise echt das halbe Internet abgrasen, um das herauszufinden. Da ist man schnell mal 30 Minuten oder mehr mit nur einem Titel beschäftigt. Absolut kein Vergleich zum Steckbrief bei GamersGlobal, den viele Archivare ja schon als total kompliziert und umständlich ansehen
. Aber die Informationen, die dort hinterlegt werden müssen, sind immerhin vergleichsweise einfach zu finden.
Mein Hauptaugenmerk ist derzeit die Datenbank speziell mit aktuellen und kommenden Titeln zu füttern und dabei die Schwachstellen/Umständlichkeiten am System zu finden und dem Programmierer mitzuteilen, in der Hoffnung, dass sie es verbessen (funktioniert bis jetzt ganz gut). Was bringt es schließlich, wenn man ein Feld hat in dem man wundervolle Informationen eintragen kann, aber diese Informationen irgendwie nicht gespeichert werden könne . Warum das keiner gemerkt hat, verstehe ich zwar nicht aber besser spät als nie. Insofern: Selbst wenn ich nach den vier Wochen sage, dass mir das alles doch zu viel ist, habe ich definitiv schon einen Beitrag dazu geleistet, dass die Seite etwas besser wird
. Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden. Aber unabhängig davon: Wer hin und wieder auf der Suche nach echten Koop-Spielen (kein PVP oder auf Wettbewerb ausgelegter Kram) ist, der sollte sich Co-Optimus in die Favoriten packen. Aus dem Grund hatte ich sie vor langer Zeit auch entdeckt und habe angefangen ihr auf Twitter zu folgen.
Themenübergang
Nun wollt ihr sicherlich alle meine Meinung zu besagtem Designer-Toaster und den ganzen Spielen wissen. Da muss ich euch dieses Mal aber leider enttäuschen. Abseits der Frage “wird der Titel Koop haben?” haben mich diese Werbeveranstaltungen und die dazugehörigen Titel echt überhaupt nicht interessiert. Bin vermutlich mittlerweile zu weit von der Front entfernt, um irgendwie großartig gehypt zu sein, wenn es nicht gerade von id Software (DOOM) oder Deep Silver Volition (Saints Row) kommt.
Die Spiele kommen irgendwann, ich werde einige davon sicherlich auch mehr oder weniger lange nach der Veröffentlichung kaufen und spielen. Vielleicht landet mit dem Release der nächsten Konsolengeneration sogar mal die letzte Konsolengeneration in meinem Haushalt (wenn auf eBay wieder alle ganz billig ihre Konsolen mit tonnenweisen Spielen raushauen). Aber ansonsten muss ich ehrlich zugeben, dass mich diese Spiele-Zukunft ziemlich kalt lässt egal wie realistisch auch die Grafik, die Physiksimulation oder wie innovativ das Gameplay und episch/mitreißend/verstörend die Geschichte natürlich nur dank der nächsten Konsolengeneration sein mag. Mich hat tatsächlich wesentlich mehr die Vorstellung des HP Reverb G2 Ende Mai angefixt. Aufgrund der fehlenden Notwendigkeit für Basis-Stationen ist das für mich plötzlich wesentlich interessanter geworden als Valves Index – plus dem deutlichen Preisunterschied. Bin gespannt was im Herbst dann die Tester dazu sagen (allein voran natürlich Dod und seine VR Legion). Aber Hype für “normale” Spiele? Irgendwie grad nicht. Ich spiel einfach, worauf ich gerade Lust habe und das war in den letzten Tagen vor allem:
Old School Musical (2015; PC, NSWI, Linux, Mac, Android, iOS) – Ihr begleitet in diesem Rhythmusspiel Tib und Rob, die auf einer einsamen Insel von ihrer grausamen Mutter zu Helden trainiert werden. Eines Tages tauchen Glitches auf und die Insel beginnt im Äther zu versinken. Von ihrer Mutter ausgestattet mit einer Art interdimensionalem Teleporter fliehen die beiden gerade so aus ihrer Heimat in eine orbitale Raumstation. Von dort aus machen sie sich auf die Suche nach ihrer Mutter und müssen dafür von bekannten Videospielen inspirierte Welten voller dazugehöriger Parodien reisen.
Insgesamt umfasst die Geschichte zwanzig Levels. Von Outrun über Metal Gear Solid und The Legend of Zelda bis hin zu Metal Slug ist alles dabei, was in Sachen Retro Rang und Namen hat. Das gilt auch für die Musik aus der Feder von mehr oder weniger bekannten Chiptune-Künstlern (kenne tatsächlich keinen einzigen), die sich ebenfalls großzügig von den Vorbildern inspirieren lassen. Wer Computergepiepse nicht erträgt, muss entsprechend um diesen Titel einen weiten Bogen machen. Alle anderen erwarten 50 Tracks (mit DLC 55), die zumindest mich nicht durchgängig überzeugen können. Aber Musik ist ja bekanntlich Geschmackssache.
Die direkte Kontrolle über Tib und Rob übernehmt ihr dabei nur selten. Es ist schließlich ein Rhythmusspiel und hat “Musical” im Namen. Stattdessen wird in jedem Level ein Song abgespielt und es fliegen von allen Seiten farbige Symbole in Richtung Mitte. Eure Aufgabe: Zum richtigen Zeitpunkt (=im Rhythmus) die dazugehörige Taste/Button zu drücken, um die Note zu treffen. Ab und zu fliegen auch Balken von unten nach oben. Aber es bleibt dabei: Nur wer im richtigen Moment drückt, kriegt das begehrte “Perfekt” angezeigt. Verpasst ihr eine Note, nehmen Tib und Rob Schaden. Ist die Lebensenergie leer, muss der Track wieder von vorne gestartet werden (optional in einem niedrigeren Schwierigkeitsgrad). Nichts Neues quasi in der Welt der Musikspiele. So arbeitet ihr euch von Lied zu Lied, bestreitet Bosskämpfe, erlebt überraschende Wendungen und rettet selbstverständlich am Ende das Universum. Einiges davon bekommt ihr allerdings nicht wirklich mit, da es im Hintergrund automatisch abläuft und ihr euch logischerweise auf die Noten konzentrieren müsst. Immerhin funktioniert nach der anfänglichen Kalibration (Input- und Audiolag) der Input verzögerungsfrei und man kann fließend zwischen Gamepad und Tastatur wechseln. Wobei ich tatsächlich letztere bevorzuge. Mit Gamepad treffe ich irgendwie weniger…
Was noch?
Jetzt stellt sich vielleicht der eine oder andere die Frage: “Die Kampagne hat 20 Levels aber es gibt 50 Lieder?!”. Ja, denn am Ende der Geschichte wird ein neuer Modus freigeschaltet. Verpackt in eine kleine Hintergrundgeschichte, die ich hier nicht verraten möchte, spielt ihr jeden einzelnen verfügbaren Track in Old School Musical durch. Die Kampagne ist quasi das Tutorial, dieser das eigentliche Spiel. Hier macht ihr dann auch Bekanntschaft mit einigen Gemeinheiten, die sich die Entwickler haben einfallen lassen. So zoomt der Bildschirm rein, das Sichtfeld wird verkleinert, die Noten werden kleiner und größer oder kommen in einem Strudel in die Mitte und so weiter und so fort. Das erhöht selbst auf “Normal” schon die Herausforderung ungemein.
Zur Belohnung für einen geschafften Song schaltet ihr ihn für den Arcade- und den Mehrspielermodus frei. Ja, richtig gelesen: Ihr könnt die Songs mit bis zu vier Spielern an einem Rechner/Konsole gleichzeitig zocken. Anders als z.B. in Rock Band übernimmt aber nicht jeder Spieler die Rolle eines anderen Instruments und es ist auch kein Battle-Modus ähnlich wie in Guitar Hero. Stattdessen arbeitet ihr euch gemeinsam durch das Lied und das Spiel mittelt euren Input, um zu entscheiden ob die Note getroffen wurde oder nicht. Einfaches Beispiel: Rondrer trifft die Note grad so und ich treffe sie perfekt, dann wird die Note zwar gezählt aber nicht als “Perfekt” getroffen angesehen. Interessanter Ansatz, der aber durchaus zu etwas Frust/Irritationen führen kann, weil man sich mitunter fragt „Die Note hab‘ ich doch getroffen?!” aber sie trotzdem nicht gezählt wurde.
Beim Christoph meint: Fünf Stunden habe ich bislang in den Titel versenkt. Ja, die Musik ist definitiv nicht jedermanns Sache und auch ich mag nicht jeden Track. Aber es sind trotzdem genug hörenswerte dabei, um mich bei der Stange zu halten. Die Geschichte ist gleichzeitig zwar nicht tiefgründig und lang aber immerhin nett erzählt und motiviert weiter zu spielen. Wenn ihr also zu der Gruppe von Spielern gehört, die zum einen mit Rhythmusspielen und zum anderen mit Chiptune-Musik und grundsätzlich einem gewissen Retrocharme etwas anfangen könnt, gibt es eine klare Kaufempfehlung. Passenderweise ist es aktuell Teil des Humble Bundle im Plug In Digital & Dear Villagers Bundles und für rund vier Euro zu haben (inkl. DLC). Da kann man echt nicht meckern.
Letzter Themenwechsel
Trotz der für viele Ohren eher gewöhnungsbedürften Musik habe ich natürlich Old School Musical auch mal im Mehrspielermodus ausprobiert. Erstes Testsubjekt war Lysanda, die dem Ganzen aber nur bedingt etwas abgewinnen konnte, was eindeutig an der Musik lag und weniger am Spielprinzip selbst. Anschließend habe ich mir mal Rondrer geschnappt und mit ihm Steams Remote Play Together-Feature ausprobiert. Die Idee ist simpel: Wenn das Spiel das Feature unterstützt, ladet ihr euren Freund zum Zocken ein und Steam beginnt nicht nur das Spiel zu streamen, sondern gibt eurem Kumpel zudem Zugriff auf eure Maus, Tastatur oder angeschlossene Gamepads (Berechtigung kann für jedes Gerät einzeln entzogen werden).
Das erlaubt es euch Spiele, die nur einen lokalen Mehrspielermodus besitzen, trotzdem unkompliziert über das Internet zu zocken. Und ja, es ist definitiv unkompliziert. Rondrer und ich haben mehrere Titel getestet und es hat quasi sofort funktioniert. Der Host darf nur nicht gleichzeitig das Steam Overlay bedienen, da derweil aus Sicherheitsgründen der Stream angehalten wird. Gibt wahrscheinlich trotzdem irgendeine Möglichkeit, dass darüber ein feindlich gesinnter Typ irgendwie die Kontrolle über euren Computer erlangen kann. Aber ich hoffe, ihr habt keine solchen Leuten in euer Freundesliste.
Je nach Spiel wurde meine Leitung mit 15-20 Mbit/s im Upload ausgelastet. War aber auch nichts grafisch großartig anspruchsvolles dabei. Rondrers Inputlag hing hingegen vom Spiel und der Art des Gameplays ab. Old School Musical funktionierte erst halbwegs, nachdem er sich an den Lag angepasst hatte, machte ihm aber trotzdem keinen Spaß (wegen der Musik). Sonic & All-Stars Racing Transformed hatte er hingegen überhaupt keine Probleme damit mitzuhalten. Es gibt übrigens sogar ein paar Einzelspielertitel, die dieses Feature unterstützen wie z.B. Half-Life 2. So kann z.B. einer die Maus bedienen und der anderen mit der Tastatur durch die Gegend laufen. Ja, der Sinn und Zweck erschloss sich uns nicht direkt. Später ist uns aber beispielsweise das klassische “Controller rüberreichen” eingefallen. Sprich “ich spiel ein Level, dann du” oder “kannst du bitte mal den Boss für machen”. Kann mir nicht vorstellen, dass das heutzutage noch so oft passiert. Aber hey: Die Wahl zu haben ist immer besser als keine Wahl zu haben. So bleibt mir abschließend nur zu sagen, dass ich es überraschend gut finde, was Valve da gebastelt hat. Hätte ich nicht gedacht.
Vergangenen Freitag hat die globale Spielerschaft mal wieder den Atem angehalten. Es war nicht so heftig wie am 20. März als DOOM Eternal und Animal Crossing: New Horizons auf den Markt kamen. Aber man hat doch in den Knochen gespürt, dass da was sehnsüchtig erwartetes endlich freigeschaltet wurde und sich eine riesige Masse an Spielern (20.000 allein auf Steam!) sofort drauf stürzte. Die Rede ist von der Command & Conquer Remastered Collection.
Ein dickes Ding
Kein Wunder: Ist ja auch ein Wahnsinnspaket das Petroglyph (von ehemaligen Westwood-Mitarbeitern gegründet) und Lemon Sky Studios da unter der Schirmherrschaft von Electronic Arts gepackt haben. Zwei Spiele (Teil 1 – Der Tiberiumkonflikt und Teil 2 – Alarmstufe Rot – ja, die deutsche Namensgebung war anno 1995 noch total Banane), alle drei Addons (Mission CD – Der Ausnahmezustand, Mission CD – Gegenangriff und Mission CD 2 – Vergeltungsschlag) plus ehemals konsolenexklusive Missionen und Zwischensequenzen (PlayStation und Nintendo 64). Verpackt in ein 4K-Grafik-Gerüst (mit mittlerweile üblichem Umschalter alt/neu), einem vollständig von Frank Klepacki höchstpersönlich remasterten, siebenstündigen Soundtrack (das Original steht ebenfalls zur Verfügung) und mit Hilfe von KI hochskalierte Zwischensequenzen. Okay, die könnten etwas besser sein. Aber die Originalaufnahmen sind wohl verschollen. Und den reinen CGI-Sequenzen merkt man ebenfalls sehr deutlich an, dass sie mittlerweile 25 Jahre alt sind. Da bringt es auch nichts, wenn man sie auf 4K hochskaliert. Es sieht trotzdem scheiße aus
.
Trotzdem hört es da noch nicht auf: Über vier Stunden Making-Ofs, Outtakes und unveröffentlichte Musik (muss durch das Spielen der Kampagne freigeschaltet werden). Mod-Support (es gab schon Mods, da war das Spiel noch gar nicht freigeschaltet!), ein auf Wunsch moderneres User Interface und Steuerung (stark individualisierbar!), ein Karteneditor und und und. Man kann Electronic Arts viel vorwerfen aber bei diesem Remaster anlässlich des 25. Geburtstags haben sie echt alles rausgeholt, was ging. Und dann hauen sie es auch noch für läppische 20€ raus. Was will man mehr? Aus meiner Sicht nichts.
Da hat nicht nur unserer Rondrer schwer überlegt, ob er es sich holen soll – selbst ich habe zugeschlagen. Allerdings – ihr kennt mich ja – nicht bei der digitalen Version, sondern bei der 25th Anniversary Edition von Limited Run Games. Die ist aber aufgrund von Corona und dem ganzen Kram noch nicht fertig produziert. Somit musste ich erstmal mit einem Steam-Key (ja, kein Origin-Key) vorliebnehmen.
Kurzes Abschweifen
Langjährige Mitleser wissen: Ich bin weder der größte Basenbau-Stratege (Schildkröten ftw.!) im Allgemeinen noch ein großer Command & Conquer-Fan im Speziellen. Dune II: The Battle for Arrakis (1992), Dune 2000 (1998) und Emperor: Battle for Dune (2001) haben es allein durch das Setting geschafft mich langfristig in den Bann zu ziehen – und selbst da habe ich es teilweise bis heute nicht geschafft alle Kampagnen zu beenden (die Atreides-Kampagne in Dune II ist einfach nur unfair). Erst mit Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3 habe ich mal einen Teil der Serie nicht nur intensiv, sondern sogar komplett durchgespielt. Gefolgt von Command & Conquer 4: Tiberian Twilight, weil ich es für GamersGlobal testen durfte. Aber für viele Fans existiert dieser Titel ja (zu Recht) nicht
.
Übrigens ein gutes Stichwort, um euch mal wieder eine Ladung nutzloses Wissen zu vermitteln: Command & Conquer 4: Tiberian Twilight war gar nicht als der vierte Teil der Serie angedacht. Das erklärt auch den erbärmlichen Zustand der Kampagne. Es war zuerst (2008) als Command & Conquer: Arena in Entwicklung und sollte ein Multiplayer-basiertes Spin-Off für den asiatischen Markt werden. EA war lange total besessen davon aus der Marke eine Games-as-a-Service-Sache zu machen. Das Management verlangte dann aber vom Entwickler EA Los Angeles, dass sie eine Einzelspielerkampagne einbauen, damit es als offizielles Sequel vermarktet werden konnte.
Das Studio war von der Idee angeblich nicht so begeistert (nachvollziehbar) aber am Ende kann man sich schlecht demjenigen widersetzen, der das eigene Gehalt bezahlt. Somit wurde schnell besagte Kampagne zusammengerotzt (war ja vorher nicht geplant), sie als das Finale der Kane-Storyline deklariert und ein paar lustlose FMVs dazu gedreht. Die Quittung kam umgehend als das Spiel 2010 von Presse und Spielern gleichermaßen zerrissen wurde. Gut, meine 7,5/10 ist vielleicht nicht der härteste Verriss. Aber das grundlegende Spielprinzip hat zumindest mir durchaus Spaß gemacht. Dass Command & Conquer draufstand und es damit nichts mehr zu tun hatte, dafür kann ich ja nichts
. Und ja, EA Los Angeles (bis 2000 DreamWorks Interactive, nach 2010 Danger Close Games) existiert mittlerweile nicht mehr. Es wurde 2013 nach dem Debakel namens Medal of Honor: Warfighter geschlossen. Ein Teil der Entwickler wechselten zu DICE LA. Das wiederum firmiert seit diesem Jahr angeblich als eigenständiges Studio und hängt nicht mehr nur am Rockzipfel von EA DICE, um für die Battlefield-Serie Unterstützung zu leisten.
Zurück zur Collection
Ich habe also am Wochenende zum ersten Mal versucht “richtig” Command Conquer: Teil 1 – Der Tiberiumkonflikt zu spielen. Zum Verfassungszeitpunkt zwei Stunden damit verbracht und vier GDI- (von 15) und eine NOD-Mission (von 13) erfolgreich beendet. Die zentrale Erkenntnis nach dieser natürlich noch recht kurzen Zeit? Ich bin weiterhin grundsätzlich zu blöd für Basenbau und Verteidigung derselben
. Ja, ich musste sogar schon die dritte GDI-Mission (auf normalem Schwierigkeitsgrad) mehrfach starten bevor ich es geschafft habe und GDI-Mission 4 (Variante “Hol’ gestohlenes Zeugs von den NOD zurück”) habe ich erst mit einer Komplettlösung geschafft. Mission 4 (!). Schon irgendwie ein Armutszeugnis – also für mich, nicht für das Spiel.
Ansonsten ist es ist trotz des modernen Anstrichs und dem ein oder anderen Komfortfeature immer noch das exakt gleiche Spiel aus dem Jahre 1995 (mit hoffentlich 2-3 weniger Bugs). Das freut Veteranen, die keine Änderungen am Gameplay zulassen. Es zeigt aber gleichzeitig auch wie viel weiter wir doch mittlerweile nicht nur im Echtzeitstrategiegenre gekommen sind. Das Pathfinding ist unter aller Sau (nicht nur beim berühmten Tiberium-Ernter), das Handling der Gebäude und Einheiten selbst mit modernisierter Steuerung eher gewöhnungsbedürftig (u.a. sehr langsame Reaktionszeit bis Befehle ausgeführt werden), die eigenen Einheiten halten gefühlt nichts aus, die KI cheatet was das Zeug hält (fleißig Einheiten produzieren obwohl kein Einkommen), weil sie ansonsten dumm wie Brot ist und ja, so richtig warm bin ich noch nicht mit dem Titel geworden. Liegt entweder am lahmen Einstieg (war früher halt so) oder daran, dass mich das grundsätzliche Setting GDI vs. NOD weiterhin nicht so richtig anmacht. Dann doch lieber das bunte Menschen vs.Orks-Getümmel in WarCraft 2: Tides of Darkness aus dem gleichen Jahr. Muss nachher mal in Command Conquer: Teil 2 – Alarmstufe Rot reinschauen. Vielleicht wird’s da etwas besser.
Das soll euch aber natürlich nicht vom Kauf abhalten. Wie eingangs erwähnt: Ich kann zwar nachvollziehen wie wichtig und einflussreich Command & Conquer für das Echtzeitstrategiespielgenre war, ich konnte selbst “live” in den 90igern nicht viel mit anfangen. Wenn ich mir hingegen meine Freundesliste so anschaue, haben so einige bereits stundenlangen Spaß mit dem Machwerk. Insofern bleibt mir erstmal nur festzuhalten: Es ist grundsätzlich wirklich die perfekte Remastered Collection geworden. Man kriegt für sein Geld einiges geboten und kann wochen-, wenn nicht sogar monatelang nichts anderes zocken. Voraussetzung ist aber sicherlich entweder eine dicke Ladung Nostalgie, weil man damals selbst mit dabei war und/oder Fan der Serie ist. Oder zumindest die Bereitschaft sich auf die vielen Eigenarten und Ungereimtheiten aus den Anfangstagen des Echtzeitstrategiegenres einzulassen. Dabei sind die beiden Titel im Vergleich zu Dune II – The Battle for Arrakis (1992) schon fast abartig modern. Mehrere Einheiten gleichzeitig markieren und Befehle erteilen? Das ist doch nur was für n00bs! *versteckt heimlich seine Dune 2000-CD* ![]()
Zur Erinnerung: 2012 und 2013 hatte ich insgesamt 103 Crowdfunding-Projekte (damals noch ausschließlich auf Kickstarter) unterstützt. 22 davon waren nicht erfolgreich, 58 wurden in der Zwischenzeit tatsächlich komplett abgeschlossen (alle Rewards wurden ausgeliefert) und die restlichen 23 sind in diversen Stadien von “könnte vielleicht noch was kommen” bis “Geld zum Fenster rausgeworfen” versackt.
Ganz schön viel (Geld) aber das waren eben die euphorischen Anfangsjahre in denen speziell im Videospielebereich nicht nur viele ihr Glück versuchten, sondern auch die Bereitschaft von Leuten wir mir offensichtlich noch Größer war etwas in den Topf zu schmeißen. Als dann allerdings die ersten Projekte sich verschoben, im Nichts verschwanden oder das Ergebnis nicht die (meist viel zu hohen) Erwartungen erfüllte, machte sich Ernüchterung breit. Die Konsequenz: In den Jahren 2014-2015 habe ich insgesamt nur 28 Projekten mein hart verdientes Geld zugestanden. Zugegeben: Das war die Zeit in der sich meine Lebenssituation anfing stark zu verändern. Erst der Wechsel nach Nürnberg Ende 2013, dann die drastische Reduzierung meines Spielekonsums und der Umzug nach Darmstadt in 2014 und dann 2015 die ganze Sache mit Lysanda. Da blieb nicht viel Platz für Crowdfunding – schon gar nicht für Videospiele. Trotzdem: Ich habe nach den Erfahrungen in 2012/2013 definitiv auch angefangen genauer darauf zu achten, wem ich mein Geld in den Rachen werfe. Mit Erfolg? Schauen wir es uns die beiden Jahre doch mal genauer an.
Das Crowdfunding-Jahr 2014
“Nur” elf Projekten habe ich 2014 für würdig genug gesehen mein Geld anzunehmen und davon war tatsächlich nur eine einzige Kampagne nicht erfolgreich: Outcast Reboot HD. Erschienen ist der Titel 2017 dann trotzdem als Outcast – Second Contact. Insofern also ein Happy End für die Entwickler. Unter den restlichen zehn Projekten waren hingegen nur drei Videospiele: Hover (eine Hommage an Jet Set Radio), Bear Simulator (eine The Elder Scrolls V: Skyrim/Simulator-Genre-Parodie) und The Book of Unwritten Tales 2 (Point & Click-Adventure aus deutschen Landen). Und ja: Alle drei sind tatsächlich erschienen. Abgeschlossen ist aber nur die Kampagne von King Art Games, bei den anderen zweien fehlende technisch gesehen noch die physikalischen Rewards.
Bei Bear Simulator werden die vermutlich nie kommen. Der Entwickler war völlig überfordert vom Erfolg seines eigenen Kickstarters und leidet€ eindeutig unter einem geringen Selbstwertgefühl, wenn man so die jammervollen Updates in schlechtem Englisch verfolgt hat. Hat auch schon seit Jahren keinen Mucks mehr von sich gegeben. Ein Wunder, dass am Ende (2016) überhaupt etwas spielbares veröffentlicht wurde. Und nein: der Gag ist keine 15 Euro wert. Wirklich nicht. Da gibt es sehr viele bessere Spiele im Allgemeinen und Parodien im speziellen, die ihr erleben solltet. Hover hingegen ist sein Geld zwar wert, wenn ihr mal wieder als Rebell auf Rollerskates durch eine neongetränkte Stadt rasen wollt, aber es war schon ein langer Kampf, damit ich überhaupt meinen Key bekomme. Die physikalischen Extras sind hingegen bis heute nicht eingetroffen und das, obwohl z.B. Limited Run Games sogar eine Charge Boxen für die breite Masse hergestellt hat! Echt eine Sauerei. Aber gut, so ist das halt mit Crowdfunding. “You win some, you lose some”. Es ist ein Glückspiel und keine Vorbestellung.
Die Nicht-Videospiele von 2014
Ansonsten ist von 2014 nur noch das offizielle Kompendium zu Quest for Infamy offen. Keine Ahnung woran es da scheitert. Ja, gesundheitliche Probleme und so aber es sind ja nicht alle Entwickler dort alt und krank. Die Bücher sind fertig, gedruckt und wohl zum Teil sogar verschickt worden aber ich war bei dieser ersten Ladung offensichtlich nicht dabei. Große Hoffnungen, dass da noch was kommt, habe ich hier ebenfalls nicht mehr – ebenso für die physikalischen Extras für das Spiel selbst (auch hier: angeblich alle schon seit Jahren im Lagerhaus).
Die restlichen sieben Crowdfunding-Projekte teilen sich auf in drei Bücher, zwei (Spiele-)Musikalben und zwei Filme. Diese sind komplett abgeschlossen und bis auf Lazer Team von hervorragender Qualität. Darunter die genialen C64-Remixe von Matt Grey (das 3. Album entsteht derzeit) und das super interessante A History of the Great Empires of EVE Online von Andrew Groen (das zweite Buch kommt im Herbst). Wer der englischen Sprache mächtig ist und auch nur einen Funken Interesse an EVE Online hat, sollte sich dieses Buch unbedingt zulegen. Aber am besten noch ein paar Tage auf die runderneuerte zweite Auflage warten und dann beide Bücher kaufen.
Stellt sich abschließend noch die Frage, ob ich von den zehn erfolgreichen Projekten aus dem Jahre 2014 welche bereue? Tatsächlich ja. Bear Simulator war zwar kein totaler Reinfall (es ist erschienen und spielbar) und war nicht ansatzweise so teuer wie die OUYA, aber wie gesagt: Der Gag war es am Ende trotzdem nicht wert und ohne physische Box habe ich nicht einmal was fürs Regal. Den ersten Film aus dem Hause Rooster Teeth, Lazer Team hätte ich im Nachhinein betrachtet ebenfalls sein lassen sollen. Das war zu einer Zeit wo ich noch viel von denen geschaut und mich entsprechend habe mitreißen lassen. Aber es ist kein gutes und vor allem nur bedingt lustiges Werk – wie vieles, was Rooster Teeth mittlerweile produziert. Vermutlich bin ich einfach zu alt geworden für diese Art von amerikanischem Humor.
Das Crowdfunding-Jahr 2015
2015 durften 16 Projekte von meiner Kreditkarte abbuchen. Und nicht nur waren alle Kampagnen erfolgreich: Es ist auch mittlerweile fast alles veröffentlicht worden! “Fast” deshalb, weil die Entwickler bei Infamous Quest gleich drei Point & Click-Adventure mit einer Kampagne finanziert haben und bislang erst The Order of the Throne – The King’s Challenge auf den Markt gekommen ist. Das verkauft sich aber wie schon Quest for Infamy eher schlecht. Die Zielgruppe für Retro-Adventures wie sie Sierra in den 90igern hergestellt hat ist scheinbar doch nicht so groß wie erwartet. Die beiden anderen sind aber wohl grundsätzlich noch in Entwicklung. Also gebe ich ihnen noch ein paar Jährchen Zeit. Immerhin bleibt die Grafik zeitlos
. Bei Underworld Ascendant (der nicht ganz so gelungene Dungeon Crawler) und Bloodstained: Ritual of the Night (das definitiv gelungene Castlevania-das-nicht-so-heißen-darf-weil-die-Rechte-bei-Konami-liegen) fehlen hingegen noch Teile der physikalischen Extras. Bin aber in beiden Fällen guter Dinge, dass die noch kommen.
Von den 16 Projekten anno 2015 waren satte elf Stück Videospiele. Kein Vergleich zu 2014 quasi. Darunter absolut empfehlenswerte Werke wie Divinity: Original Sin 2, BATTLETECH und Shadowrun: Hong Kong. Bei den restlichen fünf handelte es sich hingegen um Bücher bzw. Comic-Kollektionen. Darunter drei Bücher zu Retro-Themen wie z.B. The Bitmap Brothers: Universe, die Comic-Sammlung von CTRL+ALT+DELETE und eine gedruckte Ausgabe des auf seine besondere Art und Weise absolut geniale Chief O’Brien at Work (nicht einmal ansatzweise von CBS unterstützt aber zumindest geduldet). Der Humor ist nicht unbedingt jedermanns Sache aber wer Star Trek: The Next Generation-Fan ist sollte zumindest mal auf der Webseite vorbeischauen und ein bisschen lesen
.
Das Fazit für 2015
Unterm Strich gibt es zu 2015 tatsächlich nicht viel zu sagen. Die Erfolgs- und Abschlussrate ist sehr gut und auch die Qualität war durchweg hoch. Der einzige Totalausfall bei den Videospielen ist vermutlich Into the Stars. Das Ergebnis ist zwar spielbar, sieht gut aus, macht grundsätzlich Spaß und zeigt massiv Potential. Es fehlen aber die Inhalte. Die Entwickler hatten – wie so oft bei Crowdfunding-Kampagnen – ihre Ambitionen zu hochgesteckt. Entsprechend waren die Verkäufe nicht gut genug, um einen längeren Support nach Release zu gewährleisten. Ist halt so. Nicht jeder kann wie No Man’s Sky sein und noch Jahrelang weiter an seinem Traumprojekt arbeiten.
Die Neuauflagen alter Rollenspielklassiker namens The Bard’s Tale IV und Underworld Ascendant sind hingegen zwar nicht die erwarteten Mega-Blockbuster geworden (The Bard’s Tale IV ist dank des Director’s Cut mittlerweile wesentlich besser) aber das werden aus meiner Sicht sowieso die wenigsten Crowdfunding-Projekte (Divinity: Original Sin 2 ist die regelbestätigende Ausnahme). Ach und Shenmue III war auch ein 2015er Kickstarter. Aber da war von Anfang an klar, was da als Ergebnis rauskommen würde. Insofern darf sich da keiner beschweren. Es ist Shenmue – nicht mehr und nicht weniger
.
Die anderen von mir 2015 unterstützten Videospiele? Die Zwerge (King Art Games’ dritter Kickstarter) und Yooka-Laylee. Ersteres ist ein solider Rollenspiel-Strategiemix, der aber vermutlich ausschließlich für deutschsprachige Fans der Markus Heitz-Buch-Serie eine Empfehlung ist (bin ich zum Glück einer) und zweiteres war ein guter Versuch die alten Plattformer-Tage wiederzubeleben (leider zu gut in Bezug auf überholtes und nerviges Spieldesign). Das volle Potential haben die Entwickler aber erst mit Yooka-Laylee and the Impossible Lair ausgeschöpft.
Epilog
Nach dem übertriebenen Hype in 2012/2013 mit entsprechend hoher Griff-ins-Klo-Rate hat 2014 und 2015 gezeigt, dass das Crowdfunding-Konzept grundsätzlich funktionieren kann – wenn alle besonnen damit umgehen. Selbstüberschätzung auf Seiten der Initiatoren des Projekts und falsche Erwartungshaltungen auf Seiten der Backer sind damals wie heute ein großes Problem. Das gilt logischerweise nicht nur für den Bereich der Videospiele. Im direkten Vergleich waren – zumindest für mich – die beiden Jahren 2014/2015 ganz klar erfolgreicherer trotz oder gerade wegen der geringeren Menge an unterstützten Projekten.
Jetzt müsste ich nur mal die Zeit haben diese ganzen von mir unterstützen Spiele auch mal intensiv zu zocken und die Bücher zu lesen. Nur die Musik, die habe ich schon (mehrfach) gehört. Kann ich dafür auch mal eine Crowdfunding-Kampagne starten? Stelle mir das so vor:
Titel: Finanziert meinen vorzeitigen Ruhestand, damit ich genug Zeit habe meine diversen Backlogs abzubauen!
Belohnungen:
- 5€ – Du erfährst vor allen anderen was ich vielleicht unter Umständen als nächstes zocke/lese/höre (keine Garantie auf tatsächliche Umsetzung)
- 10€ – Dein Name auf einer versteckten Unterseite von Beim Christoph
- 50€ – 7-Tage-Early-Access-Zugriff auf den Link zum nächsten Eintrag (keine Garantie, dass er bereits geschrieben wurde)
- 100€ – Zugriff auf eine Umfrage was ich als nächstes angehen sollte (keine Garantie, dass ich mich daran halte)
- 500€ – Wenn ich ein Buch fertiggelesen habe und es nicht behalten möchte, wird es unter euch verlost (exkl. Versandkosten)
- 1.000€ – Du darfst mir einmalig beim Abarbeiten eines Titels aus dem Backlogs still zuschauen (Anreise- und Übernachtungskosten nicht enthalten)
- 5.000€ – 10 Minuten eine unserer Katze streicheln (Anreise- und Übernachtungskosten nicht enthalten)
- 10.000€ – Du darfst mir beim Spielen eines Spiels aus dem Backlog zuschauen, dabei eine Katze streicheln und dich mit mir unterhalten (Anreise- und Übernachtungskosten nicht enthalten)
Bitte? Das lassen wir mal lieber? Och, ihr seid totale Spaßbremsen…
313 Seiten á fünf Einträge umfasst Beim Christoph mittlerweile. Zugegeben: Die ersten 47 blättere nicht einmal ich durch, schließlich hält sich der brauchbare Inhalt bekanntlich eher in Grenzen – außer man möchte sich mal wieder an eine Zeit des Internets erinnern, in denen sichtbare Besucherzähler noch total “in” waren. Aber so war das halt vor fast 20 Jahren.
Jap, nächstes Jahr steht tatsächlich wieder ein runder Geburtstag für meine kleine Leinwand an. Schon krass. So lange und vor allem bei vergleichsweise so wenig Traffic (genaue Zahl mittlerweile unbekannt) halten die wenigsten Blogger durch. Für viele ist das entweder nur eine Phase oder sie wollen groß rauskommen und wenn das nicht klappt, lassen sie die Sache gleich wieder hinter sich und/oder wechseln ihre Webseiten grundsätzlich wie Unterhosen aus – zum Leidwesen meiner Verlinkungen. Ernsthaft: Ich habe keine Ahnung was diese Zerstörung von Kreativität soll. Schämt man sich so sehr für seine alten Inhalte, dass man sie einfach wegwerfen muss? Oder sind sie einem einfach nichts wert? Ich weiß es nicht, ist aber selbstverständlich jedem selbst überlassen. Mein innerer Archivar findet es halt schade
. Garry Newman (Garry’s Mod-Erfinder) tauscht wenigstens nur alle paar Monate sein Design (ebenfalls eine nervige Sache), behält aber die Inhalte und URLs seit 2002 bei.
Der Beginn einer Überleitung?
Ich finde es echt schick so ein beständiges und langjähriges Archiv zu haben in dem ich immer mal wieder blättern kann (und dabei zumindest den ein oder anderen Schreibfehler behebe und damit technisch gesehen die Vergangenheit verfälsche). Ist schließlich nicht nur ein netter Nostalgietrip durch mein Leben inkl. den klar sichtbaren Veränderungen, die ich so gemacht habe. Es ist ebenso eine gute Inspirationsquelle über was ich mal wieder schreiben könnte und eine gute Gelegenheit alte Inhalte zurück ins Rampenlicht zu holen – auch, wenn vermutlich die wenigsten tatsächlich den Link anklicken.
Übrigens eine Sache, die ich seit bestimmt 10 Jahren mache aber vermutlich nur den wenigsten bewusst ist: Die Links in den Einträgen sind nicht aus ästhetischen Gründen fett oder nicht fett. Stattdessen soll es tatsächlich eine Hilfe für euch als Leser sein. Fette Links haben als Ziel einen Inhalt auf Beim Christoph und öffnen dabei keinen neuen Tab. Über nicht fette Links verlasst ihr hingegen die Seite und es wird dafür ein neuer Tab erzeugt. Macht für den ein oder anderen sicherlich keinen Unterschied, weil er grundsätzlich alle Links in einem zusätzlichen Tab öffnet. Aber ich finde es ganz praktisch – schon allein als Indikator ob es sich um eine interne Verlinkung handelt oder nicht. Keine Ahnung, wo ich diese Information mal sinnvoll zentral ablegen könnte.
Doch zurück zum heutigen Eintrag, der offensichtlich etwas geblubberten Art: Über die letzten 10 Jahre von Beim Christoph sprechen wir logischerweise erst am 09.03.2021. Ja, der Link führt noch ins Leere. Aber er wird ab dem Tag funktionieren, selbst wenn sich am Ende warum auch immer nur ein Katzenbild dahinter verstecken wird
! Ich hatte nur diese Woche mal wieder vergleichsweise oft das Bedürfnis im Archiv zu stöbern. Immer ein komisches Zeichen. Dabei ist mir nicht nur aufgefallen, dass mal wieder dringend Zeit wird für ein paar neue Soundtrack-Empfehlungen (Geoff Knorrs Civilization: Beyond Earth läuft bei mir gerade viel) wäre. Ich hab‘ auch schon länger nicht mehr einfach so ein bisschen aus meinem Leben berichtet. Okay, dafür gab es haufenweise Gesundheits- und Häusle-Besitzer- Einträge und natürlich die Jahresrückblicke. Aber so ein bisschen “allgemoines Geschreibsel” habe ich schon lange nicht mehr aufs Papier gebracht.
Endlich der eigentliche Eintrag?
Vier Jahre sind wir tatsächlich schon hier im Haus – und nein, Sailor Moon trotzdem immer noch nicht durch (noch 20 Folgen – steter Tropfen höhlt den Sternenkristall). Das vierte Jubiläum eines gewissen Meilensteins steht ebenfalls an (2016 war echt vollgepackt). Gleichzeitig habe ich bald das sechste Jahr in Darmstadt voll. Auf der einen Seite technisch gesehen gar nicht viel. Ich habe schließlich davor 12 Jahre in Aschaffenburg gearbeitet und 29 Jahre meines Lebens in Gunzenbach verbracht. Auf der anderen Seite doch schon wieder eine lange Zeit in der aber gleichzeitig gefühlt mehr passiert ist als die Jahre zuvor.
In der Straße gehören wir ebenfalls schon mit zu den alteingesessenen Bewohnern. Seit 2016 kam ein kleines Neubaugebiet (vier Gebäude) dazu plus so einige Eigentümerwechsel – inkl. des direkten Nachbarn. Jetzt dürfte aber erstmal wieder Ruhe einkehren was das angeht. Sind jetzt von sehr vielen Familien mit Kindern umgeben. Warum auch nicht? Wenn Lysanda und ich durch Dornheim spazieren gehen, stelle ich immer wieder fest: Wir haben die beste Straße in der Ortschaft erwischt. Wenig Verkehr (technisch gesehen eine Anliegerstraße – aber irgendwie nur von einer Seite aus?), ruhige Lage trotz der Hauptstraße eine Häuserreihe weiter und man ist sofort im Grünen. Die paar Kinder stören uns nicht – im Gegenteil haben die Katzen mehr zum Gaffen. Ihr hättet sie mal sehen sollen als der Nachbar kurzzeitig ein paar Hühner im Garten hatte.
Und mit dem Haus an sich bin ich ebenfalls absolut zufrieden. Ja, es ist nicht perfekt aber genau das ist ja der Vorteil gegenüber einer Mietwohnung. Mit jedem Jahr, das den Bach der Zeit hinabfließt, machen wir es mehr und mehr zu “unserem” Haus. Damit meine ich zum einen das Abbezahlen des Kredits aber noch viel mehr die baulichen Veränderungen. 2019 der Freizeitraum, 2020 die ganze Sache mit der Heizung und für 2021 stehen bereits drei größere Projekte auf der ToDo-Liste. Das mag den Geldbeutel leeren aber steigert den Wohlfühlfaktor (und den Hauswert) ungemein – nicht nur, weil wir jetzt auch mal im Keller schlafen können, wenn es im Sommer wieder so heiß wird. Es ist auch einfach ein tolles Gefühl seine eigenen Entscheidungen treffen zu können und vom Ergebnis umgeben zu sein (egal wie gelungen es ist).
Ein Hauch von Wohlbehagen?
Ich fühl mich definitiv nicht nur mittlerweile hier Zuhause, ich bin auch ganz zufrieden mit meinem Leben muss ich sagen. Natürlich kann es immer besser sein. Auf der Arbeit zum Beispiel ein bisschen weniger Stress und dafür etwas mehr Sinn im eigenen Tun statt nur ein kleines Rädchen am riesigen, unverwüstlich drehenden Getriebe. Und in der Freizeit eine etwas harmonischere Katzenbande (Jules mobbt unsere Mädels) und eine freiere Nase (Schnarche wieder viel – muss wieder gelasert werden). Außerdem wiege ich aktuell mal wieder über 100kg. Aber das sind alles Kleinigkeiten. Selbst die Pandemie beeinflusst uns nicht großartig. Ja, wir sitzen seit bald drei Monaten im Home Office und es werden höchstwahrscheinlich noch mindestens 1-2 weitere Monate werden. Außerdem wird unser Katzenstammtisch noch etwas länger ausfallen müssen. Aber wir hatten und haben keine Gehaltseinbußen, müssen keine Angst vor Entlassung haben und die Katzen können uns 24/7 auf den Keks gehen. Und da wir sowieso lieber Zuhause sind als irgendwo anders, haben wir bis jetzt auch keinen Vier-Wände-Koller bekommen. Ja, auch das Klopapier ist uns nicht ausgegangen
.
Nein, ich kann mich definitiv nicht beschweren. Im Eigenheim mit der Frau meines Lebens, fünf liebevollen Kin…äh Katzen, einen sicheren Job mit gutem Gehalt und den entsprechenden Annehmlichkeiten die ich mir dadurch leisten kann (z.B. im Epic Games Store Megasale zuschlagen). Da bleibt beim Materiellen nur wenige Wünsche offen (eine Valve Index z.B.). Und auch körperlich und seelisch geht es mir trotz 105kg so gut wie noch nie. Ja, ich habe immer noch einen verschobenen Kiefer und dadurch einen verspannten Rücken und säge nachts zum Leidwesen von Lysanda einen halben Urwald ab. Aber ich habe mein Asthma fast vollständig im Griff (vereinzelte Situationen triggern noch einen Anfall) und – viel wichtiger – meine Depressionen ebenfalls. Man könnte sagen, dass ich mit mir mittlerweile ganz gut im Reinen bin. Das verhindert zwar nicht den ein oder anderen schlechten Tag – manchmal will der Hausgeist halt einfach, dass alles kaputt geht was man anfasst. Aber ich muss wirklich sagen, dass mich vieles nicht mehr so lange beschäftigt wie früher und ich eindeutig besser schlafen kann.
Dabei hat mir definitiv Lysandas Rat geholfen mich auch einfach mal vom ein oder anderen aus der Vergangenheit zu lösen. Egal ob es nun die Schuldgefühle gegenüber Felix und Kessy waren, weil ich glaubte nicht alles für sie getan zu haben oder negative Einflüsse durch Personen in meinem Umfeld, die ich aufgrund von gesellschaftlicher Erwartungshaltung nicht hinter mir gelassen habe. Man muss das Seil ja nicht unbedingt gleich komplett durchschneiden (ist hier und da aber mitunter die einzige Lösung). Es hilft schon die Verbindung genauer zu betrachten, um zu sehen welchen Einfluss sie auf einen hat und anschließend neu evaluieren zu können, was sie einem bringt. Das klingt erstmal hart und egoistisch. Aber am Ende des Tages bleibt bei aller Kompromissbereitschaft eben nur die Erkenntnis: Wir alle wollen unser Leben führen und glücklich sein. Ballast macht aber nur einen krummen Rücken.
Und jetzt entschuldigt mich: Ich muss LEGO Pirates of the Caribbean: Das Videospiel weiterspielen. So viele Collectibles, die noch auf mich warten…
















