Nach dem wahllosen Spielegeblubber der letzten Woche, fahren wir heute zum Ausgleich das absolute Gegenprogramm auf und unterhalten uns gezielt über ein paar Titel, die mich in der letzten Woche so beschäftigt haben. Lasst uns also gar nicht so viel mehr Zeit mit der Einleitung verschwenden und stattdessen loslegen:

Cover

Section 8 (Cover)

Section 8 (2009; PC, X360, PS3) – Das Spiel hat die fragwürdige Ehre das erst zweite Spiel in der Geschichte von Bagdadsoftware/Beim Christoph zu sein, dem ich eine Wertung von 1 von 5 Sics zu erhalten (Nummer 1 war AirStrike II: Gulf Thunder). Zugegeben: Ich konnte nur den Einzelspielermodus (Kampagne sowie Multiplayer mit Bots) spielen weil die Server mit dem Untergang der TimeGate Studios anno 2013 abgeschaltet wurden. Ich kann mir aber ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass es Online wirklich so viel mehr Laune gemacht hat.

Spaßlos auf fremden Planeten

Grafisch hat es nur ab und zu seine Momente

Grafisch hat es nur ab und zu seine Momente

Zwar gibt es ein paar nette Ideen, die erst später ihren Weg in andere AAA-Titel gefunden haben wie beispielsweise die Möglichkeit aus dem Orbit auf das Schlachtfeld zu “droppen” (Titanfall) oder im Conquest-Modus nicht nur einfach Basen zu erobern und zu halten, sondern durch Abschüsse und das Erfüllen von (dynamischen) Missionen (“Beschütze den VIP” oder “Sammele die Wrackteile auf”) Geld zu verdienen und Verteidigungstürme oder Versorgungsstationen zu bauen. Gleichzeitig dürft ihr euren Charakter sehr stark individualisieren (geht ihr mehr auf Schnelligkeit oder doch lieber auf mehr Panzerung und sowas). Und die Bots machen im Mehrspieler auch einen halbwegs guten Job. Aber es macht einfach überhaupt keinen Spaß. Und zwar aus einem ganz wichtigen Grund:

Die Waffen sind alle absoluter Scheißdreck. Da sind die Plastikknarren eines Half-Life 2 im Vergleich das Non-Plus-Ultra und ihr wisst ja, wie sehr ich die hasse. Teilweise mehrere Magazine müsst ihr in eure Gegner entleeren, um sie zur Strecke zu bringen während die Bots (vor allem in der Kampagne) umgekehrt euch mit 3-4 Treffern über den Jordan schicken. Wenn ich Gegner lieber umgehe, als mich auf einen Kampf mit ihnen einzulassen, dann läuft in einem Shooter definitiv irgendetwas falsch. Hinzu kommt das höchstens mittelmäßige und grafisch langweilige Leveldesign, dass schon vier Jahre zuvor in Battlefield 2 besser gemacht wurde (und dort waren gefühlt die Karten auch noch einmal ein gutes Stück größer).

Ein Witz

Die größte Frechheit ist aber definitiv die Kampagne mit ihren acht “Missionen” (ich habe auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad gespielt wegen dem GfWL-Achievement). Sie als Tutorial für den Mehrspielermodus zu bezeichnen ist noch freundlich ausgedrückt. Es sind nicht anderes als Botmatches mit schlechter KI und einer Prise Hintergrundgeschichte. Das wäre in sich sicherlich okay, wenn ich tatsächlich wüsste um was es geht. Aber ihr werdet einfach reingeworfen, bekommt gesagt “das ist der Bösewicht”, den ihr am Ende besiegen müsst und das war es. Ich glaub‘ ich war am Ende nach maximal 2 Stunden (netto) durch und extrem froh drüber. Am längsten Zeit hat mich die 4. Mission gekostet, in der ihr einen Convoy über eine Brücke eskortieren müsst. Hier kommt dann alles zusammen: Gegner, die einfach nicht tot umfallen wollen und Bots, die aktiv Selbstmord begehen.

Das meine ich absolut ernst. Alle vier Fahrzeuge sind mit Area-of-Effect-Waffen ausgestattet, um sich zu verteidigen. Und was machen sie? Sie schießen so nah vor sich damit, dass sie zum einen mich töten und zum anderen sich selbst. Der erste Panzer ist schon kaputt, da hattet ihr noch gar keinen richtigen Feindkontakt! Und natürlich hält der Conboy nicht an und gar nix, sondern fährt stur im zügigen Tempo zum Ziel bevor ihr die nächste Gegnerwelle ausschalten konntet. Das führt dazu, dass eure Teammitglieder noch am Anfang des Levels stehen und sich bekriegen während ihr alleine vorne seid und ums Überleben kämpft (in zweierlei Hinsicht) während ALLE und zwar ausnahmslos ALLE Gegner nur auf euch schießen, sobald ihr auf sie zielt. Somit ist die Lösung, um diesen Level zu bewältigen relativ simpel: Lenkt das gesamte Feuer auf euch in der Hoffnung, dass ihr lang genug überlebt, bis zumindest ein Transporter die Ziellinie erreicht. Was hat mich diese Mission an Nerven gekostet. Und sie ist auch der größte Grund für die vernichtende Wertung.

Ein zweiter Witz

Ein Orbital Drop

Ein Orbital Drop

Hinzukommt in der Kampagne die Tatsache, dass euer Ableben keinerlei Konsequenzen hat. Abseits der Zerstörung aller Fahrzeuge im Convoy in der erwähnten Mission, gibt es keinen richtigen “Verloren”-Status. Sterbt ihr, droppt ihr einfach 10 Sekunden später wieder und versucht erneut euer Ziel zu erreichen. Das macht besonders das “große Finale” witzlos. Zwar teilt der Boss mächtig aus, aber ihr bekommt immer 2-3 Raketen abgefeuert, bevor ihr sterbt. Und Lebensenergie regeneriert er nicht. Wie ich ihn besiegt habe, könnt ihr euch denken.

Das “Konsequenzen-frei Sterben” hat sogar für euch als Spiel einen massiven Vorteil: Euer Drop beginnt zwar immer an einem festen Spawnpunkt, ab einer bestimmten Höhe über den Boden könnt ihr jedoch den Fall steuern. Wenn wir jetzt also davon ausgehen, dass euer nächstes Missionsziel 500m vom derzeitigen Spawnpoint entfernt ist, könnt ihr direkt dort landen und es erfüllen, ohne auch nur einen einzigen Gegner ermorden zu müssen (die hängen ja bei euren Teammitgliedern rum). Wie war das? Spiele bieten heutzutage keine Herausforderung mehr? Volle Zustimmung! Das ist übrigens auch der Grund, warum ich so schnell mit der Kampagne fertig war. Wobei die durchschnittliche Spiellänge laut HowLongToBeat jetzt auch nur bei 3-4 Stunden liegt.

Beim Christoph meint: Ich glaube zwar nicht, dass ihr noch vorhattet diesen Titel zu ertragen geschweige denn zu kaufen, aber sicherheitshalber: Lasst einfach die Finger davon. Ihr habt überhaupt nichts verpasst, wenn ihr Section 8 nicht gespielt habt. Und wie gesagt sind auch keine Onlineserver mehr verfügbar.

Mich wundert es nach dem Spielen ernsthaft, dass der Titel zum einen noch eine Wertung im niedrigen 70iger erhalten hat und zum anderen sich anscheinend so gut verkauft hat, dass ein Nachfolger als wirtschaftlich eingestuft wurde. Selbst grafisch (Unreal Engine 3) ist der Titel aus meiner Sicht nicht der beste Vertreter seiner Generation (siehe optisch langweilige weil einseitige und leere Levels).

 

Cover

Section 8: Prejudice
(Cover)

Section 8: Prejudice (2011; PC, PS3, X360) – Und da haben wir auch schon diesen besagten Nachfolger, der nur rein digital veröffentlicht wurde und bei dem ebenso keine Onlineserver mehr zur Verfügung stehen (obwohl er noch verkauft wird!). Den habe ich zwar noch nicht durch (erst gut zwei Stunden gespielt sowohl Offline-Multiplayer als auch Kampagne) aber ich kann schon jetzt sagen: Section 8: Prejudice ist um Welten besser als sein Vorgänger und zwar in allen Belangen.

Es fängt schon beim Thema “Waffen” an, was mich neben der Eskort-Mission im Vorgänger am meisten störte: Sie tun jetzt tatsächlich was! Vorbei die Zeiten wo das Magazin plötzlich leer war und nicht einmal das Schild durchdrungen war. Jetzt fühlt es sich tatsächlich wie ein halbwegs anständiger Shooter an. Die zusätzliche Auswahl begrüße ich ebenso. Also technisch gesehen ist das Waffenarsenal nicht allzu viel größer geworden. Aber für alle Waffen stehen nun verschiedene Konfigurationen Bereich – logischerweise mit ihren Vor- und Nachteilen. Soll es das Maschinengewehr mit dem Zielfernrohr sein, das auch auf längeren Entfernungen noch was taugt aber dafür nicht ganz so stark reinhaut oder doch eher die Variante mit PP-Muntion? Schick.

Völlig anderes Spielgefühl

Section 8: Prejudice (Herstellerbild)

Section 8: Prejudice (Herstellerbild)

Die Kampagne wurde genauso vollständig überarbeitet. Zum einen sind es jetzt nicht einfach mehr nur die Mehrspielerkarten, sondern tatsächlich größtenteils eigene Levels mit entsprechend besser spürbarer Progression. Zum anderen hat euer Tot jetzt Konsequenzen. Welche das sind? Nun, die Mission gilt automatisch als gescheitert und ihr müsst vom letzten Checkpoint beginnen. Perfekt. Nimmt zwar das ganze “Oribal Drop”-Thema etwas aus der Kampagne heraus. Aber darauf kann ich locker verzichten, wenn dafür die Sache etwas zusammenhängender ist. Gilt übrigens auch für die Geschichte. Die setzt zwar direkt an das (unzufriedene) Ende des 1. Teils an, hat aber einen natürlicheren Flow, der klarer macht, worum es überhaupt geht.

Die paar Runden Mehrspielermodus, die ich bislang gespielt habe, machten auch wesentlich mehr Laune. Ich kann nicht oft genug betonen, welchen massiven Unterschied es macht, wenn ich etwas in der Hand halte was sich nicht anfühlt wie eine Wasserspritzpistole. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass die KI auf beiden Seiten etwas intelligenter geworden ist und nicht mehr nur drauf setzt, euch mit einem Schuss über den Jordan zu schicken (das machen jetzt nur noch Scharfschützen). Der Conquest-Modus kehrt zurück und unter anderem neu dazu gibt es einen Horde-Modus, in dem ihr für 15 Minuten einen Außenposten gegen Gegnerwellen verteidigen müsst.

Beim Christoph: So muss ein Sequel aussehen. Also genauer gesagt, hätte so schon der erste Teil aussehen sollen. Aber ich will ja nicht kleinlich sein. Das Fehlen von Onlineservern macht eine Kaufempfehlung natürlich ziemlich unmöglich. Dennoch: Sollte es tatsächlich mal für den ganz kleinen Preis auf Steam sein (äußerst unwahrscheinlich wegen der Rechtesituation), dann kann man mal zuschlagen solange GfWL noch online ist und eine Handvoll Stunden Spaß damit haben. Es steht aber außer Frage, dass es auch für Teil 2 ziemlich viele bessere Alternativen gibt. Heute noch mehr als damals.

Gestern ist Bloodborne (PS4) erschienen, der geistige Nachfolger von Dark Souls und quasi dritte Teil der Souls-Trilogie. Ein oder vielleicht sogar DAS Aushängemerkmal der Serie ist der hohe Schwierigkeitsgrad, der mindestens auf der Stufe der knüppelharten Ninja Gaiden-Reihe liegt – wenn nicht sogar drüber. Den einen gefällt das, den anderen nicht. Die einen wollen die Herausforderung, wollen sich wochenlang die Zähne ausbeißen. Anderen ist beispielsweise ihre Zeit nach Feierabend zu kostbar, um wenig bis gar keinen Fortschritt zu machen. Deshalb heute die simple Frage an euch:

Wie haltet ihr es mit dem Schwierigkeitsgrad? Zockt ihr nur auf “einfach” oder ist “hart” noch nicht hart genug für euch? Bis wohin macht es Spaß und ab wann ist es nur noch Frust?

Resistance 2 (Herstellerbild)

Resistance 2 (Herstellerbild)

So, wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, ich hatte gesagt, dass ich mich derzeit mal wieder ein wenig in einer Übergangsphase befinde, was Spiele angeht. Also relativ wahllos von Spiel zu Spiel springe aber mich nicht so richtig auf eines festlege und es durchziehe. Wobei ich letzte Woche Resistance 2 endlich beendet habe. Anschließend auch Teil 3 angefangen – dieses Mal aber auf “Normal”. Was habe ich mich bei Teil 2 auf “Hart” gequält und dann gab es nicht einmal eine Trophäe dafür. Am Wochenende bin ich dann auf Wolfenstein umgestiegen und auch schon gut bei der Hälfte angekommen (Zur Erinnerung, mein Gedicht von damals). Könnte also was werden mit dem “Durchspielen”. Scheint entsprechend doch ein gewisses “Commitment” vorhanden zu sein – zumindest was relativ kurze Spiele betrifft.

Erneute Abschweifung

Von Resistance werde ich allerdings erst ausführlich im Rahmen eines Late to the PS3-Party-Eintrags erzählen, sobald ich Teil 3 und vielleicht Burning Skies (PSV) durch habe. Dann kann ich euch wie bei Uncharted gleich den Gesamtüberblick geben (wobei da mangels Hardware noch Uncharted: Golden Abyss fehlte). Also vermutlich dann so 2016, wenn ich mir mein aktuelles Tempo anschaue. Wobei ich Resistance 3 tatsächlich derzeit nicht so wirklich spielen kann. Und zwar hat Insomniac Games mal wieder das gemacht, was ich bei Serien auch nur bedingt gut finde: Die Steuerung fast komplett über den Haufen geworfen. Als ich direkt nach Teil 2 mit Teil 3 losgelegt hatte, habe ich dadurch so einige Granaten vor meine Füße geworfen, die da eigentlich nicht hin sollten. Sprich ich muss jetzt erst einmal die alte Steuerung vergessen, bevor ich anständig weiterspielen kann.

Wobei das in diesem Fall kein Vorwurf an die Entwickler ist. Es lagen schließlich drei Jahre zwischen beiden Titeln und in der Zeit ändern sich halt Sachen beziehungsweise es stellt sich heraus, dass es anders vielleicht ergonomischer/sinnvoller ist. Können die ja nichts für, dass ich nun die gesamte Trilogie relativ zeitnah hintereinander durchjage. Ist aber definitiv der Grund, warum ich Teil 3 jetzt doch erst einmal wieder nebenhin gelegt habe und zu Wolfenstein gewechselt bin, um meine Ballerseele zu befriedigen. Die Gefechte machen dort auch definitiv mehr Spaß. Ihr wisst schon: Maus, Tastatur, id Tech 4, Raven Software – Perfekte Kombination. Schade nur, dass – wie im Gedicht erwähnt – so viel unnützer Firlefanz dabei ist (Stichworte “Quests”, “offene Stadt”, “Upgradesystem”, “Superkräfte”), den kein Schwein braucht.

Rückkehr zum Thema

Sonic Unleashed (Herstellerbild)

Sonic Unleashed (Herstellerbild)

Auffällig ist, dass sich meine “Wechselei” stark auf die PlayStation 3 konzentrierte bislang. So habe ich mit Ratchet & Clank HD (abwechslungsreicher aber heutzutage doch etwas zu langer PS2-Action-Adventure/Plattformer von 2002; auch von Insomniac Games) angefangen (würde ich so auf Hälfte durchgespielt schätzen), hab‘ etwas Tokyo Jungle (schräge Endzeit-Tierüberlebenssimulation) eingeschoben nachdem ich endlich eine europäische Retailversion gefunden hatte und habe mich etwas länger mit Sonic Unleashed (war eins der Spiele, das bei der Konsole mit dabei war) auseinander gesetzt, bevor ich es wieder zurück ins Regal gestellt habe.

Warum ich es wieder ins Regal verbannt habe? Weil es unspielbar ist. Mich verwundert es nicht mehr, dass die PS3-Version auf Metacritic auf 54% steht während alle anderen immerhin bei 60-66% hängen. Ich finde das sogar noch viel zu hoch! Ich bin jetzt zwar nicht der erfahrenste Sonic-Plattform-Spieler, Sonic Generations war 2011 meine erste längere Erfahrung mit Segas Maskottchen in seiner natürlichen Umgebung, aber selbst ich merke spätestens nach dem zweiten Level (ich glaube ich habe insgesamt vier gespielt), dass sich “Schnelligkeit” mit “unübersichtlicher Kamera” sowie “unterirdischer Framerate” nicht vertragen. Die klassischen “Rennlevels” verkommen dadurch zu absolutem Trial & Error wo ich zu keinem Zeitpunkt wirklich weiß was ich eigentlich tue. Und die “mega-innovativen” God of War-Werehog-Prügellevels machen auch keinen Spaß mehr, wenn bei mehr als fünf Gegnern plötzlich in Zeitlupe gekämpft werden muss. Dass ich in den Plattform-Einlagen nie so recht sehe, wo ich eigentlich hinspringe, ist da dann noch das kleinste Problem.

Das ist mal wieder so ein Fall, wo ich mich Frage: Wie verzweifelt war SEGA, um das Spiel in dem Zustand auf den Markt zu werfen? Keiner kann mir erzählen, dass das nicht während der QA aufgefallen ist, so extrem wie die Framerateneinbrüche den Spielfluss beeinflussen (und ich habe ja schon eine PS3 der 2. Generation!). Mal ganz abgesehen davon, dass ein Sonic-Spiel mit NPCs, Missionen und einem komischen Hub (ihr bewegt euch zwischen den Levels lahmarschig durch verschiedene, fiktive Städte) mal so überhaupt nicht funktioniert. Also Finger davon! Sonic Generations ist eindeutig das bessere und spaßigere Sonic-Spielchen.

Bis Montag!

In der Dezember-Ausgabe der EDGE wurden auf 11 Seiten Bücher vorgestellt, die Videospiele als Thema haben. Darunter waren Titel, die sich mit der Spielekultur beschäftigen (Killing Is Harmless) oder die Historie beleuchten (Jacked) aber auch schlicht Romane, die spielerelevante Themen als Grundlage nutzen (You) oder gar ihre Protagonisten in ein (fiktives) Spiel entführen (Bedlam) oder Bücher, die quasi in Richtung Kunstbuch gehen und einfach nur den Anspruch haben auf dem Kaffeetisch Hübsch auszusehen (The Eyes of Bayonetta).

Entsprechend ist die heutige Frage an euch: Lest ihr solche Bücher? Wenn ja: Was reizt euch daran und welche könnt ihr anderen empfehlen? Wenn nein: Warum interessiert euch so etwas nicht?

Kingdoms of Amalur: Reckoning (Herstellerbild)

Kingdoms of Amalur: Reckoning (Herstellerbild)

Achtung: Der heutige Eintrag ist mal wieder voller Gemecker und wird nicht jedem gefallen!

Ich bin aktuell mal wieder in einer Art Übergangsphase was Spiele angeht. Ist nichts Neues und kommt regelmäßig mal vor. Ist eine Zeit, in der ich von einem Spiel zum nächsten springe und mich anscheinend nicht “traue” auf einen Titel festzulegen und ihn einfach mal durchzuziehen. Okay, das stimmt nicht ganz. An Kingdoms of Amalur: Reckoning bin ich durchaus mit dem Vorhaben rangegangen, es endlich mal durchzujagen (aktuell bei 25 von geschätzt 40-55 Stunden inklusive den beiden DLCs). Leider scheint sich das nicht so ganz mit Windows 8.1 zu vertragen und stürzt entsprechend in unregelmäßigen Abständen einfach sang und klanglos ab. Das verdirbt einem logischerweise durchaus die Lust, wenn es mehrmals innerhalb von 10 Minuten passiert (und man den gesamten Dungeon jedes Mal neu beginnen darf). Und nein: Eine Lösung dafür habe ich bislang noch nicht gefunden (sonst würde es mich ja nicht vom Spielen abhalten, duh!). Ich kann nicht einmal ansatzweise den Grund dafür entschlüsseln (wobei es gefühlt am häufigsten in Dialogen passiert). Eine Idee wäre, dass es doch nicht so ganz glücklich damit ist, dass ich es zwanghaft auf Englisch umgestellt habe.

Origin installiert zwar ALLE Sprachpakete für den Titel, lässt euch aber nicht die Wahl welches ihr eigentlich verwenden wollt (= riesige Platzverschwendung!). Stattdessen wird wieder einmal auf die Systemsprache zurückgegriffen. Leider hilft bei diesem EA-Titel auch das Umstellen in der *.ini nichts (der Spracheneintrag wird anscheinend einfach ignoriert). Somit blieb mir nichts anderes übrig als alle anderen Sprachdateien abseits von Englisch zu löschen und vielleicht ist das ein möglicher Grund für die Abstürze. Aber wie gesagt: Sicher bin ich mir nicht. Zumal ich es damals, anno 2012, auch so gemacht habe. An dieser Stelle jedoch noch einmal ein Appell an alle Entwickler dort draußen:

Ewiger Nervfaktor Nr. 1

Wenn ihr alle Sprachen mitliefert oder das Vertriebssystem es anbietet (und die Zeiten, wo nur eine Form der Sprachausgabe auf die CD passte ist seit mindestens 10 Jahren vorbei!), dann gebt zwingend dem Spieler die Möglichkeit sie selbst auszuwählen. Am besten schon bei der Installation, spätestens aber im Optionsmenü. Auf die Systemeinstellungen zurückzugreifen wirkt im ersten Moment natürlich  korrekt und erscheint wie ein Service für den User. Aber es hat schon seinen Grund, warum Steam & Co. bei mir auf Englisch eingestellt sind – eben weil ich priorisiert die englische Fassung spiele. Wenn dann trotzdem ein Spiel meint, nur weil ich so doof bin Windows noch auf Deutsch zu betreiben, mich auf diese Einstellung festzufahren, wird es schneller beiseitegelegt als ihr guggen könnt!

Es ist schon schlimm genug, dass ich mein iPhone deshalb auf Englisch stellen musste und nun mit einer englischsprechenden Deutschen in meinem Navigationsprogramm leben muss (hat natürlich auch keine Einstellungsmöglichkeit). Zwingt mich nicht auch noch dazu mit dem Release von Windows 10 quasi dauerhaft der deutschen Sprache den Rücken zu kehren! Das macht nur unseren Azzkickr traurig! Und wollt ihr Azzkickr wirklich traurig machen? Eben! Also lasst den Blödsinn und kommt endlich in der modernen, globalisierten Welt an, in der wir leben. Bitte? Das ist so leichter zu programmieren? ICH KOMM DIR GLEICH RÜBER!!!11111Elf

So muss das sein!

République (Herstellerbild)

République (Herstellerbild)

Die PC-Version von République war übrigens ursprünglich auch so ein Kandidat, der sich auf die Betriebssystemssprache festgebissen hatte. Aber da lohnte es sich ausnahmsweise mal Backer zu sein. Eine “böse” Mail 10 Minuten nach dem Starten der 1. Betaversion und siehe da: In der Releaseversion wird nun die Steameinstellung hergenommen und ihr dürft sogar die Sprache selbst auswählen. Der Entwickler bei Camouflaj, der mir auf die Mail geantwortet hatte, war auch äußerst verständnisvoll und hat sofort gesagt “Ja, du hast recht und ich werde dafür kämpfen, dass wir das machen”. Da fällt mir ein, dass ich ihm vielleicht auch noch eine Dankesmail schicken sollte…wenn ihr mich kurz entschuldigt.

[5 Minuten später]

So da bin ich wieder. Wenn wir schon beim Thema sind: Ihr solltet in Répulique Remastered unbedingt mal reinschauen, auch wenn ihr die iOS-Version schon kennt. Immer noch ein gelungenes Schleichspielchen mit einem interessanten Twist (indirekte Steuerung), einem starken Hauptcharakter und auch wenn man ihm seine Smartphone-Herkunft anmerkt, sieht es bei weitem nicht so schlecht aus wie beispielsweise Deus Ex: The Fall.

Apropos iPhone: Ganz schlimm sind die Apps, die das englische Betriebssystem erkennen und dann weder in Deutsch noch Englisch starten, sondern auf Französisch. Ja, Gameloft, du bist gemeint! Wie passiert sowas?!

Etwas Entwicklerliebe

Aber wenn wir schon beim Stichwort “Briefe an Entwickler” sind: Wann habt ihr dem Erfinder eures aktuellen Lieblingsspiel zuletzt gesagt, dass ihr super findet, was er macht? Also abseits davon, dass ihr hoffentlich den jeweiligen Titel zeitnah zum Release und damit zum Vollpreis gekauft habt? Lange her? Dachte ich mir. Geht mir natürlich genauso. Sollteen wir vielleicht mal wieder tun. Und wenn es nur ein Forumposts auf Steam ist. Fühlt sich garantiert auch super an.

In einer Zeit, wo dank des Internets eine kleine vokale Minderheit die Stimmung vorgibt, ist es denke ich massiv an der Zeit für die zufriedene aber schweigende Mehrheit von Spielern mal den Mund aufzumachen und der Hasswelle entgegen zu treten egal wie sehr wir uns dabei selbst zur Zielscheibe machen (wie ich nun mit diesem Eintrag). Und bevor einer dieser GamersGate-Volltrottel reinspringt: Nein, Hass und Kritik sind zwei völlig unterschiedliche Sachen. Hass ist das, was ich euch gegenüber empfinde wenn ihr mal wieder den Mund aufmacht und mit den ewig gleichen fadenscheinigen Argumenten versucht von der Tatsache abzulenken, dass euer vermeintlich nobles Vorhaben “Ethik im Journalismus verbessern” grandios gescheitert und in einer Wolke aus sex- und rassistischem Verhalten verpufft ist (quasi dahin zurück, wo es mit Zoe Quinn und ihrem rachesüchtigen Ex-Freund angefangen hat). Kritik ist zu sagen, dass ich nicht gut finde was ihr macht, weil ihr damit die gesamte Games-Kultur um 10, wenn nicht sogar 20 Jahre zurückgeworfen habt. Sarkeesians Polemik hin oder her (die Serie heißt nicht umsonst “Feminist Frequency”: Euer Verhalten gibt ihren Worten mehr Gewicht, als ihr sie damit schädigt. Wenn die Gegenreaktion so heftig erfolgt, scheint sie ja schließlich nicht ganz unrecht zu haben. Da könnt ihr noch so oft vereinzelte Beispiele von weiblichen Protagonisten aus den letzten 35 Jahren hervorholen oder die männliche Darstellung in Videospielen als vermeintliches Beispiel für die bereits vorhandene Gleichberechtigung in Videospielen schwingen. Im Gegenteil: Solange ihr eure Meinung nur reaktionsnär und unreflektiert hinausschreit, seid ihr nicht viel besser als sie.

Hasstriade

Die Zukunft der Videospiele laut GamersGate

Die Zukunft der Videospiele laut GamersGate
(Herstellerbild zu Barbie als Prinzessin der Tierinsel)

Das ist aber offensichtlich zu viel Aufwand für Personen, die die (selbstverständlich absolut führenswerte!) Diskussion anscheinend nicht verstanden haben (oder verstehen wollen) und sich stattdessen über Frauen aufregen, die etwas lockerer angezogen auf Twitch streamen (was ja jetzt auch verboten ist) und gleichzeitig Gleichberechtigung fordern. Kann ja nicht sein. Sie würden sich ja nicht so anziehen, wenn sie nicht die sexistischen Kommentare haben wollten! Alles Hypokriten, diese Frauen! Erst wenn sie ihren Körper völlig kurvenneutral in einer Burka verstecken, dann dürfen sie anfangen sich zu beschweren. Aber bitte nur in ihrem stillen Kämmerlein, in das sie sich nach dem Prügeln und Vergewaltigen zurückziehen und in den Schlaf weinen. Ansonsten bestünde ja die Gefahr, dass unser Hobby weiter erwachsener und gesellschaftsfähiger wird und wir es mit einem Menschen teilen müssten, der genauso Spaß dran hat wie wir (oder vielleicht sogar mehr?). Gott bewahre!

Doch ich habe natürlich keine Ahnung. Dadurch, dass ich dies hier schreibe, oute ich mich selbstverständlich als einer dieser verkappten Social Justice Warriors/White Knights, die das nur sagen, um mit besagten Frauen ins Bett springen zu können. Ich sehe mich auch ganz klar für das beste Beispiel dafür, wie wunderbar diese Taktik funktioniert. So als 30jähriger Single, der mit seiner rechten Hand verheiratet ist und mit Damen wie Carla Brown und Melanie Walsh (ja, das sind “leider” tatsächlich reale Personen :smile: ) eine überraschend teure Fernbeziehung führt. Warum wollen die nur immer meine Kreditkartennummer wissen, bevor ich mit ihnen Skypen darf?! Ach egal. Wird schon passen. Freundinnen sind teuer sagt das Klischee.

Bitte? Das war dem GamersGater jetzt aber echt zu polemisch? Der ist doch gar nicht so und darum ginge es ja auch gar nicht, sagt er. Pech gehabt. Du hast dich mit deinen Aussagen und deinen Hashtags ganz von selbst in diese Ecke manövriert. Ich könnte natürlich nur für dich eine Dose Mitleid aufmachen, aber die Herstellerfirma hat wegen dir und deinen Kollegen gerade Lieferschwierigkeiten und mein Vorrat ist leider alle. Musst du also nun damit Leben. Könntest natürlich auch dein Verhalten ändern und etwas mehr Weitblick zeigen oder zumindest einen anderen Hashtag suchen, um deine noblen Ansichten zu vertreten. Aber das ist ja anstrengender als 140 Zeichen auf Twitter hinzuscheißen, sich danach so richtig toll zu fühlen es allen gezeigt zu haben und bei jeder Kritik wieder loszubellen.

ARGH!

Symbolbild des Kampfes (Herstellerbild von Hotline Miami 2)

Symbolbild ohne offensichtlichen Zusammenhang
(Herstellerbild zu Hotline Miami 2)

Jetzt sind wir gerade massiv vom Thema abgeschweift und werden nach dieser Keule auch heute nicht mehr zurückkehren. Aber mir geht die Sache mittlerweile so dermaßen auf den Geist, das lässt sich gar nicht in Worte fassen. Wenn ich Twitter aufmache und schon wieder ein Lernunfähiger seinen Mund in einer Art und Weise aufmacht, bei der ich im Anschluss am liebsten vorbeifahren und ihnen eine runterhauen würde, dann nervt das. Zum Glück ist Gewalt keine Lösung (und die Benzinpreise trotz niedrigem Ölpreis immer noch zu hoch für solche Späße).

Das heißt natürlich nicht, dass die Anti-GamersGate-Seite komplett frei von jeder Schuld ist. Wo scharf geschossen wird, wird auch scharf zurückgeschossen. Aber um (natürlich vollkommen bewusst) ein Beispiel aus der Zeit der Hexenjagd zu nehmen: Anti-GamersGate ist die Gans auf der einen Seite der Waage, GamersGate die hübsche Jungfrau auf der anderen. Der Unterschied ist nur, dass damals die Jungfrau anschließend qualvoll auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Bei GamersGate sind wir bei diesem Schritt leider noch nicht angekommen. Aber er wird kommen. Da bin ich mir sicher. Ansonsten würde es nämlich zeigen, dass PEGIDA doch Recht hat. Und das wäre traurig, um mal kurz politisch zu werden und den Kreis zurück zur Burka zu ziehen.

Also beruhigt euch vielleicht alle mal wieder und versteht endlich, dass die Feministen nicht euer Hobby zerstören wollen und diskutiert sachlich über das Thema statt immer nur die Person anzugreifen, die es euch vor die Nase setzt. Danke. Ihr kennt doch sicherlich auch das Sprichwort: Meinen Freunden bin ich nah, meinen Feinden näher. Und aktuell sind wir weiter voneinander entfernt als die Gräben in der französischen Erde im ersten Weltkrieg.

Epilog

Hach, wie schön waren noch die Zeiten, als der schlimmste Feind für unser Hobby noch Jack Thompson oder Günther Beckstein hieß. Da haben wir unser liebstes Hobby noch gemeinsam verteidigt statt es jetzt aus falschem Stolz oder so gemeinsam von innen heraus die damals geleistete Arbeit wieder komplett zu zerstören.

Dabei ist die Frage nach der Ethik im Journalismus bekanntlich eine, die weiterhin definitiv gestellt gehört. In einer Zeit, wo Journalisten extrem schlecht bezahlt werden und ein Spielemagazin (Eurogamer) nicht nur eine, sondern gleich zwei Gaming-Conventions abhält (EGX und EGX Rezzed) und nun sogar als Publisher für Indietitel auftritt, ist das so aktuell wie nie. Und nein, dass diese Sachen offiziell vom Mutterkonzern Gamers Network produziert werden, macht die Sache nicht besser – es wird nur geschickter verschleiert. Siehe auch meinen Eintrag von 2012 (!).

Ich wünsche eine angenehme Woche!

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