Sicarius

Von Karten und Klötzchen

Queen’s Quest 4: Heiliger Frieden (Herstellerbild)

Bitte? Ich bin gerade etwas sehr kauffreudig was digitale Spiele angeht? Kann sein. Allein auf Steam schon 14mal diesen Monat zugeschlagen (mit unterschiedlichen großen Einkaufskörben)? Was kann ich denn bitte dafür, dass es grad wieder überall Bundles oder starke Preisreduzierungen gibt. 69 Spiele und DLCs (die Square Enix Eidos Anthology), die ich größtenteils schon physikalisch im Regal stehen habe und trotzdem vermutlich nie spielen werde für gerade mal 16 Euro sind einfach ein zu gutes Schnäppchen. Dabei startet der Steam Summer Sale doch erst am 25. Juni… Finde ich übrigens eine super Sache bei Steam, dass sich die Bundles und Preise eurer Spielesammlung anpassen. 10% mehr Rabatt sind immerhin 10% mehr Rabatt. Außerdem: Wenn im Bundle nun einmal das Wimmelbildspiel Queen’s Quest 4: Heiliger Frieden enthalten ist, muss ich logischerweise die anderen vier Teile auch noch ergattern, wenn sie im Sale sind. Kann doch nicht einfach mittendrin starten. Da fehlt mir übrigens genau noch Teil 1 aber der dürfte höchstwahrscheinlich als nächstes heruntergesetzt werden.

Der Publisher, Artifex Mundi macht das ziemlich geschickt. Seit ich den genauer beobachte fällt mir auf, dass sie immer durch ihre Serien durchgehen und jede Woche einen Teil um 50% rabattieren. Sprich heute locke ich den Kunden mit dem ersten Teil der Serie für 50%, nächste Woche ist dann “zufällig” Teil 2 reduziert – da kann der Spieler natürlich nicht wiederstehen, wenn er wissen will wie es weitergeht – und dann Teil 3 und so weiter und so fort. Ja, die meisten Wimmelbildserien bestehen aus sehr vielen Teilen. Sunward Games’ The Secret Order-Reihe ist mittlerweile schon bei Teil 8 angekommen – in nur fünf Jahren. Wenn das so weitergeht überholen die locker Final Fantasy :smile: .

Das heutige Thema

Aber selbstverständlich kaufe ich nicht nur Spiele, um sie meinem ewig anwachsenden Backlog hinzuzufügen (bei Steam mittlerweile die 1.800er Marke geknackt). Ich versuch auch ein paar davon tatsächlich zu spielen. Kommen wir also mal wieder zu einer Runde Ultrakurzeindrücke oder – so wie ich mich kenne (von wegen kurzfassen und so) – eher zwei Angespielt-Berichten:

(Cover)

Dead Man’s Draw (2014; iOS, PC) – Den amerikanischen Entwickler Stardock gibt es tatsächlich schon seit 1991. Ihr Erstlingswerk war der 4X-Weltraum-Strategietitel Galactic Civilizations exklusiv für IBMs OS/2. Sid Meier’s Civilization erschien übrigens ebenfalls 1991 – allerdings erstmal nur für MS DOS. “Aber Webmaster – Galactic Civilizations kam doch erst 2003 auf den Markt?!” Nein, lieber Besucher. Die 2003er Fassung war tatsächlich ein Remake des OS/2-Klassikers. Bis 2001 war der Entwickler exklusiv auf OS/2 unterwegs und machte sich mit diversen Applikationen und Spielen einen Namen bevor IBM überraschend die Plattform hinter sich ließ und Stardock gezwungen war auf Microsoft Windows umzustellen. Seitdem ist die Firma vor allem für zwei Sachen bekannt: Ihre diversen 4X-Strategiespielreihen (u.a. Sins of a Solar Empire und Galactic Civilization) sowie ihre alle vier Jahre neu aufgelegte US-Wahlkampfsimulation The Political Machine (2004 erschien Teil 1). Von ihnen stammt aber auch das digitale Kartenspiel Dead Man’s Draw. Erst für iOS veröffentlicht und dann – ohne Mikrotransaktionen – noch auf den PC sowie in die reale Welt portiert.

Das Spiel

Das Spielprinzip ist extrem simpel und schnell: Vor den beiden Spielern (in der realen Version bis zu vier) liegt ein Stapel mit 50 Karten. Das Spiel geht so lange bis dieser Stapel leer ist (digital 5 Minuten, real um die 10-15 Minuten). Der erste Spieler darf nun theoretisch solange Karten ziehen wie er möchte. Zu jedem Zeitpunkt kann er “Stop” sagen und alle gezogenen Karten auf seinen Stapel übernehmen. Sein Zug endet jedoch automatisch sobald er zwei Karten mit demselben Blatt (z.B. zwei Meerjungefrauen) auf dem Tisch hat. In dem Fall hat er die Runde verloren und alle Karten kommen in den Ausschuss (von dem darf man z.B. mit der Schatzkarte ziehen). Anschließend ist der Gegenspieler dran. Ist der Stapel leer, hat derjenige mit den meisten Punkten gewonnen, die sich aus den gesammelten Karten ergeben.

Dead Man’s Draw (Herstellerbild)

Nur Karten zu ziehen und zu hoffen, dass keine doppelte kommt ist aber natürlich nur bedingt spannend. Deshalb haben die einzelnen Kartenblätter noch eine zusätzliche Bedeutung. Bei der Kanone darf man beispielsweise eine Karte aus dem Stapel des Mitspielers zerstören, das Tentakelmonster zwingt euch dazu zwei weitere Karten zu ziehen und bei der Hellseherin wird die nächste Karte auf dem Stapel umgedreht. Zusätzlich gibt es Combos. Habt ihr z.B. eine Schatztruhe und einen Schlüssel gezogen, werden eure Karten verdoppelt, die ihr beim Beenden der Runde erhaltet.

Zu guter Letzt gibt es in der digitalen Version noch Spezialfähigkeiten, die ihr nach und nach freischaltet (ihr bekommt am Ende eines Matchs Erfahrungspunkte) und bis zu zwei gleichzeitig aktivieren dürft. Diese führen beispielsweise dazu, dass ihr bei der Hellseherin nicht nur eine, sondern gleich die nächsten drei Karten aufdecken dürft. Außerdem variiert Stardock hier und da die Grundregeln. So gibt es auch mal Matches in denen kein doppeltes Blatt, sondern eine doppelte Zahl zum Verlust der Runde führt, damit das Spielprinzip nicht ganz so langweilig wird. Aufgeteilt ist das Ganze in 60 Turniere mit jeweils 2-3 Partien gegen Klischee-Piraten, bietet also durchaus seine 10-15 Stunden Spielzeit – für Komplettisten sogar das doppelte.

Beim Christoph meint: Ein einfaches Kartenspiel. In der Realität sicherlich ganz lustig, in der digitalen Varianten weder optisch noch spielerisch wirklich anspruchsvoll. Die Spezialfähigkeiten und die verschiedenen Blattaktionen bringen etwas Taktik rein aber am Ende hängt doch theoretisch vieles vom Zufall ab. Theoretisch deshalb, weil die KI wohl fleißig bescheißt, wenn man so das Steamforum durchblättert. Sie weiß auffällig häufig wann sie aufhören muss und bestimmte Kartenkombinationen triggern vorhersehbare Reaktionen. Einen Mehrspielermodus (weder online noch offline) gibt es nicht.

Dead Man’s Draw ist entsprechend nichts, was man unbedingt haben muss und schon gar nicht stundenlang am Stück zockt aber die eine oder andere Runde Zwischendurch ist definitiv nett und macht Laune. Speziell über Steam Link z.B. auf dem Klo während man mal wieder auf den Cooldown-Timer in Magic The Gathering: Puzzle Quest wartet. Bitte? Warum dann nicht gleich die iOS-Variante? Weil die Steam-Version maximal 6,99€ kostet und ihr euch in der iOS-App dumm und dämlich wartet/bezahlt.

(Cover)

LEGO Pirates of the Caribbean: Das Videospiel (2011; PC, Mac, NDS, 3DS, PS3, PSP, Wii, X360) – Ich bin tatsächlich vergleichsweise früh ausgestiegen was Traveller’s Tales (nicht zu verwechseln mit Telltale Games) Lizenz-LEGO-Spiele angeht. LEGO Indiana Jones 2: Die neuen Abenteuer (2009) und LEGO Star Wars III: The Clone Wars (2011) waren die bislang letzten Vertreter der Action-Adventure-Reihe, die ich etwas intensiver gespielt hatte (aber beide noch nicht durch). Mit dem Kaufen habe ich dann 2014 aufgehört, bevor ich vor Kurzem “endlich” mal meine physikalische und digitale Kollektion auf den aktuellen Stand gebracht habe. Das lag logischerweise nicht an der grundsätzlichen Qualität der Titel.

Die Persiflagen aus LEGO-Sicht sind damals wie heute im Kern gelungen. Sie versprühen ihren ganz eigenen (LEGO-)Charme, machen spielerisch definitiv Laune und sind vor allem sehr gute Koop-Titel. Aber es ist dann damals doch irgendwie zu viel des Guten geworden. 2011 kamen gleich drei Spiele (LEGO Star Wars III: The Clone Wars, LEGO Pirates of the Caribbean: Das Videospiel und LEGO Harry Potter: Die Jahre 5-7) auf den Markt und seit 2005 (LEGO Star Wars: Das Videospiel) jedes Jahr mindestens einer. Bei einer durchschnittlichen Spielzeit von 10-15 Stunden nicht gerade wenig. Dafür ist das Spielprinzip dann doch trotz der ein oder anderen neuen Idee und den größtenteils lustigen Gags nicht mitreißend genug – noch dazu, wenn man nicht der größte Fan der Basislizenz ist. Ich hoffe ja, dass LEGO Star Wars: Die Skywalker Saga hier etwas frischen Wind reinbringt dank neuer Grafik-Engine, angeblich vieler neuer Spielideen und natürlich dem riesigen Star Wars-Nostalgiebonus.

Der Piratenableger

LEGO Pirates of the Caribbean: Das Videospiel (Herstellerbild)

In letzter Zeit hatte ich aber irgendwie mal wieder Bock auf einen LEGO-Titel. Getriggert durch den dazugehörigen Steam-Sale, meiner darauf folgenden Einkaufstour und unseren Rondrer der sich mit LEGO Batman: The Videogame beschäftigte. Also habe ich mal geschaut, was so in meiner Taskleiste auf Erledigung wartet und natürlich genau den Titel von den vieren genommen, den ich zwar installiert aber nie wirklich gespielt hatte: LEGO Pirates of the Caribbean: Das Videospiel. Also DVD-Hülle aus dem Regal genommen, DVD ins Bluray-Laufwerk eingelegt (ja, es funktioniert noch) und losgelegt.

Der Titel befasst sich mit allen vier bis zu diesem Zeitpunkt erschienen Filmen (Fluch der Karibik, Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2, Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt und Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten) und jeder Film teilt sich in jeweils fünf Level auf. Mit welchem Film ihr anfangt ist euch überlassen, nur innerhalb eines Films müsst ihr die Level erst einmal in Reihe spielen. Zusätzlich gibt es einen als Hub fungierenden Hafen zu dem ihr wie gewohnt zwischen den Missionen zurückkehren und dort nach und nach diverse Sachen (Charaktere, Cheats, sonstige Boni) freischalten könnt je nachdem wie gut ihr die Levels abgrast. Wie gehabt könnt ihr nie beim ersten Durchlauf eines Levels alle Geheimnisse finden/freischalten, da euch nicht alle Spezialfähigkeiten der Charaktere zur Verfügung stehen. So können z.B. nur weibliche Charaktere einen Doppelsprung durchführen und nur Jack Sparrow hat den magischen Kompass, der euch zu versteckten Gegenständen führt. Und zu Sammeln gibt es wieder viel. Zum bekannten Anhäufen einer bestimmten Anzahl an Legosteinen (Studs) und den Teilen für das Miniset kommt noch Jacks Kompass dazu sowie diverse Miniziele innerhalb einer Mission (z.B. alle Papageien verjagen).

Und so arbeitet ihr euch durch die recht umfangreichen und durchaus abwechslungsreich gestalteten Levels (ohne Zwischendurch speichern zu können!). Immer darauf bedacht alles in seine (LEGO-)Bestandteile zu zerlegen was geht, die vielen, den Spielfortschritt verhindernden Rätsel im Zusammenspiel mit den vielen Spezialfähigkeiten der Charaktere zu lösen und dabei die schicke LEGO-Welt zu genießen. Unterwegs seid ihr durchgängig zu zweit mit der Möglichkeit im Solo-Modus auf Knopfdruck den Charakter zu wechseln oder komplett gegen einen anderen auszutauschen, wie es die jeweilige Situation erfordert. Auch Tiere wie Hunde oder Pferde kommen hier und da zum Einsatz. Spielerische Abwechslung in das (LEGO-)Gemetzel bringt die ein oder andere Actioneinlage wie z.B. eine Runde im Knochenkäfig durch das Eingeborenendorf kugeln. Fragt mich aber nicht, was genau z.B. im Vergleich zum vorherigen LEGO-Titel LEGO Harry Potter: Die Jahre 1-4 jetzt spielerisch anders/neu ist. Dafür ist das alles schon wieder zu lange her :wink: . Das einzige was mir einfällt, sind die vielen Unterwassereinlagen. Sprich die LEGO-Figuren können jetzt fleißig für eine gewisse Zeit tauchen oder mit Hilfe eines Fass sogar dauerhaft auf dem Meeresgrund unterwegs sein.

LEGO Pirates of the Caribbean: Das Videospiel (Herstellerbild)

Die Erzählung

Unterbrochen wird das Spielgeschehen durch die (teils recht langen) Zwischensequenzen, die noch aus reiner Slapstick-Comedy mit höchstens grunzenden aber ansonsten stummen Charakteren bestehen und Szenen aus dem Film mehr oder weniger genau nachstellen. Mit LEGO Batman 2: DC Super Heroes (2012) zogen ja bekanntlich Stimmen in die LEGO-Welt ein. Für mich sind diese Filmchen eindeutig der schwächste Part des Spiels. Zum einen sicherlich, weil es ewig her ist wo ich die Filme gesehen habe (Teil 4 glaube ich sogar bislang gar nicht). Zum anderen finde ich aber auch, dass sich der Humor in Grenzen hält. Vielleicht bin ich mittlerweile alt und verbittert geworden aber Soldaten, die mit Gemüse auf Jack Sparrow am Pranger werfen erzeugen bei mir höchstens noch ein Schulterzucken. Oder ein Schiff, das mit einer Parksicherung am Anker auf dem Strand liegt…

Das größte Problem ist aber aus meiner Sicht die Abruptheit der Erzählung. Ja, die Vorlage bietet sicherlich ebenfalls nicht die tiefgründigste Geschichte aber in der LEGO-Umsetzung geht mir irgendwie alles viel zu schnell – was natürlich auch wieder damit zu tun haben kann, dass ich die Vorlage nicht mehr so genau im Kopf habe. Etwas übertrieben gesagt sammelt man im ersten Film in einem Level seine Crewmitglieder und in der anschließend Zwischensequenz kämpft man plötzlich auf hoher See gegen Barbarossa und im nächsten Level ist man schon in der Schatzhöhle. Da hätte vielleicht der ein oder andere zusätzliche Abschnitt gut getan. Und so gut die Filmmusik von Klaus Badelt und Hans Zimmer auch ist: Gefühlt durften die Entwickler pro Film nur 2-3 Stück verwenden, die sich entsprechend schnell wiederholen.

LEGO Pirates of the Caribbean: Das Videospiel (Herstellerbild)

Beim Christoph meint: Wer jemals einen LEGO-Titel von Traveller’s Tale gespielt hat, weiß was ihn bei LEGO Pirates of the Caribbean: Das Videospiel erwartet – nicht mehr aber auch nicht weniger. Grafisch und spielerisch kann das Abenteuer aus meiner Sicht weiterhin selbst mit den heutigen Vertretern mithalten (ist ja “nur” LEGO). Es macht immer noch oder besser gesagt wieder Spaß sich durch die detailverliebten Klötzchenwelten zu arbeiten.

Einzig die vorgerenderten Zwischensequenzen ohne jedwedes Anti-Aliasing zeigen, dass doch schon sechs Jahre vergangen sind. Und genau mit diesen Filmen bin ich eben grundsätzlich nicht so zufrieden, obwohl sie theoretisch ein großer Motivationsfaktor der LEGO-Titel sein sollten. Ich vermute es liegt vor allem daran, dass ich mit der Vorlage nicht so vertraut bin. Insofern würde ich da meine Meinung nicht ganz so stark auf die Waageschale legen. Aber es heißt auf jeden Fall, dass ich nur für Fans der Vorlage heute noch eine Empfehlung aussprechen kann. Alle anderen spielen lieber einen der anderen 20 LEGO-Lizenztiteln aus dem Hause Traveller’s Tale, der eher ihren persönlichen Geschmack trifft. Aus spielerischer Sicht macht man auf jeden Fall mit keinem davon etwas falsch. Man darf es nur nicht übertreiben und zu viele hintereinander spielen :smile: .

Vor acht Jahren hat sich Rondrer an dieser Stelle geoutet, dass er so seine Probleme mit den alten “Meisterwerken der Spielekultur” hat und versuchte zu analysieren, warum er sich mit Titeln wie Heroes of Might & Magic 3 oder Deus Ex trotz ehrlicher Versuche schwer tut. Ähnlich geht es mir mit so manchem “Meisterwerk der Literatur”. Da müssen wir nicht einmal zurück bis zur “klassischen” Literatur. Die scheinbar lt. den “echten” Buchkennern in Deutschland übrigens nur eine Epoche zwischen 1786 und 1832 beschreibt, in denen aus dieser Sichtweise wohl nur die vier “Großen” (Goethe, Schiller, Wieland, Herder) nennenswertes geschrieben haben. Für mich verbirgt sich hinter dem Begriff “Klassik” eher der “Klassiker” aber gut: Das ist wie in der Kunst. Da versucht man ja auch auf Biegen und Brechen alles in irgendwelche Bewegungen einzuordnen, egal ob es Sinn macht oder nicht.

Ein Regal voller gutem Lesestoff

Natürlich gibt es…nennen wir sie “erfolgreiche, ältere Werke”, die ich super finde. Alice im Wunderland (Lewis Carroll) beispielsweise oder Der gallische Krieg von Gaius Julius Caesar (nein, ich habe es nicht auf Lateinisch gelesen) und – um etwas in die neuere Zeit vorzurücken – Der Ewige Krieg oder Der Wüstenplanet (Frank Herbert). Aber da fängt es schon an: Ich habe grundsätzlich alle Bücher des ursprünglichen Wüstenplanet-Zyklus gerne gelesen aber als echten Klassiker würde ich tatsächlich nur Band 1 bezeichnen. Viel lieber habe ich – und dafür hassen mich alle “echten” Dune-Fans abgrundtief – Die frühen Chroniken und vor allem Die Legenden von seinem Sohn (zusammen mit Kevin J. Anderson) verschlungen. Da habe ich tatsächlich damals jede Veröffentlichung herbeigesehnt und die über 1.000 Seiten langen Brecher in wenigen Tagen durchgelesen. Und auch wenn ich weiß, dass ich mich damit noch tiefer in die Nesseln setze: Selbst bei einem Der Herr der Ringe würde ich lieber nochmal die Filme anschauen als die langatmigen Erzählungen des lieben Herr J.R.R. Tolkien zu ertragen. Ja, das sage ich als jemand, der selbst das Silmarillion gelesen hat. Schlimmer noch: Das fand ich persönlich sogar interessanter als das eigentlich bedeutendere Hauptwerk des Professors. Über so ein Geschwurbel wie Die Leiden des jungen Werther (Johann Wolfgang v. Goethe) brauchen wir da gar nicht erst zu reden…

Die Überleitung

Diese ganzen hochgelobten Bücher sind sicherlich alles literarische Meisterwerke mit einer unvergleichbaren sprachlichen Virtuosität, die gekonnt tiefgründige Themen bearbeiten und den Leser total mitreißen sowie nicht nur aber besonders die literarische Welt auf Ewig verändert haben. Aber irgendwie scheine ich das nicht so zu schätzen zu wissen. Ich spiele ich ja auch lieber Saints Row als Grand Theft Auto :smile: . Aber ich versuche es natürlich immer mal wieder. Also nicht nur das Spielen von Grand Theft Auto, sondern auch das Lesen besagter Klassiker, egal wie oft ich dabei am Ende auf die Nase falle – womit wir beim heutigen Thema sind:

(Cover)

The War of the Worlds Illustrated (H.G. Wells/Bitmap Books, ca. 35€, 276 Seiten, Englisch) – Der ultimative Klassiker und Prototyp unserer heutigen Vorstellung von Science-Fiction aus dem Jahr 1898. Damals als Fortsetzungsroman erschienen und technisch gesehen in zwei Bücher aufgeteilt (Die Ankunft der Marsianer und Die Welt unter den Marsianern), hat Bitmap Books nun eine Neuauflage des Werks produziert. Neben dem eigentlichen, englischsprachigen Originaltext enthält diese eine kleine Biographie über H.G. Wells und ein paar Seiten über die Nachwirkungen seines berühmtesten Werks. Außerdem wurden Schlüsselszenen vom mexikanischen Illustrator Adam Rufino nachgestellt. Der Kerl hat es prinzipiell echt drauf, wenn ich mir so sein (spielelastiges) Portfolio anschaue aber das was er hier im Auftrag des britischen Verlags produziert hat finde ich durchgängig einfach nur hässlich. Mein Hauptproblem ist glaube ich, dass alle Menschen aussehen wie Zombies und auch sonst alles einen “toten” Look hat. Passt natürlich ein Stück weit zur Thematik der Erzählung aber mir gefällt dieser Stil nicht. Dazu kommt noch, dass aus meiner Sicht die Szenen mitunter nicht zu dem passen, was im Text nebendran steht. Blöd, dass sie einen großen Teil des hochwertig verarbeiteten, DINA4-Hardcovers ausmachen. Der Rest ist hingegen gefüllt mit sehr groß geschriebenem Text (leider eine Vorliebe von Bitmap Books).

Ja, Der Krieg der Welten ist kein langer Roman. Das Original hat zwar auch 287 Seiten, war aber im Taschenbuchformat. Es wirkt hier nur so, weil z.B. sieben Absätze auf eine DINA4-Seite aufgeblasen wurden. Das mag optisch super aussehen – und mir ist klar, dass das einer Hauptansprüche dieser nicht ganz billigen Neuauflage war – aber so richtig glücklich bin ich damit nicht.

Der eigentliche Inhalt

So viel zur Aufmachung der Neuauflage. Viel wichtiger ist natürlich die Geschichte selbst. Achtung: Ich nehme keine Rücksicht auf Spoiler. Das Ding wurde mittlerweile 13mal verfilmt, es gibt unzählige Hörspiele und Comics dazu und gefühlt jeder referenziert darauf. Ach und es ist über 120 Jahre alt. Also: Wir befinden uns in England irgendwann in den 1890igern. Alles ist super und duber bis eines Nachts ein Meteorit in der Nähe der Kleinstadt Woking in Surrey niedergeht. Dieser Meteorit entpuppt sich als metallischer Zylinder vom Mars aus dem nach einiger Zeit ein Tentakelmonster herauskrabbelt – ein Marsianer. Am Anfang sind die Menschen zwar neugierig aber total unbeeindruckt und überheblich. Marsianer können aufgrund der hohen Gravitation auf der Erde eh nicht überleben und so. Nach und nach fallen noch mehr Zylinder vom Himmel und es kommt buchstäblich Bewegung in die Sache: Die Marsianer bauen die berühmten Tripod-Kampfmaschinen und fangen ausgerüstet mit den riesigen Hitzestrahlern und einer Art lilafarbenen Gasgranaten ihren Eroberungsfeldzug Richtung London an. Das irdische Militär schafft es zwar einen nieder zu strecken, ist aber unterm Strich völlig machtlos gegen die Dinger. Ein Dorf nach dem anderen wird in Schutt und Asche gelegt und London scheint verloren.

Mittendrin ist unser namenloser aber wissenschaftlich interessierter Erzähler, der die Geschichte vollständig aus seiner persönlichen Sicht wiedergibt und alles um sich herum genau beobachtet. Nachdem er seine Frau bei seinem Bruder abgegeben hat und warum auch immer pflichtbewusst den dafür ausgeliehenen Wagen zurückbringen möchte, stolpert er mitten in die Flüchtlingsbewegung hinein. Er zieht nun gefühlt planlos durchs Land, trifft hier und da temporäre Weggefährten und erlebt ein paar mehr oder weniger grausame Sachen bevor er dann mehrere Tage mit einem psychisch instabilen Vikar in einer Ruine verbringt – direkt in der Nähe eines weiteren Einschlagslochs der Marsianer, die dort fleißig unmenschliche Dinge tun. Abschließend macht er sich auf den Weg nach London. Dort angekommen stellt er fest, dass zwar vieles zerstört aber grundsätzlich alles leergefegt und ruhig ist. In einem Park findet er dann einen toten Marsianer: Sie haben nicht mit den irdischen Bakterien gerechnet und wurden von ihnen dahingerafft. Die Marsianer sind besiegt, er macht sich auf den Weg zurück nach Hause und findet dort seine Frau quietschlebendig wieder. Happy End.

Die Kritik

The War of the Worlds (Herstellerbild des Xbox-360-Arcadetitels)

Das Besondere an Der Krieg der Welten ist wohl der Schreibstil. Anders als traditionelle Romane erwartet den Leser in H.G. Wells Werk eine Art nüchterner Augenzeugenbericht von der Invasion der Marsianer. Es gibt keine Charaktere mit denen wir mitfühlen können/sollen (die meisten Personen haben nicht einmal Namen), keine wirkliche Charakterentwicklung, keinen Aufstieg oder Fall eines Helden. Einfach nur seitenweise subjektive Beobachtungen und Nacherzählungen durch diese unbekannte Person aus Woking. Das ist definitiv mal eine etwas andere Herangehensweise, dürfte aber genau mein Problem mit diesem Buch sein: Es ist heutzutage total langweilig zu lesen.

Es passiert insgesamt zu wenig und wenn mal was passiert, ist es nicht sonderlich spannend erzählt. Die Situation im Flüchtlingsstrom fand ich im Gegenteil sogar eher verwirrend. Ich weiß immer noch nicht genau, wer da jetzt wie gestorben und in welche Richtung der Erzähler zu welchem Zeitpunkt gelaufen ist. Das mag gewollt und authentisch sein. Es ist für mich aber kein guter Roman. Der einzige Höhepunkt sind besagte Tage mit dem instabilen Viker. Da kommen plötzlich Emotionen hoch, da passiert tatsächlich mal was und der Erzähler wird für einen kurzen Moment menschlich.

Gleichzeitig bin ich vermutlich durch jahrelangen SciFi-Konsum zu “versaut”. Ein Tentakelmonster vom Mars lockt mich einfach nicht mehr hinterm Ofen hervor. Und das Finale (eigentlich die komplette zweite Hälfte des zweiten Buchs) war schlicht dämlich. Ja, das ganze Buch soll wohl eine Satire auf die britische Kolonialpolitik sein und es ist genau der Witz, dass die Bakterien als primitivsten aller Lebewesen das Vereinigte Königreich retten. Aber das alles zu wissen, macht das Buch für mich als Leser nicht wirklich besser. Man hätte es trotzdem interessanter erzählen können.

Beim Christoph meint: Von mir gibt’s für The War of the Worlds Illustrated gerade so 2 von 5 Sics wegen dem Vikar-Abschnitt. Grundsätzlich bereue ich es nie meinen Horizont erweitert zu haben. Es ist immer gut auch mal selbst zu erfahren, woher die Inspiration der Medien stammt, die ich heutzutage so konsumiere. Macht es auch leichter die eine oder andere Anspielung zu verstehen. Aber am Ende des Tages ist es für mich – einem fast 36jährigen im Jahr 2020 – kein gutes Buch und schon gar keine Pflichtlektüre. Das fängt mit der Neuauflage an sich an (hässliche Zeichnungen, riesiger Text) und geht bis hin zur Geschichte selbst. Ich kann verstehen, dass es damals der absolut heißeste Scheiß war als Science-Fiction noch was komplett Neues darstellte. Mich hat es aber nicht vom Hocker gehauen. Weder sprachlich noch inhaltlich. Frei nach Rondrer: Die Bücher waren damals wie heute bestimmt nicht schlecht, aber ich muss einfach damit aufhören mir von anderen Leuten ihre Meinung zu den Werken aufdrängen zu lassen und einfach nur das zu lesen, was mir jetzt gerade Spaß macht :smile: .

Sicarius

Körpertuning: Kälte

MECOTEC cryo:one Kältekammern (Herstellerbild)

Bevor wir heute zu irgendeinem anderen Thema kommen, muss ich euch endlich von unseren Erfahrungen in der Kryosauna berichten. Das fiel irgendwie bislang hinten runter, weil die Einträge immer länger werden als geplant (so viele Sachen, die mir plötzlich einfallen) und kein sinnvoller Platz mehr für einen weiteren Themenwechsel ist :smile: . Also: Wir waren Anfang des Jahres spaßeshalber vier Mal (technisch gesehen fünf Mal, weil sie einmal während der Behandlung ausgefallen ist) in einer Kryosauna. Es hat in Darmstadt eine neue aufgemacht und es gibt nicht nur ein Kennenlern-Angebot, sondern auch eine Groupon-Aktion. Da dachten wir uns, das können wir für den Preis mal ausprobieren.

Kalt!

Eine Kryosauna ist nicht zu verwechseln mit einer Kältekammer. Kältekammer ist das Ding, in dem “nur” -110°C herrschen und ihr euch frei bewegen könnt (sogar mit mehreren Personen). Die Kryosauna ist hingegen eine Art Tonne in der ihr euch alleine reinstellt und nur noch der Kopf rausschaut. Beides hat natürlich den gleichen Sinn und Zweck, die Kältekammer ist einfach nur das “Original” – wobei der Erfinder dieser Therapieform, der Japaner Toshiro Yamauchi, seine Rheumapatienten 1978 sogar bei -175°C dort reingeschickt hat. Das hätten besagte Patienten aber als “unangenehm” (ach ne?!) empfunden, deswegen geht man heutzutage in der Kältekammer nicht mehr so extrem tief runter. Und natürlich gibt es auch noch die “Bekloppten” die z.B. Eisbaden oder sogar Eistauchen praktizieren. Gehört in die gleiche Kategorie.

Die Krysoauna ist schlicht die modernere Variante der Kältetherapie, die bei -160°C arbeitet und trotz niedrigerer Temperatur angenehmer wäre als eine Kältekammer. Ich habe den direkten Vergleich nicht, vermute aber es liegt unter anderem daran, dass der Kopf draußen ist. Ich gehe davon aus, dass das durchaus weh tut, wenn der trotz Mütze (Kältekammer hat man Schuhe, Handschuhe, Mundschutz und eine Mütze auf) so extrem abkühlt. Gearbeitet wird – ebenfalls anders als in der Kältekammer – hier mit einem Stickstoffnebel, der in die Kammer geblasen wird und sie ratzfatz runterkühlt. Deswegen ist auch der Kopf draußen, denn den Nebel sollte man nicht sehr intensiv einatmen. Da stirbt man wohl sehr schnell weg (wir Menschen lieben es mit gefährlichen Dingen zu hantieren…). Also erst wird man bewusstlos und dann erstickt man innerlich aufgrund des Sauerstoffmangels. Klingt lustig. Gab‘ entsprechend schon Ideen das in den tollen US of A als “humane” Hinrichtungsmethode einzuführen. Bei Labortieren ist das hingegen aufgrund des Tierschutzes verboten (wäre die langsamste Tötungsart). Nein, ich verlinke hier jetzt explizit nicht auf die dazugehörige Studie/Handlungsempfehlung der Uni Saarland. Ich finde, es hat keinen Mehrwert seitenweise davon zu lesen wie man am besten eine Laborratte “Tierschutzgerecht” tötet.

Cryomed One (Herstellerbild)

Manchmal ist das Internet definitiv mehr Fluch als Segen. Ich hör‘ entsprechend jetzt mal auf zu dem Thema zu recherchieren, okay? Da wird man nur Depressiv bei. “Lysanda? Warum haben wir uns das nochmal mit der Kryosauna freiwillig angetan?! Bitte? Wegen der Gesundheit? Wenn ich Tod bin, brauche ich keine Gesundheit mehr. Klingt eher so als wollten wir es dem Bestatter einfacher machen, weil wir schneller steif sind und er uns so besser tragen kann…”

Die Anwendung

Wir sind offensichtlich nicht weggestorben, deswegen kann ich davon berichten wie es war. Vor Ort hat uns eine Cryomed One erwartet aber die Dinger gibt es wohl mittlerweile von vielen Herstellern. Also bis auf die Unterhose nackig gemacht (sonst frieren gewisse Teile weg), Socken, Wollschuhe und auf Wunsch Handschuhe anziehen und dann geht es für maximal drei Minuten ins eisige Stickstoffgebläse bei -160°C. Etwas Bewegung hilft, dass es sich nicht ganz so extrem anfühlt aber am Ende des Tages hängt es definitiv von der Tagesform ab. Eine Anwendung war es durchaus angenehm und zum Aushalten, ein andermal konnten die drei Minuten nicht schnell genug vorbeigehen, weil einem alles (buchstäblich) abfriert. Und das war’s. Danach ein bisschen (buchstäblich) chillen, anziehen und fertig. So schnell kann eine Therapie gehen. Nichts Weltbewegendes. Bleibt entsprechend nur noch die Frage: Hat es was gebracht? Schließlich schwören doch vor allem Profisportler angeblich total drauf (Warum müssen es immer Profisportler sein, kann man nicht auch mit einem Otto-Normalo Werbung machen?!). Für uns ehrlich gesagt nicht. Ja, es hat danach vor allem in den Beinen wollig gekribbelt und die Durchblutung wurde definitiv angeregt. Aber z.B. meine ewige Schulter-Nacken-Verspannung hat es nicht einmal kurzzeitig gelindert. Vielleicht waren vier Sitzung verteilt auf zwei Monate schlicht zu wenig für sowas Chronisches.

Die Idee hinter der Kälte ist, dass sie den Stoffwechsel und den Kreislauf anregt. Man versetzt den Körper quasi in Sterbensangst und er dreht dadurch voll auf. Das soll die Immunabwehr stärken und eine Runde Endorphin freisetzen, da diese schmerzlindernd wirken und für gute Laune sorgen (der Körper will ja überleben). Am Ende habt ihr 600 bis 700kcal verbrannt, euer Gewebe wurde besser durchblutet und damit mit mehr Sauerstoff versorgt und angeblich haufenweise Schadstoffe zerstört. Außerdem soll es Muskelverspannungen lösen, das Hautbild verbessern (z.B. bei Akne) und eben Schmerzen lindern. Ist sicherlich alles grundsätzlich richtig – Kältetherapie ist schließlich nichts Neues und wurde schon in vielen Varianten wissenschaftlich untersucht. Nur wie gesagt: Bei uns haben wir keinen Unterschied gemerkt. Es war mal ganz nett es ausprobiert zu haben und vielleicht gehen wir im Sommer nochmal hin (soll ja heuer wieder sehr heiß werden). Aber von den tollen Versprechungen, die auf den ganzen Internetseiten gemacht werden, haben weder Lysanda noch ich irgendetwas gespürt – weder kurz- noch langfristig.

Radikaler Themenwechsel

Ein süßes Kellerfenster

Und was war sonst so? Nun, vergangene Woche hat es der Sachverständige vom TÜV endlich geschafft zu erscheinen. Er ist einmal lustlos durch den leeren Öltankraum, dann in den Heizungraum gegangen (dort auch nicht wirklich was angeschaut) und hat dann das Datum von der Abbaubescheinigung von Laudon in seinen Rechner getippt. Das war’s. Hat keine fünf Minuten gedauert, wird aber um die 120€ kosten – genau wusste er es nicht. “Dafür bin ich nicht zuständig” waren seine exakten Worte. Ja, ne. Und darauf musste ich jetzt neun Wochen warten? Wahnsinn. Die Bescheinigung kommt dann im Laufe der Woche sowohl bei uns als auch beim Umweltamt an. Anschließend ist der Öltank offiziell nicht mehr existent. Bin allerdings gespannt, ob der TÜV das in seiner Datenbank ebenfalls korrekt vermerkt. Wir hatten nämlich einen Servicevertrag abgeschlossen für die regelmäßige Prüfung (gab Rabatt). Ich würde ja erwarten, dass der mit der Außerbetriebnahme automatisch nichtig ist. Sicher bin ich mir bei dem Verein aber absolut nicht.

Tags darauf (hat wunderbar gepasst), kam dann der Fensterbauer vorbildlich mit Mund-Nasen-Schutz und hat das kleine Kellerfenster im Tankraum gegen ein neues von Weru ersetzt. Das alte Metallding ging nicht mehr richtig zu und bot auch keinen Sichtschutz (wollen ja u.a. ein Bad reinbauen). Da das Rohr vom Klo direkt davor verläuft, machte es keinen Sinn ein Doppelfenster oder sowas zu nehmen. Geht eh nicht auf ohne vorher das Rohr abzubauen. Stattdessen ist auf der linken Seite nur eine Milchglasscheibe. Öffnen lässt sich somit ausschließlich die rechte Hälfte. Die wiederrum ist vergleichsweise klein und das Fenster darin entsprechend winzig. Der Monteur meinte zu mir, dass er so eine kleine Luke noch nie montiert hätte. Aber hey: Ging halt nicht anders und ein bisschen Licht ist besser als gar keins. Und komplett geschlossen wollten wir auch nicht haben. Ab und zu macht es halt Sinn ein Fenster öffnen zu können – egal wie klein. Blöderweise hat es dadurch – es ist faktisch eine komplette Sonderanfertigung – ungefähr genauso viel gekostet wie das wesentlich größere Fenster im Freizeitraum (ca. 750€).

Und damit ist das Projekt “Neuanschluss” nun wirklich komplett abgeschlossen. Stattdessen wurde quasi umgehend das Projekt “Renovierung Öltankraum” gestartet. Handwerker kommen uns dieses Jahr aber höchstens noch ungeplant ins Haus (hoffentlich nicht). Stattdessen legen wir jetzt mal wieder selbst los. Die ganzen eingemauerten Metalldinger von der Decke klopfen, Löcher verschließen, überall streichen, Strom verlegen, einen Türrahmen einbauen, etc. pp. Wird mal wieder ein paar Wochenenden verschlingen aber so ist das halt mit einem Eigenheim. Gibt immer was zu tun :smile: .

Laut einer Studie der Uni Stuttgart landeten 2015 6,7 Millionen Tonnen an Lebensmitteln im Abfall – durchschnittlich 85,2kg pro Person. Insgesamt (mit Industrie, Landwirtschaft und so) waren es wohl sogar rund 12,7 Millionen, die einfach so weggeworfen werden. Das ist echt heftig. Die Gründe sind Vielzählig. Ein Faktor ist, dass anscheinend viele Leute auch spätabends noch volle Regale im Supermarkt erwarten. Keine Ahnung, ob das wirklich stimmt (hier in der Umgebung ist zumindest im Obst- und Gemüseregal durchaus Mut zur Leere vorhanden). Ein weiterer, dass viele sich den Einkaufswagen bis oben hin vollpacken und dann gar nicht mit dem Essen hinterherkommen. Oder die “Einheitsgrößen” von Gerichten in Gaststätten, die man sich aus Scham nicht für später einpacken läßt.

Der Datumsstempel

Verbrauchsdatum

Der wohl größte Grund – zumindest sehen Lysanda und ich das so -, ist aber wohl das Missverständnis rund um das Datum auf der Packung. Das gibt es in zwei Varianten. Das einfachste ist das “Verbrauchsdatum”. Das kommt bei leicht verderblichen Produkten wie z.B. Hackfleisch zum Einsatz und muss tatsächlich beachtet werden. Darüber hinaus kann es der Gesundheit schaden. Das andere heißt auf Hochdeutsch “Mindesthaltbarkeitsdatum” (MHD), hat sich scheinbar im Volksmund aber als “Ablaufdatum” etabliert. Wie der Name schon sagt, ist es eine Gewährleistung des Herstellers, dass das Produkt sich unter Einhaltung der Lagerungsempfehlungen bis dahin hält (speziell der Geschmack). Es bedeutet nicht, dass es nach diesem Datum plötzlich ungenießbar ist und direkt in den Müll muss. Sonst wäre es ja ein “Verbrauchsdatum”. Wie heißt es so schön im Beamtendeutsch? Es ist auch nach diesem Tag noch verkehrsfähig.

Mindeshaltbarkeitsdatum

Gleichzeitig bedeutet es nicht unbedingt, dass das Zeug nicht schon vorher mal anfängt zu schimmeln oder so. Es sind nun einmal Lebensmittel – da steckt das Wort “Leben” schon im Namen :smile: . Wir haben aber beispielsweise (ungeöffneten) Joghurt im Kühlschrank, der ist mehrere Monate über dem MHD und trotzdem sieht er nicht nur noch einwandfrei aus, wir essen ihn nach und nach weg ohne eine Lebensmittelvergiftung zu bekommen. Was soll da überhaupt schlecht werden? Es ist Joghurt und guter Joghurt sollte schon eigene Bakterien mitbringen. Solang da nichts zusätzlich reinkommt, passiert dem nichts. Die Schokolade wird hingegen vielleicht etwas grau und schmeckt nicht mehr aber essbar ist sie selbst Jahre später noch. Von den ganzen Tütensuppen und ähnlichem Kram gar nicht erst zu reden. Die Überleben den nächsten Weltkrieg! Und im Zweifel frieren wir die Sachen auch einfach mal ein. Also nicht, um die Keime abzutöten (funktioniert eh nicht), sondern um es später wieder rauszuholen und umgehend zu verzehren.

Die Kunst ist es zum einen unsere Augen und Nase zu benutzen. Unser Körper ist durchaus darauf ausgerichtet ungenießbares Essen zu erkennen. Sonst wären wir vermutlich schon in der Steinzeit am verrotteten Säbelzahntigerfleisch verendet. Zum anderen aber eben auch ein wenig Verstand mitzubringen. Sprich nicht zu viel zu kaufen und wenn man doch zu viel hat, es auf diversen Wegen haltbarer zu machen. So manches lässt sich zudem durch die Nutzung von Backofen, Mikrowelle oder Toaster wieder etwas auffrischen. Trockene Brötchen sind da ein gutes Beispiel. In Wasser getunkt, anschließend ein paar Minuten in den Backofen und schon ist es wieder fluffig.

Ein Überangebot

Der magische Aufkleber

Seit die Supermärkte (löblicherweise) damit angefangen haben Produkte, die sich dem MHD nähern, herunterzusetzen (im tegut z.B. erst 30, dann 50 und zum Schluss 75%) haben wir unser Einkaufsverhalten drastisch verändert. Es wird gekauft, was laut Einkaufszettel zwingend notwendig ist und darüber hinaus halten wir fleißig Ausschau nach den roten Aufklebern. Und selbst da selektieren wir mittlerweile stark (die 30% bleiben meist liegen), weil das Angebot so groß und unsere Kühltruhe dauervoll ist. Fördert übrigens auch das Probieren von neuen Sachen. Lysanda hat so z.B. den ein oder anderen Käse für sich entdeckt, den sie zum vollen Preis nie gekauft hätte. Speziell an der Fleischtheke kriegt man an manchen Tagen echt absolute Schnäppchen. Die Bioschweinelende mit dem 75%-Aufkleber? Da dürft ihr aber glauben, dass ich da alles mitnehme, was sie da haben bei einem Normalpreis von mitunter 35€ das Kilo. Die zwei Kilo Bratwürste oder Putenschnitzel sowieso. Das wird bei uns nicht alt oder friert halt mal ein bisschen in der Kühltruhe vor sich hin, bevor es auf den Teller kommt.

Über diese Schnäppchenjagd mag der eine oder andere die Nase rümpfen. Ihr müsst euch aber über eines im Klaren sein: Was nicht verkauft wird, landet einfach im Müll – so will es das Gesetz. Und solange das in unserer Gesellschaft gefördert wird, habe ich definitiv kein schlechtes Gewissen dabei meinen Geldbeutel zu schonen. Mal ganz abgesehen davon, dass wir alle auf den nächsten Steam Sale warten. Ist nicht anders, schadet nur der Umwelt weniger.

Die Retter

Das Überangebot an nicht verkaufter Ware führt aber nicht nur zu heruntergesetzter Ware in den Regalen. Es gibt auch viele Vereine, die sich auf die Rettung von Lebensmitteln spezialisiert haben. Die Tafel dürfte wohl die bekannteste Organisation in Deutschland sein. Sie holen von den Supermärkten und Geschäften die Ware ab, die zum Wegwerfen vorgesehen ist und verschenken sie. Im Falle der Tafel ausschließlich an Bedürftige. Hier bei uns gibt es hingegen seit 2017 den Verein Essen für alle.

Deren Konzept steckt schon im Namen: Nicht nur die Bedürftigen dürfen sich hier kostenlose Lebensmittel abholen, sondern alle, die das möchten (gerne gegen eine Spende). Schließlich geht es darum möglichst viel vor der Tonne zu retten. Dazu stehen die größtenteils ehrenamtlichen Helfer mehrmals pro Woche in verschiedenen Ortsteilen abends mit ihrem Marktstand und verteilen die Lebensmittel. Die erste halbe Stunde ist reserviert für die Bedürftigen, danach dürfen dann alle ran. Und ja, obwohl die Schlange hier im Ort teilweise bis um das nächste Haus geht: Es kriegt definitiv jeder mehr als genug. Auch wir stellen uns mittlerweile mit an. Diese Woche haben wir vier volle Tüten mit nach Hause gebracht. Von Brot und Brötchen über Eier und Aufschnitt bis hin zu Salat, Kartoffeln, Paprika und Bananen war alles dabei. Speziell Obst und Gemüse gibt es da immer haufenweise – größtenteils sogar in Bioqualität (demeter). Da braucht man echt nichts mehr im Laden zu kaufen und hat gleichzeitig ein gutes Gefühl ein bisschen gegen die Verschwendung getan zu haben.

Der Vorwerk-Entsafter

Jetzt höre ich schon den ein oder anderen rufen: “Wenn keiner mehr was im Laden kauft, ist klar, dass alles weggeworfen wird!!!!”. Bezweifle ich. Zum einen wird viel zu viel produziert, was mitunter gar keiner haben will und trotzdem im Regal stehen muss. Da ist es kein Wunder, dass am Ende so viel übrigbleibt. Zum anderen möchten die Leute speziell bei Obst und Gemüse gefühlt immer nur die perfekteste Ware. Aber nur, weil die Banane schon wegen schlechter Lagerung etwas schwarz ist, ist sie noch nicht schlecht. Bananen werden nämlich auch außen schwarz, wenn es ihnen zu kalt ist und ist dann trotzdem noch innen super. Und wenn sie wirklich Überreif ist, dann kann man z.B. noch prima einen Smoothie draus machen.

Die Neuanschaffung

Und damit kommen wir nach über 1.000 Wörtern endlich zum eigentlichen Thema des heutigen Eintrags: Unsere neuste Anschaffung. Nein, es ist kein Hightech-Mixer für Smoothies. Da reicht auch ein Pürierstab. Ihr seid aber nah dran. Es ist ein Entsafter oder wie es Neudeutsch heißt “Slow Juicer”. Wir hatten bereits seit einigen Monaten einen uralten Vorwerk Zentrifugal-Entsafter MOD Ve 2 Type 1 (300W) aus einer Haushaltsaufgabe in Benutzung. Da Lysanda aber aufgrund Essen für alle immer mehr Kram zum Entsaften hat (Sellerie, Karotten, Fenchel, etc.), zeigten sich doch langsam aber sicher die vielen Limitationen des Geräts:

  • Er holt nicht sehr viel Flüssigkeit aus dem Obst und Gemüse raus.
  • Man muss ihn zu zweit bedienen (sonst rüttelt er davon),
  • Man muss Angst haben, dass er aufgrund der Zentrifugalkraft einem um die Ohren fliegt (ein Metallbügel ist alles, was den Deckel draufhält) .
  • Die Lautstärke dürfte die einer Flugzeugturbine in nichts nachstehen.
  • Die Reinigung ist vergleichsweise aufwendig.

Also haben wir uns entschieden ins Portemonnaie zu greifen und uns was Anständiges zu holen. Die Wahl fiel am Ende auf den Omega EUJ 707 von Sana. Warum? Nun, er war eine der Empfehlungen in den einschlägigen Saft-Trinker-Facebook-Gruppen, ist mit 400€ im mittleren Preissegment angesiedelt und hat einen guten Funktionsumfang. Die teuersten Dinger, die Angel Juicer, fangen übrigens erst bei 1.200€ an. Kein Wunder, dass der Slogan von den Dingern “Der Rolls Royce unter den Slow Juicern” ist.

Der Grund

Der Sana Omega EUJ 707

Bevor wir aber zum Gerät selbst kommen, stellt sich natürlich die Frage: Warum entsaften und nicht einfach essen/kochen/backen? Die einfache Antwort: Habt ihr schonmal jeden Tag ein halbes Kilo Salat gegessen oder eine ganze Selleriestaude? Das macht definitiv keinen Spaß. Gleichzeitig soll man Obst und Gemüse am besten Roh essen, weil noch mehr Nährstoffe darin enthalten sind als nach dem kochen. Das Entsaften vereint quasi die Vorteile aus “Roh” mit “viel davon zu sich nehmen können” und verbindet es mit einer leichten und schnellen Verdaulichkeit weil es bereits flüssig = Saft ist.

Gleichzeitig lassen sich – wenn man möchte – die ausgedrückten Reste trotzdem weiterverwenden. Ein häufiges Beispiel ist die Gemüsesuppe. Lysanda macht sich hingegen so eine Art Gemüsefrikadellen. Einfach ein Ei (oder Eiweißpulver) dran, würzen, zusammenklatschen und mit etwas Öl in die Pfanne hauen. Je nach Grundmaterial hat man zwar ein paar Fasern zwischen den Zähnen hängen, schmeckt aber grundsätzlich sehr gut.

Das Gerät

Der Sana Omega EUJ 707 ist ein horizontaler Entsafter. Sprich ihr gebt euer Zeug zwar oben rein, die Schnecke (sieht aus wie ein großer, schwarzer Dildo…) läuft aber von links nach rechts. Bei den vertikalen drückt das Gerät stattdessen von oben nach unten. Die Unterschiede bestehen wohl hauptsächlich darin, wie viel Platz sie jeweils wegnehmen (vertikale sind logischerweise höher, horizontale breiter) und mit welcher Art von Obst und Gemüse sie besser zurechtkommen. So kommen vertikale Entsafter wohl schlechter mit langfasrigen Sachen wie Sellerie oder Gräsern zurecht. Horizontale Entsafter hingegen haben mit weichem Zeug wie Beeren zu kämpfen. Es entsteht ein Rückstau im Einfüllschacht.

Karotten-Fenchel-Saft

Im Fall des Omega EUJ 707 ist das aber kein großes Problem, denn er kommt mit mehreren Aufsätzen daher. Ein feines Sieb für besagte Gräser, langfaseriges Pressgut und ein grobes Sieb für besagte Beeren und weiches Obst. Außerdem kann der “kleine” nicht nur entsaften, sondern auch zerkleinern, pürieren und mahlen. Entsprechende Aufsätze sind mit in der Packung enthalten. So könnt ihr verschiedene Nudelvarianten herstellen, Kaffeebohnen mahlen, Hafer-/Mandel-/irgendwelche Nussmilch produzieren und sogar Eis machen – alles mit einer Geschwindigkeit von 63-75 Umdrehungen pro Minute. Die Idee ist nämlich, dass beim sogenannten schonenden Entsaften mehr Vitalstoffe im Saft erhalten bleiben als bei der “spritz und weg”-Variante. Ob das stimmt? Keine Ahnung. Fakt ist: Er holt definitiv schon mit einem Durchgang mehr aus dem Sellerie raus als der Vorwerk. Und anders als beim Vorwerk kann man die Reste auch noch 2-3mal von der Auffangbox zurück in den Einfüllschacht kippen, um noch mehr Saft herauszuholen. Da wird aus der viertel Tasse Selleriesaft mit dem Vorwerk gleich mal eine dreiviertel oder gar volle Tasse mit dem Sana.

Dank seiner einfachen Zerlegbarkeit und simplen Bauteile ist die Reinigung außerdem ein Klacks. Also trotzdem nervig, weil man es wirklich nach jedem Vorgang machen sollte, aber es geht schnell und gut von der Hand. Wir können das Ding entsprechend nur empfehlen. Ja, es ist nicht ganz billig. Aber es kann dafür auch noch mehr als nur Entsaften – ein wichtiger Vorteil, da er mit seinen 32x19x42cm durchaus etwas Platz wegnimmt -, hat viel Zubehör dabei, ist sehr einfach zu bedienen und sieht echt schick aus. Die Resultate z.B. beim Entsaften oder Kaffee mahlen waren bislang ebenfalls super.

Wolfenstein II: The New Colossus Int. Version (Herstellerbild)

Zwei Jahre ist es her, dass wir zuletzt über das Thema Ländersperren gesprochen haben. Und nein, an diesem Problem und den dazugehörigen Funktionalitäten hat sich grundsätzlich in dieser Zeit nichts geändert. Valve sieht sich weiterhin nicht verpflichtet für Steam die Portabilitätsverordnung umzusetzen und entweder stimmen die europäischen Verbraucherverbände dem zu oder das Thema „Videospiele” ist dort nicht so relevant, dass sich da jemand zu widersprechen traut. Das Aktivieren und Spielen eines billigen Keys aus dem europäischen Ostblock bleibt also weiterhin ohne (laut Valve verbotene) VPN-Nutzung unmöglich, wenn es der jeweilige Publisher so möchte.

Im damaligen Eintrag hatte ich jedoch bereits über einen Hoffnungsschimmer am Horizont geschrieben, der völlig überraschend schon Anfang August 2018 von der USK in eine neue Praxis umgesetzt wurde: Die Berücksichtigung der Sozialadäquanz bei Altersfreigaben.

Klingt erstmal komisch, meint aber, dass die USK ab sofort auch die Ausnahme gemäß §86a (Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) Absatz 3 für die Beurteilung von Videospielen in Betracht zieht. Dieser Absatz 3 verweist auf die Absätze 3 und 4 des §86 (ich liebe die vielen Rückverweise in unseren Gesetzbüchern). Dort steht, dass §86 Absatz 1 (das Verbot) nicht gilt, wenn das Propagandamittel […] der Kunst […] oder ähnlichen Zwecken dient. Und das Videospiele Kunst sind, wurde – trotz der Weigerung so einiger Politiker und Gewerkschaftler das einzusehen – mittlerweile ja mehrfach bestätigt. Ziemlich genau ein Jahr später wurde diese Praxis dann auch offiziell als Abschnitt 5 in die Leitkriterien der USK für die Prüfung von Computer- und Videospielen aufgenommen. Für unseren Spielealltag hatte diese Entscheidung mehrere Konsequenzen:

Der Freispruch des Urvaters

Wolfenstein 3D (hochskaliertes Herstellerbild)

Wolfenstein 3D wurde 1994 tatsächlich nicht wegen der Symbolik indiziert und beschlagnahmt, sondern wegen seiner Gewaltverherrlichung. Das Prüfgremium der BPjS hielt sich damals sinngemäß nicht im Stande einzuschätzen welche Wirkung die Verwendung der Symbole hatte. Auch die dazugehörige Beschlagnahmung fußte nach meinen Recherchen nicht auf §86 StGB, sondern auf der besonderen Jugendgefährdung durch die Darstellung von Selbstjustiz & Co. und wäre 2004 technisch gesehen automatisch ausgelaufen. Erst das Urteil von 1998 zum Fall eines Versandhändlers, der Wolfenstein 3D vertrieb, erfolgte auf Basis von §86a StGB. Dieses Urteil wurde dann im September 2019 aufgehoben und anschließend, im Oktober 2019, der Titel sowie Spear of Destiny (das tatsächlich 1999 nur indiziert aber nie beschlagnahmt wurde) von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien konsequent vom Index gestrichen. Allerdings – und das ist nicht ganz unwichtig – haben beide Werke bislang trotzdem keine USK-Freigabe erhalten! Sie sind also theoretisch weiterhin Indizierungsgefährdet und stehen vermutlich deshalb im deutschen Steam-Store immer noch nicht zur Verfügung. Unwahrscheinlich, dass es jetzt nochmal passiert aber das Recht erlaubt es. So eine USK-Freigabe ist ja auch kein Automatismus. Sie muss angefordert (und bezahlt!) werden. Die Entwicklungen bei DOOM (alle mittlerweile vom Index gestrichen) machen aber Hoffnung, dass Bethesda/Zenimax vielleicht im Zuge eines Re-Releases zusammen mit Wolfenstein III eine USK-Freigabe zumindest für Wolfenstein 3D anstreben wird. Vermutlich aber eher für Return to Castle Wolfenstein oder Wolfenstein.

Was das nun mit der Entscheidung der USK ein Jahr zu vor zu tun hat? Keine Ahnung. Die USK hat nie gesagt, weshalb sie plötzlich auf den Trichter gekommen sind ihr Prüfverfahren zu ändern. Es gibt nur Indizien wie die Aussage der Staatsanwaltschaft zum Titel Bundes Fighter II Turbo. Aber ohne diese Anpassung und des daraus entstanden Umdenkens, hätte vermutlich auch Wolfenstein 3D keine Chancen gehabt.

Gleichzeitig war das Urteil von 1998 der Hauptgrund – und das ist absolut keine Übertreibung – an diesem ganzen Schlamassel. Hätte es das damals nicht gegeben, wäre in der deutschen Spielelandschaft sicherlich trotzdem noch fleißig zensiert worden – es war durchaus ein langer Weg bis so viel Gewaltdarstellung wie heute einfach mit einem “ab 18 Jahren” akzeptiert wurde und selbst ein Eintrag auf Liste A ist ähnlich wie das “AO”-Rating der ESRB in Amerika ein Todesurteil für den Vertrieb auf dem deutschen Markt, das muss nicht mal auf Liste B (aus BPjM-Sicht strafrechtlich relevant) landen. Aber spätestens als in den 2000er die ersten Instanzen anfingen Spiele als Kunst anzusehen, wären die Publisher zusammen mit der USK bestimmt aktiver an das ganze Thema herangegangen – nicht nur in Bezug auf Hakenkreuze. So eine zensierte Version ist schließlich nicht ganz billig. Stattdessen hing jedoch das Urteil des Frankfurter Oberlandesgerichts wie ein Damoklesschwert über allem. Übrigens auch den Spielemagazinen, die in den 90igern aus Angst davor, dass ihr Artikel als Werbung für böse Spiele gelten z.B. statt „Quake” nur „Beben” schrieben und so Kram. Im Nachhinein betrachtet total Banane aber nur wegen so einem Wort zu riskieren, dass die gesamte Monatsauflage beschlagnahmt wird wollte logischerweise kein Verlag. Andererseits: Besser spät als nie. Theoretisch wäre Wolfenstein 3D dann auch schon automatisch im Dezember 2018 (eine Indizierung verfällt nach 25 Jahren) vom Index gefallen. Zu diesem Zeitpunkt war das Urteil aber formal noch nicht aufgehoben und der Titel weiter beschlagnahmt, weshalb es folgeindiziert werden musste.

Der zweite Urvater

Spear of Destiny (Herstellerbild)

18 Jahre nach dem Release können wir uns also endlich frei über die Urväter des Ego-Shooter-Genres Wolfenstein 3D und Spear of Destiny unterhalten. Das erlaubt es mir auch mal klar zu stellen, dass Spear of Destiny kein Addon zu Wolfenstein 3D ist! Das sagt doch schon der Name: Es heißt nicht Wolfenstein 3D: Spear of Destiny, sondern nur Spear of Destiny. Je nach Region steht auf der Originalpackung noch “A Wolfenstein (3D Graphics) Adventure”. Das war’s aber schon. Es geht mir sowas von auf den Keks, dass das so viele Leute immer und immer wieder falsch schreiben in ihren Rückblicken…

Nein, Spear of Destiny ist tatsächlich ein komplettes und allein lauffähiges Prequel zu Wolfenstein 3D mit zwei eigenen Addons (damals noch “Mission Disks” genannt). Dort versucht ihr als William “B.J.” Blazkowicz den Nazis diverse sagenumwobene Artefakte zu stehlen. Klappt nicht immer, weshalb ihr am Anfang von Wolfenstein 3D im Schloss Wolfenstein gefangen seid. Die Addons stammen allerdings nicht mehr von id Software, sondern wurden von der Firma FormGen entwickelt und verkauft. Außerdem gibt es noch zwei kostenlose Fanspiele, Spear Resurrection und Spear End of Destiny, welche die Geschichte inoffiziell und auf Basis der gleichen Engine fortsetzen.

Persönlich habe ich Spear of Destiny tatsächlich noch nie durchgespielt. Nur Wolfenstein 3D ist vor langer Zeit Mal über meinen Bildschirm geflimmert. Damals zugegebenermaßen mit Hilfe einer Raubkopie, denn es durfte ja logischerweise nirgends verkauft werden. Aber wirklich verpasst hat man im Gegensatz zu DOOM aus meiner Sicht nichts. Das Spielprinzip ist dafür zu simpel und der Levelaufbau aufgrund seiner damals total hippen Labyrinth-Struktur nur nervig. Dazu kommt noch, dass die späteren Episoden (insgesamt sechs Stück) extrem unfair gestaltet sind. Wenig Munition, starke (Hitscan-)Gegner und noch verwinkeltere Gänge. Und nein, es macht keinen Spaß an jeder Wand die „Benutzen”-Taste drücken zu müssen, nur um ein Secret oder gar den weiteren Weg zu finden. Kein Wunder, dass vielen nur die erste Shareware-Episode in Erinnerung geblieben ist (Hitler ist erst der Boss von Episode 3).

Die modernen Ableger

Attentat 1942 (Herstellerbild)

Mir ist klar, dass nach Wolfenstein 3D und Spear of Destiny kein Hahn mehr kräht. Entsprechend ist die wichtigere Konsequenz der USK-Entscheidung selbstverständlich eine andere: Es gibt nun ausgewählte Spiele mit USK-Siegel (und nicht nur „ab 18 Jahren”!), die verfassungswidrige Propagandamittel enthalten und damit vor einer Indizierung und Beschlagnahmung geschützt sind. Das führte – wie erwartet – anfangs zu etwas Entrüstung bei speziell einer etwas älteren Generation von Leuten. Aber diese Sturmflut ist ziemlich schnell wieder abgeflaut. Andererseits ist die USK natürlich auch darauf bedacht zu betonen, dass jetzt nicht einfach die Schotten geöffnet wurden. Die Anzahl der freigegeben Titel hält sich entsprechend sehr in Grenzen. Bislang sind es meines Wissens die beiden „Edutainment”-Werke Attentat 1942 und Through the Darkest of Times sowie alle fünf Wolfenstein-Titel aus dem Hause Bethesda.

Und selbst hier gibt es von den neusten Ablegern, Wolfenstein: Youngblood (der Coop-Teil) und Wolfenstein: Cyberpilot (der VR-Titel), noch zwei Versionen: Eine internationale Fassung ohne und eine deutsche mit Zensur. Vermutlich war sich Bethesda noch unsicher, ob Wolfenstein tatsächlich unter die Sozialadäquanzklausel fällt und ging auf Nummer Sicher. Und nein, wenn ihr die deutsche Version kauft, erhaltet ihr die internationale Version leider nicht automatisch dazu. Völlig bescheuert. Bethesda hätte ruhig beide Versionen einfach zu einer zusammenlegen können, nachdem klar war, dass es eine USK-Freigabe gibt. Also aufpassen – nicht nur beim Ladenkauf, sondern auch auf Steam & Co.

Eine neue Welt

Commandos 2 – HD Remaster (Herstellerbild)

Ansonsten ist die von Politik und Gesellschaft befürchtete Schwemme an Hakenkreuz-Titeln wie gesagt ausgeblieben. Hatte auch nichts anderes erwartet. Das liegt schon allein daran, dass es aktuell immer noch nur wenige Spiele gibt, die überhaupt im zweiten Weltkrieg angesiedelt sind. Und der rechte Schund wird damals wie heute erst gar nicht zur Prüfung geschickt, da er eh nicht durchkommen würde. Gleichzeitig sehen andere Publisher bislang nicht die Notwendigkeit auf den Zug aufzuspringen und ihre Titel nachträglich überprüfen zu lassen. Ein relativ frischer Kandidat wäre z.B. Call of Duty: WWII (2017) gewesen. Aber da kommt selbst die internationale Fassung mit extrem wenigen Hakenkreuzen aus. Im Mehrspieler- und Zombie-Horde-Modus gibt es sogar gar keine. Entsprechend sah Activision vermutlich keinen monetären Mehrwert einer Neuprüfung. Gleichzeitig gibt es Publisher wie Kalypso Media, die ein Commandos 2 – HD Remaster (2020) trotz der neuen Situation sogar weltweit komplett zensiert veröffentlicht haben. Angeblich sogar stärker als in der deutschen Urfassung, da z.B. auch die Hinweise auf die Japaner fehlen.

Das kann ich zwar ein Stück weit nachvollziehen – China & Co. reagieren ja leider immer sehr aggressiv auf die vermeintlich falsche Verwendung von „feindlichen” Flaggen -, super ist es trotzdem nicht. Es zeigt, dass wir immer noch einen weiten Weg vor uns haben was den ungehinderten und unzensierten Zugang zu künstlerischen Werken angeht. Natürlich nicht nur in Bezug auf Videospiele. Trotzdem ist es schön zu sehen, wie weit wir zumindest in Deutschland doch seit den Anfängen der Spieleindustrie gekommen sind. Die Indizierungsrate ist im Keller und Zensur nur für den deutschen Markt findet so gut wie nicht mehr statt. Früher musste ich im Internet entsprechend nach Blood-Patches suchen, um Roboter in Menschen und grünes Blut in rotes Blut umzuwandeln. Heute brauche ich nur noch nach Adult-Patches für Anime-Datingspielchen zu fahnden (die aber meistens auf der Herstellerwebseite ganz legal zur Verfügung stehen) :smile: . Hoffen wir mal, dass die anstehende Überarbeitung des Jugendschutzgesetzes mit einem starken Fokus auf Onlineinhalte da nicht wieder ein Schritt zurück darstellt.

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