Sicarius

Erinnerungen an Geschäfte

Schon wieder ein Steam Sale? Hatten wir nicht erst einen? Nein? Naja, mir kommt es wie gestern vor. Aber wenn es Spaß macht (mir nicht :smile: ), wie es so schön heißt. Den einen macht halt der Steam Sale Spaß, mir stattdessen der neuste Titel aus dem Hause KairoSoft (grausige Überleitung, ich weiß):

BizBuilder Delux (Icon)

BizBuilder Delux
(Icon)

BizBuilder Delux (Andriod, iOS) – Die Titel der Japaner sind ja nicht gerade bekannt dafür, dass sie jedes Mal vor Innovationen tropfen. Stattdessen erwartet den Spieler bei jedem Titel so gut wie immer das gleiche, grundlegende quasi Wirtschaftssimulation-Spielprinzip. Den einen gefällt das (=mir), den anderen ging es schon nach Game Dev Story mächtig auf den Geist. Daran wird sicherlich auch BizBuilder Deluxnichts ändern, wenngleich es durchaus mehr als sonst von der bekannten Formel abweicht.

Alles auf einmal!

Normalerweise ist eure Aufgabe entweder eine Art Stadt aufzubauen oder ein (bzw. in Cafeteria Nipponica sogar mehrere) Geschäft(e) zu leiten. BizBuilder Delux kombiniert beides. Bis zu drei Geschäfte müsst ihr gleichzeitig managen allerdings nicht drei Büchereien zum Beispiel, sondern beispielsweise einen Spieleladen, eine Boutique und eine Nudelbar. Dabei spielen sich alle Arten von Geschäften immer etwas anderes, stellen ihre ganz eigenen Herausforderungen und, ganz wichtig, haben ihre ganz eigenen Upgradewege. Zwar gibt es ein paar Überlappungen – habt ihr das große Regal mal freigeschaltet, steht es euch auch in anderen Geschäften zur Verfügung. Aber ihr müsst extrem mit eurem Geld, euren Upgradeitems und eurer Mannschaft Haus halten, um das übliche Spielziel (der Erfolgreichste vom Erfolgreichsten sein) zu erreichen.

Mein florierender Spieleladen

Mein florierender Spieleladen

Hinzu kommt noch, dass ihr nicht nur eure bis zu drei Geschäfte (wollt ihr mehr, müsst ihr alte in den Autopilotmodus versetzen – dann werden sie von einer KI gesteuert) managet, sondern auch ein Stadtgebiet. Ihr müsst den Bürgermeister darüber beraten (bzw. stellt ihn vermutlich bald selbst) wie sich die Region entwickeln soll (mehr Häuser oder mehr Fabriken?), Spezialgebäude wie Tempel oder Banken errichten und entsprechende Feste oder Aktionen abhalten (Cosplay Convention im Sportstadium beispielsweise). Kostet natürlich wie immer alles wertvolle Ressourcen, von denen ihr nie genug habt und hat wiederrum Auswirkungen auf die Anzahl und die Kaufkraft eurer Kunden und damit euren Geldbeutel.

Und um die Sache noch zusätzlich zu erschweren, erscheinen in unregelmäßigen Abständen Rivalen auf der Karte. Um die zu besiegen, muss euer Geschäft in der Nähe mehr Geld in einem Monat umsetzen als der Rivale. Das ist gar nicht mal so einfach. Entsprechend praktisch ist, dass KairoSoft dann doch noch eine Art FailSafe eingebaut hat: Im Austausch gegen etwas Kohle und etwas Reputation könnt ihr eure Filiale in den Ursprungszustand versetzen und nochmal auf Angriffskurs gehen.

Beim Christoph meint: Wie gesagt: Wer KairoSoft-Titel schon jetzt nicht mehr sehen kann, der wird auch von BizBuilder Delux nichts wissen wollen. Aber für Fans bringt das Werk erfreulich frischen und vor allem anspruchsvollen Wind in die Sache. Gut, technisch gesehen könnt ihr auch hier nicht so wirklich verlieren, wenn ihr euch nicht ganz doof anstellt. Aber es geht ja wie immer darum die Highscore zu knacken und die nicht ganz so offensichtlichen Sachen zu entdecken. Und das macht mir seit langem Mal wieder richtig viel Spaß, nachdem auch bei mir bei den letzten paar Spielen etwas Sättigung eingetreten war. Reinschauen lohnt sich also!

 

Hüter der Erinnerung (Cover)

Hüter der Erinnerung
(Cover)

Hüter der Erinnerung (The Giver, 2014, SciFi, DV) – Stellt euch eine utopische Gesellschaft vor, in der es keine Kriege, keine Armut und keine Gewalt gibt aber auch keine Emotionen, Gefühle und Farben. Individualität gibt es nicht. Stattdessen hat alles seine Ordnung, alles sieht gleich aus, alle tragen das Gleiche und so weiter und so fort. Nicht perfekte Säuglinge werden aussortiert, Berufe (inklusive die der Leihmutter) werden automatisch zugewiesen und die Alten zu einem bestimmen Zeitpunkt weggeschickt. Das ist die Ausgangslage von Hüter der Erinnerung, dem Film zum gleichnamigen Teenie-Roman von 1993.

Was ist los?

Die Geschichte folgt dem sechszehnjährigen Jonas, der irgendwie anders ist als alle anderen und deshalb zum Nachfolger des jetzigen Hüters der Erinnerung ernannt wird. Das ist die einzige Person, die weiß wie es früher war. Bevor eine ungenannte Katastrophe die Menschheit dazu getrieben hat diese Insel der Gleichheit aufzubauen. Er und seine Vorgänger sind dafür verantwortlich das gesamte Wissen der Menschheit in sich zu speichern und aufbauen darauf der Regierung zur Seite zu stehen.

Jonas wird also nun zum Hüter ernannt und wird vom alten, jetzt zum Geber der Erinnerungen (Jeff Bridges) „aufgestiegen“ in die Geheimnisse eingeweiht. Aber wie so oft: Es passt dem Jungen nicht so ganz, was er da gezeigt bekommt. Warum wird das alles den anderen vorenthalten und so. Dabei ist es doch so schön und toll und was weiß ich alles. Nebenbei findet er natürlich noch heraus, dass in dieser Gesellschaft eben doch nicht alles so Friede, Freude, Eierkuchen ist. Daher rebelliert er und versucht die Erinnerungen für alle wieder herzustellen. Warum können Teenager nicht einfach mal machen, was ihnen gesagt wird?!

Hüter der Erinnerung (The Weinstein Company Promobild)

Hüter der Erinnerung (The Weinstein Company Promobild)

Klingt allerdings im ersten Moment actionreicher als es tatsächlich ist. Ja, es gibt am Ende eine Verfolgungsjagd. Aber die meiste Zeit geht es um die Bilder und Eindrücke, die Jonas vermittelt bekommt und basierend auf denen er dann mit seiner alten Umgebung interagiert. Sprich das Zusammenspiel zwischen ihm und dem Geber sowie ihm und seinen Freunden und seiner „Familie“. Und das funktioniert auch insgesamt ganz gut, wenngleich es hier und da etwas gehetzt wirkt. Dabei hat selbst das Buch nur 256 Seiten.

Beim Christoph meint: Von mir kriegt das Werk 3 von 5 Sics Der Film wirft prinzipiell (wie vermutlich auch das Buch, das ich jedoch nicht kenne) einige interessante Fragen auf. Aber mir persönlich geht er nicht weit genug. Es fehlt die zusätzliche Tiefe. Liegt wahrscheinlich an der Zielgruppe (=junge Teenager), die man vermutlich nicht ganz so stark überfordern darf oder so und am grundsätzlichen Umfang des Materials. Stattdessen wird alles irgendwie nur angerissen in den 100 Minuten und mit dem Hammer versucht Jonas zur Heldenfigur zu machen.

Vor allem aber passt mir das Ende mal so überhaupt nicht (Spoiler: Es ist ein Happy End). Zumal es vom Ablauf her überhaupt keinen großartigen Sinn ergibt. Das ist auch der Hauptgrund für die durchschnittliche Wertung, obwohl ich wie gesagt nicht weiß, ob es im Vergleich zur Vorlage verändert wurde oder nicht.

Soll man sich das Werk also als Erwachsener antun? Nun, gelangweilt habe ich mich zumindest mal nicht. Zwar fehlt mir wie gesagt die zusätzliche Tiefe, aber es war schon spannend mit anzusehen wie Jonas die Augen geöffnet wurden und er eine ganz andere Welt entdeckte. Gleichzeitig habe ich aber auch kein Bedürfnis ihn mir noch einmal anzuschauen geschweige denn jetzt das Buch auszupacken. Von daher: Fans der Vorlage haben ihn wahrscheinlich schon gesehen. Alle anderen können mal im Fernsehen hinzappen. Gibt vermutlich schlechteres im Bereich der Teenie-Roman-Verfilmungen als den Hüter der Erinnerung.

Bis Montag!

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2 Kommentare

Hey witzig, das Buch hab ich damals gelesen. Ich glaub sogar zweimal.. Das erste Mal geschätzt so mit 13 oder 14, und dann in der 10. oder 11. Klasse als Englischlektüre, da waren wir aber irgendwie auch eher schon zu alt dafür. Eigentlich wollte die Lehrerin Harry Potter mit uns lesen, da war in England schon der Hype losgegangen, bei uns kannte das noch kein Mensch und meine Mitschüler fanden das zu kindisch. Ich weiß nicht genau, ob sie dann mit Absicht ein weiteres Kinderbuch rausgesucht hat.. Aber das gehört jetzt auch alles nicht zum Thema.
Wenn das Buch Dich doch interessiert, Christoph, kann ich dir das vermutlich geben, ich muss das ja mal besessen haben (auf englisch halt) und tu sowas eigentlich nicht weg.. Ist auch nicht besonders dick/lang und sollte sich zügig lesen.
Ich fand das glaub ich beim ersten Lesen ziemlich gut und dann bei der Lektüre eben schon eher lame.
Aber danke für den Hinweis auf den Film, ich hab natürlich nicht mitgekriegt, dass das verfilmt wurde, und vielleicht schau ich’s mir aus nostalgischen Motiven mal an ;)

Schlimmer noch: Nach dem Erfolg des ersten Buchs hat sich die Autorin wohl breitschlagen lassen und noch drei weitere hinterhergeschoben. Soweit ich das verstehe handelt das zweite von einem Mädchen in einer anderen Siedlung, in Teil 3 geht es wieder um den Hüter und führt ihn mit der Dame aus Teil 2 zusammen und Teil 4 (bislang noch nicht auf Deutsch erschienen anscheinend) dreht sich um die Mutter von Gabriel (das Baby in Teil 1).

Brauchst das Buch aber nicht für mich rauszusuchen. Ich habe schon eine Quelle :smile: . Zeit es zu lesen ist ein anderes Thema :roll: .

Und wenn wir schon bei Hintergründen sind: Der Film war ein Herzensprojekt von Jeff Bridges. Ursprünglich wollte er seinen Vater die Rolle des Gebers spielen lassen. Aber dann hat sich die Sache ewig hingezogen (das Drehbuch war wohl prinzipiell schon 1999 fertig – aber erst Hunger Games hat solche Teenie-Filme wieder modern und damit finanziell interessant gemacht), weshalb er jetzt den Part übernahm.

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