Sicarius

Warten oder nicht warten?

Final Fantasy XV (Herstellerbild)

Zum Beginn des heutigen Eintrags möchte ich eine ganz einfache Frage stellen: Ab wann macht es eigentlich heute Sinn ein Spiel zu spielen? Hintergrund sind unter anderem mehrere Ankündigungen in der letzten Woche wie Dark Souls Remastered oder, dass Square Enix noch bis mindestens Mitte/Ende 2019 Story-DLCs für Final Fantasy XV veröffentlichen wird. Außerdem die Tatsache, dass Ubisoft mittlerweile vor allem bei ihren mehrspielerlastigen Titeln nur noch in „Staffeln“ denkt, Paradox gefühlt ausschließlich von seinen DLCs für seine Globalstrategietitel lebt und, dass vor allem im Indie-Bereich sich Spiele quasi über Nacht durch einen Patch vollständig verändern können.

An sich alles keine neuen Themen. Tatsächlich hatte ich schon vor einigen Jahren sowohl über Games as a Service als auch die Sache mit den ewigen Re-Releases referiert. Seitdem haben sich nur zwei Sachen aus meiner Sicht geändert: Zum einen ist es wesentlich schlimmer geworden und zum anderen sind die „Kollektionen“ (Stichwort „Game of the Year“ oder „Definitive Collection“) quasi ausgestorben. Ja, natürlich gibt es auf Steam & Co. weiterhin Bundles wo man mehrere Sachen gleichzeitig kaufen kann (z.B. das Love Bundle mit den wichtigsten [aber wieder nicht allen!] DLCs für Crusader King II und es vielleicht dadurch 10% weniger kostet. Aber die Sache ist nicht mehr so klar von wegen „Okay, wenn ich das kaufe, habe ich alles“. Wenn der Entwickler meint morgen nochmal einen DLC zu veröffentlichen, hat man wieder Pech gehabt. Da hilft höchstens noch der Season Pass – wobei der wie im Falle von Ubisoft oder Valve eben auch kein „jeder Content auf Lebenszeit kostenlos“-Schein mehr ist, sondern nur noch Teile umfasst.

Die Qual der Wahl

World of WarCraft: Cataclysm (Herstellerbild)

Entsprechend schwer ist es aus heutzutage zu beurteilen, wann ein Titel überhaupt fertig ist. Klar, bei Mehrspielersachen ist es okay und sogar gewünscht, wenn es hin und wieder mal was Neues gibt, was das Spiel am Leben hält (wobei ich persönlich schon die massiven Veränderungen durch World of WarCraft: Cataclysm störend fand). Aber wie ich schon 2015 geschrieben habe: Wenn ich schon mehrere dutzend Stunden in das ursprüngliche Werk investiert habe, motiviert mich der „Director’s Cut“ nur bedingt dazu noch einmal den ganzen Kram von vorne zu beginnen. Weder die Enhanced Edition von Divinity: Original Sin noch der Director’s Cut von Deus Ex: Human Revolution habe ich bislang angefangen, will sie aber beide durchspielen bevor ich mich an die jeweiligen Fortsetzungen machen. Total dämlich. Was prinzipiell ein cooler Service ist, wird hier zu einem (Luxus-)Problem – vor allem eben für die, die schon ganz am Anfang mit dabei waren.

Gleichzeitig stelle ich mir, jetzt wo ich (abseits von Crowdfunding-Projekten) definitiv nicht mehr zum Releasetag kaufe, eben immer öfter die Frage ob der Kauf zum jetzigen Zeitpunkt wirklich Sinn macht. Dabei werde ich zusätzlich zum Buchhalter und muss rumrechnen, ob die Gold Edition nicht vielleicht doch langfristig billiger ist als die normale Edition mit einem späteren Kauf des Season Pass oder sowas. Und selbst wenn ich den Kauf gewagt habe, muss ich schauen, ob der Entwickler noch aktiv werkelt und abwägen, ob ich meine kostbare Zeit jetzt schon investiere oder eben noch einige Monate warte bis die „finale“ Version verfügbar ist. Je besser die bereits erhältliche Version, desto schwieriger wird die Entscheidung aus meiner Sicht, weil ich halt schon mächtig Spaß habe und unbedingt weiterspielen möchte.

Die Lösung?

Was ist also die Antwort auf die eingangs gestellte Frage „Ab wann macht es eigentlich heute Sinn ein Spiel zu spielen?“ Nun, eine richtige gibt es aus meiner Sicht nicht, weil man leider nicht vorab weiß, was passieren wird. Persönlich – auch aufgrund des Preisgefälles – würde ich keinen Titel ohne Multiplayerinhalte mehr innerhalb der ersten sechs Monate kaufen. Multiplayer sind da nur nicht mit drin, weil einem die anderen Spieler in den sechs Monaten entweder davon ziehen oder keiner mehr da ist :smile: . Ansonsten wissen die Hersteller nach einem halben Jahr ziemlich genau wie gut der Titel ankam und haben ihre Planung entsprechend angepasst (z.B. mehr oder weniger DLC).

Dark Souls Remastered (Herstellerbild)

Am Ende läuft es aber wohl leider einfach darauf hinaus das jeweilige Werk dann zu spielen, wenn man dazu Lust hat und dabei die eigenen Gefühle im Hinterkopf zu ignorieren. Kommt doch noch was „Besseres“ (egal ob durch Patch oder irgendeine Edition) nachdem man schon durch (oder sehr weit ist), freut man sich entweder und fängt noch einmal von vorne an oder man lässt es eben. Letzteres vermutlich vor allem, wenn der Hersteller dafür noch einmal Geld von euch will. Ja, Dark Souls – ich schaue dich an! Eine extrem unbefriedigende Antwort, ich weiß. Aber mir fällt schlicht nichts Besseres ein. Euch vielleicht?

Epilog

Abseits dieser Gedanken ist in Sachen „Spiele“ noch nicht wieder viel los bei mir. Ich habe mich noch nicht auf einen neuen Titel eingeschossen nach dem Abschluss von Homefront: The Revolution (das „richtige“ Ende ist auch doof). Ich habe ein bisschen in For Honor (definitiv seit langem mal wieder ein interessantes Schwertkampfkonzept) und Titanfall 2 (endlich eine Kampagne) reingeschaut sowie Ghost Recon: Future Soldier, Victor Vran und Warhammer 40.000: Dawn of War II – Retribution mehr oder weniger weitergespielt. Wobei sich das Werk von Relic etwas als Fokus für die nächsten Sessions heraus zu kristallisieren scheint. Mal schauen

2 Kommentare

Zur Frage, wann man ein neues Spiel kaufen soll:

Erst dann, wenn man auf dem „Stapel der Schande“ kein anderes Spiel mehr hat, dass man gerne spielen möchte. Und das bedeutet bei mir faktisch, dass ich überhaupt nichts mehr kaufe (Ausnahme sind da wirklich nur extrem gute Sonderangebote).

Selbst Spiele, die mich total anmachen (z.B. Jurassic World Evolution) werde ich nicht zur Veröffentlichung (und auch nicht in den sechs Monaten danach) kaufen. Es ergibt einfach keinen Sinn.

Und rein auf das Thema „wann ist ein Spiel komplett“ bezogen: die Hersteller dürften überhaupt kein Interesse mehr an vollständigen Gold Editionen o.Ä. haben. Aber ich habe mich auch von der Vorstellung befreien können, ein Spiel auf Teufel komme raus zu 100% durchspielen zu müssen. Und falls ein Spiel dann doch mal so dermaßen gut sein sollte, bin ich auch willens, für 5-10 noch einen DLC zu kaufen (das ist jedoch noch nie vorgekommen, soweit ich mich erinnern kann)

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