Sicarius

Die Angst vor dem Schneesturm

Red Dead Redemption (Herstellerbild)

Und? Auch schon alle fleißig Red Dead Redemption 2 am Zocken? Scheint ja aus Kritikersicht (wie erwartet?) das Übermegahammerspiel zu sein. Mal schauen ob und wann eine PC-Version auf den Markt kommt. Wobei ich meine Kopie von GTA V auf dem PC bislang hauptsächlich für Benchmarks gestartet habe (und eine Runde n00bs im Team-Deathmatch rul0rn). Da bin ich auf der Xbox 360 wesentlich weitergekommen. Ja, ich hatte es damals gekauft und sogar vergleichsweise lange gespielt.

Abseits des notwendigen Zeitinvestments ist einfach nicht mehr so der Reiz da. Habe ich jetzt auch wieder gemerkt, als ich mal spaßeshalber Red Dead Redemption (ja, ich besitze die GOTY) in meine total verstaubte Xbox 360 eingeschoben habe. Als ich schon in der zweiten Storymission auf den ersten Plotstopper gestoßen bin (wenn ihr mit Bonnie MacFarlane Patrouille reiten sollt, dürft ihr euch nicht ihr in den Weg stellen, sonst glitcht sie aus…) ging die Motivation bereits stark in den Keller. Aufgehört habe ich dann nach Mission 4 als mir mal wieder klar wurde, wie viel es in Open-World-Titeln zu tun gibt und wie wenig mich das vor allem bei Rockstar-Titeln noch reizt… Ja, es gibt zahlteiche Details, ihr könnt haufenweise Sachen tun und alles sieht mega-hübsch aus – aber den Spielspaß finde ich trotzdem irgendwie nicht so richtig. Ich werde einfach alt :smile: .

Ein Schneesturm in Kalifornien

Diablo III Immortal (Herstellerbild)

Aber wie heißt es so schön? Jedem das seine. Wenn ihr Spaß mit Red Dead Redemption & Co. habt/hattet, dann ist das richtig so. Das gilt selbstverständlich für alle Spiele auf dem Markt – ja, auch Diablo Immortal, das am Wochenende auf der Blizzcon angekündigt wurde. Und nein, ich verstehe nicht warum die Entwickler den dazugehörigen Shitstorm nicht vorhergesehen haben. Eine Hardcore-PC-Crowd (Konsolen sind auch was relativ Neues im Blizzard-Universum) mit einem Handyspiel aus den Socken zu hauen ist vermutlich unmöglich – egal wie gut vielleicht und unter Umständen das Endergebnis ist. Hätten sie vielleicht vorher mal mit EA reden sollen. Da es sich bei dem Titel allerdings um eine Co-Produktion mit dem chinesischen Entwickler NetEase handelt, sind meine Erwartungen in dieser Hinsicht genauso gedämpft wie bei vielen Fans. Ich vermute ein simples, mit Zeitlimits und Microtransaktionen verseuchtes Hack ‚n‘ Slash mit einer Steuerung, die zumindest für meine Finger keine fünf Minuten nutzbar ist. Trotzdem werde ich natürlich wie damals bei Dungeon Keeper mal reinschauen. Schon allein, weil ich auf dem Smartphone mittlerweile gefühlt mehr zocke als am Hauptrechner – laut dieser neuen iPhone-Statistikfunktion ungefähr zwölf Stunden pro Woche.

Mangels eines echten Diablo IV und meinem weiterhin völligem Desinteresse in Bezug auf Overwatch, war für mich die Ankündigung von WarCraft III: Reforged die wichtigste Neuigkeit. WarCraft III: Reign of Chaos und WarCraft III: The Frozen Throne sind einige der wenigen Echtzeitstrategiespiele in meinem Gamerleben, die ich tatsächlich durchgespielt habe. Und ich finde es echt cool, dass sie nicht einfach nur eine Remastered-Version wie bei StarCraft machen, sondern das Spiel quasi vollständig neu zusammenbauen. Ja, da könnte theoretisch auch das ein oder andere dabei schiefgehen. Ich erwarte hier jedoch absolut keine Experimente und was bislang zu sehen war, macht auch keinen Eindruck in diese Richtung. Es sieht einfach aus wie WarCraft III.

WarCraft III: Reforged (Herstellerbild)

Wobei mich freilich weniger das (gelungene und zeitlose) Gameplay am Remake reizt, sondern vor allem die überarbeiteten Rendersequenzen. Schon das altbekannte Intro in dieser neuen Qualität zu sehen ist einfach nur genial. Das hat mir übrigens mal wieder gezeigt wie gut die rosarote Brille funktioniert, denn zuerst dachte ich, es wäre einfach nur das Originalintro aber das sieht im Vergleich nicht einmal ansatzweise so gut aus. Da will ich gar nicht wissen wie fantastisch Arthas Verrat in aufgemotzter Form daherkommt. Mir läufts schon wieder kalt den Rücken runter, wenn ich auch nur die Musik dieser Sequenz höre. Echt schade (aber natürlich verständlich in Bezug auf Zeit und Kosten), dass Blizzard immer weniger Rendersequenzen raushaut und stattdessen vermehrt auf Ingame-Zeugs schwenkt.

Und sonst?

So viel also zur Blizzcon 2018. Abseits davon habe ich endlich F.E.A.R. 2: Reborn durchgespielt. Das einzige Addon für F.E.A.R. 2: Project Origin. Das Hauptspiel war ja schon nicht mehr so der ganz große Burner im Vergleich zu F.E.A.R. aber der DLC schießt echt den Vogel ab. Fünf Intervalle (vier Levels), die ihr je nach Schwierigkeitsgrad in maximal zwei Stunden (und das ist schon großzügig) durchhabt. Und dann gibt es nicht einmal irgendeinen Mehrwert was die Story angeht (der DLC findet parallel zum Hauptspiel statt). Ihr schlüpft zwar in die Rolle des Soldaten, der Fettel (unfreiwillig) befreit aber sein Weg dorthin ist einfach nur langweilig.

F.E.A.R. 2: Reborn (Herstellerbild)

Der Associate Producer Lucas Myers für den DLC bei Monolith Productions hat damals gesagt: „Wir wollten für den DLC neue und interessante Umgebungen schaffen, die auf dem Hauptspiel aufbauen“. Mag sein, dass sie das auch gemacht haben (ist schon länger her mein Playthrough des Hauptspiels) aber das Ergebnis war für mich weder neu noch interessant. Im Gegenteil war ich auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad eher genervt, weil man selten die Möglichkeit hat alternative Wege zu gehen und stattdessen dauernd überrannt oder aus großer Entfernung von Scharfschützen erschossen wird. In der finalen Arena (einen echten Bosskampf gibt es nicht) habe ich mich hinter einem Pfeiler verstecken müssen, weil ich anders dauernd nur erschossen wurde. Von mir gibt’s entsprechend nur 2 von 5 Sics. Obwohl das grundlegende Spielprinzip auch heute noch Spaß macht, kommt es im DLC absolut nicht zur Geltung. Ihr habt also nichts verpasst, wenn ihr ihn nicht gespielt habt.

Epilog

Ich weiß: Es ist schon paradox, dass ich keine Zeit in einen hochwertigen Open-World-Titel stecken will aber dann weniger als mittelmäßige DLCs durchspiele. Aber ihr wisst ja, dass ich in der Hinsicht vielleicht etwas komisch bin. Ich möchte aber einfach am Ende des Tages, wenn möglich alles von einem Spiel gesehen haben. Erst dann kann ich schließlich vollumfänglich mitreden und euch mit tiefgründigen Einträgen beglücken :smile: .

In diesem Sinne: Bis Montag!

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3 Kommentare

Oh ja, der Diablo Immortal Shitstorm, da war wieder was los.

Zum Spiel selber muss ich sagen, dass ich auch sehr enttäuscht bin. Gar nicht so sehr darüber, dass es ein Mobile Game wird, sondern dass es nicht in-house entwickelt wird und stattdessen bei einem chinesischem F2P Anbieter der übleren Sorte (wenn man den Berichten glauben schenken kann, dass man in deren anderen Spielen tausende von $ investieren muss um auch nur halbwegs kompetetiv mitspielen zu können) entsteht. Kann mir doch keiner erzählen, dass Blizzard nicht die Ressourcen dafür hat.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass wirklich jemand in dem Laden gedacht hat, dass das eine gute Idee ist das vor den Hardcore Fans auf der Blizzcon zu enthüllen. Und vorallem im vorraus noch den Hype in Richtung einer Diablo Enthüllung zu schüren.

Heute gab es Gerüchte, dass Blizzard tatsächlich vorhatte Diablo 4 (oder einen sonstigen Diablo 3 Nachfolger) zu enthüllen, dies aber in aller letzter Sekunde aus unbekannten Gründen abgesagt wurde und stattdessen in der Not kurzfristig Diablo Immortal frühzeitig präsentiert wurde. Die Verschwörungstheorien kann man natürlich beliebig weiter spinnen (hat Mike Morhaimes abdanken etwas damit zu tun? Der Zeitpunkt so kurz vor der Blizzcon ist ja schon seltsam…). Aber zumindest ist das imho eine schlüssigere Erklärung, als dass man das wirklich so geplant hatte.

Aber darauf wollte ich eigentlich gar nicht so sehr eingehen, sondern vielmehr auf den gigantischen Shitstorm der dabei entstanden ist. Die ganzen Memes waren ja noch ok, und teilweise sogar amüsant. Aber was sich da ansonsten mal wieder für ein Hass entladen hat, ist mir einfach nicht begreiflich. Es ist fast so als würden hunderte (oder tausende, zehntausende?) Leute einfach nur darauf warten, dass irgendjemand einen Fehler macht, damit man da mit aller Gewalt drauf einprügeln kann. Und es trifft dabei ja nicht nur Blizzard, sondern jeder (in diesem Fall hauptsächlich Spiele Journalisten), der es wagt dem auch nur ein kleines bisschen entgegenzutreten (indem man z.B. darauf hinweist, dass Immortal ja extern entwickelt wird und damit keine Ressourcen von anderen in Entwicklung befindlichen Diablo Titeln gefressen werden) wird gnadenlos mit niedergemacht. Wenn ich sehe was da abgeht kann ich nur noch im Strahl kotzen, so fürchterlich finde ich das.

Die Gaming „Community“ (so darf man das eigentlich gar nicht mehr bezeichnen) ist spätestens seit der „GamersGate“ Geschichte so toxisch und so kaputt, dass ich damit überhaupt nichts mehr zu tun haben will. Aber es beschränkt sich ja schon lange nicht mehr aufs Gaming, die komplette Diskussionskultur im Internet ist leider irreperabel am Ende. Da gibt es einfach nichts mehr zu retten.

Aber was solls. Ausprobieren werde ich Immortal mit Sicherheit und Warcraft 3 Reforged ist sowieso ein Muss, das sieht echt klasse aus.

Die „Ich bin wichtig, mir gehört alles und ihr müsst tun was ich sage“-Kultur ist leider grundsätzlich immer weiter verbreitet (man muss nur morgens auf die Arbeit fahren…ich will endlich 100% autonome Fahrzeuge auf den Straßen). Gibt vermutlich zahlreiche Studien dazu, die analyisiert haben warum das so ist (Tendenz zu anti-autoritärer Erziehung, Echo-Kammern, etc.). Und nein, das wird sich ohne einen großen Knall nicht mehr ändern – nur noch weiter verschlimmern.

Aus meiner Sicht tragen die Firmen (auch wieder allgemein, nicht nur Videospiele) da aber auch selbst stark dazu bei weil sie gefühlt kein Rückgrat mehr haben und dadurch diese Leute auch noch in ihrem Tun bestätigen. Das muss nicht gleich so eskalieren wie die Entlassungen bei ArenaNet (Guild Wars 2), sondern fängt schon im kleinen an wo man Features wegen einer lautstraken Minderheit anpasst.

Ja, der Videospielemarkt ist hart umkämpft und Milliardenschwer (137,9 in 2018 – https://newzoo.com/insights/articles/global-games-market-reaches-137-9-billion-in-2018-mobile-games-take-half/ ) und jeder hat um jeden Dollar Angst, den er vielleicht durch eine Kontroverse verlieren könnte. Aber ein bisschen Integrität sollte man haben. Schon allein, weil man durch solche Aktionen aus meiner Sicht auch jede Menge Glaubwürdigkeit verliert.

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