Die Synology DS218J (noch leer).

Die Vorstellung einen eigenen Server Zuhause stehen zu haben fand ich eigentlich schon immer schick. Ganz früher lief Killer’s World sogar mal einige Zeit dank Samba Server auf meinem damaligen Hauptrechner. Aber auch wenn ich über die Jahre immer mal wieder mit dem Kauf eines Network Attached Storage (NAS) geliebäugelt habe: Es gab einfach keinen Grund für mich einen zu besitzen. Die Webseite will ich heutzutage definitiv nicht bei mir hosten, die Anzahl der Endgeräte war äußerst überschaubar und die Notwendigkeit auf meine Daten selbst innerhalb des Netzwerks zuzugreifen war nur selten gegeben. Und wenn ich doch mal was mit jemand anderes austauschen wollte, konnte ich entweder die externe Festplatte einfach mitnehmen oder kurz den BulletProof FTP Server anschmeißen.

Mit zwei Personen im Haushalt sieht die Sache natürlich schon ganz anders aus. Lysanda will beim Basteln ihre heruntergeladenen Gesundsheitsvorträge auf dem Handy anhören/ansehen. Ich würde beim Wäsche aufhängen im Keller auf dem Handy gerne mehr hören als nur meine doch immer noch überschaubaren Bandcamp-Einkäufe. Auf der Couch wäre es ebenso praktisch digital vorliegende Filme, Fotos und Musik direkt über den Fernseher abspielen zu lassen statt immer den Laptop/eine externe Festplatte anschließen zu müssen. Und den Vorteil im Bett (und auf dem Klo) Zugriff auf alles zu haben, brauche ich sicherlich nicht separat zu erwähnen. Natürlich kann man die Daten auf jedes Endgerät ausspielen oder über externe Festplatten anhängen. Aber außer, dass man etwas Datensicherheit gewinnt (sie sind ja dann doppelt und dreifach vorhanden), ist das in Sachen Komfort einfach nur Mist. Ich will jetzt Lied x,y,z hören und genau das habe ich gerade nicht auf dem jeweiligen Endgerät drauf. Alles Gründe, warum wir entsprechend schon seit dem Hauskauf einen NAS auf unserer Einkaufsliste hatten aber wie so oft kam immer etwas Wichtigeres dazwischen. So ein NAS ist schließlich nichts so Essentielles wie Heizöl und kostet trotzdem sein Geld.

Das Zünglein an der Waage war nun mein Rechnerupgrade und die Befürchtung, dass meine alte externe Platte ihr Lebensende schneller als geplant erreichen würde. Bevor ich mir aber eine neue externe Festplatte nur für meine Daten kaufe, machte es mehr Sinn etwas tiefer in die Tasche zu greifen und uns endlich einen NAS anzuschaffen. Nun steht entsprechend neben der AVM FRITZ!Box 7490 ein schicker weißer Kasten.

Das Gerät

Die HDDs sind drin.

Die Wahl fiel auf eine Synology DiskStation 218j. Synology hat im Bereich der NAS einen sehr guten Ruf und ihre Sachen sind angeblich vor allem für Einsteiger hervorragend geeignet. Und warum die DS218j statt der DS218play? Nun, hauptsächlich wegen dem preislichen Unterschied. Ja, die play hat einen 64bit QuadCore-Prozessor mit 1,4Ghz sowie 1GB DDR4-RAM im Vergleich zum 32bit DualCore-Prozessor mit 1,3Ghz und 512MB DDR3-RAM der “j”-Variante. Leitungsmäßig macht das garantiert einen bemerkbaren Unterschied (für die Erzeugung der Vorschauansichten von ~150.000 Bildern hat er z.B. mehrere Tage gebraucht). Aber aktuell sowie in der mittelfristigen Zukunft ist der NAS für uns einfach nur ein Datengrab auf das wir mit diversen Endgeräten zugreifen wollen. Da brauchen wir aus meiner Sicht (und der bisherigen Erfahrung) die zusätzliche Power nicht. Es laufen eh nicht viele Anwendungen drauf und 4K-Video-Transkodierung ist absolut kein Thema für uns.

In den NAS haben wir dann zwei WD Red mit je 4TB verbaut. Auch wieder ein Kompromiss aus Preis und Leistung, da die 6TB fast das Doppelte kostet und wir zum Verfassungszeitpunkt mit 2TB auskommen (genauer gesagt 1,83TB). Und Western Digital Red auch wieder wegen ihrem guten Ruf langlebige Serverfestplatten zu sein. Der Einbau der Festplatten war ein Klacks (Deckel auf, reinschieben, festschrauben, Deckel zu) und die Inbetriebnahme der Hardware quasi innerhalb von wenigen Minuten erledigt. Da das Ding im Schrank steht (keine Angst: ohne Rückwand und nicht bündig mit der Wand – also Luft kann zirkulieren), kann ich die Lautstärke nicht wirklich beurteilen. Aber es gibt vier Lüfterstufen und Standardmäßig läuft der Lüfter im Silent-Modus (die zweitniedrigste). Ich habe ihn eine Stufe höher auf den Kühlmodus gestellt, höre ihn bei normaler Last nur wenn der Raum völlig still ist (weil der Schrank etwas vibriert) und habe im Ergebnis 36-40°C (derzeit sogar nur 28-30°C bei 21°C Außentemperatur und 0% Last), was für eine HDD im grünen Bereich ist. Und bei besagtem Mehr-Tages-Bilder-Indexieren war trotzdem bei 48°C Gehäusetemperatur Schluss. Perfekt!

Betriebsmodus

Beide Platten laufen im Synology Hybrid RAID-Modus, was bei zwei gleich großen Festplatten nach meinem Verständnis nichts anders als RAID 1 (Mirroring) bedeutet. Das war keine bewusste Entscheidung, denn ich habe bei der Ersteinrichtung schlicht nicht aufgepasst. Aber im Ergebnis ist es egal. Ein RAID ist bekanntlich kein echtes Backup (fackelt der NAS ab, ist eh alles vorbei), es geht also nur um Datensicherheit bei Festplattenausfall durch Redundanz und da reicht SHR aus meiner Sicht völlig aus.

Die Oberfläche des DSM6.2

Ich erwarte zwar, dass es vermutlich ein größeres Unterfangen sein wird, wenn ich dann doch mal die Festplatten auswechseln muss. Aber Synology wirbt tatsächlich damit, dass es zumindest bei gleichen oder größeren HDDs im SHR-Modus einfach gehen würde (eine alte raus, eine neue rein -> starten, Daten werden geklont, 2. HDD raus und neue rein -> Daten werden wieder geklont). Aber vollkommen zukunftssicher kann man sowas sicherlich nie aufbauen.

Die Software

Da ein Server nichts anderes ist als ein Computer, braucht auch er ein Betriebssystem, um mit den Festplatten überhaupt was anfangen zu können. Deswegen gibt es so Sachen wie Windows Server 2016. Unser NAS ist da nicht anders und es gäbe sicherlich die Möglichkeit, dass ich mir mein eigenes Unix-Sytsem oder so drauf packe (kann Rondrer vermutlich mehr zu sagen). Aber Synology installiert auf seinen NAS im Standard ein Linux-basiertes OS mit dem sperrigen Namen Disk Station Manager – aktuell in der Version 6.2. Dass es ein Linux ist, merkt man dem Programm wie ich finde aber überhaupt nicht an. Der erste Aufschlag (Aufruf der Weboberfläche mit anschließender Ersteinrichtung des DSM) dauerte rund 10 Minuten und schon konnte ich mit dem Einrichten loslegen.

Die grafische Oberfläche des DSM ist schick und relativ einfach verständlich. Die eine oder andere Funktion versteckt sich zwar hinter einem etwas nichtssagenden Namen oder mehreren Menüs (warum sehe ich z.B. die Gehäusetemperatur nur im Info-Center und auch nur als Mouse-Over statt im Menüpunkt “Hardware & Energie”?). Aber grundsätzlich geht die Handhabung selbst für Windows-n00bs wirklich sehr einfach von der Hand. Zudem hat jeder Nutzer die Möglichkeit sich seine Desktop-Ansicht umfangreich selbst zu gestalten. Und die integrierte Hilfe mit ihren zahlreichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen ist eine richtig große Einsteigerunterstützung (bin ja einer).

Das Doing

Das Paket-Zentrum

Soweit so gut. Ein Betriebssystem allein bringt aber nichts. Nutzer, Daten und zahlreiche Programme machen erst das Ding rund. Wobei letzteres nicht so ganz stimmt, wie ich mittlerweile festgestellt habe. Aber fangen wir von vorne an: Im DSM gibt es ein Paket-Zentrum über das ihr zahlreiche Anwendungen von Synology und ausgewählten Drittanbietern direkt installieren könnt. Das ist übersichtlich gestaltet und bietet auch (sehr kurze) Beschreibungen und Screenshots. Manuelle Installationen von nicht dargestellten Paketen sind zusätzlich möglich. Laut Anleitung muss für jede Medienart ein eigenes Programm installiert sein (z.B. die Video Station für Video), um diese dann auf den diversen Endgeräten nutzen zu können (inkl. entsprechenden Apps auf besagtem Endgerät). Auch so Sachen wie PDF Viewer oder Office klangen im ersten Moment sinnvoll, um bestimmte Dateien direkt im Browser auf dem Server zu öffnen und zu bearbeiten. Mittlerweile habe ich gelernt: In unserem Fall alles totaler Blödsinn und nur Ressourcenverschwendung. Entsprechend sind nur noch die File Station (der Windows Explorer von DSM), der Medienserver (zum Streamen von Medieninhalten), Universal Search (Suchfunktion für den NAS) und der Synology-Anwendungsdienst (weil ich noch nicht ganz verstanden habe, was der eigentlich macht) aktiviert. Im DSM selbst wollen wir ja nicht wirklich arbeiten, sondern nur verwalten.

Im VLC (iOS) ist alles da.

Der NAS war stattdessen nach der Ersteinrichtung im LAN für alle Geräte sofort sicht- und vor allem direkt abrufbar. Sprich ich brauch’ gar kein separates Programm auf dem Samsung Smart-TV. Stattdessen wähl’ ich den NAS aus der Liste der Quellen aus, navigiere durch meine Ordner und öffne ohne Probleme alle Arten von Mediendateien. Und statt zig Apps auf dem Smartphone habe ich nur DS File (der Synology-File-Browser für iOS, Android und Windows Phone) sowie den VLC Player draufgepackt. Mit dem VLC kann ich mich genauso gut mit dem NAS verbinden und über die Ordnerstruktur die Mediendateien abspielen oder ihn sogar direkt aus DS File ansteuern. DS File erlaubt es außerdem Dateien vom Smartphone direkt auf den NAS zu schieben – vor allem für Fotos natürlich praktisch.

Einfacher Zugriff

Am Desktoprechner und den Laptops heißt es einfach den NAS als Netzlaufwerk verbinden und schon ist die Sache erledigt und ihr könnt ihn wie eine eingebaute HDD nutzen…okay, eine Hürde gab es: Auf dem NAS sind sogenannte “Gemeinsame Ordner” vorhanden (bzw. ihr könnt sie anlegen). Ich dachte zuerst, dass das einfach die normalen Ordner sind, die ich erzeuge und befülle. Aber nein, die werden von Windows als einzelne Laufwerke angesehen. Und da es mir absolut zu dämlich ist für jeden Überordner ein Netzlaufwerk zu verbinden, hatte Rondrer die passende Idee für mich: Einfach einen einzigen gemeinsamen Ordner anlegen, den als Netzlaufwerk einbinden und darunter erst die eigentliche Ordnerstruktur packen. Perfekt. Und das alles ist natürlich auch im WAN möglich.

Wenn ihr keine eigene Domain habt und euch die IP nicht merken wollt, gibt es bei Synology einen optionalen QuickConnect-Service. Dieser erzeugt auf Basis eures Servernamens eine von überall aufrufbare URL zur Loginseite. Wie sicher das ist, kann ich natürlich nicht beurteilen (zumindest https kann aktiviert werden). Aber ihr müsst selbst im Minimalmodus einige Ports am Router dafür öffnen. Rondrer lässt den NAS deshalb erst gar nicht ins Internet und verbindet sich stattdessen über eine VPN-Verbindung in sein heimisches Netzwerk, um dann darüber auf den NAS zuzugreifen. Sicherer dürfte es nicht gehen, wenn ihr immer noch von draußen drauf zugreifen wollt.

Der Rest

Nach der grundsätzlichen Konfiguration fehlten noch die Daten und die User, schließlich soll nicht jeder einfach mit dem Adminaccount rumrennen. Die Datenübertragung war logischerweise dank Netzlaufwerk keine Besonderheit und nur durch die Schnelligkeit unserer HDDs beschränkt. Mit den 1,83TB dürften wir trotzdem maximal einen Tag beschäftigt gewesen sein – mehr Zeit ging für das Aussortieren und Einsortieren drauf (hatten ja so einige doppelte Daten).

Alles A-Okay!

Das grundsätzliche Einrichten der User war auch soweit kein Akt. Ihr könnt Gruppen mit Berechtigungen definieren und dann einzelne User anlegen und diesen zuordnen. Natürlich geht es genauso jedem User die Ordnerberechtigungen manuell zuzuteilen. Es gab nur zwei Schwierigkeiten: Wenn die Photo Station aktiv ist, nimmt er sich die Berechtigung heraus allein über die Zugänge des Foto-Ordners zu bestimmen (selbst der Admin kann in der Systemsteuerung dann nichts mehr machen). Total dämlich. Aber das Ding habe ich ja dann eh deaktiviert. Das zweite Problem war, dass die Ordnerberechtigungen für Lysanda trotz der Gruppendefinition nicht richtig gesetzt wurden. Sprich sie konnte auf Ordner, die ich frisch angelegt habe nicht zugreifen. Mir fiel nichts anderes ein, als einfach nochmal die Berechtigungen des Hauptordners in die Unterordner und Dateien zu propagieren. Seitdem funktionierts. Komisch aber egal :smile: .

Fazit

Und damit fällt mir nichts mehr ein, was ich euch noch erzählen könnte zu unserem NAS. Zum Verfassungspunkt beträgt seine Laufzeit bereits über 14 Tage und es gab während unserer täglichen Nutzung noch nichts, was wir vermisst hätten oder ein Problem gewesen wäre. Stattdessen schnurrt er in der Kommode leise vor sich hin und stellt uns zu jeder Zeit und auf jedem Gerät alle unsere Dateien ohne gefühlte Geschwindigkeitseinbußen zur freien Nutzung bereit. So soll’s in unserem Fall sein. Natürlich kann das Ding noch viel, viel mehr (es ist schließlich ein vollwertiger Server). Und vielleicht kommen auch bei uns noch weitere Anwendungsfälle hinzu. Aber schon in seiner Funktion als Datengrab sind wir bereits vollkommen zufrieden damit die 470 Euro investiert zu haben. Entsprechend können wir den Synology DS218J  uneingeschränkt für alle empfehlen, die einen einfachen NAS suchen und gleichzeitig mehr wollen als nur eine externe HDD am Router ranzuhängen.

Ursprünglich hatte ich euch angekündigt, dass ich euch heute etwas über unseren neuen NAS erzähle. Der Eintrag ist auch tatsächlich zum Verfassungszeitpunkt schon sehr weit fortgeschritten. Aber dann ist mir eingefallen, dass letzte Woche die gamescom 2018 stattfand – und da muss ich selbstverständlich meinen Senf dazu geben. Den Bericht zum NAS gibt es entsprechend erst nächsten Montag.

Die gamescom 2018 also. Das wichtigste Thema haben die meisten vermutlich nur am Rande mitbekommen, da für uns informierte Gamer schon Anfang des Monats alles dazu gesagt wurde. Aber irgendwie läuft die Zeit bei manchen Politikern und Verbänden anders oder sie warten immer auf den Punkt der höchstmöglichen medialen Aufmerksamkeit. Aber deswegen widme ich denen gar keine Aufmerksamkeit (wen interessiert schließlich, was der DGB zu Computerspielen zu sagen hat…), sondern erkläre nur kurz, was sich Großes ereignet hat.

Computerspiele machen Nazis!

Through the Darkest of Times (Herstellerbild)

Über das Thema mit den Ländersperren hatten wir zuletzt im Mai gesprochen. Im Ergebnis sind diese auf Steam etwas härter geworden, richten sich aber weiterhin hauptsächlich gegen Spiele mit in Deutschland gemäß §86a StGB verbotenen Symbolen. Im letzten Absatz hatte ich allerdings schon angedeutet, dass plötzlich etwas Bewegung in die Sache gekommen ist aufgrund eines kostenlosen Flashspielchens zur Bundestagswahl. Ich ging von einem kleinen Schritt aus aber zu meiner und vermutlich auch vieler anderer Überraschung brachte die USK am 9. August 2018 eine Pressemitteilung heraus: Sie wird in Zukunft wie die FSK bei Filmen die Sozialadäquanz prüfen (grob gesagt “nutzt das Spiel Nazisymbolik nur weil es cool ist oder steckt mehr dahinter?”) statt wie bisher pauschal solche Titel von der Prüfung auszuschließen. Das erste Spiel, dass diese Prüfung (zumindest für die gamescom-Demo) erfolgreich hinter sich gebracht hat ist Through the Darkest of Times. Sprich es ist trotz Hakenkreuze, Hitler-Gruß und was noch so alles dazu gehört von der USK mit “ab 12 Jahren” freigegeben worden und darf (wenn sich die finale Version nicht signifikant von der Demo unterscheidet) somit ohne Einschränkungen auf dem deutschen Markt verkauft werden.

Gut, Through the Darkest of Times ist natürlich ein absolut vorbildlicher Titel für so eine Veränderung. Er kommt aus Deutschland, ist ein Strategiespiel, hat einen kunstvollen Anstrich (der Stil soll an vom dritten Reich verbotene Künstler erinnern), es geht um den deutschen Widerstand vor und während des 2. Weltkriegs und es hat schon mehrere deutsche Preise abgeräumt bevor es überhaupt erschienen ist. Dennoch: Es hat eine neue Zeitrechnung begonnen. Das nächste Call of Duty im 2. Weltkrieg wird sich zwar höchstwahrscheinlich immer noch zensieren müssen, denn Multiplayertitel in denen ihr selbst Nazis spielen könnt, werden es vermutlich schwer haben eine Sozialadäquanz begründen zu können. Aber das nächste Wolfenstein? Die Chancen stehen so gut wie nie.

Ach und die Politiker, Verbände, etc. die sich jetzt aufregen sind der Meinung, dass sowas in Computerspielen nichts zu suchen hat. Man könnte vielleicht argumentieren wegen der Aktivität statt Passivität im Vergleich zum Film aber wo ist wirklich der große Unterschied, ob der Held den Nazi erschießt oder ich den Nazi erschieße? Die Realität ist, dass sie Angst davor haben, dass dadurch die Symbolik plötzlich überall wieder salonfähig wird. Warum das bei Filmen und Büchern bislang keine Gefahr darstellte verstehe ich zwar nicht aber gut ich bin ja auch kein Politiker. Deswegen lasse ich das lieber andere diskutieren und bin froh, dass wir endlich einen großen Schritt weitergekommen sind bei dem Thema.

Die Spiele

Jetzt aber genug von dem Drumherum. Kommen wir endlich zu den wirklich spannenden Themen der gamescom 2018: Den Spielen! Und von denen gab es logischerweise wieder so einige zu sehen. Die Neuankündigungen hielten sich dabei aber leider sehr in Grenzen. Deswegen erwähne ich zusätzlich den ein oder anderen interessanten Titel, der zwar schon seit der E3 bekannt ist aber von dem es nun erstmals mehr Gameplay zu sehen gab und zu dem ich im E3-Eintrag nichts geschrieben hatte. Die Links führen wieder zu den jeweiligen Trailern.

Torchlight Frontiers (Herstellerbild)

Torchlight Frontiers – Ich werde mit der Serie einfach nicht warm. Ich hänge immer noch an Teil 1. Ab und zu mal ein Dungeon-Level aber zu mehr kann ich mich nicht aufraffen. Ich weiß nicht warum, aber anders als bei Diablo will irgendwie kein echter Spaß aufkommen (und dabei macht es noch so viel mehr als die Konkurrenz). Entsprechend interessiert mich der neue Ableger, der auch noch ein MMO werden soll überhaupt nicht.

GeForce RTX 2070/2080/2080 Ti – Zugegeben: Technisch gesehen keine Neuankündigung eines Spiels aber trotzdem eine Neuankündigung, die es in sich haben könnte. Und damit meine ich nicht nur die exorbitanten Preise (die 2070 kostet 639 Euro, die 2080 Ti satte 1.259 Euro). Nein, es geht um die Konzentration auf Echtzeit-Ray-Tracing (deswegen RTX statt GTX), das in den dazugehörigen Spielevideos schon durchaus einen sichtbaren Unterschied machte obwohl nach meinem Verständnis rein von den Taktraten und dergleichen die Karte gar nicht so viel mehr unter der Haube hat als eine 1070 Ti. Das Thema reine Power ist entsprechend zweigeteilt. Der Fokus liegt wie gesagt auf Raytracing. Entsprechend ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die normale FPS-Performance nicht den ganz großen Sprung machen wird. Aber das werden wir erst in den ersten echten Tests sehen. Freue mich aber natürlich, dass nach vergleichsweise langer Zeit wieder was potentiell richtig Neues versucht wird (Echtzeit-Raytracing eben) und bin gespannt was da kommt.

The Grand Tour Game (XONE, PS4) – Ach stimmt ja: Amazon hatte 2014 ein eigenes Entwicklerstudio gegründet. Nein, ihr habt nichts verpasst. Die Amazon Game Studios haben tatsächlich bis heute noch keinen Titel veröffentlicht. Und The Grand Tour Game? Interessant finde ich die Idee (wie damals beim MMO und der dazugehörigen TV-Serie Defiance) Spiel und Episoden zu verknüpfen. Sprich die neue Folge geht online, ihr schaut sie euch an und dann könnt ihr es im Spiel quasi nacherleben. Aber das war es dann auch schon. Optisch sieht es nur mäßig aus, spielerisch soll es nach den ersten Berichten ebenso nicht der Brüller sein und die Sprüche gehen einem wahrscheinlich relativ schnell auf den Senkel (obwohl ich durchaus die ein oder andere Folge der Vorgängerserie gesehen habe und die Art britischen Humors zu schätzen weiß). Insofern sicherlich nett für Fans aber ich bleibe dann doch lieber bei den “richtigen” Rennspielen wie zum Beispiel Forza Horizon 4 im Oktober 2018.

Die Siedler (Herstellerbild)

Die Siedler (PC) – Wisst ihr was Marty Stratton, Executive Producer bei id Software, auf der diesjährigen QuakeCon gesagt hat? Er bereut es DOOM (2016) DOOM genannt zu haben, weil jetzt immer alle die Jahreszahl dazu schreiben. Deswegen heißt DOOM Eternal auch nicht DOOM II. Endlich hat es mal ein Entwickler verstanden, wie scheiße es ist wieder von vorne anzufangen. Und was macht Ubisoft? Nennt den achten Teil der Hauptreihe wieder Die Siedler… Aber kommen wir zum Positiven: Serienerfinder Volker Wertich ist wieder da nachdem EA sein Studio anno 2013 geschlossen hatte (EA Phenomic – unter anderem SpellForce und BattleForge). Der Grafikstil sagt mir aktuell noch nicht ganz so zu (die “realistischeren” Menschen gefielen mir schon in Teil 5 nicht) aber ich werde mich dran gewöhnen. Wege (weiterhin ohne Flaggen) bleiben relevant und neben etwas Zurückbesinnen auf alte Stärken sollen definitiv so einige vor allem Komfortneuerungen kommen. Ich bin wirklich gespannt was da rauskommt. Ich fand Die Siedler 7 richtig super. Aber aufgrund von Ubisofts-DRM-Maßnahmen damals hat das ja leider gefühlt keiner mitbekommen.

Desperados 3 (PC, XONE, PS4) – Eines kann man THQ Nordic nicht vorwerfen: Sie kaufen nicht alle IPs auf, die sie kriegen können, um sie dann im Schrank versauern zu lassen, sondern machen was damit (bringen sie wieder in den Handel, machen ein Remaster und/oder arbeiten an Nachfolgern). Und während Commandos gerade erst in ihren Besitz übergegangen ist, bekommt nun die ehemalige Konkurrenz aus Deutschland als erstes einen Nachfolger. Und ich muss an dieser Stelle gestehen: Nicht nur habe ich bis heute keinen einzigen Teil der Echtzeit-Taktik-Serie im Wilden Westen gespielt – ich besitze sogar keinen. Sollte mir bei Gelegenheit mal die Complete Collection gönnen, auch wenn sie wohl nicht so einfach unter Windows 10 läuft. Zu Desperado 3 gibt es hingegen aktuell nicht mehr zu sagen. Es kommt, wird vom deutschen Studio Mimimi Productions (Shadow Tactics: Blades of the Shogun) und setzt die Geschichte von John Cooper fort.

The Dark Pictures: Man of Medan (PC, XONE, PS4) – Until Dawn kenn ich mangels Hardware nicht, kann also keinen Vergleich ziehen. Es heißt aber, es wäre das selbe in Grün nur mit anderem Setting und komprimiert (nur 45 Minuten pro Dark Pictures-Episode?). Das erste Gameplay wirkt auf mich sehr unbeholfen und wenig tiefgründig (etwas durch die Gegend laufen, Sachen aufheben, Quick-Time-Events). Hat bei mir keinen wirklich guten Eindruck hinterlassen das Ganze. Da freue ich mich lieber weiter auf Resident Evil 2 (2019).

A Plague Tale: Innocence (Herstellerbild)

A Plague Tale: Innocence (PC, XONE, PS4) – Meine Begeisterung über den Publisher Focus Home Interactive hatte ich glaube ich schon öfters kundgetan. Ja, sie bringen aus Budgetgründen nicht die qualitativ hochwertigsten Titel auf den Markt aber sie machen im Gegenzug einfach ihr eigenes Ding ohne dem nächsten Hype zu folgen und veröffentlichen dadurch viele Geheimtipps. Und A Plague Tale: Innocence gehört da wieder einmal dazu. Das Spiel ist schon länger angekündigt (eine erste Vorschau-Welle gab es im Februar 2017) aber nach den 16 Minuten Spielszenen ist mir überhaupt erst so richtig klar, worum es überhaupt geht und ich muss ganz klar sagen: Mir gefällt wirklich, was ich dort sehe. Es ist eine Eskortmission der anderen Art mit schicker Grafik und hunderten von furchteinflößenden Ratten. Es zeigt mal wieder gut, dass es nicht immer nur weltrettende Action sein muss, sondern auch die ruhigen und linearen Puzzler, in denen es nur um wenige Personen geht, echte Spannung und eine bedrückende Atmosphäre aufbauen können. Außerdem ist Paris während der Pest (1349) ein sehr interessantes Setting, an das sich glaube ich bislang noch gar kein Spiel herangetraut hat? Zumindest fällt mir keines ein. Aus meiner Sicht definitiv ein Titel, der zwar höchstwahrscheinlich nur Wertungen im 70iger Bereich erhalten wird aber den ihr dennoch im Auge behalten solltet.

Fazit

Soweit also meine Meinungen zur den gamescom 2018-Nachrichten. Unterm Strich von außen gesehen heuer keine wirklich spektakuläre Show. Aber nach dem Feuerwerk, das die E3 2018 abgebrannt hatte, war das auch nicht zu erwarten. Stattdessen gab es vor allem mehr Infos zu bereits angekündigten Titeln und damit kann ich leben.

Wie schaut’s bei euch aus? Ward ihr vor Ort? Was fandet ihr interessant? Was habe ich Wichtiges vergessen? Springt doch mal wieder in die Kommentare und gebt euren Senf ab :wink: .

Die neuen Innereien

Fast genau fünf Jahre ist es her, da hatte ich mir kurz vor meinem Umzug nach Eckental noch ein großes Rechnerupgrade gegönnt. Lustigerweise waren es davor auch fünf Jahre seit dem letzten Upgrade. Scheint sich irgendwie als neuer Rhythmus einzuspielen, denn ich habe wieder zugeschlagen! War es der richtige Zeitpunkt (“Coffee Lake Refresh kommt doch demnächst, du Depp!“)? Vermutlich nicht aber gibt es beim Kauf von PC-Hardware überhaupt jemals einen richtigen Zeitpunkt? Eben.

Über eine neue Grafikkarte hatte ich ja schon länger nachgedacht aber zum einen waren mir die Preise lange viel zu hoch (scheiß Cryptomining!) und zum anderen war ich mir nicht sicher, ob das wirklich ausreicht oder nicht doch meine CPU ein Stück weit schon ein Flaschenhals ist. Nach langem hin und her überlegen habe ich dann die selbstverständlich einzig richtige Entscheidung getroffen: Einfach noch mehr Geld ausgeben und ein “komplettes” Upgrade durchführen.

Das Ergebnis

Normalerweise hätte ich mich für die Zusammenstellung ausführlich mit unseren Hardwareexperten Azzkickr und Dod unterhalten. Aber erster erholt sich grad von einer Operation und letzterer ist aktuell mehr in Sachen VR unterwegs (er hat die Webseite VR-Legion gegründet), entsprechend habe ich mich dagegen entschieden sie zu belästigen. Ich hoffe, ich werde es nicht bereuen :wink: . Stattdessen habe ich mich auf die Expertise der Community von Computerbase verlassen. Dort im Forum gibt es nämlich einen Thread namens “Der Ideale Gaming-PC” mit preislich sortieren Konfigurationsvorschlägen. Die habe ich als Basis genutzt, um die für mich beste Variante aus Zukunftssicher, preislich vertretbar und guter Leistung zu finden. Das Ergebnis seht ihr in meiner Hardwareübersicht aber hier in Kurz:

Alter Computer Neuer Computer
(2013-2018) (2018)
Prozessor: Intel Core i7-4770 (Haswell) Intel Core i5-8400 (Coffee Lake)
Mainboard: Asus Z87-A (C2) MSI Z370 PC Pro
Speicher: Kingston, 2×4 GB, DDR 3, 1600 Mhz, CL9
Corsair, 2×4 GB, DDR 3, 1600 Mhz, CL9
G.Skill Aegis, 2×8 GB, DDR4, 3000 MHz, CL16
Grafikkarte: Palit GeForce GTX 780 Super JetStream Asus GeForce GTX 1070 Ti Cerberus Advanced
Soundkarte: Creative Soundblaster X-Fi Titanium Fatal1ty Professional Series Creative Soundblaster X-Fi Titanium Fatal1ty Professional Series
SSD: Samsung SSD 840 Evo 250 GB Samsung SSD 840 Evo 250 GB
HDD: WD Desktop Black 4TB WD Desktop Black 4TB
Seagate Barracuda XT SATA III 2TB Seagate Barracuda XT SATA III 2TB
Seagate Barracuda 7200.12 1TB Seagate Barracuda 7200.12 1TB
BluRay: Asus BW-16D1HT Asus BW-16D1HT
Kühler: Scythe Ninja 3 Scythe Mugen 5 Rev.B
Gehäuse: CoolerMaster COSMOS 1000 CoolerMaster COSMOS 1000
Netzteil: CoolerMaster V650 CoolerMaster V650

Macht summa summarum 924 Euro (inkl. Versand und einem Displayport auf DVI-Adapterkabel) an neuer Technik.

Technisch gesehen stimmt die Spalte “Alter Computer” nicht mit dem überein, was ich tatsächlich anno 2013 zusammengeschraubt hatte. In der Zwischenzeit wurden schon ein paar Teile gewechselt (Netzteil, Laufwerke) und ergänzt (mehr RAM) aber es macht ja keinen Sinn hier etwas aufzulisten, was gar nicht mehr unter meinem Tisch stand. Wenn jemand Interesse an den alten Teilen hat: Gerne auf mich zukommen. Ansonsten landen sie im Laufe der Woche auf eBay.

Die Gedankengänge

Ein Teil der neuen Komponenten

Aber kommen wir zu den Komponenten: Die Wahl fiel auf einen Intel Core i5-8400 statt eines i7-8700 (das aktuelle Maximum) weil er zum einen 120 Euro billiger ist und zum anderen, weil das Leistungsminus lt. den Tests mit um die 10-15% für mich (bin ja nicht mehr Day-1-Spieler) vernachlässigbar erscheint. Andersherum war es beim Mainboard, wo ich die 30-40 Euro mehr in das MSI Z370 PC Pro statt in bspw. ein Asrock-Modell investiert habe, um mehr Anschlüsse sowie Luft für ein zukünftiges CPU- (z.B. einen i7-9700 oder so) oder RAM-Upgrade (geht bis 64 GB) oder vielleicht mal ne M2 zu haben.

In den Arbeitsspeicher ging hingegen nicht viel Gehirnschmalz. Es ist der, den das Computerbase-Forum empfiehlt. Ich hatte zwar kurz überlegt, vielleicht gleich 32 GB reinzupacken aber da sind mir die Preise aktuell zu hoch und gebrauchen kann es vermutlich allerhöchstens Star Citizen. Und für den Kühler habe ich mich hingegen wieder für Scythe entschieden, weil der Ninja 3 sehr gute Dienste geleistet hat und der Mugen 5 nicht nur extrem gute Bewertungen hat, sondern aufgrund seiner versetzten Bauform nicht ganz so dominant ist (und über den RAM hängt).

Bleibt noch die Grafikkarte: Ich hätte wirklich gerne wieder eine Palit in der Super Jetstream-Variante genommen. Hatte trotz der damaligen Startschwierigkeiten gute Erfahrungen damit. Aber selbst auf dem Gebrauchtmarkt bezahlt man derzeit für eine GTX 1070 Super Jetstream schon fast so viel wie ich jetzt für die Asus 1070 Ti bezahlt habe. Die 1070 TI Super Jetstream ist dann nochmal teurer. Und dafür ist der Leistungsunterschied aus meiner Sicht nicht groß genug. Entsprechend fiel die Wahl erneut auf die Computerbase-Empfehlung. Abseits der Kühllösung unterscheiden sich die meisten Grafikkarten ja heutzutage gefühlt eh nicht mehr großartig und die ASUS wirbt gleichzeitig damit, dass sie sehr langlebig wäre.

Die ersten Erfahrungen

Zum Einbau an sich gibt es nichts Besonderes zu berichten. Altes Zeugs raus, neues Zeugs rein (das neue Mainboard ist wieder breiter als das alte) und alles schön verkabelt. Netterweise konnte ich dabei ein Stromkabel rausschmeißen, weil das MSI-Board genug Lüfteranschlüsse hat (alt war einer direkt ans Netzteil angeschlossen). Unschön ist hingegen, dass die Grafikkarte über die SATA-Anschlüsse ragt. Gut, das ist tatsächlich relativ normal und normalerweise kein Problem, aber warum auch immer sind SATA-Port 3 und 4 nicht zur Seite ausgerichtet, sondern nach oben. Das Ergebnis ist, dass SATA-Port 3 quasi gar nicht nutzbar (Stecker passt wegen der Plastikhülle der Grafikkarte nicht mehr rein) und Port 4 hingegen nur mit dem beigelegten und wie immer viel zu kurzen SATA-Kabel mit Eck-Stecker. Zum Glück brauche ich aktuell nur fünf Stück (vier für die Festplatten, einen für das optische Laufwerk). Frag’ mich, wer da nicht mitgedacht hat, schließlich sind 2-Slot-Grafikkarten mit dickem Kühlsystem nicht unbedingt was total Neues.

Auch wieder rausgefallen sind meine Front-USB-Anschlüsse. Bei meinem alten ASUS-Board konnte ich zumindest zwei der vier anschließen. Theoretisch hat das MSI sogar noch zwei weitere interne USB-Schnittstellen neben den zweien, die ich für meine zusätzlichen hintere Ergänzung nutze. “Leider” sind die komplett auf USB3 ausgelegt und damit nicht kompatibel (weil mehr Pins). Ist etwas schade, aber das sind halt so die Nachteile, wenn man seit mittlerweile 10 Jahren das gleiche Gehäuse nutzt. Kommt der USB-Hub eben wieder mehr zum Einsatz.

Es lebt und funzt!

Der erste Start gelang dann ohne Probleme (*yay* alle Kabel des Frontpanels beim ersten Versuch richtig eingesetzt!). Im BIOS wurde alles erkannt was da sein sollte und ich konnte XMP aktivieren und damit meinen RAM auf die 3.000 Mhz boosten, die er haben soll (ohne sind es nur 2.100 Mhz). Auch Windows lief ohne Murren an, erkannte die neuen Gerätschaften alle und richtete sie fleißig ein. Anfangs fehlte die externe Festplatte aber ich hatte scheinbar vergessen sie vor dem Hardwarewechsel auszuschalten. Aus- und Wiedereinschalten löste das Problem entsprechend zügig. Dann stimmte zwar der Laufwerksbuchstabe nicht (das optische Laufwerk hatte sich vorgedrängelt), womit Windows erstmal nicht seine bekannten Daten finden konnte (auf der Externen liegen z.B. die Eigenen Dateien). Aber das war logischerweise genauso wenig etwas, was nicht zügig behoben werden konnte.

Die Windows-Aktivierung zickte hingegen anfangs rum. Ihr wisst ja: Wenn ihr bestimmte Hardware austauscht, verlangt Windows eine erneute Aktivierung quasi als Schutz vor Raubkopierern. In der Theorie sollte das mittlerweile ein Klacks sein, denn eure Lizenz ist mit eurem Microsoft-Konto verbunden. Irgendwie behauptete er aber, dass der Server nicht erreichbar wäre und ich es später nochmal versuchen sollte. Das war mir aber zu blöd, also habe ich einfach meinen alten Windows-8-Produktkey (den ich in das kostenlose Windows 10-Upgrade umgewandelt hatte) nochmal eingegeben und Schwups: Aktiviert!

Die Problemzonen

Es wäre natürlich zu einfach, wenn tatsächlich alles so funktionieren würde wie man es sich erhofft. Stattdessen habe ich zum Verfassungszeitpunkt noch folgende Problemstellen:

  • Das Blu-ray-Laufwerk will gar nicht. Im BIOS war es da, habe ich aber in Windows ein Medium eingelegt, lief es kurz an, verschwand dann aber komplett und war beim Neustart auch im BIOS nicht mehr vorhanden. Stecker ziehen und neu stecken, dann wurde es wiedererkannt und das Spielchen begann von vorne. Mittlerweile funktioniert selbst das nicht mehr. Ich habe weder einen Grund noch eine Lösung dafür (es hängt an besagtem SATA-Port 4). Im Internet gibt es Berichte, dass Windows irgendeine Funktion hätte bei Nichtbenutzen das Laufwerk schlafen zu legen. Aber dann wird es zumindest noch angezeigt. Hier ist es einfach komplett weg. Ein Rätsel. Zum Glück habe ich noch ein externe Blu-ray-Laufwerk. Ist also nicht das ganz große Thema, wenn es hart auf hart kommt.

Folgendes Problem habe ich auf meine eigene Art und Weise schon gelöst:

  • Beim Ausschalten des PCs fährt die externe Festplatte nicht wie gewohnt in den Energiesparmodus runter. Scheinbar hat das MSI standardmäßig selbst im ausgeschalteten Zustand noch Strom auf den USB-Anschlüssen oder Windows schickt kein entsprechendes “ich bin aus”-Signal. Eine direkte Einstellung dafür habe ich im BIOS nicht gefunden (“Wake on” ist deaktiviert). Momentan stehe ich auf dem Schlauch. Klar, kann ich sie manuell ausschalten (und tue das auch trotz Energiesparmodus). Aber wenn sie nicht vorher im Energiesparmodus ist, habe ich immer etwas Angst, dass sie doch mal einen Schlag wegkriegt dadurch.
    Lösung: Wir hatten schon länger überlegt einen NAS zu kaufen. Das Vorhaben haben wir nun vorgezogen (mehr dazu vermutlich kommenden Montag). Dadurch ist ein großer Teil der Daten auf der externen Festplatte auf den NAS gewandert und für das, was noch übrig ist, habe ich jetzt eine WD Elements mit 2TB von Lysanda (die Daten, die da vorher drauf waren, sind nun auch auf dem NAS). Vorteil: Sie ist viel kompakter als die Buffalo DriveStation, die ich bis jetzt hatte – und unterstützt sogar USB3.

Und folgendes Problem muss ich leider als gelöst ansehen:

  • Microsoft Office 2016 mag meinen Key nicht mehr. Wie Windows, reagiert auch Office auf eine Hardwareänderung mit der Bitte um Reaktivierung. Theoretisch ist es hier das gleiche Spiel: Im Microsoft-Konto ist die Lizenz hinterlegt und er kann sie wieder laden. Blöd nur, dass meinem Konto keine Lizenz mehr zugeordnet ist? Und beim erneuten Eingeben des Keys bekomme ich ein “Kennsch ned, magsch ned”? Wad?! Ein Chat mit der Microsoft-Support-Hotline offenbart mir, dass es sich um einen ungültigen Key handelt, der mittlerweile gesperrt wurde. Also vermutlich aus einem Volumenlizenzen-Bestand oder so stammt. Na klasse. Da denkt man, man kauft bei einem respektablen Händler und dann sowas. Ich habe natürlich direkt mysoftware angeschrieben, bei denen ich 2015 die Lizenz gekauft hatte aber ein Ersatz wurde mir mit dem Hinweis auf die abgelaufene Gewährleistungsfrist verweigert. Ich würde sagen: Bei diesem Shop solltet ihr nicht kaufen. Das hat man davon, wenn man sich vom billigen Preis blenden lässt.
    Lösung: Neuen Key kaufen, Office 2013 re-installieren oder endlich auf OpenOffice umsteigen.

Die synthetischen Bechnmarks

Jetzt aber genug vom allgemeinen Geblubber. Der Rechner funktioniert im Großen und Ganzen, schnurrt wie eine Katze (oder sitzt Maya schon wieder dahinter?) und ist betriebsbereit. Zeit also, ihn durch den Parkour zu schicken. Zuerst natürlich die ePenis-Sachen: CineBench, 3DMark (Demo) und FurMark. Catzilla funktioniert seit irgendeinem Windows Update nicht mehr (und keinen von den Entwicklern scheints zu kümmern) und kam deshalb nicht zum Einsatz.

 

Die Ergebnisse sind aus meiner Sicht wie erwartet. Anders als 2013 in 3DMark 2011 ist mein 3DMark-Score in Time Spy (die anderen hab’ ich aber auch mal gemacht) zwar “nur” besser als 68% aller anderen (damals 89%) aber ich habe ja im Vergleich zu damals eine CPU eine Stufe unter den derzeit besten eingebaut. Und bei FurMark habe ich auch ein Ergebnis auf dem Niveau anderer Leute mit gleicher Grafikkarte. Wenn ihr also nichts anderes sagt, dann mache ich an das Thema einen Haken und sage: Passt alles so und ist im grünen Bereich für mein System.

Die Spielebenchmarks

Das Benchmarkergebnis von GRID Autosport

Eine Stufe über den synthetischen Benchmarks stehen die integrierten Benchmarks in Spielen. Eine praktische (aber sicherlich nicht 100% vollständige) Liste findet man unter anderem hier. Da ich zwar viele der genannten Titel habe aber nicht extra nur wegen dem Benchmark sie installieren wollte, habe ich mal Warhammer 40.000: Dawn of War III durchlaufen lassen, welches mir nun mit 136,18/48,32/80,80fps (max/min/avg) fantastische Ergebnisse auf vollen Details liefert. GRID Autosport lief auch mit dem alten Rechner bereits ganz gut, aber nun grafisch voll aufgedreht (natürlich inkl. 2. Monitor) komme ich trotzdem auf saubere 123,22/65,21/94,99fps. Anspruchsvoller ist da schon Rainbow Six: Siege mit 48,6/30,7/43,1. Hier musste ich deshalb ein Detail runterschrauben und zwar die Ambient Occlusion nur auf SSBO statt auf HBAO+. Letzteres hat im Maximum und Average zwar nur ein paar Frames pro Sekunde gekostet, aber das Minimum ist total eingesackt auf um die 9 FPS. Fürs echte Spielen sollte ich aber vermutlich trotzdem das ein oder andere Detail noch weiter absenken.

Als nächstes war Mittelerde: Schatten über Mordor dran. Damit hatte der alte Rechner schon ein wenig zu kämpfen, sollte aber nun mit 158,77/59,00/88,04 bei noch höheren Grafikeinstellungen definitiv Vergangenheit sein. Ähnlich sah auch Thief aus mit 114,4/71,1/86,0 sowie Sleeping Dogs mit 116,8/47,4/83,1. Ja, das Spiel ist von 2012, hat extrem viele Ecken und Kanten in der Geometrie und saugt trotzdem massiv an der Performance (vor allem beim Fahren). Aber jetzt kann ich es endlich flüssig genießen.

Die eigentliche Praxis

Just Cause 3 (Herstellerbild)

Dass die “Ultra”-Einstellung in Spielen meistens keinen großen grafischen Mehrwert bringt (vor allem im Vergleich zum Leistungsverlust), ist ja nichts Neues. Entsprechend ist es zwar ganz nett, wenn ich die Titel so hochstellen kann und trotzdem meine 60fps kriege (V-Sync & Co. mache ich mittlerweile immer an, wenn es keine Probleme verursacht). Aber es ist absolut kein “Muss” mehr. Und natürlich gibt es weiterhin Titel, die ich trotz neuer Hardware nicht auf Anschlag drehen kann. Grand Theft Auto V und Wolfenstein: The Old Blood z.B., die zwar nun wesentlich mehr Details erlauben und gleichzeitig flüssiger läufen aber eben immer noch nicht alle Grafikoptionen komplett auf Anschlag. Auch No Man’s Sky ist um Welten besser (solide 60fps statt 20-30fps) doch nur auf gleicher Detailstufe. Da gibt’s übrigens ein absolut empfehlenswertes Video von Digital Foundry zu No Man’s Sky NEXT, in dem die Jungs genau schauen welche Auswirkungen welche Grafikeinstellungen sowohl auf die Optik als auch auf die Leistung haben. Ich zocke derzeit genau auf der Stufe wie im Video.

Ein weiteres Problemkind war bekanntlich Just Cause 3, wo vor allem die physikalischen Effekte meinem alten System das Genick gebrochen hatten. Das gehört nun der Vergangenheit an. Butterweich das Teil und der Titel, den ich tatsächlich bislang am Längsten gespielt habe mit der neuen Hardware unter der Haube (sinnlose Zerstörung geht halt immer). Schade, dass es keinen integrierten Benchmark mehr gibt wie noch in Teil 2. Ich musste allerdings auch hier eine Grafikeinstellung reduzieren. Nicht, weil sie mich großartig Performance kostete. Nein, SMAA_T2X verursachte extremes Ghosting (bei Bewegungen sieht man quasi die Zwischenbilder). Das ist wohl ein bekanntes Problem und die einzige Lösung ist auf FXAA zu reduzieren. Auch zwei Abstürze hatte ich schon aber soweit ich das beurteilen kann, hatte das nichts mit der neuen Hardware zu tun, sondern mit dem Spiel.

Fazit

Was bleibt also zum Abschluss zu sagen? Nun, ich hab’ noch ein paar kleine Probleme aber nichts, was sich nicht auf irgendeine Art und Weise lösen lassen wird bzw. schon gelöst wurde. Gleichzeitig habe ich aber definitiv wieder “moar pow0r” unter dem Schreibtisch stehen, die es mir erlaubt meine bislang grenzwertigen Titel, wenn vielleicht auch immer noch nicht in voller Pracht zumindest anständig flüssig zu erleben. Es ist vielleicht nicht der ganz große Sprung (der i7-4770K ist in manchen Benches schneller als der i5-8400) aber wenn der Bedarf besteht, habe ich die Option ohne gleich wieder das Mainboard auszuwechseln zu müssen noch mehr Power reinzustecken. Entsprechend sehe ich das Geld gut investiert und behaupte mal, dass ich damit die nächsten fünf Jahre damit locker überbrückt kriege. Wobei dann vermutlich doch mal ein Gehäuseupgrade notwendig ist…

Und nein, VR ist leider immer noch kein Thema in meinem Haushalt. Bis Montag!

Ein Ausschnitt des Verlaufs

Nein, die neue Hardware ist noch nicht im Haus. Sie wurde zwar am Dienstag von Mindfactory verschickt aber es war tatsächlich auch so geplant. Unter der Woche hätte ich sowieso keine Zeit gehabt und am Wochenende war ich nicht im Haus (Verwandtentreffen). Entsprechend hatte ich bereits am Dienstag den Wunschtag auf den heutigen Montag gesetzt. Eigentlich hätte man erwarten können, dass damit die Geschichte zu Ende ist. Aber DHL macht es spannend:

Am Mittwochmorgen um 6 Uhr kam eine Mail, dass mein Wunschtag abgelehnt wurde und das Paket weiterhin am Mittwoch kommen würde. Aber der nächste Schritt (“Ins Zustellfahrzeug eingeladen”) folgte im Laufe des Vormittags nicht. Stattdessen kam irgendwann der Hinweis im Sendungsverlauf “Paket wird bis zum Wunschtag eingelagert”. *yay* – hat die Umstellung doch noch geklappt! Anscheinend hat der Postbote aber nicht richtig hingeschaut, denn am Samstagmorgen poppte erneut die Mail “Ihr Paket kommt heute” in meinem Postfach hoch und es wurde tatsächlich ins Zustellfahrzeug geladen. Am Ende kam es trotzdem nicht (obwohl Lysanda daheim war…) und der Status wechselte zurück auf “Lieferung am Wunschtag”. Vermutlich hatte der Postbote dann irgendwann im Auto gesehen, dass der Aufkleber eben nicht Samstag, sondern Montag sagte. Es ist auch weiterhin bei ihm im Auto lt. Sendungsverfolgung. Er hat es also augenscheinlich nicht ausgeladen.

Kann natürlich die Denke des Lieferanten nachvollziehen, weil wir, wenn notwendig den Wunschtag oft auf Samstag ändern und er deshalb wahrscheinlich gar nicht weiter drüber nachgedacht hatte beim Einladen. Aber ein wenig amüsant ist es schon. Ich hoffe nun, dass es heute tatsächlich wie geplant eintrifft und – viel wichtiger – durch den Heckmeck nicht doch irgendwas abbekommen hat. Will euch ja schließlich wie angekündigt kommenden Montag darüber berichten was ich gekauft habe und wie es sich in der Praxis so macht. Und nicht davon berichten wie ich mich mit dem Support von Mindfactory rumschlagen musste. Drückt mir die Daumen!

Die Erde bebte!

RAGE 2 (Herstellerbild)

Nun aber genug von den Leiden des jungen Paketdienstnutzers. Kommen wir zum wirklich interessanten Thema des Wochenendes: Die QuakeCon 2018. Ja, zum mittlerweile 21. Mal luden id Software und ihr neuer Herrscher Bethesda zum Stelldichein in Dallas (Texas). Mit im Gepäck? Mehr Infos zu Fallout 76, das mich weiterhin nicht die Bohne interessiert und The Elder Scrolls Online (neuer DLC), dessen weitere Entwicklung ich auch höchstens am Rande verfolge. Ach und Quake Champions ist nun (wie ursprünglich angekündigt – das haben einige Magazine scheinbar vergessen) in den Free-to-Play-Modus gewechselt. Außerdem wurde der Death Knight (ein Gegner aus Quake) als neuer Champion vorgestellt und zum Kaufen freigeschaltet.

Als nächstes gab es am Freitag neues Gameplay von RAGE 2 zu sehen. Das Setting wurde vorgestellt und – viel wichtiger – eine (stark zusammengekürzte) Mission durchgespielt bei der zahlreiche Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger sichtbar wurden. Bei der E3 2018 war ich zwar optimistisch aber noch skeptisch, ob aus der Kooperation von id Software (Shooter-Experten) und Avalanche Studios (Open-World-Experten) was Anständiges entstehen wird. Aber nach den sieben Minuten muss ich ganz klar sagen: Immer her damit. Das sieht nicht nur nach einer abwechslungsreichen Menge Spaß aus – es kommt auch sehr viel näher an das heran, was viele schon von RAGE erwartet hatten. Avalanche Studios haben tatsächlich “einfach” die Grundelemente (Autos mit Bewaffnung, offene Welt, Konvois, etc.) von Mad Max genommen, mehr Geld und Iteration draufgeworfen und gleichzeitig das wie immer geniale Shooter-Gameplay (Waffen, die sich nach etwas anfühlen – ja, es gibt immer noch keinen, der es besser macht) von id Software drüber gestülpt. Frühjahr 2019 soll es erscheinen. Ich freu mich drauf.

Der ewige Untergang

DOOM Eternal (Herstellerbild)

Das Highlight des Abends und das, auf was alle seit der E3 2018 gewartet hatten, war aber natürlich das Gameplay-Reveal von DOOM Eternal. Und was soll nach den 25 Minuten anders sagen als “Fuck, ist das geil!”. DOOM (2016) war ja schon der Hammer aber der Nachfolger setzt eindeutig noch einmal eine sehr, sehr große Schippe oben drauf. Wie erwartet, geht es wie damals bei DOOM II: Hell on Earth auf die Erde. Mit im Gepäck die doppelläufige Schrotflinte und neue Gegner wie der Pain Elemental (mit einer amüsanten Fluganimation) oder der Arch-vile (das Reveal am Ende des Trailers: absolute Gänsehaut). Also nur eine Wiederholung von damals mit schickerer Grafik? Quark. Wie kann man nur so einen Blödsinn behaupten, mein vergangenes Ich?!

Nein, DOOM Eternal dreht den Wahnsinn richtig auf. Aufgrund des geänderten Settings sind die Levels wesentlich offener und vertikaler gestaltet. Also fleißig mit Double Jump, Teleportern und Treppen sich durch die Gegend bewegen? LANGWEILIG! Das ist doch unter der Würde des DOOM Slayers! Nein, die doppelläufige hat einen eingebauten Hookshot. Und warum damit sich irgendwo an Geometrieobjekten hochziehen (geht natürlich ebenfalls), wenn man auch einfach Gegner als Empfangseinheit benutzen kann? Eben. Als das bei Minute 5:20 erstmals gezeigt wurde, ist nicht nur der Saal völlig ausgeflippt – ich fand (und finde) es gleichermaßen genial. Gut, dass auch der Gore-Level noch einmal massiv nach oben geschraubt wurde (gibt jetzt sogar verschiedene Verletzungsstufen), hätte ich jetzt nicht zwingend gebraucht. Aber irgendwie cool ist es natürlich schon, wenn er dem Mancubus das Auge herausreißt und in den Mund steckt. Bitte? Sowas hat Duke schon vor 22 Jahren gemacht? Mag ja sein, aber es verliert nie seinen Reiz :wink: . Oder als er dem Zombie mit der Faust den Kopf in den Brustkorb schlägt. Ähm…wir sind ja in Deutschland. Gewalt ist nicht cool. Gewalt ist nicht lustig. Gewalt ist doof.

DOOM Eternal (Herstellerbild)

Entsprechend gibt es nun neben der Kettensäge die Möglichkeit einen Faustschlag auszuführen (ich hoffe der Soundeffekt bleibt so im finalen Spiel) oder mit einem ausfahrbaren Messer zuzustechen (Altair ruft an, er will das Ding). Und die “Story”-Sequenz auf Phobos fand ich auch genial. Ja, der Slayer hat nicht nur unter Dämonen seinen Ruf weg. Ansonsten scheint alles beim Alten zu sein – und das ist das Beste, was id Software tun konnte. DOOM (2016) war und ist ein neuer Höhepunkt in der Geschichte meines Lieblingsentwicklerstudios und ich will mehr davon haben. Die Chancen für einen Day-One-Kauf von DOOM Eternal beim Release irgendwann in 2019 sind durch die Decke.

Epilog

Ja, die QuakeCon war dieses Jahr mal wieder einen Blick wert. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde: Der Aufkauf von id Software durch Bethesda hat dem Studio eindeutig neues Leben eingehaucht und war die völlig richtige Entscheidung. Und damit verabschiede ich mich bis Montag – dann hoffentlich mit einem ausführlichen Bericht auf die (nicht ganz so neuste) Hardware auf dem PC-Markt.

Sicarius

Der nächste Niemandshimmel

No Man’s Sky (Herstellerbild)

Ich vermute jede Spielergeneration hat ihren Hype-Titel, der am Ende die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllt oder nicht mehr erfüllen kann, weil der Hype zu groß geworden ist. Command & Conquer: Tiberian Sun (1999) oder Black & White (2001) sind zwei Beispiele aus der Jahrtausendwende. Anders als damals, gibt es dank “Internetverbindung erforderlich” auf der Packung aber für die Entwickler nun die Möglichkeit den Karren noch aus dem Dreck zu ziehen. Die ursprüngliche Vision der Spieler wird zwar sicherlich nie erreicht aber man kann sein Image und damit ggf. auch die Verkaufszahlen noch retten. Und ja, wenn ihr den Spielenachrichten zumindest etwas folgt, wisst ihr selbstverständlich schon wovon ich rede: No Man’s Sky.

Die Entwicklung

Der Hype war extrem groß vor der ursprünglichen Veröffentlichung im August 2016. Gefühlt erwarteten die Spieler die ultimative Weltraumsimulation. Das Spiel aller Spiele, das alle anderen Spiele überflüssig machen sollte (leichte Übertreibung von mir). Eine zufällig generierte Galaxie voller unendlicher Möglichkeiten zu tun und zu lassen was man möchte. Das Ergebnis sah wohl hübsch aus und hatte viele Spore-Elemente aber war an echten Inhalte abseits von “Ich schau mir heute Planet Nr. 1.238 an” relativ leicht. Je nachdem wen man dann gefragt hat, war das dann entweder der geilste Zen-Scheiß oder der größte Betrug aller Zeiten. Früher wäre die Sache damit erledigt gewesen. Ein paar Leute hätten sich ein paar Monate lang aufgeregt und dann wäre das Spiel als Geheimtipp unter den Teppich gekehrt worden. Dank des Internets konnte sich Entwickler Hello Games jedoch entscheiden weiter an seiner ursprünglichen Vision zu arbeiten – was sie auch getan haben und weiter tun. Am 24. Juli 2018 ist nun das mittlerweile vierte, sehr umfangreiche Updates namens No Man’s Sky NEXT veröffentlicht worden. Mit dem Spiel von 2016 hat No Man’s Sky anno 2018 wohl nur noch die Grundlagen gemeinsam.

Zeit also für mich endlich mal zuzuschlagen. Ich hatte zwar immer gehofft, dass die PC-Version doch noch ein Retail-Box bekommen würde (die PS4-Fassung hat eine). Aber nach zwei Jahren habe ich diese Hoffnung genauso begraben wie die auf dauerhafte Preisreduzierung (kostet weiterhin 55 Euro). Also habe ich beim aktuellen Angebot auf Steam (28 Euro) zugegriffen und schon ein paar Stunden darin versenkt.

No Man’s Sky (Herstellerbild)

Die Erfahrungen

Den Vergleich zum Original habe ich natürlich nicht, kann also nur für die aktuelle Version sprechen. Und in dieser handelt es sich bei No Man’s Sky um ein Überleben-, Erkundung- und Bauen-Titel aus der First- oder auf Wunsch aus der Third-Person-Perspektive wie sie vor allem im Mehrspielerbereich gerade den Markt überschwemmen. Anders als die Konkurrenz, steht aber nicht nur der Solospaß im Fokus: Ihr werdet auch einfach auf einen der Abermilliarden von zufallsgenerierten Planeten des Universums aussetzt ohne, dass ihr konkret gesagt bekommt, was ihr nun tun sollt. Es gibt natürlich ein Tutorial und auch eine Art Kampagne mit ca. 30 Stunden Spielzeit – beides ist aber vollkommen optional. Ich weiß, die Veteranen unter uns denken jetzt sicherlich ein Stück weit an die letzte Phase in Spore aber das ist nicht nur um Welten, sondern um Universen von einander entfernt, deswegen gehe ich da gar nicht weiter drauf ein. Stattdessen könnt ihr euch mit eurem Raumschiff völlig frei bewegen, auf jedem Planeten landen (oder auf Raumstationen), mit den Einheimischen schwätzen (jede der vier Rassen mit ihrer eigenen Sprache, die ihr erst noch lernen müsst!) oder die lokale Flora und Fauna bewundern bzw. ernten/töten.

Was nach den ewig langen Ladezeiten (“Loading Shaders” dauert bei jedem Spielstart gefühlte Stunden) zu allererst auffällt, ist natürlich die wunderschöne Grafik. Der Stil soll bewusst an die SciFi-Literatur der 70iger und 80iger Jahre erinnern und ist entsprechend poppig (bunt, runde Formen) und aus meiner Sicht richtig hübsch. Wettereffekte, echte Wolken, fließender Tag- und Nachtwechsel, fließender Wechsel zwischen Boden und Weltall – man kann dem Titel sicherlich einiges vorhalten, aber garantiert nicht, dass er selbst auf mittleren Details nicht noch extrem gut aussehen würde. Leider hält die Performance diese Detailtiefe und die dazugehörigen Effekte (z.B. in Echtzeit berechnete Sonnenstrahlen) nicht wirklich aus. Nicht nur je Planet schwanken die FPS von flüssig bis unspielbar, auch wenn es z.B. anfängt zu regnen oder man bestimmte seiner Werkzeuge (z.B. das Terraforming-Tool) benutzt, sackt mitunter alles ab. Und dann werden viele der Grafikeinstellungen erst nach einem Neustart des Spiels wirksam. Echt nervig. Übrigens tatsächlich mit ein Grund, warum ich mir jetzt ein Rechnerupgrade gönne (mehr dazu vermutlich in zwei Wochen).

Immerhin weiß man, wofür die Rechnerleistung gebraucht wird. Jeder Planet sieht wirklich einzigartig aus. Nirgends hat man das Gefühl nur wie damals bei Mass Effect über einen leeren und völlig leblosen Planeten zu spazieren. Und es gibt immer irgendetwas zu tun. Die Hauptstory (keine Ahnung wie die genau lautet) spielt da eine völlige Nebenrolle. Stattdessen ist man tatsächlich ähnlich wie in Minecraft sein eigener Herr und macht theoretisch einfach, wonach man Lust hat. Das besteht freilich am Anfang vor allem aus “Überleben”, “Erkunden” und “Ausprobieren” sowie sich über das viel zu kleine Inventar aufregen.

No Man’s Sky (Herstellerbild)

Das Doing

Ausgestattet mit einem schwachen Laser, beginnt ihr wie es sich für einen Zweibeiner gehört damit eure Umgebung zu zerstören. Von einer Pflanze erntet ihr dabei z.B. Sauerstoff, dass u.a. für euere Lebenserhaltungssysteme wichtig ist. Aus einem komischen Stein extrahiert ihr hingegen Eisenstaub, der als Energielieferrant für euren Laser dient und auch als erste Grundlage für komplexere Rezepte. Dann könnt ihr erste (portable) Objekte wie einen Signalbooster (scannt die Umgebung nach interessanten Lokalitäten) oder eine Raffinerie bauen (macht aus einer Ressourcen mit Hilfe von Treibstoff eine höherwertige Ressource). Aber Vorsicht: Verwüstet ihr zu viel, kommen die Sentinels vorbei und werden sauer. Es gibt ähnlich wie in der GTA-Serie ein fünf-Sterne-System. Je mehr und je länger ihr Radau schlagt, desto stärker werdet ihr angegriffen (zum Schluss dann sogar im Weltraum).

Lauft ihr neuen Arten von Flora oder Fauna über den Weg (sowohl über als auch unter der Erde!), könnt ihr sie scannen. Das gibt nicht nur ein paar Units (die Währung des Spiels), sondern erlaubt euch zudem direkt zu sehen welche Ressource sie beim Töten fallen lassen. Durchaus sinnvoll zu wissen. Nicht nur, um nicht dauernd vor den Sentinels fliehen zu müssen wegen zielloser Vernichtungsorgien, sondern auch weil sich Flora und Fauna zwar regenerieren, das aber sehr lange dauert. Außerdem ist wie gesagt am Anfang euer Inventar (am Mann und im Raumschiff) extrem begrenzt. Da kann man gar nicht alles mitschleppen, was man theoretisch finden könnte.

No Man’s Sky (Herstellerbild)

Repeat as necessary

Ist euer Rucksack voll und ihr habt grad nichts, was ihr daraus bauen wollt oder könnt (ohne Rezept, kein Objekt), dann ab zum nächsten Handelsposten. Da ist ein stetiges Kommen und Gehen von Kreaturen mit denen ihr nicht nur handeln (inkl. kompletten Raumschiffen), sondern euch auch unterhalten könnt, um z.B. neue Wörter der lokalen Sprache zu lernen oder von interessanten Punkten in der Umgebung zu lernen (z.B. abgestürzte Raumschiffe). Diese Interaktion mit den NPCs ist vom Ablauf her durchaus rudimentär. Aber ich gebe ehrlich zu, dass es schon verdammt cool ist zu sehen wie nach und nach der Kauderwelsch in den Textboxen durch verständliche Worte ersetzt wird.

Und so geht es immer weiter: Ressourcen aller Art Sammeln, neue Technologien entdecken (oder kaufen), daraus tolle Sachen bauen oder die Ausrüstung verbessern (inkl. größerem Inventar), Kohle scheffeln (ein neues Raumschiff kostet locker 2.000.000 Units und mehr), seine Basis weiter ausbauen, die Freundschaft zur lokalen Population verbessern, eine Weltraumhandelsflotte aufbauen (ja, ihr habt richtig gelesen!) oder alles hinter euch lassen, in die Weiten des Weltalls entfliehen und einen neuen Planeten entdecken/erkunden. Ihr könnt natürlich jederzeit wieder zurück zu eurem Kram, wenn ihr noch wisst wo er war – gibt sogar ein Teleporternetz, an das ihr euch anschließen könnt. Im Grundsatz ein simples Spielprinzip aber noch mehr als bei Minecraft mit einer großen Tiefe, in die ich bislang nicht einmal im Ansatz vorgedrungen bin (hab’ erst eine Holzhütte). Und das Ganze jetzt sogar zusammen mit Freunden im Mehrspielermodus.

Fazit

Ja, man könnte durchaus sagen, dass ich von No Man’s Sky aktuell wirklich beeindruckt bin. Ob mich das allein bei der Stange halten wird, ist natürlich noch einmal ein anderes Thema. Theoretische Unendlichkeit heißt ja nicht unbedingt auch unendlich viel Spielspaß. Aber momentan ist die Motivation hoch (und das kleine Inventar nervig…) und die Möglichkeiten zahlreich. Wer auf ein etwas ruhigeres Spielerlebnis steht und lieber selbst der Mann/Frau ist statt an den Händen zum Ziel geführt zu werden, der dürfte hier nicht nur zahllose Stunden, sondern sogar monatelangen Spielspaß finden. Könnte mir sogar vorstellen, dass der Titel sich gut für Paare eignet.

Hätte ich tatsächlich nicht gedacht, dass ich so positiv über das Werk schreiben würde. Ich gehörte 2016 nämlich zu den Leuten, die selbst nach der Veröffentlichung nicht so recht wussten was No Man’s Sky überhaupt für ein Spiel sein soll. Aber das ist eben Fluch und Segen des Internets: Ein heute veröffentlichter Titel kann morgen schon wieder ganz anders aussehen.

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