Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #52

Die Solaranlage

Ich kann schon über ein Jahr im Keller kacken?! Wie doch die Zeit vergeht… Und ja, es ist immer noch eine super Investition gewesen auch, wenn es mit fast 5.000 EUR (inkl. Tausch der Füllstation im Heizungskeller) nicht gerade günstig war. So viel mehr Komfort nicht nur für Toilettengänge, sondern auch einfach die Möglichkeit sich mal die Hände zu waschen oder was auszukippen. Das wusste selbst der Handwerker zu schätzen, der letzte Woche für drei Stunden im Haus war.

Zur Erinnerung: Unser Vorbesitzer hat eine Solarthermieanlage von BUSO eingebaut (irgendwann 2009/2010). 20m² auf dem Dach und ein ebenfalls leicht überdimensioniertes, futuristisches Monstrum im Keller. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich selbst nach neun Jahren in der Casa Lysanda mit dem Ding nicht wirklich auskenne. Und leider auch unser Heizungsbauer nicht, der die damals installiert hat. So ein bisschen grob drüber schauen und Frostschutz nachfüllen kann er zwar. Aber da er nur 3-4 Stück überhaupt von denen gebaut hat, ist sein Wissen darüber hinaus begrenzt. Entsprechend war ich nicht ganz glücklich mit dieser Situation. Vor allem, als er (pflichtschuldig) eine Info schickte von wegen “Brandgefahr” ohne eine richtige Lösung dafür zu haben.

Fackel das Haus ab!

Damals (glaub’ 2017) war die Aussage, dass dachintegrierte Solarthermieanlagen wie die von BUSO einen Schwelbrand verursachen können. Und zwar dann, wenn sich länger die Hitze auf dem Dach staut. Also z.B. im Sommer, wo ja viel Wärme da ist aber faktisch keine Abnehmer (Heizung ist schließlich aus). Dann zirkuliert das Wasser nicht und die Solarpaneele heizen sich auf dem Dach längere Zeit auf – mit daraus resultierenden, sehr hohen Temperaturen (180°C+) auf der Konstruktion, welche sie hält. Die angebliche Gefahr ist nun, dass das die Beschichtung des Holzes, auf dem die Solaranlage liegt, durch diese hohe Belastung mit der Zeit schwächer wird. Daraus ergibt sich dann die Brandgefahr.

Löste nicht gerade Begeisterung bei uns, diese Information. Aber wie gesagt hatte auch keiner irgendwie eine sinnvolle Lösung parat. Wir hätten einen Kühlturm in den Garten pflanzen können, der die Hitze abgibt. Ein anderer Gedanke war es (sündhaft teure) Rollläden zu installieren, die über die Solaranlage fahren und so verhindern, dass es da oben so warm wird. Oder halt die radikale Variante, einfach die Solarthermie abzubauen und Photovoltaik zu installieren.

Die eigentlich sinnvollste Variante wäre es die überschüssige Hitze zu nutzen, um damit das Haus zu kühlen. Also faktisch eine Art Wärmepumpe, Kühlaggregat oder Absorptionskältemaschine. Ich hatte auch damals eine Firma gefunden, die letzteres baut. Beim Preis (>45.000 EUR) bin ich jedoch vom Stuhl gefallen und das Thema war erstmal durch :smile: .

Lange Wartezeiten

Auch das rote muss geprüft werden!

2022 bin ich dann auf Enrico Müller (MH-direkt UG) in Sachsen gestoßen, der sich voll auf BUSO-Solarthermieanlagen spezialisiert hat. Neben haufenweisen Ersatzteilen, bietet er auch einen überregionalen Wartungsservice in Verbindung mit einer Beratung zur Stillstandsvermeidung und Vermeidung einer Brandgefahr. Das hat mich logischerweise hellhörig werden lassen. Keine ganz so billige Sache (aktuell 530 EUR – 2022 war’s noch günstiger), aber wenn ich danach schlauer bin und gleichzeitig unsere Anlage wieder in Schuss gebracht wird, wäre es das wert gewesen. Ich habe also eine Anfrage gestellt und wurde auf die Warteliste gesetzt. Das war im August 2022… passend zum 1. April 2025 hat es nun endlich geklappt. Sein Handwerker kam vorbei und legte los.

Und was soll ich sagen? Es war wirklich gut investiertes Geld. Er hat die Anlage von oben bis unten durchgecheckt und wieder auf Vordermann gebracht. So musste ein Ausdehnungsgefäß getauscht werden (wussten wir bereits), ein anderes – welches der andere Heizungsbauer in meiner Anwesenheit nie geprüft hat – war komplett voll mit Luft (=nicht gut) und auch der Puffer war offensichtlich noch nie entlüftet worden (steht jetzt jährlich in meinem Kalender). Die Anlage hatte entsprechend an allen Ecken und Enden zu wenig Druck drauf und lief nur mit einem Durchfluss von ~250l/h bevor er kam. Jetzt nach dem Durchpusten und wieder Auffüllen rennt sie auf voller Power (>600l/h) und produziert selbst bei bewölktem Himmel heißes Wasser.

Außerdem hat er sich die gesamten Einstellungen angeschaut und korrigiert. Beispielsweise hatte ich irgendwann mal die Heißwassertemperatur auf 60°C gesetzt, weil ich dachte das müsste man tun, damit man keine Legionellen kriegt. Aber die Anlage speichert kein heißes Wasser zum Verbrauch, sondern mischt es bei Bedarf. Entsprechend besteht keine Legionellengefahr. Also runtergeregelt auf 47°C. Das reicht locker zum Duschen. Außerdem stimmte die Uhr nicht mehr, wodurch die hinterlegten Heizkurven und so ebenfalls nicht wie angedacht funktionierten. Wie gesagt: Ich hab’ von dem Ding absolut keine Ahnung und entsprechend ist mir das alles nicht aufgefallen. Hätte ich mich früher mehr damit beschäftigen müssen? Sicherlich. Doch wenn ich mich nicht auf die Handwerker verlassen kann, die teuer Geld für ihre Wartung verlangen, auf wen kann ich mich dann verlassen? Offensichtlich auf die Handwerker, die tatsächlich auf die Anlage spezialisiert sind :smile: .

Einen kurzen Blick aufs Dach hat er ebenfalls geworfen. Hatte leider nicht die Ausstattung dabei, um rauszusteigen (kleiner Minuspunkt). Was er sehen konnte, sah aus seiner Sicht allerdings gut aus. Sitzt immer noch bombenfest an ihrem vorbestimmten Platz und ist nicht verrutscht.

Der eigentliche Grund

Guter Durchfluss

Die Kühlfunktion

Er hat also erstmals eine wirklich vollständige Wartung der Anlage gemacht und sie wieder auf Vordermann gebracht. Sogar alles beschriftet und gut dokumentiert. Er meinte aber auch, dass sie grundsätzlich noch sehr gut im Schuss wäre. Er hätte schon weitaus schlimmere gesehen. So eine Aussage beruhigt ja ebenfalls ein wenig.

Und dann war da ja noch die Sache mit der Brandgefahr. Da informierte er uns erst einmal darüber, dass das, was da im Internet dazu steht im Fall der BUSO wohl etwas übertrieben ist. Ja, es wird warm da oben, wenn es lange heiß ist und das ist auf Dauer für die Technik nicht gut. Allein dadurch fängt es allerdings noch nicht das Brennen an. Stattdessen erwähnte er eine andere mögliche Brandquelle, die aber eigentlich nur entstehen kann, wenn irgendwas verrutscht oder von Anfang an nicht richtig befestigt wurde. Dadurch kann irgendwo was undicht sein und Wasser austreten. Das erreicht dann die Balken unter den Glasplatten, was wiederum dann bei hohen Temperaturen zu einem Schwelbrand führen kann. Wäre jedoch relativ unwahrscheinlich, meinte er. Nein, ich habe keine Ahnung, ob ich das jetzt auch nur ansatzweise richtig wiedergegeben habe. Die Essenz ist auf jeden Fall: Keinen Stress machen. Da fackelt nix ab.

Eine Maßnahme gegen die Stagnation auf dem Dach – so nennt sich das, wenn das Wasser oben stehen bleibt – hatte er aber dennoch parat. Und zwar hat die Anlage eine Kühlfunktion. Keine Ahnung, wo er die hergeholt hat. Zumindest war der Eintrag im Auswahlmenü vorher nicht da. Und ich hatte eigentlich schon vor längerem die neuste Firmware installieren lassen. Vermutlich war die im Menü für die Fachmänner versteckt. Egal: Auf jeden Fall schaut die Anlage jetzt welche Temperatur im Puffer oben herrscht. Wird diese überschritten (aktuell 70°C), dann läuft zu einer vorgegebenen Uhrzeit (=nachts) die Anlage quasi rückwärts. D.h. zum einen, dass eben keine Stagnation herrscht – das Wasser bleibt in Bewegung. Und zum anderen wird das warme Wasser hoch zum Dach gebracht, wo es dann abkühlt und damit die Temperatur sowohl im Puffer als auch auf dem Dach senkt. Perfekt. Bin auf den kommenden Sommer gespannt, welche Auswirkungen das dann in der Praxis haben wird. Plus auf die Gasrechnung im kommenden Jahr. Erwarte, dass die jetzt etwas niedriger ist.

-Leck +Loch

Epilog

Der Besuch dieses Handwerkers hat mich definitiv glücklich und zufrieden zurückgelassen. Wann macht das schonmal ein Handwerker außerhalb des horizontalen Gewerbes :wink: . Mein normaler Heizungsbauer war aber vorher ebenfalls im Haus gewesen. Zum einen für die regelmäßige Wartung der Gasheizung. Zum anderen zur Reparatur eines Stücks der Warmwasserleitung. Die hatte wohl auch der vorherige Hausbesitzer verlegt und die fing an einer Biegung an Leck zu schlagen (tropfte schon in größeren Abständen). Zum Glück habe ich es frühzeitig gesehen bevor der Keller unter Wasser stand. Und jetzt hoffe ich, dass es das bis Ende des Jahres mit den Handwerker war. *daumendrück*

Sicarius

Das Crowdfunding-Jahr 2022

So viele Bücher nicht nur zu und über Videospiele

Stetig weiter dreht sich das Crowdfunding-Rädchen. Es gibt weiterhin dutzende von Plattformen und wahrscheinlich tausende von Projekten, die Geldgeber suchen – und die meisten davon erreichen nicht einmal ansatzweise ihr angepeiltes Ziel. Auch ich bin weiterhin fleißig dabei und werfe hier und da Geld in den Topf. Gut, bei interessanten Projekten, die aus den USA liefern, bin ich mittlerweile umsichtiger geworden. Einfach, weil die Versandkosten im Jahr 2025 total abartig sind. Aber ansonsten gebe ich weiterhin gerne, wenngleich gezielter als noch 2012. Dabei liegt mein Fokus ganz klar auf Büchern, Comics, Videospielen (in dieser Reihenfolge) mit allen Jubeljahren mal ein Brettspiel oder sowas. Die Comics schaffe ich immerhin auch dann nach erhalt zeitnah zu konsumieren, was bei den anderen Sachen leider nicht so ganz klappt *wirft einen Blick rüber zu seinen vollen Regalen* :wink: .

Es sind aber definitiv weniger Kampagnen geworden, wie der Blick zurück ganz gut zeigt. 2022 und 2023 habe ich zusammen ganze 19 Projekte unterstützt. Zum Vergleich: Allein in 2021 waren es noch 29. Werfen wir also heute mal einen Blick darauf, was es trotzdem geschafft hat mir 2022 das Geld aus den Taschen zu entlocken:

Viel zu lesen

Achtmal Lesestoff, einmal etwas zum Hören, eine Brettspielerweiterung und ein Videospiel – das waren die Projekte, die ich 2022 unterstützt habe. Komplett abgeschlossen davon sind bislang acht Stück. Nein, tatsächlich nicht der komplette Lesestoff :smile: . Zwar ist David L. Craddocks Werk Long Live Mortal Kombat: Round 1 – The Fatalities and Fandom of the Arcade Era* schon lange im Buchhandel erhältlich (nur auf Englisch). Ich hatte jedoch die Super-Duber-Spezial-Edition als Belohnung ausgewählt und die verbringt noch ein wenig länger Zeit im Ofen. Das gilt auch für Mina the Hollower, der neue Titel von Yacht Club Games (Shovel Knight*). Dauert halt eine Weile einen würdigen 8bit-The Legend of Zelda-Klon zu bauen – vor allem bei einem so detailversessenen Indieentwickler.

Der dritte Wartekandidat ist Matt Grays fünftes C64/Amiga-Remix-Album, Reformation 5. Der Kerl kann einem echt leidtun. Musste mittlerweile sogar (ziemlich billig) seine Lizenzrechte weiterverkaufen, um sich über Wasser zu halten. Und trotzdem versucht er seine Versprechen zu halten und arbeitet langsam aber stetig am (voraussichtlich letzten dieser Art) Album. Neben den Schicksalsschlägen, die er so zu erleiden hatte in den letzten Jahren, hat ihn glaube ich die ganze Sache mit den Vinyls und CDs am meisten das Genick gebrochen, die er in seinen Kampagnen am Anfang anbot. Hohe Produktions- und Versandkosten, die er wohl nicht ganz so richtig eingeplant hatte bzw. die Resonanz der potentiellen Käufer unterschätzte (=gab nich viele). Ich hoffe wirklich, dass es noch irgendeine Art von Happy End für ihn geben wird. Ich hab‘ meinen Teil dazu getan, indem ich bislang alle Kampagnen von ihm unterstützt habe und nicht zu denen gehöre, die ständig in die Kommentare schreiben “SCAM – WIRD NIE ERSCHEINEN – ER GEHÖRT VERKLAGT!!!!1111″. Ich hasse unsere Gesellschaft…

Die Erfolge

CANVAS und seine zwei Erweiterungspakete

Das erwähnte Brettspiel ist die 2. Erweiterung zu Canvas* namens Finishing Touches. Das Hauptspiel gibt es sogar zwischenzeitlich auf Deutsch. Darin schlüpft ihr in die Rolle von Künstlern, die mit Hilfe von transparenten Karten Bilder gestalten und dann prämiert bekommen. Eine spielerisch nette und optisch sehr hübsche Sache. Die Erweiterung steht nicht nur mittlerweile im Regal, ich habe sogar letzte Woche die Versandbestätigung für das letzte Puzzleteil erhalten. Und zwar haben sie letztes Jahr Geld gesammelt für eine große Box in die alles reinpasst – also sowohl Hauptspiel als auch die zwei Erweiterungspakete. Sobald die da ist, mache ich vielleicht endlich mal ein Unboxing dazu.

Zum Lesestoff gehören hingegen wieder zwei Ausgaben von den (englischsprachigen) Spielemagazinen ([lock-on] Volume 003 und A Profound Waste of Time Issue 3), bei denen ich seit Anfang an mit dabei bin. Wobei sie lapidar als „Spielemagazine” zu bezeichnen ihrer definitiv nicht gerecht wird. Optisch sind beide echte Kunstwerke und inhaltlich auf einem hohem textuellen wie inhaltlichen Niveau, ohne in den pseudo-elitären Mist zu verfallen, der vor allem in der deutschen Szene gerne als hochwertig bezeichnet wird. Und nein, schnöde Spieletests sind da keine drin :smile: . Irgendwelche Überschneidungen zwischen beiden Heften sind mir ebenfalls noch nicht negativ aufgefallen. Ich muss unbedingt mal einen separaten Eintrag zu denen machen. Vermutlich, wenn die nächsten Ausgaben erscheinen.

Ich bin mir übrigens bewusst, dass ich das ähnlich schonmal geschrieben habe :smile: (A Profound Waste of Time und [lock-on]). Aber ich finde, es lohnt sich das zu wiederholen. Es versuchen so viele (vor allem im Retro-Bereich) aktuell ihre Heftchen über Crowdfunding zu finanzieren und das Ergebnis ist… meist ziemlicher schrott. Da gilt es die wirklich gelungenen Werke nochmal extra hervorzuheben. Und da beide in England produziert werden, sind auch die Versandkosten nach Deutschland nicht ganz so abartig hoch.

Der restliche Lesestoff

Bleiben noch die fünf „normalen” Bücher übrig. Alle beschäftigen sich mit der Spieleindustrie. Daraus scheine ich nicht wirklich auszubrechen :smile: . Und zwar sind folgende Titel dank Crowdfunding neu in mein Regal gekommen:

  • Game Boy & Virtual Boy Anthology* von Geeks-Line – Auch im 6. Buch von Geeks-Line ist das grundsätzliche Format unverändert: Entwicklungsgeschichte, Details zur Hardware und vor allem Infos zu ALLEN für die jeweilige Plattform veröffentlichten Spielen. Ist also ganz schön was drin in diesen dicken aber extrem informativen Wälzern und Nachschlagewerken.

Die (derzeit) komplette Sammlung

  • It Only Did Everything von Sandeep Rai – Der Autor ist voll auf Sony spezialisiert. Angefangen hat er mit einer Reihe von Büchern zur PlayStation Vita (darüber habe ich ihn kennen gelernt) und mittlerweile hat er Werke zur Firma selbst, zur PlayStation und in diesem Fall eben zur PlayStation 3 geschrieben. Auf 320 Seiten erzählt er wirklich sehr ausführlich die Geschichte von Sonys Konsole.
  • Revolution – The Quest for Game Development Greatness von Tony Warriner – Es hat seine Vor- und Nachteile, wenn die Gründer eines Studios ihre Geschichte erzählen. Auf der einen Seite kann dadurch sehr viel Insiderwissen vorhanden sein. Auf der anderen könnte aber auch die ein oder andere Tatsache (unbewusst) in ein falsches Licht gerückt werden. Dennoch: Ich finde es grundsätzlich gut, wenn Entwickler solche Werke schreiben. Und in diesem Fall geht es um Revolution Software, ein britisches Studio, das vor allem für seine Point ‚n‘ Click-Adventure wie Baphomets Fluch oder Beneath a Steel Sky bekannt ist. Und der Autor ist einer der Gründer.
  • The Legend of Final Fantasy X* und The Mysteries of Monkey Island* vom französischen Verlag Third Editions – Trotz meiner schlechten Erfahrung mit The Heart of Dead Cells: A Visual Making-Of, finde ich den Großteil ihrer Werke immer noch gut (obwohl ich schon hier und da ein paar Bilder bevorzugen würde) und werfe gerne Geld in den Topf. Amüsanter Weise ist nicht lange vor dem Monkey Island-Buch auch noch Monkey Island Chronicles ins Haus geflattert. Dieser dicke und auf 7.000 Stück limitierte Wälzer war Teil der Spezial Edition von Limited Run Games anlässlich des 30. Geburtstags des Spiels. Wenn ich beide gelesen habe, muss ich entsprechend mal einen Vergleich machen. Vermute aber, da das Buch von Limited Run Games in direkter Zusammenarbeit mit den ehemaligen Entwicklern entstanden ist, dass es die Nase vorne haben wird.

Fazit

Im Vergleich zu vorherigen Jahren habe ich 2022 also weniger Geld ausgegeben. Was ich dafür bislang bekommen habe, war die Ausgaben aber durchaus wert. Nichts dabei, was ich in irgendeiner Weise bereue oder nicht weiterempfehlen kann. Und bei den noch fehlenden Sachen mache ich mir ebenfalls keine Gedanken. Alles etablierte Firmen/Einzelpersonen mit viel Erfahrung nicht nur in ihrem Tun, sondern auch im Crowdfunding-Geschäft. Kann natürlich trotzdem immer mal was schief gehen, aber seit ich mehr auf sowas achte, fahre ich definitiv besser und bekomme mehr für mein Geld :smile: .

Sicarius

Der 4. Teufel der Langeweile

Diablo IV (Herstellerbild)

Obwohl ich die Welt der Kriegskünste wieder hinter mir gelassen habe, starte ich aktuell trotzdem immer noch häufig die Battle.net Desktop App. Und zwar hatte ich mir tatsächlich relativ früh mal Diablo IV* sowie in der Zwischenzeit die 1. Erweiterung, Vessel of Hatred, gegönnt. Glaub‘ jeweils bei der ersten großen Rabattaktion, weil sie zu dem Zeitpunkt echt vergleichsweise billig zu haben waren. Die sündhafte teure Collector’s Edition mit der Kerze, die auch noch ohne Spiel geliefert wurde, landete zum Release hingegen nicht in meinem Warenkorb. Irgendwo habe selbst ich meine Limits. Und wenn ich mir die überraschend niedrigen Preise bei eBay dazu so anschaue, dann bin ich wohl nicht der Einzige, der darauf verzichtet hat.

Zurück nach Sanktuario

Diablo III habe ich vor fast genau 11 Jahre durchgespielt und seitdem nur mal kurz für das Kuhlevel und das Geburtstagsevent nochmal reingeschaut. Es hatte seine Momente und man kam gut in den üblichen Action-RPG-Flow, den die Serie erfunden hat. Die Geschichte war zwar nicht weltbewegend aber nett und die vorgerenderten Filmchen auf dem von Blizzard gewohnten, äußerst hohem Niveau (ja, ich bin gefühlt der einzige, der ihre Spiele hauptsächlich deshalb spielt…). Dennoch: Spielerisch hat mich das Spiel nicht wirklich weiter gefesselt nachdem Malthael im Dreck lag. Die ganzen Endgame-Inhalte, die nur dazu dienen, dass ein paar Zahlen ein bisschen nach oben gehen? Nicht mein Ding. War aber bei den Vorgängern auch nicht viel anders. Keine Ahnung, wem es wirklich Spaß machte zum 10.000 Mal einen Baal-Run durchzuführen für ein paar mickrige Erfahrungspunkte. Kein Wunder, dass ich bis heute nicht Diablo II: Resurrected gestartet habe.

Meine Erwartungen an Diablo IV waren entsprechend eigentlich ziemlich niedrig: Im Flow ein paar (zehn)tausend Monster töten, Gegenstände aufsammeln, fleißig im Level aufsteigen und dabei eine zumindest gut erzählte Geschichte mit geilen Filmchen erleben – in einer Welt, die ich grundsätzlich sehr interessant finde. Habe sogar damals die ersten Romane gelesen (2003-2008). Was habe ich hingegen gefunden, nachdem ich zum Verfassungszeitpunkt mit meiner Level-60-Zauberin (Paragon 84) das Ende des Hauptspiels erlebt habe? Immense Langeweile. Von Spielspaß schon lange keine Spur mehr.

Und vermutlich der Hauptgrund dafür? Die höheren Schwierigkeitsgrade sind erst erreichbar, wenn man die Kampagne einmal durchgespielt hat. Keine Ahnung, wer dachte, dass das auf irgendeine Art und Weise Sinn macht. Ist man in der Releaseversion langsamer im Level aufgestiegen? Die Konsequenz ist auf jeden Fall, dass spätestens seit Akt 2 alle meine Gegner (nur leicht übertrieben gesagt) schon beim Anschauen umfallen und selbst die Bosskämpfe keinerlei Herausforderung mehr darstellen. Die Gegenstände, die sie fallen lassen, haben ebenfalls nichts mehr für mich zu bieten. Ich bin schon seit Ewigkeiten voll mit der für mich perfekten, legendärer Ausrüstung ausgestattet – die nächste Stufe gibt es erst in den höheren Schwierigkeitsgraden. Ich hab‘ sogar ab Akt 3 komplett aufgehört irgendwelche Dungeons oder Nebenquests zu machen, weil es keinerlei Sinn hat. Stattdessen bin ich buchstäblich durch die Hauptgeschichte hindurchgerast und habe mir das alles für danach aufgehoben, wo ich es wieder zu einer Herausforderung machen kann. Diese Diskrepanz wird auch dadurch deutlich, dass ich im Anschluss problemlos (man muss dafür in einem Endgame-Dungeon ein bestimmtes Level erledigen) direkt zwei Stufen nach oben gegangen bin auf Torment 1 (Tormet 4 ist die derzeit höchste Stufe). Und selbst das ist immer noch gefühlt zu wenig.

Die Geschichte

Diablo IV (Herstellerbild)

Jetzt werdet ihr sicherlich fragen: Taugt dann wenigstens die Geschichte was? Nun, die Serie war noch nie für die wirklich tiefgründigsten Erzählungen bekannt. Aber Diablo IV schießt den Vogel definitiv mit einer großkalibrigen Schrotflinte ab. Angesiedelt 50 Jahre nach dem Finale von Diablo III: Reaper of Souls (immer noch ein dämlicher Name), kehrt die Dämonin Lilith nach Sanktuario zurück. Sie ist die Tochter von Mephisto. Ihr wisst schon: Der Bruder von Diablo, dem ihr in Diablo II die Fresse poliert habt. Außerdem hat sie zusammen mit dem Erzengel Inarius vor langer Zeit die Welt von Sanktuario erschaffen. Deswegen hat sie auch den Spitznamen “Mutter” bzw. genauer gesagt “Mutter des Hasses”.

Euer Charakter hat schon früh im Spiel eine direkte Begegnung mit Lilith, bei der ihr einen Teil ihrer Essenz aufnehmt und entsprechend einen gewissen Kontakt/eine Verbindung zu ihr habt. Lilith selbst zieht hingegen die ersten Akte einfach nur durch Sanktuario und sammelt ein paar Sachen ein. Ihre Anhänger glauben, dass sie das tut, weil sie die Welt erlösen will oder sowas. Aber wie es immer so ist mit Dämonen, steckt etwas anderes dahinter. Ihr seid ihr auf jeden Fall auf den Fersen, sammelt dabei die paar verbliebenden Horadrim ein (Deckard Cain ist ja nicht mehr) und versucht zunächst, ihren Plan zu entschlüsseln, um ihn schließlich zu vereiteln. Und ja, Lilith liegt zwar am Ende im Dreck, aber einen Cliffhanger gibt es wie gewohnt trotzdem. Dadurch, dass Lilith nur eine kleine Maus im großen Ganzen war und das eigentliche Böse immer noch eine Gefahr darstellt, ist der Cliffhanger gefühlt sogar noch schlimmer als in den alten Titel wo es mehr ein “Ist das Böse wirklich besiegt?”-Fragezeichen darstellte.

Total mau

Auf dem Papier klingt die Hauptgeschichte jetzt erstmal nicht so schlimm. Ja, nicht Pulitzer-verdächtig aber für Diablo-Verhältnisse völlig ausreichend. Die Hauptquests an sich sind auch okay und man merkt, dass Blizzard versucht trotz der vorhersehbaren Handlung ein paar Wendungen einzubauen. Aber die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird, ist trotz zahlreicher Ingame-Sequenzen einfach nicht zu gebrauchen. Faktisch rennt ihr in jedem Akt nur gelangweilt von A nach B (mit den üblichen Umwegen dazwischen), findet eine “Erinnerung” an das was Lilith kurz vorher getan hat, kämpft gegen einen mehr oder weniger bekannten Bossgegner (der keine Herausforderung ist) und abgerundet wird das Aktende dann durch eine Erzählerstimme, die ein paar Worte über Stillleben (z.B. ein paar Grabsteine) abgibt. Erzählerisch gelungen ist eigentlich nur der 6. und letzte Akt, wo alles zusammenkommt, die Welt vor dem Untergang steht und entsprechend richtig was abgeht (optisch wie inhaltlich).

Als ich Akt 1 beendet hatte, war ich echt total perplex und fühlte mich im falschen Film. Kein geiles, vorgerendertes Filmchen als Belohnung, stattdessen nur eine kleine Ingame-Sequenz? Was soll das?! So super und wirklich detailreich das Spiel aussieht: Von einer gut gemachten Zwischensequenz ist das alles sehr weit entfernt, was ihr da gezeigt bekommt. Selbst die Erinnerungen an Liliths Taten sind dermaßen enttäuschend. Zum einen grafisch eben nicht vergleichbar mit richtigen Rendersequenzen und zum anderen inhaltlich einfach nur langweilig. Faktisch läuft sie nur halbnackt durch die Gegend und labert ein bisschen. Nene. Übrigens gibt es im gesamten Hauptspiel exakt zwei vorgerenderte Filmchen: Das Intro und eine (wirklich geniale) Sequenz im 6. Akt. Da die so dermaßen genial ist, schmerzt es umso mehr, dass es sonst nichts in der Hinsicht gibt.

Ach und noch als letztes Wort zur Geschichte: Akt 4 ist ein totaler Witz. Keine Ahnung, ob ich vorher irgendwas zu viel gemacht hatte, aber es dauerte keine halbe Stunde bis Andariel (ja, das “alte Bekannte”-Recycling ist hoch) im Dreck lag. Das hat mich extrem überrascht. Es passiert in diesem Akt quasi überhaupt nichts. *kopfschüttel*

Spielerisch mau

“Die Geschichte taugt also nichts. Blöd. Ist spielerisch dann wenigstens was zu holen?” Auch irgendwie nicht so recht. Auf dem Papier gibt es haufenweise Inhalt selbst bevor ihr das Endgame erreicht und dabei extrem viel Abwechslung. Ihr habt beispielsweise, anders als in Diablo III, sehr viele Möglichkeiten euren Charakter selbst innerhalb eurer gewählten Klasse zu entwickeln. Freilich gibt es wie immer optimale Zusammensetzungen. Aber es ist gefühlt nicht einmal annähernd so stringent wie in den Vorgängern. So stehen meiner Zauberin drei Elementrichtungen zur Verfügung (Feuer, Blitz, Eis – ich bin letzteres) und darin dann nochmal einige Spezialisierungsmöglichkeiten.

Diablo IV (Herstellerbild)

Die Auswahl der Gegenstände ist hingegen überraschend begrenzt. Also es fallen logischerweise hunderte von Gegnern, als Questbelohnungen oder aus Truhen. Aber es irgendwie alles ziemlich gleichförmig und unterscheidet sich nur minimal – wenn es nicht sogar häufig exakt der gleiche Gegenstand ist. Wie oft ich schon diesen bescheuerten Helm der Stufe “Heilig” gefunden habe, der einem die Fähigkeit Meteor um drei Stufen erhöht… total dämlich. Das soll wahrscheinlich die umfangreiche Crafting-Seite des Spiels fördern. Motivierend ist es aber irgendwie nicht. Zumal hier eben wieder das Thema Schwierigkeitsgrad mit reinspielt: Ich muss nichts davon für den Kampf gegen Lilith tatsächlich nutzen.

Leider stellt man auch in anderen Bereichen sehr schnell fest, dass das Wasser nur knöcheltief ist. So findet jeder Akt zwar in einer optisch völlig anderen Region der Welt statt – die Gegnervielfalt ist aber dennoch extrem überschaubar. Ständig schlagt ihr auf das gleiche Gesocks ein, das höchstens etwas anders eingefärbt ist. Das Gleiche gilt für das, was ihr so tut. Ja, die Nebenquests sind thematisch an die Regionen angepasst und haben tatsächlich inhaltlich was zu bieten. Aber beispielsweise die vielen Dungeons, die ihr besuchen könnt/im Rahmen der Missionen besucht, sind alle so dermaßen gleichförmig und optisch identisch. Das ist schon extrem traurig. Gefühlt gibt es nur 4-5 Grafiksets, aus denen das Spiel auswählt und dann wird das in einen fast völlig linearen Korridor zusammengesetzt. War das Suchen des Ausgangs in den teils riesigen Umgebungen von Diablo und Diablo II teilweise nervig? Möglicherweise. Aber es gehörte zum Spiel und machte mit dem Reiz aus. Vielleicht gab es ja doch in der einen Ecke noch was Interessantes. In Diablo IV hingegen? Lauf geradeaus/im Kreis, mach‘ dabei eine von gefühlt nur drei Sachen, dann klettere/laufe eine Treppe eine Ebene tiefer, mach‘ nochmal eine von gefühlt nur drei Sachen und finde dann am praktisch platzierten Heilbrunnen den Bossgegner. Die zufälligen Events auf der Karte sind ebenfalls nicht abwechslungsreicher gestaltet. Spätestens nach der Hälfte von Akt 1 habt ihr (ohne viel Übertreibung) alles gesehen und gemacht, was es zu tun gibt. Und, wenn dann nicht einmal eine Herausforderung dabei ist und/oder die Chance bessere Ausrüstung zu bekommen – warum dann überhaupt sich die Mühe machen? Eben.

Fazit

Alter Schwede, was ein Scheiß. Ich muss es leider so deutlich ausdrücken. Würde mich mein “ich hab’s gekauft, also spiel ich’s auch durch”-Hirn nicht antreiben, ich hätte Diablo IV spätestens Mitte Akt 2 zur Seite gelegt. Zwar ist theoretisch der grundlegende Action-RPG-Flow vorhanden und es sieht sehr gut aus und hört sich super an. Aber es ist halt echt absolut überhaupt nichts dahinter. Und das fällt umso mehr auf, wenn ich nur durch die Gegend laufe und Gegner “one-shotte”, weil es mir aus unerfindlichen Gründen verwehrt ist 1-2 Stufen höher zu gehen. Loot ist entsprechend irrelevant und wird nur der Pflicht halber aufgesammelt und beim Schmied für nutzloses Material recycelt. Ich hab‘ so schon fast 100 Millionen Goldstücke gesammelt und bislang nichts, wofür ich sie ausgeben könnte. Und warum soll ich an meiner Ausrüstung rumbasteln (Edelsteine einsetzen, Attribute neu würfeln, etc.), wenn ich es jetzt nicht brauche und irgendwann beim Wechsel des Schwierigkeitsgrades eh neue Sachen kriege.

Die Geschichte ist ebenfalls nicht zu gebrauchen. Die Charaktere und ihre Entwicklungen lassen mich ziemlich kalt. Wofür sicherlich die fehlende Herausforderung ebenfalls ein Grund ist. Wenn alle davon fasseln wie schlimm alles ist, der große Bosskampf aber nach 2 Sekunden vorbei ist (ja, auch der gegen Lilith) – wie soll ich das wirklich ernst nehmen? Da fällt dann noch mehr auf, dass die Hauptquests über “geh dahin, sammel’ was/besiege einen Boss” nicht wirklich hinaus gehen. Und, wenn ich am Ende von alledem als Belohnung nicht einmal eine geile Rendersequenz kriege? Ja, ne lass‘ ma. Was ich von Vessel of Hatred bislang gehört habe, stimmt mich ebenfalls nicht sonderlich optimistisch. Spielen werde ich es freilich trotzdem. Und immerhin besteht jetzt mal wieder die Chamce, dass ich einem Kampf Gefahr laufe zu sterben…

Von dem ganzen Live-Service-Scheißdreck habe ich eich jetzt gar nichts erzählt. Ist aber auch egal. Mein Ratschlag ist nämlich ganz klar: Kauft euch lieber endlich Grim Dawn. Das ist immer noch um Längen besser und soll dieses Jahr sogar noch eine dritte Erweiterung (es geht in den hohen Norden) erhalten.

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