se-cu-ri-ty (n.) – 3. Something that gives or assures safety, as: c. Measures adopted, as by a sbusiness or homeowner, to prevent a crime such as burglary or assault: Security was lax at the firm’s smaller plant.
TheFreeDictionary

Die letzten Stunden des Jahres 2018 sind angebrochen. Zeit für einen kleinen Jahresrückblick. Dieses Mal tatsächlich mit der Betonung auf „klein“, denn dank der ganzen DSGVO-Thematik habe ich keinerlei Besucherstatistiken mehr. Der heutige Eintrag wird also anders als die letztjährige Variante (Platz 5) nicht in die Top 10 der Rekordeinträge eingehen (dazu braucht es min. 4.500 Wörter – der hier hat „nur“ um die 2.100). Ja, ich weiß nun weder wie viele Leute Beim Christoph aufrufen noch die ganzen völlig überflüssigen Details dazu wie den genutzten Browser. Ich gehe einfach davon aus, dass diese Zeilen noch irgendjemand liest und schreibe vor mich hin :smile: . Und immerhin dazu habe ich noch jede Menge Statistiken. Also lasst uns wie immer damit loslegen. Die Zahlen in Klammern sind die Werte für 2017 und alles ist Stand 30.12.2018.

Einträge und Autoren

Mit 55 (56) Einträgen habe ich euch 2018 beglückt. Das zweite Jahr in Folge in dem es nur montags einen neuen Eintrag gibt.

Zwar ist Lysanda der Meinung, dass dieser feste Termin völlig Banane ist und ich einfach dann was veröffentlichen sollte, wenn ich was getippst habe – sprich wie ich anno 2006 nach der Umstellung der Seite angefangen hatte. Aber ich kenne mich: Ohne diesen festen Termin würde Beim Christoph vermutlich heutzutage ziemlich schnell ins Mittelalter (=Keine Lust-Einträge) zurückfallen. Und der Montag eignet sich einfach am besten, da ich unter der Woche keine Zeit habe am Rechner zu sitzen und der Sonntag normalerweise die 1-2 Stunden bereithält, die ich durchschnittlich fürs Tippen brauche. Ab und zu dauert es etwas länger, wenn das Thema entweder aufwendiger ist (vor allem bei den Gesundheitssachen) oder ich mir mal wieder etwas aus den Rippen saugen muss, also ich nicht so recht in den Schreibfluss komme. Aber so ist das nun einmal beim Schreiben vor allem wenn man zu wenig Erzählungswürdiges erlebt und stattdessen mittlerweile schon 58 Stunden in Kingdom Come: Deliverance versenkt hat.

Immerhin hat mir Lysanda 2018 tatsächlich etwas Arbeit abgenommen (wobei sie natürlich immer mal wieder drüber schaut und mithilft) und ihre ersten beiden eigenen Gasteinträge veröffentlicht. Ich hoffe, da kommt 2019 noch mehr. Also nicht, weil ich ein fauler Sack bin, sondern weil die weibliche Perspektive auf Beim Christoph sicherlich nicht verkehrt ist. Was nicht bedeutet, dass Azzkickr nicht auch endlich mal seinen 25. Eintrag raushauen könnte (ein Abriss über die PlayStation-4-Exklusivtitel vielleicht? Oder endlich seine Meinung zu VR? Oder warum David Cage der beste Spieleentwickler aller Zeiten ist?). Solange erhöhen halt weiter unsere Maskottchen ihren Einträgecount:

Die Inhalte

Inhaltlich hat sich ganz klar der Trend von 2017 fortgesetzt: Der Fokus liegt wieder mehr auf Spielen. Dieses Jahr hatten 23 (19) Eintrage einen entsprechenden Tag und 15 (14) davon waren in irgendeiner Form Berichte über von mir gespielte Titel. Gesundheitseinträge gab es mit 9 (10) hingegen einen weniger genauso wie Katzeneinträge mit 6 (7) Stück).

Aktuell sehe ich nicht, dass sich an dieser grundsätzlichen Verteilung in 2019 etwas ändern wird. Gesundheitsthemen gibt es zwar noch so einige auf unserer ewigen Liste (allein den Eintrag über Vitamin B schiebe ich jetzt schon länger vor mir her) und auch in Sachen Haus wird sicherlich noch das ein oder andere berichtenswerte passieren. Aber Videospiele und alles was dazugehört sind wieder mein Hauptthema – selbst wenn es dank des starken Ein-Spiel-Fokus oft in Bezug auf eigene Erfahrungen wochenlang nichts Neues zu berichten gibt (Kingdom Come: Deliverance wird micht noch seeeehr lange begleiten…). Ich habe allerdings geplant wieder ein paar Einträge mehr zum Thema Bücher, Filme & Musik zu veröffentlichen. Die kamen 2018 sehr kurz (von mir nur ein einziger). Dabei habe ich tatsächlich mal wieder das ein oder andere durchgelesen und in Sachen Soundtracks habe ich sowieso immer eine längere Liste an Empfehlungen, die ich unbedingt mal loswerden möchte. Schauen wir mal, was der kommende Montag bringt :smile: .

Unterm Strich bin ich mit den diesjährigen Einträgen auf jeden Fall zufrieden. Wie gesagt geht trotzdem nicht unbedingt jeder Eintrag beim Schreiben gut von der Hand – was sicherlich auch am Ergebnis bemerkbar ist – aber alles in allem war aus meiner Sicht nichts total Schwachsinniges/Uninteressantes dabei. Gegenteilige Meinungen gerne in die Kommentare packen :wink: . Anderweite Inhalte gab es hingegen keine. Okay, ein neues Video ist tatsächlich auf meinem YouTube-Kanal online gegangen. Aber das ist nicht gelistet, nur einer bestimmten Gruppe von Menschen zugänglich (nein, nicht der Familie) und entsprechend habe ich euch jetzt nur den Mund zu etwas wässrig gemacht, was ihr zumindest bis auf weiteres sowieso nicht sehen könnt :smile: .

Der Umfang

Kommen wir nun zu den Fakten, Fakten und Fakten: 1426,3 Wörter (1156,6) waren die Einträge durchschnittlich lang. Das ist nicht nur ein signifikanter Anstieg im Vergleich zu 2017: Es ist auch ein neuer Gesamtrekord und übertrifft das bisher höchstes Ergebnis von 2014 (1.392,0). Wenn man sich die Tabelle anschaut, haben wir quasi unser Schreibvolumen (sind ja die Gastbeiträge mit eingerechnet) seit 2015 fast verdoppelt und sind trotz weniger Einträgen wieder auf dem alten Niveau angekommen:

Oder genauer gesagt: Vor allem ich labbere weiterhin viel. Betrachtet man hingegen die Gesamtzahl der geschriebenen Worte, wurden heuer mit 78.448 (64.772) mehr als halb so viel getippst wie in besagtem Rekordjahr 2014 (148.943). Nicht schlecht.

Damit sind wir nun bei insgesamt 1.208.922 Wörtern verteilt auf 1.484 Einträge und einem Gesamtdurchschnitt von 815 Wörtern pro Eintrag. Wenn ihr die aneinanderreihen würdet, dann könnte ich an dieser Stelle so einen dämlichen Vergleich bringen wie „wären das zwei Meter auf dem Äquator“ oder „ein achthunderstel Fußballfelder“ oder „die 200fache Entfernung zwischen Erde und Mond“. Gott, wie ich sowas hasse. Als könnte ich mir die Entfernung zwischen Erde und Mond besser vorstellen als eine Angabe wie „1 Milliarden Kilometer“.

Kein Kommentar

Und wie sieht der Output der anderen Seite aus? Nun, der Abwärtstrend setzt sich munter fort mit nur noch 44 (66) Kommentaren. Diese 44 Kommentare stammen von 11 verschiedenen Leuten – einer davon bin ich mit 15 (14) Stück. Platz 2 teilen sich Azz und Zille mit je 7 (7 bzw. 8 ) und auf Platz 3 kommt Rondrer mit 5 (5).

Im Ergebnis sind das magere 0,8 (1,2) Kommentare pro Eintrag.

Aber gut, die Gründe dafür hatten wir ja schon mehrfach erörtert (und das hatte ich genauso auch schon letztes Jahr geschrieben). Insofern lasse ich das einfach hier so stehen und sage an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, die sich trotzdem die Zeit aus ihrem stressigen Alltag genommen haben und einen Kommentar mit durchschnittlich 92,5 (103,7) Wörtern hinterließen!

Die Gesamtzahl der Kommentare liegt nun bei 6.598 mit einer Länge von 501.842 Wörtern (ja, die halbe Million wurde geknackt!) und einem Gesamtdurchschnitt von 4,4 Kommentaren pro Eintrag bzw. 76,1 Wörtern pro Kommentar.

Ich werde weiter daran arbeiten euch mehr Gründe dafür zu geben euren Senf zu meinem Senf abzugeben – natürlich ohne allzu kontrovers zu werden (Politik, Religion und Konsolenhersteller sind also weiterhin tabu) und den wütenden Internetmob auf mich zu hetzen.

Fazit

Böse Leute könnten sagen, dass Beim Christoph so vor sich hin dümpelt. Sie ist halt da aber vermissen würde sie keiner, wenn sie es nicht mehr wäre. Und vermutlich stimmt das auch aber ich sehe das logischerweise nicht so :smile: . Im Gegenteil bin ich sogar weiterhin stolz auf das, was ich hier verzapfe. Die Seite gibt es nun schon bald 18 Jahre lang (über mein halbes Leben!). In der Zeit haben unzählige andere den Betrieb eingestellt oder sind dank der DSGVO nun sogar komplett verschwunden (dank des Broken Link Checkers habe ich es quasi live miterlebt). Ich habe hingegen heuer wegen der Verordnung mal wieder viel an der Seite gebastelt, um sie auf dem aktuellen Stand zu halten und ich gebe mir weiterhin Mühe euch 52mal im Jahr mit neuen und interessanten Inhalten zu versorgen. Dass sie nicht immer für jeden nützlich sind war schon zu den reinen Spiele-Einträge-Zeiten so. Aber durch die neue Themenvielfalt dürfte jetzt eher noch was dabei sein als damals.

Ansonsten dient Beim Christoph mir weiterhin vor allem als Gedankenauslass (ich werde nie Social-Media-Fan werden) und Möglichkeit zumindest ein bisschen was längeres und zusammenhängendes zu schreiben, wenn ich schon sonst nicht dazu komme bzw. zu faul dazu bin (muss ja Kingdom Come: Deliverance spielen). Solange ihr es halbwegs gerne lest und vielleicht sogar den ein oder anderen Nutzen daraus zieht, dann bin ich glücklich und zufrieden. Deshalb wie immer an dieser Stelle:

Danke an alle Besucher! Egal ob ihr nur ab und zu vorbeischaut oder jeden Montag pünktlich um Mitternacht die Seite aufruft: Auch wenn ich eure genaue Anzahl nicht mehr kenne, motiviert mich vor allem eure Existenz zum Weitermachen!

Und weitermachen werde ich 2019 auf jeden Fall. Höchstwahrscheinlich mit der gleichen Themenvielfalt und ohne besondere Überraschungen. Aber wer weiß. 365 Tage sind lang und ab und zu juckt es mir schon in den Fingern mal wieder etwas Audiovisuelles oder zumindest für eure Ohren aufzuzeichnen. Lassen wir uns gemeinsam überraschen.

Aus dem Leben des Webmasters

Ist sie nicht hübsch, die Maya?

So viel zum Jahr 2018 aus Sicht von Beim Christoph. Bin ich gar nicht gewohnt, dass dieser Teil des Jahresrückblicks schon nach drei DINA4-Seiten beendet ist :smile: . Wie sah 2018 also aus meiner persönlichen Sicht aus? Nun, arbeitstechnisch ging es zwar etwas drunter und drüber wegen dem erwähnten Umbau der IT-Landschaft aber trotzdem soweit okay und Genaueres will/kann/darf ich euch nichts erzählen. 2019 wird’s nicht besser, denn dann wird eine Umstrukturierung (nein, werde nicht entlassen und kriege auch keine neue Tätigkeit – nur andere Chefs) sowie der Umzug in ein Großraumbüro im gleichen Gebäude mit Desk Sharing (=nicht jeder Mitarbeiter hat einen zugewiesenen Arbeitsplatz) umgesetzt. Das wird garantiert eine „lustige“ Sache. Ach und wir haben offiziell ab morgen nur noch eine 36-Stunden-Woche obwohl wir weiter 38 Stunden erbringen müssen (und 37 bezahlt bekommen – fragt nicht…). Aber man soll im Internet ja nicht schlecht über seinen Arbeitgeber reden. Deswegen beenden wir dieses Thema mit einer positiven Note: Meine Work-Life-Balance stimmt soweit und die Bezahlung ebenso.

Und im privaten Bereich? Letztes Jahr hatte ich geschrieben, dass ich ein Jahr voll mit langweiligem, alltäglichem Kram erwarte und genau das ist auch eingetreten. Wir haben weiter am Haus gebastelt (Stichwort katzensicherer Garten und Kellerrenovierung), wir haben Maya neu in unsere Familie aufgenommen, ich habe fleißig an meiner CMD gearbeitet und wir haben uns alle gerngehabt. Okay, zeitweise hat Jules Balu nicht gern, weil er ihn durch das Haus jagt aber kleine Streitigkeiten gehören ja zu jeder Beziehung dazu :smile: .

Die Highlights?

Interessant war es unsere ersten Erfahrungen mit EMS-Training zu machen obwohl wir am Ende die Challenge nicht gewonnen haben. Leider – und das gebe ich offen zu – habe ich die Kilos schon wiedergefunden, die ich in der Zeit verloren hatte. Ich bin trotz Lysanda einfach immer noch nicht konsequent genug sowohl was den Sport als auch das Essen betrifft. Nein, ich nehme mir nicht für 2019 vor das zu ändern. Vorsätze funktionieren bekanntlich nicht. Ich muss es einfach zwingend besser machen. Vor allem, da wir den Vertrag mit dem Fitnessstudio gekündigt haben und wir uns entsprechend dann ab Mitte des Jahres noch stärker selbst drum kümmern müssen wann und wie wir Sport treiben. Deswegen wird der dritte Raum im Keller ein Freizeit- und Sportraum.

Der Crosstrainer steht schon (im Weg)

Ach und wir haben den monatlichen Katzenstammtisch Darmstadt gegründet (einfach mal bei Facebook schauen, wenn ihr in der Umgebung wohnt). Gut, „gegründet“ haben wir ihn technisch gesehen vermutlich nicht. Den ersten Termin hatte jemand anderes angesetzt. Aber wir haben seitdem die Organisation übernommen und kommenden Samstag findet bereits unser siebtes Treffen statt (aktuell über 20 Anmeldungen). Die Idee dahinter ist eigentlich Katzensitter zu finden. Ist schließlich einfacher jemanden in die eigene Wohnung zu lassen, wenn man ihn schon persönlich etwas kennenlernen konnte. Aber es ist natürlich auch grundsätzlich praktisch sich in einer Runde Gleichgesinnter treffen und austauschen zu können. Da hat man wenigstens schon einmal ein Grundthema (Katzenfotos kann jeder zeigen) und kommt selbst als Introvertierter ins Gespräch.

Mein Bildungsurlaub war übrigens dann doch keine Schreibwerkstatt. Die Dozentin hat sich wohl mit dem Anbieter verkracht und entsprechend wurde der Kurs abgesagt. Ich hatte stattdessen einen zum Thema „Gewaltfreie Kommunikation (Marshall B. Rosenberg)“ besucht. War auch sehr interessiert und lehrreich, ihr **********, ********* *******!

Epilog

Und ja, irgendwie gibt es zu 2018 von meiner Seite gar nicht mehr zu sagen. Das Leben ist nun einmal kein Actionfilm in dem jede Sekunde irgendwas Spannendes passiert. Im Gegenteil ist es ganz gut, wenn nicht alles Drunter und Drüber geht und man es auch einfach mal genießen kann. Wir sind eben mittlerweile eine spießige Mittelstandsfamilie: Arbeiten gehen, Hauskredit abbezahlen, am Haus werkeln, Katzen hüten, etc. pp. 2019 wird sich daran nach aktuellem Stand erneut nichts ändern. Zumindest in Sachen „Haus“ stehen die nächsten Projekte (Freizeitraum, Wasserenthärter) schon fest, eine sechste Katze soll eigentlich nicht dazu kommen und eine ersetzen müssen wir wahrscheinlich auch nicht (können ja jetzt nur noch vom Rasenmäher überfahren werden). Ansonsten werden wir es hoffentlich schaffen Sailor Moon fertig zu schauen (Folge 138/200) und ich werde weiter fleißig vor allem am Wochenende Spiele konsumieren (hab‘ beim Steam Winter Sale wieder gut zugeschlagen…). Same ol‘, same ol‘ quasi aber mir geht es damit grad wirklich gut damit.

Und jetzt raus mit der Sprache: Wie war euer Jahr 2018?

Sicarius

Angenehme Feiertage!

Ist es schon wieder soweit? Wirklich? Aber draußen fühlt es sich doch an wie Herbst, wie kann dann schon Weihnachten sein?! Weil es im Kalender steht? Man soll doch nicht alles glauben, was man liest – schon gar nicht in Kalendern. Na gut, dann beuge ich mich halt dem Gruppenzwang. Angeblich ist „Weihnachten“ ja die Zeit der Liebe und so. Sieht man auch an unseren Plätzchen:


Ja, Lysanda hat einen Karton Plätzchen-Ausstecher mit Katzenmotiven gekauft. Was habt ihr denn erwartet?! In diesem Sinne:

Beim Christoph wünscht euch allen angenehme Feiertage!
 

Genießt soweit möglich die paar freien Tage, bevor es wieder mit der ewigen Maloche weitergeht. Immer dran denken: Das Leben ist, was ihr draus macht. Das heißt auch sich von negativen Einflüssen zu befreien. Und bevor ihr fragt: Ja, BeimChristoph.de zu lesen hat selbstverständlich eine absolut positive Wirkung auf euer tiefstes Inneres :smile: .

Bis Montag – dann mit dem Jahresrückblick 2018!

So viele Kickstarter-finanzierte Bücher (alle von Third Editions)

Crowdfunding ist eine Kunst, keine Frage. Und ich behaupte auch nicht, nur weil ich bald 200 Projekte unterstützt habe, dass ich in irgendeiner Art und Weise mit einer eigenen Kampagne eine Erfolgsgarantie hätte. Mal abgesehen davon, dass ich keinerlei Idee für eine Kampagne hätte :smile: . Aber in den Herbstkampagnen sind mir mal wieder ein paar Sachen aufgefallen, wo ich mich jedes Mal wieder Frage: Was soll das? Eine Crowdfunding-Kampagne ist schließlich kein Selbstläufer, sondern eine Hype-Maschine, die gehegt und gepflegt werden will, um erfolgreich zu sein. Okay, Letzteres stimmt leider nicht immer. Auch schlecht geführte Kampagnen schaffen es leider viel zu oft (meist grad so) über die Ziellinie. Aber worum geht es mir?

Die äußeren Faktoren

Es gibt Kampagnen, die haben es besonders schwer. Das kann viele Gründe haben. Das fängt mit dem Produkt an sich an. Zu ungewöhnlich, zu ungewohnt und schon wirft keiner Geld in den Topf. Ein weiterer ist die gewählte Crowdfundingplattform. So sind unter anderem Volume, Unbound oder selbst Fig noch keine so massiv bekannten Plattformen wie Kickstarter. Sprich weniger Leute stoßen zufällig auf die Kampagne und von denen halten sich zudem einige zurück, weil die Plattform komische Regeln hat (Unbound zieht z.B. den Betrag direkt ein und zahlt ihn nicht mehr aus, selbst wenn die Kampagne nicht erfolgreich ist) oder eben, weil sie noch zu unbekannt (=wenig Vertrauen) ist.

Auch die Journalisten halten sich mittlerweile – völlig zu Recht! – stark zurück so viel und so überschwänglich über Crowdfunding-Projekte zu berichten wie es 2012/2013 noch passiert ist. Nicht nur würde man den ganzen Tag nichts anderes mehr tun. Wenn am Ende eine Gurke rauskommt oder die Macher mit dem Geld davongerannt sind, wird den Magazinen ein wenig die Mitschuld gegeben als Teil der Hypemaschine. Da muss eine schon eine Demo vorliegen, die einen umhaut, um noch jemanden zum Schreiben zu animieren. Finde ich aber wie gesagt absolut gerechtfertigt und ist auch für die Backer (Unterstützer) eine super Sache, wenn es schon was zum Anfassen gibt (im Falle von Videospielen). Für den Kampagnen-Initiator macht es das aber natürlich schwer seine Zielgruppe zu erreichen, wenn er nur seine eigenen Kanäle hat.

Und damit sind wir beim eigentlichen Thema: Die Kommunikation während der Crowdfunding-Kampagne mit den aktuellen und potentiellen Unterstützern.

Keine Kommunikation

The Hero of Deathtrap Dungeon (Herstellerbild)

The Hero of Deathtrap Dungeon ist ein schwieriger Pitch. Videospielern ist Deathtrap Dungeon vielleicht grad noch so als ein Eidos-Titel aus dem Jahre 1998 bekannt – und selbst das vermutlich nur schwammig. Trotz leicht bekleideter Heldin (man konnte auch als Held spielen aber wer hat das schon gemacht), die sich durch einen Ära-typischen 3D-Dungeon kämpfen musste, kam es weder bei Kritikern noch Käufern gut an (ich hab‘ glaube ich nur die Demo gespielt). Das Original, eine Reihe von „Adventure Gamebooks“ (Mix aus „Wähl dein Abenteuer“ und „Solo-Pen & Paper-Rollenspiel“) aus dem Jahre 1984, werden entsprechend noch weniger unter euch kennen. Sentinet Play wollte aber nun genau das über Fig finanzieren. Also ein Adventure Gamebook in Digital.

Ich fand es zusammen mit 893 anderen ganz spannend. Aber bei einem Ziel von 200.000 US-Dollar war das zu wenig. Ein Grund für das Versagen der Kampagne ist aus meiner Sicht die fehlende Kommunikation. Ganze acht Updates wurden während der Laufzeit nur veröffentlicht. Und diese sind dann auch noch alle Belanglos und ohne Gefühl (=hingeklatscht). So lockt man keinen vor dem Ofen hervor. Das hat mehr wie „ach, wir stellen da mal eine Kampagne ein – kann ja nicht schaden“ gewirkt als ein echtes „Gebt uns euer Geld! YEAH!“. Dass da weder eine Community entsteht, die für ordentliche Mund-zu-Mund-Propaganda sorgt noch irgendwelche Presseberichterstattung stattfindet, dürfte klar sein.

Und sowas passiert tatsächlich öfters als man glauben mag – selbst bei erfahrenen „Crowdfundern“. Das neuste Buch von Read-Only Memory, Japansoft: An Oral History, wurde auf Volume überhaupt nicht begleitet. Die Kampagne, wenn man sie so überhaupt nennen mag, fand allein auf Twitter statt. Da ist es eigentlich schon erstaunlich, dass das Ziel nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen wurde. Zeigt aber wiederrum, wie wichtig eine gute Community ist. Wenn ROM nicht schon zig herausragende Bücher herausgebracht hätte (die meisten über Kickstarter-Kampagnen finanziert), wäre die Sache sicherlich anders ausgegangen. Ich habe es auch nur deswegen unterstützt.

Lektion 1: Nicht einfach nur die Crowdfunding-Kampagne starten und sich zurücklehnen, sondern diese aktiv begleiten.

Automatisierte Kommunikation

Encased (Herstellerbild)

Aktiv begleiten bedeutet aber nicht einfach nur ein festgelegtes Programm abspulen und/oder die Unterstützer mit Updates erschlagen (wir kriegen jedes Mal eine Mail!). Für das isometrische Rollenspiel Encased (ein Mix aus Fallout und S.T.A.L.K.E.R.) wurden während der 30-tägigen Kampagne 27 Updates veröffentlicht. Die meisten davon eindeutig vorab vorbereitet. Ja, es ist schön mehr über die Inhalte des Spiels zu erfahren und dabei sich nicht nur auf das Gameplay zu konzentrieren, sondern auch die Spielwelt oder die Geschichte zu behandeln. Aber es war für mich einfach zu viel und das hauptsächlich, weil ich das Gefühl hatte es wird einfach nur ein Update-Plan abgespult. Von wegen „Tag 3 bringen wir den Text über die Geschichte des Helden“. Das macht die Sache genauso unpersönlich wie die Kampagnen, in denen überhaupt keine Kommunikation stattfindet.

Es muss einen Plan geben, keine Frage. Und man sollte Inhalte vorbereitet haben, um die Unterstützer bei der Stange zu halten. Aber man muss auch spontan sein und auf das reagieren, was gerade passiert. Nein, nicht nur den nächsten Meilenstein wie „50% funded!“ feiern. Das ist doch ebenso nur ein vorgefertigter Eintrag. Sondern auf die Berichterstattung und Kommentare eingehen. Die Updates ein Stück weit daran anpassen, was die Leute lesen wollen oder dazu animiert was in den Topf zu werfen. Ein Update über die Gestaltung der Weltkarte ist nett und freut vielleicht die Typen von RPG Codex aber von denen gibt es doch eh kein Geld. Die wollen gefühlt nur weiter ihre Rollenspiele aus den 70igern spielen.

Das Paradebeispiel ist für mich mein allerster unterstützter Kickstarter, The Order of the Stick Reprint Drive. Ja, das waren auch drei Dutzend Updates in 30 Tagen aber man hat Rich Burlew angemerkt, dass er vom Erfolg überwältigt war und er aktiv zusammen mit seiner Community die Kampagne vorangetrieben hat. Die Belohnung waren 1,2 Millionen US-Dollar (von angepeilten 60.000 US-Dollar). Und ja, dass mehr an Geld hat teilweise zu Verschiebungen geführt aber nur bei den Bonussachen. Das eigentliche Ziel wurde pünktlich und wie erwartet erfüllt.

Lektion 2: Lebendige Updates. Nicht nur den Plan abspulen, sondern zeigen, dass man aktiv mit dabei ist.

Verzweifelte Kommunikation

Starflight 3: Universe (Herstellerbild)

Die letzte Kategorie sind Kampagnen bei denen ich immer kurz davor bin meine Unterstützung doch wieder zu entziehen. Die, die nur schwerlich auf ihr Ziel zusteuern und die Wahrscheinlichkeit, dass sie es erreichen mit jedem Tag sinkt. Teilweise schleppen sie sich tatsächlich noch über die Ziellinie aber das ist im Ergebnis oft auch nur bedingt gut (weil die Kalkulation zu knapp war). Häufiger schaffen sie es aber nicht. Dann wird entweder mehr oder weniger früh die Reißleine gezogen oder die Kampagne siecht bis zum bitteren Ende vor sich hin. Das Problem dabei ist, dass manche dann zu einer ziemlich weinerlichen/nervigen/verzweifelten Kommunikation übergehen oder Kurzschlusshandlungen vollziehen. Da schäme ich mich mitunter, dass mein Name bei den Unterstützern steht. Starflight 3: Universe hat am Ende sogar ein Elon Munsk-Bundle angeboten und ihn angeschrieben, in der Hoffnung, dass er sie noch über die Ziellinie trägt. Es hat zum Glück nicht gereicht. Andere bitten ihre bereits vorhandenen Unterstützer nochmal Geld drauf zu legen von wegen „Wenn jeder von euch nochmal einen Euro reinpackt, dann schaffen wir es!!!!“ oder „Schreibt doch nochmal alle eure Freunde an!“. Ja, ne lass mal.

Manchmal werden dann sogar plötzlich Strech Goals nach unten korrigiert, um mehr Leute anzulocken. Vor allem Umsetzungen für andere Plattformen wie PS4 und Switch, die sicherlich einen Haufen Geld kosten aber bei den Leuten gut ankommen. Wenn in so einem Fall die Kampagne doch noch erfolgreich ist, könnt ihr euch an einer Hand abzählen wie das mit diesen Umsetzungen ausgehen wird, wenn eigentlich zu wenig Geld dafür eingenommen wurde. Vor allem da schon für das eigentliche Hauptspiel meist die Finanzen nicht korrekt ausrechnet wurde.

Lektion 3: Wenn das Ziel nicht erreicht wird, wird es nicht erreicht. Lebe damit und nimm es wie ein Mann/Frau/Divers.

Epilog

So viel erst einmal dazu. Gibt zum Thema „Kommunikaiton“ sicherlich noch viel, viel mehr zu sagen aber heute lagen mir diese Sachen auf dem Herzen, weil sie mich wirklich besonders aufgeregt haben in den letzten Wochen. Bitte? Ich beschäftige mich viel zu viel mit Crowdfunding? Möglich :smile: . Es werden darüber schließlich durchaus viele nette Produkte finanziert, die wir anders vielleicht gar nicht oder nur in anderer Form erhalten würden. Und mehr Geld für den eigentlichen Hersteller statt für den Zwischenhändler bin ich sowieso grundsätzlich ein Fan von. Obwohl ein Publisher durchaus seine Vorteile hat (z.B. überambitionierte Projekte zur Realität zurückführen). Vielleicht regt mich das deswegen so sehr auf, wenn mal wieder bei einer Kampagne aus meiner Sicht totaler Blödsinn verzapft wird. Ich möchte ja schließlich, dass der Ersteller Erfolg hat und ich ein tolles Produkt bekomme.

Müsste wahrscheinlich mal ein Buch mit Tipps fürs Crowdfunding schreiben – natürlich über einen Kickstarter finanziert. Wäre schließlich die beste Werbung. Nun aber genug davon, denn wir lesen uns schon heute Abend wieder mit dem traditionellen Weihnachtsgruß!

Müsste mal wieder das Regal sortieren…

Die Games Awards sind rum und wie erwartet wurde Rockstar alles in den Poppo geblasen – außer dem wichtigsten „Game of the Year“-Titel, der an God of War ging. Mit dieser Konkurrenz aus dem Weg, können wir nun endlich zu den wichtigen Dingen des Jahres kommen: Meine Top 5 Spiele des Jahres 2018.

Der Rückblick

Grundsätzlich habe ich 2018 aus meiner Sicht erneut einen halbwegs „gesunden“ Spielekonsum gelebt (hab‘ auch wieder einiges eingekauft) und zumindest am Wochenende immer mal wieder ein paar Stunden Zeit gehabt mich am Hauptrechner intensiv einem Titel zu widmen. Die „Durchgespielt“-Quote war zwar trotzdem nicht sonderlich hoch und, dass ich brandaktuelle Spiele zocke kommt ebenfalls so gut wie gar nicht vor. Aber unterm Strich bin ich zufrieden mit meiner Gaming-Life-Balance :smile: .

Hardwaretechnisch ist ganz klar mein iPhone 6 Plus weiterhin mein Hauptspielegerät, gefolgt vom Hauptrechner. Die PlayStation 3 war heuer hingegen überhaupt nicht an (es sei denn eine Katze ist auf den „An“-Knopf getreten) und die Xbox 360 nur mal für meine 30 Minuten mit Red Dead Redemption. Und nein, die neuste Konsolengeneration hat immer noch keinen Einzug bei mir gehalten. Wird sich unter diesen Bedingungen auch logischerweise so schnell nicht ändern. Mehr Zeit habe ich im Vergleich tatsächlich mit der PlayStation Vita (Silent Hill: Book of Memories) und dem Nintendo 3DS (Sonic Colours) verbracht. Aber obwohl ich beide Titel empfehlen kann, hat es keiner davon auf meine diesjährige Top-5-Liste geschafft.

Die Top 5

Ja, ich musste tatsächlich etwas länger überlegen welche der Titel, die ich 2018 gezockt habe (unabhängig vom Erscheinungsdatum) ich nehme. Gut, stimmt nicht ganz – die Top 3 war quasi schon in Stein gemeißelt. Aber beim Rest musste ich wirklich intensiv streichen bis ich auf das untenstehende Ergebnis gekommen bin :smile: . Für eine Rückkehr zumindest zur ursprünglichen Form (13 Kategorien und nur ein Titel) der Bagdadsoftware No-One-Cares-Awards hatte es allerdings immer noch bei weitem nicht gereicht. Irgendwann vielleicht.

Jetzt reicht es aber mit der Vorgeschichte. Wie so oft führen die meisten Links zu Amazon und hier sind sie nun, meine fünf Top-Spiele des Jahres 2018:

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

1. Kingdom Come: Deliverance (2018; PC, XONE, PS4) – Was könnte ich dem letzten Eintrag hinzufügen? Hättet ihr mich im Oktober gefragt, hätte bei den Bagdadsofware NOCAs 2018 ganz klar Divinity: Original Sin II – Enhanced Edition als bestes Rollenspiel des Jahres abgeräumt. Mittlerweile wäre dieser Sieg weder garantiert noch eindeutig. Obwohl ich nun doch auf die eine oder andere Quest mit technischen Problemen gestoßen bin (=lassen sich nicht korrekt oder nur auf bestimmte Art und Weise abschließen), kann ich gar nicht in Worte fassen wie unglaublich viel Laune mir der Titel macht. Ich hatte schon lange kein Spiel mehr an das ich so oft denken musste und auf das ich mich wirklich freue es weiter spielen zu können (nur noch diesen Eintrag fertig schreiben, dann kann ich wieder!). Ich fühle mich wirklich in die Zeit von Gothic und Gothic II zurückversetzt. Glaub‘ ein größeres Lob kann ich einem Videospiel nicht geben :smile: .

Just Cause 3 (Herstellerbild)

2. Just Cause 3 (2015; PC, XONE, PS4) – Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass Teil 3 so viel Laune machen würde. Ja, ich hatte auch mit Teil 2 meinen Spaß aber nach 25 Spielstunden war und ist die Luft einfach raus trotz vieler unerledigter Aufgaben abseits der Kampagne. In Just Cause 3 habe ich hingegen laut Steam satte 51 Stunden versenkt und es zu 100% durch – ohne, dass ich mich nur eine einzige Sekunde gelangweilt hätte! Höchstens bei der ein oder anderen Challenge bzw. Achievement (scheiß Boot!) in die Tastatur gebissen aber das gehört dazu :wink: . Es gibt genug zu tun ohne, dass es zu viel wird. Es ständig Action und die Grafik sieht zum Anbeißen aus. Und allein über den Wingsuit könnte ich schon wieder seitenweise Lobeshymnen verfassen. So eine einfache aber geniale Idee, die das Spielerlebnis um ein Vielfaches besser macht. Und dann noch der doppelte Greifhaken.

Ja, Avalanche Studios hat aus meiner Sicht nicht nur den nächsten logischen Schritt im Vergleich zu Teil 2 getan, sondern damit auch den für mich fast perfekten Serienteil gemacht. Neben den neuen Spielsachen ist es vor allem die gute Balance aus „Spielweltgröße“ und „Inhalt“, die für mich das Zünglein an der Waage waren. Teil 4 scheint da den ersten Reaktionen nach zu urteilen nicht ganz mithalten zu können (wobei viele von Teil 3 ebensowenig begeistert waren). Mal schauen. Allzulange werde ich mich mit dem Kauf wohl nicht zurückhalten können.

So viele Mythics!

3. Magic: The Gathering – Puzzle Quest (2015; iOS, Android) – Obwohl ich es jetzt schon fast zwei Jahre spiele, hat es erst 2018 so richtig „Klick“ gemacht. Ja, es regt mich immer noch hier und da auf, wenn ich gegen einen Gegner antreten muss, der bereits in der 1. Runde eine Mythic nach der anderen raushaut. Aber ich bin mittlerweile tatsächlich in der Position auch mal das Gleiche zu tun und mich in den Events in den Top 100 aufzuhalten. Habe ich also in den sauren Apfel gebissen und endlich Geld ausgegeben? Nein. Es hat angefangen mit der Einführung des Booster-Crafting sowie dem Ixalan-Set.

Booster-Crafting erlaubt es endlich die doppelten Karten, die man vor allem aus dem kostenlosen Boostern zwangsläufig dauernd zieht gezielt in Nützliches umzuwandeln (3000 Orbs für eine ältere Mythic-Karte; eine doppelte Common-Karte gibt 10 Orbs). Eine Garantie, dass ihr genau die bekommt, die ihr haben wollt gibt es da zwar nicht. Aber man bekommt halt zumindest eine Karte der gewünschten Stufe und nicht immer nur nutzlosen Kram. Gleichzeitig wurde erstmals ein Event (Across Ixalan, PvP) eingeführt, welches zumindest im Platinum-Tier (derzeit das höchste) gute Belohnungen bot mit denen man auch seinen Einsatz jeden Tag wieder rausholen konnte. Sowieso sind die PvP- und vor allem die PvE-Events großzügiger geworden was das Verteilen vor allem von Kristallen (die Premium-Währung) angeht. Dadurch konnte ich meinen Karten- (1654 von 2353) und Planeswalkerpool (alle 49 mit Kristallen erwerbbaren) vergrößern und im Ergebnis Decks bauen mit denen ich eine reale Chance habe zu gewinnen. Was habe mich gefreut wie Bolle als ich im PvE-Event „Rise of the God-Pharao“ erstmals Nicol Bolas besiegt habe und jetzt kann ich es fast jedes Mal.

Und wenn man endlich öfters gewinnt als verliert, dann hat man natürlich mehr Spaß an der Sache. Entsprechend wenig verwunderlich, dass ich dieses Jahr kein anderes Spiel so häufig und lange gespielt habe wie Magic: The Gathering – Puzzle Quests. 700 Spielstunden dürfte ich locker erreicht haben. Einziger Wehrmutstropfen: Gefühlt sind die technischen Probleme häufiger geworden (sehr, sehr viele Abstürze, die euch dann das jeweilige Match kosten).

Warhammer 40.000: Dawn of War II – Retribution (Herstellerbild)

4. Warhammer 40.000: Dawn of War II – Retribution (2011; PC, LNX, MAC) – Irgendwie hatte ich im Frühjahr plötzlich mal Lust ein Strategiespiel zu spielen. Und da für mich Warhammer 40.000: Dawn of War II immer noch eines der Besten auf dem Markt ist, habe ich mir endlich mal das zweite Addon Retribution vorgenommen. Anders als im Hauptspiel und in Chaos Rising gibt es dieses Mal in der Kampagne sechs Rassen zur Auswahl.

Die Grundgeschichte (alle wollen etwas in Sub-Sektor Aurelia und es geht in die Hose) und ein Großteil der 16 Levels bleiben zwar für alle gleich. Das dämpft die Motivation etwas die Geschichte aus der Sicht jeder der sechs Rassen zu erleben (ein Durchlauf dauert 6-7 Stunden). Aber spielerisch macht es immer noch extrem viel Laune (solange man scheinbar kein Dawn of War 1-Fan ist) und trifft für mich als Strategie-n00b weiterhin die passende Balance aus Anspruch und völliger Überforderung obwohl ihr dieses Mal nicht nur Squads befehligt, sondern auch als Zugeständnis an die Aufbaufans hier und da Truppen bauen müsst. Dazu natürlich das Setting, das ich sowieso grundsätzlich mega-cool finde und schon hatte mich Relic Entertainment eingefangen. Mal schauen ob ich nächstes Jahr dann Warhammer 40.000: Dawn of War III schaffe. Angefangen habe ich es schon.

Agents of Mayhem (Herstellerbild)

5. Agents of Mayhem (2017; PC, XONE, PS4) – Es hat nicht das Niveau eines echten Saints Row, viele vor allem technische Probleme und ein Koop-Modus, den ich zwar nie benutzen würde, hätte dem Spiel wirklich extrem gutgetan. Aber wie ich geschrieben hatte: Es ist bunt, amüsant und action-reich. Ja, es hat trotz vieler gelungener Charaktere nicht den ganz großen Tiefgang aber es macht mir Spaß. Die Inszenierung stimmt, die Bewegung durch die Spielwelt geht gut von der Hand und das Kampfsystem ist solide. Es könnte selbstverständlich noch viel mehr sein (Saints Row V!) aber was es macht, macht es kompetent und passt zu meinen Vorlieben und damit kommt es auf den fünften Platz. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

 

Das waren also die Spiele, die mich 2018 am meisten beschäftigt haben (bzw. teilweise immer noch tun) und mir positiv in Erinnerung geblieben sind – im Gegensatz zu Titeln wie Homefront: The Revolution oder Risen 3: Titan Lords, die eher in der Kategorie „Enttäuschung des Jahres“ ihre Heimat gefunden hätten. Nun seid ihr an der Reihe: Was habt ihr so in diesem Jahr gezockt? Genug, um eine Top 5 zu füllen? Erzählt es der Welt in den Kommentaren!

Die Nachfolgersuche ist beendet. Zumindest legt das die Tatsache nahe, dass ich zum Verfassungszeitpunkt schon 26, nein 28, äh…Webmaster, hör endlich auf das Spiel zu spielen und schreib den Eintrag! – 30 Stunden in einen anderen Titel investiert habe:

Cover

Kingdom Come: Deliverance (2018; PC, PS4, XONE) – Das war mal wieder so ein Spiel, bei dem ich länger überlegt habe ob ich es tatsächlich kaufe oder nicht. Schon damals beim Kickstarter (2014) war ich hin- und hergerissen. Auf der einen Seite fand ich die Prämisse sehr reizvoll (historisch korrektes Mittelaltersetting, realistische Kampfsimulation, lebendige Welt). Auf der anderen klang es auch extrem Hardcore (limitiertes Speichersystem, anspruchsvolles Kampfsystem, Hygiene- und Hungersimulation). Nachdem ich in den letzten Wochen aber von YouTube in meiner „Empfohlen“-Liste ein paar Videos serviert bekam, entschloss ich mich doch endlich mal zuzuschlagen.

Der Umweg

Also bestellt, geliefert und losgezockt? Leider nein: In der verschweißten Packung waren keine Product Keys enthalten und auch nicht beim Einlegen der Installations-DVD (machen einige mittlerweile). Nicht weiter wild, da ich bei Amazon bestellt hatte (die Lieferbarkeit an „älteren“ PC-Spielen ist bei OkaySoft leider nicht mehr so gut wie früher). Sie hatten aber keine Kopie mehr zum Austausch auf Lager und keine Keys irgendwo rumliegen. Also einfach Zurückschicken gegen Geld und vielleicht später nochmal kaufen. Onlinehandel kann so schön unkompliziert sein.

Wenn damit die Geschichte zu Ende gewesen wäre, könnte ich euch aber natürlich heute nicht über das Spiel berichten, denn ich musste die Rücksendung doch nicht durchführen. Ab und zu hilft es eben doch auf Twitter zu jammern :smile: . Warhorse Studios wurde auf meinen Tweet aufmerksam (scheinbar werden alle Tweets nach „Kingdom Come“ gescannt), empfahl mir Deep Silver zu kontaktieren und eine Mail mit Rechnungsnachweis später hatte ich Ersatzkeys. Perfekt. Endlich konnte es losgehen.

Aller Anfang…

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Im Jahre 1403 geht es rund in Böhmen. Der alte König Karl IV ist tot und sein erster Sohn Wenzel ist wie so häufig ein absoluter Taugenichts, der lieber mit Weibern rummacht als das Land zu regieren. Also nimmt sein Bruder Sigismund mit Billigung eines Teils des Hochadels die Sache selbst in die Hand und zieht raubend und mordend durch das Land (freie Interpretation seines Tuns). Dabei trifft er auch auf das kleine Bergwerksdorf Skalitz. Dort lebt Heinrich, Sohn des Schmiedes, sein typisches Mittelalterleben. Im Prolog erlebt ihr wie das Dorf zerstört, eure Eltern ermordet und euer Leben vollkommen aus den Bahnen geworfen wird. Also die typische „Jemand will Rache und rettet nebenbei die Welt“-Story?

Tatsächlich ist Heinrich alles andere als ein Held und wird auch von niemanden so gesehen. Im Prinzip ist es nur dem Ruf seines Vaters zu verdanken, dass er überhaupt mehr darf als nur in den Straßen von Rattay zu betteln. Und es geht nicht um die Rettung der Welt, sondern ihr seid einfach Teil dieser unruhigen Zeit und erlebt ein paar Highlights mit. Technisch gesehen würde das alles so oder so passieren (bzw. ist es damals tatsächlich mit der ein oder anderen erzählerischen Freiheit).

Das ist buchstäblich gemeint, denn das Spiel arbeitet nicht durchgängig aber doch oft mit zeitlich getriebenen Quests. Wenn jemand sagt, dass er zu Sonnenaufgang da und dort auf euch wartet, solltet ihr nicht erst 10 Tage lang in der Wildnis und Hasen jagen (=Wildern). Und wenn ein Charakter im Sterben liegt und ihr ihn heilen sollt, ist es nicht zu empfehlen vorher noch eine Runde im Badehaus mit den Mädels abzuhängen. Was nicht heißt, dass ihr das ganze Spiel hindurch getrieben werdet. Aber die Entwickler von Warhorse Studios werfen euch hin und wieder einen Stock zwischen die Beine, um euch daran zu erinnern, dass Kingdom Come: Deliverance versucht realistischer zu sein.

Taktische Kämpfe

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Wie es sich für einen Schmiedesohn im Mittelalter gehört, kann Heinrich weder ein Schwert schwingen noch Lesen und seine Kenntnis der Außenwelt beschränkt sich auf zwei Meter vor dem Dorf. Insofern ist der Questtitel „Renn!“ beim Dorfangriff durchaus ernstgemeint. So habt ihr zwar ein Schwert dabei aber gegen die Kumanen nicht den Hauch einer Chance. Gut, technisch gesehen könnt ihr sie tatsächlich besiegen – sie sind nicht unverwundbar. Aber es ist extrem schwer, weil ihr nichts aushaltet und so gut wie keinen Schaden verursacht (ich habe 10 Spielstunden im Prolog verbracht – unter anderem, weil ich sie töten wollte). Eure Fähigkeiten verbessert ihr dadurch, dass ihr sie benutzt (ähnlich The Elder Scrolls) sowie bei Trainern ein paar Groschen (die damalige Währung) investiert. Was bei Bethesdas Rollenspielserie irgendwie doof ist, passt hier perfekt, weil ihr so mit Heinrich besser werdet. Das Kampfsystem ist nämlich nicht ohne und dürfte die außerhalb von VR-Titeln aktuell realistischste Schwertkampfsimulation auf dem Markt bieten.

Egal ob Axt, Streitkolben, Hellebarde oder die diversen Arten von Schwertern: Stupide auf den Mausbutton hämmern bringt nichts. Damit verbraucht ihr nur eure Ausdauer und gebt eurem Gegner die Chance zum Gegenangriff. Stattdessen gilt es den Feind genau zu beobachten, Schwachstellen zu erkennen, Lücken auszunutzen oder auch einfach mal wegzurennen. Aus fünf Richtungen könnt ihr angreifen sowie Zustechen. Da sich euer Charakter realistisch in die Angriffe hineinlegt, könnt ihr beispielsweise nicht zweimal direkt hinter einander von links unten angreifen. Nein, ein Angriff von links unten heißt, dass euer Schwert rechts oben herauskommt. Euer nächster Hieb sollte entsprechend aus der Richtung kommen, sobald ihr in der Bewegung dort angekommen seid (ähnlich wie in der The Witcher-Reihe). Außerdem lernt ihr im Lauf des Spiels Komboangriffe sowie Schläge abzublocken, Auszuweichen und Anzutäuschen. Das alles macht euch selbst mit besserer Ausrüstung nicht unbesiegbar und jeder einzelne Feind kann euch bis zum Schluss schwer zusetzen (von Gruppen ganz zu schweigen). Aber seid ihr anfangs noch vor jedem Banditen in seinem Stoffhemdchen weggerannt, könnt ihr es später durchaus mit voll ausgestatteten Rittern aufnehmen. Hat quasi etwas von Dark Souls das Ganze. Nur, dass ihr eben nicht die Angriffsmuster eures Gegners einfach auswendig lernt, sondern den Umgang mit eurer Ausrüstung.

Das Speichersystem

„Ach, dann speichere ich halt vor jedem Kampf und probiere solange bis ich es schaffe“ – Ja, ne so einfach macht es euch Kingdom Come: Deliverance nicht. Das Thema „Speichern“ wurde zwar durch einige Patches entschärft – so gibt es bspw. nun ein Speichern beim Beenden und es wird häufiger bei Quests ein Spielstand angelegt – aber ganz ohne bleibt es immer noch nicht. Wenn ihr speichern wollt, müsst ihr entweder einen bestimmten, relativ raren und teuren Schnaps trinken (der euch allerdings zu einem Alkoholiker werden lassen kann, wenn ihr zu oft hintereinander speichert) oder in bestimmten Betten schlafen (nicht in allen!). Ansonsten gibt es abseits der automatischen Speicherpunkte keine Möglichkeit. Das bedeutet, dass ihr bei einem tödlichen Fehler durchaus mal ein paar Spielstunden verlieren könnt.

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Die Auswirkungen sind eindeutig: Nicht nur will wohl überlegt sein, ob ihr euch in den nächsten Kampf begebt. Auch „alltägliche“ Sachen, die wir aus anderen Rollenspielen gewohnt sind, macht man nicht einfach mal so. Das komplette Haus vor den Augen des Besitzers ausrauben? Leute auf offener Straße bestehlen? Nachts durch die Gegend schleichen und fremde Truhen öffnen? Wehrlose NPCs umbringen, um ihre Sachen zu klauen? Das Spiel erlaubt euch prinzipiell alles. Aber werdet ihr erwischt, hat das massive Konsequenzen. Das fängt damit an, dass die Leute euch gegenüber misstrauisch werden (es gibt ein Reputationssystem) und bspw. die Händler die Preise erhöhen und geht über empfindliche Geldstrafen bis hin zu Gefängnisaufenthalte oder einer Runde am Galgen abhängen. Wenn man nicht einfach „F5“ drücken kann und man stattdessen durch ein Neuladen aufgrund einer unvorsichtigen Handlung viel Spielzeit verliert, denkt man entsprechend lange und gut darüber nach. Und man achtet vor allem genauer darauf, welche Routine das jeweilige Ziel hat, denn ja: Kingdom Come: Deliverance hat einen echten Tag- und Nachtwechsel mit entsprechenden Auswirkungen auf alle NPCs im Spiel. Euer Questgeber steht nicht an seinem bekannten Ort? Nun, es ist schon 19 Uhr – wahrscheinlich sitzt er jetzt in der Taverne. Ihr wollt eine Truhe knacken? Dann vielleicht nachts um 24 Uhr, wenn alle schlafen und nicht so aufmerksam sind. Und auch eure Ausrüstung spielt eine große Rolle. Schleichen in der rasselnden Kettenhemdrüstung ist keine wirklich leise Angelegenheit. Und wenn ihr euch wie ein Dieb anzieht, dürft ihr euch nicht wundern, wenn die Wachen einen in euch sehen.

Zumal die erwähnten Tätigkeiten zu Beginn ebenfalls nicht so einfach sind. Lesen könnt ihr wie gesagt überhaupt nicht und müsst es nicht nur erst lernen, sondern auch noch trainieren. Entsprechend könnt ihr euch zwar in Alchemie probieren aber wenn man keine Rezepte lesen kann, sollte man das Ergebnis aus dem dazugehörigen (sehr detaillierten) Minispiel vielleicht nicht trinken. Die Schlösserknacken- und Taschendiebstahl-Minispiele muss man ebenfalls erst meistern (wobei es auch hier durch Patches bereits Entschärfungen gab). Und wenn etwas schief geht, ist nicht einfach nur ein Dietrich weg – mitunter werdet ihr gleich von einer Wache verfolgt. Am Schwierigsten ist der Umgang mit Pfeil und Bogen. Hier schlägt der Realismus Vollendens zu: Keine Zielhilfe (nicht einmal ein Punkt in der Mitte des Bildschirms) und die ersten paar Level trifft Heinrich nicht einmal ein Scheunentor, weil er keine Kraft in den Armen hat. Und vergisst man seinen Armschutz anzuziehen, verletzt man sich (wie in der Realität!) gerne mal seinen Unterarm. Erst ab Level 5 im Umgang mit dem Bogen wird es etwas einfacher – mit der Betonung auf „etwas“.

Selbst ist der Schmiedesohn?

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Abseits von Alchemie gibt es übrigens kein Crafting-System. Eure gesamte Ausrüstung müsst ihr entweder kaufen oder finden. Dafür gibt es ein detailliertes Verschleißsystem – inkl. grafischer Darstellung. Eurem Helm sieht man durchaus an, dass ihr öfters mal einen auf den Deckel bekommen habt und er schützt euch entsprechend nicht mehr ganz so gut. Und noch besser: Die NPCs reagieren sogar darauf. Ward ihr ein paar Tage in der Wildnis, eure Kleidung ist verdreckt und verbeult, bekommt ihr mitunter einen entsprechenden Spruch zu hören. Gleichzeitig werden eure Charakterwerte wie Charisma niedriger, weil ihr stinkt wie ein Wildschwein und ihr habt mitunter Nachteile in den Gesprächen mit Charakteren und Verhandlungen (noch ein Minispiel) mit den Händlern. Regelmäßig Waschen von Haut und Kleidung sowie eben das Reparieren eurer Sachen (könnt ihr erlenen oder gegen Bezahlung machen lassen) ist wie das Schlafen und Essen ein wichtiger Bestandteil eurer Spieleroutine. Ja, ihr müsst schlafen und essen. Tut ihr das nicht, müsst ihr mit Sichteinschränkungen (eure Augen fallen zu, wenn euer Magen knurrt verschwimmt die Sicht) und/oder reduzierten Charakterwerten leben. Das geht sogar soweit, dass ihr an einem Tag nicht unendlich viele Bücher lesen könnt. Stattdessen sagt Heinrich irgendwann „Ich kann mich nicht mehr konzentrieren“. Ach und hatte ich schon erwähnt, dass das Essen in eurem Rucksack mit der Zeit schlecht wird? Nein? Dann wisst ihr es jetzt.

Hört sich jetzt alles ziemlich nervig an. In der Praxis ist es aber (mittlerweile) nicht so schlimm. Zum schnellen Waschen findet man immer mal wieder einen Wassertrog rumstehen, Essen gibt es selbst in der Wildnis häufig zu finden (in Camps über offenem Feuer) und Heinrich kommt vergleichsweise lange ohne ein Bett aus bzw. ein Spieltag ist angenehm lang. Es ist aber natürlich eine Umgewöhnung, wenn man ansonsten nur die typische Rollenspiel-Kost gewohnt ist. Auch das Reisen durch die 16km² große Spielwelt ist nicht so einfach, wie man es gewohnt ist. Zwar bietet Kingdom Come: Deliverance eine Art Schnellreisefunktion für bereits entdeckte Hauptstädte (also nicht zu jedem Ort). Aber es ist kein „wir teleportieren dich einfach da hin“, sondern euer Charakter reist auf der wunderschön gestalteten Altertums-Weltkarte in beschleunigter Zeit dort hin – mit entsprechenden Einflüssen auf eure Gesundheit sowie der Gefahr von Zufallsbegegnungen mit bspw. einem Banditenhinterhalt (vor allem wenn ihr nachts unterwegs seid).

Die Technik

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Grafisch und soundtechnisch ist Kingdom Come: Deliverance eine Augen- und Hörweide. Regen lässt Pfützen auf den Straßen entstehen, so wunderschöne und realistische Sonnenaufgänge habe ich noch in keinem Spiel gesehen und einfach nur mal im Wald stehen und den Geräuschen lauschen ersetzt fast den echten Spaziergang – auch, weil die Entwickler sehr viel Liebe zum Detail eingebracht haben inkl. dem exakten Nachbau echter Sehenswürdigkeiten. Die Power der CryEngine wird wirklich voll ausgenutzt. Nur die Charakteranimationen lassen zu wünschen übrig und leiden unter dem Üblichen „Was soll ich nur im Dialog mit meinen Händen machen?!“-Problem, das man z.B. aus Risen kennt. Allerdings braucht man für dieses Spielerlebnis eine entsprechende Power unter dem Schreibtisch. Selbst nach meinem Upgrade muss ich viele Details (vor allem Weitsicht) stark reduzieren, um durchschnittlich bei spielbaren 30 und 45fps zu landen (je nachdem ob es regnet oder nicht). Gleichzeitig hat der Titel trotz zahlreicher Patches immer noch mit vielen technischen Problemen zu kämpfen.

Das schlimmste und auffälligste ist das Nachladen der Texturen (das RAGE-Problem). Das Spiel kommt schlicht nicht damit hinterher. Kommt ihr beispielsweise in eine Stadt galoppiert, dauert es durchaus 1-2 Minuten bis tatsächlich alle Texturen voll geladen wurden. Vorher müsst ihr mit dem bekannten Matsch leben. Abstürze hatte ich hingegen zwar noch keine, werden aber in den Foren immer noch bemängelt. Dafür viele Glitches wie ein Heinrich, der beim Reiten über seinem Pferd schwebt oder Charaktere, deren Arme durch sie selbst gehen und solche Kleinigkeiten. Außerdem kann es passieren, dass ihr an Objekten hängen bleibt z.B. wenn ihr volle Lotte mit dem Pferd gegen einen niedrigen Balken reitet. Normalerweise solltet ihr dann entweder abgeworfen werden oder einfach hindurchreiten. Manchmal bleibt ihr aber auch einfach nur drinstecken und könnt nichts mehr machen als den letzten Spielstand wieder laden. Verbuggte Quests und Plotstopper werden ebenso in den Foren erwähnt. In der Hinsicht hatte ich bislang aber Glück.

Beim Christoph meint: Trotz mittlerweile schon vier DINA4-Seiten Text habe ich wirklich nur an der Oberfläche gekratzt. Ich habe wie erwähnt bereits 30 reale Stunden investiert und trotzdem erst ein Bruchteil des Spiels gesehen und erlebt. Warhorse Studios haben es sich für ihr Erstlingswerk nicht einfach gemacht und quasi bereits ein Lebenswerk geschaffen. Und zumindest in der aktuellen Version 1.7.2 muss ich ganz klar sagen: Das Ergebnis ist einfach nur ein herausragender Open-World-Titel. Ja, es hat seine Fehler und Problemchen. Das darf man nicht verheimlichen und ist vor allem aufgrund des Speichersystems besonders ärgerlich (eine Quest wiederhole ich gleich zum vierten Mal).

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Aber die hat The Elder Scrolls V: Skyrim trotz gefühlt 2.000 Re-Re-Re-Releases auch immer noch und anders als bei der Konkurrenz stimmt einfach das Gesamtpaket. Wenn ich meine Faszination mit einem Wort zusammenfassen müsste, dann wäre es Gothic 2018. Es fehlen zwar die fantastischen Elemente wie Drachen oder Magie. Aber im Kern fühlt es sich genauso wie damals an: Eine wirklich lebendige, offene Welt voller glaubwürdiger und nicht glattgeschliffener Charaktere, die einen echten Tagesablauf abseits von „ich laufe von A nach B und zurück“ haben und ein Hauptcharakter, der als Taugenichts startet und selbst von einem Scavenger getötet wird und nach und nach mit dem Spieler spürbar besser wird. Und Kingdom Come: Deliverance setzt eben wie es sich für einen modernen Titel gehört noch sehr viele Schippen sowohl in technischer als auch spielerischer Hinsicht obendrauf.

Ja, es ist definitiv ungewohnt und eine echte Herausforderung an vielen Stellen schon allein, weil es kein richtiges Tutorial für viele Aspekte des Titels gibt. Aber es macht zumindest mir richtig viel Spaß. Trotz der mehrfachen Wiederholungen vor allem am Anfang (am Ende habe ich alle Kumanen besiegt!) vergingen die 30 Stunden wie im Fluge und ich bin absolut heiß darauf wieder weiterspielen zu können sobald ich diese Zeilen fertig getippst habe. Insofern kann es nur allen ans Herz legen, die auf der Suche nach einem anspruchsvolleren Rollenspiel mit vielen Möglichkeiten sind und nichts gegen das realistische Mittelaltersetting haben. Lasst euch auf jeden Fall nicht von den „Hardcore“-Elementen abschrecken. Es liest sich schlimmer als es tatsächlich ist.

Und nun entschuldigt mich: Henry (so heißt er auf Englisch) wartet.

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