Sicarius

Ein tödliches Notizheft im Klassenzimmer

Nein, ich habe Sailor Moon immer noch nicht komplett durch (sind ungefähr bei der Hälfte). Ist durchaus anstrengend diese Serie. So wenig Story verpackt in zu viele gleichförmige Episoden. Ja, natürlich ist das Original von 1992 komplett auf die Zielgruppe „Kinder“ ausgerichtet und das verstehe ich auch. Trotzdem ertrage zumindest ich das Ganze nur in kurzzeitigen Dosen. Zum Glück gibt es dort draußen ein schier unglaubliches Angebot an Anime-Serien unterschiedlichster Genres, die man zwischendurch einschieben kann. Darunter diese zwei Machwerke, die wir mittlerweile durchhaben:

(Cover)

Death Note (2006, Anime-Serie mit 37 Episoden, DV) – Die grundlegende Geschichte dürfte bekannt sein: Es gibt ein Notizbuch. Schreibt man dort einen Namen hinein, stirbt diese Person. Unzählige Filme, Serien und Büchern haben diese Prämisse bereits genutzt und daraus spannende Geschichten gesponnen. Im Falle von Death Note gibt es mehrere solcher Bücher. Sie sind normalerweise im Besitz der Todesgötter (Shinigami) und gelangen nur selten in die Menschenwelt. Aber dem Todesgott Ryuk ist es zu langweilig mit seinen Kumpels im Jenseits Karten zu spielen, also lässt er seines mal wieder fallen. Anschließend wird es vom intelligenten und nicht weniger gelangweilten High-School-Studenten Light Yagami gefunden, der zuerst nicht an seine Wirkung glaubt aber der Neugierde nicht widerstehen kann. Er tötet also mit dem Buch seinen ersten Menschen und es beginnt eine beispielslose Mordserie, die Light damit rechtfertigt eine bessere Welt schaffen zu wollen ohne Kriminalität. Dass dabei die Polizei nicht tatenlos zusehen kann, obwohl es technisch gesehen erst einmal nur verurteilte Bösewichter trifft, dürfte logisch sein. So beginnt ein extrem spannendes Katz- und Mausspiel mit einer Person namens „L“, die Light unbedingt zur Strecke bringen möchte. Ja, ich weiß: Das ist nur die halbe Wahrheit. Aber ich will ja nichts spoilern :smile: .

Death Note (Herstellerbild)

Als Zuschauer weiß man natürlich von Anfang an was Sache ist und wer hinter dem Death Note steckt. Und ehrlich gesagt ist auch der Ausgang der Geschichte vorhersehbar obwohl ich mir sehr gewünscht habe, dass es anders kommt. Dennoch ist es äußerst reizvoll mit anzusehen, wie der Schlagabtausch zwischen Light und L abläuft. Dabei muss ich zugegeben, dass ich beide Hauptfiguren nicht besonders mag. Light ist der eingebildete Fatzke, der sich übermenschlich fühlt und seine Freundinnen schlecht behandelt. L ist ebenso alles andere als ein perfekt in die Gesellschaft integrierter Mensch. Entsprechend war es für mich weniger ein Mitfiebern wer von beiden am Ende gewinnt. Stattdessen lebt für mich die Geschichte vor allem davon zu sehen wie weit Light geht und zu erfahren was das Death Note noch alles kann bzw. welche Einschränkungen es hat (man möchte ja darüber fantasieren was man tun würde, wenn man sowas hätte). Zu sehen wie L und die Polizei vorgeht, um ihn zu schnappen sowie natürlich dem dazugehörigen „Wird er jetzt erwischt?!“ und den überraschenden Wendungen verstärkt zusätzlich den Drang weiter zu schauen. Wobei es von den Wendungen fast schon ein paar zu viele gibt. Der Serie hat einfach alles, was für mich einen guten Krimi ausmacht (siehe u.a. Michael Manns HEAT).

Beim Christoph meint: Von mir gibt es 4 von 5 Sics. Den 5. Sic gibt es ausschließlich aus persönlichen Gründen nicht. Zum einen war ich von der ein oder anderen Wendung enttäuscht, weil es aus meiner Sicht die Sache nur unnötig in die Länge gezogen hat und zum anderen hätte ich mir wirklich ein anderes Ende gewünscht (so spannend das tatsächliche Finale auch ist). Ansonsten ist die Serie wirklich erstklassige Krimiunterhaltung und eine absolute Empfehlung für alle, die es etwas spannender und düsterer haben wollen. Ich wüsste nicht, dass ich mich während dem Schauen gelangweilt hätte. Im Gegenteil sind wir durchaus das ein oder andere Mal später ins Bett, weil ich unbedingt die Auflösung des fiesen Cliffhangers noch sehen wollte :smile: .

(Cover)

Assassination Classroom (2015/2016, Anime-Serie mit 47 Episoden [2 Staffeln], DV) – Eine Klasse voller angeblicher Looser (=Schüler mit schlechten Noten) irgendwo oben auf einem japanischen Berg, abgestempelt von der Schulleitung und verhöhnt von den Mitschülern im Hauptgebäude. Klingt nicht gerade aufmunternd oder gar originell. Aber sie haben einen Auftrag von der japanischen Regierung: Ihr Klassenlehrer ist ein gelbes Tentakelmonster, das angeblich den Mond gesprengt hat (zumindest zur Hälfte). Ihre Aufgabe: Ihn bis zum Ende des Schuljahres zu töten, weil er sonst die Erde zerstört. Gar nicht so einfach, schließlich kann sich das Monster mit Mach 20 bewegen und damit jedem Angriff ausweichen. Anders als bei Death Note beginnt nun aber kein Katz- und Mausspiel. Nein, Koro-Sensei wie sie das Monster nennen, bemüht sich sehr um seine Schüler und möchte, dass sie besser werden – sowohl in der Schule als auch als Menschen. Dieses ganze „Töten“ ist da nur ein weiteres Lehrmittel für ihn, um dieses Ziel zu erreichen.

In der ersten Staffel (22 Episoden) geht es vor allem darum Koro-Sensei und die einzelnen Schüler besser kennen zu lernen (und sie sich). Das funktioniert erstaunlich gut, immerhin reden wir von am Ende 28 Schülern, drei Lehrern und diversen (dreidimensionalen) Bösewichtern. Man kann sich vielleicht nicht alle Namen merken aber am Ende der Serie lässt sich festhalten, dass irgendwie alle mal zum Zug kamen, ihre Folge im Rampenlicht hatten und eine Entwicklung durchmachten. Natürlich gibt es 2-3 Schüler, die besonders herausstechen wie z.B. den intelligenten Strategen oder die begabte Wissenschaftlerin. Aber die Serie nimmt sich tatsächlich die Zeit euch alle nahe zu bringen ohne dabei irgendwie langweilig zu werden oder nach Schema F vorzugehen. Stattdessen hat selbst in der 1. Staffel jede Folge einen Mehrwert. In Staffel 2 wird dann logischerweise das Tempo erhöht. Schließlich kennt man nun die Schüler und das Ende des Schuljahrs naht. Der Fokus verschiebt sich mehr hin zu was und warum Koro-Sensei existiert, wie die ganze Situation zustande gekommen ist und wie alle Beteiligten damit umgehen.

Assassination Classroom (Herstellerbild)

Dabei ist es angenehm, dass sich die Serie nicht zu ernst nimmt. Koro-Sensei ist eben nicht das böse Monster, dass alle vernichten will. Er steht auf große Brüste, mag Süßigkeiten, kriegt zu wenig Gehalt, etc. was eine gewisse Komik in die Sache bringt. Dadurch rückt hin und wieder die eigentlich ernste Lage (die Zerstörung der Erde) in den Hintergrund und es entsteht Luft zum Atmen sowohl für den Zuschauer als auch die Charaktere ohne, dass es gleich zu einer Filler-Episode verkommt.

Beim Christoph meint: Von mir gibt es volle und uneingeschränkte 5 von 5 Sics. Ich habe immer mal wieder vom Assassination Classroom gelesen und in den Buchhandlungen etwas reingeschnuppert, fand aber die Prämisse irgendwie zu abgefahren und wusste entsprechend nicht, ob mir der Manga wirklich gefallen würde. Nachdem ich nun aber die Serie gesehen habe muss ich ganz klar sagen: Das ist der bislang beste Anime, den ich gesehen habe (und die ersten 5 Sics für einen). Er war lustig, spannend, mitreißend und einfach durchweg unterhaltsam. Umso heftiger hat mich das Serienfinale getroffen… Unbedingt Anschauen!

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