Sicarius

Der Teufelskreis

Wertungen sind schon ewig Teil umfangreicher Diskussionen. Ob es das Gejammer über zu hohe oder zu niedrige Wertungen ist oder der Vorwurf das Ganze liefe sowieso nicht wirklich koscher ab. Und doch erfreut sich besonders hier in Deutschland immer noch die besonders kontroverse Prozentwertung bzw. das 100-Punktesystem großer Beliebtheit. Deshalb habe ich im heutigen Artikel das Thema aufgenommen:

Der Teufelskreis

Redakteure sitzen Stunden, teilweise sogar Tage über einem Test. Und selbst nachdem der Text fertig ist, wird hier noch eine Formulierung verfeinert und dort noch ein besser klingendes Synonym eingefügt bis die Abgabefrist vor der Tür steht und das Werk endgültig in den Druck geht oder anderweitig veröffentlicht wird. Und was macht der Leser dann am Ende anstatt das Meisterwerk zu verinnerlichen? Er schaut sich zuerst die Wertung an! Egal ob es eine Zahl, ein Buchstabe oder nur eine Reihe von Symbolen ist, der Anziehungskraft dieser Zusammenfassung können sich nur die wenigsten entziehen.

Natürlich bin ich mir im Klaren darüber, dass sich die Angelegenheit nicht auf zwei Seiten wirklich umfassend darstellen geschweige den abhandeln lässt. Aber das war auch nicht mein Ziel. Stattdessen will ich den Leser mit meinem kleinen aber kritischen Einblick dazu anregen einmal selbst zu hinterfragen was hier eigentlich läuft.

In diesem Sinne verabschiede ich mich bis Montag. Dann gibt es voraussichtlich die 8. Folge des Bagdadsoftware Podcast mit Ragnarok Online als Thema und einem entsprechenden Gast (nein, nicht JakillSlavik).

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7 Kommentare

hm, Prinzipiell stimm ich dir auf jedenfall zu, was die Wertungsgeschichte angeht, ich war ja nicht umsonst für dein "5 Sics" Wertungsystem.

Aber ich muss dir Widersprechen was das Ausschöpfen der 100%-Skala angeht (jetzt mal nur am Beispiel der Gamestar, da das das einzige Wertungsystem is, bei dem man einigermaßen nachvollziehen kann wie eine Wertung zustande kommt:
Man darf in diesem Falle eine 100Pkt Skala nicht mit einer 5 oder 10Pkt Skala verwechseln. Ich würde diese eher mit den Punkten in einer Schulaufgabe oder Klausur vergleichen, denn da ist es ja so: Irgendwas errät/weiß jeder irgendwie und deswegen ist (beispielsweise) trotzdem alles unter 50% durchgefallen. Und so ist es ja auch irgendwie bei Spielen: Irgendwie laufen tun sie alle und ein wenig Spaß hat man dabei vielleicht trotzdem, vieleicht hat es ja auch ein paar hübsche grafiken oder watweißich und allein deshalb "verdient" es schonmal ein paar Grundpunkte und deshalb sieht man selten Wertungen unter 60%. Aber um (deutlich) darüber hinauszukommen muss es halt einfach mehr bieten.
Daher find ich ein %-Wertung für objektive-technische Aspekte INTERN durchaus sinnvoll. Aber warum muss man seine Leser mit diesem Zeug belasten? Genauso wie bei der Klausur sind mir doch die genauen Punkte strunzpiepegal, auf die Note kommt es an. Und da sind wir wieder bei ner 6-36 "Pkt"-Skala angekommen.
Und natürlich kann man ein Spiel nicht rein objektiv nach technischen Aspekten bewerten womit ein ganzes Geschreibsel irgendwie fürn Arsch war: Filmwertungen, ja bitte!

Wolltest du im letzten Satz "Dein" oder "Mein" schreiben? :smile:

Und ansonsten stimme ich dir natürlich größtenteils in deinen Ausführung zu. Das ist auch ein Punkt auf den ich ursprünglich genauer eingehen wollte (ist nur ein Satz übrigegeblieben). Aber das führte dann einfach viel zu weit weg und ist eines eigenen Kommentars würdig.

Ich bin mal gespannt ob und was Azzkickr dazu sagt so als Liebhaber eines noch komplexeren System als es die GameStar fährt.

heeee, wie oft willst du noch mit dem zaunpfahl winken ? ;) hehe. naja, ich werd wohl bis spätestens sonntag was geschrieben haben. aber jetz erstma was essen.. komm grad von de arbeit

Na also da muss ich aber doch klarstellen, dass es nach der Veröffentlichung meines Kommentars nur zwei Winks waren und den ersten hab ich danach aus dem Eintrag entfernt.

Will mir ja hier nicht wieder vorwerfen lassen, dass ich hier Leute zu irgendwas zwinge…sowas macht nur Kessy! :smile:

Ja wie, du hast meine Erwähnung im Artikel entfernt ? Frechheit ist das !

Tjo, ansonsten kann ich mich nur absolut für die Beibehaltung der Prozentwertungen aussprechen :) Ich glaube fest daran, dass man Spiele "objektiv messen" kann – im Gegensatz zu Filmen beispielsweisen, die im höheren Maßen individuelle Werke sind, vom Regisseur stark beeinflusst sind und mit ganz eigenen Stilmitteln arbeiten, die man nicht objektiv als gut oder schlecht einschätzen kann.

Dass es dennoch aktuell kein Bewertungssystem gibt, dass mich überzeugt, ist euch allen bekannt.

Die Gamestar ist sicherlich meinem Wunschtyp am nächsten, verspielt ihren Vorteil aber dadurch, dass bei populären Blockbustern mögliche Schwächen dennoch zwanghaft ignoriert werden, um eine Teilwertung (der KI z.B.) auf 8 Punkte zu bekommen. Umgekehrt krankt das System an einem weiteren Problem: was macht man mit einem Spiel, das hervorragenden Ton, wahnsinns KI, grandiosen Umfang, tollen Multiplayer usw. hat, aber zeitgleich aus schwarz-weißen Pixeln besteht ? Natürlich, dass ist jetzt etwas utopisch, aber dennoch müsste dieses Spiel 90% bekommen – unrealistisch.
Dazu kommt, dass die (Teil-)Wertungen der GS trotz aller Mühe immer noch sehr untransparent sind: was genau muss ein Spiel haben, um 10 Punkte im Ton zu bekommen, was muss es haben, um nur 9 zu bekommen? Und: generell fehlt die Definition des Höchstwertes, also die Antwort auf die Frage, was als Referenz gesehen wird. Bei der Grafik bspw. "das technisch machbare", "das realistische", "die Harmonie von Stilmitteln" usw.

Hilfreich wäre es hierbei schon, wenn man sich an der PCAction orientiert (ja, richtig gelesen :)), indem man hinter jedem Schwachpunkt schreibt, wieviel Punkte Abzug es dafür gegeben hat.

Kurz: der Gamestar fehlt die nötige Konsequenz und Transparenz.

Ideal wäre es, wenn man – neben der Behebung o.g. Schwachpunkte – die objektive Wertung aber noch um eine subjektive Spielspaßwertung ergänzt. Da ist die PCPowerplay damals nen guten Weg gegangen. Wenngleich ebenson inkonsequent, da sich die Unterschiede bei den Redaktueren in 99% aller Fälle auf ein paar wenige Prozentpunkte reduzierten – damit war das ganze System hinfällig.

Interessant ist in diesem Kontext auch, dass Spiele, die in der Gamestar um die 90% bekommen haben, oftmals bei vielen Redakteuren auf der Team-Seite schlecht bewertet werden — irgendwie widersprüchlich, wenn man sich doch mit höchstmöglicher Objektivität anpreißt? :)

Also, man nehme das "OBJEKTVE" Bewertungsschemata, addiere die "SUBJEKTIVE" Spielspaßwertung und begründet seine KONSEQUENTEN Wertungen TRANSPARENT.

Ich habe jetzt gerade noch einmal nachgeschaut und ich würde sagen, das buffed-Magazin kommt dem glaub ich schon sehr nahe. Die Bewerten wie die GameStar die Einzelbereiche (allerdings viel mehr und nur fünf Punkte) und schreiben immer ~zwei Sätze Begründung zu jedem Punkt dazu. Außerdem kommen bis zu 10 Punkte von den immer zwei Testern noch einmal oben drauf. Und das ist dann alles zusammen die Gesamtwertung.

Leider haben die keine Tests online anscheinend, deswegen kann ich zu keinem Beispiel verlinken :(.

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