Sicarius

Ein Königreich im Wilden Weltraum

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Okay, ich weiß: Es fängt langsam an zu nerven aber es ist das letzte Mal. Versprochen! Also zumindest bis zum Release des vierten DLC. Ja, ich habe Kingdom Come: Deliverance endlich durchgespielt. 117 Brutto- und 85 Nettospielstunden hat es gedauert für das Hauptspiel inkl. 100% der Nebenquests, 60/71 Erfolgen sowie die derzeit erhältlichen drei DLCs. Ich könnte theoretisch ohne Neustart noch vier weitere Achievements freischalten (werde Alkoholiker, Finde alle Schreine und Kreuze, führe 100 Kombos im Kampf aus und gewinne 1.000 Groschen im Würfelspiel) aber ich glaube das hebe ich mir auf für A Woman’s Lot (der bereits angekündigte 4. DLC). Nach über vier Monaten fast nur mit diesem Titel ist es jetzt erst einmal genug mit dem Mittelalter. Einen zweiten Durchgang z.B. im Hardcoremodus (kein UI, keine automatischen Speicherstände, etc.) wird es so schnell definitiv nicht geben.

Das liegt aber nur an mir und sagt nichts über die Qualität des Spiels aus. Die finale Wertung für Kingdom Come: Deliverance ist – wenig überraschend – 5 von 5 Sics. Der 61. Erfolg blieb mir wegen eines Bugs zwar verwehrt, die Performance in den Schlachten im Finale war oft grenzwertig und der geballte Loredumb zum Abschluss (die Endsequenz besteht aus fünf Minuten politischen Erläuterungen) war nicht so der Brüller. Ach und mit dem Patch 1.8.1 (5. Februar 2019) wurde die Möglichkeit entfernt Überladen (es gibt ein Tragelimit) mit eurem Pferd zu reiten, was etwas nervig ist selbst wenn es dem Realismus tut gut. Aber das Gesamtpaket hat einfach gepasst. Kingdom Come: Deliverance war und ist ein großartiges Rollenspiel. Ein großartiges Rollenspiel mit immer noch vielen Bugs und technischen Problemen aber trotzdem ein großartiges Rollenspiel, dass ich euch nur wärmstens ans Herz legen kann :smile: . Ich freue mich auf Teil 2, auch wenn meine persönlicher Hypelevel durch den Aufkauf von Warhorse Studios von THQ Nordic etwas gedämpft wurde.

Die Zusatzinhalte

Und wie sieht es mit den DLCs? Nun, da sie sich nahtlos ins Spiel integrieren würde ich sie durchaus bei reduziertem Preis allen empfehlen, die es noch nicht durchgespielt haben. Sie bieten jeweils ein paar Stunden zusätzliche Unterhaltung für das sowieso schon umfangreiche Spiel. Aber ich kann die Kritik derjenigen verstehen, die schon das Ende gesehen hatten und quasi nur wegen den DLCs nochmal reinschauten. Dafür bieten sie tatsächlich für den normalen Preis (10 bzw. 8 Euro) dann doch nicht viel Neues und sind vor allem für hochlevelige Charaktere ein Klacks.

Kingdom Come: Deliverance – From the Ashes (Herstellerbild)

Im 1. DLC, From the Ashes, werdet ihr als Verwalter des Ortes Pribyslawitz eingesetzt und bekommt die Aufgabe ihn wiederaufzubauen. In der Praxis bedeutet dies haufenweise Groschen (die Währung des Spiels) zu sammeln und aus einem Buch das als nächstes zu bauende Gebäude auszuwählen (die Lokation ist festgelegt). Anfangs gibt es jeden Tag auch noch einen Disput zwischen den Dorfbewohnern, den ihr lösen müsst (im Prinzip nur eine ja- oder nein-Entscheidung) und ihr habt die Möglichkeit Charaktere aus der restlichen Spielwelt für Aufgaben in eurem Dorf anzuwerben. Das bringt euch dann ein paar Groschen mehr Einnahmen pro Tag als mit den Standardarbeitern. Und das war’s. Da das Dorf zudem komplett ab von den normalen Wegen liegt und ihr (wie so oft in Rollenspielen) zu dem Zeitpunkt vermutlich sowieso schon keine Geldprobleme mehr haben werdet, spielt es leider nach Abschluss der Bauarbeiten keine Rolle mehr. Wie heißt es so schön? Verschenktes Potential.

Aber immer noch besser als The Amorous Adventures of Bold Sir Hans Capon, DLC Nr. 2. Darin sollt ihr dem namensgebenden Sir Hans Capon dabei helfen die Metzgertochter zu bezirzen. In der Praxis sind es drei Quests, die es zu erledigen gilt. Eine führt euch in ein Banditenlager in dem ihr an einem Würfelturnier teilnehmt, in der zweiten sollt ihr ein Dorf in Angst und Schrecken versetzen und die dritte ist dann die eigentliche Umgarnung der Metzgertochter. Hauptproblem des DLCs ist noch stärker als im Hauptspiel, dass ihr durch die falsche Auswahl in den Dialogen den Großteil der gestellten Aufgaben komplett umgehen könnt. Das mag realistisch und im Sinne der spielerischen Freiheit sein, ist aber natürlich ärgerlich für den unachtsamen Spieler der z.B. den Trank einfach kauft statt die umfangreiche Quest dafür zu erledigen. Kein Wunder, dass sich damals nach der Veröffentlichung viele über den nicht vorhandenen Spielumfang beschwert haben. Geht ihr hingegen nicht die Abkürzungen, dann ist zumindest der Dorf-Quest eine ganz nette und amüsante Aufgabe. Trotzdem: 10 Euro sind definitiv zu viel verlangt.

Kingdom Come: Deliverance – Band of Bastards (Herstellerbild)

Vielleicht auch ein Grund, warum der dritte und bislang letzte DLC, Band of Bastards schon von Haus aus nur acht Euro kostet. Dafür gibt es eine etwas längere Nebenaufgabe (4 Hauptmissionen und eine Miniaufgabe – je nach Charakterlevel 2-4 Stunden Spielzeit), die einen starken Fokus auf Gruppenkämpfe legt (ihr mit NPCs gegen andere NPCs). Wie der Name schon andeutet, schließt ihr euch darin einer Gruppe von Söldnern an, die durch das Land streifen und Jagd auf eine andere Truppe machen. Die Söldner sind theoretisch einzigartige und interessant gestaltete Charaktere. Leider leiden sie unter dem CSI-Syndrom: Es gibt nur häppchenweise servierte Dialoge zwischen den Missionen. Das Ergebnis ist sehr oberflächlich und fühlt sich zudem unnatürlich an. Und auch die beworbenen „unterschiedlichen Enden“ sind jetzt nichts wo ich sagen würde „Jep, das hat mich umgehauen und war total überraschend“.

Wie gesagt: Als Teil des Großen und Ganzen funktionieren die DLCs und fügen sich ganz gut in das Hauptspiel ein. Aber als eigenständige Inhalte sind sie weder in Sachen Länge noch Qualität 28 Euro wert. Dann lieber auf den nächsten 50%-Deal warten.

Was nun?

Und damit habe ich aus meiner Sicht zwar nicht alles gesagt, was ich zu Kingdom Come: Deliverance sagen könnte. Aber ich behaupte mal, dass drei Einträge reichen völlig egal wie gut das Spiel auch sein mag :smile: . Zeit sich wieder auf die Suche zu begeben nach dem nächsten Titel zum Durchspielen.

„Einer“ davon wird vermutlich die Space Pillgrim Saga sein. Das ist eine Serie aus derzeit sieben RPGMaker-Titeln für sehr kleines Geld, die aber mit Rollenspiel überhaupt nichts zu tun haben. Stattdessen sind es Adventure ohne viel spielerischen Tiefgang und einem starken Fokus auf die Erlebnisse von Gail Pilgrim und ihr Sternenschiff Quicksilver. Nichts, was einen Hardcoregamer vor den Ofen hervorlocken wird aber wirklich nett gemacht. Amüsant finde ich übrigens, dass die Spielzeit mit jedem weiteren Titel zunimmt (Episode I hat man nach nicht einmal einer Stunde durch – die neueren dauern um die fünf Stunden). Man merkt, dass die Entwickler immer mehr Erfahrung gesammelt haben :smile: . Bin bereits in Episode III und muss sagen: Für maximal 10 Euro (aktuell sogar nur 6 Euro) kann ich mich absolut nicht beschweren. Ja, es ist ein „RPGMaker-Asset-Flip“ (wobei ich das nicht ganz so negativ sehe wie manch‘ anderer) und mehr Visual Novel als Spiel. Aber die Geschichte ist interessant und wird gut erzählt. Das reicht mir für Zwischendurch.

12 is Better Than 6 (Herstellerbild)

Nummer Zwei ist 12 is Better Than 6, das handgezeichnete Hotline Miami im Wilden Westen. Die Story ist nicht einmal ansatzweise so psychedelisch und krank wie bei der Konkurrenz und auch die Gewaltdarstellung nicht so extrem. Spaß macht das bekannte Spielprinzip aus Schleichen und hektischen Kämpfen aber trotzdem (oder gerade deswegen?). Ihr spielt einen mexikanischen Sträfling mit Gedächtnisverlust, der in den 1870er Jahren in den USA ums Überleben und seine Freiheit kämpft. Neben dem einzigartigen Look unterscheidet sich das Werk von Ink Stains Games vor allem durch sein im Vergleich etwas gemächlicherem Spieltempo und dem kompletten Fehlen der Arcadekomponente (keine Multiplier durch Killcombos hochjagen). Was nicht heißt, dass ihr auf bedachtes Vorgehen und hektische Kämpfe verzichten müsst. Dafür sorgt schon allein die übersichtliche Waffenauswahl (nicht werfbar!) mit ihren zusätzlichen, spielerischen Anforderungen. Einfach die LMT drücken ist nicht. Stattdessen gilt es vor jedem Schuss erst den Hahn an eurem Revolver (RMT) zurückziehen, bevor ihr abdrücken könnt. Und ist die Trommel leer, heißt es erst einmal nachzuladen oder eine Alternative aufzuheben. Wenn euch ein paar Banditen auf den Fersen sind, kann das durchaus mal in Stress ausarten – bedeutet anders als bei der Konkurrenz aber nicht gleich den sicheren Neustart. Nach rund 1 1/2 Spielstunden muss ich ehrlich zugeben, dass es mich aktuell mehr motiviert als endlich Hotline Miami 2: Wrong Number fertig zu spielen. Vermute das liegt vor allem am sehr hohen Schwierigkeitsgrad des großen Vorbilds. Aber mal schauen wie sich 12 is Better Than 6 in der Hinsicht noch entwickelt.

Und mit diesen Ultrakurzeindrücken gebe ich ab bis Montag. Viel Spaß beim Zocken!

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