Sicarius

Die Drei von EA

Ich weiß nicht ob Azzkickrs Einträge und die dazugehörige „Wir brauchen derzeit keine zusätzliche Leistung“-Diskussion Schuld ist, aber ich hatte die letzte Woche irgendwie das Bedürfnis unbedingt mal wieder ein paar Shooter zu spielen. Und zwar nicht irgendwelche Shooter, sondern Crysis 3 (2013), Medal of Honor (2010) und Medal of Honor: Warfighter (2012) – in dieser Reihenfolge. Letzteres habe ich zwar zum Verfassungszeitpunkt noch nicht durch. Aber da bin ich auch schon im letzten Drittel (Mission 9 von 13) angekommen, denn drei Dinge haben alle drei auf jeden Fall gemeinsam: Sie sind von EA, bekommen von mir jeweils 3 von 5 Sics und sie sind allesamt relativ kurz. Wobei ich der Anzeige in EA Origin nicht ganz glaube. So behauptet das Programm beispielsweise, dass ich Medal of Honor: Warfighter erst eine Stunde gespielt hätte. Wie gesagt bin ich bereits in Mission 9. Und so kurz glaube ich, ist das Spiel dann auch wieder nicht. Wir reden jedoch auf jeden Fall jeweils von maximal 5-6 Stunden pro Titel, eher weniger.

Crysis 3 Cover

Crysis 3 Cover

Crysis 3

Crysis 3 (Herstellerbild)

Crysis 3 (definitiv ungeschöntes Herstellerbild)

Dank meines neuen Rechners konnte ich Cryteks Werk endlich in seiner ganzen Pracht genießen. Zumindest würde ich das gerne behaupten. In der Realität musste ich das Anti-Aliasing stark reduzieren, um durchgehend über 30 Frames pro Sekunde zu erhalten. Hatte ich schon einmal erwähnt, dass die CryEngine selbst in ihrer Konsolen-Inkarnation massiv unoptimiert ist? Ja? Gut. Aber trotz der geringfügigen Reduzierung lässt sich definitiv und eindeutig festhalten: Crysis 3 sieht weiterhin 10mal besser aus als alles was seitdem auf den Markt geschmissen wurde. Auch die Sachen, die sich als „Next Gen“ schimpfen. Vom Grashalm über die Charaktere hin zum eigentlichen Design der teilweise richtig großen Levels ist das grüne New York schlicht beeindruckend und wesentlich cooler als die Betonwüste des Vorgängers. Und natürlich weiß Crytek auch wieder mit massiven Explosionen zu beeindrucken, die buchstäblich das gesamte Blickfeld einnehmen. Sollte man definitiv mal gesehen haben. Vor allem wenn man der Meinung ist, dass Konsolenspiele genauso gut oder besser aussehen würden. Spielerisch hat sich seit Teil 2 nicht viel getan. Ihr habt einen Nanosuit mit ein paar Fähigkeiten. Ihr habt Zugriff auf allerlei Waffen, die ihr mit unterschiedlichen Addons ausstatten könnt. Und ihr solltet damit alles töten was euch vor die Nase kommt. Auch die Probleme sind die gleichen beziehungsweise dank der Einführung von Pfeil und Bogen ist die Tarnfunktion des Nanosuits sogar noch übermächtiger geworden weil ihr damit ohne Tarnungsverlust aus dem Hinterhalt die Gegner abschießen könnt. In Sachen Upgrades für den Nanosuit habe ich entsprechend nur die vier für die Tarnung relevante freigeschaltet (was nicht lange dauert) und den Rest komplett ignoriert. Das macht die Kämpfe noch langweiliger als sie sowieso schon sind (und ich habe auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad gespielt!). Ja, natürlich habt ihr theoretisch wieder einige Möglichkeiten in den Kampf zu ziehen (inklusive der Hacking-Mechanik, die es euch erlaubt den ein oder anderen Gegner auf eure Seite zu ziehen) und dank der meist weitläufigen Levels (aber kein Vergleich zu Teil 1) auch wieder die Chance euer Vorgehen anzupassen. Aber weder die menschlichen Gegner, die einen Großteil des Spiels ausmachen, noch die paar Aliens sind wirklich eine ernsthafte Gefahr. Das geht sogar soweit, dass ich im Finale vor dem Bosskampf einfach nur durchgerannt bin ohne einen Schuss abzufeuern nur indem ich hier und da mal die Tarnung angemacht habe. Wobei mir die Aliens zu dem Zeitpunkt sowieso schon wieder auf den Sack gingen. Es macht irgendwie keinen Spaß sich mit denen auseinanderzusetzen so gut die KI auch theoretisch sein mag.

Crysis 3 (Herstellerbild)

Crysis 3 (Herstellerbild)

Die Geschichte setzt hingegen ziemlich direkt an das Ende von Crysis 2 an. Ihr schlüpft in die Rolle von Prophet, der dank seiner Verbindung zum Alpha-Ceph unter Visionen vom Weltuntergang leidet. Natürlich glaubt ihm erstmal keiner. Aber am Ende hat er selbstverständlich Recht und muss das große Biest am Ende töten, damit die Trilogie ihren endgültigen Abschluss findet. Wie gesagt alles sehr bombastisch in Szene gesetzt und mit extrem realistisch aussehenden Charakteren besetzt. Aber sehr gehaltvoll ist es nicht. Kurzweilig ja, die paar Spielstunden vergingen ziemlich zügig ähnlich wie bei einem unterhaltsamen Blockbuster weil ihr wieder von Setpiece zu Setpiece hastet. Es bleibt jedoch nichts über und schon gar nicht das Bedürfnis, Crysis 3 noch einmal zu starten.

Beim Christoph meint: Kann man sich mal antun schon allein wegen der Grafik. Aber ein Pflichttitel ist es genauso wenig wie seine Vorgänger. Crytek bräuchte mal ein Studio wie Raven Software oder Obsidian Entertainment, die aus ihren Engines was Anständiges bauen.

 

Medal of Honor Cover

Medal of Honor Cover

Medal of Honor (2010)

Nachdem die Macher des immens erfolgreichen Medal of Honor: Allied Assault (2002), eigentlich der dritte Teil der Serie, die Seiten zu Activision gewechselt hatten und mit Call of Duty einen weiteren Meilenstein des Shooter-Genres schafften, konnte keiner der nachfolgenden Titel mehr auch nur halbwegs an die Konkurrenz anknüpfen. Mit dem Reboot der Serie wollte EA das ändern, ließ das Zweiter-Weltkrieg-Szenario nun auch hinter sich (Call of Duty 4: Modern Warfare erschien 2007) und machte mit einer kontroversen Marketingkampagne auf sich aufmerksam. Zur Erinnerung: Es sollte eine Spezialedition mit einem echten Tomahawk geben und angeblich sollten die Erlöse an eine Soldaten-Stiftung gehen (kommt bei Amerikanern ja immer gut an). Allerdings unterstützte und machte der Publisher gleichzeitig aktiv Werbung für Waffenhersteller. Das fanden aber dann selbst die Amis nicht ganz so lustig.

Medal of Honor (Herstellerbild)

Medal of Honor (Herstellerbild)

Im Spiel schlüpft ihr hauptsächlich in die Rolle von Tier 1 Jungs, also ein Squad aus vier der besten Navy SEALs ev4r oder so (Amis halt), welche während den ersten Tagen der Invasion von Afghanistan verdeckt hinter feindlichen Linien unterwegs sind, um irgendetwas zu tun. Keine Ahnung was ihr ursprüngliches Ziel war. Am Ende geht es hingegen vor allem um das alte Thema der Kameradschaft und dem „Wir lassen niemanden zurück“-Gedöhns. Wobei man das „Verdeckt“ nicht ganz so genau nehmen kann angesichts der Tatsache, dass in jedem der absolut linearen und schlauchförmigen Levels nach dem Beenden dutzende von Leichen die Berge sähen. Auch Schleichen ist eher optional. Zwar habt ihr es mit mehr Gegnern zu tun, wenn ihr den Befehl missachtet und rumballert. Aber abseits ihrer Zielgenauigkeit sind die kein großes Problem und glücklicherweise hat Danger Close Games genau eine Sache nicht von der Konkurrenz kopiert: Unendlich wiedererscheinende Gegnerwellen. Ist ein Gebiet gesäubert, ist es gesäubert. Sehr gut! Wie in der Konkurrenz wechselt ihr hin und wieder die Perspektive, um einen anderen Blickwinkel auf die Geschehnisse zu bekommen inklusive der ein oder anderen obligatorischen Rail-Shooter-Sequenz. Gähn. Ich stimme Azzkickr zwar zu, wenn er sagt, dass er es super findet mal wieder ein etwas mehr „Down to Earth“-Szenario zu erleben während Call of Duty ja mittlerweile nicht mehr ohne mindestens 20 Atombomben auskommt. Vielleicht auch ein Grund, warum Medal of Honor noch halbwegs gut ankam im Gegensatz zu seinem Nachfolger. Wirklich mitgenommen oder gar begeistert hat mich der Titel aber trotzdem nicht. Vielleicht gerade weil ich es im Vergleich zur Konkurrenz so unglaublich langweilig und unspektakulär fand (habe angesichts der sehr kurzen Spielzeit sehr oft das Spiel zwischendurch einfach mal beendet).

Beim Christoph meint: Es ist zur kurz, um sich großartig über das Spiel aufzuregen. Das was da ist funktioniert halbwegs. Somit quasi ein solider Shooter, den man sich mal antun kann. Es ist aber weder etwas Neues noch irgendetwas was mich vom Stuhl haut. Dann tatsächlich doch lieber nochmal irgendein Call of Duty. Da werde ich zumindest mit beeindruckenden Setpieces für meine investierte Zeit belohnt beziehungsweise im Falle der Black Ops-Titel sogar mit einer halbwegs spannenden Geschichte.

 

Medal of Honor: Warfighter Cover

Medal of Honor: Warfighter Cover

Medal of Honor: Warfighter

Das Spiel, das so schlecht bei Kritikern (Wertungen unter 60%) wie Spielern ankam, dass EA kurzerhand die Serie auf Eis legte und das Entwicklerstudio Danger Close Games schloss. Was blöd ist, denn Medal of Honor: Warfighter endet angeblich mit einem Cliffhanger. Wie ich sowas hasse. Die Geschichte setzt an das Ende des Vorgängers an. Ihr schlüpft also erneut hauptsächlich in die Schuhe von Preacher während ihr den mittleren Osten in angeblich von echten SEAL-Missionen inspirierten (steht immer extra dabei!) und erneut absolut linearen Levels unsicher macht. Dieses Mal gefühlt mit noch mehr Fahrzeugeinlagen (allerdings auch mehr Kontrolle über selbige) und wesentlich bombastischer als der Vorgänger, wenngleich sich spielerisch nichts Grundlegendes geändert hat. Schließlich muss man ja die Frostbite-2-Engine anständig nutzen (vorher kam Unreal Engine 3 zum Einsatz).

Medal of Honor: Warfighter (Herstellerbild)

Medal of Honor: Warfighter (Herstellerbild)

Die neue Engine hat jedoch zwei Probleme zur Folge: Normalerweise sieht das Spiel auf dem PC wirklich richtig gut aus und vor allem die Levels, in denen ihr in einer überschwemmten Stadt unterwegs seid, machen einiges her. Zwar kein Crysis 3-Niveau aber ich kann mich tatsächlich abseits des etwas langsamen Texture-Streaming (nach dem Laden braucht es eine Sekunde, bis alles da ist) nicht beschweren. Problem 1 ist jedoch, dass sich die Entwickler dazu entschieden haben dieses Mal vorgerenderte Zwischensequenzen zu benutzen. Und die sehen absolut scheiße aus. Völlig ausgewaschene Farben, steife Charaktere und detailarme Umgebungen. Kein Vergleich zu dem was ihr im Spiel seht. Problem 2 ist, dass ihr in der zweiten Fahrzeugmission (eine Verfolgungsjagd durch eine belebte Stadt) mit reduzierten Details unterwegs seid. Das Spiel reduziert beim Laden des Levels nicht nur die Auflösung des Spiels (es fühlte sich nach 720p an obwohl ich ansonsten in 1440p unterwegs war), sondern auch die Details (Anti-Aliasing wird beispielsweise komplett deaktiviert). Das ist etwas, dass habe ich noch in keinem Spiel bislang erlebt. Und nein, ich hatte die Grafikeinstellungen nicht auf „Auto“ stehen. Wobei selbst das keine Auswirkungen hätte haben dürfen. So anspruchsvoll ist es jetzt auch wieder nicht. Hatten die Entwickler Angst, dass die ganze Zerstörungsorgie selbst mit dem besten PC der Welt nicht flüssig darstellbar ist, oder was?

Medal of Honor: Warfighter (Herstellerbild)

Medal of Honor: Warfighter (Herstellerbild)

Zugegeben: Ein Stück weit kann ich die Entscheidung verstehen. Wenn ich da an Crysis denke, wo auch so mancher PC erst im letzten Drittel (das berühmte Eislevel) in die Knie ging. Das nervte sicherlich den ein oder anderen dann plötzlich an den Einstellungen schrauben zu müssen. Somit ist es ganz nett, dass die Entwickler durch die automatische Umstellung versuchen das Spielerlebnis nicht zu beeinträchtigen. Aber ich hätte am Ende des Tages dann doch gerne die Wahl selbst zu entscheiden, ob ich die Details reduziere oder schlimmstenfalls nur mit 20 Frames pro Sekunde durch die Stadt zu düsen. Oder ging das nicht, weil eure Programmierer mal wieder den Fehler begangen haben und die Geschwindigkeit der Fahrzeuge an die Framerate anzupassen? Solche blödsinnigen Tricks sollen ja leider immer noch hier und da zum Einsatz kommen. Ich weiß es nicht. Ich fand es jedoch nicht nur extrem verstörend, das Level sah auch extrem schlecht aus dadurch. Schon allein die Reduzierung der Auflösung machte das Ganze ziemlich verwaschen.

Beim Christoph meint: Ein mittelmäßiger Call of Duty-Klon. Bot Medal of Honor immerhin noch das reduzierte Szenario ohne großes Tamtam, lässt sich der Nachfolger auf den ersten Blick absolut nicht von der Konkurrenz unterscheiden. Also abseits der Tatsache, dass es die Konkurrenz in allen Belangen irgendwie besser schafft (abseits der unendlich respawnden Gegner) ein zumindest optisch beeindruckendes und entsprechend kurzweiliges Erlebnis auf den Bildschirm zu zaubern. Wie beim Vorgänger gilt zwar auch hier, dass alles was es macht halbwegs funktioniert und es unterm Strich ein solider Shooter ist. Aber ein neues Call of Duty reicht mir jedes Jahr. Da brauche ich nicht noch einmal das Selbe nur in Schlechter ein zweites Mal.

 

Und damit wäre von meiner Seite erst einmal alles zu diesen drei aus meiner Sicht vergesslichen Machwerken gesagt. Azzkickr wird euch aber sicherlich in den Kommentaren noch detailliert von seinen Erfahrungen mit Medal of Honor berichten.

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Ein Kommentar

Sic hat es ja schon im Text kurz angedeutet: Medal of Honor hat mir – zu meiner eigenen Überraschung – wirklich sehr gut gefallen.

Womöglich liegt es daran, dass ich seit Modern Warfare 2 kein anderes CoD oder MoH gespielt habe. Ich bin also von dieser Art Spielen in gewisser Weise noch nicht gesättigt und gelangweilt.

Aber unabhängig davon muss ich MoH wirklich dafür loben, dass es schafft, woran Modern Warfare 2 bei mir so grandios gescheitert ist: Kurzweil und Immersion aufzubauen.

Der Umstand, dass man in einem realen Szenario unterwegs ist (das noch dazu halbwegs aktuell und daher greifbar ist) trägt viel dazu bei, dass ich das ganze Spiel anders „gefühlt“ habe als Modern Warfare 2, wo sämtliche Superlative an- und ausgepackt werden. Dadurch, dass nicht die ganze Welt auf dem Spiel steht, nicht ständig dutzende Wolkenkratzer zusammenkrachen (eigtl. kein einziger) und generell alles viel „geerdeter“ ist, war ich in der Lage, viel mehr in das Spiel einzutauchen.

Dazu trägt auch die in meinen Augen hervorragende Erzählweise bei: dass man mehrere Teams spielt (Seals, Ranger, Airforce). Ok, das gabs auch schon in Modern Warfare 2. Aber hier spielt sich alles auf dem selben Raum und in der selben Mission ab. Ist man im einen Moment noch der Rangertrupp, der aufgerieben und nur in letzter Sekunde durch Luftunterstützung gerettet wird, spielt im Anschluss in einem fließenden Übergang ohne Ladepause oder Zwischensequenz eben jene Hubschrauberpiloten. Sehr schön!!

Natürlich: die KI ist dumm und selbst auf „schwer“ nur Kanonenfutter, die Technik nur Durchschnitt und die Spielzeit von 4h schon arg kurz. Auf der anderen Seite: würde man häufiger sterben, wäre der Spielfluß dahin. Wäre das Spiel länger, käme es zu Abnutzungserscheinungen.

Hier wird einfach eine kurze Geschichte eines überschaubaren Militäreinsatzes erzählt. Und für dieses Zweck macht MoH eigtl. fast alles richtig. Sogar das Ende hat Elemente eines Anti-Kriegsfilms, das durchaus emotional ist. Natürlich: es hätte noch mehr in Richtung Spec Ops gehen können. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Von meiner Seite aus eine klare Empfehlung!

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