Sicarius

Christophs Top Fünf Spiele des Jahres 2020

Man mag es kaum glauben, aber ich hab’s geschafft: Ich habe die komplette 8. Konsolengeneration verpasst (2011-2020) – zumindest was die stationären Vertreter angeht. Ein Nintendo 3DS und eine PlayStation Vita haben ungewöhnlicherweise doch ihren Weg in meinen Haushalt gefunden. Aber eine Playstation 4 oder Xbox One? Nope, nada, überhaupt nicht. Und ich habe aus meiner persönlichen Sicht auch nichts verpasst. Ja, speziell auf der PlayStation 4 gibt es tatsächlich noch den einen oder anderen Exklusiv-Titel wie God of War oder Uncharted 4: A Thief’s End, der vermutlich nie seinen Weg auf den PC finden wird. Aber unterm Strich gab es im Nachhinein betrachtet irgendwie nicht wirklich viele Gründe sich so ein Ding anzuschaffen. Eine Xbox One sogar noch weniger als eine PlayStation 4 seitdem Microsoft extrem kundenfreundlich geworden ist und einfach alles überall veröffentlicht. Insofern schiele ich zwar aktuell ab und zu mal auf eBay auf eine PlayStation 4 Pro, weil nun bekanntlich jeder Depp seine Konsole mit einem ganzen Stapeln von Spielen verkauft. Ich bezweifle jedoch, dass ich jemals zugreifen werde. Höchstens mal bei einer Switch aber die ist ja bekanntlich außer Konkurrenz.

Mein Konsum

Ein Teil der (noch unsortierten) Einkäufe 2019/2020)

Andererseits wären die Konsolen vermutlich sowieso verstaubt. In mittlerweile guter, alter Tradition waren nämlich meine Xbox 360 und meine PlayStation 3 im Jahr 2020 erneut kein einziges Mal an trotz immer noch sehr vieler ungespielter Titel dafür. Okay, stimmt nicht ganz: Maya hat es mal geschafft den Auswerf-Knopf an der Xbox 360 zu aktivieren. Aber das zählt logischerweise nicht :smile: . Es is‘ wie’s is‘: Ich war, bin und werde vermutlich nie ein Konsolero. Dafür ist das Angebot auf dem PC schlicht viel zu groß ist.

Neu gekauft habe ich dieses Jahr entsprechend ausschließlich PC-Spiele. Darunter ca. 40 physische Boxen – davon mit DOOM Eternal und World of WarCraft: Shadowlands sogar zwei Day-1-Käufe. Alles andere war mehr oder minder alter Scheiß (z.B. die letzten Need for Speed-Titel). Ach und die eine oder andere abgeschlossene Crowdfunding-Kampangen mit physikalischer Box wie Wasteland 3 oder Iron Harvest gab es ebenfalls. Die müsste ich technisch gesehen zu den Day-1-Käufe zählen aber so genau brauchen wir das an dieser Stelle nicht.

Bundles ftw.!

Zu den physischen Sachen kamen dann noch ein paar Dutzend digitale Käufe über Steam und ja, den Epic Games Store. Dank des ewigen 10-Euro-Gutscheins, der erst im November ausgelaufen ist gab es doch das ein oder andere Schnäppchen dort zu holen. Darunter Sachen wie The Outer Worlds oder Control Gespielt habe ich davon logischerweise exakt noch gar nichts. „That’s the Gamer Life“ oder so?

Wir sind allerdings noch nicht fertig, was die digitalen Käufe angeht: Buchstäblich mehrere hundert weitere Titel sind dank Humble Bundle und Fanatical für Peanuts in meiner Steam-Bibliothek gelandet sind. War da sicherlich einiges an Schund dabei? Garantiert. Aber bei teilweise nur zwei Euro für 6-10 Titel reichts, wenn einer davon was taugt und das war bislang der Fall – zumindest, wenn man um IndieGala einen Bogen macht. Deren Bundles enthalten den schlimmsten Rotz, den man auf Steam kaufen kann und sind entsprechend höchstens für Trading-Card-Sammler interessant. Die Bundles sind auch eine gute Gelegenheit mal billig über den Tellerrand zu schauen, wie beispielsweise mein Ausflug ins Land der Wimmelbildadventures gezeigt hat. Und ja, ich habe mittlerweile sogar das Luxusproblem, dass in den Bundles gar nichts mehr drin ist, was ich noch gar nicht habe. Da sieht man mal, wie oft sich in einem Jahr die Inhalte solcher Bundles wiederholen.

Mein Spielejahr 2020

Euch interessiert aber selbstverständlich nicht, was ich alles so gekauft habe, sondern was ich tatsächlich gespielt habe. Das war dank mittlerweile neun Monaten Home Office tatsächlich etwas mehr als 2019. Sonst kam ich unter Woche eher selten dazu mich abends mal an den Rechner zu setzen, weil wir meist erst spät nach Hause kamen und/oder anderes zu tun war. Heuer war das anders. Nach dem Ausbuchen am Firmenlaptop einfach den Knopf am USB-Switch gedrückt und schon konnte ich loszocken, ohne mich großartig bewegen zu müssen. Faulheit in Perfektion quasi.

In Bezug auf die Art und Weise meines Zockens bin ich hingegen dem Trend der letzten Jahre treu geblieben und habe mich fast durchweg auf ein Spiel gleichzeitig konzentriert bis die Credits über den Bildschirm liefen. Nur, wenn es mir wirklich massiv auf den Geist ging (wie beispielsweise SUPERHOT: MIND CONTROL DELETE) wurde es zur Seite gelegt und was anderes gestartet. So erlebe ich zwar insgesamt mittlerweile wesentlich weniger Titel als früher (trotz meiner Einkäufe im vorherigen Absatz) aber am Ende des Tages ist es glaube ich doch das bessere Spielerlebnis.

Die Liste

Kommen wir nun nach fast anderthalb DINA4-Seiten Vorgeplänkel mal zum Hauptthema des heutigen Eintrags: Meine Top Fünf der Spiele des Jahres 2020, die jedoch nicht zwingend heuer erschienen sein müssen. Wir sind hier schließlich nicht bei den Beim Christoph NOCAs. Das einzige Ausschlusskriterium für diese Liste ist, dass der Titel nicht schon einmal Teil einer Top Fünf war. Magic: The Gathering – Puzzle Quest fällt damit hinten runter. Das war zwar 2020 erneut mein einziges auf dem Smartphone gezockte Spiel. Es stand aber bereits 2018 auf der Liste. Ach und ich habe es tatsächlich mittlerweile komplett aufgehört zu spielen. Es wurde dann doch irgendwie zu viel in Sachen Zeit- und Geldinvestition bei stark sinkendem Spaßfaktor. Endlich wieder mehr Zeit für Kairosoft-Spiele :smile: .

Wie so oft führen die meisten Links zu Amazon und hier sind sie nun, meine fünf Top-Spiele des Jahres 2020:

DOOM Eternal (Herstellerbild)

1. DOOM Eternal inkl. The Ancient Gods – Part 1 (2020; Stadia, PC, NSWI, PS4, XONE) – Ich hatte kurz überlegt, ob ich The Ancient Gods – Part 1 wie Bethesda als eigenständigen Titel zähle aber hier Beim Christoph haben wir solche Betrügereien nicht nötig, nur um irgendwelche Listen voll zu kriegen. Verdient hätte es der DLC sicherlich, der konsequent an das Hauptspiel anknüpft und „schon“ auf Ultra-Violence alles von mir gefordert hat, was ich an FPS-Skills habe – dabei war schon DOOM Eternal eine Sache für sich. Und das ist absolut positiv gemeint.

Während sich der Trend der „Boomer-Shooter“ (was für ein bescheuerter Name) gefühlt nur darauf begrenzt Nostalgie hervorzurufen aber nichts wirklich Neues beizutragen, hat id Software aus meiner Sicht das Genre tatsächlich sinnvoll weiterentwickelt. Das Ergebnis ist ein gleichzeitig moderner und doch kompromissloser Shooter ohne Firlefanz. Er ist nicht nur wie die Call of Duty-Konkurrenz technisch beeindruckt, sondern auch Spielerisch durchweg erste Sahne ist. Außerdem – und ich glaube, dass macht für mich den großen Unterschied – hatte ich seit langem mal wieder das Gefühl dank der (taktischen) Herausforderungen des Titels ein insgesamt besserer FPS-Spieler geworden zu sein. Ja, ich bin dafür sehr viele Tode gestorben aber es hat sich in jeder Hinsicht gelohnt.

Kult: Heretic Kingdoms (Herstellerbild)

2. Kult: Heretic Kingdoms (2004; PC, MAC) – Hätte echt nicht gedacht, dass mir dieser uralte ARPG-Schinken so viel Laune bereitet. Andererseits ist es eben kein klassisches ARPG aus dieser Zeit. Ja, auf den ersten Blick sieht es so aus wie Diablo, Sacred und Co. Doch die spielerischen Überschneidungen hören tatsächlich sehr schnell auf. Stattdessen haben die Slowaken dem Genre ihren eigenen Spinn verpasst. Allen voran natürlich dank des ungewöhnlichen „Einklang“-Systems (zur Erinnerung: ihr schaltet neue Fähigkeiten über das Benutzen eurer Ausrüstung frei). Aber auch in anderen spielerischen Aspekten wie Anzahl Gegner pro Karte, das (langsame) Wiedererscheinen derselben oder die auf Knopfdruck verfügbare Parallelwelt. Es ist vermutlich irgendwas zwischen Solo-Rollenspiel und Hack ’n‘ Slash und es funktioniert überraschend gut.

Die Geschichte hat hingegen zwar nicht die bombastischen Zwischensequenzen eines Diablo II zu bieten. Es war aber trotzdem sehr spannend in die Rolle einer Inquisitorin zu schlüpfen, die im Laufe des Spiels – je nachdem wie ihr euch entscheidet – die Welt nicht mehr ganz so schwarz und weiß sieht wie am Anfang. Man könnte auch sagen, es fand eine Charakterentwicklung statt und es wurde keine 08/15-Heldengeschichte erzählt. Definitiv ein echter Geheimtipp, den ich froh bin nach all den Jahren entdeckt zu haben.

ZOMBI (Herstellerbild)

3. ZOMBI (2012; WiiU, PC, PS4, XONE) – Da hat sich quasi kurz vor Redaktionsschluss noch jemand vorgedrängelt. Aber ja, ich war von ZOMBI extrem positiv überrascht und bin froh, dass ich dem Titel trotz der höchstens mittelmäßigen Wertungen eine Chance gegeben habe. Es mag in jeder Hinsicht kein AAA-Werk sein. Die Entwickler waren sich ihren Einschränkungen allerdings offensichtlich bewusst und haben buchstäblich das Beste daraus gemacht.

Das Ergebnis sticht gerade oder trotz einer Zeit, in der Survival-Horror-Titel den Markt buchstäblich überschwemmen hervor, eben weil es sich auf das Wesentliche konzentriert. Es gibt keine Crafting-Mechaniken abseits der Möglichkeit eine Tür zuzunageln und mit vorgegebenen Upgrades eure Waffen zu verbessern. Es bietet keine riesige, offene Welt. Es gibt ein echtes Ziel über „überlebe“ hinaus und es ist vor allem nicht auf Mehrspieler ausgelegt. Stattdessen bewege ich mich durch einen kleinen, abstrakten Teil von London mit einer übersichtlichen aber nicht weniger gefährlichen Anzahl an Zombies und treibe durch klare Aufgaben die Geschichte voran. Herrlich einfach, erfrischend und doch gleichzeitig extrem spannend und überraschend herausfordernd. Ein Budget-Resident Evil quasi.

Wolfenstein II: The New Colossus (Herstellerbild)

4. Wolfenstein II: The New Colossus (2017; PC, XONE, PS4, NSWI) – Wolfenstein: The New Order war der absolute Hammer. Wie DOOM (2016) eine gelungene Wiederauferstehung einer langen brachliegenden Serie mit neuen Ideen, welche die Nostalgie sinnvoll ergänzt/erweitert hat. Teil 2 kommt da ehrlich gesagt nicht ganz ran. Dafür ist mir der Ton zu inkonsequent (mal total albern, mal extrem bierernst), der Levelaufbau (zentraler Hub, immer wieder zurück in die gleichen Levels sowie die absolut schrecklichen Abwasserkanäle) nicht so ganz nach meinem Geschmack und es ist definitiv zu lang (bei mir 36 Stunden zu 11 Stunden beim Vorgänger). Es würde aber selbstverständlich nicht auf dieser Liste stehen, wenn es totaler Mist wäre.

Stattdessen sind die spielerischen Stärken des Vorgängers weiterhin vorhanden. Das Moment-to-Moment-Gameplay ist wieder extrem gelungen und die bis zu einem gewissen Grad non-linearen und offenen Levels erlauben es euch endlich es richtig auszuleben. Egal ob ich lieber schleiche oder mich waffenstrotzenden ins Getümmel stürze: Beides ist valide, geht fließend übereinander über und macht Spaß. Weil sich die Waffen gut anfühlen; weil die Gegner-KI nicht ganz so strunzdumm ist; weil ihr sehr agil seid und das Tempo entsprechend hoch. Und auch wenn die Geschichte sich wie gesagt immer mal wieder im Ton vergreift: Grundsätzlich war die Rückeroberung von Amerika eine unterhaltsame und spannende Sache.

Space Pilgrim Episode IV: Sol (Herstellerbild)

5. Space Pilgrim Saga (2015-2016; PC) – Okay, technisch gesehen habe ich noch nicht die komplette Saga durchgespielt. Mittlerweile gibt es nämlich noch eine Prequel-Trilogie und eine Art Spin-Off. Insofern: Ich rede nur von den ersten vier Episoden Alpha Centauri, Epsilon Indi, Delta Pavonis und Sol. Dort schlüpft ihr die Rolle von Gail Pilgrim, die zu Beginn der Serie ihren Lebensunterhalt als Raumschiff-Spediteur (Waren und Personen) verdient.

Gebaut mit dem RPG Maker haben die Titel technisch wie spielerisch nicht viel zu bieten. So merkt man zwar, dass die Entwickler im Laufe der vier Episoden an Erfahrung gewinnen, was sich auch in der Spielzeit widerspiegelt. Aber unterm Strich sind es eher anspruchslose Point & Click-Adventure mit einem fest vordefinierten Lösungsweg. Was die Serie für mich jedoch so toll macht ist die Geschichte und die dazugehörigen Charaktere. Dabei erlebt ihr nicht nur die Sicht von Gail, sondern schlüpft im Laufe der Episoden (ca. 10 Spielstunden) sogar in die Rolle ihrer Freunde. So gibt es nicht nur eine erzählerisch vorgegebene freundschaftliche Entwicklung zwischen allen, sondern mir wachsen die kleinen Pixelfrauen tatsächlich ans Herz und ich will wissen, wie es mit ihnen weitergeht. Ein kleines aber wirklich feines Machwerk.

 

Ja, ich habe tatsächlich mal wieder einen Titel in dem Jahr gezockt, in dem er erschienen ist. Bei einem Werk von id Software kann ich bekanntlich nur schwer „nein“ sagen. Doch genug davon. Ich habe erst einmal alles zu meinem Spielejahr 2020 gesagt, was mir einfällt. Kommen wir nun wie immer zu euch. Unter dem Eintrag von 2019 hat zwar niemand einen Kommentar hinterlassen, aber ich versuche es noch einmal euch hinter dem Ofen hervorzulocken: Wie war euer Spielejahr 2020?

3 Kommentare

Interessant – Zombi muss ich mir merken. Ich habe gerade erst das 2016er Doom angefangen und bin echt begeistert. Eternal wartet im Gamepass.

Wolfenstein II fand ich auch ziemlich genial. The Outer Worlds fand ich eher mittelmäßig – dazu habe ich bei GG letztens auch einen Beitrag in der DU-Galerie verfasst.

Inegsamt geht bei mir der Trend eher hin zu mittellangen Spielen. Alles andere dauert mit „1-2 Stunden pro Abend alle paar Tage“ einfach zu lange. Ausnahmen werde ich gerne für Wasteland 3 oder Cyberpunk machen. Aber das eilt nicht.

Hab ich echt letztes Jahr nichts kommentiert? Könnte schwören, dass ich mich darüber ausgelassen habe, dass ich – sinngemäß – außer Hustle Castle aufm Handy nix mehr anderes spiele… naja.

2020 war ein klein bisschen besser als 2019. Der Grund ist aber eher ein trauriger: ich war ja für ziemlich lange Zeit krankgeschrieben. Wie auch immer: wenn mich meine Liste nicht täuscht, habe ich in 2020 folgende Spiele durchgespielt:

Gears 5
Darkest Dungeon
Hard West
Battlefield V
Star Wars: Battlefront 2

Am besten haben mir von diesen fünf Titel tatsächlich die Außenseiter Darkest Dungeon und Hard West gefallen. Gears 5 war „ganz ok“ und durch Battlefield V und Battlefront 2 musste ich mich regelrecht quälen.

Dazu kam auch dieses Jahr viel zu viel Hustle Castle (mehr denn je) sowie ein wenig Train Sim World 2020 und Two Point Hospital.

Ob ich Metro Exodus tatsächlich in 2020 durchgespielt habe, oder schon 2019 kann ich tatsächlich nicht mehr mit Sicherheit sagen. War jedenfalls ein sehr gutes Spiel, dass ich jedem empfehlen möchte. Vielleicht spiele ich es sogar nochmal, wenn ich irgendwann mal eine potente Raytraycing-GPU mein eigen nennen darf.

Ansonsten ist mein gefühltes Interesse an Spielen tatsächlich eher wieder angestiegen. Allerdings bleibt die Zeit (und die nötige Energie..) ein Problem. Aber wer weiß, vielleicht bringt 2021 dahingehend ja wieder mal Besserung.

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