Da hat man einen der ikonischsten Charaktere des gesamten Franchises, Jean-Luc Picard, und entschließt sich dazu, ihm nochmal eine eigene Serie zu widmen. Man versucht es auf dem Papier richtig zu machen. Beispielsweise die (vielleicht nicht so zielführenden?) Wünsche von Sir Patrick Stewart zu berücksichtigen, damit er überhaupt an Bord kommt. Also keine Reunion-Show oder sowas. Stattdessen baut man auf sein Alter (sowohl in der Fiktion, als auch der Realität) als zentrales Element. Der müde Admiral, der schon alles gesehen und erlebt hat, immer noch mit dem Tod seines besten Freundes hadert und als altes Relikt irgendwo im Nirgendwo vor sich hinvegetiert, bis plötzlich wieder das Abenteuer ruft. Eine ruhigere und vor allem persönlichere Geschichte also. Zumindest so der Ersteindruck von Star Trek: Picard. Leider geht dann doch irgendwie wieder alles den Bach runter und die ganze Galaxie ist in Gefahr. Und zwar in jeder gottverdammten Staffel. Können die nuTrek-Autoren echt NICHTS anderes?! Reicht es nicht mal einfach nur einen Planeten zu retten?!
Immerhin eine Emotion
Gott, ich bin so wütend. Das kann ich gar nicht richtig in Worte fassen. In der Rick Berman-Ära wurde viel Mist gebaut. Keine Frage. Aber was Kurtzman und seine Crew im Live-Action-Bereich jedes Mal für einen absoluten Schwachsinn auf den Fernseher werfen, ist so unfassbar und offensichtlich am Thema vorbei… das kann nur noch Vorsatz sein.
Verstehen echt nur die Zeichentrick-/Animationsserienmacher, was Gene Roddenberry mit seinem “Western im Weltall” eigentlich bezweckt hat? Uns einen positiven Blick in die Zukunft zu geben. Eine erstrebenswerte Utopie zu zeigen, die sicherlich nicht perfekt ist, aber in der der Grundtenor dennoch ein hoffnungsvoller ist. Und bevor ihr jetzt in die Kommentare springt: Ja, auch ich habe durchaus auf Roddenberrys Vision geschimpft, weil sie künstliche, erzählerische Limits erzeugt hat. Aber die Autoren haben es trotzdem geschafft sowohl seine Vision einer besseren Zukunft als auch die Realität miteinander zu verbinden ohne gleich alles nur noch tiefschwarz darzustellen.
Live-Action-nuTrek zeigt uns hingegen was? Welche “Message” verbreitet es? Aus meiner Sicht keine. Es hat nichts zu sagen. Es ist ein belangloses Abenteuer. Was okay wäre, wenn kein “Star Trek” draufstehen würde. Deswegen muss die Gefahr so existentiell sein. Einfach, um das zu überdecken. Dabei will es möglichst “edgy” sein. Dazu haut es mit hohem Tempo ein paar uninspirierte Actionszenen, vermischt mit pseudo-emotionalen Momenten raus, damit der Zuschauer denkt es wäre eine kohärente Erzählung mit Tiefgang. Und nutzt dabei eine Sprache, die eher nach “so glauben Teenager, dass Erwachsene reden” klingt. Roddenberry- und Berman-Trek war hingegen anspruchsvoller (und in Stil und Sprache von Shakespeare inspiriert). Es hat den Charakteren Raum gegeben. Sie vor moralische Dilemmata gestellt. Ihnen überschaubarere Hindernisse in den Weg gestellt – so bescheuert sie manchmal auch waren. Und vor allem hatte es den Mut für Pausen. Einfach mal Besprechungen gezeigt, die nicht mit Maschinengewehr-Schnitten und ständigen Kamerafahrten “aufgelockert” werden mussten. Außerdem glaubhafte, normale Gespräche zwischen zwei Menschen außerhalb von ständigen Extremsituationen. Das findet man in nuTrek (und vielleicht auch einem Großteil der aktuellen Medienlandschaft?) nur vereinzelt.
Zurück zum Thema
Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal zu diesem “alter Mann schreit die Wolken an”-Klischee werden würde. Möglicherweise ist genau das das Problem. Dass ich zu alt geworden bin für Star Trek. Vielleicht bringt nuTrek ja tatsächlich einer neuen Generation gute Werte bei oder bringt sie zumindest dazu den “alten Kram” mal anzuschauen. Ändert aber nichts daran, dass ich als alter Sack trotzdem nur mit dem Kopf schütteln kann und der verschwendeten Lebenszeit hinterher trauere.
*tief ein- und ausatmen* Komm wieder runter, Sicarius… es ist nur eine Fernsehserie. Im Gegensatz zu manchem Trekkie/Trekker/Star-Wars-Fan definiert sie nicht dein Leben und deine Persönlichkeit. Schauen wir uns also Star Trek: Picard mal genauer an:
Rückkehr einer Ikone
Staffel 1 – Data lebt irgendwie und doch nicht
Im Jahr 2385 – der Cliffhanger der 2. Staffel von Star Trek: Prodigy – gab es einen schweren Zwischenfall auf den Utopia-Planitia-Flottenwerften auf dem Mars. Die dort arbeitenden Androiden (nicht auf dem Niveau von Data) erhoben sich gegen ihre Auftraggeber, töteten 10.000 Bewohner und zerstörten alle Raumschiffe vor Ort. Parallel leitete Admiral Picard die Rettungsmission der Romulaner, deren Planet Romulus 2087 von einer Supernova vernichtet wird (siehe Stark Trek (2009)). Als Konsequenz auf den Angriff verbietet die Föderation jedwede Art von künstlichen Lebensformen und bricht die – scheinbar ziemlich unbeliebte – Rettungsaktion unter Protest von Picard ab. Wie beides zusammenhängt? Gar nicht. Purer Zufall.
Auf jeden Fall sind wir jetzt im Jahr 2399 und Picard hat sich auf seinen Landsitz in Frankreich zurückgezogen. Geplagt von Data-Träumen und unterstützt von einem Romulanerpärchen, “genießt” er seinen Ruhestand. Eines Tages taucht jedoch ein Mädchen, Dahj, bei ihm auf. Stellt sich heraus, dass sie ohne ihr Wissen ein Android ist. Und zwar nicht nur ein Android, sondern einer basierend auf Data. Wir lernen anschließend, dass so ein Android nicht allein existiert und die Jagd nach ihrem Zwilling beginnt. Der ist auf einem Borgkubus in der neutralen Zone, der unter der Leitung von Romulanern erforscht und ausgeschlachtet wird. Picard holt sich dazu sowohl bislang unbekannte als auch bekannte Unterstützung (Riker, Troi, 7of9). Zum Abschluss geht es auf einen Planeten voller (weiblicher) Data-Abkömmlinge, die einer mysteriösen Maschinenrasse den Zugang zu unserer Galaxie verschaffen möchte. Die Romulaner wissen schon länger davon und haben deshalb den Angriff auf den Mars inszeniert und machen seitdem Jagd auf jedwedes künstliche Leben. Neben einem Soong (wie viele von denen gibt es, die Robotikforschung betreiben?!), ist auch ein Teil des echten Data auf dem Data-Klonplaneten, der bei der Explosion des remanischen Raumschiffs Scimitar nicht zerstört wurde.
Am Ende kann sich Picard also “richtig” von Data verabschieden und so seinen Frieden finden. Die Gefahr von der Maschinenrasse wird gleichzeitig in buchstäblich einer Minute gebannt und die Romulaner in ihre Schranken verwiesen. Daraufhin wird der Bann auf künstliche Lebensformen zurückgenommen. Ende gut, alles gut.
Beim Christoph meint: Die Staffel fängt halbwegs gut an – wenn man vom Intro absieht, das ähnlich wie bei Star Trek: Discovery, minimalistischer Mist ist. Wir alle waren schließlich mit Datas Tod ziemlich unglücklich. Durch Picard also zu versuchen es “wieder gut” zu machen, ist als Prämisse nicht verkehrt. Selbst, dass abseits von B4 Teile von Data überlebt haben und es jemand geschafft hat daraus neue Androiden zu basteln ist okay. Und die Sache mit dem Borgkubus ist eine gute Gelegenheit 7of9 sowohl in Szene zu setzen, als auch ihr Hadern mit ihren zwei Ichs zu thematisieren. Picard und sie sind aber leider die einzigen wirklich guten Charaktere der Serie. Das ist jedoch nicht den Autoren von Star Trek: Picard zu verdanken. Es liegt stattdessen einzig und allein daran, dass wir als altgediente Zuschauer die beiden schon so gut kennen und sie darauf aufbauen. Die Neulinge (und das dazugehörige Raumschiff) sind hingegen ziemlich vergessenswert.
Je weiter die Staffel allerdings voranschreitet, desto schlimmer wird’s. Der ganze Kram mit einer Galaxieuntergangsvision, die töten kann, wenn man sie erlebt (nur nicht eine unserer Protagonistinnen?). Der Romulaner, der mit dem Inhalt seiner Hose denkt. Riker und Troi mit nervigem Kind und einer tragischen Geschichte, die ziemlich unerklärt bleibt. Und dann dieses bescheuerte Finale inkl. dem üblichen Zurückschrecken davor tatsächlich etwas undenkbares zu tun. Ja, da wurde jedwedes Potential, das die Serie zeigte, mit voller Wucht wieder zerstört.
Staffel 2 – COVID-19 schlägt zu
“Star Trek” klingt irgendwie nach Weltraum und so. Warum also nicht eine ganze Staffel auf der Erde im 21. Jahrhundert verbringen? Okay, 2-3 Folgen spielen im 24. Jahrhundert bzw. in einer alternativen Zeitlinie, in der das terranische Imperium die ganze Galaxie versklavt hat (inkl. der Borg). Es handelt sich allerdings explizit NICHT um das Spiegeluniversum! Nur, damit das klar ist. Aber die meiste Zeit sind wir im Jahr 2024. Und wer ist schuld? Q natürlich. Angeblich im Sterben liegend, will er Picard nochmal so richtig auf den Prüfstand stellen. Das hat zwar mit dem Jahr 2024 wenig zu tun, sondern es geht um das Schicksal seiner Mutter und den dazugehörigen Vorwürfen, die Picard sich macht. Aber wenn das Budget fehlt und man zusätzlich pandemiebedingten Einschränkungen unterliegt, macht man halt das Beste draus. Dazu gehört auch eine Borgkönigin mitzuschleppen, die logischerweise nichts Gutes im Schilde führt. Aber durch eine Verschmelzung mit Dr. Jurati (eine der Neuen) entsteht schlussendlich eine gute Variante der Borg. Yippie!
Picard hingegen lernt was Neues über sich selbst, besteht dadurch Qs Prüfung und er und seine Crew kehren zurück in ihre richtige Zeit. Dort treffen sie auf die gutmütige Borgkönigin und arbeiten gemeinsam daran einen Weltraumfurz davon abzuhalten die Galaxie zu zerstören. Wobei das “gemeinsam” daraus besteht ein halbes Dutzend Sternenflottenschiffe mit einem monströses Borgschiff zu verbinden, um ein Schild aufzubauen. Das war sowas von unbeschreiblich enttäuschend…
Beim Christoph meint: Was für eine lahme und absolut langweilige Staffel. Die Prämisse ist total doof. Das Setting zum Einschlafen. Der Charakter Q wird total verschwendet und hat nicht einmal Ansatzweise den Biss und Charme aus der Serie. Picards Erforschung seiner Vergangenheit wird unnötig in die Länge gezogen. Und die “Rahmenhandlung” mit dem Borgschiff, das plötzlich auftaucht, ist so dermaßen künstlich, da ist im Vergleich ein Tamagotchi ein echtes Haustier. Ach und es kommt auch noch ein Soong plus künstlich erschaffene Lebensform drin vor. Was für eine Verschwendung von Zeit und Geld.
Staffel 3 – Die volle Nostalgiebreitseite
Dr. Beverly Crusher, seit 20 Jahren verschollen, sendet einen Notruf an Picard. Er macht sich zusammen mit Riker auf die Suche. Dazu stehlen sie indirekt die U.S.S Titan auf der 7of9 als 1. Offizier dient. Sie finden Beverly mit ihrem Sohn (=Picards Sohn) sowie eine ziemlich verrückte Kopfgeldjägerin mit einem Superschiff. Im Laufe der Staffel kommt heraus, dass eine auf Rache sinnende Fraktion der Wechselbälger die Föderation unterwandert hat und sie zerstören will. Wobei am Ende die alte Borgkönigin (von der neuen ist keine Rede mehr) die eigentlichen Fäden in der Hand hat. Die hat es auf Picards Sohn abgesehen, der warum auch immer Borg-DNA in sich trägt und dadurch andere Personen übernehmen kann (was?!).
Naja, Picard sammelt nach und nach die alte Crew ein (inkl. dem echten Data). Stiehlt mit ihr die alte Enterprise-D (technisch gesehen nur die Hälfte) und zerstört abermals die Borg, um den Tag zu retten. Ach und am Ende bekommt 7of9 ihr eigenes Kommando. Nämlich über die Enterprise-J. Eine selten dämliche Entscheidung. Also nicht, dass sie Captain wird. Nein, dass die Autoren die U.S.S Titan umbenennen. Welchen Sinn und Zweck hatte das?! ![]()
Beim Christoph meint: Nun also doch. Obwohl es Sir Patrick Stewart nicht wollte, entschied man sich für die 3. Staffel die alte TNG-Mannschaft aus der Versenkung zu holen. Und ja, diese Staffel fühlt sich sofort ganz anders an. Viele Weltraumszenen, viel Zeit auf echten Sternenflottenschiffen, klassischere Kämpfe, bessere Musik (=weil aus den Filmen “geklaut”) und Charaktere, die wir kennen und von Leuten verkörpert werden, die es draufhaben. Es ist auch ohne Nostalgiebrille das Star Trek, was ich eigentlich erwartet habe.
Blöd nur, dass die Geschichte an sich wieder nicht funktioniert. Zum Teil, weil zu viel Kontext fehlt (was ist bei den Wechselbälgern passiert? Warum arbeiten sie mit den Borg zusammen?). Zum Teil, weil sie echt an den Haaren herbeigezogen ist (die ganze Sache mit Picards Sohn und seinen Fähigkeiten). Und zum Teil die Kopfgeldjägerin als Hauptantagonistin, die in jeder Hinsicht einfach nur bekloppt ist. Es gilt wie beim Rest von nuTrek: Etwas mehr Zurückhaltung hätte der ansonsten wirklich überraschend guten Staffel gut getan.
Gesamtfazit
Was bleibt also am Ende von Star Trek: Picard? Nun, tatsächlich erstmal ein kleiner Wermutstropfen. Die 3. Staffel war trotz all ihrer vielen großen Probleme ein echter Lichtblick am ansonsten düsteren nuTrek-Himmel. Ein Schritt in die richtige Richtung quasi. Ich bin aber dennoch nicht traurig, dass sie zu Ende ist. Zu schlecht waren die vorherigen Staffeln, zu alt und müde ist Sir Patrick Stewart mittlerweile und zu sehr war auch in der 3. Staffel sichtbar, dass die Macher nur wenig Ahnung von Star Trek haben. Insofern: Als TNG-Fan sollte man die letzte Staffel durchaus gesehen haben – weitere Vorkenntnisse sind keine erforderlich. Aber der Rest der Serie ist unterm Strich in Teilen vielleicht sogar schlechter als Star Trek: Discovery. Mein bislang ziemlich vernichtendes Urteil über Live-Action-nuTrek hat sich entsprechend nicht verändert.
Und damit bleibt nur noch der Eintrag zu Star Trek: Lower Decks übrig.
*pust* Ganz schön viel Staub auf dieser Kategorie. Ja, Lesen steht irgendwie bei mir nicht sonderlich weit oben auf der Tagesordnung. Kriege es auch nicht in den Alltag integriert. Lysanda beispielsweise hat sich angewöhnt auf der Vibrationsplatte einfach mal zehn Minuten zu lesen nach dem Sport. Ich hingegen? Selbst die Werke auf dem Nachttisch bleiben oft monatelang unberührt, bevor ich mal wieder eine Seite umblättere. Gleichzeitig wird der Platz in den Regalen immer kleiner… Aber hey: Man soll ja die positiven Dinge im Leben sehen. Zum Beispiel, dass ich es tatsächlich endlich mal wieder geschafft habe einen toten Baum fertig zu konsumieren! Und da ich gefühlt mittlerweile mehr Fachbücher über die Videospieleindustrie habe, als “normale” Belletristik, war es dieses Werk:
Master of Magic – The Official Rob Hubbard Softography (Chris Abbott, Dr. Rob Hubbard & Prof. Kenny McAlpine; 2024) – Ja, es ist eine “Softography”, keine Biographie im klassischen Sinne. D.h. der Fokus des Buchs liegt voll und ganz auf den Werken von Rob Hubbard und eher im beiläufig auf die Person selbst. Und dieser ist eine der bekanntesten Komponisten für den Commodore 64 und einer der damaligen Pioniere im Bereich der SID-Programmierung.
SID steht für “Sound Interface Device” und macht genau das, was auf der Packung steht: Töne produzieren. Und neben Soundeffekten lässt sich damit logischerweise auch Musik machen. Das war damals noch nicht selbstverständlich, und dem C64 halbwegs anständige Sachen zu entlocken war definitiv eine Kunst für sich. Nicht nur wegen der begrenzten, wenn auch für damalige Verhältnisse fortschrittlichen Möglichkeiten des Soundchips. Einen Soundeffekt und gleichzeitig Musik abspielen? Anfangs ein Ding der Unmöglichkeit. Und wegen der harten Speicherbegrenzung musste man als Entwickler äußerst kreativ sein und sich gut überlegen, ob ein Level mehr nicht doch wichtiger ist als ein paar zusätzliche Töne aus den blechernen Boxen. Und trotz dieser Limitationen haben die Virtuosen dieser Zeit – und davon war Rob Hubbard einer – dem Brotkasten mehr als nur ein paar langweilige Piepstöne entlockt.
Von Vorteil war, dass der Brite schon immer musikalisch war. Bevor er den C64 für sich entdeckte, arbeitete er als Studiomusiker. Ende 1983 kaufte er sich ein Gerät und brachte sich damit BASIC bei, um Musiklernsoftware zu programmieren. Da ihm BASIC allerdings zu langsam war, wechselte er relativ zügig zu Assembly – also Maschinensprache. Seine Lernsoftware wollte jedoch keiner haben. Deshalb bastelte er sich einen professionellen C64-Musikplayer, sprich einen eigenen Soundtreiber, und machte sich ab April 1984 auf die Suche nach Aufträgen für Programmierung und/oder Komposition. Da es damals noch nicht so mit dem Internet war, hat er dazu klassisch Softwareentwickler per Post angeschrieben – und tatsächlich gleich zwei Jobs bekommen.
Die Anfänge
Zum einen sollte er die Musik für den C64-Port von Up, Up and Away beisteuern – der dann aber erst 1985 auf den Markt kam. Und zum anderen beauftragte Ubik Software ihn damit ein Spiel basierend auf einer TV-Show für Kinder namens “Razzmatazz” zu programmieren. Da Ubik Software pleite ging, wurde am Ende jedoch nichts daraus. Insofern hatte Rob 1984 dann doch nicht so viel Erfolg mit seinem neuen Projekt. Ein Flyer und eine Demokassette im Januar 1985 brachten den Ball jedoch so richtig ins Rollen. Für über 75 Videospiele (nicht nur, aber hauptsächlich für den C64) hat Hubbard anschließend zwischen 1985 und 1989 neue Musik geschrieben, bestehende Kompositionen auf den C64 konvertiert und häufig auch die Soundeffekte beigesteuert. Mit zu seinen bekanntesten Werken auf der Brotmaschine zählen wohl Monty on the Run (1985), Thing on a Spring (1985), W.A.R. (1986), International Karate (1986) und Wiz (1987). Achtung: Akute Pieps-Gefahr beim Klicken der Links! Aber das sollte eigentlich klar sein?! Wobei das genau die Werke von Rob und seinen ebenbürtigen Kollegen ausmacht: Es sind größtenteils auch heute noch hörenswerte Musikstücke. Dynamisch, melodisch, abwechslungsreich – eben trotz der Hardwarelimitationen normale Musik und nicht nur zwei Piepstöne aus dem PC-Speaker.
Und obwohl es durchaus einige Angebote gab in dieser Zeit bei einem Entwickler direkt anzuheuern, blieb er vergleichsweise lange unabhängig. Er lehnte sogar Aufträge ab, weil er in dem Sinne zugeschüttet wurde mit Arbeit. Doch Anfang 1988 bekam er dann doch eine Chance, die er nicht ablehnen konnte: EA war so begeistert von seiner Arbeit an Skate or Die, dass sie ihn anheuern wollten. Nach seinen Erfahrungen auf dem Campus in Redwood City fiel ihm die Entscheidung wohl nicht sonderlich schwer. Nicht nur lernte er die kalifornische Sonne zu schätzen, auch die Möglichkeit neue Technologien wie den Roland MT-32 in die Finger zu bekommen, reizten ihn ungemein. Gerade wegen seines hohen Outputs war er 1987 nach eigenen Aussagen kreativ nämlich relativ ausgebrannt und suchte Wege seine Passion wieder aufleben zu lassen.
Zur Ruhe kommen
Sein Output wurde unter EA weniger, da er mehr im Hintergrund arbeitete und die Grundlagen für seine Kollegen legte. Aber nachdem er sich die Jahre zuvor so verausgabt hatte, war es verständlich. Neben einigen der ersten EA-Sporttiteln, hat er in der Zeit beispielsweise auch die Titelmusik für Peter Molyneuxs Populous komponiert sowie den Soundtrack und die Soundeffekte für Road Rash produziert. Sein größter Coup war aber wohl sein Reverse Engineering des SEGA Mega Drive, das es EA erlaubte einen besseren Lizenzdeal mit SEGA auszuhandeln. 1997 wechselte er dann ins Management, weil EA immer häufiger auf lizenzierte Musik setzte. Er war für Strategie, Musiklizenzierung und das Management der vielen Audio-Produzenten zuständig, an die EA die Aufgaben outsourcte.
2002, im Alter von 47 Jahren, hatte er dann genug von EA und zog zurück nach England. Ihm war es zu “unternehmerisch” geworden. Seitdem macht er in dem Sinne nur noch, worauf er wirklich Lust hat. Beispielsweise seine Musik für Orchester umschreiben (8-Bit Smyphony), für den ein oder anderen Indie-Film (Väter der Pixel-Monster – Englands Computerspiel-Pioniere) komponieren, und ja, auch neue Musik produzieren (Rob Returns) sowie Remixe nicht nur seiner alten Werke (Hubbard ‘80*).
2016 hat er außerdem die Ehrendoktorwürde (“Doctor of Music”) von der University of Abertay erhalten.
Das Buch
So viel zur Person “Rob Hubbard”. Kommen wir nun zum Buch: Auf den 354 Seiten werden alle Werke – und damit meine ich wirklich alle – behandelt, an denen er bis zum Druck des Buchs beteiligt war. Oder in Zahlen ausgedrückt: Über 100 Spiele in chronologischer Reihenfolge. Und da keiner von euch verlangen kann alle diese Musikstücke auswendig zu kennen, gibt es passend dazu online eine äußerst umfangreiche Mediengalerie. Zu fast allen Titeln könnt ihr euch nicht nur Robs Musik anhören, sondern auch den dazugehörigen SID-Treiber und je nachdem weiteres Hintergrundmaterial dort herunterladen. Theoretisch könnte ich hier den Link posten, aber da könnte jemand was dagegen haben. Deswegen lasse ich es lieber.
Die Mediengalerie ist immens wichtig beim Lesen des Buches. Musik lässt sich schließlich nur bedingt gut beschreiben. Entsprechend versucht der Autor es gar nicht erst. Textpassagen wie z.B.
The echoed solo halfway through the tune is actually a piss-take of the sax solo in the Hall and Oates hit “Maneater”.
(Chris Abbott, 2024 S. 55)
lassen sich vom Leser somit nur einordnen, indem ihr das Lied vor oder während des Lesens des Textes anhört. Leider ist der Aufbau der Mediengalerie dafür speziell auf dem Smartphone nur bedingt geeignet. Ständig bin ich am Rumnavigieren und Suchen des richtigen Videos im Unterordner (die SIDs selbst spielt es ja nicht ab). Das unterbricht massiv den Lesefluss und hat mich leider relativ schnell davon abgehalten es überhaupt zu versuchen. Am Ende habe ich es nur noch bei den Titeln gemacht, wo es wirklich zum Textverständnis notwendig war.
Der Inhalt
Den Schreibstil von Master of Magic würde ich als “flapsig” bezeichnen. Es wird schnell klar, dass der Autor absoluter Hubbard-Fan ist und (scherzhaft) jeden verurteilt, der anderer Meinung ist. Sehr häufig sind beispielsweise Seitenhiebe auf damalige Spieletester, die schlechte Noten gegeben haben. Das kann man machen, muss der Leser aber mögen. Und meine Erwartungshaltung an so ein Werk ist definitiv eher eine fakten-basierte Schreibe als sowas. Insofern hat mich das durchaus gestört. Der Standardaufbau jedes Spieleberichts ist hingegen eine Vierteilung:
- Im ersten Abschnitt geht es um die zeitliche Einordnung, das Spiel bzw. seine Entwicklungsgeschichte soweit sie relevant ist, welche Vorgaben Rob hatte, wie die Musik entstanden ist und eventuelle Besonderheiten. Rob kommt hier hin und wieder selbst zu Wort. Für ein Werk, das sich rühmt in Zusammenarbeit mit ihm entstanden zu sein, allerdings doch gefühlt zu wenig. Liegt aber vielleicht daran, dass er sich häufig gar nicht mehr daran erinnert. Also nicht nur an das explizite Musikstück. Teilweise weiß er gar nicht mehr, dass er überhaupt für dieses Spiel was gemacht hat.
Kann ich ihm nicht verdenken. Er wurde zur Legende gemacht, obwohl er aus seiner Sicht eigentlich nur Auftragsarbeiten erledigte. Schade ist es trotzdem, weil genau diese Informationen aus erster Hand ein großes Kaufargument für das Buch ist. Aber auch sonst kommt mir dieser Teil des Textes häufig viel zu kurz vor. Stattdessen wird den anderen, weniger interessanten Abschnitten mehr Raum gegeben.
- Im 2. Abschnitt geht es um eventuelle Ports und andere Versionen des Spiels. Vor allem natürlich in Hinsicht darauf, ob Rob dafür ebenfalls die Musik gemacht hat oder zumindest seine Version die Basis war – teils inklusive einer erneut sehr flapsig formulierten Beurteilung des Ergebnisses.
- Der dritte Abschnitt enthält hingegen O-Töne aus damaligen Spielemagazinen, die explizit die Musik und die Soundeffekte erwähnt haben. Dieser Part ist sehr England-lastig (da stammt nun einmal Buch und Autor her), z.B. die deutsche Happy Computer wird allerdings ebenfalls hier und da zitiert.
-
Und im letzten Abschnitt wird es dann extrem technisch. Und zwar geht es explizit um die Veränderungen im Soundtreiber für das jeweilige Spiel. Also welche Version des Treibers kommt zum Einsatz und welche Anpassungen hat Rob vorgenommen, um dem C64 die richtigen Töne zu entlocken. Problematisch bei diesem Absatz ist, dass ihr zum einen ein gewisses Verständnis für Soundtechniken benötigt. Beispielsweise was ein “Wobble” oder ein “Glide” ist. Und zum anderen müsst ihr quasi den Treiber kennen. Sonst könnt ihr mit Aussagen wie “ORA #40 in the pulse-width routine.” wenig anfangen. Es gibt zwar im Anhang eine kleine Einführung in den Treiber, aber ganz ehrlich: Selbst nach dem Konsum dieses sehr auf Programmierer zugeschnittenen Abschnitts habe ich die meiste Zeit nur Bahnhof verstanden. Und das ist schlecht, da das “Driver Update” häufig einen signifikanten Teil zu einem Spiel einnimmt.
Jedes Spiel bekommt mindestens zwei Seiten spendiert. Bei den “wichtigeren” bzw. einflussreicheren Titeln wie beispielsweise das namensgebende Master of Magic, sind es durchaus mal mehr. Hier darf dann auch mal der dritte Autor, Professor Kenny McAlpine, zu Wort kommen und seine Sicht der Dinge teilen. Er hat maßgeblich bei den Recherchen für das Buch unterstützt und ist selbst ein vielfach ausgezeichneter Komponist und Musiker.
Optisch verschönert werden die Artikel hingegen vornehmlich durch Fotos der Spielepackungen und dem ein oder anderen Screenshot. Insgesamt halbwegs abwechslungsreich gestaltet und gut zu lesen.
Beim Christoph meint: Von mir bekommt Master of Magic – The Official Rob Hubbard Softography nur
. Die Mediengalerie ist eine coole Sache, aber das Buch selbst hat meine Erwartungen nicht wirklich erfüllt. In Bezug auf den Treiber ist es mir zu detailliert ohne die Basis dafür zu legen. Und in allen anderen Punkten ist es meist zu oberflächlich als, dass ich daraus wirklich einen Mehrwert gezogen hätte. Es funktioniert maximal als Nachschlagewerk, um zu prüfen ob Rob Hubbard an Titel XY beteiligt war und in welcher Form. Wirklich viel über ihn und seine Arbeit habe ich durch den Konsum jedoch nicht gelernt. Vielleicht ist es für Hardcorefans geeignet, die sowieso schon das meiste wissen und sich darüber freuen es mal gesammelt in gedruckter Form zu haben. Aber als einer, der bislang nur vereinzelt ein paar Werke von Rob Hubbard gehört hat? Nicht empfehlenswert.











