Die Nachfolgersuche ist beendet. Zumindest legt das die Tatsache nahe, dass ich zum Verfassungszeitpunkt schon 26, nein 28, äh…Webmaster, hör endlich auf das Spiel zu spielen und schreib den Eintrag! – 30 Stunden in einen anderen Titel investiert habe:

Cover

Kingdom Come: Deliverance (2018; PC, PS4, XONE) – Das war mal wieder so ein Spiel, bei dem ich länger überlegt habe ob ich es tatsächlich kaufe oder nicht. Schon damals beim Kickstarter (2014) war ich hin- und hergerissen. Auf der einen Seite fand ich die Prämisse sehr reizvoll (historisch korrektes Mittelaltersetting, realistische Kampfsimulation, lebendige Welt). Auf der anderen klang es auch extrem Hardcore (limitiertes Speichersystem, anspruchsvolles Kampfsystem, Hygiene- und Hungersimulation). Nachdem ich in den letzten Wochen aber von YouTube in meiner „Empfohlen“-Liste ein paar Videos serviert bekam, entschloss ich mich doch endlich mal zuzuschlagen.

Der Umweg

Also bestellt, geliefert und losgezockt? Leider nein: In der verschweißten Packung waren keine Product Keys enthalten und auch nicht beim Einlegen der Installations-DVD (machen einige mittlerweile). Nicht weiter wild, da ich bei Amazon bestellt hatte (die Lieferbarkeit an „älteren“ PC-Spielen ist bei OkaySoft leider nicht mehr so gut wie früher). Sie hatten aber keine Kopie mehr zum Austausch auf Lager und keine Keys irgendwo rumliegen. Also einfach Zurückschicken gegen Geld und vielleicht später nochmal kaufen. Onlinehandel kann so schön unkompliziert sein.

Wenn damit die Geschichte zu Ende gewesen wäre, könnte ich euch aber natürlich heute nicht über das Spiel berichten, denn ich musste die Rücksendung doch nicht durchführen. Ab und zu hilft es eben doch auf Twitter zu jammern :smile: . Warhorse Studios wurde auf meinen Tweet aufmerksam (scheinbar werden alle Tweets nach „Kingdom Come“ gescannt), empfahl mir Deep Silver zu kontaktieren und eine Mail mit Rechnungsnachweis später hatte ich Ersatzkeys. Perfekt. Endlich konnte es losgehen.

Aller Anfang…

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Im Jahre 1403 geht es rund in Böhmen. Der alte König Karl IV ist tot und sein erster Sohn Wenzel ist wie so häufig ein absoluter Taugenichts, der lieber mit Weibern rummacht als das Land zu regieren. Also nimmt sein Bruder Sigismund mit Billigung eines Teils des Hochadels die Sache selbst in die Hand und zieht raubend und mordend durch das Land (freie Interpretation seines Tuns). Dabei trifft er auch auf das kleine Bergwerksdorf Skalitz. Dort lebt Heinrich, Sohn des Schmiedes, sein typisches Mittelalterleben. Im Prolog erlebt ihr wie das Dorf zerstört, eure Eltern ermordet und euer Leben vollkommen aus den Bahnen geworfen wird. Also die typische „Jemand will Rache und rettet nebenbei die Welt“-Story?

Tatsächlich ist Heinrich alles andere als ein Held und wird auch von niemanden so gesehen. Im Prinzip ist es nur dem Ruf seines Vaters zu verdanken, dass er überhaupt mehr darf als nur in den Straßen von Rattay zu betteln. Und es geht nicht um die Rettung der Welt, sondern ihr seid einfach Teil dieser unruhigen Zeit und erlebt ein paar Highlights mit. Technisch gesehen würde das alles so oder so passieren (bzw. ist es damals tatsächlich mit der ein oder anderen erzählerischen Freiheit).

Das ist buchstäblich gemeint, denn das Spiel arbeitet nicht durchgängig aber doch oft mit zeitlich getriebenen Quests. Wenn jemand sagt, dass er zu Sonnenaufgang da und dort auf euch wartet, solltet ihr nicht erst 10 Tage lang in der Wildnis und Hasen jagen (=Wildern). Und wenn ein Charakter im Sterben liegt und ihr ihn heilen sollt, ist es nicht zu empfehlen vorher noch eine Runde im Badehaus mit den Mädels abzuhängen. Was nicht heißt, dass ihr das ganze Spiel hindurch getrieben werdet. Aber die Entwickler von Warhorse Studios werfen euch hin und wieder einen Stock zwischen die Beine, um euch daran zu erinnern, dass Kingdom Come: Deliverance versucht realistischer zu sein.

Taktische Kämpfe

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Wie es sich für einen Schmiedesohn im Mittelalter gehört, kann Heinrich weder ein Schwert schwingen noch Lesen und seine Kenntnis der Außenwelt beschränkt sich auf zwei Meter vor dem Dorf. Insofern ist der Questtitel „Renn!“ beim Dorfangriff durchaus ernstgemeint. So habt ihr zwar ein Schwert dabei aber gegen die Kumanen nicht den Hauch einer Chance. Gut, technisch gesehen könnt ihr sie tatsächlich besiegen – sie sind nicht unverwundbar. Aber es ist extrem schwer, weil ihr nichts aushaltet und so gut wie keinen Schaden verursacht (ich habe 10 Spielstunden im Prolog verbracht – unter anderem, weil ich sie töten wollte). Eure Fähigkeiten verbessert ihr dadurch, dass ihr sie benutzt (ähnlich The Elder Scrolls) sowie bei Trainern ein paar Groschen (die damalige Währung) investiert. Was bei Bethesdas Rollenspielserie irgendwie doof ist, passt hier perfekt, weil ihr so mit Heinrich besser werdet. Das Kampfsystem ist nämlich nicht ohne und dürfte die außerhalb von VR-Titeln aktuell realistischste Schwertkampfsimulation auf dem Markt bieten.

Egal ob Axt, Streitkolben, Hellebarde oder die diversen Arten von Schwertern: Stupide auf den Mausbutton hämmern bringt nichts. Damit verbraucht ihr nur eure Ausdauer und gebt eurem Gegner die Chance zum Gegenangriff. Stattdessen gilt es den Feind genau zu beobachten, Schwachstellen zu erkennen, Lücken auszunutzen oder auch einfach mal wegzurennen. Aus fünf Richtungen könnt ihr angreifen sowie Zustechen. Da sich euer Charakter realistisch in die Angriffe hineinlegt, könnt ihr beispielsweise nicht zweimal direkt hinter einander von links unten angreifen. Nein, ein Angriff von links unten heißt, dass euer Schwert rechts oben herauskommt. Euer nächster Hieb sollte entsprechend aus der Richtung kommen, sobald ihr in der Bewegung dort angekommen seid (ähnlich wie in der The Witcher-Reihe). Außerdem lernt ihr im Lauf des Spiels Komboangriffe sowie Schläge abzublocken, Auszuweichen und Anzutäuschen. Das alles macht euch selbst mit besserer Ausrüstung nicht unbesiegbar und jeder einzelne Feind kann euch bis zum Schluss schwer zusetzen (von Gruppen ganz zu schweigen). Aber seid ihr anfangs noch vor jedem Banditen in seinem Stoffhemdchen weggerannt, könnt ihr es später durchaus mit voll ausgestatteten Rittern aufnehmen. Hat quasi etwas von Dark Souls das Ganze. Nur, dass ihr eben nicht die Angriffsmuster eures Gegners einfach auswendig lernt, sondern den Umgang mit eurer Ausrüstung.

Das Speichersystem

„Ach, dann speichere ich halt vor jedem Kampf und probiere solange bis ich es schaffe“ – Ja, ne so einfach macht es euch Kingdom Come: Deliverance nicht. Das Thema „Speichern“ wurde zwar durch einige Patches entschärft – so gibt es bspw. nun ein Speichern beim Beenden und es wird häufiger bei Quests ein Spielstand angelegt – aber ganz ohne bleibt es immer noch nicht. Wenn ihr speichern wollt, müsst ihr entweder einen bestimmten, relativ raren und teuren Schnaps trinken (der euch allerdings zu einem Alkoholiker werden lassen kann, wenn ihr zu oft hintereinander speichert) oder in bestimmten Betten schlafen (nicht in allen!). Ansonsten gibt es abseits der automatischen Speicherpunkte keine Möglichkeit. Das bedeutet, dass ihr bei einem tödlichen Fehler durchaus mal ein paar Spielstunden verlieren könnt.

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Die Auswirkungen sind eindeutig: Nicht nur will wohl überlegt sein, ob ihr euch in den nächsten Kampf begebt. Auch „alltägliche“ Sachen, die wir aus anderen Rollenspielen gewohnt sind, macht man nicht einfach mal so. Das komplette Haus vor den Augen des Besitzers ausrauben? Leute auf offener Straße bestehlen? Nachts durch die Gegend schleichen und fremde Truhen öffnen? Wehrlose NPCs umbringen, um ihre Sachen zu klauen? Das Spiel erlaubt euch prinzipiell alles. Aber werdet ihr erwischt, hat das massive Konsequenzen. Das fängt damit an, dass die Leute euch gegenüber misstrauisch werden (es gibt ein Reputationssystem) und bspw. die Händler die Preise erhöhen und geht über empfindliche Geldstrafen bis hin zu Gefängnisaufenthalte oder einer Runde am Galgen abhängen. Wenn man nicht einfach „F5“ drücken kann und man stattdessen durch ein Neuladen aufgrund einer unvorsichtigen Handlung viel Spielzeit verliert, denkt man entsprechend lange und gut darüber nach. Und man achtet vor allem genauer darauf, welche Routine das jeweilige Ziel hat, denn ja: Kingdom Come: Deliverance hat einen echten Tag- und Nachtwechsel mit entsprechenden Auswirkungen auf alle NPCs im Spiel. Euer Questgeber steht nicht an seinem bekannten Ort? Nun, es ist schon 19 Uhr – wahrscheinlich sitzt er jetzt in der Taverne. Ihr wollt eine Truhe knacken? Dann vielleicht nachts um 24 Uhr, wenn alle schlafen und nicht so aufmerksam sind. Und auch eure Ausrüstung spielt eine große Rolle. Schleichen in der rasselnden Kettenhemdrüstung ist keine wirklich leise Angelegenheit. Und wenn ihr euch wie ein Dieb anzieht, dürft ihr euch nicht wundern, wenn die Wachen einen in euch sehen.

Zumal die erwähnten Tätigkeiten zu Beginn ebenfalls nicht so einfach sind. Lesen könnt ihr wie gesagt überhaupt nicht und müsst es nicht nur erst lernen, sondern auch noch trainieren. Entsprechend könnt ihr euch zwar in Alchemie probieren aber wenn man keine Rezepte lesen kann, sollte man das Ergebnis aus dem dazugehörigen (sehr detaillierten) Minispiel vielleicht nicht trinken. Die Schlösserknacken- und Taschendiebstahl-Minispiele muss man ebenfalls erst meistern (wobei es auch hier durch Patches bereits Entschärfungen gab). Und wenn etwas schief geht, ist nicht einfach nur ein Dietrich weg – mitunter werdet ihr gleich von einer Wache verfolgt. Am Schwierigsten ist der Umgang mit Pfeil und Bogen. Hier schlägt der Realismus Vollendens zu: Keine Zielhilfe (nicht einmal ein Punkt in der Mitte des Bildschirms) und die ersten paar Level trifft Heinrich nicht einmal ein Scheunentor, weil er keine Kraft in den Armen hat. Und vergisst man seinen Armschutz anzuziehen, verletzt man sich (wie in der Realität!) gerne mal seinen Unterarm. Erst ab Level 5 im Umgang mit dem Bogen wird es etwas einfacher – mit der Betonung auf „etwas“.

Selbst ist der Schmiedesohn?

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Abseits von Alchemie gibt es übrigens kein Crafting-System. Eure gesamte Ausrüstung müsst ihr entweder kaufen oder finden. Dafür gibt es ein detailliertes Verschleißsystem – inkl. grafischer Darstellung. Eurem Helm sieht man durchaus an, dass ihr öfters mal einen auf den Deckel bekommen habt und er schützt euch entsprechend nicht mehr ganz so gut. Und noch besser: Die NPCs reagieren sogar darauf. Ward ihr ein paar Tage in der Wildnis, eure Kleidung ist verdreckt und verbeult, bekommt ihr mitunter einen entsprechenden Spruch zu hören. Gleichzeitig werden eure Charakterwerte wie Charisma niedriger, weil ihr stinkt wie ein Wildschwein und ihr habt mitunter Nachteile in den Gesprächen mit Charakteren und Verhandlungen (noch ein Minispiel) mit den Händlern. Regelmäßig Waschen von Haut und Kleidung sowie eben das Reparieren eurer Sachen (könnt ihr erlenen oder gegen Bezahlung machen lassen) ist wie das Schlafen und Essen ein wichtiger Bestandteil eurer Spieleroutine. Ja, ihr müsst schlafen und essen. Tut ihr das nicht, müsst ihr mit Sichteinschränkungen (eure Augen fallen zu, wenn euer Magen knurrt verschwimmt die Sicht) und/oder reduzierten Charakterwerten leben. Das geht sogar soweit, dass ihr an einem Tag nicht unendlich viele Bücher lesen könnt. Stattdessen sagt Heinrich irgendwann „Ich kann mich nicht mehr konzentrieren“. Ach und hatte ich schon erwähnt, dass das Essen in eurem Rucksack mit der Zeit schlecht wird? Nein? Dann wisst ihr es jetzt.

Hört sich jetzt alles ziemlich nervig an. In der Praxis ist es aber (mittlerweile) nicht so schlimm. Zum schnellen Waschen findet man immer mal wieder einen Wassertrog rumstehen, Essen gibt es selbst in der Wildnis häufig zu finden (in Camps über offenem Feuer) und Heinrich kommt vergleichsweise lange ohne ein Bett aus bzw. ein Spieltag ist angenehm lang. Es ist aber natürlich eine Umgewöhnung, wenn man ansonsten nur die typische Rollenspiel-Kost gewohnt ist. Auch das Reisen durch die 16km² große Spielwelt ist nicht so einfach, wie man es gewohnt ist. Zwar bietet Kingdom Come: Deliverance eine Art Schnellreisefunktion für bereits entdeckte Hauptstädte (also nicht zu jedem Ort). Aber es ist kein „wir teleportieren dich einfach da hin“, sondern euer Charakter reist auf der wunderschön gestalteten Altertums-Weltkarte in beschleunigter Zeit dort hin – mit entsprechenden Einflüssen auf eure Gesundheit sowie der Gefahr von Zufallsbegegnungen mit bspw. einem Banditenhinterhalt (vor allem wenn ihr nachts unterwegs seid).

Die Technik

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Grafisch und soundtechnisch ist Kingdom Come: Deliverance eine Augen- und Hörweide. Regen lässt Pfützen auf den Straßen entstehen, so wunderschöne und realistische Sonnenaufgänge habe ich noch in keinem Spiel gesehen und einfach nur mal im Wald stehen und den Geräuschen lauschen ersetzt fast den echten Spaziergang – auch, weil die Entwickler sehr viel Liebe zum Detail eingebracht haben inkl. dem exakten Nachbau echter Sehenswürdigkeiten. Die Power der CryEngine wird wirklich voll ausgenutzt. Nur die Charakteranimationen lassen zu wünschen übrig und leiden unter dem Üblichen „Was soll ich nur im Dialog mit meinen Händen machen?!“-Problem, das man z.B. aus Risen kennt. Allerdings braucht man für dieses Spielerlebnis eine entsprechende Power unter dem Schreibtisch. Selbst nach meinem Upgrade muss ich viele Details (vor allem Weitsicht) stark reduzieren, um durchschnittlich bei spielbaren 30 und 45fps zu landen (je nachdem ob es regnet oder nicht). Gleichzeitig hat der Titel trotz zahlreicher Patches immer noch mit vielen technischen Problemen zu kämpfen.

Das schlimmste und auffälligste ist das Nachladen der Texturen (das RAGE-Problem). Das Spiel kommt schlicht nicht damit hinterher. Kommt ihr beispielsweise in eine Stadt galoppiert, dauert es durchaus 1-2 Minuten bis tatsächlich alle Texturen voll geladen wurden. Vorher müsst ihr mit dem bekannten Matsch leben. Abstürze hatte ich hingegen zwar noch keine, werden aber in den Foren immer noch bemängelt. Dafür viele Glitches wie ein Heinrich, der beim Reiten über seinem Pferd schwebt oder Charaktere, deren Arme durch sie selbst gehen und solche Kleinigkeiten. Außerdem kann es passieren, dass ihr an Objekten hängen bleibt z.B. wenn ihr volle Lotte mit dem Pferd gegen einen niedrigen Balken reitet. Normalerweise solltet ihr dann entweder abgeworfen werden oder einfach hindurchreiten. Manchmal bleibt ihr aber auch einfach nur drinstecken und könnt nichts mehr machen als den letzten Spielstand wieder laden. Verbuggte Quests und Plotstopper werden ebenso in den Foren erwähnt. In der Hinsicht hatte ich bislang aber Glück.

Beim Christoph meint: Trotz mittlerweile schon vier DINA4-Seiten Text habe ich wirklich nur an der Oberfläche gekratzt. Ich habe wie erwähnt bereits 30 reale Stunden investiert und trotzdem erst ein Bruchteil des Spiels gesehen und erlebt. Warhorse Studios haben es sich für ihr Erstlingswerk nicht einfach gemacht und quasi bereits ein Lebenswerk geschaffen. Und zumindest in der aktuellen Version 1.7.2 muss ich ganz klar sagen: Das Ergebnis ist einfach nur ein herausragender Open-World-Titel. Ja, es hat seine Fehler und Problemchen. Das darf man nicht verheimlichen und ist vor allem aufgrund des Speichersystems besonders ärgerlich (eine Quest wiederhole ich gleich zum vierten Mal).

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Aber die hat The Elder Scrolls V: Skyrim trotz gefühlt 2.000 Re-Re-Re-Releases auch immer noch und anders als bei der Konkurrenz stimmt einfach das Gesamtpaket. Wenn ich meine Faszination mit einem Wort zusammenfassen müsste, dann wäre es Gothic 2018. Es fehlen zwar die fantastischen Elemente wie Drachen oder Magie. Aber im Kern fühlt es sich genauso wie damals an: Eine wirklich lebendige, offene Welt voller glaubwürdiger und nicht glattgeschliffener Charaktere, die einen echten Tagesablauf abseits von „ich laufe von A nach B und zurück“ haben und ein Hauptcharakter, der als Taugenichts startet und selbst von einem Scavenger getötet wird und nach und nach mit dem Spieler spürbar besser wird. Und Kingdom Come: Deliverance setzt eben wie es sich für einen modernen Titel gehört noch sehr viele Schippen sowohl in technischer als auch spielerischer Hinsicht obendrauf.

Ja, es ist definitiv ungewohnt und eine echte Herausforderung an vielen Stellen schon allein, weil es kein richtiges Tutorial für viele Aspekte des Titels gibt. Aber es macht zumindest mir richtig viel Spaß. Trotz der mehrfachen Wiederholungen vor allem am Anfang (am Ende habe ich alle Kumanen besiegt!) vergingen die 30 Stunden wie im Fluge und ich bin absolut heiß darauf wieder weiterspielen zu können sobald ich diese Zeilen fertig getippst habe. Insofern kann es nur allen ans Herz legen, die auf der Suche nach einem anspruchsvolleren Rollenspiel mit vielen Möglichkeiten sind und nichts gegen das realistische Mittelaltersetting haben. Lasst euch auf jeden Fall nicht von den „Hardcore“-Elementen abschrecken. Es liest sich schlimmer als es tatsächlich ist.

Und nun entschuldigt mich: Henry (so heißt er auf Englisch) wartet.

Über ein Jahr ist es mittlerweile her, dass ich euch vom Beginn meiner Behandlung gegen CMD (Craniomandibulare Dysfunktion) erzählt habe. Zeit für ein Update würde ich sagen. Bitte? Interessiert keinen? *seufz* Warum müsst ihr immer so böse zu mir sein, liebe imaginären Besucher?! Dann gibt es halt nur ein Fehlersuchbild:

Fehlersuchbild mit Balu

14 Fehler sind es insgesamt. Wer sie alle findet kann stolz auf sich sein, erhält aber sonst keinen Preis. Die Auflösung gibt es irgendwann in den Kommentaren. Zufrieden? Nein? Na dann eben doch meine CMD:

Über 4.000 Euro hat mich die Sache bislang gekostet und es ist noch kein Ende in Sicht. Rund die Hälfte musste ich selbst zahlen, weil ich vor der Diagnose leider die Zahnzusatzversicherung gewechselt hatte und nun noch in den „wir bezahlen nur bis zu einem gewissen Betrag pro Jahr“-Phase bin (geht vier Jahre lang). Aber die Hälfte ist immerhin nur die Hälfte und nicht alles. Die größten Beträge waren das Auswechseln einer meiner Implantatskronen sowie natürlich die CMD-Schiene selbst (war allerdings billiger als im Kostenvoranschlag angegeben).

Die Krone auf meinem 2. (von 2) Implantat hat mich schon immer gestört und zu Problemen geführt. Entsprechend hat sich der ganze Aufwand schon allein dafür gelohnt. Der Hr. Prof. Dr. Winzen war der erste Zahnarzt, der gesehen hat, dass nicht mein Putz- oder Essverhalten für meine ständigen Probleme (=entzündetes Zahnfleisch) dafür verantwortlich ist, sondern die Krone einfach nicht passte. Einem anderen Zahnarzt ein Fehlverhalten nachzuweisen ist natürlich quasi unmöglich, weshalb ich auf den Kosten sitzen geblieben bin. Aber immerhin renne ich jetzt nicht mehr ständig zum Onkel Doc, weil mein Zahnfleisch schon wieder um den Zahn herum blutet. Zusätzlich wurden am Ende drei Füllungen ersetzt und eine korrigiert. Ob das eine spürbare Auswirkung hatte kann ich nicht sagen, aber ein korrektes Bissbild ist eben eine Grundvoraussetzung für eine gute CMD-Schiene.

Die Schiene

Meine aktuelle CMD-Schiene

Kurze Wiederholung: Ziel der CMD-Schiene ist anders als bei der 08/15-Krankenkassenschiene nicht nur der Schutz meiner Zähne, sondern dem Kiefer zu erlauben sich in die richtige Position zu bringen. Erst dann kann sich mein Körper entspannen, die Schmerzen hören auf und man kann darüber nachdenken das Bissbild nochmal so anzupassen, dass keine Schiene mehr notwendig ist. Nach einem Jahr sind wir nun soweit, dass meine Kontrolltermine auf 8 statt 4 Wochen hochgesetzt werden konnten. Bei diesen Terminen wird geschaut ob das Bissbild der Schiene korrekt ist und ggf. nachgeschliffen. Am Anfang musste da jedes Mal sehr viel gemacht werden, mittlerweile sind es nur noch minimale Anpassungen. Sprich die Schiene sitzt nun perfekt in meinem Mund.

Zusätzlich scheinen wir nun auch die korrekte Materialstärke für mich gefunden zu haben. Zwar habe ich es schon wieder geschafft mit einem meiner oberen Backenzähne ein Loch zu produzieren (ich scheine vor allem nachts sehr stark zuzubeißen) und es wird vermutlich nächstes Jahr ein Ersatz fällig. Aber sie hat trotzdem bislang über ein halbes Jahr gehalten und zeigt trotz Loch keine Anzeichen von Instabilität. Die erste Schiene hatte ich schon nach einem Monat kaputt, die zweite hat nicht viel länger gehalten. Zum Glück wurden mir die jeweils auf Kulanz ersetzt – musste also nicht erneut tief in die Tasche greifen.

Das Ergebnis

Jetzt fragt ihr euch natürlich, was es gebracht hat. Die Antwort: Viel. Ja, der Anfang war ungewohnt und teilweise sogar schmerzhaft. So wurde es nach dem Nachschleifen mitunter erst einmal wieder schlimmer mit den morgendlichen Schulterschmerzen. An solchen Tagen war ich echt froh zumindest zeitweise manuelle Physiotherapie zu bekommen (von auf CMD spezialisierten Therapeuten). Zeitweise deshalb, weil eine zahnärztliche Heilmittelverordnung zwar 10 Termine umfasst (im Gegensatz zu den üblichen 6) aber ansonsten den gleichen Regeln unterworfen ist: Nur drei Verordnungen, dann 12 Wochen ab letztem Behandlungstermin Pause. Gleichzeitig sind dem Physiotherapiezentrum auf unserem Firmengelände wo ich meine Behandlungen bekommen habe mittlerweile alle CMD-Therapeuten weggelaufen. Ob es an mir lag?

Aber ich brauche es zum Glück nicht mehr zwingend. Ja, mein oberer Rücken ist immer noch mehr oder weniger stark verspannt je nach Tagesform (viel Stress = viel Kauen nachts = mehr Verspannung morgens) woran ich natürlich im Fitnessstudio versuche zu arbeiten. Die extremen Schmerzen am Morgen sind jedoch weg. Und ich hoffe natürlich, dass es mit fortwährender Zeit noch besser wird. Mittlerweile trage ich die Schiene 24 Stunden am Tag und ziehe sie nur zum Putzen und zum Essen aus. Theoretisch kann man damit zwar essen aber ich habe festgestellt, dass sie danach total dreckig ist und eine Grundreinigung braucht. Da das nicht immer möglich ist ziehe ich sie halt aus. Nicht unbedingt Problemfreier, da ich gerne vergesse sie wieder anzuziehen und dann wie ein aufgescheuchtes Huhn meine Schiene suche (sie war schließlich verdammt teuer). Aber noch habe ich sie nicht verloren…noch :smile:

Vorläufiges Fazit

Die eingesetzte CMD-Schiene

Ich bin echt froh, dass mein Osteopath damals die Schiene ins Gespräch gebracht hat als Problemursache. Sonst würde ich vermutlich immer noch von Orthopäde zu Orthopäde tingeln und mit Einlagen oder sonst einem Mist arbeiten müssen, der mir nichts bringen würde. Zwar sind nicht alle Probleme weg (mein Tinnitus kommt z.B. wie erwartet nicht von den Zähnen). Aber mein Hauptthema waren und sind die schmerzhaften Rückenverspannungen und die sind schon massiv zurückgegangen. Insofern bin ich gespannt, was sich da 2019 noch tun wird.

Was nicht heißt, dass es keine negativen Punkte an meiner Behandlung gibt. So möchte ich an dieser Stelle durchaus erwähnen, dass mir der Hr. Prof. Dr. praktisch seit den (teuren) Sitzungen am Anfang nicht mehr gesehen hat. Das ist nicht bös gegen meine behandelte Zahnärztin gemeint, die macht ihre Sache soweit sie es kann gut aber in der Hinsicht scheint es eben doch nur eine 08/15-Zahnarztpraxis zu sein in der der Chef nur den „wichtigsten“ (=zahlungskräftigsten) Kunden vorbehalten ist. Auch die „Gesamtbetrachtung des Körpers“, die er in seinem Vortrag so sehr betont hat vermisse ich bis heute. So hieß es eigentlich (wie bei der ersten Zahnärztin, bei der ich wegen CMD war) ich müsste zwingend vor dem Vermessen für die Schiene zur Physio gehen, damit ich total entspannt und locker bin. Das müsste dann auch direkt im Haus passieren, da schon die Erschütterungen beim Autofahren wieder alles kaputt machen könnten. Am Ende hat es keiner mehr angesprochen. Ich bin ganz normal hin, wurde vermessen und bin wieder raus. Auch die Informationspolitik zur weiteren Behandlung (was soll ich eigentlich an Verbesserung merken, testen wir es vielleicht mal in der Praxis, etc. pp.) ist trotz expliziter Nachfragen unterirdisch. Ja, man könnte es manchmal als „Planlos“ bezeichnen. Dabei soll ich doch geheilt werden, damit ich nie wieder zu ihnen kommen muss…

Aber gut: Mir geht es trotz dieser organisatorischen Widrigkeiten körperlich besser als vor einem Jahr. Und das ist bekanntlcih das Wichtigste. Nächste Woche habe ich meinen nächsten Termin. Mal schauen was da rauskommt.

PS: Azzkickr hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass mein Name im neusten Spieleveteranen-Podcast (#132) gefallen ist. Im Abschnitt über Die Siedler 7 wird kurz mein Test und der Wechsel meines Nachnamens thematisiert. Fand ich amüsant. Meine Meinung ist übrigens weiterhin: Die Siedler 7 ist der beste Serienteil seit Die Siedler II: Veni, Vidi, Vici. Und das liegt nicht nur am fantastischen Soundtrack.