Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #51

Es war eine vergleichsweise schwere Geburt, aber es ist endlich so weit: Ich kann im Keller kacken! Oder mit vornehmerem Hochdeutsch ausgedrückt: Unser kleines Kellerbad ist fertig. Ursprünglich war das Thema bereits für Anfang 2023 auf der Tagesordnung. Aber dann flatterte die Rechnung für die 2022er Maßnahme zur virtuellen Tür herein und das Steuerbudget war für 2023 ausgeschöpft (=es zählt der Termin der Zahlung). Also verschoben wir die Sache nach hinten. Im Dezember 2023 habe ich dann unseren Sanitär wieder angerufen und ihm endlich den Auftrag erteilt. Den ersten Termin, um es nochmal durchzusprechen und damit er aufschreiben konnte, was er an Material brauchte, hatten wir dann direkt am 8. Januar 2024 nach seinen Winterferien. Geplant war es die Montage in der darauffolgenden Woche durchzuführen. Daraus wurde allerdings nichts. Nicht nur, weil Lysanda just an dem Tag seit langem mal wieder so starke Regelschmerzen hatte, dass der Rettungswagen anrücken musste (zu dem Thema werden wir auch mal einen Eintrag schreiben). Ihnen war an dem Tag dann ebenfalls noch was dazwischengekommen. War ich ihnen ausnahmsweise mal nicht böse für :wink: .

Am Ende sollte es bis zum 2. Februar dauern, aber dann kamen sie endlich angerückt und es konnte losgehen! Nach einem Tag werkeln sah es bereits ganz gut aus. Leider war eine Dichtung am Ausgang der Hebeanlage werksseitig gerissen. Außerdem war vom Tag nicht mehr genug übrig, um die Stromleitung für besagte Hebeanlage noch zu verlegen. Somit wurden die Arbeiten erst zwei Wochen später, am 16. Februar fertigstellt. Lysanda und ich waren anschließend samstags noch kurz im Baumarkt ein paar Sachen holen. Aber mittlerweile ist alles drin und dran. Und ja: Die ersten Toilettengänge habe ich ebenfalls schon hinter mir.

Der allererste war auch gleich äußerst nervenaufreibend. Und wenn wir jetzt auf YouTube oder einer anderen Social-Media-Plattform wären, würde ich euch nun bis zum Ende des Eintrags hinhalten, bevor ich euch verrate, was passiert ist. Aber so gemein sind wir hier Beim Christoph selbstverständlich nicht. Also: Ich musste nachts aufs Klo eine Runde pinkeln. Als ich mich dann umgedreht habe, um die Spülung zu betätigen, kam ich Auge in Auge mit einer dicken, fetten Spinne. Fragt mich nicht nach der Art. So ein brauner 08/15-Brummer. Danach war ich dann erstmal hellwach und habe den Achtbeiner freundlich aus dem Keller gebeten. Er/sie darf gerne die Nachbarn erschrecken aber nicht mich!

Das Kellerbad

Sieht doch schick aus.

Nun aber zurück zu den Handwerkern: “Kleines Kellerbad” klingt nach mehr, als es tatsächlich ist. Mir ging es auf den Keks nachts immer hochlaufen zu müssen, wenn ich mal aufs Klo musste (zur Erinnerung: ich schlafe im Keller). Und auch beim Sport melden sich bei Lysanda mitunter derlei Körperfunktionen. Außerdem hatten wir bislang keinen Ablauf im Keller. Entsprechend musste ich das Wasser, dass ich z.B. beim Spülen des Hauswasserfilters rauslasse, immer zum Auskippen die Treppe hochtragen. Somit war die Aufgabenstellung ziemlich simpel: Ein Waschbecken und ein Klo. Und, weil der Kellerboden unter dem Niveau des Abwassers liegt, musste noch eine Hebeanlage mit dazu.

Das Waschbecken hatten wir in der Zwischenzeit irgendwo gebraucht und kostenlos aufgegabelt. Der Sanitär diskutierte zwar erst herum, dass er sowas nicht verbaut wegen Garantie und so. Aber am Ende hat er es dann doch montiert. Was soll auch groß bei einem großen Stück Porzellan kaputt gehen, was einen Garantiefall auslösen würde, wenn abseits des eigentlichen Beckens alles neu ist? Als Waschtischarmatur haben wir uns wie im oberen Bad für hansgrohe Talis S* entschieden. Die hat eine Auslaufhöhe von 20cm und einen Schwenkarm. Quasi perfekt, um auch mal einen Eimer mit Wasser zu füllen und sowas. Haben wir definitiv zu schätzen gelernt, obwohl es nicht der billigste Wasserhahn ist.

Das Klo ist ein 08/15 Optiline Tiefspül WC (Stand-WC aus der Serie “Europa”) mit sanft schließendem Deckel. Daran angeschlossen ist eine Optiline Kleinhebeanlage sowie ein Geberit Spülkasten AP140*. Bitte? Ob der Handwerker bei Richter+Frenzel einkauft? Wie kommt ihr denn auf so eine Idee? :smile: . Die Handtuchklemme ist hingegen irgendeine billige von Amazon*, die wir noch herumliegen hatten. Nur die “Venus WC-Kombi-Bürstengarnitur Amicella” haben wir im Bauhaus mitgenommen. Was für ein unnötig hochtrabender Name für einen billigen Klobürstenständer mit Klopapierrollenhalterung… Auch mit im Einkaufswagen landete ein Dichtungsband* von Soudal, um den Spalt zwischen Waschbecken und Wand abzudichten.

Jetzt könnte man berechtigt fragen, warum das der Sanitär nicht mit Silikon gemacht hat. Nun, er weiß anscheinend genauso wie Lysanda, dass Silikon absoluter Mist ist. Er drückte es selbstverständlich diplomatischer aus und meinte, dass sie das normalerweise die Fliesenleger machen lassen und es entsprechend nicht so super aussieht, wenn sie es erledigen. Lysandas Stöhnen im Hintergrund ob der Aussicht sich damit wieder rumschlagen zu müssen war bis durch den Telefonhörer zu hören. Im Baumarkt sind wir dann verschiedene Möglichkeiten durchgegangen und mir ist dabei das oben genannte Dichtungsband in die Hände gefallen. Lysanda meinte zwar, dass das Internet davon nicht sonderlich begeistert wäre – es würde sich ziemlich schnell wieder vom Untergrund lösen heißt es -, aber die Aussicht nicht mit dem verhassten Silikon hantieren zu müssen überzeugte sie dann doch einen Versuch zu wagen. Und zumindest die erste Woche hat es bislang erfolgreich überstanden.

Die Umsetzung

Der Übeltäter

Eine echte Herausforderung dürfte das Thema für die Handwerker nicht gewesen sein. Den Anschluss für den Abfluss hatten wir schon damals beim Umbau vorbereiten lassen. Die Wasserleitungen lagen ebenfalls dank des Pissoirs oben drüber schon bereit für einen Abzweig. Insofern: Position der Bauteile finden, Waschbecken und Spülkasten an der Wand festmachen und dann “nur” noch die Leitungen über dem Putz verlegen. Macht jetzt sicherlich optisch nicht den feinsten Eindruck mit den grauen Schläuchen für das Zuwasser, dem dicken blauen Rohr für das Abwasser vom Waschbecken und dem Metallrohr von der Hebeanlage bis hoch zum Abfluss. Aber am Ende des Tages: Es ist ein Keller und da ist mir die Funktion wichtiger als das Aussehen.

Und die Funktion ist gegeben! Die Hebeanlage springt automatisch an, wenn sie bis zu einem gewissen Grad gefüllt ist. Theoretisch arbeitet sie also nicht bei jedem Toilettengang oder nur einfachem Hände waschen. Das ist auch gut so, denn die Lautstärke der Pumpe da drin ist definitiv nicht ohne. Zum Glück scheint Lysandas Schlaf tief genug, dass sie davon nicht aufwacht. Neben der Pumpe ist zusätzlich ein Schneidsystem mit Klingen aus vernickeltem Edelstahl in der Hebeanlage. Das sorgt dafür, dass das Toilettenpapier und euer riesengroßer Haufen klein genug werden, damit sie überhaupt die (in unserem Fall) ca. zwei Meter Strecke bis an die Decke überbrückt bekommen. Den dahingehenden Warnaufkleber, was ihr deshalb alles nicht ins Klo werfen dürft (z.B. Tampons oder Kondome), habe ich aber tatsächlich nicht draufgeklebt. Da bin ich mal so zuversichtlich, dass wir so einen Blödsinn gar nicht erst versuchen. Zumal beides in der Casa Lysanda eh nicht zum Einsatz kommt. Bitte? Too much Information? Hach, was seid ihr doch so prüde, meine lieben Leser!

Angeblich ist die Hebeanlage langlebig und komplett wartungsfrei. Hoffentlich stimmt das. Mein lieber Herr Papa war zumindest nicht so ganz begeistert beim Gedanken an eine Hebeanlage. Aber anders geht es halt in der Konstellation nicht. Also zumindest nicht ohne einen zusätzlichen Abfluss durch das Fundament zu bohren. Wobei vermutlich selbst das nicht möglich wäre, da das Abwasser in der Straße auch nur 70cm tief liegt.

Die Füllstation

Als letzte Aktion wurde auch noch unsere Wasserfüllstation (für die Heizung) ausgetauscht. Die hatte zwar nur acht Jahre auf dem Buckel (wurde damals vor dem Umzug installiert). Aber sie war schon beschädigt. Beim Füllvorgang tropfte aus ihr das Wasser heraus. Das ist natürlich suboptimal, würde aber lt. Sanitär manchmal passieren (tolle Produkte…). Als Ersatz für die alte Füllstation von Optiline wurde eine neue Optiline Füllkombi BA installiert, die zumindest viel futuristischer aussieht als die Alte. Hoffen wir mal, dass sie gleichzeitig länger hält als acht Jahre.

Epilog

Damit haben wir also nun ein kleines Kellerbad. Die Rechnung habe ich noch nicht, dürfte sich aber irgendwo im mittleren, vierstelligen Bereich bewegen. Zum einen ist das Material nicht ganz billig und zum anderen waren sie halt auch zu zweit mindestens acht Stunden im Haus. Aber, wenn man keinen Bock hat es selbst zu machen, dann bleibt einem halt “nur” übrig für Komforterweiterungen etwas Geld in die Hand zu nehmen. Immerhin fördern wir so das lokale Handwerk und kurbeln das Bruttoinlandsprodukt an. Wir haben also mit meinem Wunsch endlich im Keller kacken gehen zu können auch noch was für unser Land getan. So sieht echter Patriotismus aus! :tongue:

Sicarius

VR-Trauer

Kennt ihr das auch? Obwohl es einen super-mega interessiert, wartet man ewig und drei Tage, bevor man auf den Zug aufspringt. Dann geht man endlich den Schritt und es stellt sich heraus, dass es ein totaler Griff ins Klo war. Bitte? Das geht nur mir gerade so? Okay…

Das Problem

Windows Mixed Reality Portal (Herstellerbild)

Ich rede von meinem VR-Headset, dem HP Reverb G2. Ich habe so lange auf das richtige Headset gewartet, bevor ich auf den VR-Zug aufgesprungen bin und selbst dann noch gezögert, bevor ich letztes Jahr doch endlich zuschlug. Und jetzt macht mir Microsoft einen Strich durch die Rechnung, weil ich am Bahnhof die falsche Fahrkarte gekauft habe.

Ja, WMR-Geräte haben wohl nicht die größte Verbreitung mit nur ca. 5% Marktanteil. Und das letzte Headset dieser Art ist 2020 auf den Markt gekommen (besagte HP Reverb G2). Aber es ist trotzdem gerade ein äußerst frustrierendes Erlebnis für mich. Warum? Nun, Microsoft hat schon im Dezember seine VR-Software/-Treiber-Kombination Mixed Reality Portal (plus WMR for SteamVR) zu einer “veralteten Funktion” erklärt. Das an sich war schon eine deprimierende Ankündigung. Aber es hieß zumindest, dass es bis November 2026 (für Privatuser) bzw. November 2027 (für Enterprise-User) noch zur Verfügung stehen bzw. Security Updates erhalten würde. Also theoretisch eine vergleichsweise lange Zeit (für PC-Hardware), in der ich noch Spaß mit meinem Headset haben kann und dann hoffentlich ein würdiger Ersatz auf dem Markt sein würde.

Ohne dieses Stück Software verkommt nämlich ein WMR-Headset zu einem verdammt teuren Briefbeschwerer und aus der OpenSource-Szene ist wohl keinerlei Abhilfe zu erwarten. Der bekannteste Entwickler in der Hinsicht, OpenXRs mbucchia, hat zumindest bereits deutlich gemacht, dass da nichts zu machen ist. WMRs wären zu tief mit Windows verzahnt als, dass da ein alternativer Treiber möglich wäre. Außerdem sieht er angesichts besagter 5% Marktanteil auch keinen großen Bedarf. Freilich stirbt die Hoffnung zuletzt. Doch viel Begeisterung lösen solche Aussagen bei mir nicht aus. Und nein, auf Linux laufen die Dinger wohl aktuell ebenfalls nur bedingt. Heißt ja nicht umsonst “Windows Mixed Reality”.

Verschärfte Bedingungen

So weit so blöd also. Mit den Preview-Versionen von Windows 11 24H2 und dem dazugehörigen Update der Microsoft-Webseite wird nun allerdings eines deutlich: Diese Frist bis 2026/2027 hat einen riesengroßen Haken. Sie gilt nämlich nur, wenn ihr keinerlei Windows-Feature-Updates mehr installiert. Mit 24H2 ist das WMRP bereits weg und kann auch nicht mehr installiert werden. Sprich ich habe im Herbst die Wahl entweder neue Windows-Features zu genießen und mir ein 600-EUR-teures Katzenspielzeug zu basteln oder ich bleibe vorerst weiter auf 23H2 und genieße VR. Ich habe mich logischerweise derzeit für letzteres entschieden und mein Windows 11 entsprechend so eingestellt, dass ich erstmal keine Feature-Updates mehr bis zum Supportende dieser Version erhalten werde. Kurioserweise steht das allerdings derzeit auf 11. November 2025. Passt also nicht ganz zum WMRP-Datum. Das löst erneut Begeisterungsstürme bei mir aus… *stöhn*

Sieht er nicht total cool aus? Nein? Okay…

Doppelt blöd ist, dass es gefühlt (habe mich noch nicht intensiv damit beschäftigt) immer noch keine wirklichen Alternativen gibt – zumindest was anständige Headsets mit Inside-Out-Tracking angeht (also ohne Basisstationen an den Wänden). Ja, die Meta Quest 3 ist ein Wahnsinnsteil, aber zum einen bin ich jetzt bereits Teil von Valves Ökosystem bzw. PC-VR und zum anderen will ich mit Metas Welt grundsätzlich nichts zu tun haben (ja, ich habe weiterhin keinen Facebook/Instragram/sonstwas-Account). Und das Angebot von HTC klingt zwar weiterhin interessant aber die Preise… “Alter Schwede!” kann ich da nur sagen.

Mir bleibt entsprechend erstmal nichts weiter übrig als wieder stärker anzufangen den Markt zu beobachten und derweil so viel VR zu zocken wie möglich, damit sich mein letztjähriger Einkauf zumindest etwas gelohnt hat. Ein schweres Schicksal, ich weiß :tongue: .

Epilog

Die heutige Welt ist in der Hinsicht, mit Verlaub, aber auch einfach nur totaler Scheißdreck. Filme, Spiele, Musik, Anwendersoftware, Hardware (die Horrorstories zu HP-Drucker…) – egal was, es ist mittlerweile nicht mehr von Dauer. Von einer Sekunde auf die andere wird es einem durch ein simples Update oder die Abschaltung eines Servers entrissen ohne, dass man vorher gefragt wurde oder überhaupt irgendetwas dagegen tun kann. Ohne Rücksicht auf Verluste und alles im Namen des Kapitalimus! Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie auch eine Möglichkeit finden gedruckte Bücher zu töten. Da kann ich Azzkickrs Wunsch nach der “guten alten Zeit” durchaus ein Stück nachvollziehen…

PS: Microsofts HoloLens ist “selbstverständlich” von der Abschaltung des WMRP nicht betroffen.

(Cover)

Familie. Das ist das große Grundthema der vierten Staffel von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert*. Wir erfahren mehr privates von unseren Charakteren, sehen mehr Emotionen von ihnen, Wesley existiert nach der ersten Handvoll Folgen faktisch nicht mehr (immerhin war Die letzte Mission ein halbwegs würdiger Abschluss für ihn) und gleichzeitig werden speziell die Stränge “Romulaner” und “Klingonen” mit großen Schritten vorangetrieben – inkl. einem wirklich fulminanten Finale mit Der Kampf um das klingonische Reich Teil I. Definitiv eine der besten Episoden der gesamten Serie. Passenderweise die 100. Folge. Und direkt nach Drehschluss begann die Produktion von Star Trek VI: Das unentdeckte Land. Man könnte fast meinen Drehbuchautor Ronald D. Moore (Episode) hätte sich mit Nicholas Meyer (Film) vorher abgesprochen. Die ursprüngliche Idee für den Film stammt allerdings von Leonard Nimoy und Gene Roddenberry hasste das Drehbuch. Hatte ich schon erwähnt, dass der Typ komisch rüberkommt? Ja? Okay.

Das Personalkarussell

Aber wir sind ja nicht hier, um schon wieder über den besten Star-Trek-Film der Originalcrew zu reden. Kommen wir stattdessen zurück zur vierten Staffel mit Captain Picard. Hinter den Kulissen fand erneut ein Personalumbau statt aber nach den äußerst turbulenten ersten drei Staffeln kehrte nun trotzdem so etwas wie Normalität ein. Statt euch aber mit einer Aufzählung von Namen zu langweilen, mit denen ihr vermutlich eh nichts anfangen könnt, nur die Wichtigsten: Ira Steven Behr verließ wie erwähnt das Autorenteam schon wieder und tauchte erst 1995 drüben bei Star Trek: Deep Space Nine erneut auf. Jeri Taylor hingegen übernahm als Supervising Producer und schrieb auch ein paar Episoden. Sie war die dritte im Bunde, die zusammen mit Rick Berman und Michael Piller später Star Trek: Voyager aus der Taufe hob.

Außerdem stieß Brannon Braga (hier noch als eine Art Azubi) dazu und wurde umgehend von Michael Piller unter seine Fittiche genommen. Zwei Filme (Nr. 7 und 8 – in Zusammenarbeit mit Ronald D. Moore) und 108 Star-Trek-Episoden (Raumschiffe Enterprise – Das nächste Jahrhundert, Star Trek: Voyager und Star Trek: Enterprise) gingen am Ende auf sein Konto. Ach, und es war die letzte Staffel bei der formal noch Gene Roddenberry beteiligt war. Tatsächlich hatte er zu diesem Zeitpunkt schon so gut wie nichts mehr zu sagen. Er starb ein paar Monate nach Ende der Ausstrahlung dieser Staffel.

Außerdem erwähnenswert ist, dass Patrick Stewart das erste von fünf Mal auf dem Regiestuhl Platz nahm. Und zwar in der vorletzten Folge der Staffel, Datas erste Liebe. Leider konnte er hier sein Können mal so gar nicht zur Schau stellen. Trotz der interessanten Thematik (ein Crewmitglied verliebt sich in Data), ist es eine überraschend humorlose und langweilige Folge und die Auflösung des B-Plots (die Enterprise fliegt durch einen Nebel voller Subraumlöcher) klang auf dem Papier besser als die tatsächliche Umsetzung.

Der Inhalt

Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert (Promobild)

Meine leichte Enttäuschung über den Staffeleinstieg mit Angriffsziel Erde hatte ich ja schon kundgetan. Aber es war absolut die richtige Entscheidung als nächstes eine Folge wie Familienbegegnung zu bringen. Nach den Strapazen der Doppelfolge tut sowohl den Charakteren als auch dem Zuschauer die Erholung gut. So sehen wir erstmals Picards Heimat in Frankreich und lernen Worfs Pflegeeltern kennen. Doch es versteht sich von selbst, dass ich trotzdem was auszusetzen habe. Und zwar war mir eine Folge ehrlich gesagt zu wenig. Da kommt wieder meine Beschwerde über den “husch-husch”-Abschluss der Doppelfolge hoch. Picard hat ein höchst traumatisches Erlebnis hinter sich und alles, was es braucht, ist es seinen Bruder in den Matsch zu schupsen und alles ist wieder gut? Ja, ne das war irgendwie mal wieder verschenktes Potential. Ein Satz, der mir im weiteren Verlauf der Serie leider noch öfters über die Lippen kommen wird. Denn obwohl die restlichen Staffeln grundsätzlich auf einem hohen Niveau operieren, macht es genau das noch frustrierender, wenn (aus Zuschauersicht) offensichtliche Chancen nicht genutzt werden und einfach verpuffen.

Was freilich nicht bedeutet, dass es keine Kontinuität gäbe. In Der ungleiche Bruder lernen wir beispielsweise endlich Datas Erschaffer, Dr. Noonien Soong, kennen. Dort gibt es auch ein Wiedersehen mit Lore und das Thema “Emotionschip” kommt auf den Tisch. Ein Punkt, der uns erst so richtig in Star Trek VII: Treffen der Generationen* beschäftigen wird. Worfs Entehrung ist ebenfalls in vielen Folgen der Staffel ein Thema und wie in der Einleitung erwähnt, erreicht endlich die am Ende von Staffel 2 gesäte Romulaner-Saat ihre Reife mit einer Enthüllung, die es absolut in sich hat. Faktisch war damit der Konflikt rund um die Föderation, Klingonen und Romulaner die erste staffelübergreifende Geschichte in einer Star-Trek-Serie. Richtig coole Sache.

Außerdem lernen wir Worfs Sohn Alexander kennen und Chief Miles O’Brien ist nicht nur präsenter, als er es bislang in der gesamten Serie war. Er heiratet (eine äußerst fantastische und humorvolle Folge!) auch und legt somit eine weitere Grundlage für viele wichtige Momente, die noch kommen werden. Und wir lernen unseren ersten Trill kennen auch, wenn Star Trek: Deep Space Nine später noch ein paar Änderungen an der Rasse vornahm (Jadzia Dax hat z.B. keine Probleme mit dem Beamen), die dieser Folge widersprechen. Unsere erste Begegnung mit den Cardassianern entspricht da schon eher dem, wovon wir noch mehr sehen werden.

Bevor ich aber wieder in Versuchung komme fast alle Folgen der Staffel einzeln aufzulisten, weil sie fast alle gelungen sind, nur noch drei absolute Highlights:

  • Die Auflösung – Wusstet ihr, dass die Folge Der Schleudertag von der Kultkinderserie Die Dinos* in den USA in der gleichen Woche (Freitags – Star Trek kam Montags) ausgestrahlt wurde? Interessantes Detail, ich weiß. Gehe aber dann doch von einem reinen Zufall aus. Zur Erinnerung: Bei den Dinos feierte Ethyl ihren 72. Geburtstag und das ist der Tag an dem Dinos von der Klippe in den Tod gestürzt werden. Bei Star Trek sind es nur 60 Lebensjahre bis die Bewohner von Kaelon II die Auflösung feiern. Das Grundthema ist in beiden Serien das gleiche: Ist das tatsächlich richtig, was da passiert? Wobei Star Trek zum einen kein richtiges Happy End bietet und zum anderen (logischerweise) trotz Lwaxana Trois Beteiligung erwachsener damit umgeht indem die Autoren unter anderem die zusätzliche Frage stellen, ob man sich als Außenstehender in diese Angelegenheit einmischen darf.
  • Das Standgericht – Die Folge ist in der Ausführung nicht ganz so gelungen, wie sie es hätte sein können. Picards Widerstand kommt mir dafür irgendwie zu schnell und wirkt zu extrem. Aber es ist trotzdem eine starke und wichtige Episode, die leider bis heute Gültigkeit besitzt. Lysanda war allerdings vom faktisch offenen Ende enttäuscht. Ich fand es gut, dass hier kein Happy End oder sowas erzwungen wurde. Es passt sogar perfekt zum Thema, dass nur diese eine Situation irgendwie aufgelöst wurde aber das Problem damit nicht aus der Welt geschafft ist. Aber Lysanda hätte sich zumindest irgendeine sichtbare Bestrafung für Admiral Nora Satie gewünscht.
  • Die Begegnung im Weltraum – Dass Geordi einfach kein Glück in der Liebe hat, wurde ja schon öfters thematisiert. Aber die Folge behandelt trotzdem ein interessantes und heute dank der Influencer- und Streaming-Kultur noch realeres Problem: Die Idolisierung von Menschen und dass diese imaginäre Erwartungshaltung niemals von ihnen erfüllt werden kann. Die eigentliche aber reichlich unspannende Handlung rund um das Weltraumbaby gerät dabei völlig in den Hintergrund.

Und so weiter und so fort. Die vierte Staffel ist wirklich durchgängig sehr gut gelungen und hat meist nur Abzüge in der B-Note. Wenn ihr mir die Pistole auf die Brust setzt, dann würde ich höchstens Augen in der Dunkelheit als unterdurchschnittlich bezeichnen. Aber das auch nur, weil ich Trois Albtraum-Sequenz echt total bescheuert finde.

Fazit

Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert (Promobild)

Mehr fällt mir zur vierten Staffel tatsächlich nicht mehr ein. Wie gesagt: Staffel 3 hat das Niveau der Serie signifikant gesteigert und ab jetzt wird es konsequent gehalten. Ja, es könnte hier und da wie immer etwas besser sein (Stichwort “Verpasste Chancen”) aber gute Unterhaltung und vorzügliches Star Trek ist es auf jeden Fall.

Vielleicht abschließend noch eine Sache: Ich habe bislang noch kein einziges Mal die Technik erwähnt. Wir schauen schließlich die Remastered-Fassungen auf Blu-ray. Ich habe sie jedoch aus einem bestimmten Grund bislang nicht angesprochen: Ich habe schlicht nichts zu sagen. Zum einen, weil es anders als bei den Blu-rays von Raumschiff Enterprise keine Umschaltefunktion gibt. Ich habe also gar keinen Schimmer mehr, wie das Original überhaupt aussah (hab die Specials noch nicht geschaut – die interessieren Lysanda nicht). Aber zum anderen auch genau dies: Es fällt absolut nicht auf, dass irgendwas getan wurde. Die verbesserten Effekte fügen sich buchstäblich nahtlos ein und die Serie an sich ist so gestochen scharf und klar – man könnte meinen, sie wäre gerade erst produziert worden. Würdet ihr mir also sagen, dass wir eigentlich das Original von 1987 schauen – ich würde es euch glatt glauben. Einzig auffällig ist, dass die Qualität der deutschen Tonspur hier und da schwankt. Sprecherwechsel gab es zwar meines Wissens nicht aber die ein oder andere Folge klingt trotzdem irgendwie komisch.

Jetzt geht es logischerweise weiter mit der fünften Staffel – allerdings doch mit einer kurzen Anime-Pause davor. Ich bin nämlich auf die Serie Undefeated Bahamut Chronicles* gestoßen. Sie hat nur 12 Episoden (á 23 Minuten) und die deutsche Synchronisation lässt ziemlich zu wünschen übrig (“erzwungen cool/hip” würde ich es nennen) aber sie scheint ganz nett zu sein. Bitte? Ich würde sie nur schauen, weil dort junge Mädchen mit großen Brüsten vorkommen, die in Mechs kämpfen? Ääähhh… ich muss dann mal weg.

PS: Die Odan-Folge führte damals zu einem kleinen Aufschrei, da am Ende ja der neue Trill-Wirt weiblich ist und somit eine lesbische Beziehung zwischen Crusher und Odan impliziert wird. Allein dieser Gedanke gefiel (wie so oft) ein paar Vollspacken nicht.

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