Sicarius

Von neuen Aktivitäten, Ignoranz und gemeinsamem Spielen

Eine Datenbank voller Koop-Spiele

Wer braucht da noch die E3 (Spoiler: die Leute, die nur persönlich Geschäfte machen können)? War selbst ohne einiges los letzte Woche. Erst der Router…äh PlayStation-5-Showcase am Donnerstag mit vielen Überraschungen (z.B., dass Oddworld: Soulstorm nach fünf Jahren immer noch in Entwicklung ist ohne irgendein Veröffentlichungsdatum in Sicht), dann der fünf Stunden lange Stream-Marathon am Samstag mit dem Guerilla Collective Live, der PC Gaming Show und der Future Games Show mit so vielen Spielen, dass ich ohne das dazugehörige Press Kit und die vielen Zusammenfassungen diverser Publikationen keinen Überblick hätte.

Der Webmaster und sein Fetish

Diese Pressekits sind auch ganz praktisch für mein neues Betätigungsfeld. Ich arbeite nämlich seit kurzem wieder für eine Spielewebseite: Co-Optimus. Das ist – wie der Name schon andeutet – eine amerikanische Webseite, die voll und ganz auf Koop-Spiele ausgerichtet ist und die (zumindest soweit mir bekannt) größte Spieledatenbank dazu hat. Und genau hier komme ich ins Spiel. Ich bin nämlich nicht zum Schreiben oder gar Videos machen da (dafür fehlen mir sowieso die Mitspieler :smile: ), sondern lt. Team-Seite der „Database Master“. Sprich meine Aufgabe ist die Pflege besagter Koop-Spiele-Datenbank. Ja, irgendwie rutsche ich immer wieder in die Archivar-Schiene zurück. Ich kann halt nicht anders. Mir macht es warum auch immer Spaß Tabellen mit sinnlosen aber exakten Informationen zu befüllen…

Angefangen hat es mit einem Aufruf bei Twitter. Die Betreiber hatten eine Google-Tabelle mit Spielen ohne Veröffentlichungsdatum zusammengestellt und um Hilfe aus der Community gebeten, um diesen Schiefstand zu bereinigen. Waren ursprünglich sechs- oder siebenhundert Zeilen. Mittlerweile sind es dank mir nur noch ca. 180 (nur vereinzelt hat jemand anderes was gemacht). Es war entsprechend schon fast absehbar, dass die Frage kommen würde „Hey, dir gefällt das scheinbar. Willst du vielleicht bei uns mitmachen?“. Die Antwort darauf war und ist nicht einfach. Ich habe lange überlegt, da ich bekanntlich die Tendenz dazu habe in sowas zu sehr aufzugehen und zu viel Zeit reinzustecken. Am Ende haben wir uns entsprechend erstmal auf eine Testphase geeinigt, um zu schauen, ob ich mich da zurückhalten kann. Sprich immer nur eine maximale Anzahl an Stunden pro Tag und Woche in die Seite investieren. Und ja, dafür habe ich mir natürlich ebenfalls eine Tabelle gemacht :smile: .

Mittelmäßige Ausgangsbasis

Zu tun gibt es auf jeden Fall einiges. Obwohl die Datenbank das Herz der Seite ist, hatten sie wohl noch nie eine dedizierte Person, die sich darum kümmerte und eine Community-Beteiligung gibt es ebenfalls nicht. So ist sie zwar seit der Gründung 2008 stetig gewachsen und enthält mittlerweile mehr als 5.000 Einträge (jede Plattform wird einzeln gezählt) mit den wichtigsten Koop-Informationen (wie viele Spieler, welche Plattformen, Koop-Kampagne oder nur separate Modi, etc.), aber eine echte Pflege fand nicht statt (siehe fehlende Veröffentlichungsdaten) und neue Titel wurden eher bei Notwendigkeit als der Vollständigkeit halber hinzugefügt. Selbst Titel aus diesem Jahr fehlen sehr viele. Kann ich aber verstehen. Zum einen wird die Seite wohl von allen Beteiligten nur nebenbei betrieben. Zum anderen sind die Editoren mit denen die Steckbriefe erzeugt und geändert werden echt anstrengend. Plus natürlich der Herausforderung die ganzen Koop-Informationen überhaupt erst zu recherchieren. Man würde meinen, dass das jeder Entwickler fröhlich hinausposaunen würde. Aber leider nein. Da muss man teilweise echt das halbe Internet abgrasen, um das herauszufinden. Da ist man schnell mal 30 Minuten oder mehr mit nur einem Titel beschäftigt. Absolut kein Vergleich zum Steckbrief bei GamersGlobal, den viele Archivare ja schon als total kompliziert und umständlich ansehen :smile: . Aber die Informationen, die dort hinterlegt werden müssen, sind immerhin vergleichsweise einfach zu finden.

Surgeon Simulator 2 4-Player-Coop (Herstellerbild)

Mein Hauptaugenmerk ist derzeit die Datenbank speziell mit aktuellen und kommenden Titeln zu füttern und dabei die Schwachstellen/Umständlichkeiten am System zu finden und dem Programmierer mitzuteilen, in der Hoffnung, dass sie es verbessen (funktioniert bis jetzt ganz gut). Was bringt es schließlich, wenn man ein Feld hat in dem man wundervolle Informationen eintragen kann, aber diese Informationen irgendwie nicht gespeichert werden könne . Warum das keiner gemerkt hat, verstehe ich zwar nicht aber besser spät als nie. Insofern: Selbst wenn ich nach den vier Wochen sage, dass mir das alles doch zu viel ist, habe ich definitiv schon einen Beitrag dazu geleistet, dass die Seite etwas besser wird :wink: . Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden. Aber unabhängig davon: Wer hin und wieder auf der Suche nach echten Koop-Spielen (kein PVP oder auf Wettbewerb ausgelegter Kram) ist, der sollte sich Co-Optimus in die Favoriten packen. Aus dem Grund hatte ich sie vor langer Zeit auch entdeckt und habe angefangen ihr auf Twitter zu folgen.

Themenübergang

Nun wollt ihr sicherlich alle meine Meinung zu besagtem Designer-Toaster und den ganzen Spielen wissen. Da muss ich euch dieses Mal aber leider enttäuschen. Abseits der Frage „wird der Titel Koop haben?“ haben mich diese Werbeveranstaltungen und die dazugehörigen Titel echt überhaupt nicht interessiert. Bin vermutlich mittlerweile zu weit von der Front entfernt, um irgendwie großartig gehypt zu sein, wenn es nicht gerade von id Software (DOOM) oder Deep Silver Volition (Saints Row) kommt.

Die Spiele kommen irgendwann, ich werde einige davon sicherlich auch mehr oder weniger lange nach der Veröffentlichung kaufen und spielen. Vielleicht landet mit dem Release der nächsten Konsolengeneration sogar mal die letzte Konsolengeneration in meinem Haushalt (wenn auf eBay wieder alle ganz billig ihre Konsolen mit tonnenweisen Spielen raushauen). Aber ansonsten muss ich ehrlich zugeben, dass mich diese Spiele-Zukunft ziemlich kalt lässt egal wie realistisch auch die Grafik, die Physiksimulation oder wie innovativ das Gameplay und episch/mitreißend/verstörend die Geschichte natürlich nur dank der nächsten Konsolengeneration sein mag. Mich hat tatsächlich wesentlich mehr die Vorstellung des HP Reverb G2 Ende Mai angefixt. Aufgrund der fehlenden Notwendigkeit für Basis-Stationen ist das für mich plötzlich wesentlich interessanter geworden als Valves Index – plus dem deutlichen Preisunterschied. Bin gespannt was im Herbst dann die Tester dazu sagen (allein voran natürlich Dod und seine VR Legion). Aber Hype für „normale“ Spiele? Irgendwie grad nicht. Ich spiel einfach, worauf ich gerade Lust habe und das war in den letzten Tagen vor allem:

(Cover)

Old School Musical (2015; PC, NSWI, Linux, Mac, Android, iOS) – Ihr begleitet in diesem Rhythmusspiel Tib und Rob, die auf einer einsamen Insel von ihrer grausamen Mutter zu Helden trainiert werden. Eines Tages tauchen Glitches auf und die Insel beginnt im Äther zu versinken. Von ihrer Mutter ausgestattet mit einer Art interdimensionalem Teleporter fliehen die beiden gerade so aus ihrer Heimat in eine orbitale Raumstation. Von dort aus machen sie sich auf die Suche nach ihrer Mutter und müssen dafür von bekannten Videospielen inspirierte Welten voller dazugehöriger Parodien reisen.

Insgesamt umfasst die Geschichte zwanzig Levels. Von Outrun über Metal Gear Solid und The Legend of Zelda bis hin zu Metal Slug ist alles dabei, was in Sachen Retro Rang und Namen hat. Das gilt auch für die Musik aus der Feder von mehr oder weniger bekannten Chiptune-Künstlern (kenne tatsächlich keinen einzigen), die sich ebenfalls großzügig von den Vorbildern inspirieren lassen. Wer Computergepiepse nicht erträgt, muss entsprechend um diesen Titel einen weiten Bogen machen. Alle anderen erwarten 50 Tracks (mit DLC 55), die zumindest mich nicht durchgängig überzeugen können. Aber Musik ist ja bekanntlich Geschmackssache.

Die direkte Kontrolle über Tib und Rob übernehmt ihr dabei nur selten. Es ist schließlich ein Rhythmusspiel und hat „Musical“ im Namen. Stattdessen wird in jedem Level ein Song abgespielt und es fliegen von allen Seiten farbige Symbole in Richtung Mitte. Eure Aufgabe: Zum richtigen Zeitpunkt (=im Rhythmus) die dazugehörige Taste/Button zu drücken, um die Note zu treffen. Ab und zu fliegen auch Balken von unten nach oben. Aber es bleibt dabei: Nur wer im richtigen Moment drückt, kriegt das begehrte „Perfekt“ angezeigt. Verpasst ihr eine Note, nehmen Tib und Rob Schaden. Ist die Lebensenergie leer, muss der Track wieder von vorne gestartet werden (optional in einem niedrigeren Schwierigkeitsgrad). Nichts Neues quasi in der Welt der Musikspiele. So arbeitet ihr euch von Lied zu Lied, bestreitet Bosskämpfe, erlebt überraschende Wendungen und rettet selbstverständlich am Ende das Universum. Einiges davon bekommt ihr allerdings nicht wirklich mit, da es im Hintergrund automatisch abläuft und ihr euch  logischerweise auf die Noten konzentrieren müsst. Immerhin funktioniert nach der anfänglichen Kalibration (Input- und Audiolag) der Input verzögerungsfrei und man kann fließend zwischen Gamepad und Tastatur wechseln. Wobei ich tatsächlich letztere bevorzuge. Mit Gamepad treffe ich irgendwie weniger…

Was noch?

Old School Musical (Herstellerbild)

Jetzt stellt sich vielleicht der eine oder andere die Frage: „Die Kampagne hat 20 Levels aber es gibt 50 Lieder?!“. Ja, denn am Ende der Geschichte wird ein neuer Modus freigeschaltet. Verpackt in eine kleine Hintergrundgeschichte, die ich hier nicht verraten möchte, spielt ihr jeden einzelnen verfügbaren Track in Old School Musical durch. Die Kampagne ist quasi das Tutorial, dieser das eigentliche Spiel. Hier macht ihr dann auch Bekanntschaft mit einigen Gemeinheiten, die sich die Entwickler haben einfallen lassen. So zoomt der Bildschirm rein, das Sichtfeld wird verkleinert, die Noten werden kleiner und größer oder kommen in einem Strudel in die Mitte und so weiter und so fort. Das erhöht selbst auf „Normal“ schon die Herausforderung ungemein.

Zur Belohnung für einen geschafften Song schaltet ihr ihn für den Arcade- und den Mehrspielermodus frei. Ja, richtig gelesen: Ihr könnt die Songs mit bis zu vier Spielern an einem Rechner/Konsole gleichzeitig zocken. Anders als z.B. in Rock Band übernimmt aber nicht jeder Spieler die Rolle eines anderen Instruments und es ist auch kein Battle-Modus ähnlich wie in Guitar Hero. Stattdessen arbeitet ihr euch gemeinsam durch das Lied und das Spiel mittelt euren Input, um zu entscheiden ob die Note getroffen wurde oder nicht. Einfaches Beispiel: Rondrer trifft die Note grad so und ich treffe sie perfekt, dann wird die Note zwar gezählt aber nicht als „Perfekt“ getroffen angesehen. Interessanter Ansatz, der aber durchaus zu etwas Frust/Irritationen führen kann, weil man sich mitunter fragt „Die Note hab‘ ich doch getroffen?!“ aber sie trotzdem nicht gezählt wurde.

Beim Christoph meint: Fünf Stunden habe ich bislang in den Titel versenkt. Ja, die Musik ist definitiv nicht jedermanns Sache und auch ich mag nicht jeden Track. Aber es sind trotzdem genug hörenswerte dabei, um mich bei der Stange zu halten. Die Geschichte ist gleichzeitig zwar nicht tiefgründig und lang aber immerhin nett erzählt und motiviert weiter zu spielen. Wenn ihr also zu der Gruppe von Spielern gehört, die zum einen mit Rhythmusspielen und zum anderen mit Chiptune-Musik und grundsätzlich einem gewissen Retrocharme etwas anfangen könnt, gibt es eine klare Kaufempfehlung. Passenderweise ist es aktuell Teil des Humble Bundle im Plug In Digital & Dear Villagers Bundles und für rund vier Euro zu haben (inkl. DLC). Da kann man echt nicht meckern.

Letzter Themenwechsel

Half-Life 2 (Herstellerbild)

Trotz der für viele Ohren eher gewöhnungsbedürften Musik habe ich natürlich Old School Musical auch mal im Mehrspielermodus ausprobiert. Erstes Testsubjekt war Lysanda, die dem Ganzen aber nur bedingt etwas abgewinnen konnte, was eindeutig an der Musik lag und weniger am Spielprinzip selbst. Anschließend habe ich mir mal Rondrer geschnappt und mit ihm Steams Remote Play Together-Feature ausprobiert. Die Idee ist simpel: Wenn das Spiel das Feature unterstützt, ladet ihr euren Freund zum Zocken ein und Steam beginnt nicht nur das Spiel zu streamen, sondern gibt eurem Kumpel zudem Zugriff auf eure Maus, Tastatur oder angeschlossene Gamepads (Berechtigung kann für jedes Gerät einzeln entzogen werden).

Das erlaubt es euch Spiele, die nur einen lokalen Mehrspielermodus besitzen, trotzdem unkompliziert über das Internet zu zocken. Und ja, es ist definitiv unkompliziert. Rondrer und ich haben mehrere Titel getestet und es hat quasi sofort funktioniert. Der Host darf nur nicht gleichzeitig das Steam Overlay bedienen, da derweil aus Sicherheitsgründen der Stream angehalten wird. Gibt wahrscheinlich trotzdem irgendeine Möglichkeit, dass darüber ein feindlich gesinnter Typ irgendwie die Kontrolle über euren Computer erlangen kann. Aber ich hoffe, ihr habt keine solchen Leuten in euer Freundesliste.

Je nach Spiel wurde meine Leitung mit 15-20 Mbit/s im Upload ausgelastet. War aber auch nichts grafisch großartig anspruchsvolles dabei. Rondrers Inputlag hing hingegen vom Spiel und der Art des Gameplays ab. Old School Musical funktionierte erst halbwegs, nachdem er sich an den Lag angepasst hatte, machte ihm aber trotzdem keinen Spaß (wegen der Musik). Sonic & All-Stars Racing Transformed hatte er hingegen überhaupt keine Probleme damit mitzuhalten. Es gibt übrigens sogar ein paar Einzelspielertitel, die dieses Feature unterstützen wie z.B. Half-Life 2. So kann z.B. einer die Maus bedienen und der anderen mit der Tastatur durch die Gegend laufen. Ja, der Sinn und Zweck erschloss sich uns nicht direkt. Später ist uns aber beispielsweise das klassische „Controller rüberreichen“ eingefallen. Sprich „ich spiel ein Level, dann du“ oder „kannst du bitte mal den Boss für machen“. Kann mir nicht vorstellen, dass das heutzutage noch so oft passiert. Aber hey: Die Wahl zu haben ist immer besser als keine Wahl zu haben. So bleibt mir abschließend nur zu sagen, dass ich es überraschend gut finde, was Valve da gebastelt hat. Hätte ich nicht gedacht.

2 Kommentare

Ich hab mal kurz in den PlayStation-5-Showcase reingeschaut. Nachdem das erste gezeigte Spiel GTA V war, hab ich gleich wieder abgeschaltet. Das ist doch nicht deren ernst? Zur Erinnerung: GTA V war ursprünglich ein PS3 (und xbox 360) Titel und Launchtitel der PS4. Und jetzt wollen die uns das auch noch als einen der großen Launchtitel der PS5 verkaufen? Unglaublich.

Als der Trailer anfing hab ich ja echt fast mit nem GTA6 gerechnet, Zeit wirds dafür langsam, aber unter diesen Umständen können wir darauf sicher noch einige Jahre warten.

Habe mir die PS5-Veranstaltung auch angeschaut. Sogar komplett. Und auch von mir nur eine absolute Kurzfassung meiner Eindrücke:

1) Design ist echt sehr gewöhnungsbedürftig. Ich, der es gerne „erwachsen und HiFi-mäßig“ mag, habe eher Probleme damit
2) Die Spiele ließen mich fast alle ziemlich kalt, aber ok, ich habe ja auch aktuell mit einem 2D-Spiel (Darkest Dungeon) einen Heidenspaß..
3) dennoch wird die PS5 (für mich) wohl wieder die besseren „Exclusives“ haben. Vor allem, da Microsoft ja den PC zuletzt doch wieder stärker unterstützt. Sollte ich nochmals eine Konsole kaufen, wäre es – stand heute – die PS5.

Old School Musical klingt für mich durchaus interessant. Muss ich mir mal näher anschauen!

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